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M -em Kreisblatt für Vie Kreise Marburg mb Kirchhain.

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JnsertionSgebübr: die gespaltene Zeile oder deren Raum lO Pfg. Pedanten: die Zeile 25 Psg.

Marburg

Sonnabend, 21. November 1903.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag' Joh. Auz. Koch, Universitäts-Buchdrucker« 38.

Marburg, Markt 21. Telephon 56.

Deutsch-Südwestasnka.

Die Hiobsbotschaften, welche uns bor einigen Wochen aus Südafrika gekommen find, haben durch die offiziellen Nachrichten des Eouv.rnc- ments eine bedeutende Abschwächung erfahren. Es war das in der Tat bis zu einem gewissen Grade dorauszusehen, da die Quelle, aus denen jene Nachrichten gekommen waren, z. B. dieDaily Mail" wenig Nertrauenswürdia sind und bereits des öfteren in der Entstellung von Dingen, die uns betreffen erhebliches geleistet haben.

Ein Teil der berichteten Tatsachen konnte cmßer- ocni von jedem Kenner der Verhältnisse als direkt unrichtig erkannt werden, wie 3. B. die Angaben über die Zahl der Aufständischen. Eingeborenen- stämme mit Tausenden von Bewaffneten giebt es eben einfach nicht, und wenn alle unruhigen Elemente int Süden des Schutzgebietes zusammen sich erheben würden, so würden solche Zahlen nicht zusammenkonnnen, >vie sie dort genannt sind. Selbst Scharen bon wenigen Tausenden Berittener können sich in den wasserlosen Stein- und Sand- wüsten des Landes nur mit groben Schwierig­keiten bewegen. Endlich aber haben wir bereits eine ganze Reihe ähnlicher Unruhen im Laufe der Jahre gehabt, die alle in derselben Weise ber- laufen sind wie es dem Anschein nach auch dieser jetzige tut. Erschienen einiger deutschen Soldaten aus dem Hinterhalt, Flucht des ganzen Stam­mes in die Bergs, Wegtreiben einzelner Viehher­den, Einrücken einer deutschen Truppe und Unter- werfung der Unbotmäßigen nach einigen kleinen Scharmützeln.

Freilich kann niemand die Garantie überneh­men, daß es nicht doch aucli einmal anders kommen kann. Der Witboikrieg hat gezeigt, welcher mili­tärischen Leistungen diefes an sich relativ harm­lose Banditenvolk der Hottentotten unter geeig­neter Führung fähig ist. Wenn für gewöhnlich die Trägheit, Indifferenz und mangelnde Initia­tive der Leute große, Energie erfordernde Unter- nehmungen unmöglich macht, wenn vor allem eine systematische Vereinigung zu größeren mili­tärischen Aktionen durchaus unwahrscheinlich ist, so ist es doch nicht ausgeschlossen, daß sich gelegent­lich eine überragende Persönlichkeit findet, welche wenn auch nur vorübergehend, die Veranlassuiig zu umfassenderen Unternehmungen speziell gegen einzelne Farmer werden könnte.

Unwirtlichkeit des ganzen Landes, geben an sich Wirtlichkeit des ganzen Landes, geben an sich eine gute Gelegenheit zu räuberischen Uebersällen. Auch der chronische wirtschaftliche Notstand, unter dem seit Jahren die Hotientottensiämme, nicht ohne ihr Verschulden, leiden, wäre wohl geeignet, zu Räubereien und Gewalttaten in größerem Stil Veranlassung zu geben. Wir müssen deshalb bis auf weiteres, auch wenn bon ernsten Niederlagen unserer Truppen, von Erstürmung ganzer Dörfer, von systematischer Niedcrmetzclung von Farmern kein Gedanke ist, doch mit der Möglichkeit der Er­mordung einzelner Händler und Farmer rechnen, auch mit Zerstörungen von Privateigentum und dergleichen.

Da im ganzen Südbezirk und speziell in den Aufstandsgegenden so gut wie keine deutschen An­

siedler wohnen, sondern nur Afrikander, so wird die Zahl derjenigen, die mit Sorge in diesen Ta­gen bei uns nach drüben denken, nur eine sehr geringe sein. Aber deswegen enthalten die Vor­kommnisse doch ein? Reihe bitter ernster Mah­nungen. ....

Wieder sind, wie nun schon so ost in Südwest­afrika, Angehörige des deutschen Heere? das Opfer einer minderwertigen Räubergesellschaft ge­worden. Wieder müssen wie schon des öftern die Angehörigen unserer Afrikaner mit Sorge nach drüben denken, wieder sieben unsere Soldaten mühsamen Marsch- und KampfeSzeiten und un­serer Verwaltung erhebliche Kosten bevor, unb wieder stehen wir vor der Tatsache, daß man im Ausland Veranlassung hat, über die deutsche Ko- lonialwirtschast höhnisch abzuurteilen. Das wäre noch zu ertragen aber wer giebt uns die Sicher­heit, daß nicht auch in anderen Antritten die Ko­lonie, vor allem im Hererolande, gelegentlich ähn­liche Unruhen ausbrechen, daß nicht doch gelegent­lich Ansiedler in größerer Anzahl einer plötzlichen Erregung irgend welcher unruhiger Elemente zum Opfer fallen. Wer will nach solchen Vorkomm­nissen noch zur Auswanderung in eine Kolonie raten, in dem der Ansiedler unter einer durchweg mit Hinterlader bewaffneten Eingeborenenbevöl- kerung wohnt.

Es sind das Anschauungen, die vielleicht etwa? pessimistisch sind. Man kann zugeben, wabr- scheinlich ist es nicht, daß derartige ausgebrertete Unruhen auftreten, nachdem die deutsche Herrschaft diesen Umfang angenommen hat.

Aber wer will angesichts der letzten Ereignisse, angesichts offenkundigen bewaffneten Widerstan­des bon Eingeborenen, der die Entsendung eines großen Teils unserer Schutztruppe nötig machte, angesichts dieses Vorkommnisses in einer seit Jah­ren als beruhigt geltenden Gegend den Mut ha­ben zu erklären, es sei alles so in Ordnung? Un­willkürlich wird wohl bei Tausenden die Frage aufgestiegen sein: Muß daS sein, ist da? nicht zu ändern? Giebt es wirklich kein Mittel für das mächtige deutsche Reich, dauernd Ruhe und Ord­nung unter ein Paar armseligen Hottentotten- stämmen zu halten? Müssen wir wirklich dulden, daß in unserer einzigen Siedlungskolonie der Ansiedler inmitten einer bis an Zähne bewaff­neten Eingeborenenbevölkerung wohnt?

Hoffentlich werden die Erfahrungen der jiing- sten Zeit den Erfolg haben, daß man sich deS bedenklichen der politischen Lage unseres Schutz­gebietes voll bewußt wird und daß man den Mut findet zu dem einzigen Mittel, welches angebracht ist, zu einer zielbewussten Kolonialpolitik der großen Mittel. Bei der jetzigen Politik, die nur das nötigste bewilligt, ist eine Entwaffnung der Eingeborenen, namentlich der über hunderttausend heran? natürlich nicht angängig.

Umschau.

Die großspurigste aber bedeutungs­loseste Partei

ist ohne jeden Zweifel die freisinnige Ver­einigung; das hat sich wieoer bei den preußischen Landtagswahlen gezeigt. Viel Mandate hatte

27 (Nachdruck verboten.)

Im Schlosse der Ahnen.

-Original-Roman von Otto König-Liebthal. lForcsehuag..

Herr Horsten!" rief Helmut freudig bewegt ans; doch schnell bekämpfte er seine aufwallende Empfindung und sagte mit zitternder Stimme: Sie liebt mich nicht!"

Ja, sie liebt Sie," sprach Horsten und ergriff seine Hand. Als Sie im brennenden Hause ver­schwanden, um ein Menschenleben zu retten, da habe ich ihre Angst gesehen, und ihr Ausruf: Gott, siehe ihm bei! gab mir die Gewißheit, daß sie Sie liebt."

Helmut stieß einen Jubelruf aus und seine Augen leuchteten bell auf.

Ja . . sie liefet mich, und ich . . will um sie werben.

So gehen Sie hin," sagte Horsten weich, und lassen Sie sich da- aus ihrem eigenen Mund.' sagen."

Er schaute mit inniger Freude dem Davon- eilenden nach.Mögen sie glücklich werden!" murmelte er.

Wohin so eilig, Herr Krasl?"

Helmut wandle sich um, und bor ihm stand Fräulein von Kullig. Aber ehe er noch antwor­ten konnte, fuhr sie lachend fort:Ich hätte große Lust, einen kleinen Rill zu machen. Wollen Sie mich begleiten?"

Sie sah zu ihm auf, und ihr Blick begegnete dem feinigen.

Sehr gern, gnädiges Fräulein," eiwiderte er saust lächelnd.

Fräulein Frida ging, um ihr Reitkleid anzu- legen, während H.lmnt die Pferde bestellte und

dann schnell auf sein Zimmer eilte. In wenigen Minuten waren sie fertig und bald trabten sie dahin. Nach einer Viertelstunde hatten sie den Laubwald von Philippsthal erreicht. Sie Blätter der Bäume hatten sich schon herbstlich gefärbt und raschelnd gingen die Pferde durch das niederge­fallene Laub.

Schade," begann Fräulein Frida das Ge­spräch,daß Philippsthal verkauft ist. Wir haben zwar nun fein Recht mehr, hier zu reiten, doch würde es uns der neue Besitzer nicht übet nehmen, wenn er uns jetzt begegnete. Es tut mir leid, daß es nun für mich ein fremdes Revier ist. Warum mußte es auch berfauft werden?"

Es war notwendig," erwiderte Helmut mit Nachdruck.Herr Horsten nnisste eS verkaufen, wie er mir sagte.

Fräulein Frida sah errötend zu ihm hinüber.

.Mußte? . . Nein, es lag keine Notwendig­keit vor. An Geld konnte es ihm nicht fehlen, denn ich habe ihm mein Vermögen zur freien Ver­fügung gestellt. Aber freilich . . nicht einen Pfennig hat er bisher davon genommen."

So hätten Sie es kaufen sollen!" rief Helmut scherzend aus.

Ja . . das hätte ich tun sollen! Auf den Gedanken bin ich leider nicht gekommen . . . Jetzt ist v§ zu spät."

Die beiden ritten nun schweigend weiter. Durch die Bäume schimmerte das Abendgold und wunderbare Stille herrschte im Walde.

Ich werde auch tvohl bald von Eichseld weichen müssen," nahm endlich Helmut das Ge­spräch wieder auf.

Bei rosten zuckte Fräulein Frida zusammen.

Warum? . . Aehag! Ihnen das Leben hier bei uns nicht mehr?"

ES gab eine Zeit, gnädiges Fräulein," ent­gegnete Helmut mit wehmütigem Tone,wo mir

die Barth'sche Gruppe auch schon im alten Abgeordnetenhause nicht. Es waren im ganzen elf. In das neue HauS werden sie kaum stärker als sechs Mann hoch einziehen. Bekanntlich ist gerade die freisinnige Vereinigung als Haupt­vorkämpferin gegen dieReaktion" und mit einermusterhaften" Taktik in den Wahlkampf eingetreten. Diese Taktik hat völlig versagt. Was aber daS Lustigste ist: Die Wadel- strümpfler verdanken von ihren sechs Abge- ordnctenmandaten vier dem gemeinsamen Ein­treten aller deutschen auch derreaktionären" Parteien gegen die Polen und das fünfte dem Umstande, daß die Konservativen in Stettin, um die Wahl Brömels nicht zu ge­fährden, es unterlassen hatten, eigene Wahl- männer aufzustellen. Also ein einziges Mandat, das Königsberger, haben dem Anschein nach die weiblich Freisinnigen gegen dieReaktionäre" erkämpft. Ein einzioes Mandat! Werden nun die Barth'sLen Schwadroneure endlich einmal etwas bescheidener austreten?

Abänderung von Orts-Eigennamen.

In einem Runderlaß des Ministers des Innern heißt es:

Eigennamen selbständiger Kommunen be­dürfen zu ihrer Aenderung Allerhöchster Ordre und zwar sowohl bei Aenderung des NamenS selbst, als auch der Schreibweise. Eine Fest­stellung der letzteren kann landespolizeilich nach vorhergegangener Zustimmung des Ministers des Innern nur dann erfolgen, wenn Zweifel entstanden sind, wenn also im Interesse der öffentlichen Ordnung Anlaß zu polizeilichem Einschreiten vorliegt.

Eigennamen von Ortschaften, welche nicht selbständige Kommunalbezirke bilden, können zwar sowohl hinsichtlich des Namens selbst wie der Schreibweise durch Anordnung der Re- cneiungspräsideriten ebenfalls mit ministerieller Zustimmung geändert werden, aber auch hier bedarf es eines besonderen Anlasses zu solcher Aenderung.

Diese Grundsätze finden auch gegenüber der neuen Rechtschreibung Anwendung. Eigen­namen unterliegen also dieser Rechtschreibung auch dann nicht, wenn sie ein an sich davon betroffenes Wort enthalten (z. B. Biesenthal). Sie können auch in diesem Falle nur in der oben angegebenen Weise geändert werden. Ein genügender Grund zur Abänderung könnte im allgemeinen lediglich in der Abweichung ihrer Schreibweise von der neuen Rechtschreibung nicht gesunden werden.

Im Gegensatz zu den vorerwähnten Eigen­namen unterliegen Benennungen von Oertlich- keiten, die nicht als Eigennamen, sondern als BelegenheitS-, Eigenschafts- oder Zweckbezeich- nungen, wie z. B. Breslau Oderthor, anzusehen sind, ohne weiteres der neuen Rechtschreibung. Ob der eine oder der andere Fall vorliegt,

das Leben hier eine Qual war. Aber jetzt . . nur ungern würde ich scheiden. . . Doch was soll ich hier denn noch, wenn Werner . ."

Helmut sprach den Gedanken nicht aus, aber dennoch verstand ihn Fräulein Frida.

So befürchten Sie für Werner das schlimmste."Leider . . ja."

So möge Gott helfen!" sagte die Reiterin weich.Sie werden dann an einem anderen Ort glücklich werden."Nur hier . . sonst nie."

Fräulein Frida zitterte an allen Gliedern und ihre Lippen blieben geschlossen.

Helmut wollte ihre Hand erfassen, da bäumte sich fein Pferd plötzlich in die Höhe und raste wild von bannen. Helmuts starke Hand versuchte, es zu bändigen, aber seine Bemühungen waren um­sonst. Fräulein Frida lvar einen Augenblick starr vor Entsetzen: dann aber folgte sie dem Reiter nach, so schnell sie es vermochte. Nur noch wenige Sckiritte war sie von ihm entfernt, da sah sie fein Pferd stolpern und Roß und Reiter tagen am Boden. Helmut hörte noch den vor Entsetzen aus- gestoßenen Ruf Fridas:O, mein Gott, laß ihn leben . . für mich!" und ein glückseliges Lächeln huschte über sein Gesicht. Dann nahm ihn eine tiefe Ohnmacht befangen. Schnell ließ sich Fräu­lein Frida vom Pferde gleiten und im nächsten Augenblick war sie an seiner Seite und warf sich vor dem regungslos Daliegendcn auf die Kniee. Das Pferd tvar schon vorher wieder aufgesprun­gen und weiter gelaufen.

Fräulein Frida nahm den Kopf, der ans einer Wunde blutete, in ihre Arme und sah verzweifelt in daS totenbleiche Antlitz. Jetzt nahte sich ihr zum Glück Hilfe. Atemlos kam Inspektor Wegener angclaufen und war an Fridas Seite niederge­kniet.Ich sah daS Unglück vom Felde aus," sagte er flüsternd. Dann untersuchte 'er mit zit­ternder Hand die Wunde.

kann nur nach den besonderen Derhältniffen des einzelnen Falles beurteilt werden.

SchissahrtS-Abgaben.

Der Verein rheinischer Binnenschiffahrts-In­teressenten, der soeben in Duisburg tagte, nahm nachstehende Resolution an:Die zweite ordent­liche Hauptversammlung des Vereins rheinischer Binnenschiffahrts-Interessenten erhebt im Hin­blick auf die außerordentliche Bedeutung der freien Rbeiuschisfahrt im Wirtschaftsleben Einspruch gegen die neuerdings aufgetretenen Versuche, die Einführung von Schiffahrts-Abgaben in die Wege zu leiten. Ganz abgesehen von den schweren Schädigungen, die ohne Zweifel dem SchiffahrtSgewerbe, welches zum überwiegenden Teil in der Hand eines gesunden Mittelstandes, der Partikulierschiffer sich befindet, zngefügt wer­den, haben Industrie und Handel, Import und Export, in allen ihren Teilen ein tiefgreifendes Interesse daran, daß die Wohlfeilheit der Wasser­straße nicht durch Abgaben verteuert werde. Dw Versammlung des Vereins, der nicht nur ans Rbeinschiffahrtstreibenden, sondern auch aus Ver­tretern anderer Berufszweige besteht, spricht die sichere Erwartung aus, daß die Bundesregie­rungen die Einführung von Schiffahrts-Abgaben von vornherein entschieden ablehnen und jeden Versuch, den Art. 544 der Reichsverfassung anders wie bisher auszulegen oder überhaupt abzn- ändern, energisch von der Hand weisen werde.

Zur handelspolitischen Lags wird offiziös mitgeteilt, die Verhandlungen mit Italien seien bereits aufgenommen, auch cm erster Schriftwechsel habe schon stattgefunden.. DaS weitere Tempo der Verhandlungen konnte indes vielleicht von der Gestaltung der ministeriellen Sage in Italien abhängen, so daß sich heute noch nicht angeben lasse, was zwischen Deutschland und Italien auf handelspolitischem Gebiete im Dezember und Januar geschehen, kann. Sicher sei nur, daß auf beiden Seiteir für den Abschluß eines neuen Vertrages günstige Dispositionen herrschen und besondere Schwierigkeiten nach dem Ergebnis der ersten Fühlungnahme nicht erwartet werden. Die mündlichen Erörterunaen der einst­weilen nicht ernannten Kommissare wurden wohl in Rom stattfinden.

Einführung der Prügelstrafe.

In Dänemark will man den Raufbolden und Mädchenschändern kräftig zu Leibe gehen. ^ustiz-. Minister Alberti bat einen Gcsebeickwurf cinae- brad)t, der den Gerichten die Befugnis erteilt, Prügelstrafe zu diktieren. Anlaß dazu gibt die übrigens auch in anderen Ländern zu beobacy- tende Erscheinung, daß Verdrecken und Roheiten immer mehr znnehmen. Die Zahl der Verbrechen ist von 668 im Zeitraum 487175 aut 1730 int Zeitraum 18971901 gestiegen, während die Be­völkerung nur eine Zunahme von 1 800 000 auf 2 400 000 aufweist. Es zeigt sich, daß die^ge­wöhnlichen Strafen auf gewohnheitsmäßige Rowdies nicht abickreckend acmia wirken, darum soll nun Prügelstrafe allein oder in Verbindung mit anderen Strafen zur Anwendung kommen.

Es scheint noch gut abgelaufen zu sein, sagte er,der Puls geht noch kräftig und Herr Kraft scheint nur betäubt zu sein.,,

Ta entrang sich ein Stöhnen ans Helmuts Brust, dann schlug er die Augen auf, und fern erster Blick traf Fräulein Frida, die noch immer feinen Kopf in ihrem Schoße hielt. ,

Gott sei Dank, daß Sie leben!" rief sie er­freut aus.Schmerzt die Wunde sehr?

Helmut antwortete nicht, aber feine Augen ivaren mit seltsamen Ausdruck auf sie gerichtet, und eine tiefe, rote Welle überflog Fräulein»

Fridas Gesicht. ,

Inspektor Wegener löste das von Blick durch­tränkte weiße Spitzentaschcirtilch, welches Fräulein Frida um den verwundeten Kopf gebunden hatte, vorsichtig ab und erneuerte die Binde mit feinem

eigenen Tuche.

' Noch einer Viertelstunde hatte sich Helmut scheinbar vollständig erholt; wohl schmerzte die Wunde noch, aber er war doch imstande, zu Fuß den Weg nach dem Schlosse zurückzulegen, während Fräulein Frida vorausgeritten war. enc hatte ihm ihr Pferd jur Verfügung gestellt, aber unter keinen Umständen wollte er dies- Anerbieten an*

nehmen. . , .

Der Inspektor begleitete Helmut und ging schweigend neben ihni her. Er dachte weniger an Helmut, als vielmehr an Fraulein von Kultig, deren blutiges Taschei'tuch er immer noch 'n fei­ner Hand hielt. Wie gern hätte er an Helmuts Stelle dort am Boden gelegen und fernen Kopf in ihren Schoß gelegt! Sein Herz zog stch krampfhaft zusammen, als er daran dachte, tote er sie mit Helmut Kraft gefuiiden tote sie mit bleichem Antlitz auf ihn iiiedersab. Gt mußte seiner Verzweiflung ein Ende machen, ehe ihm ein anderer zuvorkam und um sie warb. Heute noch wollte er um ihre Hand feilten. (Fortf. folgt.).