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l für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Son«taLs»eila-<i gUuttririeS Toouiagsdlatt.

M 294

Vierteljährlicher Bezugspreis: btt der Expedition 2 Mk, bei allen Postämtern 2,25 Mk. <e$cL Bestellgeld).

JnsertionSgebühr: die gespaltene Zelle oder deren Raum 10 Psg.

Reclamen: die Zeile 25 Pfg.

Marburg

Freitag, 13. November 1903.

Erscheint wöchentlich sieben aal.

Druck und Verlag' Zoh. Aug. Koch, UnibersllätS-Buchdmckerei Marburg, Markt 21. Telephon 55.

38. Jahrg.

und

der too-

besitzern bekannt wird, tote Sie Ihre Kunden öffentlich bloßstellen. Ich empfehle mich."

Helmut machte eine flüchtige Verbeugung, be- zahlte dem Kellner seine Zeche und ging eilig hinaus.

Herr Walter blickte noch immer staunend auf die Geldscheine; dann steckte er sie sorgfältig ein.

Es war wirklich eine Dummheit von mir," sagte er ärgerlich,hier das zu erzählen. Mußte es auch gerade dieser Graf von Eichfeld hören i Der scheint em sehr reicher Mann zu sein, denn seine Brieftasche war von Tausendmarkscheinen dick gefüllt."

Das will ich meinen," warf der Kellner ein, denn so'n gutes Trinkgeld habe ich noch nie be­kommen . . . blanke zwanzig Mark."

Wo wohnt denn dieser Graf von EichfÄd, und wer kennt ihn?" fragte ein Herr.

Aber keiner vermochte darüber Auskunft zu g^ben.

Als Helmut nach seiner Rückkehr von Potsdam die Freitreppe des Schlosses betrat, begegnete ihm Horsten.

Sie sind ja schnell znrückgekommen," sprach er freundlich und reichte ihm die Hand zum Gruße.Gut, daß ich Sie hier treffe. Schon drei Tage trage ich den Schlüsse vom Ahnensaal bei mir, und immer vergaß ich, ihn abzugeben."

Er überreichte Helmut den Schlüsiel und ver­abschiedete sich sogleich.Ich muß noch nach dem Felde. Auf Wiedersehen heute Abend."

Helmut suchte sein Zimmer auf und schrieb einige Zeilen an seine Mutter. Dann suchte er den Ahnensaal auf. Mit heiligem Schauer be­trat er zum ersten Male diesen Raum, der nur durch wenige Lichtstrahlen matt erleuchtet war. Er zog die schweren Vorhänge der Fenster zurück, um beffer sehen zu können. An der einen Wand hingen die mit Goldrahmen eingefaßten Bilder derer von Eichfeld, mit Eisenhut und Panzer­

Nun," gab der Gefragte zur Antwort, kann mir gleichgilttg fein, wer Sie sind und rum Sie für Horsten zahlen wollen. ES 6000 Mark."

es wa- sind

Helnmt zog seine Brieftasche hervor und ent­nahm ihr sechs Scheine, die er dem .Herrn über­reichte.

Teilen Sie Herrn Horsten mit, daß der Graf von Eichseld die Schuld getilgt habe. Im übrigen möchte ich Ihnen nur noch sagen, daß ich, der ich die Absicht habe, mir hier in der Nähe ein Gut zu erwerben, mich bedanken werde, mft Ihnen m Verbindung zu treten. Meinen Bedarf an Fitttermitteln, die Sie ja verkaufen, wenn ich recht vernommen habe, werde ich von einer an­deren Firma beziehen, und ich werde dafür for­men, daß es unter den hier wohnenden Guts­

hemd angetan, dozwijchen stolzblickende Fron-n in Stuartkragen und schwerer Goldswitschleppe. Während die gegenüberliegende Seite der ©olerie mit unzähligen Waffen und Rüstungen aller Art bedeckt war. Nur selten mußte dieser Raum be« treten fein, denn dicker Staub lagerte überall. Aber Helmut sah ihn nicht: er sah nur die ernsten Gesichter an den Wänden, deren Augen vor- wurfsvoll aus ihn gerichtet schienen. Es war ihm als ob sie ihm zuriefen:Du bist der letzte un- seres edlen Geschlechtes: fremde Herren haben sich hier eingedrängt und uns vertrieben. Du weißt als echter Eichfelder, was Du zu tun hast. Ein heiliges Werk ist es, das Du vollbringen mußt, dann erst werden wir Ruhe finden." Lang­sam ging Helmut von Bild zu Bild, und wunder­bare Gedanken sttirmten auf ihn ein. Er wußte, was er zu tun hatte. Alle Schwierigkeiten, die sich ihm in den Weg stellen würden, wollte und mußte er überwinden. Er fühlte endlich das Bedürfnis nach Ruhe, die er hier in diesem Saal nicht sand, obwohl eine Totenstille herrschte. Er zog die Vorhänge wieder zu, und nachdenklich ging er hinaus in den Park, an den See, wo et so gern weilte. Hier hatte er oft schon gesellen, hier wollte er auch jetzt träumen . . . träumen vom zukünftigen Glück und Frieden.

Still und ruhig lag die Wasserfläche vor ihm; , die sinkende Sonne warf ihre letzten Sttahlen in die klare Flut, aus der hin und wieder ein kleines Fischlein hervorschncllte, um gleich wieder zu verschwinden.

Plötzlich vernahm er Schritte. Er sah auf. Langsam und mit gesenktem Kopfe, nahte sich ihm di?, welche soeben vor seiner Seele gestan». den hat: Fräulein von Kullig.

Helmut sprang von seinem Sih ans nnl# grüßte ehrerbietig»

(Fortsetzung folgt.)

Herr Walter sah den kühnen Sprecher recht groß an.

. »N^ki Herr," entgegnete er mit verächtlichem Lächeln,das geht Sie doch nichts an, was bei mir Sitte ist oder nicht."

So?" sagte Helmut, ohne einen Schritt zu- ruckzuweichen.Wenn ich nun Herrn Horsten, von dem die Rede war, von Ihren Worten Mft- teilung machen würde, so wird er sicherlich Ihr Kunde nicht mehr bleiben."

Ha, ha, bal" lachte der Geschäftsinann.Was frage ich nach dessen Kundschaftk Was hab' ich davon, wenn man mir einen Auftrag zur Liefe- rung gibt und ich erhalte keine Bezahlung! Für solche Kunden dank? ich bestens."

r, beträgt die Schuld des Herrn Hor­

sten/ fragte Helmut kurz, um diese ihm unan­genehme Szene zu beendigen.Ich werde Ihnen für Herrn Horsten das Geld sofort zahlen sei die Summe noch so groß."

Ein allgemeinesAh!" ertönte aus Runde der Ttschgesellschaft und aller Blicke ren auf Helmut gerichtet.

DtlÄ Kfirthtrtrtähirrhfrpfht itnh hfl* I F?L?rntcn jetzt nur das, was sie damals gesät I Wir haben zur Bekämpfung von Zielen dicht hin- I

Jl/uv X'UnvIUßSrouOuCu)! Uno Die I haben. I ter Deckungen die Granate, wenn auch in ge- I Deutsches Reich

Liberalen. I m . .QIL. hat natürlich immer die Konservative I ringer Zahl in der Ausrüstung der Batterie selbst I

o I Partei für das Dreiklassenwahlsystem verantwort- I in größerer Zahl in der leichten Munittonsko- I Berlin, 12. November.

Aus nllen Ecken des liberalen Lagers ertönen sich gemacht und zittert so gern den Ausspruch könne bis jetzt noch beibehalten. | Sein Majestät der Kaiser erledigte me

«lagen über das Landtagswahlrecht, welches es Bismarcks von demelendesten aller Wahl- --------- | gestrigen Tage Regierungsgeschäfte Das Besin«

angeblich unmöglich machen solle, daß der Libe- systeme". Aber Fürst Bismarck hatte selbst kein den Seiner Majestät ist m jeder Hinsicht Mri?

ralismu- eine seiner vermeintlichen Bedeutung besseres Wahlrecht an die Stell? zu setzen, und I Zuckersteuer. I öigcnb< bie Heilung nimmt einen normalen Wer-

entsprechende Vertretung in dem preußischen Ab- bisher haben die sämtlichen Gegner auch noch Die Zuckersteuer hatte bis zum Ende August I lauf

geordnetenhaus ftnbe unb auf die Regierung kein besseres System gefunden. Denn das all- die Summe von 43,6 Mill. Mk. erbracht. Mit Dem Kaiser sind nach einer Berliner Mit- den ,hm gebührenden Einfluß ausube. Auch die gerne,ne und gleiche Stimmrecht, wie bei den dem 1. September, dem Tage des Inkrafttretens teilung derWienerAllg. Ztg." von allen Sou-

btefe" Rekn. Reichstagswahlen, ist für Preußen erne Um-,og- der internationalen Zuckerkorvention, kamen die »eränen sowie von den Präsidenten Frankreichs

mlnationen, augenscheinlich unter dem Eindrücke I lichkeit. Man finde em wirklich besseres Wahl- I »rr'Strntpn (StenerfÄbp mr ßUftunn I und der Vereinigten Staaten von Nordamerika

einer beinerkenswerienGedächtnisschwäch? stehend. I recht, unb die Konservativen sind die ersten, die I A ® J I herzliche Teilnahmskundaebunaen und Glück-

Das preußische Landtagswahlrecht ist doch schon es annehmen werden. Die konservative Partei I mV«»/1' ''^riteuer nicht weniger I toünfd)3 zugegangen die Kaiser Wilhelm alle per, em halbes Jahrhundert in Geltung; war es huldigt durchaus nicht demRückschritt", sondern. Mk. mehr tote ,m glichen Monat I fönIid) ertriberte9 Besonders herzlich dankt/ er

denn immer so, daß unter feiner Herrschaft die I m jeöer Beziehung dem Fortschritte, wobei sie I Dmzabies an Jstemnahme ergeben, so daß I dem Kaiser Franz Joseph für dessen überaus in-

Lmke, tote seit den letzten Jahrzehnten im Abge- I natürlich nicht außer Acht läßt, daß der Fort- I die Gnumtemnahme auS dieser Steuer für da« I wge Teilnahme. Dasselbe Blatt teilt noch

ordnetenhause, zu numerischer Unbedeutenheft I schritt als solcher auch erwiesen sein muß und I erste Semester des lausenden Etatsjahres 53,5 I mit, daß bereits verschiedene Rellevläne des ü'ai-

und völliger Einflußlosigkeft gegenüber einer aus I daß die angestrebte Freiheit immer nur eine ge- I Mill. Mk. ausmachte. Die Zuckersteuer ist im I sers für die nächste Seit entworfen werden

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auf dem platten Laude, den Sieg über die kon- -------- Zeit der neuen Besteuerung fiel, hat demgemäß I Forderungen herauszuschlagen: man werde aber

servativen Gegner trotz des Dreiklassenwahl- I " I mehr erbracht, als für den Durchschnitt im I gegenseitig es Entgegenkommen üben müssen,

systems davontrug. I lltmehrrn I Etat erwartet worden ist. Wie sich die späteren I t?/nn etwas zustande kommen solle, da Rußland

Es ist interessant, ziffernmäßig festzustelleri, I * I Monatseinnahmen stellen werden, wird abge- I ^5,,emen Handelsvertragum leben Preis

wie stark numerisch die Liberalen in den siebziger I Von der Marine. I wartet werden muffen. Jedenfalls ist es be- Iu_? m"

Sabren aus den Wahlen zum Abgeordneten Hanse Die Neubildung der heimischen Seestr-itkr äste merkenswert, daß auch aus Frankreich für den ^preußischen Abgeordnetenhause

SSt Hf[Cflter U,r,b?,mt ihre jetzige Be- hat eine wes-müiche Aenderung L UebungL ersten Monat der Geltung der neuen Zuckerbe- kek" n^'di/^L. ' V S

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*« N-,i-Eb-ra,-n unb ÄÄTÄ WÄÄÄÄ« * «'N«-»'-'--"-. Wn» de- MM. M N,

tenju jenen Zeiten mit 250 bezw. 242 Sitzen fort. Für diese Festsetzungen sind ' wie S Ein sozialdemokratisches Organ, das Kasseler stärkere Heranziehung der Gemeindevorsteher noch über die absolute Mehrheit im Landtage. IKöln. Ztg." ans Kiel aeickrieben wird IVolksblatt" ist in der Boykottierung der nicht« I unrb ri^et AW btc zu starke J.ianspruch- s. BäteÄffiÄ iK

SämSHs

ihrer besten Zeit 76, die nationalliberale 175 ^uen Mannsckwften ist in len behSdff <£ ft 'ffkau en Dieses Vorgehen ist Domkapitular Dr. Selbst gewählt.

Mitglieder.^Von 115 Mitgliedern ist die natio- toäffern in beSen M d-m soMd-mokra ischen Zentralorgan zu Stuf der elektrischen Schnellbahn Berlin-

iialliberale Partei jüngst auf 22 im letzten Land- folge ausführbar wie in oudrbeuSnff.S wundert sich aber mit Unrecht Zossen mochten am Mittwoch die Minister Budd-

tage zusammengeschmolzen, während gleichzeittg bie Entscheidung im Ernstfälle in ff' baruber, daß tn der Provinz solche Blüten ttnb v Einem, der Präsident des Reichseisenbahn,

die Fortschrittspartei (die jetzigen beiden frei- I barten Gebieten fallen wird Als ffinmhhh S sozialdemokratischen Geschäftssinnes auftauchen. I amts Dr. Schulz und der württembergische Mi-

sinnigen. Parteien) auf 30 Mitglieder zurückge- deshalb künftig gelten daß die GesckwadersckMe Die sozialdemokratische Lehre, daß schließlich stister v. soden eine Fahrt. Es wurde eine Ge-

dieser Zahlen begreift es ihre Einzelichungen und ihre Uechinmen ft Be^ °lles erlaubt fei, wenn der Profit der Partri schwmdw^tt von 200 Kilometer m der Stund-

sich, daß sich di? Liberalen zurücksehnen nach je- I bänden vorwiegend in deutschen, die Aufklärung^. in Frage kommt, entschuldigt auch alles. Die I 6te

hiTsiß?" t>0 ' d7 Herrschaft wo ihre Starke schiffe mehr in außerdeutjchen Gewässern vor- Arbeiter aber sollten ua§ solchen Vorkommniflen rafle_L fiat 11 » h r, v M

Liberalismus preiszugeben. Das waren in de! fein unb imw SS Terrorismus ärgster Art herrscht und daß Nie« Wahlmänn?r stattgefunden. Nach dem Ergeb-

Tat die Zeiten der Fleischtöpfe Aegyptens für den I enbe-v End/November treten die misten I mßnbf' tKs irgend em auch I ntS setzt sich die zweite Kammer folgendermaßen

mancheiterlichen und großkapitalistischen L5Sem- I eine ffihiXerüb,1#1 ' rf J I nut bescheidenes Maß von Velbstandigkett haben I zusammen: Nationalliberale 25 (bisher 24),

lismus. Wenn aber heute die Liberalen für ihr ?n dsi Kreme! Luch n batf' ^eber, der nicht nach der Pfeife der Zentrum 23 (bisher 23), Demokraten 5 (5), So-

fluchtartiges Verschwinden aus dem preußischen heitlichkett ff Gefchoßau^rüfw^a b-i ben Rat' I b'üE)1'er' .unb toenn e§ au^ »ur ganz kleine find, I zmldemokraten 6 (6) Freisinnige 2 (2). Anti,

Abgeordnetenhause die Schuld dem Dreiklassen- I terien unmittelbar ist in ' I tanzt, wird drangsattert. Da helfen denn Er- I esmiten 1 (1). Das Resultat eines Wahlbezirks

Wahlrecht beizumesien versuchen, so ist es nützlich, I den. MitunFbef-T? Mahnungen von oben'recht wenig. Das sozial- W [-3«Sufarnn^ung ist keine

vorstehende Tatsachen sich wieder in das Gebücht- feuer-Batterien fallen die 144 Granaten wri und demokratische System ist es, daß solche AuS- wesentliche Aenderung cmgetteten ms zuruckzurufen, und man wird auch erkennen, I werden durch ebensoviele Schrapnells erf-bt so I wüchse, wie den obigen, zeitigt. I ... , ^e deuttchfeindliche Hattung ber Polen

baß dieser von liberaler Seite unternommene daß die französische Batterie I I bezeichnend daß die erzbischöfliche Behörde m

«Wun -w- und VI g,z etwndF1 st-

21 ^Nachdruck Verboten.)

Im Schlosse der Ahnen.

J Original-Roman von Otto König-Liebthal. l^ortsttzuna.;

Ich konnte nicht eher kommen," gab er jetzt lachend zur Antwort,ich mußte noch einen Brief on Horsten in Eichseld fertig machen: er bezog von mir Futter- und Düngemittel."

Als Helmut den Namen Horsten hörte, blickte er auf; doch behielt er die Zeitung vor sich, um sich nicht als Lauscher ihres Gespräches bemerk­bar zu machen.

Das ist wohl ein reicher Mann?" fragte jetzt einer der Herren.

Reich? Na, das kann ich nicht behaup­ten," nahm der neue Gast wieder das Wort. Mit seinem Roichttim kann es nicht wett her sein. Schon feit Monaten schuldet er mir eine ziemlich hohe Summe, die längst fällig war. Vor einigen Tagen bat er um weitere Stundung, die ich. ihm aber nicht gewähren kann. Ich habe ihm /geschrieben, daß, wenn er nicht innerhalb einer Woche zahlt, ich gerichtlich gegen ihn vorgehen werde. Nein, nein, feine finanziellen Ver- i hattnisse scheinen nicht die besten zu sein, und wer weiß, toi? lange er noch Besitzer von Eich- feld sein inirb."

Noch ehe die Herren etwas erwidern konnten, war Helmut empört aufgesprungen und einige Schritte näher an den Tisch getreten.

Mein Herr," sagte Helmut mit erregter I stimme,es scheint bei Ihnen Sitte zu sein, daß Sie die Herren, die mit Ihnen in Geschäftsver­bindung stehen, öffentlich an den Pranger stellen wenn sie einmal nicht in der Sage sind, ihre Ver bindlichketten Ihnen gegenüber decken ;u können. Ob das für Sie als Geschäftsmann von Vorteil ist. bezweifle ich sehr."