mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg unb Kirchhai«.
Sonntagsbeilager JUustrirtes Sonntagsblatt.
M 296
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Marburg
Sonntag, 15. November 1903.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag' Joh. Aug. Koch, UmversitätS-Buchdruckerei Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Erstes Blatt.
Eualauds auswärtige Politik.
Anläßlich der Einführung des Lord-Mayor, des Bürgerineisters von London, hielt der englische Ministerpräsident Lord Balfour bei dem üblichen Bankett, wie dies gleichfalls üblich ist, eine große Rede, in welcher er sich eingehend übrr die Politik Englands und seine Beziehungen zu den übrigen Mächten wie auch über die politische Lage, des besondern über die Verhältnisse in Ost- asien und aus dem Balkan äußerte.
Der Prentienninister bemerkte sodann, er wolle über die schwebende handelspolitische Streitfrage heute kein Wort äußern. Zur auswärtigen Politik erklärte der Redner, obgleich er nicht sagen itönne, daß kein Anlaß bestehe, der den Minister des Aeußern beunruhigen könne, so sei doch in dem gegenwärtigen Stande der Weltangelegenheiten nichts, was eine niederdrückende Besorgnis veranlassen müßte. Hinsichtlich der Angelegenheiten des fernen Ostens betonte Balfour, es gebe keinen leidenschaftlicheren Anwalt des allgemeinen Friedens, als den Kaiser von Rußland. Auch sei er der überzeugten Ansicht, daß Englands Verbündete, die Japaner, gewiß Mäßigkeit und Besonnenheit bei der Stellung ihrer Forderungen beweisen würden. Man könne ohne Beunruhigung die bis jetzt nicht gelösten Schwierigkeiten und die Angelegenheiten betrachten, welche die Diplomaten im äußersten Osten beschäftigen. Die mazedonische Frage sei bedeutend schwieriger. Die Krankheit, um die es sich dort handle, könne nicht ein für allemal durch die Geschicklichkeit der Diplomaten geheilt werden, aber man sei auf dem rechten Weg?, indem man darauf bestehen wolle, daß es eine europäische Frage sei, die durch das Konzert der europäischen Mächte zu regeln sei, und dies könne seine Pläne nicht wirksamer durchsetzen, als durch Oesterreich-Ungarns und Rußlands Vermittlung. Es sei leicht, das langsame Vorgehen des europäischen Konzerts ins Lächerliche zu ziehen, aber sicher sei, daß die gegenwärtigen -Uebelstände viel weniger groß seien, als es der Fall wäre, wenn es kein gemeinsames Vorgehen der Mächte gebe und wenn die Angelegenheit der Launen und dem Eigennutz dieses oder jenes einzelnen Volks überlassen wäre. Der österreichisch- russische Vorschlag sei durchaus nicht etwas Vollkommenes, sondern stelle ein Mindestmaß dar, und dieses Mindestmaß müsse in Kraft treten. Es sei ganz unmöglich, daß Oesterreich-Ungarn und Rußland, welche als Vertreter der Unterzeichner des Berliner Vertrages handelten, es zuließen, daß dieser Vorschlag durch direkte Ablehnung oder durch ein unaufhör- liches Hinziehen zurückgewiesen werde. Balfour schätzt sich glücklich, daß nichts nachdrücklicher dazu beigetragen habe, den Völkern des Kontinents einen Beweis von den guten Gesinnungen Englands gegen sie zu liefern, als die Reisen des Königs nach Portugal, nach Italien und nach Frankreich und die Besuche, welche die Vertreter dieser großen befreundeten Mächte in England
(Nachdruck verboten.)
Der erfte Zwist.
Von H. Äonbert.
Nach dem Holländischen von 6. Vilmar.
'(Schluß).
„Du hast mir gesagt, daß Reimer, oder wie 'er sonst heißen mag — denn wer kann die Namen all dieser sogenannten Freunde behalten — am zwölften Geburtstag hat, und der ist erst morgen."
Er zuckte die Schultern. „Du bist nicht klug. Oder vielleicht war ich auch betrunken. Gebab' Dich wohl!"
Und weg war er.
। Mit dem Blick eines Kindes, das die Scherben dessen, was es zerbrochen hat, zu seinen Füßen liegen sieht, starrte sie auf die Tür, hinter der er verschwunden war.
„Udo!" rief sie leis? und traurig. Es klang wie ein Kinderstimmchen, so flehend und reuevoll.
Nun war ihr auf einmal alles klar. Sie war im Unrecht gewesen und hatte sich obenein mst ihrem falsch angebrachten, beleidigten Frauenswlz lächerlich gemacht. Und nun hatte sie Udo erzürnt und das tat ihr unsäglich weh. Ach, sie hatte solche Angst vor ihrem ersten Zwist gehabt, und Nun hatte sie ihn selbst heraufbeschworen. Und was war nun aus all ihren guten Vorsätzen geworden ? War das die Sanftmut, die sie sich angelobt hatte? Sie hatte ihm ja nicht einmal Gelegenheit gegeben, sich seiner Verspätung halber zu entschuldigen. Und wie er sich obenein beeilt hatte, der gute Udo!
Und in ihrer törichten Erregung hatte sie ihm ixrgetoorfen, er habe so viel Freunde, daß sie sie tzar nicht alle kenne? Er hatte ja nur zwei:
gemacht hätten oder zu machen beabsichtigten. Die Gefühle der Freundschatt Englands für alle Nachbarn jenseits des Kanals erkennen zu lassen, das sei ein Werk, welches durch keinen Austausch von Mitteüungen der Kanzleien und durch kein von Abgeordneten verfaßtes Schriftstück erreicht werden könne. Zu der schiedsgerichtlichen Entscheidung in der Alaska-Grenzfrage sagte der Minister, wenn man auch den Wortlaut der Entscheidung bedauern könne, so dürfe man doch nicht vergessen, daß, wie bedeutend auch der Gewinn sei, den Amerika gemacht hab?, doch nichts der Tatsache gleichzustellen sei, daß die Frage für alle Zukunft zwischen den beiden so eng verbündeten und verwandten Nationen endgiltig geordnet sei. Eine ander? Gefahr, wllche ihm, Redner, eine gewisse Besorgnis einflöße, beruhe in der Hinfälligkett der orientalischen Völker. Diese Gefahr bedrohe Europa von Ostasien an bis nach Westafrika. Es gebe nichts mächtigeres, was man dieser Gefahr entgegenstellen könne, als die unaufhörlich wachsende Empfindung unter den europäischen Völkern, daß sie im Ein- flang nfit einander arbeiten müßten unter Anwendung einer offenen und freimütigen Diplomatie. Man müsse damit rechnen, den Geist wachsen zu sehen, der die Schiedsaerichtsverträge, wie den zwischen England und Frankreich abgeschlossenen, eingegeben habe, den Geist, welcher jeder europäischen Regierung zum Bewußtsein bringe, daß sie ein Verbrechen begebt, wenn sie die Nation in einen Krieg treibt und daß man Stteitigketten einem Gerichte, gegen dessen Entscheidung es keine Berufung mehr gibt, unterbreiten oder in aller Offenheit einen loyalen Meinungsaustausch herbeiführen müsse, der das sicherste Mittel fei, um Mißverständnisse zu vermeiden.
Umschau.
Eine wichtige Aufgabe für die Konservativen
ist besonders nach den Wahlen die energische Inangriffnahme des Ausbaues der Parteiorganisation. Zu keiner Zett bietet sich hierzu eine so günstige Gelegenheit wie nach vollbrachter Wahlarbeit. Dann sind die Anhänger unserer Partei noch zusammen und können die im Wahlkampfe gemachten Erfahrungen verwerten. Legt man aber nach der Wahl die Hände in den Schoß, so fließt leicht die konservativ? Wählerschaft wieder auseinander und die notwendige Fühlung geht verloren. Es gilt also rastlos weiterzubauen an unserer Organisation, Lücken auszufüllen, oder neue Vereine zu begründen, foroi? vor allem mit dem Hauptverein in stetem Zusammenhänge zu bleiben. Wie unausgesetzt tätig in dieser Hinsicht die Liberalen sind, ist bekannt. Man darf diese Tätigkett nicht unterschätzen. So schreibt die „Nationalliberale Korrespondenz":
„An vielen Orten haben sich neue Organisationen gebttdet, wo man längst den Liberalismus durch das Zentrum und die reaktionären Konservativen vollständig erdrückt und erstickt glaubte, sowohl tin Westen wie im fernen Osten. Diese kleinen parteipolitischen Gemeinden organisch nrit den übrigen Organisationen des k>e-
Refiner und Brinkmann, die hin und wieder bei ihnen gewesen, von ihr ober, zu Udos Befremden, stets mtt einer gewissen Kühle behandelt worden waren, da sie in ihnen Störenfriede ihres häuslichen Glückes gesehen, die ihr den Gatten abwendig machen wollten. Nun wollte es ihr selbst töricht erscheinen.
Die Freunde der Ehemänner hatte sie sich von jeher als eine Art Dämonen vorgestellt. Als sie noch 'ein HeineS Mädel gewesen, hatten ihre Eltern ein neue- Gemälde erhalten. „Häusliches Leid" hatte darunter gestanden. Sie hatte ihre Brüder nach der Bedeutung gefragt, doch keine genügende Antwort erhalte».
Der eine hatte gemeint: „Ach, das bedeutet gar nichts," und der andere erflärt: „Das ist, wenn einem fein Mann betrunken ist."
„Welcher Mann?" hatte sie weiter gefragt, da sie mit ihren Betrachtungen noch nicht über die im Vordergründe des Bildes sitzende Frau mtt den traurigen Augen hinausgekommen war, die, einen Teller voll Kartoffeln im Schoß, trübe vor sich hinstarrte. Die zechenden, Karten spielenden Männer im Hintergründe hatte ft? noch gar nicht bemerft.
„Weint die Frau, weil sie Kartoffeln schälen muß?"
Sie wollte alles eingehend erklärt haben, und die Ausführungen ihres ältesten Bruders, an den sie sich dieserhalb gewandt, machten auf sie tiefen Eindruck. Noch oft ftanb sie vor dem Bilde, und die Freund', die ibr Bruder als ein paar falsche Verräter geschildert, die darauf ausgingen, den Hausvater zum Spieler und Trunkenbold zu machen, batten ihr stets ausgesprochenen Abscheu eiitgeslößt.
Grete fühlte sich totungkücklich. Wo mochte Udo geblieben jein? Sollte er in «n Restaurant
treffenden Wahlkreises und der Provinz zu verbinden, darf nicht vernachlässigt werden. Gleich nach den Wahlen muß die Vorbereitung für die Wahlen wieder beginnen! Dann kann die Partei auch den unvorhergesehenen Handstreichen von feiten unserer Gegner mit ruhigerem Blute entgegenschauen als jetzt."
Unsere Parteimitglieder im Lande werden sich durch diese Arbeit der Liberalen nicht überflügeln lassen dürfen, sondern eine rege Gegrn- orbeit leisten müssen. Der Linksabmarsch der uns früher nahestehenden Nationalliberalen legt unserer Partei doppelte Wachsamkeit und Tätigkeit als erste Pflicht auf.
Der deutsche Handelsvertrag mit Belgien.
Im Anschluß an die Mitteilung von Verhandlungen, die zwischen Deutschland und BÄ- gien über einen neuen Handelsvertrag zurzeit stattfinden, wird in der Presse behauptet, daß der jetzige deutsch-belgische Handelsvertrag noch bis zum Oftober des nächsten Jahres laufe. Das ist, wie die offiziösen „Bert. Pol. Nachr." hervorheben, ein Irrtum. Der jetzige deutsch-belgische Handelsverttag ist, wie die meisten Tarifverträge Deutschlands mit anderen Staaten, zunächst bis zum 31. Dezember 1903 abgeschlossen und bleibt danach noch weiter, jedenfalls bis zum Ablaufe eines Jahres von dem Tage ab in Geltung, an welchem der eine oder der andere der vertragschließenden Teile ihn gekündigt haben, wird. Gekündigt ist der Vertrag bisher von feiner Sette. Die Handelsbeziehungen Deutschlands zu Belgien haben sich deshalb in formeller Beziehung bisher genau so gestaltet, wie die mit den übrigen Tarifvertragsländern, Rußland, Schweiz, Italien.
Eine Vereinigung deutsch-nationaler Juden
ist der „Nat.-Ztg." zufolge in Berlin gegründet worden. Die Hauptpunkte ihres Programms lauten: Die Vereinigung deutsch-nationaler Juden macht es sich zur Aufgabe, den gesellschaftlichen wie den Rasse-Antisemitismus durch die Pflege und Förderung deutsch-nationaler Gesinnung und Betätigung in allen Kreisen und Schichten des Judentums zu bekämpfen.- Die Mittel, durch die der Verein seine Ziele zu erreichen sucht, sind Wort und Schrift, das heißt, die Veranstaltung von öffentlichen Vorträgen, Versammlungen usw., ferner durch die Agitation mittels eines geeigneten Vereinsorgans. Mitglied des Vereins kann jeder werden, der, im Besitze der bürgerlichen Ehrenrechte, sich mtt den Bestrebungen des Vereins einverstanden erklärt; auS- gefchlossen dagegen ist jeder, der auch nur im entferntesten sozialdemokratische Bestrebungen billigt oder unterstützt.
Die schwarzen Pläne der Reaktionäre find enthüllt. Der „Vorwärts" schreibt: „Sie erstreben unter Beihilfe eines wahnfinnigen Wahlsystems das wahnsinnige Endziel, einen Staat, gegen deffen Feffeln sich eine moderne wirtschaftliche Entwickelung von ungeheurer Gewalt (lufbäumt, völlig zurückzuführen in die
gegangen oder zu seinem Freund? zurückgekehrt sein? Das wäre dann ihre gerechte Strafe. Doch nein, sie kannte ihn besser, so kleinlich war er nicht. Wahrscheinlich lief er, verstimmt und plan- los, durch die Straßen, tieftraurig darüber, daß seine Frau so garstig fein konnte.
„Ach Udo, fei doch wieder gut, und hab' mich doch wieder lieb!" schluchzte sie. Endlich versiegten ihre Tränen. Eine dumpfe Mattigkeit, ein tiefes Wehgefühl ttn Herzen, kehrte sie in das Speisezimmer zurück.
Di? Flurtiir stand offen, und dort — dort hing ja fein Hut, fein Ueberrock, fein Stock!
Sie atmete tief auf. Er war also daheim, welche Erleichterung! — Aber nun mußte sie auch zu ihm und wie ein unartiges Kind Abbitte lefften.
Solange es unmöglich schien, hatte eS sie leicht gedünkt, doch nun sie nur eine Treppe zu ersteigen brauchte, um zu ihm zu gelangen, fiel eS ihr auf einmal schwer. Aber es mußte sein, und zwar sofort.
Sie besaß ein Heines Vademecum für Geist und Herz, voll beherzigenstverter Winke fiir das Ehekeben. Und nun schoß ihr plötzlich eine Mahnung desselben durch den Sinn:
„Ehegatten! Zeigt sich am Horizont Eures ehelichen Glückes jemals ein Wölkchen, o so eilet, es durch den Hauch der Liebe zu verjagen. Das leichte Wölkchen wird dann schwinden. So Ihr eS aber verabsäumt, wird es wachsen und allmählich den ganten Himmel verdunkeln. Darm bedarf eS oft erst schwerer Stürme zur Klärung des Horizontes und Reinigung der Gewitterluft. Und wird der Himmel dann auch wieder heiter, so ist die Atmosphäre um Euch her doch merklich abgekühlt."
Heiße Tränen schossen der jungen Frau in
Gebundenheit des Absolutismus des Adels und der Kirche. Eine Filiale Rußlands, eine Kolonie der Türkei, eine neue Art Kirchenstaat — daS ist die Sehnsucht unserer Reaktionäre in Preußen. * Die Zänkereien und Schimpfereien der .Genossen" untereinander scheinen auf die Köpfe der „Akademiker" eine wahrhaft verheerende Wirkung ausgeübt zu haben. Die Sozialdemo« traten sollten sobald wie möglich ein Partei« Narrenhaus einrichten.
Die zweijährige Dienstz'ett in Frankreich.
Die Bestrebungen auf Einführung der zweijährigen Dienstzeit in Frankreich reichen bis in das Jahr 1898 zurück, in dem ein Gesetzentwurf dem Senat borgelegt und einer Kommission zup Prüfung überwiesen wurde. Schon im folgenden Jahr? erteilte die Kommission ihre Zustimmung zu den wichtigsten Vorschlägen des Ent- Wurfes, der aber erst am 12. Juni d. I. nach eingehenden und äußerst lebhaften Verhandlungen vom Senat mtt 220 gegen 45 Stimmen angenommen wurde. In der gegenwärtigen Fassung, über deren Beibehaltung ober Abänderung sich demnächst die Deputiertenkammer zu äußern haben wird, enthält er abgesehen von der Einführung einer obligatorischen gleichmäßigen Dienstpflicht und der Herabsetzung ihrer Dauer von 3 auf 2 Jahre wichtige Bestimmungen über Abschaffung der Befreiungen, Einstellung einen gewissen Anzahl von Mannschaften, die ihrer Körperbeschaffenheit wegen, bisher vom aktiven Dienst befreit waren, in die aktive Armee, Vermehrung der Kapitulantenstellen für , Unteroffiziere- Korporale und Soldaten, endlich einjährige Dienstzett für die zu den polytechnischen Schulen und der Kriegsschule von Saint-Cyr zugelassenen jungen Leute.
WaS die voraussichtlich.- Wirkung des projektierten Gesetzes angebt, so kann es als sicher gelten, daß man in jedem Falle bemüht sein wird, eine Schwächung ber gegenwärtigen Friedensstärke zu vermeiden: di-s Bestreben fomynt in den erwähnten Bestimmungen zum Ausdruck. Man rechnet, baß bas Ausscheiben der dritten Jahres- Hasse ein Weniger von 116 000 Mann ergeben wird. Da aber nach Abschaffung der Befreiungen 66 000 Mann, die jetzt ein Jahr dienen, , zwei Jahr? bei der Fahne bleiben müssen, vermindert sich der Ausfall auf rund 50 000 Mann. Von diesen werden nach ben Berechnungen des Kriegsministers etwa 26 000 Mann teils durch die im Jahre 1901 Gesetz gewordene Herabsetzung bell minimalen Körpergröße, teils durch Indiens^ stellung von 6000 Mann, bi? bisher wegen geringer körperlicher Schäden befreit waren, durch Verminderung der Stärke der Musikkorps, besonders bei der Artillerie u. f. w. aufgebracht werden können. Um die noch fehlenden 24 000 Mann zu ergänzen, fordert General Andr6 die Vermehrung der Stellen für Unteroffiziere um 6000, für Korporale um 10 000 und für Kapitulanten um 6000—7000 Mann, wobei namentlich die Kavallerie berücksichtigt werden soll. Indessen erscheint es mehr als fraglich, ob es gelingen würde, den erforderlichen Ersatz im vollen Umfang? und in durchaus diensttauglichem Zu-
die Augen. Nein, in so kalter Atmosphäre, ohne Udos Liebe, hätte sie nicht zu leben vermocht. Noch nie zuvor hatte sie so lebhaft empfunden, wie unendlich teuer er ihr war, und daß sie seiner Liebe bedurfte wie eine Blume des Sonnenscheins.
Langsam, mtt klopfendem Herzen, schritt sie die Treppe hinan — gen Kanossa.
Droben wurde plötzlich eine Tür geöffnet, ein goldener Lichtstrom flutete heraus, und mitten darin stand Udo und ftretfte ihr beide Hände entgegen.
Er hatte ihr bereits vergeben. Dennoch sprach sie es aus, was sie sich vorgenommen: „Verzeih' mit Liebster, ich habe unrecht gehabt." Und dann sanft und flehend: „Hast Du mich tote- der lieb?" —
Nie empfinden wir das Glück des Besitzes eines geliebten Wesens tiefer, intensiver, als in der Stunde der Versöhnung.
Ihre Wange zärtlich an die feine geschmiegt, saß Grete auf Udos Schoß.
Plötzlich hob sie den Kopf. „Sag', Mann, hast Du eigentlich noch Appetit?"
„Appetit? Einen Riefenhunger habe ich."
„Wie denkst Du wohl über Lachs .... und zwar über gebackenen?"
Er schnalzte nur mtt der Zunge. Arm in Arm begaben sie sich dann hinunter in das festlich mtt Blumen und Sraatoservice, mit Damast und Kristall geschmückt- Speisezimmer.
Fragend schaute er sie an.
„O Tu abnunaslose Mannesseele!" rief sie. Ich gratuliere Dir, Du bift beute sechsundzwanztg Wochen verheiratet!" „ ~
Und dann feierten sie zusammen ihr Fest, und der Lachs mit Weißweinsauce schmeckte exzellent, obwohl et mittlerweile total zerfallen war.