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Marburg

Freitag, 20. November 1903.

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Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag- Joh. Aug. Koch, UnivcrfitätS-Buchdruckerei 38. Jühlge Marburg, Markt 21. — Telephon 55.

Mn—nraai —

Deutschland und die Türkei.

In der Hoffnung, den harten Forderungen der Reformmüchte Rußland und Oesterreich- Ungarn in der mazedonischen Frage zu entgehen, Dämmert sich die Pforte offensichtlich an Deutsch­land an, das ihr aber in dieser Frage beim besten Willen keine Unterstützung gewähren kann. Allerdings find die deutsch • türkischen Beziehungen seit einer Reihe von Jahren so gut, als sie bei der geographischen und kulturellen Verschiedenheit beider Reiche überhaupt sein können. Zwischen Kaiser Wilhelm II. und Sultan Abdul Hamid bestehen an Herzlichkeit streifende freundschaftliche Verbindungen, die sich während einer Reihe von Jahren im wieder­holten Austausch von Liebenswürdigkeiten ge­äußert haben. Auch die hohe Politik ist von diesen persönlichen Freundschaftsgefühlen nicht unbeeinflußt geblieben: der Deutsche genießt im Orient seit einiger Zeit ein besonderes An­sehen, wirtschaftliche Konzessionen wertvoller Art sind deutschen Gesellschasten in der Türkei gewährt worden, wogegen andererseits die deutsche Politik im Orient immer ehrlich und loyal auf die Erhaltung deS Status quo und somit auf Schutz der Türkei in ihrem seit­herigen Bestände gerichtet war. Dieses Ziel wird aber seitens Deutschland auch dann nicht außer Augen gelaffen, wenn eS auch seinerseits daraus dringt, daß die Türkei ihre Ein­wendungen gegen die Mürzsteger Be- schlüff- so bald wie möglich sollen lasse. Unter den europäischen Mächten, die an der Lösung der Orientfrage beteiligt find, spie­len Rußland und Oesterreich - Ungarn die ge­mäßigte Rolle, während Frankreich, England und Italien, sei es aus Gründen des Eigen­nutzes, sei es aus Sympathie sür die christliche Bevölkerung auf dem Balkan, eine allgemein- europäische Intervention anstreben, die sicherlich mit der Errichtung eines autonomen Bulgariens und Mazedoniens und somit mit einer erneuten Amputation des kranken Mannes am goldenen Horn enden würde. Solchen weitgehenden Be­strebungen gegenüber erweisen sich Rußland und Oesterreichs Ungarn trotz der harten Forderungen, die sie stellen müssen, immer noch als die wahren Freunde der Türkei und Deutschland handelt lediglich im wohlverstandenen Interesse der Pforte selbst, wenn es das von den beiden anderen Kaisermächten neuerdings aufgestellte Balkanprogramm bedingungslos unterstützt und dadurch dem Sultan alle weiteren Illusionen über die Möglichkeit eines Aufschubes nötiger Reformen in Mazedonien zerstört. Das haupt­sächliche aktuelle Resultat der Wiesbadener Kaiser­begegnung dürfte, wie die „Pf. Rdsch.' aus guter Ouelle erfährt, gerade in dieser Neubekundung der Solidarität Deutschlands und Rußlands bezw. Oesterreich-Ungarns in der mazedonischen Frage sein. Der Brief, den der Sultan am

26 Nachdruck verboten.)

Im Schlosse der Ahnen.

Original-Roman von Otto König-Liebtha!.

Kortfetznngü

Nach dem Frühstück, welches die Herren allein im Eßzimmer eingenommen hatten, gingen sie nach dem Zimmer des Schloßherrn zurück.

Wollen Sie, Herr Justizrat, erst einen Ein­blick in die Bücher nehmen, oder ziehen Sie vor, zunächst eine Besichtigung des Gutes vorzuneh- men?" fragte Horsten.

„Ganz nach Ihrem Belieben, Herr Horsten/ entgegnete der Gefragte.

„So könnten wir erst fahren, wenn es Ihnen recht ist. Der Wagen ist einmal eingespannt/

Die Fahrt verlief ziemlich schweigsam. AIS sie in Philippsthal angekommen waren, ftiegen sie aus und besichtigten unter Führung des Guts- pächrers Bochow das Haus, die Scheuen und Ställe. Dann fuhren die Herren durch die Felder und Wiesen und zurück durch den Prächtigen Laub- Wald. Mft zitternder Stimme gab Horsten hin und wieder ein Wort zur Erklärung; Helmut be­merkte es, daß ihm der Verkauf dieses prächtigen Gutes schwer wurde, aber dann und wann sah er auch ein freudiges Aufleuchten in seinen Augen, wenn der Justizrat seine Zufriedenheit über das Gesehene ausdrückte.

„Ich habe genug gesehen, Herr Horsten," sagte endlich der Justizrat. „Eine Frage erlauben Sie mir noch: Wie lange dauert der Kontrakt noch mit Herrn Bochow?"

„Noch drei Jahre," erwiderte Horsten.

„Das ist gut," sagte der Justizrat, „dec neue Herr würde, wenn das Kaufgeschäft heute zustande kommt, was ich aber erst nach Durchsicht der Bücher

Vorabend der Begegnung an Kaiser Wilhelm gerichtet hat, mußte unter diesen Umständen seinen Zweck verfehlen. Auch ein weiterer Schritt, den der Sultan getan hat, um sich ein erhöhtes Wohlwollen Deutschlands in der Balkanfrage zu sichern, hat in Berlin keineswegs den wohl in Konstantinopel erwarteten Effekt gemacht. Wie man nämlich erfährt, hat die Berufung der beiden in türkischen Diensten stehenden deutschen Offiziere, Auler und Rüdgisch, in die Kommission, welche der Sultan mit der Re­organisation der Gendarmerie in Mazedonien betraut hat, trotz der darin liegenden schmeichel­haften Anerkennung für unsere Offiziere aus politischen Gründen keine besondere Freude hervorgerufen, weil unsere Regierung unter allen Umständen den zunächst beteiligten Mächten in der Orientfrage den Bortritt lassen und vor allem nicht den Eindruck erwecken möchte, als steife sie der Türkei den Rücken und ermutige sie, angebliche Souveränitätsrechte gegenüber den von Rußland und Oesterreich-Ungarn ange­strebten Reformen zu verteidigen. Jede solche Bevorzugung Deutschlands gibt der westeuro­päischen Presse nur die begierig ergriffene Ge­legenheit, Deutschland eine Beschützerrolle der Türkei gegenüber suzudichten And damit, die Notwendigkeit der Ew.mfichung auch der übrigen Mächte in die bisher von Rußland und Oester­reich-Ungarn allein in die Hand genommene und mit größtem Wohlwollen für die Türkei behandelte mazedonische Frage zu erweisen.

Umschau.

Die Wahl der Abgeordneten am 20. November.

Die Abgeordnetenwahl geht folgendermaßen vor sich: Der Wahlkommissar beginnt die Wahl- Handlung durch Eröffnung der Wahlmänner-Ver- sammlung unter Hinweis auf die wahlgesetzlichen und reglementarischen Bestimmungen, die im Wahllokal ausgelegt sein müssen. Alle Nicht- Wahlberechtigten haben das Wahllokal zu ver­lassen. Der Wahlkommissar macht alsdann die Vorschläge zur Konstituierung des Bureaus; des Protokollffübrers und 3—6 Beisitzer; deren Wahl erfolgt entweder durch Zuruf oder einfache Ab­stimmung (Aufstehen oder Sitzenbleiben).

Nachdem so das Wahlbureau gebildet sst, er­folgt die Verhandlung über die vom Wahlkom­missar für ungiltig erklärten Urwahlen. Die Wahlmänner find berechtigt, Bemerkungen und Einwendungen zu machen. Abstimmungen über die Ungiltigkeitserklärungen, an denen auch die Wahlmänner noch teilnehmen dürfen, deren Wahl vom Wahlkommissar für ungiltig erklärt ist, er­folgen ebenfalls durch einfache Abstimmung.

Nach Erledigung dieser Mandatsprüfung der Wahlmänner beginnt die Abgeordnetenwahl. Die Wahlmänner werden in der Reihenfolge, in wel­cher das vorher öffenttich bekannt gegebene Ver­zeichnis sie aufgeführt hat, aufgerufen. Jeder Aufgerufene tritt an den Tisch des Vorstandes heran und nennt den Namen desjenigen, den er

entscheiden kann, doch nicht sofort das Gut selbst bewirtschaften können."

„Wie ist fein Name, wenn ich danach fragen darf?" sagte Horsten darauf.

^Hrnl — Leider darf ich Ihnen den noch nicht nennen, mein Auftraggeber wünscht, daß eS vor­läufig verschwiegen bleibt aus Gründen, die ich Ihnen selbst nicht sagen kann, wenn ich es auch möchte. Im übrigen kann es Ihnen doch wohl gleichgültig fein . . wenigstens für den Augenblick. Sie werden feine Bekanntschaft sicherlich in der nächsten Zett machen."

Horsten gab sich zufrieden, und bald traten die Herren den Heimweg nach Eichfeld an.

Der Juftizrat tat nur einen flüchtigen Blick in die ihm vorgelegten Bücher, Zeichnungen und Pläne. Er nickte zufrieden, ergriff fein GlaS und näherte sich Herrn Horsten. „Auf glückliches Zustandekommen!" sagte er und trank, nachdem er nrit dem Schloßherrn angestoßen hatte, es hastig auS.

„So wollen Sie es also für Ihren Auftrag­geber kaufen?" fragte Horsten, erstaunt über den schnellen Entschluß des Justizrats.

„Ja, Herr Horsten. Und der Preis? Sind Sie mtt 300 000 Mark zufrieden?"

Ein Ausruf der freudigen Überraschung ent­fuhr Horsten. Das war ja mehr, als er zu fordern beabsichtigte, und ehrlich genug, tote er war, sagte Horsten: „Soviel hätte ich nicht gefordert^ denn . ."

„Ach waS," unterbrach ihn der Justizrat. „DaS Gut ist so viel wert und damtt basta. Hier" — und damit holte er einige Schriftstücke aus feiner Mappe — „sind die Verträge, die ich schon zu Hause fertig gemacht habe. Sie haben nur Ihren Namen darunter zu setzen und der Kauf ist abgeschlossen. Die Hälfte der Summe zahle ich Ihnen sofort aus, während die andere Halste,

zum Abgeordneten wählen will. Die Eintragung geschieht nur noch durch den Proto'koll- führet in Gegenwart des Wählenden. Das Recht, den Namen selber in die Abstimmungsliste einzutragen, ist aufgehoben.

Gewählt ist, wer die absolute Stimmen- Mehrheit erhalten hat. Ergiebt sich eine solche nicht, so findet zwischen denjenigen beiden Kandi- baten, welche die meisten Stimmen erhalten haben, eine engere Wahl statt. Bei dieser ist jede an­dere Stimme, welche auf einen anderen, als in der Wahl gebliebenen Kandidaten fällt, un­giltig. Erhalten bei der engeren Wahl beide Kandidaten gleichviel Stimmen, so entscheidet zwischen diesen das Los, welches durch die Hand des Kommissars gezogen wird. Ist zweifelhaft, wer in die engere Wahl zu bringen ist, weil bei der ersten Abstimmung auf 2 oder mehrere Kan­didaten gleich viele Stimmen gefallen sind, so entscheidet zwischen diesen gleichfalls das Los.

Bei der Wahl der Abgeordneten durch die Wahlmänner findet zum ersten Male das neue, durch Ministerialerlass geänderte Wahlreglement Anwendung, das in einzelnen ganz wesentlichen Punkten vom alten Reglement abweicht und vor allem von den Wahlmännern Pünktlichkeit und Parteidisziplin erheischt, damit die durch die Urwahlen geschaffene Lage und die für den Parteikandidaten sich bietenden Aussichten nicht in ihr Gegenteil verkehrt werden.

Nationalliberals Stichwahl p o r o I ’t.

Die „Nationalliberale Korrespondenz" schreibt: „Wir brauchen unsererseits nicht erst gu wieder- holen, dass die nationalliberale Partei in Gemäß- Heft der Verhandlungen und des Beschlusses des Delegiertentages von Hannover jegliches Pak­tieren mit der Sozialdemokratie ablehnt." — Da­durch unterscheiden sich die Nationalliberalen höchst vorteilhaft von den anderen Liberalen, Freisin­nigen und sogenannten National Sozialen, bck denen das nationale Ehrgefiihl derart gemindert ist, daß sie ein Zusammengehen mit der Umsturz­partei offen befürworten und sich nicht entblöden, die „Verständigung" mit der Sozialdemokratie als eine „politische Notwendigkeit" hinzustellen.

Der Berliner

Kindesunterschiebungs Prozeß gibt der „Deutschen Juristeuzeftnug" Anlaß zu folgenden Ausführungen:

„Zur Zeit, wo diese Zeflen geschrieben werden, find die Berhandlungen eines Kindesunterschie­bungsprozesses in Berlin in vollstem Gange. Die Verhandlungen sind äußerst interessant. Neben der Hauptangeklagten nimmt der Kampf um die Zeugen, der sich hier abspielt, das Interesse aller ht Anspruch. So liefert z. B. das Schicksal einer Zeugin geradezu klassisches Material für die zur Zeit beratene SttafProzeßreform. Die Zeugin, eine polnische Bäuerin, hat zunächst vor einem an- gesehenen Anwalt in Posen erflärt, die alte Haus­hälterin A. sei kurz vor der Niederkunft der Grä­fin nicht von ihrem Wohnort abgereist. Das war wichtig und die Angeflagte entlastend. Vor dem Untersuchungsrichter in Berlin wiederholte fie dies. Da erflärt ihr der Untersuchungsrichter,

wie es üblich ist, bei der Auflassung gezahlt wer­den wird."

Horsten unterschrieb und Helmut war nun rechtmässiger Besitzer von Philippsthal. Während Horsten die Geldscheine zählte, wechselten Helmut und der Justizrat Blicke des Einverständnisses und der Zufriedenheft miteinander, und bald rollte der Wagen mit dem Justizrat von bannen.

XU.

Meder waren Sorgen im Schlosse Eichfeld eingekehrt. Werners bleiche Gesichtsfarbe, seine müben Augen und schlaffe Haltung zeigten deut­lich genug, daß ihn ein ernstes Leiden über­fallen hatte. Helmut erkannte die Gefahr, ht der sein Zögling schwebte, und auch den Augen des liebevollen Vaters kann'? dies nicht verborgen bleiben.

„Wie denken Sie über Werners Zustand?" fragte eines Tages Horsten bekümmert den Haus- lchrer. „Ist Gefahr vorhanden?"

Helmut schwieg einige Augenbficke und sah mit ernstem Sinnen zu Boden.

„Soweit ich dies beurteilen kann," erwiderte endlich Helmut, „scheint es mft Werner immer schlechter zu werden. Doch .. erschrecken Sie nicht, ich bin ja nur Laie und kann mich täuschen. Je­doch würde ich empfehlen, noch einen anderen Arzt zu Rate zu ziehen; mich düntt, Dottor Sieger nimmt die Sache allzu leicht."

Horsten schüttelte voll Herzlichkeft Helmuts Hand.

„Ich danke Ihnen, lieber Herr Kraft," sagte er warm, „ich werde Ihren Rat befolgen. Wie freue ich mich auch heute noch, daß Sie damals in mein Haus gekommen sind! Emen besseren, liebe­volleren Lehrer hätte ich nicht falben können, als Sie es sinb. Sie haben schon viel mft Werner erreicht und sein Herz ist jetzt vollständig getoon-

toenn sie nicht „bie Wahrheit sage", so habe sie bte Folgen des Meineides zu tragen. Der Unter­suchungsrichter hielt dabei das Gegenteil von dem, was sie aussagte, für die Wahrheit. Und die Frau sagte ihm nunmehr „die Wahrheit" und ward auf diese Aussage durch ihre Beeidigung feftgelegt. In der Hauptverhandlung kehrt sie zu ihrer ersten Aussage zurück, bleibt bei dieses obgleich ihr eindringlich vorgehalten wird, daß sie sich ja selbst des Meineides bezichtige, wenn fie jetzt das Gegenteil von dem sage, was sie beim Untersuchungsrichter beschwor; fie, beteuert, auch beim Untersuchungsrichter habe sie ja zunächst das­selbe erklärt, was sie heute sage, und sie habe ihre Aussage dort nur geändert, weil sie eingeschüch­tert worden sei; sie ruft endlich aus: man möge mit ihr machen, was man wolle, aber sie könnte nur die Wahrheit sagen, und die Wahrheit sei, dass jene Reise nicht stattgefunden habe. Darauf be­antragt der Staatsanwalt, und der Gerichtshof beschließt: sie wegen Verdachts des Meineids und der Begünstigung zu verhaften, v» ist überflüs­sig, hier ein Wort hinzuzufügen. Nach dem be­stehenden Gesetz mag alles in Ordnung sein. Aber das Gesetz, das ein solches Schicksal ermöglicht, ist reformbedürftig, und nicht bloss in einem Punkte. Die Herren, die im Neichsjustizamt dar­über beraten, finden in dem bejammernswerten Geschicke dieser polnischen Zeugin mehr Stoff als in tausend gelehrten Abhandlungen."

Von der deutschen Marine.

Einen Wendepunfl in der Enttoicklung unserer Marine bedeutet, daß jetzt zum ersten Mal statt bet bisherigen Uebungsflotte eine „aktive Schlacht- flotte" wirklich als vorhanden gelten kann. Die­selbe setzt sich aus 2 Geschwadern zusammen, von denen das erste aus 8 vollwertigen Linienschiffen, nämlich 5 Fahrzeugen der „Kaiser-" und 3 Fahr­zeugen der „Wfttelsbach-Klasse", besteht. , Das zweite Gescktoader konnte allerdings provisorisch nur aus 4 Küstenpanzerfahrzeugen gebildet wer­den. Flottenflagschiff ist das Linienschiff Kaiset Wilhelm II." Ferner ist der Flotte das Schul­schiff „Grille" zu besonderen Zwecken beigegeben. Als Aufklärungsfahrzeuge, die wiederunm einen eigenen Befehlshaber haben, dienen der aktiven Schlachtflotte 3 große, 6 kleine Kreuzer und bet als Tender benutzte veraltete kleine Kreuzet „Blitz".

Im Auslande ist das Deutsche Reich durch folgende Formationen resp. Fahrzeuge vertreten; In den oftasiatischen Gewässern befindet sich daS Kreuzergeschwader, welches sich aus 3 großen und 2 Heinen Kreuzern zusammensetzt. Dem Kreuzer- geschwader sind ferner noch unterstellt 4 Kanonen­boote, 2 Flußkanonenboote, 2 Hochsee-Torpedo­boote und die Flußbarkasse „Shamin", sowie die 3 kleinen Kreuzer „Sperber", „Bussard" und „Seeadler", die von der ostafrikanischen, resp. australischen Station entnommen sind. Auf der amerikanischen Station finden wir die Kreuzer- divifion, zusammengesetzt aus einem großen und zwei kleinen Kreuzern, sowie einem Kanonen­boot. In den australischen Gewässern verfügen wir über einen kleinen Kreuzer und ein Spezial­schiff, im Mittelmeer befindet sich ein Spezial­schiff,, in Westafrika ein Kanonenboot und ein nen. Für Ihre Treue und Ihren Pflichteifer werde ich Ihnen immer dankbar sein."

Helmut senkte den Blick nieder.

„Ja, ich weiß," fuhr Horsten fort, „daß Sw nicht gern Ihr Lob hören, aber doch muss ich Ihnen sagen, daß Sie mir teuer und lieb gewor­den falb. Sie haben uns ja alle zu großem Dank verpflichtet, unb wir sinb nicht imstande!. Ihnen Ihre braven Taten einigermaßen zu, lohnen. Ich habe Sie lieb gewonnen tote einen. Sohn und . . wenn ich eine Heiratsfähige Tochter j hätte, ich würde sie keinem anderen lieber geben, als Ihnen."

Horsten schien seine Sorgen um den kranke« Sohn für einen Augenblick vergessen zu haben, da er bie letzten Worte in hefterm Tone gespro­chen hatte. Unb auch Helmut lächelte.

„Sie haben aber vergessen," scherzte er, „hin­zuzufügen: vorausgesetzt, bass sie mich liebt."

„Daran wäre wohl kein Zweifel," entgeg­nete Horsten, „Ihnen muß ja die Gunst und bie, Liebe der Mädchen zufallen."

Helmuts Gesicht wurde plötzfich wieder ernft- „So? . . Das meinen Sie, Herr Horsten, ü§- aber habe davon noch wenig gespürt; im Gegen­teil, man brachte mir Verachtung und Gering-j schätzung..."

„Können Sie das noch nicht vergessen?" unteft' brach ihn Horsten seufzend. Dann aber fuhr «, wärmer fort: !

„Herr Kraft . . sehen Sie denn nicht, daß geliebt werden von einem Mädchen mit der gan­zen Glut seines Herzens! Sehen Sie denn nicht/ wie sich Frida sehnt nach Ihrer Gegenliebe! Si», scheuen nicht Feuer unb wilbe Rosse . . gehen Sie. hin unb werben Sie um das Mädchen, das S«k liebt, unb auch Sie werben glücklich fein."

(Fortsetzung folgt}