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Marburg
Mittwoch, 25. November 1903.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag- Iah. Aug. Koch, UniversitätS-Buchdmckerei Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
38. Jahrg.
Die Polengefahr.
Jener Teil dos deutschen Volkes, der sich, freiwillig oder gezwungen, der terroristischen Ge- ivaltherrschoft der Sozialdemokratie unterstellt bat, wird ebenso wie betreffs der Gesamtheit der Maßnahmen der Regierung, so auch bezüglich der preußischen Ostmarkenpolitik zu der Meinung gebracht, daß Don einer polnischen Gefahr angesichts der Zahlenverhaltnisse zwischen Deutschen und Polen nicht die Rede sein könne und daß daher die Vorkehrung?, und Abwehrmaßregeln der Regierung lveit über das Maß des Notwendigen hinausgingen, ja, soweit mit ihnen Ansprüche an die steuer,zahlende Bevölkerung des Staates verbunden wären, überflüssig seien. Demgemäß hat die sozialdemokratische Presse die Gründung der AnsiedlrNgskontmission, die Einführung der Ostmarkenzulage, die Erhöhung der Fonds zur Förderung der Ansiedlungstätigkcit und alle sonstigen Maßnahmen der Staatsregierung in dem öffentlichen Urteil hcrabzusetzen gesucht und ihre Notwendigkeit und Brauchbarkeit ange- zweifelt.
Nun kann es für denjenigen, der die Vor- hältnisse in den Ostmarken und di- Ziele der all- polnischen Bewegung kennt, keinen Zweifel geben, daß nur mit den Mitteln, deren sich nach reiflicher Ueberlegung und nach sorgfältiger Prüfung der Sachlage die Negierung bedient, der drohenden schweren Gefahr tvirksam entgegengetreten werden ^kann. Es kommt aber darauf an, daß die Größe und Nähe der polnischen Gefahr auch den 1 weitesten Kreisen des deutschen Volkes zum Be- wußtsein gebracht wird, damit, wo cs noch nicht der Fall sein sollte, gegen di? die deutschfeindliche polnische eine deutfchnationalc antipolnische Betregung sich erhebt und dauernd tvirksam bleibt.
Das Polentum ist nicht so schwach und 'kraft- los. als es scheinen möchte, wenn man die etlva 4 Millionen zählende Ostmarkenbevölkerung polnischer Zunge den 50 Millionen Deutschen gegenüberstellt. In unmittelbarer Nachbarschaft der gemischtsprachigen deutschen Landesteile sind starke Vollsmasscn vorhanden, die polnisch sprechen, polnisch fühlen und den maßlosen politischen Ehr- geiz des Polentums besitzen. Westpreußcn und Posen aber, die deutschen Provinzen mit ihren zahlreichen polnischen Bevölkernngselementen und ihrer ungleich höheren Kiiltur, werden als der Herd jener allvolnifchen Bestrebungen angesehen, von denen die Bewegung zur Einigung aller Polen ausgehcn und die Organisation zur Wicderauf- richsuug eines polnischen Reiches geleitet werden soll. Tas sind nicht Phantastereien oder grundlose Befürchtungen, sondern durch polnische Quellen belegte Tatsachen. So äußert sich der in Krakau erscheinende „Przeglad Wszcchpolski" über die Aufgaben und Ziele der in lebhaftester Entwickelung begriffenen allpolnischen Bewegung: „Wir müssen anerkennen, daß das Schicksal aller polnischen Anteile im großen Maße davon abhängig ist, wie sich das polnische Leben in unserem hinsichtlich der Bevölkerungszisfer größten, in nationaler Beziehung einheitlichsten und wohlhabendsten Anteil entwickeln wird. Das König- reich Polen hat infolge seiner natürlichen Kräfte für das- Volk eine größer? Bedeutung als irgend
30 (Nachdruck verboten.)
Im Schlosse der Ahnen.
Original-Roman von Otto König-Liebthal.
(Fortlehuna.)
„Schade!" rief Horsten aus, „schade, daß Sie, lieber Herr Kraft, nicht Landwirt sindl Sie wüßten 31t wirtschaften, und jeden Vorteil für sich ausznnützen. Ihr Rat ist gut. Ich werde nur unter dieser Bedingung mit Nello in Untcrhand- lumz treten. Ob?r aber darauf eingehen wird?"
„Warum sollt? er nicht! Er muß ja, w-nn sein Auftraggeber die Scddin.-r Ziegelei in Be- trieb sehen will.. Das dortige Tonlager ist völlig erschöpft, und hier liegt Ton in Hülle und Fülle, genug für hundert Jahre, soweit ich es beurteilen kann."
„Nun, wir werden ja sehen!" sagte Horsten und verabschiedete sich.
‘ „Wenn er wüßte, daß ich es bin, der die Zie- ,gelei kaufen tvill . . ?r würde Augen machen!" dachte Helmut und ging ins Schloß hinein. —
Gr horte Musik. Lauschend blieb er vor der Lnre lc-5 Zimmers stehen. Dann ging -r hinein. Der weiche Teppich dämpfte seine Schritte, und erschreckt fuhr Fräulein Frida zusammeit, als er vor ihr stand.
„Habe ich Sie erschreckt, gnädiges Fräulein?" fragte er leise.
Fräulein Frida war aufgestand.-n und neigte sich mit erglühtem Gesicht über den Notenständer.
»Ja," erwiderte sie offen, ohne indessen den Bückau erheben.
„Soll ich wieder geben?"
Sic antwortete nicht, aber ihr Herz pochte un- geduldig und ihre Hände zitterten.
Jetzt konnte er sich nicht mehr halten: er er- Duff di? kleinen, zarten Hände des geliebten
ein anderer Anteil — es ist tatsächlich der Stamm des Volkes, der Mittelpunkt unserer nationalen Existenz." Zur Frage der „nationalen Politik in der nächsten Zukunft schreibt das Blatt: „Im Interesse ganz Polens erachten wir cs für erforderlich, im Königreich eine starke Volksbewegung ins Leben zu rufen und dort Verhältnisse zu schaffen, w-lche die Entwicklung des nationalen Lebens möglich machen. Vor allen Dingen streben wir an: Die nationale Wiedergeburt aller Teile Polens, die Hebung der Streitkräfte des ganzen Volkes, die Vergrößerung seiner inneren Spannkraft und seine Ueberführung auf den Weg allseitiger Expansion usw."
Daß das Polentum tatsächlich praktische politische Ziele verfolgt, dafür ist diese Erklärung ein unwiderleglicher Beweis. Die Parole heißt: „Getrennt marschieren und vereint schlagen!" Ueberall, wo man polnisch spricht, soll die allpolnische Bewegung großgezogen und erhalten werden, sie soll von denjenigen Gebietsteilen, wo eine verhältnismäßige Wohlhabenheit unter der polnischsprechenden Bevölkerung herrscht und die politische Einheitlichkeit bereits erstarkt ist, syste- matisch befruchtet werden, damit es im gegebenen Zeitpunkte der Bewegung zur Vereinigung der jetzt getrennten Landesteile an starken und zuverlässigen Helfern nicht fehle. Angesichts dieser Sachlage ist ,es di- Pflicht jeder Regierung, eine Bewegung einzudämmen, die, wenn man sie frei schalten und walten ließe, für drei europäische Monarchien eine Störung des Friedens herbeiführen müßte. Die preußische Regierung aber hat vollends Anspruch auf den Dank und die Anerkennung Gesamt-Deutschlands, weil sie an ihrem Teile gegenüber der polnischen Gefahr das Erforderliche tut und dadurch fowohl dem russischen Nachbar als dem österreichischen Freunde die eigne Stellung gegenüber dem Polentum erleichtert.
Umschau.
Die Arbeitsnachweise für Reservisten, die in immet größerer Ausdehnung von der Militärbehörde eingerichtet worden sind, haben vortrefflich gewirkt. Sie sind bei der letzten Entlassung der Reservisten sehr zahlreich in Anspruch genommen worden und haben diesen Unterkunft verschafft. Aber nicht nur die eben entlassenen Reservisten haben sich an diese Arbeitsnachweise gewandt, sondern auch eine ganze Reihe von Zivilisten, die sich auf eine früher absolvierte Militärdienstzeit berufen konnten. Naturgemäß mußte den jungen Reservisten der Vorrang eingeräumt werden. Wie nun eine private Zusammenstellung erweist, wurden nach Mitteilungen der .Sozialen Praxis" von den Stellensuchenden die Industrie am meisten bevorzugt, nach landwirtschaftlichen Stellungen war nicht so starke Nachfrage, obgleich gerade hierin sehr günstige Aussichten geboten waren. Die Großindustrie erhielt durch die militärischen Arbeitsnachweise reichlichen Zuwachs und alles, was während der Militär
zeit in den Büchfenmachereien beschäftigt worden war, fand in den Gewehrfabriken auskömmlichen Verdienst. Die militärischen Arbeitsnachweise mußten sehr auf der Hut fein, damit durch Schlepper nicht den Privat - ArbeitSver- mittlern die Namen der Arbeiter usw. suchenden Auftraggeber verraten wurden, denn diese haben bald eingesehen, daß damit ein gutes Geschäft zu machen ist. In vielen Fällen konnten solche Uebergriffe verhindert werden.
Die Blamage der Sozialdemokratie ist eine vollkommene geworden. Die Singersche Partei, bei der in den preußischen Landtagswahlen, um mit dem .Vorwärts" zu sprechen, .Mansche oben" — nämlich AronS der Macher war, hat nicht einmal verstanden, ihr Schicksal mit Anstand zu tragen. Sie hat vielmehr zur Anwendung brutaler Gewalt gegriffen und Obstruktion getrieben. Wenn jetzt die sozialdemokratische Preffe sich so stellt, als sei durch die diesmalige Landtagsagitation bloß der Anfang gemacht, und eS werde in fünf Jahren gelingen, auch in daS öffentliche Wahlsystem Bresche zu schlagen, so ist daS eine Großsprecherei, die nur den Zweck haben soll, die Parteiagitatoren zu ermutigen. An dieser ermunternden Tätigkeit nehmen auch diejenigen liberalen Blätter teil, die heute Trübsal blasen, weil kein .Genoffe" in daS Abgeordnetenhaus gelangt und darum eine große Entrüstung der Massen gegen daS preußische Wahlsystem und gegen die preußische Monarchie selbst zu befürchten sei. Das ist gerade das Richtige! Anast vor der Sozialdemokratie und dem Massenfchritt ihrer durch verlogene Agitationen berangezogenen Bataillone! Nichts kann für die sozialdemokratische Propaganda gelegener kommen als hasenherzigeS Benehmen der Gegner und Anerkennung der ,Un- aufhaltsamkeit" des sozialdemokratischen Fortschrittes. Wollen sich die Sozialdemokraten in fünf Jahren aufs neue blamieren, so haben wir nichts dagegen. Wir glauben aber, daß die „Genossen" sich vor einer Wiederholung deS mißglückten Experiments sehr hüten werden.
Ein Gesetzentwurf zur Unterdrückung von Streiks in Spanien
ist vom Minister des Innern dem Senat unterbreitet worden. Darnach soll fortan ein Streik als ungesetzlich gelten, wenn bei seiner Durchführung mit Gewalt vorgegangen wird oder wenn irgend ein Zwang auSgeübt wird zu dem Zwecke, das wirtschaftliche Leben eines oder mehrerer Orte zu unterbinden, ferner auch, wenn der Streik eine Unterbrechung eines notwendigen, öffentlichen Dienstes zur Folge hat, oder wenn dadurch eine schwere Erschütterung der Industrie eines Landesteiles verursucht wird. Selbst dann, wenn bei einem Streik die Einstellung oder die Entlastung bestimmter Arbeiter gefordert wird, soll er als ungesetzlich gelten.
Mädchens, und in liebeglühenden Worten sprach er:
„Fräulein Frida! Ich liebe Sie . . ich liebe Dich, Du süßes Mädchen. Sprich . . laß mich nicht länger im Zweifel. Willst Du mein Weib werden, mein Engel . . mein Gott . . mein Alles?"
Er erhielt keine Antwort, aber er brauchte auch keine. Die strahlenden Blicke ihrer Augen wurden zu Verrätern des Wonnegefühls, das auch sie durchrauschte. Stürmisch zog er sie an feine Brust; fest und heiß hielt er sie in seinen Armen, als wollten sie das Errungene nie wieder von sich lassen. Sie wehrte sich nicht; sie fühlte die leidenschaftliche Liebe dieses Mannes, und willig ließ sie es geschehen, daß er sie auf ihre reinen, keuschen Lippen küßte und immer wieder küßte.
»Du liebst mich, Frida, mein süßes Mädchen?"
»Ja, Helmut, ich . . liebe . . Dich, nur Dich allein," flüsterte sie beseligt, und in ihren Augen schimmerten Tränen . . Tränen der heißesten und treuesten Liebe.
„O, meine süße, kleine Frida, so bin ich wirklich der Glücklichste, dem Dein Herz gehört! Welche Wonne! . . O, nun werde ich nicht zweifeln. Meine Braut!"
„Helmut . hast Du nie geahnt, daß ich nur Dich liebe? Jedes Wort, was ich zu Dir ge- sprachen habe in den letzten Wochen, jeder Blick hätte Dir verraten müssen, daß Du es bist, dem ich mich hingebe . . voll und ganz. Kannst Du Dich darüber wundern? Mußte es nicht so kommen? Hast Du mir nicht das Leben gerettet, dieses wonnige, schöne Leben? Dir allein soll es von nun an gehören, und immer will ich Dir zeigen, wie dankbar ich Dir bin. O, ich habe ge- sündigt an Dir, aber ich^will wieder gut machen.
Geliebter . . laß uns glücklich sein, nun wir itnS endlich gefunden. *
Frida hatte beide Arme um seinen Nacken gelegt und ihr Kopf ruhte an seiner Brust, und und immer wieder beugte sich Helmut nieder und küßte sie.
„Ei, das ist ja herrlich," rief Horsten, der eben eingetreten war, mit freudestrahlendem Gesicht, „da kann ich wohl nur noch „Ja" und „Amen" sagen!"
Frida hatte sich d-n Umarmungen des Geliebten entrissen und toar auf Horsten zugeeilt.
»Ja, segne uns," flüsterte sie leise, „ich liebe ihn so unsagbar. Mache uns glücklich!"
Horsten ergriff ihre Hand und führte daS Mädchen zu dem Geliebten.
„Nimm sie hin, Helmut. . . Du mein treuster Freund und Bruder. Werdet beide glücklich, wie Ihr es verdient."
Noch ehe Helmut ihm danken konnte, war er verschwunden.
„Hm!" machte Borsten, als er in feinem Zimmer angelangt war. „Die dumme Klausel im Testament! Das schone Geld geht verloren. Doch ein Ausweg muß sich finden lassen. Schade, daß ich Philippsthal verkauft habe; sie hätten dort so schön wohnen können. Ich muß Helmut von der Sache Kenntnis geben, damit er vor bitterer Enttäuschung bewahrt bleibt."
Sogleich suchte er die Liebenden wieder auf, die, als er eingetreten war, sich noch immer um« armt hielten und sein Kommen überhört hatten. Er hustete, um sich bemerkbar zu machen.
, „Liebe macht blind," lachte er. „Doch hört mich einen Augenblick, ich habe Euch noch etwas zu sagen."
Frida und Helmut sahen Horsten gespannt an.
„Helmut," begann der Schloßherr ohne Um- ichwcife, „Deine Braut ist kein armes Mädchen,
Endlich werden Streiks als dem Gesetze zuwider laufend erklärt, wenn die freiwillige Unter« brechung der Arbeit Gefahren für das menschliche Leben oder den Verlust von Ladungen, Ueberschwemmungen von Bergwerken oder sonstigen anderen unwiederbringlichen Schaden am Eigentum im Gefolge hat. Diese Bestimmungen sind, so bemerkt die „Soziale Praxis" hierzu, so dehnbar, daß jede Streikbewegung damit unterbunden werden kann.
Eine Soldatens chutzvereinigung.
In Stuttgart hat sich unter dem Namen „Sol- datcnschutzpercinigung" ein Verein gebildet, der den Zweck verfolgt, gegen alle im deutschen Heere bestehenden Mißstände, insbesondere gegen die zunehmenden Mißhandlungen von Soldaten usw. anzukämpfen und die ihm zur Kenntnis gelangenden Fälle von Mißhandlungen und sonstigen Uebcrgriffen rücksichtslos zu brandmarken. Der Verein, der jede Partcipolitik anssckllicßt, will sich mit der politischen Seit? der Militärfrage keineswegs befassen, sondern gegen die beftcbenbcit Mißstände ankämpfen. Es ist beabsichtigt, die Bestrebungen dieser Soldatenschuhvcrcinigung zunächst in Württemberg zu fördern, dann ober, auch die Sache des Vereins zu einer nationalen, über ganz Deutschland sich ausbrcitenden zu machen. In Aussicht genommen ist für später mich die Schaffung einer eigenen Zeitschrift, sowie die Einwirkung auf Parlamentarier aller Parteien im Sinne des SoldatenschntzcS. Die Erwerbung der Mit- gliedschaft ist geknüpft an ein Lebensalter von mindestens 20 Jahren und an die Bezahlung eines Eintrittsgeldes von 20 Pfg., sowie eines Jahresbeitrages von 1 Mark. Mitglieder können alle diejenigen werden, welch? an der Beseitigung der im Heere bestehenden Uebelsiände niitzu- arbeiten ernstlich gewillt sind.
Deutsches Reich
Berlin. 24 November.
— Seine Majestät der Kaiser hörte am Montag den Vortrag dcs Ehefs des Zinilkabinefis und empfing den deutschen Botschafter in Wafiüngton, Frhrn. v. Sternburg, sowie den Earl of Lonsdale, dessen Gast der Kaiser in England wiederholt war. Nachmittags traf Prinz Heinrich znm Besuche seines kaiserlichen Bruders fit Pols- dam ein.
— Das Befinden des Kaisers ist gut. Solange Seine Majestät noch der Schonung bedarf, finden jetzt fast allabendlich im Neuen Palais musikalische Unterhaltungen statt, denen außer dem Kaiser die Kaiserin, der Kronprinz und einige Eingeladcnc beiwohnen. Die aussührcnden Künstler sind ein Hoboist vom 1. Ggrdcrcgiment, der dem Kronvrizen.Musikunterricht erteilt?, und ein Hoboisten-Maat von der 2. Matroscndivision Kiel, der ein vorzüglicher Harfenist ist.
— Seine Kgl. Hoh. der Großherzog Ernst Ludwig von Hessen vollendet am Mittwoch, 25. November, sein 35. Lebensjahr. — Die Feier des Geburtstages ist, wie schon gemeldet, vom Großherzog wegen der Trauer auf den 1. Januar fest« gesetzt worden.
sondern besitzt ein ziemlich beträchtliches Der-, mögen. Nach einer Testamenlsbcstimmung soll sic aber kein Anrecht dauauf haben, wenn sie einen Bürgerlichen heiratet; in diesem Fall- wäre sie also ganz arm. Da aber keine,Bestimmung im. Testament vorhanden ist, was mit dem Gelde geschehen soll, wenn jener Fall ein treten sollte, so, werde ich einen Familienrat einbcrufen, der darüber entscheiden mag. Jedenfalls werde ich mein möglichstes tun, daß Euch das Geld erhalten bleibt."
Helmut tat nicht int mindesten peinlich überrascht, was Horsten in Erstaunen setzte.
„Ist Dir das so gleickigiiltig, Helmut? SBal- willst Du denn mit einem armen Mädchen anfangen? Ich kenne zwar Deine Vermogensver-j hältniss- nicht, doch muß ich annehmen, daß sie nicht die günstigsten sind, sonst hättest Du doch die 'Hauslehrerstelle nicht angenommen. Du nimmst, mir doch nicht übel, daß ich mich so offen ansge- fprochen habe?"
„Nein, nein," sagte Helmut lächelnd. „Wik. sind ja auch noch nicht verheiratet . . bis dahin kann sich manches ändern. Jedenfalls bitte ich Euch, darüber nicht zu sorgen. Ich bin glücklich,- daß ich Dich, meine Geliebte, habe: Dein Besitz, macht mich über all- Maßen reich. Nur Jooidj kann ich heute sagen: Wir können getrost in dis Zukunft schauen. Damit begnüg! Euch für beute. •
„So, so," entgegnete Horsten, „Du scheinst am, eine Erbschaft zu hoffen. Na, wenn das der Fall: ist, dann ist's gut." /;
Helmut tat, als hatte er die letzten Worte, Horstens überhört. ,, . .
„Was wird aber Frau Horsten dazu sagen, daß Frida meine Braut ist?" fragte er, um de« Gespräch eine andere Richtung zu geben. 1
Fridas Gesicht wurde plötzlich ernst.
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