Lonntagsbeila-«: JUuftriktes Sonntags»!««.
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Marburg
Dienstag, 24. November 1903.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag' Joh. Aug. Koch, UniversitätS-Buchdruckerel Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
38. Jahrg«
Preßstiuimen zur Landtagswahl.
Kaum sind die Wahlen zum preußischen Ab- georduetenhaus? vorüber, da werden in freisinnigen Möllern auch die Klagen über die trostlose Lage des Freisinns fortsetzt. Am lautesten ruft ruch jetzt wieder das „Berliner Tageblatt":
„Nur mit Trauer, ja mit Beschämung wird jeder wahrhaft liberale Preuße auf die jetzt vollzogenen Abgeordnetenwahl?n zurückblicken. Nichts von all' den Hoffnungen, mit denen die liberalen Parteien in den Wahlkampf zogen, hat sich verwirklicht. Ja, wenn nicht alles trügt, hat sich die Loge gegenüber derjenigen in den letzten fünf Jahren noch verschlechtert.....So ist das
Ecsamtresnllat der Landlagswahlen recht kläglich geworden. Möglich wäre ja immerhin, daß schlie- lich die freisinnigen Parteien wieder in ihrer früheren Stärke von drei Dutzend Mandaten in das Abgeordueteuhaus einzichen. Einem kurzsichtigen Fraktionsegoismus mag sogar mit einem solchen „Erfolge" gedient sein. Aber was Hilst es schließlich, wenn von 433 ganze 36 Abgeordnete den entschiedenen Liberalismus vertreten! Das ist nicht mehr als ein Zwölftel der preußischen Volksvertretung, also eine verschwindend ohnmächtige Minderheit."
Tie „Voßische Zeitung" aber liest den Genossen den Tert:
„Die Sozialdemokratie hat nirgends dazu bei- gelragen, der Rechten auch nur ein Mandat zu entreißen: dagegen ist sie ihr durch Angriffe aus den Liberalismu/- und durch ihr Verhalten bei den Stichwahlen förderlich gewesen. So wird uns ans Breslau gemeldet, daß im ersten Wahlgange für die Kandidaten der Konservativen und deS Zentrums 747, für die der Liberalen 559, für die sozialdemokratischen 220 Stimmen abgegeben wurden. Die sozialdemokratischen Wohlmänner verließen alsdann den Saal und entschieden so- mit den Sieg der Reaktion. Wie widersinnig dieses Verhallen ist, ergibt sich hinreichend aus der Tatsache, daß sich unter den liberalen Kandidaten Herr Gothein befand, der für seine Person einem Bündnis mit der Sozialdemokratie das Wort geredet hatte und ihr als Mitglied des Abgcod- uetenhauscs in jedem Betracht willkommener sein mußte als jeder Konservativer. Aber was kümmert die Sozialdeniokratie gegenwärtig die Gesinnung und die Tüchtigkeit der Kandidaten?"
Neber den Einsluß der sozialdemokratischen Obstruktion auf das Treiklossenwahlrccht und die Büudnisfähigkeit der „Genossen" verbreitet sich das freisinnige Blatt wie folgt:
„Allerdings tvird die Sozialdemokratie ihre Niederlage auf das Wahlrecht schieben. Aber sie konnte dieses Wahlrecht genau, bevor sie die Wahlbeteiligung beschloß. Dennoch rechnete sie auf Erfolge auch unter dem Drciklassenwahl- system, und darin hat sie sich gründlich getäuscht. Was sollen ihre gestrigen Obstruktionskünste be- wcisen? Etwa, daß das Wahlrecht nun beseitigt werden muß? Tie Aeußerlichkeiten der Wahlhandlung sind unwesentlicher Natur und werden nach den neuesten Erfahrungen sicherlich schnell und wirksam geändert werden. Der Kern des Wahlrechts aber ist das Dreiklassensystem, und das wird von keinerlei Obstruktion berührt. Es ist eher zu besorgen, daß es durch die rüden Aus-
29 tNackdruck verboten.)
Im Schlosse der Ahnen.
Original-Roman von Otto König»Liebthal.
c-rortketzimg.)
„Ihr Beruf ist schwer, liebe Schwester," begann Helmut nach einer kleinen Pause. „Sind Sie schon lange im Dienst der barmherzigen Nächstenliebe?"
Betroffen sah die Schwester auf. Sie hatte nicht vermutet, daß er von ihr sprechen wollte.
„Nein, noch nicht lange," entgegnete sie und sah errötend in ihren Schoß. „Ich stehe jetzt allein im Leben."
„So haben Sie keine Eltern, mehr, keine Schwester und keinen Bruder, keinen Menschen mehr, der Sie liebt?"
Schwester Henriette fuhr erschreckt zusammen. Helmut bemerkte es, doch sagte er nichts darüber.
-Ist es wahr, liebe Schwester, daß viele, ja dic meisten von ihnen den schweren Beruf einer Diakonissin ergriffen haben, um schweres Leid zu vergessen?"
„Herr Kraft, Sie haben ein richtiges Urteil; viele, die den Schleier nehmen, mögen ernstes, schweres Leid erfahrn haben, und auch ich . .
Sie brach plötzlich ab, und ihre Augen wurden feucht.
„Habe ich Sie mit meiner Frage betrübt. Ihnen wehe getan, liebe Schwester? Nein . . das wollte ich nicht. Aber halten Sie mich nicht für neugierig; ich habe ein herzliches Interesse für Sie, denn ich muß Sie früher schon einmal gesehen haben. Helfen Sie, bitte, meinem schwachen Gedächtnis in diesem Punkte nach, und verschleiern Sie mir Ihre Seele, Ihre Gedanken
schreitungen nicht nur erschüttert, sondern auch befestigt wird. Auch in Kreisen, die dem Bündnis mit der Sozialdemokratie, wenigstens in einzelnen Fällen und bei Stichwahlen, nicht grundsätzlich abgeneigt waren, werden nach den gestrigen Vorgängen im Zusammenhang mit dem Dresdner Parteitag Bedenken an der Bündnisfähigkeit der Genossen aufsteigen."
Das führende Zentrumsorgan, die „Germania" läßt sich vernehmen:
„Die Sozialdemokraten sind vollständig leer ausgegangen, sie haben nicht ein einziges Mandat aus eigener Kraft oder int Wege des „Kuhhandels", zu dem sie sich zuletzt angeboten hatten, 'erringen können. Ihrem Unmut darüber haben sie gestern in verschiedenen Wahllokalen, besonders in Berlin, einerseits durch Obstruktion zur Verzögerung der Wahlhandlung, indererseits auch durch tnmültarische Skandalszenen Ausdruck gegeben. Der sozialdemokratische Parteitag in Dresden mit dem nachfolgenden widerlichen Gezänk unter den „Genossen" scheint die Begriffe für Sitte und Anstand in weiten sozialdemokratischen Kreisen verwirrt und verwildert zu haben. Das Gesamtresultat der gestrigen Landtagswahlen hat also so äußerst geringfügige Veränderungen in der Parteistärke hervorgerufen, daß man fast versucht wäre, zu sagen, dieselben ständen zu dem großen Apparat der Landtagswahlen und zu den großen Aufwendungen der Wahlbewegung in gar keinem Verhältnisse. Gleichwohl sind wir sehr zufrieden damit, daß es so gekommen ist. Die bisherige „konservativ-klerikale" Majorität des Abgeordnetenhauses, gegen welche der liberale Ansturm bei den Landtagswahlen gerichtet war, hat durch den Ausfall dec Wahl ein unzweifelhaftes Vertrauensvotum erhalten, und ihre Po- litik hat in den Landtagswahlen eine unzweifelhaft? Billigung gefunden. Daraus können aber nicht nur die Parteien lernen, sondern auch die Regierung kann daraus die naheliegenden Nutzanwendungen ziehen."
Umschau.
Die Erkrankung des Kaisers.
3ur Vorgeschichte der Erkrankung des Kaisers weiß die „Preuß. Korr." noch einige Einzelheiten zu berichten. Wie erinnerlich, bat der Kaiser am Tage vor dein Wiesbadener Zusammentreffen mit dem Zaren die Saalburg besucht. Bei dieser Gelegenheit war der Kaiser in aufgeräumtester Stimmung; er plauderte wie gewöhnlich mit seiner Umgebung und seine Stimme klang wie immer. Was den Herren auffiel, war nur, daß der Kaiser wiederholt kurz und leise hustete; man führte das auf eine Erkältung zurück, die eine große Reizbarkeit beim Sprechen zur Folge habe. Die Erscheinung war so wenig aussöllig, daß keiner derer, die sie wahrgenommen, etwa hinten- drein auf den Gedanken gekommen wäre, das Wegfällen der üblichen Trinksprüche in Wiesbaden fei mit ihr in Verbindung zu bringen. Erst die so überraschende Nachricht von der Operation, der sich der Kaiser unterzogen, brachte dann Aufklärung. Die Berufung des Frankfurter Spezialisten zwecks Vornahme einer Untersuchung erfolgte nach der Abreise des Zaren auf Vorstellung des Leibarztes, Stabsarztes Dr. II-
nicht. Wo lebten Sie früher, ehe Sie Schwester wurden?"
„In Wildeuburch."
„In Wildenbruch? Ah, jetzt weiß ich es, dort muß ich Sie gesehen haben, als ich einmal in dem Elternhause meines ehemaligen Freundes von Schwaben . .
„O reden Sie nicht weiter!" rief Schwester Henriette qualvoll aus und bedeckte ihr glühendes Gesicht mit beiden Händen.
Jetzt wußte Helmut, wer Schwester Henriete war: die verlassene Braut Schwabensteins. Ein herzliches Mitleid erfaßte ihn.
„Weinen Sie nicht," bat er sanft und erfaßte ihre zitternde Hand. „Weinen Sie nicht um den Verlorenen . . auch ich habe ihn verloren, mein Freund ist er nicht mehr. Ihre Liebe hat er nicht verdient . . er ist ein . . ."
Helmut sprach das Wort „Schurke" nicht aus. Er sah, wie sehr das Mädchen litt.
„Ja . . ich weiß es . . schändlich hat er mich betrogen, nachdem ich arm geworden war. . . Aber . . waS sollte er als- Offizier auch mit einem armen Mädchen! Verachten Sie ihn nicht so sehr, Herr Kraft. Wenn er einen liebenden, treuen Menschen um sich hätte, der ihn lenken und leiten würde . . er würde zurückkehren auf den Pfad der Pflicht und der Tugend . . er würde ein besserer Mensch werden."
Erstaunt hatte Helmut den Worten zugehört.
„Ich glaube," sagte er endlich stockend, „ich glaube. Sie haben nicht falsch geurteilt. Sie lieben ihn noch . . ich fühle es bei jedem Ihrer Worte. Ich wollte ihn verderben, aber jetzt will ich versuchen, ihn zu retten . . um Jh ret willen, weil Sie mir Gutes getan haben." ..
berg, hin. Professor Moritz Schmidt erklärte die sofortige Vornahme des operativen Eingriffes, die dann erfolgte und deren Ergebnis allseitige Beruhigung zur Folge hatte, für notwendig.
Rheinschiffahrtsverkehr.
Die Bedeutung beS RheinschiffahrtsverkehrS für die Rheinuferstaaten und Belgien, die Verteilung der Flußgüter und der Transport fahr- zeuge kommt in einer Uebersicht zum Ausdruck, die aufgrund der Verkehrsbewegung deS Jahres 1901 im belgischen Arbeitsministerium aufgestellt worden ist. Danach belief sich der Tonnenverkehr der Rheinhäfen auf über 29,2 Millionen Tonnen, wovon 10,3 Mill. Tonnen dem deutsch- niederländischen und 2,7 Mill. Tonnen dem deutsch-belgischen Handel angehörten. Während also rund 13 Millionen Tonnen im Wege der Rheinschiffahrt zwischen deutschen und ausländischen Häfen befördert wurden, repräsentierte der auf den deutschen Teil deS Stromes und auf deutsche Rheinhäfen beschränkte Handel einen Umfang von über 16,2 Mill. Tonnen, war also dem vereinigten Güterverkehr mit Belgien und den Niederlanden erheblich überlegen. Die Zahl der im Rheinverkehr beschäftigten Schiffe belief sich Ende 1901 auf 9502 Fahrzeuge mit 28477 Mann Besatzung. Von diesen Fahrzeugen waren 1123. also etwa 10 Prozent, Dampfer mit 220 617 ind. PS. und 8379 Segelschiffe mit einer Gesamttonnage von über 2,7 Millionen Tonnen. Auch nach dieser Richtung behauptet der deutsche Verkehr weitaus den ersten Platz. Von den in der Dampfer- flotte investierten Pferdestärken entfielen 70 Proz. auf deutsche, 26 und 4 Proz. auf niederländische bezw. belgische Dampfer. An der Tonnage der Segelfahrzeuge waren Deutschland mit 1,4 Mill. Tonnen oder 50 Proz., die Niederlande mit 990 000 Tonnen oder 37 Proz., Belgien mit 358 000 Tonnen oder 13 Proz. beteiligt. Im genannten Jahre wurden von den Rheinuserstaaten über 3,7 Millionen Mark für die Regulierung des Flußbettes und etwa 18,5 Mill. Mark für Verbesserung der Häfen usw. aufgewendet.
Generalstreik — G eneralunsinn.
In dem sogenannten wissenschaftlichen Organ der Sozialdemokratie, der „Renen Zeit", hat Genosse Hilferding letzthin den Generalstreik als politisches Kampfmittel empfohlen. Hilferding führt aus, daß der Generalstreik das einzige Mittel zur Aufrechterhaltung des allgemeinen Wahlrechts sei, wenn das letztere durch sozialdemokratische Erfolge in Frage gestellt wäre; dann müsse der wirtschaftlichen Macht der Bourgeoisie und der von ihr beeinflußten Staatsgewalt die organisierte wirtschaftliche Macht des Proletariats entgegengestellt werden. Diese Macht des Proletariats aber gründe sich auf die Unentbehrlichkeit des Proletariats für die Produktion und erscheine allein in der Möglichkeit, die Produktion stillstehen zu lassen — durch
Ein einfaches:, schmerzliches Lächeln umflog ihre Lippen, und ein dankbarer Blick strahlte zu ihm herüber.
„So würden Sie ihn wieder annehmen, wenn er als Reuiger zu Ihnen käme?"
Schwester Henriette antwortete nicht; Helmut sah nur ein leises Nicken ihres Kopfes, er wußte genug. Dann begegneten sich ihre Blicke: sie hatten sich verstanden.
„So will ich tun, soviel ich vermag," sagte er, „daß dieser Schleier allgemeiner Menschlichkeit und Nächstenliebe fällt und sich in einen andern verwandelt, der nur Sie beglückt!"
XIII.
Zum ersten Male nach seiner Erkrankung nahm Helmut heute wieder an der gemeinsamen Mittagstafel Platz. Er hatte sich vollständig erholt und nichts an ihm verriet, daß er eine schwere Leidenszeit hinter sich hatte. Frau Horsten beglückwünschte ihn zu seiner Genesung und zeigte ihm ein freundlicheres Gesicht, als es sonst der Fall war. Das hielt aber nicht lange an; schon am Nachmittag kam die alte kühle Zurückhaltung zum Vorschein, worüber Helmut aber nicht im mindesten erstaunt war. Er hatte sich schon längst darüber getröstet. Um so mehr aber freute er sich über Fräulein Fridas sanftes, stilles Wesen; aus ihrem Gesichte strahlte ein tiefer Abglanz eines beglückten und befriedigten Herzens. Und Helmut war selig darüber, und heute noch wollte er die Stunde herbeiführen, die ihn zu dem glücklichsten Manne unter der Sonne machen sollte. Eine Absage befürchtete er jetzt nicht mehr, festdem ihn Horsten selbst zu diesem Schritt emumtert hatte.
Helmut nahm am Nachmittag den gewohnten Spaziergang durch den Park wieder auf. .Als er
das Mittel des Generalstreiks. Hilferdingi Auffassung erfährt im neuesten Hefte der „Neue« Zeit" den energischsten Widerspruch von jemand« der selbst den Generalstreik in Holland proklamiert hat, von dem holländischen Sozialdemokraten Vliegen. Dieser ist durch die holländisch« Erfahrung aus einem Anhänger des Generalstreiks zu seinem Gegner geworden und begründet die „Mauserung" auf das schlagendste. Wenn Hilferding die herrschende Klasse durch die Stillsetzung der Produktion bezwingen will, so weist Vliegen darauf hin, daß dadurch jedes gesellschaftliche Leben unmöglich werde und Hungersnot eintrete. Und Vliegen fährt fort: „Bei wem wird denn die Nahrung am allerersten fehlen? Beim Proletarier. Wer wird am ersten frieren? Der Proletarier. Gewiß, die ganze Gesellschaft wird einer fürchterlichen Krise ausgesetzt. Aber wie bei allen Krisen, ist eS der Proletarier, der am schwersten darunter leidet." Um sich selbst zu retten, führt Vliegei weiter auS, werde daS Proletariat die Arbeit wieder aufnehmen müssen. Denn falls sozialistisch« Genossenschaften für die Sozialisten produzierten, würde die Regierung ihre Produkten im Interesse des allgemeinen Wohls beschlagnahmen. Endlich werde einerseits nicht jeder streiken, andererseits stecke auch in der Bourgeosie Arbeitskraft; kurz, eine absoluteProduktionseinstellung sei undenkbar. — Die deutschen Sozialdemokraten werden hier von einem ausländischen „® en offen" wieder einmal auf das Törichte ihrer Ideen aufmerksam gemacht. Ob sie sich das gesagt sein lassen, if freilich etwas anderes.
DaS neue Börsengesetz.
lieber den Inhalt deS neuen BörsengesetzeS macht der „Tag" folgenden Mitteilungen: I« dem Entwurf wird festgesetzt, daß ein ausdrücklich abgegebenes Anerkenntnis einer Schuld auch bei Börsentermingeschäften, sowie die be> stellten Sicherheiten (Depots) in Zukunft rechtswirksam fein sollen. Ferner wird das aus ben §§ 50 und 66 des BörsengesetzeS oder auf § 764 deS Bürgerlichen Gesetzbuches hergeleitete Recht, die Erfüllung einer Verbindlichkeit zu verweigern, künftig zeitlich auf 6 Monat« begrenzt. Der Kreis der Personen, die sich durch Börsentermingeschäfte rechtswirksam verpflichten können, wird auf diejenigen nicht ir ein Börsenregister eingetragenen Personen anS> gedehnt, die zur Zeit des Geschäftsabschlüße? berufsmäßig Börsen- oder Bankier-Geschäft« betrieben haben, oder zum Besuch einer Börst zugelassen oder als Kaufleute in das Handelsregister eingetragen waren. Doch soll diese» Personen nur der Einwand der mangelnde« Eintragung ins Börsen Register genommen, ihnen aber bei Nicht-Eintragung ein Klagerecht nicht gegeben werden. Endlich sollen nicht all börsenmäßige Termingeschäfte gelten Zeit- oder Lieferungs-Geschäfte, welche zwischen Erzeuger« oder Verarbeitern von Waren, ober in daS Handelsregister eingetragenen gewerbsmäßige«
nach einer Stunde zurückkehrte, traf er Horste«, Er mußte eine freudige Nachricht erhalten haben, denn mit einem heiteren Lachen war er schnell aus Helmut zugeschritten.
„Nein," sagte er,,, was ich doch jetzt für Glück habe! Die fetten Jahre, von denen Sie neulich sprachen, scheinen wirklich nun für mich komme« zu wollen, Eben schrieb mir der Justizrat Nello, daß er für den Herrn, der Philippsthal gekauft hat, die Ziegelei in Seddin kaufen will, und ich soll ihm nur Mitteilen, unter welchen Bedingungen ich den Ton dazu hergeben würde. Er ist auch geneigt, die Fläche mit dem Tonlager käuflich zu erwerben. Was meinen Sie dazu?"
„O," erwidert- Helmut gedehnt, indem er sich zur Seite toanbte, um nicht Herrn Horsten ansehen zu müssen, „was soll ich dazu sagen. DaS Land würde ich, wenn ich Besitzer von Eichfeld wäre, unter keinen Umständen verkaufen, und toenn es Ihnen bisher noch so wenig eingebradjl hat. Ich würde dem Herrn die Ausbeutung des Tonlagers gegen eine jährliche angemessene Entschädigung überlassen, aber weiter nichts."
„Ja . . Aber wonach wollen Sie die Ent- fchädigui'gssumme berechnen? Nach der Anzabk der Morgen? Es handelt sich etwa um vierzig."
„Nein, danach nicht," entgegnete Helmut. „Eine Ziegelei muß doch jährlich eine bestimmte Anzahl von Steinen Herstellen. Von 1000 Steinen müßte der Käufer der Ziegelei, der auf Jhk Tonlager angewiesen ist, wenn er sie in Betrieb setzen will, an Sie eine Mark zahlen. Nehme« wir an, daß jährlich etwa sechs Millionen Steine, was wohl nicht zu hoch gerechnet ist, in Seddin fabriziert werden, so macht das für Sie einen Gewinn von sechstausend Mark . . rmd Sie blei-