Sonntagsbeilage: JUnftrirtes Sonntagsblatt
M 290
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Marburg
Sonntag, 8. November 1903.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Dnick und Verlag- Joh. Aug. Koch, Universitäts-Buchdruckerei Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
38; Jahrg.
Erstes Blatt.
tlcber das deutsche Wirtschaftsleben.
schieibider „Berl. Akt.": ES Ist geradezu en'taun- lich. ein lote starker Umschwung der wirtschaft- liclnui Verhältnisse im Laufe dieses Jahres statt- gesunden hat. Während noch die Neujahrsbetrachtungen und die Berichte wirtschaftlicher Körperschaften mit wenigen Ausnahmen zu Anfang des Fabres 1903 einen anhaltenden wirtschaftlichen Druck meldeten, lauten jetzt alle Nachrichten über die industriellen Verhältnisse im ganzen recht befriedigend, und sie werden namentlich durch die Rechnungsabschlüsse der Eisenwerke bestätigt, die alle Erwartungen übertreffen. Wie mit einem Zauberschlage ist denn auch das ganze Geschrei verstummt, das inan vordem über Kartelle, Syndikate, über gemischte Walzwerke usw. erhoben hatte. Es wird eben fast allgemein wieder verdient, weil der Jnlandbedarf in ausreichender Stärke sich wieder eingestellt hat, soweit das Aus- kand nicht die Produktion an deutschen Waren aller Art anfnimmt. Unter den heutigen 23er- häl! nissen erscheint selbst die Gefahr eines erheblicheren Nachlassens der Ausfuhr an Eisen- und Stahlerzeugnissen nach Nordamerika geringer oder wird Wenigstenns nicht mehr so hoch veranschlagt. Im ganzen Eisenindustriezweig Nhein- lond-Westfalens sind es eigentlich nur noch die Maschinenfabriken, die mit unbefriedigendem Ergebnis arbeiten, übrigens auch unter ihnen nicht alle, da es manche gibt, die sich wenigstens eine genügende Arbeitsmenge, zum Teil durch ausländische Auflräg.-, gesichert haben, und sogar manche, die wieder bescheiden verdienen. Zu der erstaunlich schnellen Erholung unseres Wirt- fc£ro ft Sieben?- von dem starken wirtsckiaftl schon Niedergang der Fabre 1900 bis 1902 hat das Verbandswesen ganz zweifellos erheblich beige- trägen. namentlich ist es wieder wie auch Ichon früher das Kohlensyndikat, das als feste Stütze des ganzen industriellen Wirtschaftssysteins gilt. Seine Neubildung kann als gesichert betrachtet werden, soweit die bisherigen Syndikatszechen in Betracht kommen. Der Anschluß der Außenzechen ist zwar noch nicht gesichert, doch gibt man die Hoffnung nicht auf, daß er wird erreicht werden können, dank den darauf hinzielenden Bemühungen von einflußreicher Seite. Im Eisen- zweig geht die Neubildung der Syndikate alleni Anschein nach, wenngleich nicht ohne Schwierig- feifeu, vorwärts, und es steht daher zu hoffen, das; mit Ablauf dieses Jahres das Verbands- Wesen auf der ganzen Linie für eine Reihe von Jahren wieder gesichert sein wird.
92eben dem rheinisch.westfälischen Berg- und -Hüttenwesen ist es das weite Gebiet des Stoff- gewerbes, das sich, vereinzelt schon länger als die Eisenindustrie, einer befriedigenden Verfassung erfreut. Die Stürme, die daS Wall- und Banmwollgewerbe um die Wende des Jahrhun-
«Nachdruck verboten.)
Der letzte Liebesdienst.
Skizze von Ida Großmann.
(Schluß).
„Ich höre eben von Brander, daß Sie jodeln können, darnach sehen Sie zwar nicht aus, wird aber um so besser wirken. Wollen Sie uns heute abend vorjodeln? Je toller, je besser, und je glänzender die Bezahlung, Machen Sie Ihre Sache gut, lassen wir uns nicht lumpen — also wollen Sie?"
„Ich — ich" :
„Ja oder Nein!" *• '
„Ja, ich will!"
„Gut. Brander. Sie nehmen den Mann und geben mit ihm zu Presset, da lassen Sie ihm ein Tirolerkostüm geben — natürlich ein etwas Ordentliches. Es ist freilich dumm, daß ich mich nicht vorher von Ihrer Kunst überzeugen kann —"
„Tie können sich auf mich verlassen, Herr von Perglas —"
„Also gut, Brander, Du stehst mit Deinen Ohren für Deinen Schützling ein."
Jakob ist es wie im Traume. Er hat die Tirolerkleidung angepaßt, sie sitzt ihm tadellos. Brander bat ihm noch bei einem Friseur Haar und Bart zustutzen lassen, nun sieht er wieder aus wie in seinen früheren, guten Tagen, wo er stets etwas auf sein Aenßeres gehalten hatte.
Doch kann er noch jodeln? Wird ihm nicht -der Ton in der Kehle stecken bleiben, wenn er an all das Weh denkt, das ihm das .<gerz bedrückt?
Der große Saal im Hanse der Toseania ist festlich erleuchtet. An langen Tafeln sitzen die Herren, alte und junge in brüderlicher Vereinigung. Der . Landesvater" bat soeben feinen Abschluß gefunden, nun folgen kleine Vor- stellunaen fomifdi=6eiferen Inhalts mit Beziehun-
derts heimgefucht haben, sind ohne allzu nach- teilige Folgen vorübergegangen, und die Ertragsfähigkeit der einschlägigen Unternehmungen hat sich wieder erfreulich gehoben. Die chemische Industrie ist überhaupt von dem ganzen wenig oder gar nicht betroffen worden ,und dasselbe gilt von der Nahrungsmittelindustrie. Dagegen liegt die Zementanfertigung noch immer sehr darnieder, weil sie über den Bedarf weit hinaus sich entwickelt hat und nur durch Einschränkung der Produktion wieder zu befriebigenben Verhältnissen gelangen kann. Alles in allem genommen, ist die Krisis ober bie Depression, wie einige Volkswirte sie lieber nennen, überraschend schnell vor- übergegangen, und es hat sich die von unbefangenen Sachkennern von vornherein geäußerte Meinung bestätigt, daß die gute Verfassung des Wirtschaftslebens, insbesondere der Jndustrie- untemebmungen, Gewähr für eine baldige Erholung biete. Es haben auch wenige Zusamnien- brüche im Jnbuslrieaktrenwesen usw. ftattgefun, den, und die Folgen der bekannten Katastrophen in Leipzig und Kassel, sowie des Krachs einiger unsolider Hypothekenbanken hat bie Gesamtheit unseres Wirtschaftskörpers nicht so, stark betroffen, wie es eine Zeitlang den Anschein hatte. Als ein äußerer Umstand von günstigem Einfluß muß ber wirtschaftliche Aufschwung der Vereinigten Staaten von Amerika betrachtet werden, der un- ertoarte lang; angehalten bat. Nun er sich seinen, Ende zuzuneigen scheint, ist hoffentlich ba-5 deutsche Wirtsckiaffsleben wieder so in sich erstarkt, daß es den drohenden Ausfall im Absatz nach Amerika ertragen kann. Auch die Wendung in ber englischen Handelspolitik, die man mit dem Namen Chamberlain bezeichnet, wirb hoffentlich das deutsche Wirtschaftsleben nicht erschüttern. Selbst wenn englische Schuh- und Vorzugszölle für bie Kolonien eingeführt werben sollen, braucht sich Deutfchlanb nicht zu fürchten. England hat das deutsche Absatzgebiet mindestens ebenso nötig, wie Deutschland das englische. Es wird daher sich auf den Abschluß eines Handelsvertrages angewiesen sehen und höchstens Gegenseitigkeit verlangen, womit sich Deutschland allenthalben einverstanden erklären kann. Sonnt eröffnet das Winterhalbjahr für das deutsche Wirtschaftsleben im allgemeinen günstige Aussichten und bestätigt den Eindruck, daß der wirtschaftliche Niedergang, ber vor einigen Jahren eingetreten war, endgültig überwunden ist.
Umschau.
Statistik der LandtagLwahlen.
Bei den Landtagswahlen in den Jahren 1893 und 1898 haben in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Wahlakt statistische Erhebungen stattgefunden, deren Ergebnisse für eine nachfolgende statistische Bearbeitung ber Beteiligung an den Wahlen im allgemeinen und in den einzelnen Abteilungen im besonder', sowie für den Ausfall der Wahlen die Unterlage abgegeben haben. Solche Erhebungen sind auch für die im November dieses Jahres de
gen auf das Ernporplühen und Gedeihen der Gesellschaft.
Hinter den Kulissen sitzt Jakob, auf ein Zeichen hat er zu erscheinen. Trotz Branders Zureden hat er noch keinen Tropfen Bier getrunken, und doch ist ihm ber Kopf so schwer, bie Beine zittern ihm vor Aufregung. Herr von Perglas hat ihm 50 Mark, zahlbar nach seinem ersten Auftreten, versprochen, wenn er seine Sache gut mache. 50 Mark, was bebautet das für ihn! Er hätte jubeln mögen, und doch zitterte ihm das Herz vor Jammer, unb es steigt ihm heiß in die Äugen. Wozu braucht er das Geld? Nicht, um sein Weib gesund zu Pflegen — nein, um sie in bie Erde zu betten.
„Jakob, komm' heraus!"
Fest preßt der Gerufene bie Hand aufs Herz — in Gottes Namen, so sei es!
Die ersten Töne sind unsicher. Ach jodeln konnte et wohl ans voller Lebeiisluft, doch nicht ums Geld.
„Du erleichterst Deinem Weibe bie Sterbe- stunde, wenn Du ihr die letzte Bitte erftillst." Dieser Gedanke hilft.
Der Saal erbröbnt von dem Jauchzen und Frohlocken feiner Tone, bie sich glockenrein ber ge- giiälten Brust entringen.
„Bravo, bravo!" tönt es begeistert von den An- wesenben.
Herr von Perglas besteigt das Pobinm unb schüttelt Jakob befriedigt die Hände.
„Das haben Sie brav gemacht, Jakob. Nun stärken Sie sich orbentTid). damit Sie später noch einmal auftreien können. Hier," dabei greift er in seine Brusttasche, „ist bie versprochene Summe, ich hoffe, ich kann noch mehr für Sie bei meinen Freunden herausschlagen, Brander sagte mir, daß Sie unverschuldet ins Elend gekommen seien."
Jakob nimmt das Geld und verbeugt sich steij, dabei rollt ihm eine Trän« in den Bart.
vorstehenden Landtagswahlen angeordnet worden. Von den Wahlkommissaren wird dementsprechend über die Wahl eines jeden Abgeordneten eine Zählkarte auszufüllen fein. Außerdem ist für jeden Urwahlbezirk ein Zählbogen aufzustellen. Diese Materialien sind alsdann dem Königlichen Statistischen Bureau einzusenden.
Um etwa auftauchenden irrtümlichen Auffassungen vorzubeugen, sei hierzu ausdrücklich sestgestellt, daß die betreffenden Erhebungen einzig unb allein den Zweck haben, einen statistischen Ueberblick über die Wahlbeteiligung, die Gruppierung der Wählerabteilungen, den Wahlausgang und bie praktischen Wirkungen des bestehenden Wahlsystems zu gewinnen.
Die Kommission für die Reform des Strafprozesses
tritt am 10. November d. Js. im Reichs-Justizamt wieder zusammen. Sie setzt die Beratung über das Vorverfahren, welche in der letzten Tagung begonnen hat, fort. Insbesondere werden die Ausgestaltung der Borimterfuchung unb die Vorschriften über die Eröffnung des Hauptverfahrens Gegenstand der Erörterung bilden. Als neuer Gegenstand ist die Erörterung über die Einführung eines abgekürzten Verfahren? auf die Tagesordnung gesetzt. Die Reichstagskommission hat in dem Bericht, erstattet in der 'zweiten Session 1900 bis 1901, ein abgekürztes Verfahren vorgeschlagen, gegen Personen, die auf frischer Tat betroffen oder verfolgt unb vorläufig festgenommen worden sind, ferner vor den Schöffengerichten, wenn der Beschuldigte sich freiwillig stellt, und bei lieber« tretuugen. Weiter war damals vorgeschlagea, dem Amtsrichter das R.cht einzuräumen, den vorgefuhrten Beschuldigten ohne Zuziehung von Schössen abzuurteilen, wenn dieser geständig ist unb, falls es sich um Vergehen handelt, auf die Zuziehung von Schöffen verzichtet. Die diesmaligen Verhandlungen werden eine Woche in Anspruch nehmen.
Ausland.
Frankreich. Die „affaire" — die alte Drey- snsaffaire — scheint einem Wiederaufleben ent- gegenzugehen. Der Brüsseler „Soir", ein zu dieser Angelegenheit auch schon zu früheren Zeiten stets gut unterrichtetes Blatt, weiß von neuen Entdeckungen zu berichten. Der französische Kriegsminister, General Andrü, fo heißt es, hat im Laufe der persönlichen llnterfudjung, die er über den Dreyfushandel vorgenommen hat, eine neue bebeutfamc Fälschung in den Akten entdeckt. Es ist das Schriftstück, in dem der auf Dreysus gedeutete Anfangsbuchstabe D. vorkommt. Das Schriftstück war schon mehrere Monate vor der Verhaftung Dreysus' von Lemercier-Picard auf Befehl seiner Vorgesetzten an gefertigt worden.
„Ein sonderbarer Heiliger, Euer Tiroler," sagt mit näselnder Stimme Baron Holm, „erst jodelt er und hernach wird geheult —"
„Gewiß, gewiß, das ist ja eben das Interessante an diesem Manne, auf jeden Fall ist er ein ausgezeichneter Komiker — wo ibn Pergla? wohl aufgefunden hat?"
Zur weiteren Frage ist keine Seit, die Vorstellungen haben wieder begonnen, ein Witz schlägt den anderen.
Es ist spät, schon 2 Uhr. Jakob, der all die letzten Nächt vor Sorgen nicht geschlafen hatte, ist todmüde. Bis er nach Hause kommt, ist ?? schon lichter Tag —- wenn fick' Lene nur nicht ängstigt, sie war des Nachts noch nie allein gewesen — dürfte er doch zn ihr eilen, ihr das viele Gelb zeigen und ihr die letzte Sorge von der Stirn küssen.
„Jakob nun ist die Reibe ivieder an Dir!"
Noch kräftiger, noch jauchzender tönt es durch den Saal, es ist der Ausdruck eines dankbaren Herzens. Die Herren, die nun in animierter Stimmung sind, bemühen fick ihm nachzuahmen — er lockt sie, sie versuchen ihm zu antworten.
„Fünf Mark dem Jodler, wer gibt dazu?..
„Herr von Perglas hat es gerufen, von allen Seiten kommt Geld, ehe es sich Jakob versieht, hat er 80 Mark in der Hand. Ohne Aufforderung stellt er sich aufs Podium —- ein Jodler, dessen sich kein echter Tiroler zu schämen gehabt hätte, erfüllt die Luft, dann aber versagt ihm die Stimme, geifterbleidi wankt der Sänger aus dein Saal.
In Eile, mit zitternden Händen, tauscht er seine Kleidung um und läuft weg. In der frischen Morgenluft koinmt er wieder zu klaren Gedanken, und da bricht der Mann in ein Schluchzen aus, als müßte ihm das Herz brechen.
Die Sonne kommt schon hinter den Bergen heraus und erfüllt den Himmel mit ihrem Lichte.
Auch in der Stube, in der Lene liegt, hat sich der blasse Schein des Morgenrotes verbreitet.
Ter Kriegsminister hat seinen Kollegen von dieser neuen Entdeckung Kenntnis gegeben und Alfred Dreysus darüber verständigt. Die sranzösisckie Regierung wird die Jnitiattve zur Revision nicht ergreifen, um in Uebereinstiminung mit dem letzten auf den Dreyfushandel bezüglichen Willensausdruck der Kammer zu bleiben. Dafür wird Dreysus selbst sich mit der aufgedeckten „neuen Tatsache" an die Justizbehörde wenden. So erfüllt sich die Voraussage JolaS, schließt das Brüsseler Blatt seine Mitteilung, die nicht verfehle, Aussehen zu erregen. Ob diese Meldung Wahres enthält, wird die nächste Zukunft bald enthüllen. — Die französischen Kammern behandeln zur Zeit ein Ilnterrichtsgesetz, das eine ge- loiffe Spaltung in den Reihen der verschiedene» Gruppen, welche die „repnblikanifche Vereinigung" bilden, hervorgerufen hat. Daher stammt auch die Plötzliche Amtsniüdigkeit, welche man dem Ministerpräsidenten Combes nachsagt. Man hofft jedoch die Schwierigkeiten der Lage leicht heben zu können, um vor allem eine Minister- krisis zu verhüten, die gegenwärtig sehr unpassend wäre.
Ostasten. Die Wiederbesetzung von Mulden durch russische Truppen bat die Lage in Ostasien in dem Sinne völlig geklärt, daß an der endgil- tigen Einverleibung der Mandschurei kein Zweifel mehr bestehen kann. Wie bereits gemeldet, sind nicht weniger als 10 000 Mann russische Truppen in Mnkden eingerückt. China ist demgegenüber zur vollkommenen Ohnmacht verdanimt, es muß ruhig mit ansehen, wie ihm eine seiner wertvoll- ften Provinzen verloren geht. Nach einer Depesche der „Nowoje Wremia" ans Wladiwostok begann der übliche winterliche Abzug der chinesischen Arbeiter von der mandschurischen und der Ufsnribahn nach Tschifu. Es verlautet, vom nächsten Frühjahr ab werde die massenhafte Znwan- berung von Chinesen beschränkt werden, sodaß nur einen Kontrakt Besitzende für die Mand- sckmreibahn zugelaisen werden. Rußland richtet sich also auch kommerziell häuslich in der annektierten Mandschurei ein. Es sind bereits Maß- nahmen getroffen worden, um russischen Waren einen größeren nnd möglichst alleinigen Absatz zu sichern. — lieber die russisch-japanischen Verlautet nichts Neues, auch darüber nicht, welche Haltung die japanische Regierung gegenüber dem neuesten Schritte Rußland beobachten wird.
Marburg und Umgegend
Mardurq, 7. November.
- Mifsionsfcst. In der gestrigen Notiz beir. Missionsfest in der reformierten Kirche ist au-5 Versehen eine Zeile weggelassen. Es muß heißen: „In dein abends 5 Uhr stall findenden zweiten Gottesdienst berichten Herr Missionar R e h in aus Kassel, Vertreter der Baseler Mission für Hessen, und Herr Pfarrer Scheffer ans Hesferode über einzelne Gebiete der äußeren Mission."
* Auch tut Witttcr Schutz den Anlagen! Es ist eine bei den Besitzern von Hunden weit verbreitete Ansicht, daß sie ihre Tiere int Winter auf
Mail, mit kurzem, hastigem Atem liegt sie in den Kissen; ihre Augen sind nicht geschlossen, ft.* beleuchten mit ihrem dunklen Schein die blassen Wangen.
„Lene!"
Am Bette sinkt Jakob zusammen, seine Lippen fiichen die wächsernen Hände seines Weibes. in welche der Tod schon sein Merkmale gezeichnet.
„Endlich!" haucht die Kranke, ein Strahl des einstigen Glücks zieht flüchtig über ihr Gesicht und verklärt es.
„Und ich komme nicht mit leeren Händen, ich bringe Geld, viel Geld!"
Mit hastigen Worten' berichtet Jakob seinem riyeibe da? Erlebte.
„Unb ich werde in Zukunft mein Talent verwerten. ich werde herumreifen von Ort zu Ort und werde Dir viel Geld heimbringen. Du wirst wirst wieder gesund und —"
„Ich danke Dir. Jakob, für Deinen letzten Liebesdienst, ich weiß jetzt, das: Du mir eine schöne Ruhestätte bereiten wirst. Doch bleib' Deinem Gewerbe getreu, in Dir steckt kein Komöbicmlen- blnt. Nimm das Wenige, das- wir noch haben, verkaufe es und ziehe nach M„ wo Dick Dein Direktor gewiß gern aufnimmt. — Versprich mir das — — Jakob — — es ist meine--letzte
----Bitte — —'■
Gin kurzer Kampf lobt durch des Mannes Brust wie verlockend stand feit den letzten Stunben der neue Beruf vor seinen Augen — dann legt er seine Rechte in ihre kalte Hand unb sieht ihr fest in die brechenden Augen, indem er leise flüstert:
„Ich verspreche es Dir, Lene, Du bist mein guter Engel bis zu Deinem letzten Atemzug." ' Stille ist'S im Zimmer, die Sonne flutet durchs Fenster, die ersten Strahlen beleuchten ein Tode selig lächelndes Weib.