_ Rotatt d n a b t u tf.___
Derantwortttck lur die Redaktion: Dr. Doerkes-Bovvarb in Marbmg.
Geschäftliche MitteilUNgru.
Mode-Bericht Winter 1903/04. Die bekannte Scidcn-Fabrik Henncbcrft schreibt nns ab Zürich: Das schöne, förnige Louistne-Gewebe behält seine fiibrenbe Stellung auch für die kommende Saison bei: nur müssen die Damen sehr darauf achten; das; sich die in Frage kommende Qualität nicht „schiebt", was namentlich bei den billigeren Qualitäten beinahe immer der Fall ist: neben Lomsine ist immer noch Taffet in großer Gunst: beide Gewebe in glatt, fassonniert und Chinö für Blusen und auch ganze Roben. Neu ausgenommen ist ferner wieder der bekannte, geschnicidigc und sei, denreiche Satin nierveilleux in schwarz, weis; itnW farbig. Für Gesellschaft?'- und Ballroben sind an erster Stelle zu nennen: Cröpe de Chine. Seiden Voiles, Gazes, Moussclines. glatt, fassonniert und bedruckt, Moire antique, reiche Damaste in Peau de soio-Atlas- und Louisinc Fond; als Dessins, auch für bedruckte Foulards, werden Punkte allen nur denkbaren Stellungen und Geästen (bis zur Größe eines 5 Markstückes! > einen Herborragenden Platz einnebmen! Für Brauttoiletten wählt man mit Vorliebe Louisine, außerDamasten. — Moderne Farben sind: taupe (maulwurffarbig) Castor (braun) und grün in allen Schattierungen, beige, hellmavine, silbergrau und elcctrie. —
Kan» man den Geschmack des Kaffees ver- bcssern? Diese Frage wird von allen denen mit „9tciii" beantwortet, welche nur die schlechten Kaffee-Znsatzmittel kennen, nut denen der Markt zum Nachteile de'- Familien überschwemmt wird. Diese fraglichen Zusatzmittel, die unter den hoch- klingendsten Namen im Handel sind, bewirken gerade das Gegenteil von dem, wozu sie bestimmt scheinen: — Sie verschlechtern den Gcsckmack des Kaffees. Und doch ist cs inöglicb. den Geschmack, selbst von billigem Kasse zu verbessern, ihn gleichsam abznrundcn, durch eine gehaltvolle Zutat an- genehni zu ergänzen, und zu vervollkommnen, wenn man das richtige Zuiatzmittel wählt, d. h. ein solches, das von absolut reiner und guter Qualität ist und sich int Ge^ckunack dein eigenartigen Kaffe-Aroma harmonisch anpaßt, indem es dieses hebt und ihm gleichsam ein kräftiges, Relief gibt. Diese wertvollen Eigenschaften be-> sitzt Linde's Kaffee-Eisenz, die seit Jahren sich immer größerer Beliebheit --freut. Der sich also davon überzeugen will, das; es tatsächlich möglich ist, den Geschmack des Kaffees zu verbessern, der mache einen Versuch mit Linde's Kaffee Essenz.
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mit »em KreiÄlatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Lonntagsbeilagei JAvftMtes Sonntagshlatt.
M 290
Vierteljährlicher Bezugspreise bet der Expedition 2 MH, bet allen Postämtern 2,25 Mk. <tjcU Bestellgeld).
Jnsertionsgebühr: die gcipaltencZeile oder deren Raum 10 Pfg.
Rcclamen: die Zeile 25 Psg.
Marburg
Sonntag, 8. November 1903.
- Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck md Verlag' Jo h. Aug. Koch, UnivcrfitätS-Duchdruckerei
Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
38. Jahrg.
Drittes Blatt.
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jdie heutige Nummer umfaßt zehn Seiten.
Vermischtes
Ei» indischer Heiliger. Aus London wird berichtet: In einem Temperenzhotel in Oxford wellt füt Sonnabend ein Mann, der 30 Sekunden lang feinen Herzschlag hemmen kann. Während dieser Zeit ist fein Leben unterbrochen, und sein Geist soll „im Raume wandern und die Zukunft sehen". Gr war vor drei Fahren schon einmal in Oxford Und bewies Professor Max Müller und Professor flarpenter seine Kräfte: während seines Aufenthalts in Cambridge setzte er F. W. Myers und andere Mediziner in Erstaunen, die, nachdem die Stethoskope und ähnliche Instrumente angewandt hatten, sich überzeugt erklärten. Vor einigen Wochen wiederholte er, lote berichtet wird, in New°I)ork die Vorstellung vor Dr. Ahres. Dabei sprach er von dem Tode eines bedeutenden Amerikaners, drei Tage ehe die Nachricht New- Vork erreichte. Es kommt jedoch nur sehr selten por, daß diese und andere gleich erstaunliche „Wunder" vor den überraschten Gelehrten vollbracht werden. „Ich bin Lehrer, nickt Wundertäler," erklärte der „Heilige". Diese Dinge sind nur ein Kinderspiel. Meine Mission im Leben ist eine geistige." Der Mann heißt Aqamya Guru Paramabamsa und iit das Oberhaupt der hindosianischen Mahatma», voit denen Besucher Indiens viele Wunder erzählen. In seinem „Leben" erzählte Max Müller von ihm als von einem ausgezeichneten Sanskritisten, als Mann von beachtenswerten Verstandesgaben und als „den einzigen, wirklichen Heiligen, der in eng- lisck sprechende Lande gekommen ist." Jahre des Fastens und der Kasteiung bereiteten ibn für feine Mission vor, die darin besteht, Indien der Länge und Breite nach zu durchreisen, die Philosophie des Altruismus und der Selbstverleugnung zu lehren und für Millionen der Bevölkerung geistiger Vater und Philosoph zu sein. Sein jetziger Besuch in England ist der zweite, den er dem Lande abstattet: er ist auf der Rückreise in seine Heimat. Er kümmert sich nicht um Geld oder um die Vergnügungen des materiellen Da- fciitv. „Meine Schüler unterstützen mich. Wenn ich nach Indien telegraphierte, würden sie mir Tausende von Rupien senden. Ich brauche das aber nicht. Was ist Geld? E? kann kein Glück bringen. Es kamt einem beim Letzten nicht helfen." In Indien wirb der Heilige von Mil- lion.cn vergöttert. „Wenn ich an einen Ort zum Lehren komme, bringen meine Anhänger, mir Nahrung; sic waschen mir die Füße und trinken dann das Wasser. Ich predige hier nicht und halte keinen Vortrag. Hier werden die Leute für Vorträge bezahlt. Ich könnte nicht darein willigen, mein Wissen gegen Geld einzutauschen. Warum sollte ich überdies onf die Straße gehen und Räubern und Narren die Wahrheit sagen? Würden sie hören? Warum sollte ich dem englischen Volke, dessen Geist auf den Handel gerichtet, ist, predigen? Würden sie hören? Ich Ich bin vielen Menschen begegnet, aber wenig weisen. So reise ich nun umher, um die wenigen weisen Menschen zu finden; die übrigen kenne ich nicht, die nur durch die seltsamen Dinge, die ich vollbringen kann, überzeugt werden wollen. Sie sind nur für Kinder, nicht 'für jene, die höhere Wahrheit suchen. Ich komme nickt hierher, um Wunder zu tun." Sein bartloses Gesicht ist klug und gütig. Im Freien bedeckt er sein kurz geschorenes Haar mit einem großen grünen Turban. Unter dem fließenden gelben hindostaniscken Gewand zeichnen sich die Umrisse des großen atle- tischen Körpers ab. Dabei ißt er'nur einmal täglich vegetarisch. „Ich bin 65 Jahre alt," erzählte er. „Jahrelang habe ich die Rechte. Medizin und alle Philosophien des Orients studiert. Jetzt bin ich Lebrer der vedischen Litteratur, die die Erreichung des Höchsten bedeutet." Zwei Jahre lebte er in einer dunklen Höhle, und nur wenige getreue Anhänger pflegten ihn. Dann blieb er fünf Jahre lang im Herzen eines Dschungel? im Himalaya. „Ich komme aus dem ärmsten Lande der Welt; man erzählt mir von dem Wohlstand anderer Länder, ich bin deshalb gekommen, um zu sehen, was sie von der Wahrheit wissen. Ich habe ebeit Amerika verlassen. Was habe ich dort gesehen? Die Leute streben danach, reich zu werden, jagen eifrig nach Geld und kümmern sich sonst um nichts. In jeder Straße gibt es Diebe. Die Zeitungen sind nur voll von Morden und Verbrecken. Sie kümmern sich nur um stck selbst. Ich bin well gereist und kann darüber urteilen. Nun kann ick in mein Vaterland zu- rückkehren. Der Weg der Kasteiung ist der Weg der Erkenntnis.
Dir lieben Abonnenten. In der „Kölnischen , Zeitung" war dieser Tage zu lesen: „Nach alter Gewohnheit erwirbt der Staatsbürger, der eine
Zeitung fest bezieht, mit Erlegung des Bezugspreises nicht nur den Anspruch auf regelmäßige Zustellung seines Leibblattes, sondern auch das heilige, unveräußerliche und durch die Verfassung gewährleistete Recht der freien Meinungsäußerung, d. h. in diesem Falle das Recht, nach Kräften auf seine Zeitung zu schelten. Die Verfassung gibt ihm zwar auch das Reckt, über alle anderen Zeitungen seine Meinung frei zu äußern, aber er macht davon schon aus dem Grunde nur selten Gebrauch, weil er die anderen Zeitungen nicht kennt und weil seine freie Zell schon genügend durch das Schelten auf sein eigenes Leibblatt aus- gefüllt wird. Der Anlässe zu diesem täglichen Aerger sind allerdings gar zu viele. Bald geht der Leitarttkel nicht scharf genug mit der Regierung ins Gericht, bald fehlt er darin, daß er selbst die Sozialdemokraten als menschliche Wesen und Staatsbürger behandelt, bald verletzt er die zartesten religiösen Empfindungen des Lesers durch ketzerische Aeußerungen moderner Weltanschauung; ist das Feuilleton hübsch sittsam, so daß man es beruhigt jeder höheren Tochter in die Hand geben kann, so schelten es viele saftlos und langweilig; nimmt es aber einmal einen kühneren Anlauf erotischer Art, so sind oft dieselben, jedenfalls aber die anderen Leser sofort bereit mit dem Vorwurf der Sittenverderbnis; im lokalen Teil nimmt der eine Leser Anstoß daran, daß der Gesangverein Lorelev, dem fein Nachbar angebört, immer erwähnt wird, während das Stiftungsfest des Kegelklubs, dessen Präsident er selbst ist, mit Stillschweigen übergangen ist: ein anderer Leser ärgert sich darüber, daß die Zeitttng immer nur Unglücksfälle und Verbrechen berichtet, gerade als ob es nur Elend und Schlechtigkeit in der Welt egbe; wieder ein anderer erklärt die Zeitung für langweilig, wenn nicht jeden Tag die Ermordung eines Königsvaares oder das Hinscheiden eines Papstes berichtet wird, als ob der Journalist die Weltereignisse nach seinem Belieben und zur Ergötzung des Leserkreises besttmmen könnte; wieder einer schimpft auf die Zeitung, wenn der Parlamentsbericht ledern ist, während es doch die Abgeordneten sind, die die ledernen Reden halten; sehr viele schelten gewohnheitsmäßig darüber, daß die Zeitung nicht täglich genau zu derselben Minute ins Halls kommt, und neuerdings soll es sogar Leser der „Kölnischen Zeitung" geben, die es ihr nicht verzeihen können, daß sie täglich viermal erscheint, weil sie keine Zeit mehr haben, „all' das Zeugs' zu lesen."
Ein katholisches Urteil über die evangelischen Missionare. Es ist eine alte Klage, daß die Ausbreitung des Christentums durch den schroffen Gegensatz zwischen Protestanten und Katholiken vielfach gebindert wird. Ein 'katholischer Priester, der Abbe Pisani spricht sich in seiner jüngst ver- öftenllichten Schrift „Die protestanttsche Missionen am Ende des 19. Jahrhunderts" folgendermaßen darüber aus: Die Missionen der Protestanten, welche so wenig bekannt sind, verdienen Interesse, und als Priester halte ich mich aus Gerechtigkeitsgefühl verbunden, dem katholischen Publikum ein gedrängtes Bild zu geben von dem, was unsere von uns getrennten Brüder leisten. Für die aufrichtigen Menschen, die sich nicht mit leeren Worten zufrieden geben, gibt es von der protestanttschen Propaganda viel zu lernen, nämlich eine bedeutende Tatsache, die in gewisser Weise beunruhigt, die aber zu nützlichen Betrachtungen führen und uns vorteilhafte Lehren geben kann. Es gibt Tausende von Männern und Frauen, die sich außerhalb des Katholizismus der Verbreitung der christlichen Lehre widmen. Es hieße, unbestreitbare Tatsache leugnen, _ wollte man den Eifer, den Opfermut, den apostolischen Geist nicht anerkennen der die Mitglieder der protestanttschen Missionsgesellschaften beseelt. Wenn wir als Katholiken bedauern müssen, daß diese Vorzüge im Dienste einer Sache verschwendet (!) werden, welche wir nicht gut heißen können, so dürfen wir unsere Gegner doch nicht anders bekämpfen als mit gerechten Waffen. _ Außer einigen Sekten, welche mehr Kampfeslust als die Gabe des Maßhaltens besitzen, zeigen die protestantischen Missionare in ihrem Verhalten zu unseren Missionaren ein Benehmen, welches, äußerlich wenigstens, höflich und sogar zart ist, und indem sie treulich an; guten Werke arbeiten, fühlen sie, wie wichtig es ist, daß sie als Boten des Friedens nicht das böse Beispiel von Zwietracht geben dürfen. Während der chinesischen Massakre hat man manchmal katholische und protestanttsche Missionare vereint gesehen, um ihr Leben zu retten. Sollten sie nicht immer Sanftmut und gegenseitige Nachsicht üben, um das zu erlangen, was sic höher als ihr Leben schätzen sollen: das Heil der Heiden, dem sie sich geweiht haben? Man verlange nicht von ihnen, daß sie sich über Grundsätze einigen — dazu haben sie fein Recht —, aber ihre Pflicht ist es, diese christliche Liebe zu üben, die sie alle beseelen soll. Wenn man sieht, wer dieses höhere Gebot verkennt, so wird man wissen, auf welcher Seite der wahre christliche Geist sich findet.
I Mikroben im Schnurrbart. Der Persönlichkeit des modernen Arztes wird gegenwärtig in den englischen medizinischen Zeitschriften sehr viel
Aufmerksamkeit zugewandt. Seine Manieren, seine Kleider, seine Charakteristik, selbst fein Aeußeres werden kritisiert. In dem „British Medical Journal" wird neuerdings angeregt, daß „jeder Operateur die Pflicht hat, glatt rasiert zu sein," und es wird die Frage aufgeworfen, ob es möglich ist, einen Bart oder Schnurrbart aseptisch zu halfen. Einige Mediziner behaupten dagegen, daß ein Schnurrbart Bakterien davon zurückhält, in die Nasenlöcher und Lungen zu dringen. „Ein Schnurrbart stellt eine Mikrobenfalle vor," erklärte ein Arzt. „Er filtriert die Luft, wenn sie in die Nasenlöcher eintritt. Ein Schnurrbart ist nicht nur eine männliche Zierde, sondern auch eine sehr hygienische Fürsorge der Natur." Der Laie wird sich allerdings erstaunt fragen, warum dann die fürsorgliche Natur die Frauen so sttefmütterlich behandelt hat . "* Rohheit. Der 20jährige Sohn eines Einwohners in Heiligenstadt wurde gestern abend von einem auswärtigen Schlaffer in den Leib gestochen und lebensgefährlich verletzt. Der Täter ist verhaftet.
Eine zoologische Merkwürdigkeit hat da» „Staffelsteiner Tagebl." entdeckt. Es schreibt: „Gegenwärtig passieren die Bahnstation Oberkotzau große Transporte lebender Rebhühner, die aus Böhmen und Mähren kommen und als Zuchtstiere zum AuSsetzen in verschiedenen Jagdbezirken Badens und der Rheinpfalz bestimmt find. (Selbstredend soll eS „Zuchttiere" heißen).
DaS Aufgebot des „Naturmenschen" Gustav Nagel ist jetzt in Arendsee in Altmark erfolgt. Nagels Vater ist ein früherer Gastwirt und jetziger Privatmann, die Braut die Tochter des in Wien gestorbenen Schuhmachers Sebastian Konhäuser.
„Schön heraus" sind die Bewohner des kleinen zu Oesterreich gehörenden Fürstentums Liechten- fteht. Sie zahlen an Gemeindesteuern zwischen 3 und 8 Prozent, an Landessteuern gar nur ein Prozent des Steuerkapitals.
Hochschulnachrichten.
* Der Privatdozent für alttestamentliche Bibelwissenschaft an der Universität Würzburg, Prediger und Religionslehrer an der Realschule in Kitzingen Dr. theol. Happel ist zum außerordent- lichen Professor am Lyzeum in Passau ernannt worden. — Der wissenschaftliche Hilfsarbeiter an der Handelskammer in Posen Dr. Phil. Grambow ist zum Dozenten für Volkswirtschaftslehre an der Akademie dort ernannt worden. — Der erste Assistent am hygienischen Jnstttut Dr. med. Karl Kießkalt hat sich in Gießen als Privatdozent für Hygiene habilitiert. — Der außerordentliche Professor für neuere Geschichte an der Universität Berlin Dr. Phil. Richard Schmitt hat einen Lehrauftrag für Geschichte an der Akademie in Posen erhalten. — Der Mitarbeiter an den Monumenta Germaniae historiea Dr. Phil. Wilhelm Lewison hat sich in der philosophischen Fakultät der Universität Bonn als Privatdozent für Geschichte habilitiert. — Die rechts- und staatswissenschaftliche Fakultät der Universität Dttinster gibt ihre PromotionSordnung bekannt. Die Fakultät erteilt die Würden eines Doktors der Rechte (doctor iuris utriusque) und die eines Doktors der Staatswissenschasten (doctor re rum politicarum); die beiden Grade werden nicht zusammen verliehen, sondern jeder für sich. Die Zulassung zur Promotton setzt den Nachweis der Reife von einer deutjcken neunstufigen höheren Lehranstalt, sowie den eines dreijäbrigen Studiums an einer deutschen Universität voraus. Die Verleihung der Würde erfolgt auf Grund der Vorlegung einer Dissertation und einer mündlichen Prüfung. Die Prüfung für den rechtswissenschaftlichen Doktor erstreckt sich auf alle Zweige der Rechtswissenschaft, die Prüfung für den staatswifsenschastlichen Doktor umfaßt Volkswirtsckaftslehre, Finanzwissenschaft und Statistik als Hauptfächer und außerdem Staatsrecht, sowie die Grundzüge des Verwaltungsrechts und eine von dem Kandidaten zu wählende weitere Rechtsdiszipttn als Nebenfächer. Die Pro- motionsgebühr beträgt 360 Mark. Eine öffentliche Promotion ist in der Ordnung nicht vorgesehen.
Ne«este TeLegeammF
Wie«, 5. Nov. Alle Blätter geben in ihrer Besprechung des Programms des Grafen Tisza ihren vielfachen Bedenken Ausdruck. Der „Pester Llohd" bemängelt ganz besonders die Ausführungen über die Aufrechthaltung deS konfessionellen Eharakters der Schulen und die Verzögerung der Erhöhung der Beamtengehälter. Im übrigen gibt das Blatt der Ansicht Ausdruck, das derzeitige Abgeordnetenhaus fei für die Auflösung reif. Man könne mit diesem nichts Ersprießliches arbeiten. Die oppositionelle
Preffe hält das Programm für gänzlich ungenügend und fordert den Rücktritt T'SzaS. Im Abgeordnetenhause setzen die Klerikalen d.'k Obstruktion fort. Allgemein ist die Hebet* zeugung, daß Tisza dem turbulenten Treiber der Obstruktion nicht lange zusehen werde.
London, 6. Nov. Wie der „Standard" meldet, empfing Lord Lansdowne gestern im Auswärtigen Amt eine Deputation von Kaufleuten auS London, Liverpool und Manchester, welche eine Denkschrift überreichten. In derselben legten fie die HandelSintereffen Englands in Marokko dar und dringen darauf, daß die Regierung Maßregeln ergreife, um die englischen Jntereffen gegen Uebergriffe irgend welcher fremden Macht zu sichern. Landsdowne erwiderte in längerer Ausführung. Der Wortlaut derselben wird binnen kurzem bekanntgegeben werden.
Vom Büchermarkt.
’** „Medizinischer Vortrag int Gefängnis", so lautet der Titel eines interefianten illustrierten Aufsatzes von Dr. Oskar Damm, den wir in dem
-neuesten (4.) Hefte der illustrierten Zeitschrist „Für alle Welt" (Preis des Vierzehntagsheftes 40 Pfg. Deutsches Verlagshaus Bong u. Co., Berlin W. 57) lesen, und der, eingehend und erschöpfender Weise den Zusammenhang zwischen Alkoholismus und Verbrechen konstatierend, den Laien über die moderne, wissenschaftliche Fürsorge für die Gefangenen unterrichtet. Auch sonst sind in dem Heft sehr interessante und unterhaltende Artikel enthalten.
* *S e r n t Spanisch nach der Methode Toussaint-Langenscheidt. Brieflicher Sprach- und Sprechunterricht. Brief 36 ist soeben erschienen.
* * „Deutsche Krankenkassen-Zei- tun g", Wochenblatt. Erscheinungsort Berlin.
** „Ser Weidmann". Erste illustrierte deutsche Jagdzeitung für Jäger und Iagdtreunde. 35. Jahrgang. Erscheint jeden Freitag. Abonnement 2 Mk. für ein Vierteljahr durch jede Post- anstalt. Probenummern versendet Albert Liin- bach, G. m. b. H., Braunschweig, auf Verlangen unentgeltlich.