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Marburg
Dienstag, 10. November 1903.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck mtb Verlag Joh. Lug. Koch, UmversitStS-Buchdruckerek
Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
38. Jahrg.
Wie geht die Wahl vor sich?
Am Donnerstag, den 12. November finden bis Urwahlen, die Wahl der Wahlmänner, statt. Vielfach herrscht noch Unklarheit über die Art und Weise, wie die Wahl vor sich geht, und da sehr viele Wähler diesmal zum ersten Male ihr Wahlrecht auSüben, dürsten die folgenden kurzen Angaben wohl am Platze sein:
Der Wohlvorsteher beginnt die Wahlhandlung vor den im Wahllokal versammelten Urwählern durch Ernennung des Protokollführers und 3 bis 6 Beisitzer; er verpflichtet sie durch Handschlag an Eidesstatt und weist auf die für die Wahl maßgebenden gesetzlichen und regle« mentaten Bestimmungen hin, von denen ein Abdruck im Wahllokal so auSgelegt sein muß, daß jeder Wahlberechtigte darin nachschlagen kann, was er etwa zu wiffen wünscht.
Dann konstituiert sich die „Wahlversammlung". Das geschieht, indem der Wahlvorsteher alle nicht Stimmberechtigten auffordert, daS Wahllokal zu verlassen. Also es muß sich jeder entfernen, der nicht in dem betreffenden Urwahlbezirk wahlberechtigt ist. Es gehört aber jeder zum Wahlkörper, der in einer der drei Abteilungen mitwählt. Den Wählern zweiter und erster Klasse ist eS unbenommen, schon zu Beginn der Wahlhandlung zu erscheinen und dem Wahlgeschüst der dritten Klaffe beizuwohnen, die zuerst wählt. Hingegen muß die dritte Klasse sich entfernen, wenn ihr Wahlgeschäft zu Ende ist, desgleichen die zweite, nachdem sie ihre Wahlmänner gewählt hat, so daß zuletzt nur die erste Klaffe im Wahllokal zurückbleibt und ihre Wahl vollzieht.
Um den Wählern zweiter und erster Klaffe rächt unnötigen Zeitaufwand zu verursachen, wenn sie dem Wahlgeschäft der dritten Klaffe nicht beiwohnen wollen, kann der Wahlvorsteher für den Beginn der Wahlhandlung jeder Ab- teilung eine andere Stunde feststellen; z. B. für die dritte Abteilung auf 12 Uhr mittags, für die zweite auf 4 Uhr, für die erste auf 5 Uhr nachmittags. Für die Wahlhandlungen in allen Klaffen muß aber der Wahlvorstand derselbe bleiben.
Hat letzterer festgestellt, daß die Wahlversammlung sich konstituiert hat, so beginnt da» Wahlgeschäft, zuerst für die dritte Abteilung. Der Protokollführer ruft die Namen der Urwähler abteilungsweise in derselben Folge auf, wie sie in der Abteilungsliste verzeichnet sind, ivobei mit dem Höchstbesteuerten angefangen wird.
Die Wahl ist nicht geheim, sondern öffentlich, mündlich. Jeder Aufgerufene tritt an den zwischen der Versammlung und dem Wahlvorsteher aufgestellten Tisch und nennt unter genauer Bezeichnung den Namen deS Urwählers, welchen er zum Wahlmann wählen will. Sind mehrere Wahlmänner zu wählen, so nennt er
18 (Nachdruck verboten^
Im Schlosse der Ahnen.
Original-Roman von Otto König»Liebthal.
(Fortsetzung.»
„So willst Du wieder zurückkehren?"
„Ja," rief Helmut freudig aus. „Ich kehre zurück in das Schloß meiner Ahnen, nach Eichfeld, das unserm Geschlecht seinen Namen, und seine Entstehung verdankt und das jetzt einem — anderen gehört. Doch gleichviel — das ehemalige Besitztum unserer Vorjahren kann ich nicht zurückerobern, aber um ein Mädchen will ich werben, das ich liebe, will ich kämpfen und ringen, bis sie mein ist. Vielleicht werde ich von meinem neuen Namen und' Stand dann Gebrauch machen müffen, denn Frau Horsten, die sehr stolz auf ihren Adel ist, wird gewiß alles tun, um Fräulein von Kullig zu bewegen, einem einfachen Hauslehrer ihre Hand nicht zu geben."
Frau Kraft war nicht im geringsten erstaunt, als sie von Helmuts Absicht hörte; aus seinen Briefen hatte sie schon längst heransgelesen, daß er sie liebte.
„Ich weiß," sagte sie lächelnd, „daß Du ein unwürdiges Mädchen nicht an Dich ketten wirst; sie wird als Tochter mir willkommen sein. Doch sage: liebt sie Dich auch?"
r „Das, liebste Mutter, weiß ich noch nicht. Wenn sie mich nun auch nicht gerade haßt, so scheine ich ihr doch gleichgültig zu sein. Sie ist so unnahbar, so — so — ich weiß nicht, wie ich es nennen soll. Gleichviel — ich will um sie ringen und kämpfen."
Ein Seufzer entstieg sein« Brust, und ein» Weile herschte ttefes Schweigen.
„Dem Mutigen gchört die Welt und — Sie Braut," tröstete ihn Frau Kraft. „Doch nun komm' und laß uns effen, Du wirst hungrig lein.*'
sogleich so viele Namen, als Wahlmänner in bet Abteilung zu wählen find. Die genannten Namen trägt bet Protokollführer sofort und in Gegenwart des Urwählers nebst dessen Namen in die Abteilungsliste ein. Bisher war eS jedem Wahlmann überlassen, seine Abstimmung selbst in die Stimmliste einzutragen. DaS könnte, wenn es die Sozialdemokraten böswillig auSnutzen wollen, zu einer solchen Verschleppung deS WahlgeschäftS führen, daß es in den Großstädten überhaupt nicht zu Ende zu bringen wäre. DaS neue Reglement hebt deshalb die betreffende Bestimmung auf. Die Eintragungen erfolgen nur noch durch den Protokollführer. Ist ein Urwähl« nicht rechtzeitig zur Wahlhandlung erschienen, so daß er seinen Namensaufruf versäumte, so kann er seine Stimme doch noch abgeben, vorausgesetzt, daß er wenigstens vor Schluß der Wahlhandlung derjenigen Abteilung, zu der er gehört, an Ott und Stelle ist. Er meldet fich dann vor Schluß der Wahlhandlung beim Wahlvorsteher und erhält so die Gelegenheit, nachträglich zu wählen.
Umschau.
Zmr Laudtagswahl im Kreise Marburg.
Infolge eines bedauerlichen Versehens find unter dem Wahlaufruf für unseren Land- tagSkandidaten Herrn Landrat v. Negelein folgende Unterschttften nicht mit abgedruckt worden:
AuS Cappel: Ernst Chttax, Landwitt
„ „ Balthaser Grau „
AuS Argenstein: Bgrmstr. Laucht ,
Aus Wenkbach: Bgrmstr. Schneider,
AuS Roth: Bgrmstr. Pfeffer ,
, , Eisenbahnbeamter Pfeffer
Aus Frohnhsn.: Lehrer Kornmann
AuS Wetter: Berger, Bäcker u. Landw.
, , Bluhm, Küfer
, „ Stadtschreiber Kern
, , Hegemeister Kranz
„ , Papierfabrikant Mittler
„ „ Rendant Schneider
„ , Land- a. Gastwirt Mal I
„ , Land- u. Gastwirt Mal II
, , Buchbinder Woehner
„ „ Forstkaffenrendant Wessel
Aus Todenhs«.: Bürgermeister Kroll
AuS Münchhsn.: Först« Rehder
Marburg, 9. November 1903.
DaS konservative Wahlkomitee.
Zu den Landtagswahlen.
Mit Rücksicht darauf, daß am 12. und 20. November die Wahlen zum preußischen Abgeordnetenhause stattfinden, «scheint eS dringend wünschenswett, daß diese Tage von nicht die Wahlen betreffenden Versammlungen und Be-
Jn dem Nebenzimmer hatte das Mädchen den Tisch schon gedeckt. Helmut rührte von den Speisen wenig an, nur ein Glas Wein stürzte er hinunter. Nach dem Essen ging « mit jein« Mutter ein Stündchen spazieren; dann machten sie noch einen Besuch beim Doktor Wendt. Frühzeitig begaben sie sich zur Ruhe, denn schon am anderen Morgen um vi« Uhr wollte Hellmut nach Eichfeld zurückkehren.
In dem Hause des Rittergutsbesitzers ahnte natürlich niemand, welches folgenreiche Geheimnis fich dem einfachen Hauslehr« enthüllt hatte, das auch für die Familie Horsten von einschneidend« Bedeutung w«den sollte. Ein grau«, undurchdringlicher Nebelschlei« schien über das Schloß Eichfeld zu liegen, d« seine Bewohn« das Wahre nicht «kennen ließ. D« Stachel bet Verleumdung war tief in die Herzen der beiden Damen eingedrungen; Herr Horsten war d« einzige, dessen Gemüt von dem Banne nicht v«- finstett wurde. Je läng« « über die ihnen von Schwabenstein gemachte Enthüllung nachdachte, um so klar« hob fich bei ihm Helmuts völlige Unschuld hervor, und mit Sehnsucht erwartete et dessen Rückkehr, den er liebgewonnen hatte wie einen Sohn.
Nach dem Kaffee ließ et fettf Pferd satteln und ritt nach dem „toten Fttde", wie ein Stück Land, mehrere Morgen groß, wegen sein« Un- fruchtbarkett genannt trmrde. Schon vor lang«« Zett hatte er hi« Bohrungen vornehmen kaffen, und es hatte fich herausgestellt,' daß hi« tief unten bet beste Ton lagerte. Herr Horste« war darüb« sehr erfreut gewesen, öffnete sich doch so eine neue Einnahmequelle für ihn, die ihm bet Verlust durch die Herabsetzung bet Pachtfumme für PhilippÄal vollständig «sehen würde. Am liebsten hätte et selbst die in dem benachbarte» Seddin belegene Ziegelei, die schon mehrere Lahre wegen AyshyMna M hpttiaen Tpn-
sprechungen, durch welche Kreise, die an den Wahlen interessiert find, in Anspruch genommen werden, frei gehalten werden. Insbesondere ist auS den Kreisen der Handel- und Gewerbetreibenden der Wunsch laut geworden, daß Reichs- wie Staatsbehörden eS unterlassen mögen, auf einen dieser Tage Sitzungen anzuberaumen, an denen die Kreise von Handel und Gewerbe wesentlich interessiert find, da alle Veranlassung vorliegt, gerade diesen Kreisen die Beteiligung an den Wahlen nicht zu «- schweren.
Mittelstand und Liberalismus.
Gründlich die Wahrheit sagt der „Pfälz. Kurier", indem die Torheit gewisser Mittelstands- angehöttger, zur Wahlzeit immer wieder liberal zu stimme«, mit folgenden Ausführungen einmal ins richtige Licht setzt:
„Das eben ist das Unglück, daß sich uns« Mittesstand immer wieder dazu mißbrauchen läßt, unt« der Fahne des angeblichen „Liberalismus" Wahlschlachten zu schlagen, bet denen « fast ausnahmslos nicht für seine eigene«, sonder« für die Interesse« anderer ficht. Kann fich wohl jemand eine Anzahl Börsianer oder andere Großjuden vorstellen, die mit Hurrah für das Wohl und Wehe des Metzger-, Bäck«-, Schneider-, Schuhmacher-, Schlosser- ob« Schreinerhandwerks kämpfen und wenn das auch noch so „liberal" wäre? Umgekehtt ab« gehen die Haufen bet vorgenannten Handwerk« wie die Wütenden für das Kapital und gegen den Bauer z. B. ins Zeug, es braucht ihnen nur ein geschickt« Macher vorzuschwindeln, der „Liberalis- mus" sei in Gefahr. Für die angebfich gefährdete „Freiheit" bekämpfe« sich die einzelnen Glie- der des Mittelstandes btö aufs Blut, und während sie sich gegenseitig prügeln, holen ihnen die andern, die Klugen, die milchenden Kühe auS dem Stall.
Der im allgemeinen als geisttg ziemlich schwerfällig verschttene Bau« kam erst dahinter, daß er eigentlich bei diesem „freien Spiel der Kräfte" seine eigene Haut für eben jene „andern Kluge«" zu Markte tragt. Darum verbündete er sich mit dem ganz vernünfttgen Vorbehalt: Wenn schon einmal geprügell sein muß, will ich das wenigstens in meinem Jnt«esse tun. Sofort setzten die Hüter und Tempelwächt« d« fiberalen Gottheit ein und schrien: Seht den Abtrünnigen, d« wider den Helligen Liberalismus und wid« uns, seine Propheten hadert. Auf zum Kreuzzug gegen ihn ihr gläubigen Bürger d« Stadt, eu« höchstes Gut, die dveimal fraktionell abgestempelte „Freiheit" ist in Gefahr!
Und das schi« unmögliche geschah! Diejenigen Stünde (Kleingwerbetreibends und Bauer), welche im sozialen und wirtschastüchcn Leben so sehr auf einander angewiesen find, daß d« eine krank, wenn der andere leidet, sie lassen sich um eines „Begriffes" willen, der völlig haltlos ist, weil ihn die eine Partei so v«steht, und die andere wieder anders, jede ihn aber so deutet, wie er ihr am besten paßt — fie lassen sich um deS
lag«s auß« Betrieb war, durch Kauf an sich gebracht; jedoch mußte et hiervon abstehen. Sie war in einem solchen Zustande, daß es erst bedeutende Kosten verursacht hätte, um sie wied« betriebsfähig zu machen, und zu einem Aufbau «tret neuen Ziegelei auf dem ihm gehörigen Grund und Boden mußte et erst recht verzichten.
„Schade," murmelte er, „daß ich diesen Schatz hi« nicht heben kann; doch wird sich hoffentssch ein Käuf« für die alte Ziegelei finden, wenn es bekannt wird, daß hi« d« schönste und beste Ton lagert."
Planlos ritt Horsten daun auf seinen Feldern umher, und müde und hungrig kehrte « nach Hause zurück. Kaum hatte et sich's in seinem Zimm« bequem gemacht, da ließ fich ein He« melden, bet ihn dringend zu sprechen wünschte.
„Ah!" rief Horsten aus, und eine Wolle deS Unmuts flog üb« sein Gesicht, „Sie find es. Kommen Sie auS eigenem Antrieb obet schickt Sie Ihr Ehef?"
„Aus eigenem Antrieb wäre ich nicht gekom- men, He« Horsten," erwiderte bet junge Mann, der bescheiden an bet Türe stehen geblieben war, „um Sie an die Bezahlung Ihr« Schuld zu mahnen, da ich recht gut weiß, wie Sie in diesem Jahre schw« zu kämpfen haben, was ich aufrichtig bedauere. Mein Ehef schickt mich und ich muß mich meines Auftrags enlledigen und Sie bitten, in vi« Wochen das Geld zu zahlen, widrigenfalls mein He« klagbar w«den wird. Eine neue Bestellung Ihrerseits soll bis zur Be- geiAunp der alten Schuld uub«ückftchtigt
Horsten seufzte „Wieviel nwcht es für
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„Eintausend Stahl, Herr Horsts -MM „Und für künstliche« Düng«?" '^--^7 ^zLünfta«send Stssät MsWWVM alsö sechs
Schlagwortes „liberal" willen gegen einander hetzen, und währen- sie blindwüttg gegenseitig losschlagen, sitzt der internationale Kapitalismus und der internattonale Handel am wohlgedeckten wirtschaftlichen Tisch des Volkes, lacht der dummen Teufel, die sich da unten prügeln und holt sich die besten und fettesten Brocken aus d« Schüssel. Der werttägige Bürger aber in der Stadt ist glücklich und unendlich stolz, wenn « als Glied« „geeinten liberalen Parteien" ir, gend einen „liberalen" Großstädter in den gesetzgebenden Körper als Vertret« entsenden, d« dort für ihn Gesetze machen, seine wirtschaftlichen und sozialen Jnt«essen wahren soll."
D« „Pfälz. Kurier" hat kein Blatt, vor den Mund genommen, aber vielleicht wirkt diese derbe Sprache auch um so besser.
Deutschland und die mazedonische Frage^
Die Versuche die deutsche Orientpolitik im Gegensatz zu der der übrigen Mächte erscheinen zu lassen, werden von einem Teil der ausländischen Presse, wobei sie auch von einigen deutschen Blättern „rechtschaffen" unterstützt wird, immer noch fortgesetzt. Demgegenüber betont die .6. R.K.", daß ein Gegensatz zwischen der deutschen und bet französischen Politik angesichts der letzten russisch - öste«eichischen Note nicht bestehe und fich auch künftig kaum entwickeln werbe. Die Ausstreuung, Deutschland mache eS jetzt wie in Kreta und werde b« Durchführung der mazebonischen Reformen fern bleiben, habe, an dem wirklichen Sachverhalt gemessen, keinen Sinn. „Denn nach den Absichten der Reformkabinette, auch im Mürz- sieg« Programm, sollen ja an der Jnswerk» setzung und lleberwachung der für die europäischen Wilajetts zu treffenden Neueinrichtungen außer Rußland und Oeste«eich * Ungarn dritte Mächte überhaupt nicht teilnehmen. Auf die unmittelbare Einmischung in das Reformwerk für Mazedonien verzichten demgemäß bis auf weiteres auch Frankreich, Italien und England. Für uns kommt überdies die Erfahrung hinzu, daß eine selbst entfernte Teilnahme Deutschlands an der Neuordnung der mazedonische» Berhältniffe noch ärger verdächtigt wird, als da? mhige Beiseitestehen unserer Politik. ES genügte, daß in russisch-österreichischen, nicht in deutschen Kreisen Konstantinopels der bald wieder verlassene Gedanke auftauchte, an die Spitze der mazedonischen Gendarmerie einen deutschen Offizier zu stellen, damit der Pariser .TempS" die deutsche Regierung geheimer Machenschaften bezichtigte. Solche Treibereien find allein schon hinreichend, um die Verwendung deutscher Kräfte im Gendarmeriedienst unrätlich erscheinen zu lassen, auch wenn sie de« beiden Kaisermächten an sich erwünscht wäre."
„3a, es wird so sttmmen," sagte Herr Horsten und seufzte wied«. „Ich weiß zwar noch nicht, woh« ich das Geld nehmen soll, doch wird H«r Walt« bis dahin von mir befriedigt werden." —<
Als der junge Mann sich entfernt hatte, schritt Horsten gedankenschwer im Zimmer auf und nied«. Nie war er zuvor gemahnt worden, eine Schuld zu begleichen, denn stets standen ihm Geldmittel zuv Verfügung, seine Verbindliche ketten sofort zu decken. Aber seitdem er die neuen Familienhäus« gebaut hatte, wußte er oft nicht, woh« er das Geld für notwendige Ausgaben nehmen sollte.
„Ja, ich sehe es jetzt auch ein," sagte er sich, „ich hätte noch damtt warten sollen. Doch es ist jetzt zu spät." — .
Plötzlich hielt er in ferner Wanderung inne. Er schien einen Entschluß gefaßt zu hab-n, denn rasch setzte er sich an feinen Schreibtisch, schrieb einige gleichlautende Briefe und adressierte sie an die Redakttonen mehrerer landwirtschasüich« Zeitungen, die er ständig las.
„Es geht nicht anders. Philippsial muß ich verkaufen. — So geht ein Stück nach dem andern verloren. Was würden die alten Eichfelder Grafen, die da unten in der Familiengruft ruhen, jagen, wenn sie jetzt aufstünden und ihr ehemaliges Besitztum sähen!" Er lachte bitter auf. „Ich kann es nicht ändern und von ihnen • kommt niemand wieder!"
IX.
Ein Tag nach dem anderen war vergangen, vhne daß eine Nachricht von Herrn vonSchwaben- stein eingetroffen wäre. Herr Horsten, der von Helmuts Unschuld fest überzeugt war, hatte nichts anderes erwartet. Vergeblich forschte « nach Gründen, die den Offizier zu solchen ungeheure« Anklagen bewogen haben mochten. immerhin wollte er noch einige Tage warten, ehe er Rechenschaft für sein Tun von ihm forderte. Zwischen