und Kirchhain.
mit
Xi 297
Vierteljährlicher BezugSprci«: bä Da Expedition 2 DL, ba allen Postämtern 2,25 Mk. itgcL Bestellgeld).
JnsertionSgebühr: die gespaltene Zeile oder der« Raum 10 Psg.
Neclamen: die Zeile 25 Pfg.
Marburg
Dienstag, 17. November 1903.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck nnd Verlag- Joh. An«. Koch, UmversitätEnchbrnckerel 38« AUhkAe Starhirg, Markt 21. — Telephon 55.
Der Fall Bilse.
Die schlimmen Zustände, welche der Prozeß Vor dem Kriegsgericht in Metz enthüllte, haben — trotzdem ihre Darstellung teilweise nicht auf Tatsachen beruhte — bei allen Freunden des deutschen Heeres schmerzliches Bedauern erregt, und sie geben sich mit Recht der Hoffnung hin, daß derartige Vorkommnisse stets nur vereinzelt bleiben werden, denn für die Beurteilung des ganzen deutschen Offizierkorps können sie nie und nimmer maßgebend sein. Daran ändern auch die Ber- suche der armeefeindlichen demokratischen und sozialistischen Presse nichts, die natürlich auch jetzt bemüht ist, gleichwie bei allen Gelegenheiten, welche das Heer angehen, dasselbe aufs ärgste herabzusetzen und zu verleumden. Daß vorhandene Schäden beseifigt werden müssen, versteht sich von selbst, aber die Art und Weise, toie, dies zu geschehen pflegt und vor allem, wie das bei den Verhandlungen des Metzer Kriegsgerichts geschehen ist, verdient eine entschiedene Mißbilligung Nur wenige Zeitungen haben dies hervorgehoben, unter ihnen die „Tägl. Nundsch.", die den Fall und die Nebenumstände folgendermaßen beurteilt:
Daß hier mit eisernem Besen ausgekehrt werden muß, ist klar; aber das hätte unseres Erachtens geschehen können, ohne daß Herr Bilse sein Pamphlet zur moralischen und materiellen Vernichtung seiner Kameraden in die Welt geschickt hätte, und hätte auch geschehen können, ohne daß der Gerichtshof allen diesen Eheschmutz und diese kleinen und großen Schwächen der Forbacher Offiziere vor der staunenden Welt ausgebreitet und beleuchtet hätte. So betrübend bi?, Ergebnisse und Enthüllungen des Metzer Gerichtsverfahrens für jeden guten Deutschen sind, so verwunderlich dünkt uns die Führung der Gerichtsverhandlung, wenn wir auch annehmen wollen, daß der Wunsch, klar erkannte Uebelstände mit glühenden Eisen auszubrennen, vielleicht zu weit führte und der Gerichtshof einmal den ernsten Anstoß zu einer Wandlung des Geschicks der sriefinütterlich behandelten Ofsizierkorps, in den Grenzgcrnisonen geben wollte. Immerhin zeigte uns die Verhandlung die Fehler der deutschen Rechtsprechung bei Beleidigungsprozessen in grell- fier Beleuchtung gewissermaßen in Reinkultur. Was hatte die Wahrheit und das Recht und die Welt daran verloren, wenn die widrigen Eheskandale nicht in der Oeffentlichkeit, sondern in geheimer Sitzung behandelt worden und die Zeitungen nicht in Stand gesetzt worden wären, sie in langen Berichten der Oeffentlichkeit zu schil- dern? Sodann die merkwürdigen Fragen an die Zeugen, die fast in die Gewissenserforschung ausklangen: Sind Sie ein Nichtgentleman oder nicht, dieses mißgünsfige, höhnische Absprechen der Offizierzeugen unter sich, dieses Stöbern in Kleinigkeiten, die die Oeffentlichkeit gar nichts, an- geben — alles das dürfte vor einem Militärgericht noch nicht dagewesen fein. Das alte deutsche juristische Laster, in Beleidigungsprozessen den Beleidiger zum öffentlichen Ankläger werden zu lassen und ihm zu gestatten, unter , dem leichten Risiko einer unverhältnismäßig gelinden Strafe das Privatleben und die Vergangenheft der von ihm Beleidigten bis ins Vergessenste, und Un- wefenftichste zu entblößen, feierte wieder wahre
24 «Nachdruck verboten)
Im Schlosse der Ahnen.
Original-Roman von Otto König-Liebthal.
lFrrtsetzM'g.i
Do nahte sich dem brennenden Hause der junge Schweizer aus Wansdorf.
„Ich will es tun; für Sie, Herr Horsten, gehe ich durchs Feuer I" rief er und drang ins Hans hinein. Aber nach wenigen Sekunden kam er szurück, an Händen und Füßen verbrannt. „Es geht nicht!" sagte er traurig, seine Schmerze« mutig niederkämpfend.
Jetzt erschien Helmut; seine Kleider trieften von Nässe und auf seinen Schultern trug er eine Leiter. Er lehnte sie an das Haus, und,, noch ebe ihn einer zurückhalten konnte, war er hinauf- gcflettert und bald den Blicken der atemlos nach- 'ftarrenben Menge entschwunden.
Ein Schauer durchrieselte Fräulein Fridas schlanke Gestalt: mit beiden Händen bedeckte sie ihr bleiches Gesicht und „Goft stehe ihm bei!" entrang es sich von ihren bebenden Lippen.
Unterdessen eilte Helmut durch das obere brennende Stockwerk. Der Atem verging ihm, aber dennoch stürmte er durch den Qualm. Er 'rief nach dem Kinde, aber er bekam keine Antwort. Jetzt kam er an eine Tür. Er nahm feine letzte Kraft zusammen und in wenigen Augenblicken war sie geöffnet. Das Zimmer war dicht mit Rauch gefüllt und aus den Fenstern schlugen die lodernden Flammen. Helmut warf sich nieder und kroch suchend umher. Der Rauch, der ihn umspielte, ward, immer dichter und ersfickender. Er konnte es nicht mehr aushalten und so kroch er nach der Tür zilrück. Da sfieß er an eine»
Triumphe. Mögen der Leutnant ober Rittmeister x ober I korrekt ober inkorrekt gehandelt haben, was berechtigt ihren Angreifer, ihnen bis ins Ehe- gemach nachzu leuchten, jeden Ehedisput der öffentlichen Krittk zu unterwerfen und ihren Dämmerschoppen ju kontrollieren, ober vor ber breitesten Oeffentlichkeit die hochwichtige Frage untersuchen zu lassen, ob die vorhandene Baßsfimme vom vielen Trinken oder die tränenden Augen von der Kunst des Bowleansetzens stammen? Auch wenn den Forbacher Offizieren nichts nachgewiesen wäre, genügten derarttge öffentlichen Erörterungen, sie in der öffentlichen Achtung zu schädigen und bei ihrer Mannschaft und ihrem Garnisonsorte unmöglich zu machen. Der Herr Leutnant Bilse hot Mißstände aufgedeckt und seine öffentlichen Angriffe bezahlen zunächst eine ,Reihe seiner bisherigen Kameraden, Sie arglos mit ihm verkehrt haben, mit ihrer Existenz; aber die Vernichtung greift weiter und schont auch fast Unbe- teftigte und Frauen nicht, die entweder die von ihnen begangene Schuld schon gesühnt haben ober aber für ihre häuslichen Unzulänglichkeiten ober gesellschaftlichen Unarten boch wenigstens nicht an ben Pranger gestellt zu werben brauchen. Die bemokratische Presse jammert schon heute über bas hohe Strafmaß gegen Bllse, bas gegen bas Rechts- gefühl verstoße; aber es verstößt nicht gegen ihr Rechtsgefühl, baß Leute, bie nicht mangelhafter finb, als tousenb andere auch, vor ganz Deutschland, ja auch vor dem Auslande, das diesen Prozeß natürlich mit Wollust verfolgt, lächerlich und verächtlich gemacht, in ihrem Berufe vernichtet und mit ihren Familien ins Unglück gestürzt werden. Der Prozeß hat einige der Offiziere so schwer belastet, daß für sie unseres Erachtens kein Raum mehr in der deuffchen Armee fein bars; aber andere wieder zeigen eben nur Fehler so vieler anderer sterblichen Menschenkinder, müssen aber für sie unverhältnismäßig büßen. Man denke sich doch nur — und das ist leicht möglich — baß die Lorbeeren des Herrn Bilse, der ja heute schon als Märtyrer, als neugewonnene Kraft für bas beutsche Schriststellertnm gefeiert wirb, andere Leute zur Nacheiferung reizen und in jedem kleinen Städtchen, in jedem vertrauten Kreise, in jeder Korporation eine Persönlichkeit erstände, die allen Klaffch und Tratsch, ber sich im Laufe ber Jahre ansammelt, zusammenfegt unb mit einigen Ausschmückungen als Schlüsselroman ober Zeitbild einem verehelichen Publikum präsentierte. Und man bedenke ferner, daß in den nachfolgenden Gerichtsverhandlungen sich nun jeder über seine menschlichen Schwächen — und wenn wir ehrlich sein wollen, meine Herren vom Freisinn, haben wir Nichtmilitärs auch Schwächen —, feine Kneipgewohnheiten, sein Familienleben, ferne, unbedachtsam geäußerten Worte vor einer breiten Oeffentlichkeit verantworten sollte! Wohin würde da das öffentliche Leben,und jeder gesellige Verkehr gelangen? . . . Die sozial- bemokratische und freisinnige Presse sucht natürlich die Forbacher Mißstände, diesen Garnisons- sumpf eines Grenzbataillons, der gesamten Armee aufzubürden, ihn. wenn möglich, als tppisch wenigstens für ein'n Teil ber Armee hinzustellen unb so gewissermaßen aus der Metzer Gerichts- verhanblung ein Ersatz-Dresben zu münzen, d. h. die Armee mit so übler Nachrede zu bewerfen, daß sie an öffentlichem Ansehen verlöre, wie bie
Gegenstand unb ein halberstickter Jubelruf durch- brang ben totbringenden Raum. Doch das Kind lebte noch, er fühlte es deutlich. Er nahm den kleinen Knaben in seinen Arm und eftte zurück, dahin, wo -er hergekommen war. Ein niedergefallener brennender Balken versperrte ihm jedoch den Weg. Schweiß drang aus allen seinen Poren und schon war er dem Ersticken nahe. Sollte sein Rettungswerk umsonst getan fein! „Nur mutig vorwärts!" rief ihm eine innere Stimme zu. Bum Glück bemerkte er einen kleinen Gang, ber vom Feuer noch nicht berührt war. Vorsichtig tappte er durch ben Qualm, und nun hatte er das Fenster erreicht, durch das er eingestiegen war. Er sah hinaus, die Leiter stand noch da, unb glücklich erreichte er ben Boden. Und es war hohe Zeit, denn jetzt stürzte ber obere Test des Hauses zusammen, unb Wolken von Staub, Schutt unb Funken hüllten alles tote tn einen Nebel ein.
Helmut kümmerte sich nicht um ben Beifall der Menge. Er bahnte sich einen Weg und übergab das gerettete Kind ber vor Freude aufjauch- zenden Mutter. Innig drückte sie ihr Kind an ihre Brust, ihre Arme hielten es fest umschlungen. Sie wollte die Hände des Retters dankbar küssen, aber dieser war schon aus ihrer Nähe gewichen.
Mft Verwunderung hatte Horsten das tollkühne Wagnis verfolgt; er wollte Helmut danken, aber nirgends entdeckte er ihn unter ber Menge. Nur Fräulein Frida sah ihn dort unter einem Baum sichen, von wo aus er mit trüben Blicks» nach dem Braud herbe schaute.
„Der arme Horsten!" murmelte er. „Doch .. ihm kamt geholfen werden." —
DaS Feuer war gelöscht, aber in Schutt und Asche lag das neue Famiüschc»» da, daS Horste»
Sozialdemokratte seit Dresden in ber öffentlichen Einschätzung gesunken ist. Das ist ein Beginnen, das ebenso frivol, wie sinnlos ist; denn daß die kleinen Grenzgarnisonen in der Regel nicht als Mustervertretungen der deutschen Armee gelten können, ist von niemandem eifriger und öfter behauptet worden, als von den Mifitärs und Milftärfteunde» selbst. Aber Mittel zur Abhilfe kosten Geld. Die Gewährung von öfterem Urlaub mit freier Fahrt, bie Versetzungen der Offiziere nach Abdienung etwa dreier Jahre usw. usw. lassen sich nicht ohne neue Geldbewilligung vom Reichstage durchführen, und diese Bewilligung hat der Reichstag bisher versagt auf Anstifter! jener Parteien, deren Blätter jetzt über die Grenzgarnisonen ein so bewegliches Klagelied singen.
Umschau.
Zweierlei Einfuhrzölle.
Die ^Köln. Volks-Ztg." hält es in Anbetracht der demnächst erfolgenden Wiederaufnahme der Handelsvertragsverhandlungen mit Rußland für angebracht, auf die im neuen russischen Zolltarif vorgesehene differenzielle Zollbehandlung der auf dem Land» ober Seewege eingehenden Waren hinzuweisen. Denn durch die Bestimmung, daß alle Einfuhr über die Landgrenze einen um 20 Prozent höheren Zoll entrichten sollen, würde außer Oesterreich-Ungarn in erster Linie Deutschland schwer betroffen, und zwar zu Gunsten der Konkurrenz Frankreichs, Englands und Amerikas Es wird darüber geschrieben:
„Ter deuffche Zolltarif sieht Unterscheibungs- zölle wie die russischen nirgends vor; daher kann die deuffche Regierung umsomehr verlangen, daß auch von russischer Seite als Unterlage für die Verhandlungen ein Tarif mit einheitlichen Sätzen vorgelegt wird, nicht ein Tarif, welcher von vornherein ben größten Teil ber Einfuhr aus Deutschland mit einem zwanzigprozentigen Zollzuschlag belegt. Würde Deutschland einen solchen Doppeltarif als Grundlage für die Hanbelsvertragsver- handlungen annehmen, so müßten wir später allein für Aufhebung jenes Zuschlages schon Zn- gestänbnisse machen; also lediglich bie Gleichstellung Sentscher Waren mit englischen, französischen, amerikanischen müßten wir schon mit Zugeständnissen erkaufen. Das von uns zu tier- langen, wäre unbillig, und man wirb wohl auch in St. Petersburg einsehen, baß wir dem über bie deuffche Ostgrenze bei uns eingehenden Getreide, Vieh und Holz mit demselben Rechte einen zwanzigprozentigen Zollzuschlag auferlegen konnten, mit welchem Rußland auf die Einfuhr über feine westliche Lanbesgrenze einen besonderen Zoll fegt."
Wir können diese Aussetzungen des führenden rheinischen ZentrumsblatteS nur billigen unb hoffen, baß ihnen an maßgebender Stelle die gebührende Beachtung zuteil wird.
Eine Bestimmungsmensur vor Gericht.
Wegen Zweikampfes mit tötlichen Waffen hatten sich fünf Studierende der Technischen Hochschule in Dresden vor ber dortigen Strafkammer zu verantworten. Die Angeklagten waren, nach der „Deutsch. Ztg.", mit einer
erst vor wenigen Monaten hatte erbauen lassen. Doch klagte er nicht und fein Wort des Murrens und des Haderns kam über seine Lippen. Er dachte nicht an sich, sondern nur an die, welche ihr Hab und Gut verloren hatten. Laut klagend standen sie um ihn.
„Seid froh," sprach Horsten zu ihnen, „daß fein Menschenleben umgefommen ist. Danket Gott für die Errettung des Kindes und beruhigt Euch. Es soll Euch an nichts fehlen, ich werde Euch alles ersetzen. Für diese Nacht findet Ihr ein Unterkommen in den anderen Häusern, morgen wird sich das weitere finden."
Horsten ließ zum Schutze der nebenstehenden Häuser eine Brandwache zurück; dann begab er sich müde unb abgespannt nach dem Schloß, wohin die Damen schon vorher zunickgekehrt waren. Auch Helmut hatte fein Zimmer ausgesucht; bald lagen alle Bewohner des Schlosses im tiefen Schlummer, und süße Träume verscheuchten alle Sorgen unb Kümmernisse. —
Am nächsten Morgen schon begann Horsten mft den Aufräumungsarbeften. Zwar war bas Haus versichert gewesen, boch war der Schaden immerhin für Horsten ziemlich groß, und mit sorgenvollen Blicken scharrte er auf bie noch ran- chenben Trümmerhaufen.
„Sie rm'issen wieber bauen lasten, Herr Horsten," sagte HÄmnt zu ihm, der eben seine Stu- bien beendet hatte und nach ber Brandstätte geeilt war.
„Ja . - . ober jetzt wird es schlecht gehen," entgegnete Horsten. „Freilich, wenn ich Phftipps- tal jetzt verkaufen könnte.. . Aber so! . Schon feit vier Wochen warte ich auf einen Käufer, aber bis jetzt hat sich »och keiner gemeldet."
Helmut wunderte sich tm stillen sehr darüber.
Anzahl Kommilitonen in einem Hotel zusammen, gekommen, um eine sog. Bestimmungsmensul auSzufechten. Als Waffe diente der gewöhnlich« Glockenschläger, während die Paukenden, toi« üblich, bandagiert waren. Zwei der Beteiligten trugen je einen „Blutigen" davon. Ter Staats» ontoalt führte aus, daß nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme ein Zweikampf mit tötlichen Waffen vorliege, da nach der Entscheidung bei Reichsgerichts gewöhnliche Schläger als tötlich« Waffen anzusehen seien. Der Verteidiger tritt« fierte zunächst die vor etwa zwanzig Jahre» ergangene ReichSgerichtsentscheidung und führt» sodann aus, daß bie Bestimmungsmensure» überhaupt nicht als Zweikampf gelten könnten da hierbei keine Herausforberung stattfinde uni keine wirklichen Gegner vorhanden seien. Inter effant war die weitere Mitteilung des Der teidigerS, daß in den letzten Jahren an de» deutschen Hochschulen 60 000 Diensuren ausge» fochten wurden, wovon nur zwei tötlich gewesen seien und diei> auch nur infolge unglücklicher Zufälle. DaS Gericht verurteilte dir Angeklagten zu der Miudeststrafe von je drei Monaten. Der Vorfitzende führte aus, daß daS Gericht nicht in bet Lage gewesen fei, von den durch das Reichsgericht festgelegten Prinzipien abzuweichen.
Ein französischer Tagesbefehl
Als ein Zeichen von dem im französischen Heere herrschenben Ton, ber stets bestrebt ist, ber Eitelkeit ber Solbaten zu schmeicheln, möge nach- stehenber Tagesbefehl angeführt werben, ben der Kommandeur der 11. Division in Nancy, ber sog. eisernen Division, General Cornulier-Lucinerv am 31. v. Mts. erließ, als er wegen Erreichung ber Altersgrenze von 65 Jahren , verabschiedet würbe. Der Tagesbefehl lautet: „Kameraben! Auch ich gehöre zum ältesten Jahrgang unb kann nicht mehr kapitulieren. Seit langer Zeit kennt ihr mich, wir finb uns bei Tag unb bei Nacht begegnet; ich hatte in Euch bas größte Vertrauen unb hoffe mir Eure höchste Achtung erworben zu haben. Euren wohlverbienten Ruf berbanfi Ihr Eurem sprichwörtlich geworbenen Eifer und Eurem vorzüglichen mftitärischen Geiste. Fahrt so fort unb was auch kommen mag, vergeßt nicht, baß bie Achtung ber Ehrenmänner, bas Gefühl erfüllter Pflicht mehr wert ist als alle Gunst- bezeugung. Eines Tages werden Euch Kugeln und Granaten um die Ohren pfeifen, bann erhebt Eure Gebanken zu Gott unb gebt brauf los. Mit Männern wie Ihr feib, wirb ber gallische Hahn sich stolz auf feinen Sporen erheben und seinen Siegesruf erschallen lassen. Lebet Wohl.'' Der fommanbierenbe General Michal des 20. Armeekorps erließ folgenben Befehl: „General formulier, ist, nachdem er bie Altersgrenze erreicht, in bie 2. Sektion der Generale versetzt. In voller Kraft verläßt er die 11. Division, die er mit solcher Auszeichnung geführt unb bereit glänzenbe militärische Eigenschaften er entwickelt hat. Durch Fesfigkeft des Charakters und durch fein Wohlwollen hat ber General sich bie Ergebenheit aller erworben, bie unter ihm gebient haben, in den Ruhestand begleiten ihn das Bedauern
denn fein Anwalt hatte schon längst von ihm den Auftrag erhalten, das Gut Philippstal für den Grafen von Eichseld zu kaufen unb ohne Murren die dafür verlangte Kaufiumme sofort zu zahlen. Sollte er das vergessen haben? Nun, er wollte ihn noch einmal daran erinnern, bas Geschäft so schnell als möglich abzuwickeln, damit Horsten von seinen Sorgen befreit werde.
„Wird es Ihnen denn so leicht," begann Helmut bas Gespräch wieder, „sich von dem schönew Gut zu trennen?"
„Leicht? . . . Nein, gewiß nicht," entgegnete Horsten, „aber was hilft es denn ... ich muß, um meine Verhältnisse hier in Eichfeld aufzubessern. Sie misten ja doch, wie tief ich dein stecke. Bisher habe ich noch nie eine sorgenfreie Stunde gehabt. Ja . . . heutzutage fft es schwer, sehr schwer . . . ein nicht schuldenfreies Gut zn halten. Unb wenn mich das Unglück nach weite» verfolgt, so werde ich auch von hier noch weichen inüssen."
Horsten seufzte tief auf.
„Nun," tröstete Helmut, „Ihre Sage ist noch nicht so, um verzweifeln zu müssen. Sie haben ztvar in den letzten Jahren mancherlei Unglück! gehabt, wie Sie mir erzählten, aber nach den fiebert mageren Jahren werden boch auch nochbiL fetten kommen. Auf Regen folgt Sonnenschein. -
Horsten mußte lachen. „Wir wollen sehen, ob Sie recht haben." ">
Jetzt erschien ber Postbote. Er überreichte bem Schloßherrn mehrere Zeitungen und Briefe?! auch Helmut ging nicht leer aus. Em Blick auf den ihm übergebenen Brief ... unb em zufriedenes Lächeln lag auf seinem Gesicht.
(Fortsetzung folgt.)