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Zweites Blatt
Die deutsche Landwirtschaft auf der Weltausstellung in St. Louis.
Nach neueren Verhandlungen, welche zwischen dem Reichskommissar und den aus der Landwirtschaft interessierten Kreisen für die Weltausstellung Von St. Louis stattgefunden haben, muß
Völkerschlacht-Denkmal bei Leipzig.
Der Deutsche Patriotenbund in Leipzig schreibt: Weite Kreise deS Volkes bezeugen durch die Tat dir regste Anteilnahme an der Errichtung des RuhmeSmaleS für die deutsche Befreiung. Es haben bereits 25 Gemeinden, 119 Städte, 51 Schulen, 162 Vereine und 382 Personen insgesamt 739 Gemeindewesen und
aus der Zahl der abgegebenen sozialdemokratischen Stimmen geschlossen werden, in welchem Umfange au dem Wahlerfolge der Sozialdemokratie vom 16. Juni die iogenannten Mitläufer beteiligt sind. Und das Resultat ist für die So- zialdemokratie nicht eben sehr erfreulich ausgefallen. Freilich darf man sich auch umgekehrt durch den Rückgang der sozialdemokratischen Stimmen bei dm Landtagswahlen nicht in trügerische Sicherheit wiegen lassen; denn die Befürchtung ist nicht Von der Hand zu weisen, daß diejenigen, die jetzt noch als bloße Mitläufer babor. scheuen, sich offen zur sozialdemokratischen Partei zu be- fernten, allmählich durch die planmäßige Propaganda, namentlich in der Fabrik und in der Werkstatt, zu zuverlässigen Soldaten des sozialdemokratischen Heeres gedrillt werden. So erwünscht daher der Dämpfer auch ist, welcher durch den Ausgang der Wahlen dem sozialdemokratischen Uebermut aufgesetzt wurde, so verkehrt wäre es, wenn die bürgerlichen Parteien nicht in der gemeinsamen Bekämpfung der Sozialdemokratie weiter ihre vornehmste Aufgabe erblicken würden.
Personen 100 Mk. und mehr zu den Baukosten beigesteuert. Wie bekannt, sollen die Namen derjenigen, die diesen Mindestbeitrag sammeln oder Rieten, einst im Denkmal in unvergänglicher Weise angebracht werden. Alle Gemeinden, alle Städte, alle Vereine, welche Ziele sie auch sonst verfolgen mögen, müßten e8 für ein» Ehrenpflicht halten, dem gegebenen Vorbilde zu folgen, damit daS Ehrenmal deS deutschen Völkel eine ebenso einheitliche Tat werde, wie eS dis Erhebung deS deutschen Volke? im Jahre 181$ selbst war. Beiträge nimmt der Deutsch« Patriotenbund in Leipzig entgegen.
die Ausstellung von detitschen Pferden als gesichert gelten.
Hieran werden sich die Züchter Holsteins, Oldenburgs und Ostfrieslands beteiligen, und zwar werden auS jedem Zuchtbezirk 10—15 Pferde zur Ausstellung kommen. Der Reichskommissar, ebenso wie die Staatsreaieruugen von Preußen und Oldenburg, haben zur Verwirklich- ung dieser Ausstellung namhafte Summen gestiftet. Andere Zuchtbezirke, auch die Vertreter der Kaltblutzucht, haben verzichtet.
Die Landwirtschaftskunde und die landwirtschaftliche Statistik wird durch die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft zur Ausstellung gebracht werden. Durch karthographische Darstellungen, Tierphotographien und anderweitige Abbildungen wird ein Üeberblick über die Bedeutung des landwirtschaftlichen Gewerbes in Deutschland gegeben werden, so daß in trefflicher Weise gezeiat werden wird, welchen Umfang die landwirttchaftlicki? Tierzucht, der Ackerbau und die landwirtschaftlichen Nebengewerbe in Deutschland erlangt haben. Eine Wollausstellung seitens der interessierten Herden- bescher, wie sie anfangs geplant war, wird nicht stattfinden, dagegen wird aber durch die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft mittels einer Ausstellung von Wollproben tvvischer Herden ein Bild von der Richtung der Wollschasszucht in Deutschland gegeben werden.
Die Täftgkeit der Deutschen Landwirtschafts- Gesellschaft selbst wird durch kartographische,Darstellungen über die Verbreitung des Mitalieder- bestandes und die Bedeutung und Ausführung der Wanderausstellungen und durch eine Ausstellung sämtlicher Schriften, welche die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft seit dem Jahre 1886 herausgegeben hat, veranschaulicht werden.
In der Gruppe „Sämereien" stellen ferner 8 Aussteller deutsches Saatgut aus, von denen 7 den Saatgut,züchern und 1 den Samenhändlern angehören. Bei der Bedeutung des Absatzes von Rübensamen nach Amerika ist hier diese Ware am meisten beteiligt.
Außer den genannten durch die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft Vorbereiteten Ausstellung wird eine solche des landwirtschaftlichen Schulwesens und des Meliorationswesens durch das Kgl. Preußisch? Mnisterium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten, der Moorkultur durch den Verein zur Förderung der Moorkultur im Deut- schon Reiche und des landwirtschaftlichen Versuchswesens durch die Firmen Kähler & Martini und Peters & Rost in Verbindung mit Versuchsstationen veranstaltet.
Neben dem Hauptkatalog wird auch ein Son- derkatalog für die landwirtschaftliche Ausstellung herausgegeben, besten Bearbeitung die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft übernommen hat.
Umschau.
Wiede rZusa m menschlußderLinken zu stände gebracht werden soll, haben auf ihrem Heilbronner Parteitage die im Reichsparlament sechs Mann starken süddeutschen Demokraten gezeigt. Sie haben eine Resolution angenommen, laut tvelcher ein Zusammenschluß der Linken gegen die „Reaktion" notwendig ist. Der Befürworter dieser Resolution hat zudem die Parole ausgegeben: „Unter allen Umständen mit der Sozialdemokratie gegen die Reaktion!" — Aber in der Diskussion zeigte es sich, daß die süddeutschen Einigungsmänner nichts weiter , verlangen, als daß die übrigen Parteien der Linken sich ihrer Führung unterwerfen. Die Barthsche Gruppe, an Zahl wie an Ansehen allerdings der Süddeutschen Volkspartei gleichwertig, hat ihre Bereitwilligkeit zum Zusammenschluß erklärt; von den Nationälliberalen will man nur vom linken Flügel — der jedoch seinerseits ebenfalls führen aber nicht geführt werden will — etwas wissen, und Eugen Richter mit feiner Partei? Er wurde — behufs Förderung des Zusammenschlusses, — ganz im „Vorwärts"-Stiel angegriffen. Einer der Einiger sagte, gehe es bei dem Zusammenschlüsse der Linken nicht mit Richter, so müsse er gegen ihn unternommen werden. Ein anderer drohte im Fall einer Richterschen Weigerung mit einem „Ritt" der Süddeutschen ins verhaßte Preiißenland! Auf diese Weise wird der Zusam- menschluß jedenfalls bald erreicht fein. Besonders der süddeutsche Demokratenritt „d Berlin" dürste grausame Folgen haben, wie Herr Quidde ja an seiner werten Person schon erfahren hat. .
Deutsches Reich
Berlin, 21. November.
— Seine Majestät der Kaiser unternahm mit Ihrer Majestät der Kaiserin einen Spaziergang im Parke von Sanssouci und erledigte Regierungsgeschäfte. Die Heilung der Wunde macht weitere Fortschritte, das Befinden ist gut.
— In Potsdam fand am Freitag die Vereidigung der Rekruten durch den Generalobersten v. Hahnke im Beisein der Kaiserin statt. Am heutigen Sonnabend folgt die Vereidigung ttt Berlin. .
— Major- Prinz Albert von SchleSwig-Hol- stein wurde Kommandeur der Garde-Kürassiere.
— Der Besuch des Kaisers zu den , bevorstehenden Hundert'ghrfeiern der drei Regimenter in Hannover, der durch die Operation in Frage gestellt schien, wird nach neuer Mitteilung bestimmt stattfinden, wenn die Besserung im Befinden des Monarchen anhält. Bei der Festvorstellung im Hoftheater soll ein Festspiel anfgeführt werden, das sich auf die Geschichte der vormaligen hannoverschen Armee respektive der deutsch-englischen Legion bezieht.
— Im Mausoleum der Potsdamer Fnedens- kirche erfolgt am heutigen Sonnabend die Weihe des Sarkophags der Kaiserin Friedrich. Er ist aus griechischem Marmor hergestellt, ein Geschenk der griechischen Königssgmilie, und zeigt die Fürstin anscheinend schlafend; sie trägt ein gri-'chi« sches Gewand, das Hals und Arme freiläßt, das Haupt von der Krone geziert. Prof. R. Begas schuf da? Werk nach dem eigenen Entwurf der Entschlafenen, ebenso wie er denjenigen Kaiser Friedrichs berstellte.
— Einer Reutormeldirug aus Kapstadt zufolge wird offiziell berichtet, daß Flüchtlinge aus Deutsch-Südwest-Aftika bei Stolzenfels anznkoni- men beginnen und um die Erlaubnis ersuchen, ihr Vieh über den Orangefluß in die Kavkolonie zu treiben, da ft? Ueberall der Hotentotten fürchten Die deutschen Truppen haben da? Laaer der Rebellen in den Karasberaen umzinaell. Der Kamps begann am 16. Nur ein Stamm ist unter den Waffen. Die Witbois helfen den Deutschen.
— Die hessische Regierung bat eine Gesetzes- Vorlag? ausgearbeitet, nach der ähnlich wie in Preußen ein gewisser Bruchteil der Eisenbahn- erträgniffe und der Ueberidiüfie der Lande?« lotterie zu einem eisernen Bestände angesammelt werden soll, dessen Mittel nur in unvorherge-
Die LandtaqswMen.
Eines der charakteristischen Merkmale der soeben vorgenommenen Wahlen ist die Fortsetzung des Niederganges der linksliberalen bürgerlichen Gruppen. Die Freisinnige Bereinigung hat nicht »vagen können, ihren hervorragendsten Vertreter und Redner Dr. Barth aufzustellen. Aber auch die Freisinnige Vnlkspnrtei hat bei den Wahlen sehr schlecht abgeschnitten. Sie hat trotz des weitgehenden Zusammenstehens mst den National- liberalen mehr Sitze verloren als gewonnen. Und der Gewinn ist ausschließlich auf dieses Zusam- .mengehen mit den gemäßigten Liberalen zurück- zuführen. Selbst der Generalstab Eugen Rtch- ter-3 ist empfindlich dezimiert. Den einzigen Lichtpunkt bildet schließlich nur noch Berlin. Und es ist beinahe rührend, wie sich die freisinnige Volks- Partei und ihre Leitung über die Erhaltung der Berliner Mandate freut. So bescheiden ist man in diesen Kreisen bereits geworden!
Die jetzigen Wahlen zum Abgeordnetenhause liefern daher einen neuen Beweis, daß der radi- ’fale bürgerliche, Liberalismus sich in Preußen in fortwährendem Rückgänge befindet, und daß fauin Aussicht vorhanden ist, daß er in absehbarer Zeit wieder Lebenskraft erhalten werde.
Aber auch die Sozialdemokratie hat keine Ursache, mit Genugtuung auf den Ausfall der,Wahlen zurückzublicken. Ihre Hoffnung, aus eigener Kraft einige Mandase zll erringen, ist kläglich gescheitert. Auch die Zahl der von ihr errungenen Erfolge bei den Wahlmännerwahlen bleibt weit hinter den Erwartungen zurück, die die sozialdemokratische Preste vor den Wahlen zum Ausdruck brachte. Wenn in dem leitenden sozialdemokratischen Parteiblatte mit der Behauptung der Entrechtung der großen Masse der Bevölkerung durch das preußische Wahlsystem agitatorisch zu wirken versucht wurde,, so hafte man darin zunächst sicher vor allem ein Zeichen des Unmuts über den für die Sozialdemokratie wenig günstigen Ausfall der Urwahlen zu erblicken. In Wirklichkeit kann doch Von einer Entrechtung der großen Masten der Bevölkerung bei den preußischen Wahlen keine Rede sein. Die Wahl ist genau so allgemein wie bei den Reichstagswahlen, nur mit dem Unterschiede, daß in Preußen, ein voller Jahrgang mehr berechtigt ist als int Reiche. Die Zahl der Mähler zum preußischen Landtage ist daher grösser als die der Reichswähler in Preußen. Und die Sozialdemokratie müßte, wenn sie ihre Stellung bei den ReichStagswahlen auch bei den Wahlen zum Abgeordnetenhaus- behauptet hätte, mebr Wablstimmen aufgebracht haben als am 16. Juni. Das Gegenteil liegt aber offen zu Tage, und zwar ziemlich allgemein. Der Grund ist darin zu suchen, daß unter dem Deckmantel der Geheimwabl am 16. Juni offenbar viele, sozialdemokratisch gestimmt haben, die noch nicht der sozialdemokratischen Partei angehören und naturgemäß jetzt, ivo es galt, bei bett Urwahlen offen Farbe zu bekennen, nicht entfernt baran dachten, sozialdemokratisch zu wählen. Insofern kamt
Erscheint wöchentlich sieben mal»
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Ji=. OvL Jnserttonsgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg. (SütttlftKL 22. ^DtJCHWCT 1903.
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28 (Nachdruck verboten.)
Im Schlosse der Ahnen.
Original-Roman von Otto König-Liebthal.
fftortfelmna.)
Als bie beiben schon nahe am Schloß waren, fam ihnen Horsten entgegen.
„Ich weiß schon, was vorgefallen ist, Herr Kraft," sagte er, „hoch freue ich mich sehr, daß eS noch so gut abgelaufen ist. Immerhin halte ich es für ratsam, den Arzt holen zu lasten, damit er die Wunde untersuchen kann."
Unwillig wehrt- Helmut ab.
„Es ist unnötig, Herr Horsten," entgegnete er. „Ich fühle mich ganz wopl. Die kleine Wunde wird bald vernarben. . , Wo ist das Pferd?"
„Darum kümmern Sie sich nur nicht, es wird inzwischen schon eingefangen sein."
Jetzt kam auch Fräulein Frida hinzu.
„Gottlob, daß Sie da sind!" rief sie glücklich lächelnd und reichte ihm die Hand.
Während Horsten mit dem Inspektor Vorauf« ging und eifrig miteinander sprachen, folgten Helmut und Fräulein Frida langsam nach.
„Eine Bitte habe ich noch," sagte Fräulein Frida zu Helmut, als dieser sich verabschieden wollte,, um sein Zimmer aufzusuchen. „Wollen Sie mir diese erfüllen?"
„Gern . . wenn ich es vermag," entgegnete Helmut.
„Sie können es, Ivemt Sie nur wollen."
„Ich will," sagte Helmut und lächelte beglückt.
„Reiten Sie das Pferd nicht mehr, Herr IRraft," bat Fräulein Frida mit sanfter Stimme, ohne ihn anzusehen.
„Ich will es nicht mehr reiten," erwiderte Helmut.
„Ich danke Ihnen, Herr Kraft."
Helmut sah das freudige Aufleuchten ihrer Augen und in seinem Innern jubelte es: „Sie liebt mich, sie liebt mich!" —
Am Nachmittag traf Inspektor Wegener Fräulein Frida im Parke. Die Gelegenheit schien ihm günsftg zu sein, um ihr die Gefühle feines Herzens auszusprechen, was er so oft schon in feinen Gedichten getan hatte.
„Wie geht es Ihnen, gnädiges Fräulein? Sie sehen ein wenig angegriffen aus!"
„So . . finden Sie das?" sagte sie und versuchte, ihre Hand, die der Inspektor noch immer festhielt, ihm zu entziehen. Doch umsonst.
„Lassen Sie doch meine Hand los!" sagte sie endlich.
„Nein . . nie!" rief er plötzlich mit großer Leidenschaft aus.
Verwundert sah ihn Fräulein Frida an. Dann brach sie in ein heiteres Lachen aus.
„Das wäre ja entsetzlich! Für die Dauer würde aber ihre Kraft auch erlahmen, und Sie müßten sie doch freilasten. Oder wir müßten sie mit Stricken zusammenbinden."
„Fräulein Frida", sagte der Jspektor, „spotten Sie jetzt nicht, wo es mir so ernst ist. Sie verstehen doch, was ich damit faaen will. Sie müssen mich verstehen; ich hab' es Ihnen ia so oft in meinen Liedern gesagt."
Fräulein Frida hatte mit steigendem Er- staunen zugehört, in welches Verlegenheit und Unwillen sich mischte. Konnte er wirklich so im Ernst sprechen?"
„Sie irren sich, Herr Wegener," faate sie. „Ich weiß wirklich nicht, was Sie meinen."
Der Inspektor seufzte tief auf.
„Soll und muß ich Ihnen wirksich noch sagen, daß ich Sie liebel Daß mein Herz nur Ihnen gehört und für Sie allein nur schlägt!"
Jetzt ließ er ihre Hand frei und warf sich ihr zu Füßen. , .
„O, sagen Sie mir, daß Sie mich wieder lieben, und ich werde Sie auf meinen Händen durchs Leben tragen. Fräulein, bedenken Sir, Sie sind ein armes Mädchen und nur ich .. kann Sie beglücken."
Fräulein Frida wurde nun wirksich ängstlich und trat einige Schritte zurück.
„Stehen Sie doch auf, Herr Wegener, und reden Sie nicht mehr so zu mir. Ich sage Ihnen, daß ich Sie nicht so liebe, wie Sie denken, hoffen und erwarten. Außerdem irren Sie sich, ich bin Nicht arm."
„Nicht?" fragte der Inspektor verwundert. „Doch, ich will nicht Ihr Geld, sondern nur Ihr 'Herz, Ihre Liebe. Sie wollen diese nur nicht ein- gestehen, ich weiß es, daß Sie mich lieben. Sind Sie denn nicht immer mit mir gekommen aus- Feld, in bie Ställe! Haben Sie mich nicht immer gern gehabt? Sie wollen es nur nicht sagen, nicht bekennen."
„Stehen Sie doch nun endlich auf," erwiderte sie unwillig. „Gewiß bin ich oft mit Ihnen hierhin und dorthin gegangen, bin oft bei Ihnen gewesen auf dem Felde und in den Ställen . aber das war früher . . vor Jahren schon, als ich fast noch em Kind war. Nein, Herr Wegener, ich liebe Sie nicht, werde Sie nie lieben. Sie find mir ein guter Bekannter, ein guter Freund, haben mich das Reiten gelernt, mir manche Gefälligkeit, manchen Dienst erwiesen. Das alles aber gibt Ihnen noch kein Recht, eine Liebe vorauszusetzen, bie nie vorhanden gewesen ist. Noch einmal bitte ich, stehen Sie auf und reden Sie Vernünftig."
Der Inspektor stand auf.
„Ha!" tief er aus. „Ich weiß es jetzt, wen Di«; lieben. Der Hauslehrer ist's; er hat mir
Ihr Herz gestohlen! Aber bedenken Sie: was kann er Ihnen bieten? Nichts. Nock^ einmal bitte ich Sie, erhören Sie mich, machen Sie mich
glücklich."
„Ich kann Ihnen nicht sagen, was Sie hon mir hören wollen," erwiderte Fräulein Frida. „Ich werde vergessen, was Sie mir gesagt haben. Vergessen Sie auch mich; bie Ihre kann ich ntt
werben." „ , ,
„So bin ich die längste Zeit Inspektor in Eich« feld gewesen," sagte er resigniert und ging mit eiligen Schritten nach dem Wirtschaftshof. —
Als Fräulein Frida das Schloß betrat, bemerkte sie Horsten mit bekümmerter Miene.
„Was hast Du denn, Alex?" fragte sie.
etwas vorgesallen?" , . ~ „
„So weißt Du es noch nicht! Herrn Kraft geht es doch nicht so gut, als wir dachten. Ich war eben bei ihm; er liegt im Bett, ein starkes Fieber hat ihn überfallen. Der Arzt mutz gleich hier sein."
Alles Blut wich aus Fräulein Fridas Antlitz: sie schloß die Augen und sank zitternd auf einen
Stuhl nieder.
„Beruhige Dich." sagte Horsten mit seltsamen Lächeln. „Seine kräftige Natur wird es ihn über..
winden lassen."
Jetzt wurde der Arzt gemeldet und Horsten ließ Fräulein Frida allein. Er führte den Doktor in Helmuts Zimmer und schaute bailgend in das bleiche Antlitz des Kranken. Doktor Sieger erkannte sofort das gefährliche Wundfieber und gab Horsten die entsprechenden Maßregeln zn emer zweckmäßigen Pflege. Bange Tage und Nachte verstrichen nun, und oft genug saß der e>d)IoB- Herr selbst an dem Lager des Kranken, der tnt heftigsten Fieber raste. Jeden Tag mußte Schwei fter Henriette, die man aus Potsdam zur Pflegß hatte kommen lassen, Fräulein Frida Bericht etz