mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
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Marburg
Sonntag, 22. November 1903.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag- Joh. Aug. Koch, Umversität?-Buchvruckerei Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
38. Jahrg.
Drittes Blatt.
Die heutige Nummer umfaßt zehu Seiten.
Vermischtes
In den Katakomben verirrt. Ein paar aus- rcijenbe Stunden verlebte, wie mi3 Paris berichtet wird, am Samstag eine Ges.'ttschast von 25 Personen, unter denen sich 19 Enaliinder und Amerikaner befanden, in den Pariser Katakomben. Inmitten der aufgehäusten grinsenden Schädel lind menschlichen Gebeine batten sie den Weg verloren, und als sie schließlich zum Ausgang kamen, waren die Damen dein Znsammenbrechen nabe, uild alle litten unter einer starken nervösen Erschütterung. Schon seit einigen Jahren hält man die Katakomben für gefährlich. Grüber wurden die Besucher allein hineingelassen und nur angewiesen, einem breiten schwarzen Streisen zu folgen, der an der Decke entlang gemalt ist. Wenn sie dieser Weisung folgten, mnden sie einige Kilometer weiter^ einen Ausgang. Da aber mehrere Touristen auf geheimnisvolle Weise verschwunden waren und der Boden unter mehreren labyrinthischen Galerien uachgegeben hatte, bestimmte man, das; Besucher nur in Begleitung eines Führers zugelasien wer- deil sollten. Am Samstag betrat nun eine große Gesellschaft bei dein Eingang der Rue Denferl- Rochercall die Katakomben. Sie hatten einen Führer bei sich, und alle trugen Lichte. Nachdem sic eine zeitlaiig in den dunklen cnaen Wegen ge- wandert waren, blieb ein Engländer stehen, um eine merkwürdige Inschrift zu prüfen, und eine Menge sammelte sich um ihn. Als sie Weiler gingen, waren der Führer und der übrige Teil der Gesellschaft verschwunden. Eine Amerikanerin Miß Frederic Brady, die dabei war, erzählt, das; man etwa 20 Minuten wciterging, ohne die üb- rigen zu finden. Da erklärte der Engländer, der den Stillstand verursacht batte, daß er sich verirrt hätte. Darauf fingen mehrere Damen an zu schreien. Einige fürchteten sich, weiter zu gehen, andere dagegen drängten iveiter, da man einen Ausweg suchen müsse, ehe die Lichter heruntergebrannt wären. Es herrschte eine unbeschreibliche Verwirrung. Die Männer schrien, in der Hoffnung, von den Vorangehenden gehört zu werden, aber es erfolgte keine Antwort, und in sehr erregtem Zustande ivanderte man einen Gang nach dem anderen entlang, immer an Haufen mensch- licher Gebeine vorbei. Das dauerte anderthalb Stunden. Einige Lichter brannten schon sehr niedrig. Endlich bemerkte Mine. Chambronty, eine Französin, die schon vorher mehrere Male in den Katakomben gewesen war, eine Wasser- gnelle, und in gebrock>enein Englisch rief sie aus, das; sie den Weg wüßte. Zwanzig Minuten lang folgten ihr die anderen; als fast alle Lichter aus- gegangen waren, kam man zit einem Ausgang. Dieser war^äber verschlossen, und nun erscholl wieder ein Schrei der Verzweiflung. Zum Glück erschienen einige Wächter, die geglaubt batten, daß schon alle Besucher fort wären, und schlossen das Tor auf. Die Vorschrift besagt, daß die Anzahl der Besucher, die die Katakomben betreten und verlassen, von den Aufsichtsbeamten gezählt werden soll; aber man scheint diese Vorsicht außer Acht gelassen zu haben. In Zukunft sollen die Bcsincher von zivei Führern begleitet sein, von denen der eine voraugebt und der andere der Gesellschaft folgt.
Wie sich New-Borker Frauen bei der Trauung der Hundert,n,llivnen-Braut Miß Goelet benah- inen, wird in dec ..Tägl. Rundsch." geschildert: Die Frauen ließen die Wagenfenster herunter und langten rückfichtlos in den Wagen hinein, um das Brautkleid zu berühren. Auch bei' dem Durchschreiten der Reiben vor der Kirche mußte die Braut sich gefallen lassen, von hunderten von Händen berührt zu werden. Alle versuchten, ihr Kleid anzufasseu. was Glück bringen soll. Viele Frauen boten dem Küster und dm Polizisten Bestechungen an. um Einlaß in die Kirche zu erhalten. Andere krochen von außen durch die Fenster m einen Kohlenkeller unter der Kirche und suchten dann die von dort ins Kirchenschiff führende Treppe zu finden. — In der ..Frankl. Zeitung" lesen wir: Miß Goelet trug ein Kleid aus iveißem Satin, mit weißem Chiffon bedeckt, der wieder mit sehr alten Points d'Angleterce- Spiyen garniert war. Girlanden ans weißem Heidekraut, das auf dem Gute des Bräutigams gewachsen war. Orangeblüten und Myrten garnierten den Rock. Die weiten, mit Svitzcn bedeckten Ebiffonärmel endeten in Spihenmanschet- len. Der Spihenschleier, ein Geschenk der Schwiegermutter. hüllte das Kostüm ganz ein. DaS Kleid, eine ..Schöpfung" von Worth in Paris, das angeblich 100 00t) Mk. gekostet hat, batte ßeine Hofschleppe, der Rock war mäßig lang ge
schnitten. Als einzigen Schmuck trug die Braut einen Anhänger aus Diamanten und Perlen, ein Geschenk des Bräutigams. Unter den Geschenken, deren Wert über 4 Mill. Mark betragen soll, befanden sich besonders Juwelen.
Zwei Fälle von Menichcnguälerei erregen wieder berechtigtes Aussehen. Wie den „Münch. 9i. Nachr." mitgeteilt wird, wird in Waldenreut in Bayern die 55 Jahre alte geisteskranke Marie Hofbauer von ihrem Bruder seit fieben Jahren I1 in einem stinkenden Loche gefangen gehalten. Das Fenster ist doppelt vergittert. Das Gitter kann von außen geöffnet werden: da hinein wird das Esten verabreicht. In die verichlossene Tür sind von außen Nägel hindurch geschlagen, damit die Kranke von innen nicht pochen kann. Auf Anordnung der Gendarmerie sind die Nagelfpitzen seht umgebogen. Der Bürgermeister will nicht einschreiten, weil durch die Verbringung in eine Irrenanstalt der Gemeinde Kosten entstehen könnten. Der gelegentliche BesichtigungSausschuß findet stets alles in Ordnuna. weil die Pfleger der Irren von dem bevorstehenden Eintreffen Kenntnis erhalten. So bearündete die Hofbäuerin einmal ihr Verlaßen der Kirche vor Beendigung des Gottesdienstes mit den Wortxu: „Ich muß heim, die Marie Herrichten, die Koin- mission konimt." — Vor der Strafkammer in Nordhausxn hatte sich letzter Tage, wie die Magdeburger Zeitung berichtet, der in Berga wohnhafte Bäckermeister Kutscher mit seiner Frau zu verantworten. Beide habe» ihr 12jähriges Kind ans dem Hausboden in einer kleinen dunklen Kammer längere Zeit untergebracht, ohne ihr eine ordentliche Lagerstelle und genügende Nahrung z» geben. Bei der Auffindung des Kindes war dieses zum Gerippe abgemagert, die Hände waren erfroren. Die rohen Eltern wurden zu je ach! Monaten Gefängnis verurteilt.
Eine amerikanische Geschichte. Der „Daily Erpreß" entnimmt einer Chicagoer Zeitung nachstehende Geschichte, um zu zeigen, was die amerikanischen Zeitungen dem Publikum als wahre Vorkommnisse unterbreiten können: „Fünfzig Schweine, die dem William Mc Farland von Harrisburg, Illinois, gehörten, sind einem merkwürdigen Irrtum zum Opfer gefallen. Me Farland pflegte um die Futlerstunde die Schweine dadurch herbeizurufen. daß er an ein Brett klopfte. Vor einiger Zeit trieb er iie auf eine große Wiese, aus der auch eine Anzahl abgestorbener Bäume stand. Diese Bäume wurden von Spechten besucht, die eilt ganz ähnliches Geräusch hervorbringen, toie das Klopfen an das Brett. Die Schweine hörten dieses Geräusch von einem Baum an einem Ende des Feldes und stürniten dorthin, in der Erwartung ihr Fressen zu finden. Ein anderer Specht, an der anderen Seite des Feldes, fing nun mt zu klopfen, und die Schweine rannten dorthin. Hin und her stürzten die Tiere während eines langen heißen TageS, bis erst das eine und dann ei» anderes vor Erschöpfung tot hinstürzte und Mae Farland schließlich seine ganze Herde verloren hatte."
Die Deutsche» als Biicherkiiufer. Zu diesem Kapitel schreibt Herr Grünow, der bekannte Leipziger Verleger, im „Börsenblatt für den deutschen Buchhandel": Ein Publikum, das in ein paar Monaten über eine halbe Million für einen einzigen Roman wie „Jörn Uhr" willig hergibt, oder in ebenso kurzer Zeit fast zivei Millionen für Bismarcks „Gedanken und Erinnerungen", ist kein schlechtes Publikum. Und was für Summen hat es für die „Buchholzens" und für die ungezählten Romane der Eschstruth und Osiiv Schubin, für Tolstoi und die Viebig, für „Rembrandt als Erzieher" und Nietzsche, für Sudermann und Ibsen ii. s. w. übrig, ganz abgesehen von den Konver- sationsleriken und anderen Subskriptionswerken, die bis in die bescheidensten Kreise dringen, und deren Umsatz viele Millionen beträgt. Das Publikuin kaust und verdaut unglaublich viel Bücher; rnan ist manchmal erstaunt, für was alles es Geld übrig hat. Aber cs kauft, was cs will. Die alte abgedroschene Klage geht nur von den Autoren aus, die das Publikum eben nicht will, oder aus irgend einem anderen Grunde nicht kauft, und^von den Verlegern, die keinen Absatz fanden. Das deutsche Publikum kaust gern und Willig Bücher, das zeigt jeder Weihnachtstisch. Auch der ärmste Mann in Deutschland hat seinen Pfennig für Bücher übrig.
Das wohlgehiitetc Geheimnis. Aus Berlin wird der „Frkf. Ztg." geschrieben: Es klingt wie das et sie Kapitel einer fesselnden Erzählung: Vor dem Potsdamer Bahnhof in Berlin hält eine geschlossene Herrschastskutsche, deren Lakai scharf nach iemandem auszuspähen scheint: er wartet aus einen Fahrgast, der nur daran kenntlich ist, daß er den Rockkragen hochgeuülpt trägt. Wirklich erscheint in dem Menschenstrom, der dem an- kommendeu Zug entstiegen ist, bald solch ein halb vermi'miiiler Herr; er besteigt die Kutsche, und los gent's in scharfem Trab; ein langer Weg weit über die Stadt hinaus ist zurückzulegen. An einem Tag der vorigen Wockic fvielte sich diese kleine Straßenszene ab, die im Getriebe des belebtesten Berliner Platzes von niemanden beachtet
ivorden sein kann. Was so unauffällig vorbereitet wurde, kann uiemand auch nur im entferntesten geahnt haben. Erst drei Tage später erfuhr man von der Operation, die am letzten Samstag mit so gutem Erfolg am Kaiser borgenommen worden ist, und mit hängt die Szene am Potsdamer Bahnhof zusammen. Professor Schmidt in Frankfurt, der geheimnisvolle Fahrgast, war durch ein Telegramm von den zur Geheimhaltung notwendigen Maßregeln benachrichtigt worden. Im neuen Palais bei Potsdam angekommen, erhielt er zwei Zimmer angewiesen, in denen er zivei Tage lang vollständig in Klausur blieb; außer dem Kaiser, der Kaiserin, den zwei Leibärzten und dem Kammerdiener wußte niemand von seiner Anwesenheit. Auf einer Wendeltreppe kam er direkt in das Gemach, das als Operationsziin- mer verwendet wurde. Hier wurde auf Wunsch deS Kaisers nur noch ein Unbeteiligter hinzuge- zogcn: der greise Diener, der in der Krankheit des Kaisers Friedrich assistiert hat. Wie bekannt, ging die Operation selbst rasch und glücklich von statten; der Patient hatte nur eine Bedingung gestellt: er forderte die ehrenwörtliche Versicherung des Arztes, daß er über die Natur des Leidens die völlige Wahrheit erfahren. Nach vollzogener Operation schrieb der Kaiser selbst die Adressen auf — darunter die des Kronprinzen — an welche telegraphische Nachricht abgehen sollte, und er halte sogar Ruhe und Fassung genug, anzufügen: nur die Großherzogin von Baden möge wegen ihrer Aengstlichkeit brieflich verständigt werden, und zwar rechtzeitig, bevor die Zeitungsnachrichten sie erreichten. Die in der Sonntagsnum- rner der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" erschienene Nachricht sah der Kaiser selbst vorher durch. Das; vor dieser Nachricht auch nur die geringste Vermutung nach außen dringe, war also, wie man sieht, wirklich völlig ausgeschlossen.
Ei» artiges Gcschichtchen erzählt die „Tils. Allg. Ztg.": Eine lebenslustige, in der Nähe Tilsits wohnende Witwe wollte wieder heiraten und hatte, trotzdem die Verlobung mit ihrem. Erwählten bereits einmal rückgängig gemacht worden ivar, Einladungen ergehen lassen und die Trauung beim Standesamt bestellt. Die Gäste kamen, aber der Bräutigam nicht. Doch selbst die Braut wußte sich zu trösten und fröhlich verlief der Schmaus, ja plötzlich wurde die Verlobung der Braut mit einem inzwischen aus der Gesellschaft Neuerwählten verkündet, so ward aus der Hoch- zcits- eine Verlobunasfeier.
Allerlei kleine Nachrichten. Der große Streik in der Berliner Metallindustrie, an der über 1900 Gürtler und Metalldrücker beteiligt waren, ist beendet worden. Erreicht haben die Streikenden in dem achtwöchigen Lohnkampfe nichts, sondern sie nehmen die Arbeit zu deu früheren Bedingungen wieder auf. Der Streik war aussichtslos ge- lvordeu, jeder weitere Tag hätte den Ausständigen neue Wunden geschlagen. — Das überaus seltene Fest der 'eisernen Hochzeit feierten die Eheleute Rappel in Börlinghausen in Westfalen. Im Jahre 1838 in die Ehe getreten, können sie heute auf eine mehr als 65jährige Dauer des Lebensbundes bei körperlicher und geistiger Frische zurückblicken. — Schwarze Listen für faule Zahler wollen jetzt auch die Berliner Bäckermeister einführen. Wie notlvcndig das ist, ergibt sich aus der Mitteilung, daß die Zahl derjenigen, die wohl Frühstück und Brot beziehen, aber nicht bezahlen, auf etwa 15 000 zu schätzen ist. — Das Kriegsgericht in Trier sprach eine» Soldaten, der in Saarlouis uachts als Pofte» einen Sergeanten erschoß, frei. — Bei einem Hauseinsturz in Pirmasens in Bayern wurde ein Arbeiter getötet, zwei trugen Verletzungen davon. — Zu Steinau in Schlesien und in den »inliegenden Ortschaften sind der „Vo. Ztg." zufolge wegen seuchenartiger Krankheiten die Schulen geschlossen und der Konfirmanden-Unterricht untersagt worden. Auch Lustbarkeiten, Konzerte und kirchliche Fawilien- abende dürfen nicht stattfinden. — Von einem Vorfall, der .zur Lehre dienen maa. wird aus Bud- weis in Böhmen berichtet. Ein junger Mann lernte auf der Fahrt von Wien dorthin einen Fremden kennen und ließ sich, da dieser ein angenehmer Gesellschafter war, verleiten, mit ihm im Hotel ein gemeinschaftliches Zimnier zu beziehen. I» der Nackt wurde er von dem Frein- deii gewürgt, er konnte sich aber befreien und nm Hilfe rufen. Der Attentäter spielte bei seiner Verhaftung die gekränkte Unschuld und stellte sich selbst als den Ueberfallenen bin. — Unweit Kronstadt (Rußland) sank der Schleppdampfer „Rotrank. — lieber die rettende Tat eines jungen Mädchens berichten römische Blätter. Die älteste Tochter eines Gärtners in Modena drohte infolge eines Halsleidens zu ersiicken. Da nahm ihre jüngere Schwester ein Messer und schnitt eine Oeffnuug in den Hals der Leidenden, dieser so Luft verschaffend. Im Hospital erhofft man jetzt die Genesung; bei dem Schnitt wurde keine größere Ader verletzt. — In Berlin mußte ein Dienstmädchen das Krankenhaus aufsuchen. Als die Hausfrau zufällig einen Schrank in dem Zimmer des Mädchens öffnete, fand sic die in Zei- tniigspapier gewickelte Leiche eines neugeborenen Kindes, das erwürgt worden war. Das Mädchen
wurde auf die Gefangenenftation gebracht. — Eia Spielerncst hob die Polizei in einem Restaurant zu Cbarlottenburg bei Berlin aus. Es waren 18 Personen, darunter angeblich 12 gewerbsmäßige Glücksspieler. — Im Postamt in Lend in Tirol gab ein wegen Unregelmäßigkeiten seines Amtes entlassener Hilfsbeamter auf den Posivorstand und einen anderen Beamten Revolverschüsse ab, von denen einer traf und schoß sich dann selbst eine Kugel in den Kopf. — Ein Marineposten wurde nachts in Wilhelmshaven von zivei Zivilisten angegriffen. Einen ihm zugedachten Messerstich 'konnte er parieren, worauf die Angreifer flüchteten. — Aus Paris wird über die fast zweistündige glückliche Fahrt eines neuen „lenkbaren" Luftschiffes berichtet. Schlüsse lassen sich daraus aber noch nicht ziehen. — Türkisches wird der „Frkf. Ztg." aus Konstantinopel mitgeteilt: Ei» hier erscheinendes Blatt, die „Nea Efiineris", wurde kürzlich von der strengen Zensurbehörde verboten. Sein Erscheinen wurde gänzlich eingestellt. lknd warum? Weil es eine Abhandlung über den Planeten Mars veröffentlicht hatte. Es klingt lächerlich, aber es ist so, daß noch im 20. Jahrhundert ein Staat in Europa existiert, dei der Presse unter vielem anderen auch untersagt astronomische Themata zu publizieren. — Mil Tinte wurde der Metzer Damenwelt feit Monate» die Kleider verdorben. Endlich glaubte man den Schuldigen in der Person eines Unteroffiziers gefaßt zu haben. Tas Kriegsgericht sprach de» Angeklagten aber frei, wenn auch ein starker Verdacht gegen ihn vorlag. — Der englische Feld mar- schall Lord Roberts ist an Lungenentzündung er- krankt. — Nach einer Meldung aus Benthe» in Oberschlesien fuhren bei Jmicliu zwei Güterzüge infolge safcher Weichenstellung zusammen. Zwei Personen wurden hierbei verletzt. — I» Wiesbaden stürzte in der Marktgasse ein Saus, das um- gebaut wurde, in sich zusammen. Die darin beschäftigten Arbeiter konnten sich noch rechtzeitig retten, nur eine Frau erlitt unbedeutende Verletzungen. — Bei dem Einsturz eines Schuppens in Bruckhausen wurde, wie ans Essen a. d. Ruhr gemeldet wird, ein Arbeiter getötet; mehrere Personen wurden schwer verletzt.
Wissenschaft, Kunst unb Leben.
6 W a s ist das K ö n v e r s a ti o n s - Lexikon? Eine „Eselsbrücke"? So hieß es vor 107 Jahren, als die erste Auflage des Brock- haus erschien. Und vielleicht mit Recht, denn aus dem Titel stand „Handwörterbuch für die in der gesellschaftlichen Unterhaltung vorkommenden Gegenstände". Auch heute noch ist e5 eine bc< gneme Eselsbrücke fite alle, die sich mir oberflächlich orientieren wollen — ohne daß sie deshalb Anspruch auf den ehrabschneidenden Titel eines Esels 'erheben!. Sein merkwürdiger Name deckt aber heute etwas ganz anderes als damals, der Brockhaus umfaßt jetzt, man kann sagen, die ganze Welt. Er ist ein Schatzkästlein voller köstlicher Aufklärung, eine Medizin gegen Langweile wie gegen Wisiensnot. ein Handwerkszeug für^den Gebildeten wie für den »ach Weiterbildung Strebenden; er ist für den Kulturmenschen not- wendige Buch. Jede seiner 11 Auslagen spiegelt getreu ihre Zeit und behält ihren littcrarischen Wert für die dargesiellte Periode; die ersten fünf Auflagen spiegeln die Zeit um 1 St3, die nächsten vier Auflagen die Zeit bis zum Revolulionsiahr 1848. die drei folgenden fchließcn ab mit der großen Epoche von 1870, die 13. Auflage mit dem Ende des 19. Jahrhunderts und die jetzt vollend.-!? 14. Auslage hält feit für alle Ewigkeit die köstliche Zeit der Aufklärung, die wir erleben dürfen am Anfang des 20. Jalirlninderts. Wie wirs so herrlich weit gebracht — auf manchen Gebieten, 'wie wir noch tief in Aberglauben und llnfennb uis stecken in andern. W c feine, wer »ufere Zeit verstehen will, sei Regierender oder Regierter, fei er Professor oder Handwerker, fei er Meister oder Schüler ans einem Gebiete, der kann in imfercm Zeitalter der Mittätigkeit bei Stadt- und Gemeindeverwaltung, bei Innungen und Krankenkassen, bei Vereinen und Gesellschaften, als Vater eines Gymnasiasten, eines Realschülers oder einer „höheren Tochter", bett BrockbouS nicht mehr entbehren. Wir können nicht alles selbst wissen und kennen, aber eins müsien wir wissen: wo wir nachzuschlagen haben, mit uns zu orientieren; nnb das iit im Brockhaus und immer wieder im Brockhaus ! Jetzt ist es Zeit, ihn anzuschaffen und ihn zu Weihnachten zu verschenken. beim soeben sind seine stattlichen IG Bände mit ihren Hundert- taufenden von Stichworten und Bildern und Karten komvlett erschienen von A—Z. Und wal kostet der Blockhaus, iit er unerschwinglich auch für schwache Geldbeutel? Wir haben aitSgerech- nct. daß die von 500 hervorragenden Sachverständigen verfaßten ca. 18 000 Teilen zeilenweise uebeneinandergelegt eine Länge von 160 Kilo- inetcrn Wissenschaft ergeben. Wurde das Wisse« wie Schnittwaren verkauft, so kosteten 8 laufende Meter Bildung: mir em.'» Pfennig!^
LeranuvorUtch für Oie Sirvaktion:
vr. Doerkes.Boppard in Marburg.