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mit dem Krcisblatt für Mc Kreise Marburg und Kirchhai«.

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M 288

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Marburg

Freitag. 6. November 1903.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Berlag' Joh. Auz. Noch, UnivcrsitäiS-Buchdriickerei Marburg, Markt 21. Telephon 55.

38. Jahrg.

Die neue Mittelstandsüewegung.

Nachdem in der Provinz Posen eine Ver­sammlung von Handwerkern, Kaufleuten und,an­deren Gewerbetreibenden die Gründung einer Mittelstondpartei beschlossen und ins Werk gesetzt hat, ist man dieser Anregung auch in anderen Teilen des Reiches gefolgt, so in Hannover und Braunschweig, wo letzthin ebenfalls die ersten An­fänge einer neuen Mittelstandsbewegunig inS Leben getreten sind. lieber die Ziele und die Bedeutung dieser Bewegung innerhalb beä Volks« und Parteilebens äußert sich dieDeutsche Tages- in ausführlicher Weise. Sie betont vor cJ! cm, daß man sich innerhalb der geplanten neuet. Organisation vor allem darüber klar werden müsse, wer eigentlich dazu gehören solle, was (inher f eftgelegt wird: Die drei Hauptgruppen des städtischen Mittelstandes sind Kleingewerbe, Hand- werk und Kleinhandel. Diese Gruppen werden den Gr-> idstock der Mittelstandsparteien bflden müs­sen. Zwischen ihnen bestehen, wenn man die Dinge richtig auffaßt und beurteilt, keinerlei In­teressengegensätze oder auch nut Interessent;er- schiedenheften. Die besonderen Wünsche des Kleinhandels liegen ebenso im Interesse deS Handwerks, wie umgekehrt. Nur Kirchtnrms- politik und Kurzsichtigkeit könnte hier einen Zwie­spalt veranlassen. Ob c3 möglich sein werde, das Beamtentum, das in seinem Kerne auch zmn Mittelstände gehört, den neuen Organisationen zuzuführen, erscheint leider zweifelhaft. Durch die Gründung von Konsumvereinen und ährflichen Wirtschaftsvereinen, die gerade das Handwerk und den Kleinhandel empfindlich schädigen, hat der Beamtenstand seine Zugehörigkeit zum getoerb« lichen Mittelstände gewissermaßen verleugnet. Hoffentlich gelingt es der Aufklärungsarbeit, an der auch wir tms beteiligt haben und beteiligen werden, die Beamten nach und nach davon zu überzeugen^ daß es durchaus nicht in ihrem Interesse liegt, wenn sie sich in einen gewissen Gegensatz gegen die anderen Gruppen des Mittel­standes stellst. Weiterhin wird der Not erteilt, sich zunächst auf große, allgemeine Forderungen zu beschränken und sich nicht in Einzelnhetten zu verlieren.

In den Hauptfragen, so beispielsweise' im Kampfe gegen den unlauteren Wettbewerb, gegen die Warenhäuser, gegen den unnützen Hausier­handel, gegen die Konsumvereine, gegen die AnS- ivüdjfe des Großkapitalismus könnten und wür­den alle Gerippen des Mittelstandes vollständig einig sein, während in einigen untergeordneten Sonderfragen vielleicht die Interessen des Klein« .Handels und des Handwerks nicht ganj einander parallel zu gehen schienen.

Diese kleineren Fragen sind jedoch nickst von erheblicher Bedeutirng. Die Hauptsache ist, daß über die Hauptfragen und ihre Lösung Klarheit herrscht.

Eine der wichligsten Fragen in dieser Hinsicht ist, wie mit Recht hervorgehoben wird, die Stellungnahme der neuen Mittelstandspartei zu den alten Parteien. Hierüber wird geschrieben:

Wir möchten dringend davor warnen, eine neue parlamentarische Partei oder Fraktion zu bilden. Auf diesem Wege wurde positiv wenig er-

15 ^Nachdruck verboten-)

- Im Schlosse der Ahnen.

Original-Roman von Otto König.Liebthal.

tFortsetzung-t

Geben Sie mir das, was Sie mir später doch geben werden, Fräulein Frida, geben Sie mir Ihre Liebe, ohne die ich nicht zu leben vermag, «schon heute, jetzt"

- Er zog fie art sich, um ihre Lippen zu küssen; doch stieß sie ihir zurück, so daß er betroffen zu ihr aufsah.

Gehen Sie", bat sie flehentlich, ihr Gesicht mit beiden Händen bedeckend.Verlangen Sie beute keine Entscheidung Von mir, nichts was ich Ihnen noch nicht geben darf und kann. Gehen Sie!"

Aus den Augen des Offiziers funkelte ihr ein, Dämon entgegen und mit flüchtigem Händedruck, ohne darauf zu achten, daß er nicht erwidert wurde, ging er an Fräulein von Kullig vorüber und verließ den Salon.

Er traf Frau Horsten. Sie wußte, woher er kam, denn sie hatte die ganze Unterredung im Nebenzimmer mit angehört.

9hm?" ' '

Ich habe mein Ziel nur halb erreicht," senkte er.Sie erbat sich eine Bedenkzeit aus."

Verzweifeln Sie nicht, lieber Herr von Schwabenstein," tröstete sie ihn.Ihre Werbung kam ihr gewiß zu überraschend. Kommen Sie -nur nach dem Manöver wieder, und bann werden Sie Ibr Ziel ganz erreichen."

Ich hoffe es zuversichtlich, gnädige Frau," entgegnete der Offizier, obwohl er wußte, baß e? für ihn hier nichts mehr zu hoffen gab. '.Doch um! gutatfen "Sie mir, daß ich mich von Ihnen

reicht werden, andererseits würden die Sympa­thien der alten Parteien für die Mittelstandsbe­wegung einige Beeinträchtigung erfahren. Es ist viel zweckmäßiger und wertvoller, wenn man sich bemüht, möglichst starken Einfluß auf die alten Parteien zu gewinnen. Wenn bie neue Mittel- stanfdspartei allerdings etwas erreichen will, dann muß sie ihre Forderungen bet den politischen Parteien mit kraftvoller Entschiedenheft ver­treten. Läßt sie sich absprisen, wie die Herren in Hannover von den nationalliberalen Kandidaten, so darf sie sich nicht wundern, daß über sie zur Tagesordnung übergegangen wird. Was die bis­herigen politischen Parteien anlangt, so muß die Mittelstanbspartei von vornherein damit rechnen, daß sie auf der Linken fein Verständnis und keine Unterstützung finden wird. Die nationalliberale Partei ist zwar in ihren Worten sehr mittelstands­freundlich, in den Taten aber hat sie fast immer versagt. Einzelne Abgeordnete mögen ja über­zeugte und wohlwollende Freunde des Mittelstan- des sein; aber sie kommen in der Partei nicht ge­nügend zur Geltung. So bleiben bloß das Zen­trum, die konservativen und die antisemitische» Parteien übrig. Man darf dem Zentrum die An­erkennung nicht versagen, daß es in den Fragen, die den städtischen Mittelstand am nächsten berüh­ren, viel Initiative und viel Verständnisi be­wiesen hat. Dasselbe gilt von den konservativen und avlisemittschen Parteien. Die letzteren sind ja in der Hauptsache aus dem städttschen Mittel­stände, herausgewachsen. Die konservativen Parteien, deren Hauptzweck die Staatserhaltung im eminenten Sinne ist, wollen und müssen Mfttelstandspolitik treiben, weil Staatserhattung ohne Mittelstandserhaltung ganz unmöglich ist. Wenn die genannten Parteien bisher noch nicht so tatkräftig und zähe gewesen sind, wie es die Miüelstandsvertrcter gewünscht hätten, so wird es eben die Aufgabe der neuen Mittelstandspartei sein, sie zu der gebotenen Zähigkeit und der er- forberlirben Tatkraft anzuregen. Das wird das parteipolitische Ziel sein müssen.

Umschau,

Ueber die Zwei-Kais er -Zusammen­kunft in Wiesbaden.

Kaiser Nikolaus von Rußland, der Großherzog von Hessen und Prinz Heinrich von Preußen trafen Mittwoch Nachmittag V85 in Wiesbaden ein. Zum Empfang am Bahnhof war Se. Maj. Kaiser Wilhelm erschienen, der russische Dra­goner-Uniform trug mit dem blauen Bande des Andreasorden. Der Reichskanzler trug die Uni­form des Husarenregiments in Bonn.

Kaiser Wilhelm trat beim Einlaufen des russischen Zuges dicht an diesen heran. Der Kaiser und der Zar begrüßten sich durch Um­armung und drei Küsse. Die Musik intonierte zweimal die russische HymneGott sei dem Zaren Schutz", Der Zar, in der Uniform seines preu­ßischen Alexander-Garderegiments mit dem Band des Schwarzen Adlerordens schritt neben dem Kaiser die Front der Ehrenkompagnie der 80 et ab, die sodann einen einmaligen Parademarsch machte- Die zwei Kaiser besttegen alsdann den mit vier Rappen bespannten Wagen; im zweiten l~~.............." '

gleich verabschiede. Ihr Herr Gemahl ist wohl in seinem Zimmer?"

"Jawohl. Und nun leben Sie wohl."

Sie hatte ihm die Hand gereicht, die Schwa- oenstein. sich verbeugend, ehrerbietig küßte. -<

Bald darauf rollte ein Wagen, in. welchem Herr von Schwabenstein saß, nach dertt Bahnhof.--

Während Helmut am heutigen Vormittag seine Stunden gab, saß Herr Horsten nachdenk­lich in, seinem Zimmer vor dem Schreibtisch. Er hatte in der Nacht ivenig Schlaf finden können, infolgedessen zeigten seine Gesichtszüge einen müden Ausdruck. Aber dennoch beschäftigte sich sein reger Geist. Er dachte an Herrn Kraft, den er schon längst lieb gewonnen batte. Sein ge- rader. männlicher Sinn gefiel ibm, seinen Mut bewunderte er. Da kam nun Herr von Schwaben- stem mit seiner Mitteilung, die den guten Ein­druck, den Horsten von Helmut hatte, vollständige zu vernichten schien. Nachdenkend blies er den Rauch feiner Zigarre weit von sich: bald erhob er sich unb wanderte im Zimmer auf und nieder. Sollte er ihn entlafsne? Nein, keines von beidem schien ihm reck)t znsein. Er konnte und durste nickst verdammen, ohne auch ihn, den schwer Vs- schuldigten gehört zu haben.

Ich kann es nicht glauben," murmelte er, in feiner Wanderung innebaltend;ich muß Klar­heit haben, und zwar sogleich."

Schon wollte er Herrn Kraft zu sich kommen lassen, da öffnete sich die Tür und Frau Horsten trat ein. Auch sie batte sich in ihren Gedanke» mit Herrn Kraft beschäftigt, das bewies ihre Frage.

Nun, wie denkst Du über daS, was uns Herr von Schwabenstein rrtit geteilt hat?"

Horsten antwortete nicht sogleich.

folgte der Großherzog von Hessen und Prinz Heinrich von Preußen, beide in russischer Uniform, tveiterhin ebenfalls in einem Wagen zusammen die Grafen Bulow und Lamsdorff sowie das sonstige Gefolge. DaS in Spalier dichtgedrängt stehende Publikum bereitete den Majestäten auf der Fahrt zum Schloß lebhafte Ovationen. Der Wagen mit dem Kaiser und dem Zaren hielt am rechten Flügel der Alexander-Grenadiere unb die beiden Kaiser schritten unter dem Klang der russischen Nationalhymne, die von der starken Kapelle des Alexanderregiments schwungvoll vor­getragen wurde, die Front der Gardisten ab. Dann traten die beiden Kaiser in den Torweg des Schlosses. Nun vollzog sich der Parademarsch der Gardisten mit angefaßten Gewehren. Der Zar salutierte die Fahne. Dann zogen die Hu­saren in Zugkolonnen vorüber. Die Garde und die Ehrenkompagnie des 80. Regiments lieferten die Fahnen im Schloß ab, und damit erreichte das militärische Schauspiel sein Ende. Die beiden Kaiser begaben sich ins Schloß. Abends fand Festtafel statt. Während des etwa zwei Stunden währenden Festmahles blieben die Spalierbilden-! den Truppen auf den Straßen stehen, um für die Theaterfahrt des Zaren den erforderlichen Schutz zu liefern. Die Bahnhofsstraße war allerdings auf einige Stunden von den Truppen geräumt und erst wieder von ihnen besetzt worden,-als sich gegen 10 Uhr die Theatervorstellung ihrem Ende zuneigte und der Abreise des Zaren entgegen- gesehen werden mußte. Gegen 10 Uhr erfolgte die Abfahrt des Zaren aus Wiesbaden und gegen Mitternacht die Ankunft in Wolfsgarten.

Der neue Zolltarif.

Den Zeitpunkt des Inkrafttretens des neuen Zolltarifs hat nach dem Schlußparagraphen des Zolltarifgesetzes bekanntlich der Bundesrat zu bestimmen. Wenn neuerdings in einem Teil der Presse darauf hingewiesen wird, e? sei nirgends vorgeschrieben, daß für den Fall des negativen Verlaufs der Handels - Vertragsver-- handlungen der neue Zolltarif in Kraft gesetzt werden müsse, so kann damit die offenbar falsche Meinung hervorgerufen werden, daß der Zeit­punkt , seines Inkrafttretens unter Umständen auf eine Reihe von Jahren hinausgeschvben werden könne. Wenn diese Meinung zuträfe, wenn also die Regierung wirklich die Absicht hätte, den neuen Tarif auf keinen Fall vor dem Zustandekommen neuer Verträge einzusühren, dann hätte eS das Ausland in der Hand, durch Verschleppung der Dertragsverhandlungen den bisherigen Zustand auf unabsehbare Zeit zu verlängern. Di«Rh.-W. Ztg." glaubt nicht, daß dies die Meinung der Regierung ist, sie ist vielmehr der Neberzeugung, daß regierungsseitig ein Zeitpunkt bereits vorgesehen ist, bis zu welchem der neue Tarif spätestens in Kraft treten soll, und bis zu welchem man auch die neuen Verträge abgeschlossen zu haben hofft. Es wäre somit keineswegs ausgeschloffen, daß im Falle einer Verzögerung der Vertragsver- handlungen der neue Tarif, nach voransze- ganger.er Kündigung der alten Verträge, in

Ich will es Dir sagen," fuhr Frau Horsten erregt fort,was geschehen muß. Er muß seine sieben Sachen sofort packen und unser Hans ver­lassen. Das ist meine Meinung. Und wenn auch D» Dir die Sache überlegt hast, kannst auch Du zu keinem anderen Entschluß kommen."

Aber ich bin doch zu einem anderen Ent­schluß gekommen, Ella," erwiderte Herr Horsten. Das, was Du verlangst, geht nicht so ohne wei­teres. Ist denn seine Schuld schon erwiesen?"

Frau Horsten sprang erregt vom Stuhl auf.

Alex, Herr von Schwabenstein hat cs Euch doch erzählt!"

Ja, wenn auch. Wie mancher Mensch schon wurde angeklagt und hernach stellte sich seins Unschuld heraus. Jeder gemeine Verbrecher wird bei nns hier zu Lande nicht verurteilt, ohne sich verteidigen zn können. Und dieses allgemeine Recht dürfen wir Herrn Kraft nicht nehmen. Be­denke, Ella, er ist unser aller Lebensretter! Hot er jemals die ihm gezogenen Grenzen Euch gegen­über, was Anstand und gute Sitte anbelangt, überschritten? Das wirst Du und Frida nicht be­haupten können. Kann denn Herr von Schwa- benstem den Vorfall übrigens nicht zu schwarz ge­malt haben? Ja ich muß es sagM einer solchen schändlichen, niederträchtigen Handlungs­weise ist Herr Kraft nicht fähig, das ist meine feste Ueberzeugrmg. Ella, laß mich ausreden. Und auch das muß ich sagen: Kann Herr von Schwaben­stein nicht auch die Unwahrheit gesagt haben? Ich habe beide genau beobachtet. Beide waren er­schrocken; aber während Herr Kraft eine sichtbar echte Entrüstung zeigte, wurde Herr von Schwa- benstrin bleich, seine Äugen rollten, und ich sagte mir sofort ,daß die unverhoffte Begegnung ihm äußerst unangenehm war."

Kaum hatte er geendet, da trat Frau Horsten

Wirksamkeit tritt, bevor neue Verträge mit allen hierfür in Betracht kommenden Staaten zu stände gekommen find. Auch finanzielle Gründe sprechen daftir, diesen Termin nicht in eine ungewisse Ferne hinauszurücken. Die ReichLfinanzverwaltung rechnet darauf, daß der neue Tarif mit Beginn des Rechnungsjahr 1905 in Kraft treten kann. Jedenfalls ist diese Frage auch in der letzten Konferenz der Finanz­minister Gegenstand der Erörterung gewesen.

Kein deutsch-niederländischer Tarifvertrag.

Vor kurzem wurde die Nachricht verbreitet, daß zwischen den Niederlanden und Deutschland möglicherweise ein Tarifvertrag zu stände kommen würde, weil in Hofland einem solchen Abkommen starke Sympathien cntgegengebracht würden. Es war die Rede davon, daß demnächst bereits Ver­handlungen zn diesem Zweck eingeleitet werden würden. DasZentralbl. der Walzwerke" et« K hierzu von zuständiger Seite, daß an ein tiges Vorgehen der beiden Staaten in ab­sehbarer Zeit nicht zu denken sei. Die maßgeben­den niederländischen Kreise müssen sich gewissen Volksstimniungen fügen, welche vor allen Ab­machungen mit Deutschland eine fast krankhafte Scheu empfinden, weil ihnen die Uebermacht Deuftchlands gewisse Besorgnis einflößt. Diese Volksstimnng hat auch die Bemühungen, einen deutsch-niederländischen Poftbcrtrag zu standc zu bringen, scheitern lassen.

Gerechtere

Umlegung der M a triku la rb ekträ g e.

Nach Artikel 70 der Deutschen Reichsver­fassung erfolgt die Itmlcguita der Matriknlarbei- träge nach Maßgabe der Bevölkerung der ein­zelnen Bundesstaaten ohne Rücksicht auf deren finanzielle Leistungsfähigkeit. Dieses System ist mit Recht schon längst als unbillig bezeichnet wor­den. Um eine gerechtere Umlegung zu ermög­lichen, wird jetzt angeregt, daß die Einzelstaaten ihre direkten Steuersysteme ansbanen sollten. Das ist gewiß ein sehr erstrebenswertes Ziel. Wer sich indes der Schwierigkeiten entsinnt, die es in Preußen gemacht hat, um diejenigen Grundsätze zur Anerkennung zn bringen, die in der soge­nannten Mignel'schen Steuerreform festgeleal sind, wird der Ansicht zustimmen, es handle sich hier nm Aufgaben der einzelstaatlichen Finanz- rerorm, die sich nicht von heute auf morgen lösen lassen. Außerdem ist nicht zn leugnen, daß bis zu einem gewissen Grade nach wie vor Rücksicht auf die Eigenart der Entwickelung der verschie­denen Bundesstaaten genommen werden muß. Selbst wenn es aber gelingen sollte, eine gerechtere Heranziehung dör Bundesstaaten zu den Matri- fubirbeifrägeu zu ermöglichen, 'als sie zurzeit ge­übt wird, so wird es sich schließlich immer nur im wesentlichen nm eins andere Unilegung dieser Reichsersatz steuer handeln, nicht aber nm eine wesentlich verstärkte Bürgschaft der Möglichkeit, die Einzelstaaten zur Deckung fortwährend im Wachsen begriffenen Ausgaben im Reich beran- zuziehen. ______

{einer Mutter rief.

(Fortsetzung folgt.)

auf ihn zn und blickte ihn mit einiger Befrem­dung verwundert an.

Was?" stieß sie hervor.Herr von Schwa- benstein sollte ein Lügner sein? Er ist ein Edel- mann vom Fuße bis znm Kopfe. Ich kenne ihn schon länger, und habe seinen Vater gekannt, der im Hanse meiner Eltern verkehrte. Nein, ich bezweifle keines seiner Worte, und Herr Kraft ist ein . . ."

Sie unterdrückte das WortSchurke", was ihr auf den Lippen schwebte.

Diesen Menschen dulde ich nickst länger biet im Hause," fuhr sie fort.Hast Du mich ver- standen?"

O ja, ich habe Dick verstanden. Ella." ent- gegnefe Horsten, der ein kleines Lächeln nicht unterdrücken konnte.Aber soschuell geht das nicht, wie ich vorhin schon sagte. Ich ioerfet Herrn Kraft sofort rufen lassen, er muß es wissen, welche furchtbaren Anklagen gegen ihn et hoben sind."

Mach das allein mit ihm ab," bemerkte Fra» Horsten empfindlich und ging zur Tür hinaus.

Bald darauf klopfte es. Ohne dasHerein" abzuwarten, war Helmut eingetreten, sich leicht verneigend. Herr Horsten blickte erstaunt zu ihm hinüber; gleich aber erhellte sich sein Gesicht, al» er Helmuts krastvolle, männliche Gestalt vor sich sah. Aber nur wenige Augenblicke; dann erstarb das Lächeln, und ein ernst fragender und for­schender Blick ruhte auf Helmut. Er seufzte. ES war ihm offenbar schwer, die Astssvrache mit Herrn Kraft zu beginnen; und als er dies endlich doch tun wollte, da war es schon zu spät, beim Helmut hatte ihm eine Depesche gereicht, die ihn sofort zu