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mit -em Kreisblatt für Vie Kreise Marburg mV Kirchhain.

Gonntagsdeila-er JUuftrirtes Sonntagsvlatt.

JVi 307

Vierteljährlicher Bezugspreis: bei der Expedition 2 Mk^ bei allen Postämtern 2,25 Mk. <e$tL Bestellgeld).

JnsertionSgcbühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum IO Pfg.

Neclamen: die Zeile 25 Pfg.

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Marburg

Sonntag, 29. November 1903.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck imb Verlag' Joh. Slug. Koch. UniversitätS-Buchdruckerei Marburg, Markt 21. Telephon 55.

38. Jahrg.

Zweites Blatt.

Der Kwilecka-Prozeß

hat das Ende genommen, das nach der Beweis- aufnabme der letzten Wochen vorauszusehen war. Der Kampf um das Majorat, oder, wie andere sagten, der Kampf um das Kind ist zugunsten der angeklagten Gräfin entschieden, und das Ber­liner Publikum hat die freigesprochene wie ihre Verteidiger mit tausendfachen Hucrahrufen ge­feiert. Daß der bündige Nachweis der Unschuld der Gräfin erbracht sei, wird niemand behaupten können. Es handelte sich nm ein non liquet, und in solchem Falle gilt der alte Grundsatz: in dubio pro reo, in zweifelhaften Fällen zugunsten des Angeklagten.

Das forensische Drama, bei dem nunmehr der Vorhang gefallen ist, wird noch lange Gegenstand ernster Erörterungen bleiben. Nicht als ob künf­tig sich Tag für Tag die sentinientalen Betrach­tungen wiederholen sollten, die jetzt in einzelnen Blättern über die Freigesprochene angestellt wer­den. Die polnische Gräfin hat den Knaben wie­der. der ihr nach dem Urteil der Geschworenen mit triftigen Gründen nicht streitig gemacht werden konnte, sie hat ihn wieder nach einem an ihre Kräfte sicherlich hohe Anforderungen stellenden Kampfe. Und doch füllt es schwer, mit dieser Frau Mitgefühl zu haben; da ist im Verlaufe des Pro­zesses viel zu viel Nachteiliges über sie und ihre Angehörigen bekundet worden. Ein Zeuge er­zählte, wenn die Gräfin 20 000 Mark in die Hand bekani, fuhr sie nach Paris, und wenn sie wicder- kom, war zwar das Geld verbraucht, aber die Hotelrechnung nicht bezahlt. Einen ebensowenig anheimelnden Eindruck machte ihr Gatte. In seinem Schloß gingOnkel Gerichtsvollzieher" ein und aus, in Wroiiro gab es Gerichtstage, wo mehr als die Hälfte aller Klagen gegen den Gra­fen gerichtet waren, und lächelnd, als ob er nichts Unrühmliches zu bekunden hätte, fragte er: Wa­rum soll ich keine Verhältnisse haben? Die Mit­gift der Gräfin war schnell verbraucht, und die Schuldenlast des bei vernünfftger Wirtschaft jähr­lich etwa 70 000 Mark äbwerfendeu Gutes war von 200 000 Mark im Jahre 1896 auf jetzt 450 000 Mark angcwachsen. Gewiß ist es richtig, daß die Polen int allgemeinen unter preußischer Herrschaft viel gelernt haben und daß sie gerade durch ihre Stärke auf wirtschaftlichem Gebiete in dem naftonalen Kampfe der Ostmark gefährliche Gegner geworden sind. Aber das im Reiche der Kwilecki die oft verschrieene polnische Wirtschaft geherrscht hat, wird nirgends bestritten werden, zumal wenn auch noch der moralische und intel­lektuelle Tiefstand vieler aus jener Gegend herbei- geeilten Zeugen in Betracht gezogen wird.

Der Prozeß hat uns in den letzten Tagen noch einige recht bedauerliche Entgleisungen gebracht. Von feiten der Anklagebehörde wurde geäußert, sic könne Brief und Siegel darauf geben, jedes Zivilgericht würde die Angeklagten verurteilen; wer logisch denken könne, müsse die Gräfin schul­dig sprechen; wenn es nicht zu einer Verurteilung

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Frau Hadwig.

Eine Strandgeschichte von Ella Lindner.

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. Frau Hadwig war müde, das heißt, nicht niiibe im gewöhnlichen Sinne des Wortes, auch nicht etwa lebens-, ja nicht einmal großstadtmüde denn im Grunde liebte sie das elegante Treiben der schönen Residenz viel zu sehr, als daß sie es ernstlich hätte wissen mögen aber jetzt sehnte sie sich dennoch fort. Sie war menschenmüde wenn man so jagen darf. Die Alltagsgesichter, "der Alltag überhaupt war es. den sie einmal ab- streifen trollte völlig abstreifen. Sie hatte sich zwar immer bemüht, ihr Leben so festtäglich als nur möglich -n gestalten, und im ganzen Ivar ihr da-, vortrefflich gelungen immer ja natürlich -auch nicht. Manches Staubwölkchen hatte der 'Wind ans den, Alltag zu ihr herüber gelocht ,w recht harmlos aber eS war doch immerhin Swub gewesen und Schmutz, und Frau Hadwig ihagle nichtsJo sehr, als eben diesen, lind schließ­lich meinte sie nicht mehr ahnen zu können in die­ser staubgeschwängerten Lust.

! ..Ich muß ersticken hier, Ursi,la, glaub' es pur!"

Ursula. Hadwigs Pflegerin ans den. Tagen der Kindheit, schüttelt? mit einem seinen Lächeln da? ergraute Haupt.

Das macht nur, weil Du so viel an derlei Dinge denkst, Kind. Deinem Leben fehlt mir der rechte Inhalt"

rechte Inhalt Das Wort der alten Frau ging dem innaen Geschöpf nach, im Wachen und im Traume. . Der rechte Inhalt!" Wie wahr Ursula gesprochen oorte r, zu wahr nur! Kei­nen Augenblick ver.-evttc üch Frau Hadwig es. Da-

'komme, so würde das den Geschworenengerichten den Todesstoß versetzen. Durch solche Aeußerun- gen wird nur zu leicht das Gegenteil von dem er­reicht, was sie bezwecken sollten. Wer aber die Prozeßverhandlungen aufmerksam verfolgt hat, wird auch mit Bedauern gelesen haben, wie der sprachgewandte Verteidiger Justizrat Wronker den Geschworenen vorhielt, Publikum und Presse stehen hinter der Verteidigung. Das ist dieselbe Beeinflussung der Geschworenen, nur nach der anderen Seite, als sie bei der Staatsanwaltschaft zu beobachten war, wenn natürlich auf beiden Teilen das hier getadelte Vorgehen nicht als Be­einflussung gedacht und empfunden wurde. Allein diese Entgleisungen hüben und drüben sind Ein­zelheiten, die bald vergessen und vergeben wer­den. Daneben sind aber durch den Prozeß so mancherlei Schäden des heutigen Strafverfahrens aufgedeckt worden, es sei nur an die wenig beneidenswerte Stellung der Verteidigung, an daS Uebergewicht des Untersuchungsrichters und der Staatsanwaltschaft und an die erschreckende Fülle der Vereidigungen erinnert daß die maßgeben­den Stellen für die Reform des heutigen Straf­verfahrens überreiches Material erhalten haben.

Umschau.

Die Einberufung des Reichstages, ist. wie schon gemeldet, nunmehr erfolgt. Nächsten Donnerstag werden die am 16. Juni gewählten neuen Reichsboten zu ihrer ersten Session zusam­mentreten. Daß Se. Majestät der Kaiser die Thronrede selbst verlesen werde, ist aufgrund des neuesten Bulletins kaum anzunehmen, da der hohe Kranke danach erst innerhalb einiger Wochen in Besitz einer völlig gebrauchsfähigen Stimme ge­langen wird. Von den Aufgaben des neuen Reichs­tages sind außer dem Reichshaushaltsetat und der Verlängerung des Handelsprovisoriums mit Eng­land zu nennen: das neue Misitärpensionsgcsetz, die Abänderung des Vörsengesetzes und das Ser­visgesetz. Der Entwurf betreffend Kaufmanns­gerichte ist ebenfalls in Vorbereitung und ferner ist ein Antomobilgesetz angekündigt. Einiges In­teresse dürste zunächst die Präsidentenwahl Hervor­rufen; es wird sich dabei zeigen, in welcher Art die Sozialdemokratieohne ihre Würde zu ver­letzen" ihre Ansprüche geltend macht. Zu wün­schen hiiire, daß der die Geschäftsordnung miß­achtenden sozialdemokratischen Fraktion auch die Besetzung von Schriftführerposten versagt würde und daß man davon Abstand nehmen möchte,Ge­nossen" als Vorsitzende von Kommissionen, insbe­sondere der Geschäftsordnungskommission, zuzu- lassen. Nach dem Dresdener Parteitage liegt kein Anlaß mehr vor, auf die Sozialdemokratie be­sondere Rücksicht zu nehmen, sie hat sich als Fein­din der öffentlichen Ordnung ausdrücklich bekannt und muß nun demgemäß auch behandelt werden.

Bischof Anzer.

DieNordd. Allgem. Zig." schreibt: Mit Bischof Anzer ist eine Persönlichkeit auS dem Leben geschieden, dis sich in opferwilliger Arbeit für die christliche Mission in Asten dauernde

mol?, als Werner Otten noch lebte, inar es anders gewesen. Sie wünschte fast die Zeit zurück, in der sie an seiner Seite durchs Leben hatte gehen dürfen. Ein älter Mann schon, warb er um sie, die sein Mündel war. Ihre Jugend, ihre Schön­heft hattend ihm angetan. Und einem Künstler verzeiht man ja alles, selbst eine törichte Heirat, obichon man völlig darüber einig war, daß diese späte Ebe das größte Unglück sei für den Mann, der für sein Leben und Sckcaffen so viel mehr Frei­heit brauchte, als irgend einer. Im Kassandroten prophezeite man ihm das schwärzeste Unheil unter sich natürlich, denn er hätte sie ja nur aus­gelacht. die guten, gescheiten Nächsten. Und Wer­ner Ottens Lochen war berüchftgt sie fürchteten es allesamt mehr oder weniger. Es lag so viel überlegener Spott, so viel Weltverachtung in dic­kem Lachen. Aber unter sich, da beschäftigte man sich eingehend mit der jungen Ebe.

Ein Ende mit Schrecken wird es geben!" Diese Frau ist sein Ruin"

..Sie wird seine Srhaffenskrast vollständig lähmen!"

..Wie er das nur tun konnte, unser Otten, der seine Ziele in den Sternen suchte!"

Seins Flügel werden nun die Schwungkraft bald genug verlieren, und dann ist der Sfttrz in die Tief; unausbleiblich."

Kann auch sein, daß er jetzt überhaupt tticht mehr an Fliegen denkt, sondern fein säuberlich im warmen Nest am Boden hocken bleibt."

Aber, nichts von alledem traf ein. Ottens Kunst blieb, völlig auf der Höhe, und man war darob fast einigermaßen erstaunt, doch keiner hatte es für möglich gehalten, sich in seinen Voraus- setznngen so schmählich täuschen zn können. Und so war es doch geschehen.

Aber man gewöhnt sich im Leben an alles, und so gewöhnte man sich schließlich auch an des

Verdienste um die deutschen Interessen in China erworben hat. Die patriotische Wirksamkeit des Verstorbenen, den lebhaftes Nationalgefühl beseelte, wurde vom Kaiser durch wiederholte Auszeichnungen anerkannt. Seine langjährige Tätigkeit für die Ausbreitung christlicher Kultur unter dem chinesischen Volke war von den Sympathien weiter Kreise begleitet. Dem energischen Manne werden auch die Deutschen anderer Konfessionen die Anerkennung nicht versagen, daß er al» ein treuer Sohn seiner Kirche wie seine? Vaterlandes mit unerschrockenem Mute gestritten und gelitten hat und daß sein Name mit der Entwicklung der nationalen Be­strebungen im fernen Osten ehrenvoll verknüpft bleibt.

Kassenärzte und Krankenkasse.

In auffallender Weise haben sich in letzter Zeit die Nachrichten von zum Teil recht scharfen Auseinandersetzungen zwischen Kassenärzten und Krankenkassen gehäuft. Meist handelte es sich um das Bestreben der Aerzte, ihre Stellung materiell zu bessern und eine zu weitgehende Ausnutzung ihrer Arbeitskraft zu beseitigen, bezw. ihr vorzubeugen. Die sogen. Aerztestreiks find heute kein leeres Wort mehr, sondern wiederholt in der Praxis erprobt, allerdings nicht immer mit dem gewünschten Erfolg, da die Kaffen ihrerseits den Forderungen der Aerzte vielfach nicht nur ein entschiedenes Nein entgegengesetzt, sondern den Aerzten sogar mit der glatten Verzichtleistung auf deren Tätigkeit geantwortet haben.

Barth alS unverdrossener Vor­kämpfer der Sozialdemokratie.

In einer Berliner freisinnigen Versammlung erklärte Dr. Barth, er sei sich darüber klar gewesen, daß sein Vorschlag, ein Bündnis mit der Sozial- demokratte abzuschließen, Widerstand finden werde. Das werde ihn aber nicht von seinen Zielen ab­bringen. Selbst wenn die Sozialdemokratie noch schlechter sei, als sie geschildert werde, müsse sie aus politischen Gründen für bündnisfähig erachtet werden. Wenn auch Herr Barth nicht maßgebend ist, so wird man sich diese Aeußerung doch merken, denn sie charakterisiert gleichzeitig auch seinen An­hang, die freisinnig-nationcft"soziale Verbrü­derung.

Deutsches Reich

Berlin, 28. November.

Seine Majestät der Kaiser erfreut sich, ab­gesehen von der noch notwendigen Schonung der Stimme, des besten Wohlseins und wird voraus­sichtlich an den Lehlingrr Hofjagden teilnchmen am 4. und 5. Dezember, zu welchen Prinz Albrecht von Preußen, Regent von Braunschweig einge- laben ist. Beide Majestäten unternahmen gestern den gewohnten Spaziergang in der Umgebung des Neuen Palais.

alten Mannes spates Glück. Es war ja auch ein wirkliches, kein Scheinglück, welches in dem schönen Künstlerheim zwischen Rosen und Lorbeer erblühte. Ein wirkliches Glück!

Hadwig hatte sich früher in ihren Mädchenträumen natürlich das Glück freilich etwas anders- auSgemalt, nicht so füll und klein, sondern jauchzend, himmelstürmend, die Fackel der Liebe flammend in der hocherhobenen Rechten, glührote Blumen int Haar, glührote Blumen auf dem Wege, über den es dahinstürmt. So sah Hadwigs Traumglück aus. Aber das war früher gelvesen, lange bevor sie Werner Ottens Frai» wurde, törichte Träume, die sie begraben hatte. Begraben ja aber auch tot? Man begräbt so manches, was nicht gestorben, in alle Ewigkeit nickt fterben will, sondern wieder und wieder aus dunk­ler Gruft die Anne emporstreckt zum Licht so voll Sehnen voll heißen, heißen Sehnens und so war auch mit Frau Hadwigs Traum­glück. Es ivar nicht tot o nein! Und warum auch sollte 'es? ES lag wahrhaftig kein Grund vor. War sic denn nicht jung, und hatte ihre Ju­gend nicht ein Recht auf Glück? To grübelte sic an einem goldenen Frühsommertag, just als die Rosen zu Hüben begannen, und die Reseden schon schüchtern bufteten draußen in dem kleinen Vor­garten an Frau Hadwigs Hans. Und toi; sie mut so samt da fiel ihr Blick auf eine rosige Muschel, die Otten seinem jungen Weibe droben an der Nordsee gekauft hatte. Sie langte unwillkürlich nach dem feinen, glatten Ding und legte es anS Ohr, ein kinderhaftes Lächeln um den kleinen Mund, und sie lauscht; hinein. Meeresrauschen! Die See o die See! Hastig legte sie die Muschel nieder. Sie wußte plötzlich, was sie wollte.

"Ja ja --- ja 1" sagte sie vor sich hin, an die See- oh sie preßt die Hönde test

Sein; Majestät hat der Hamburg er An­dreas-Loge aus Anlaß ihres 125jährigen Stif­tungsfestes sein Bild in kostbarem Rahmen ge­schenkt.

Prinzessin Heinrich von Preußen ist von Darmstadt wieder in Kiel eingetroffen, während der Großherzog von Hessen vorerst noch in Darm­stadt verbleiben wird,

Die zweite Lesung der Besprechungen über den deutsch-russischen Handelsvertrag, die am 16. d. M. in Berlin begonnen, wird derKrenz-Ztg." zufolge am heutigen Sonnabend abgeschlossen wer­den. Die Verhandlungen, welche im Dezember in Petersburg fortgesetzt werden, sollen in letzter Zeit erfreuliche Fortschritte gemacht haben. Zu Ehren der russischen Unterhändler fand beim Staatssekretär des Auswärtigen, Frhrn. v. Richthofen ein Festmahl statt.

Die in dem neuen Marinevoranschlag ge­forderten beiden Linienschiffe sollen den 34. und 35. Linienschiffsneubau in unserer Flotte bilden. Da das Flottengesetz den Sollbestand an Linien­schiffen auf 88 festgesetzt hat, bleiben bis zur Aus« sührbng des Gesetzes außer den Ersatzbauten jetzt nur noch drei Neubauten zu forbern. Der in den Etat eingestellte Panzerkreuzer ist der dreizehnte, während vierzehn vorgesehen sind. Dir Zahl der kleinen Kreuzer erhöht sich durch den in den Etat eingestellten Neubau auf 35; in Aus­sicht genommen sind 38, so daß nur noch drck fehlen.

Das bevorstehende Erscheinen einer Börsen« gesetznovelle int deutschen Reichstage hat die in­teressierten Kreise in einen wahren Freudentaumel gestürzt, da in ihnen die Meinung herrscht, die neue Novelle werde nun alle diejenigen Kautelen und Schranken aufheben, di; zur Verhütung von Auswnchsn des Börsenverkehrs errichtet Wörde» Waren. Die betreffenden Kreise werden sich dahev voraussichtlich sehr enttäuscht sehen, wenn der Sn< halt der Vorlage bekannt werden wird.

-Island.

OesterrelÄ-NAgar«. In den Parlamenten beider NeickSbälften wird daS Benehmen der Abgeordneten immer schlimmer. Im österreichi­schen ReichSrat liegen sich Tschechen und Deutsche in den Haaren. Die kleine Episode desPen« dulen"-'DiebstablS, ein deutscher Abgeordnete hatte einem tschechischen nachgesagt, er habe im Belgrader Konak eine Uhr gestohlen, ist in güt« sicher Weise durch eine prächtige Prügelscene beigelegt worden. Vor solchenVolksvertretern' kann man schwerlich Achtung haben. Auch im ungarischen Abgeordnetenhause dauern die Lärm« feen en fort. Fortwährend ergehen sich einzelne Abgeordnete in den gröbsten Beschimpfungen deS Ministerpräsidenten. Finanzminister LukacS unterbreitete daS Vudgetgesttz für 1903, in welchem, da das jetzige Budget noch nicht ver­handelt worden ist, die ursprünglich veran­schlagten Posten entsprechend den bisherigen Ergebnissen abgeändert sind. Die Gesamtaus­gaben sind von 1090 auf 1084 Millionen Kr. reduziert, auch die Einnahm en um 6 Millionen

ineinander, und dann einer raschen Eingebung folgend, faßte sie die Falten ihres Kleides zu­sammen und'lief zu Ursula.

Ursula, was wirst Du sagen, wenn ich Dich einmal verlasse?"

Erstaun blickte die Greisin von ihrer Stickerei auf.Willis Du verreisen?"

Ja, Ursula, ja!" Es war fast ein Jauchzen in Hadwig? Stimme, als sie antwortete.

Aber Kind"

Rede mir nicht' dazwischen, Geliebtes'* Sie kniete vor dem hoben, Lehnstuhl nieder und legte ihre heiße Wange auf die kühlen Altfrauen­hände.Ich muß--muß muß! Sonst

ersticke ich gewiß. Uriel!"

Aber nein"

Ursel. Du weißt das nicht! Du bist alt« Du sagst ja selbst, Du habest abgeschlossen mit dem Leben. Aber ich, sieb mal, ich bin doch jung> und bann, Ursel, wis lange ist es her, daß ich' uicht draußen war in der Welt! In der schönen, schöne», schönen Welt! Rom war das letzte damals mit Werner weißt Du noch?"

Ja, sie wußte es noch, die Alte.

Das mag eine schöne Reise gewesen sein*

Ach wonnig. Ursel!" ,

.Aber es toar daS letzte Mal, daß IHv reiftet ja bald darauf starb der arme Wer­ner. Das sind nun tote viele Jahre sind eS nun?" '

Zwei, Urselchen. Und in diesen zwei Jahre«! saß ich daheim! Immer daheim nutzlos die' kostbare Zeit verschwendend! Sollte man eZ; glauben? Und eigentlich bin ich doch gar keine' seßhafte Natur ich bin solch ein Zngvogs solch eine Zigeunerin." f

^Fortsetzung folgt.)