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mit dem Kursblatt für dre Kreise Marburg und Kirchhain. *,z

Sonntagsbeilage: JAustrirtes Sonntagsblatt.

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Erstes Blatt.

Zur Schulnot.

Unter dieser Ueberschrist veröffentlicht ein Arzt imSchwab. Merkur" folgenden Artikel:

Die Schulen haben wieder angefangen und das Gespenst der Hausarbeiten breitet wieder feinedunkelnachtenden Schwingen" aus über die­jenigen Familien insbesondere, dir Schüler iit höheren Lehranstalten haben. Jeder Stand und feder Beruf beansprucht seinen Feierabend und braucht ihn, um sich für des kommenden Tages Arbeit zu erholen und Kräfte zu sammeln. Wir erwärmen uns als billig denkende Menschen für die Bestrebungen jedes Arbeiters und Taglöhners, die darauf hinzielen, ihn vor der Ausbeutung seiner Kräfte zu schützen und ihm einen aus- kömmlichen Feierabend zu sichern. Wir Aerzte stellen theoretisch, eine ganze Anzahl Fabrikbe­sitzer stellte praktisch fest, daß bei Einführung einer kürzeren Arbeitszeit das Ergebnis der Arbeit nicht bloß fein Weniger, sondern meist sogar ein Mehr ausweist, d. h. daß ein reichlich zugemessener Feier­abend die Leistungsfähigkeit und die Arbeitskraft, und wir können wohl auch sagen bi? Arbeitsfreu­digkeit, steigert und gewissermaßen konzentrierter macht. Und das sind Erfahrungen bei mehr ober weniger körperlicher Arbeit.

Nun steht da eine große Schar geistiger Ar­beiter, die hat keinen Feierabend, auf jeden Fall keinen auch nur entfernt zureichenden Feierabend. Das sind unsere Söhne, die Schüler unserer hö­heren Lehranstalten, unsere Jugend, auf deren körperlicher Gesundheit und geistiger Frische unsre Zukunft ruhen soll. Diese Jugend hat, dank der Einrichtung derHausaufgaben", keinen Feier­abend. Trotz all der oben angeführten Mahnun­gen und praktischen Erfahrungen auf anderen Gebieten sitzen und brüten unsere Jungen (und zwar nicht bloß die schwächer Begabten!) noch immer, oft direkt von der Schule weg, vor und nach dem Abendessen und meist bis zum späten Schlafengehen über ihren Hausaufgaben, zu einer Zeit, wo der Lehrer vielfach seinerseits und ganz berechtigter Weise längst seinen e Feierabend ge­nießt oder wohl gar sich schon zur Ruhe begeben hat. Und das sind, wohlgemerkt, nicht etwa sel­tene Ausnahmen oder Uebertreibungen. Das ist die rauhe Wirklichkeit, tvie sie einem Manne täg­lich zu Gemüt geführt wird, der zur Zeit drei Söhne in höhere Lehranstalten sitzen und dazu, als Arzt, täglich den Kampf gegen die Schädigun- gen dieses Systems zu führen hat. Ich weiß, daß auf verschiedene Angrisfe hin gedruckte Vor­schriften vorliegen über die Zeit, die die Hausauf­gaben für die einzelnen Altersstufen in Anspruch nehmen dürfen. Ich kenne diese einzelnen Vor- schriften ganz genau. Dazu weiß ich, auch aus eigener Erfahrung, zweierlei zu sagen. Fürs erste kümmert man sich um diese Vorschriften nur oberflächlich und meist nur, wenn ein Hausarzt ober energische, einsichtige Eltern über die Ein­haltung derselben wachen. Fürs zweite entsprechen auch sie, was daS Kapitel Hausaufgaben betrifft.

«Nachdruck verboten.)

Ein Kunststück Paganinis.

Humoreske auS dem Künstlerleben von T. Cpielmann.

Vor einer kleinen, augenscheinlich zum Zweck heimlichen Durchschlüpfens hergestellten Lücke in der Taxushecke, die Signore Niccolo Paganinis Villa bei Parma umgab, stand ein junges, frisches Mädchen.

Unter der linken Hand hervor, die es zum Schutze gegen die blendenden Sonnenstrahlen über den Augen hielt, lugte es scharf und eifrig nach rechts den Fußsteig hinunter, der an der Hecke hin­lief. So aufmerksam blickte es nach rechts, daß es einem braunen, schwarzhaarigen, jungen Bur­schen, einer jener wilden, sonnverbrannten Man- nerschönheiten, wie sie unter dem Himmel Italiens aufblühen daß es diesem jungen Burschen, der an der Hecke entlang von der entgegengesetzten Seite, als wohin das Mädchen seine Augen gerich­tet hatte, herangeschlichen kam, nicht schwer wurde, unbemerkt sich zu nahen, das Mädchen zu um­fassen und auf dessen Mund einen schallenden Kuß zu drücken.

Ungetüm! Maladeffo! Ist das eine Ma- nier, Sor Gio, seine Braut hinterrücks zu über- fallen und bis auf den Tod zu erschrecken?!"

Bist Du denn gestorben, Mona?"

Nein, Ungetüm! Aber tot beinahe bin ich vor Schreck!"

So komm und laß Dich auferwecken vom Tode und wieder zum Leben bringen!" Und bet Bursche zog die nur gelind sich Sträubende aber- wals an sich und küßte sie herzhaft ab.

Cospetto! Ungetüm! So laß doch Deine Narrheiten! Der Augenblick dazu scheint mir Übel gewählt, oder^brächtest Tu gute Botschaft und

nicht entfernt dem, was wir für die Gesundheit unserer Jungen beanspruchen müssen. Man komme uns auch nicht mit dem billigen und be­liebten Einwand: Wir Alten, wir haben das ja alles auch durchgemacht, vielleicht noch schlimmer und es hat uns nicht geschadet. Da ist zum ersten zu sagen: Gerade, loeil wir es durchge- macht, gerade weil die Erlebnisse jener Zeit, unter dem Einfluß der in Rede stehenden Einrichtungen, mit die trübseligsten und unerquicklichsten Er­innerungen, unseres ganzen Lebens in sich schlie­ßen ich bitte den, der es anders weiß, den ersten Stein auf mich zu werfen deswegen, nicht zum wenigsten, bekämpfen wir sie. Und dann zum andern. Soweit ich von meiner ärzt­lichen Warte aus sehen kam», haben auch wir Allen keine besondere Ursache, mit unserer Nervenkrast besonders dick zu tun. Wie viel daran unsere Schulansbildung schuld, wie viel anderes mit- spielt, braucht hier nicht erörtert zu werden. Hier will ich zunächst nur sagen, daß ich dnrchaus nicht zu denen gehöre, die alles auf die Schule schieben wollen und daß ich auf dem Standpunkt stehe, daß das Gehirn rind die Geisteskräfte gerade so gut exerziert und geübt werden müssen, wie der Körper und die Körperkrälte. Tatsache ist aber jedenfalls, daß in unserer Zeit, in allen Schickten nahezu, eine abnorm große Nervosität herrscht In Beziehung darauf gilt, was ich nachher zu sagen habe. Im übrigen sollte man denken, es sei ein einfaches Rechenerempel und erheische nicht viel Urteilskraft, zu entscheiden, wer frischer, leist­ungsfähiger und arbeitsfrei!biger morgens zur Schule kommt: ber, besten Gehirn eine ausgiebige Erholungs- unb Ruhepause gehabt, ober ber- felsige, der dasselbe Tags zuvor, neben 67 Schulstunden, noch 23 Stunden lang und länger, ja bis in die nachtschlafende Zeit hinein, an Hausarbeiten labm quält?.

Unb weiter denn das ist noch nickst alles. Abend für Abend legt sich, infolge dieser Ein­richtung. der Junge mit dem gewiß nicht erbeben- den Gefühl und Bewußtsein zu Bett, andern TagS noch Strafe und Tadel zu erhalten, falls es trotz aller Mühe mit den Hausaufgaben nicht ganz stimmt. Kommt bann noch, wie meist, jede Woche ein- bis mebrcrcmale die angenehme unb nerven­beruhigende Aussicht auf ein Latein-, Griechisch-, Französisch-Proloko unb dergl. ober bie Zensur einer solchen Arbeit, dann haust sich Sorge auf Sorge für den Schüler, vergällt ihm die Lebens­freude und lähmt seine Leistungsfähigkeit. Es ist das ein Moment, auf das ich ganz besonders Gewicht legen möchte, das aber in seiner nerven- und gehirnschäd!qend?n Wirkung viel zu wenig erkannt und gewertet und gefürchtet wird. Weit über bie Zeit ber Schulstunden und die Zeit der Hausaufgaben hinaus wird dadurch das Ge­hirn ber Kinder. auch des glücklichst angeleoton Dickhäuters, in fortdauernder unb nicht etwa freubiger, sondern niederdrückender Spannung und Erregung erhalten. Wie ein schwarzer Schat­ten legt es sich auch über des Schülers arbeitsfreie Stunden. Die Herren Lehrer können sich diesen Zustand, wenn er ihnen aus der Jugendzeit nicht mehr ganz erinnerlich sein sollte, vielleicht am besten wieder vergegenwärtigen, wenn sie sich in die Tage oberstudienrätlicher Visitation ober ber- gleichen Situationen hineinversetzen.

hätte ber alte Schurke, ber Sor Bucillo, bie Frist gewährt?"

Dich zu Herzen, Mona, ist der Augenblick immer gut gewählt!" entgegnete Gio unb ver­schlang babei fast das Mädchen mit seinen brennen­den Augen.Aber," fuhr er fort,ber Madonna seis geklagt! Frohe Botschaft bringe ich leider nicht! Der alte Hund Bucillo ist ein hartherziger, zäher Schuft, den die jammervollsten, flehentlich­sten Bitten nicht erweichen! Gebeten habe ich, Mona, gebeten fanto Francesco! Ein Kiesel- stein wäre zu Wasser zerflossen bei meinen Bitten, nur Bucillos Herz blieb hart, wie nun! Es gibt eben gar nichts weiter, was sohart ist, wie des alten Spitzbuben H?rz! Habe ich binnen heute und vier Wochen die hundert Lire nickst bezahlt, bar und blank auf den Tisch gezählt, so läßt er wich vom Gerichtsvollzieher ans der Hütte trei­ben, nimmt mir den Acker samt Esel und Ziegen, und dann ja, bann: gute Nacht, Heirat!" Unb ber vorhin so übermütige Bursche drückte setzt beide braune, arbeitsharte Hände vor die Augen und heiße, brennende Tränen quollen durch die Finger.

Mona konnte auch weiter nichts tun, als ihm um den Hals fallen und mit ihm weinen.

O! Daß, ich dem alten schändlichen Halsab­schneider in die Hände fallen mußte!" seufzte Gio. Aber die lange Krankheit ber alten Mutter, sie zehrte alles aus! Unb ich konnte, ich durst? doch die alte, gute Mutter, die ja so viel einst für mich gearbeitet, jetzt, wo sie krank und elend war, nicht entbehren, nicht darben lassen."

Nein, Gio, das konntest, das durftest Du nicht!" bestätigte Mona.

Und ihr Begräbnis verschlang den letztest Rest von den hundert Lire, bie mir der alle heim­tückische, schlechte Nachbar Bucillo auf bas Güt­chen gZsthenl"

Glaubt die Schule, daß eine auf diese Weise erzielte, andauernde Anspannung von Geist und Gehirn wirklich ohne Schaden für bie Gesund- beit ertragen werden kann? Wenn sie das glaubt, so verschließt sie sich beide Augen und Ohren oder sie bat darüber noch nickst ernstlich nachgedacht. Dann aber lasse sie uns Hausärzte einmal Vorkom­men, die wir Tag für Tag alle Hände voll zu tun haben, bie burch diesen Betrieb unserer Schulen drohenden ober bereits ein getretenen Schäbigun- gen abzuwehren. Sie frage uns, unb sie wirb hören, was sie nicht bedenkt ober wogegen sie sich verschließt. Unb nach bem gebe sie binaus in die Lust- unb Kurorte und febe sich bie Scharen un­serer jugenblichen Nervenkrüppel an, bie den Ein­tritt in ben mit all bieser Qual enblich errungenen Beruf mit einer %= bis %jäbrigen Nervenkur beginnen müssen, weil siefertig" sind, jetzt, wo das Leben erst recht beginnen und wo es Männer finden soll, die ibm gewachsen sind. Und wenn bie Schule all bas gesehen und gehört, bann lege sie sich ernstlich bie Frage vor, ob wir es unter solchen Umftänben nötig haben, so wenig vor­sichtig mit ber Geistes- unb Nervenkraft unserer Jugend umzugehen, wie das in ber oben ausge- fübrten Weis? in der Form der Hausaufgaben geschieht; ob >vir mit leickstern Sinn die in dieser Richtung immer unb immer wieder auf treten ben Mahnungen in ben Wind schlagen dürfen? Aber wann wird die Schule ba5 einsehen unb nach­geben ? Unb wenn nicht wann wirb endlich die Zahl einsichtiger Eltern, ihr Mut und ihr Verantwortlichkeitsgefühl so groß werden, daß sie sagen: das leiden wir nicht mehr, daß sie ihre Hausärzte in Bewegung setzen und mit ihnen geradezu sich organisieren und solidarisch erklären auf die Forderung: Beseitigung und Verbote ber schriftlichen Hausaufgaben allenthalben. Für Zwecke ber häuslichen Arbeit barf nur ber Me- morierftoff verwenbet werden, aber auch dies nur an schulfreien Tagen oder Nachmittag, nicht an vollen Schultagen. Ist das Pensum für bie ein­zelnen Jahrgänge jetzt so groß, baß es ohne schrift­liche Hausaufgaben nicht zu bewältigen ist, so messe man es so aus, baß es ohne dieselben er­ledigt werden kann. Viel wird, nach den oben angeführten Erfahrungen auf anderen Arbeitsge­bieten, nicht einmal zu streichen fein. Der oft ge­hörte Einwand, daß bie schriftlichen Hausaufgaben nötig seien, um die Schüler an selbständige Arbei­ten zu gewöhnen, ist nicht stichhaltig. Das ge­schieht einleuchtenderweise viel besser und wirk­samer in der Form der Klassenarbeit in der Schule. Wie sieht denn dieseSelbständigkeit zu Hause" aus? Wenn ein Lehrer behauptet, er wisse nichts davon, daß da jede nur irgend erreichbare Hilfs­kraft, Vater, Mutter, älterer Bruder, nächster- dings ältere Schwester, Kamerad, herangezogen, ja geradezugemogelt", d. h. einfach abgeschrieben wird (eine Art Selbsthilfe, burch bie sich ein er­heblicher Teil ber Schüler ber Ueberbürbung eigen- mächtig wieder entzieht), bann traut er seinem Gegenüber einen sehr starken Glauben zu.

Ebensowenig stichhaltig ist ber Einwand, den man ebenfalls oft hört, daß ber Schüler ohne Hausaufgaben nicht wisse, was mit seiner Zeit beginnen, und nun lungere. Da ist zu sagen: ber Junge lungert nur, wenn er, infolge ber Haus­aufgaben, mit benen bie Schule auch außerhalb

Nun, weine nicht so sehr, Gio! Ick, kann bas nicht sehen. Vier Wochen sind eine lange Zeit, wer weiß, wi?'s kommt, unb die Mabonna wird helfen. Wenn sich doch der mögen mir die Heiligen die Sünde verzeihen! ber verbamrnte alte Schuft einstweilen mit ben dreißig Lire, bie ich habe, begnügen möchte! Meinst Du nicht, Gio, baß er's hm wirb? Da sind sie, ich habe sie mit- gebraefit!"

Nein, nein!" wehrte Gio ab,da sei Gott vor, daß ich dem alten Schleicher auch Dein sauer erspartes Geld noch in ben Nachen würfe, zumal es doch unnütz wäre! Er wirb bas G?lb nehmen, gewiß wirb er bas! Aber als Zinsen nur, tvie er meine Arbeit, meine Milch, meine Oliven als Zinsen genommen hat, unb die Sache bliebe doch immer noch dieselbe. Auf mein Gütchen hat er's einmal abgesehen, der schlechte Nachbar."

Alle Heiligen ! Da ruft schon der Sor Paga- nini! O, er wird mich schelten, daß ich nicht da war!" flüsterte erschreckt unb ängstlich das Mäd- chen als aus dem Garten her der Rus:Mona! Mona! wo steckst Du denn?" erscholl.

Heute Abend, wie immer hier!" wisperte Mona noch eilends Gio zu. Dann schlüpft? sie durch bie Heckenlücke hinein in den Garten unb flog in hastigen Sätzen ber Stelle zu, von wo au5 der Ruf nach ihr ertönt war.

Signor Nicolo Paganini, ber große Geiger, ber mit seinem wahrhaft bämonischen Spiel sechs Jahre*) lang Europas Menschheit bis in die tiefste Seele erschüttert hatte, ber melancholische Künstler, den bie Legende schon bei feinem ersten

*) Niccolo Paganini, geb. 18. Februar 1784 zu Genua, durchzog von 182884 fast ganz Europa, ein Geiger, wie nach ihm keiner wieder dagewesen ist. Er lebte bann .mm aller Welt zurückgezogen au; je wer ®i3ajei Parma. ct«rb am_27._Mai 1340 za Nizza.

ber Schulzeit ihn am Gängelband führt unb feine Zeit ausfüllt, verlernt hat, aus sich selbst und seiner Individualität heraus sich zu beschäftigen, weil alle seine individuellen Neigungen und Lieb« babereien erstickt und ertränkt worden sind in dein seine schulfreie Zeit verschlingenbenHausaufgaben- strudel. Andererseits sind für die Sorge um bie Ausfüllung dieser Zeit auch noch wir Eltern da, denen diese Jugend zunächst gehört. Zum min­desten wird die Schule dafür in keiner Weise ver­antwortlich gemacht. Im Gegenteil, wir verlan­gen für die Zeit außerhalb der Schule unsere Kin­der für uns, für bie Familie unb ihren Einfluß, dem die Schule sie mit ihrer Hausanfgabenein- richtung nahezu gänzlich enfzieht. Es gibt viele Dinge, die für Leben und Beruf oft nicht wich- tiger sind, als ber Schulsack, bie das Kind nicht in der Schule lernt, die nur bie Eltern es lehren, nur die Familie ihm bieten kann. Unb es gibt noch eine Individualität in jedem Kind, ber die Schule nicht gerecht werden kann und bie von ber Schule nicht auf biese Weife gefährbet werben barf. All bem muß Rechnung getragen werben können, unb dazu muß bem Kind und den Eltern Zeit übrig gelassen werden, und dazu muß die Schule dem Kind Zeit und Raum gönnen. Es sind das alles scheinbar ja selbstverständliche Dinge und dennoch, wie sicht es in der Wirklichkeit damit aus? Denjenigen meiner Kollegen aber, die als Schulärzte künftig vielleicht in die Sage kommen, hier ein Wort mitreden zu dürfen, denen möchte ich zurufen: Dort seht nach unb zum Rech­ten! In diesen Dingen liegt der Krebsschaden unseres Schiilbetriebs, nicht im Normalfnbselliinn' oder in der besten Brille. Wenn wir unsere wirt­schaftlichen Angelegenheiten geordnet haben, dann könnte unser nächstes dankbarstes Ziel sein: Schaffen wir unserer Jugend einen auskömmlichen Feierabend I Wir sind bie nächsten dazu I Dr. J.

Umschau.

Handwerker unb JnvalibenVer­sicherung.

Ans Grunb des Beschlusses des letzten Hand- werkskammertages betreffs Einbeziehung des Handwerks in die obligatorische Invalidenver­sicherung war früher verschiedentlich, namentlich auch mit Rücksicht darauf, daß die zuständige Re­gierungsstelle sich dazu bereit erklärt hatte, dec Frage Aufmerksamkeit zuzuwenben, ber Hoffnung Ausbruck gegeben worden, daß schon in der näch­sten Tagung eine Novelle zum Jnvalidenversiche- ningsgesetze, bie bie Versicherungspflicht ber Hand­werker unb Privatangestellten mit über 2000 Mk, Jahresverbienst aussprechen würbe, dem Reichs­tage würbe unterbreitet werben. Wir machten darauf aufmerksam, daß erst einmal abgewartet werden müßte, wie das Handwerk selbst sich zu dec Angelegenheit stellen würde, umsomehr als der betreffende Beschluß des Hanbwerksfmmnertages nur mit geringer Mehrheit gefaßt war. Jetzt wer­den bereits Beschlüsse aus Handwerkerversamm- lungen veröffentlicht, die sich gegen die Einbe­ziehung in die Jnvalibenversicherungsvflicht rich­ten. Man kann auch sicher sein, daß sich diesen Beschlüssen bald ein großer Teil des Handwerks anschließen wird, ein noch größerer aber, sobald

Auftreten auf dem öffentlichen Schauplatz in einen mysteriösen Nimbus hüllte, suchte und fand hier in ber kleinen Villa bie Ruhe, bie ihm auf seinen Triumphziigen unb im Lärm einer Siegesbahn, wie sie in der gesamten Geschickte der anSübenben. musikalischen Kunst fast ohne Beispiel ist versagt blieb. Sich selbst konnte er hier mieber einmal leben. Seine sonst stets umwölkte Stirn begann sich denn auch allgemach zu erheitern, über bas hagere, geistvolle Gesicht glitt ob und zu ber lichte Sonnenstrahl eines Lächelns. Insbesondere dam», ivenn er mit Moua Plauderte. Unb er tat das oft unb viel, der Künstler, beim von allen Dienst- leiften in seinem Haushalt war cs allein bem sri- scheu, schinucken Landmäbchen. ihm selbst unbe­wußt, gelungen, ben launenhaften Hausherrn nicht bloß mit ihren Diensten zufrieden zu stellen, son­dern auch durch fein naives Geschwätz voll Mutter­witz und urwüchsigem Humor denselben oftmals zu belustigen und zu erheitern.

Leute von der Gemütsart Paganinis hasten es, sehen sie auf ben Gesichtern ihrer Umgebung nicht allzeit den auf biefen sonst ihnen gewolmt geworbenen Frohsinn, und sind bann weniger allerbings aus allgemeiner Menschenlieb?, als mehr aus Selbstsucht unb Egoismus, auf all« Weise bemüht, die ihnen unangenehme, ihre Ge­wohnheit störende Veränderung zu beseitigen..

So bemerkte beim auch Signore Paganini so­fort auf Monas Gesicht mißfällig bie Tröne«- jpuren und fragte eifrig:Was fehlt Dir, Kind? Deine Augen sind rot, Du hast geweint."

Mona zögerte mit der Antwort.

Der Künstler heftete feine großen schwarzen Augen nackbenkend auf Monas Gesicht. ,,

Ah! Ich kann mir's denken!" sagte er dann. Es handelt sich um den Geliebten! Vertraue Dich mir an, Mona, vielleicht kann ich Dir helfen. Er hat Dich natürlich zuerst heiß und glühend gt-j