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Jahrg.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag' Joh. Aug. Koch, Umverfitäts-Buchdruckerei Marburg, Markt 21. Telephon 55.

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg md Kirchhain.

Son.tt«ssbeilager JNustrirtes SonntagSblatt.

Vierteljährlicher Bezugspreis: bei der Expedition 2, bei allen Postämtern 2,25 Mk. ^cxcl. Bestellgeld). «vlUlVUVJJ

Donnerstag, 5. November 1903,

Zweites Blatt

kann doch der Kongostaat versichert sein, daß selbst die Vorwürfe unserer schlimmsten Feinde nicht in die Kategorie der Verbrechen fallen, deren man den Kongostaat beschuldigt, nämlich Verwüstung eines Landes in Fciedenszeit, Ver­wendung kannibalischer Truppen und Verwand- lung einer ganzen Bevölkerung zu Sklaven. Die Antwort der Kongoregierung mag uns daran er­innern, ein wie kostbares Gut unser guter Name ist, und wie wir bemüht sein müssen, ihn vor jeder Besudelung zu bewahren. Aber die Kongoregie­rung muß verstehen, daß sie vor Europa ange­klagt ist, und daß alles Schimpfen sie nicht davor rettet, daß ste zur Verantwortung gezogen wird." Schade, daß unsere lieben Vettern, nicht schon vor Beginn oder während des Burenkrieges sich dessen erinnert haben, ein wie kostbarer Besitz ein guter Name ist!

jedem Ballon beigelegten Instruktion gemäß den Ballon und die Instrumente sorgfältig birgt und an die angegebeneAdresse sofort telegraPhischeNach- richt sendet. Auf eine vorsichtige Behandlung des Ballons und Instrumente wird besonders aufmerksam gemacht, daß für Hilfeleistung beim Landen eines bemannten Ballons besondere Ver­gütungen bezahlt werden, deren Höhe jedeSmal von dem Ballonführer festgellt wird.

Beschwerden weiter erregen, das wird ihnen ge­sund sein. Daß diese Erregung nach wie vor in alter Stärke fortbesteht, das beweist die Ent­rüstung. die die Antwort des Kongostaates auf die englische Note hervorgerufen hat. DieDaily News" schreiben:Die freche und ausweichende Antwort der Regierung des Kongo-Freistaates auf die englische Note wird die Menge der Sün­den des Staates nicht verdecken. Welche Unregel­mäßigkeiten man England in Bezug auf seine Grenzkriege, die irgendwo in dem Weltreiche stets stattfinden, zum Vorwurf gemacht haben kann, so

t I Was Lene befürchtet, sieht er schon lange kom- I men, und das drückt auch ihm beinahe das Herz ! I ab woher soll er das Geld nehmen, um sein t I geliebtes Weib anständig beerdigen zu lassen?

* I Den nächsten Tag machte er sich auf den Wep

I nach der drei Stunden entfernten Universität^ I stadt. Lene fühlt sich scheinbar besser, die gestrig« I stadt. Lene fühlt sich scheinbar besser, die gestrige

I Aussprache hat ihr Herz erleichtert, die furchtbar« I Angst von ihr genommen.

I Trotzdem verläßt Jakob sein Weib mit schwerer I Sorge. Doch jetzt bleibt ihm keine Wahl mehr, I er sieht, wie sie von Tag zu Tag mehr dahin I schwindet, will er sein Wort halten, muß er sich I beeilen, den letzten Versuch, Geld zu verdienen, I zu machen.

I So rasch als die von Sorgen und Ent- I beh rangen geschwundenen Kräfte erlauben, läuft I Jakob die heiße, schattenlose Straße entlang. Er I kennt den Weg, gar manchnial ist er ihn mit Lene I in glücklichen Tagen gegangen. Sie waren beide I nicht zur Trauer geschaffen, sie waren fröhlich I zu Hause, bei der Arbeit und unter Kameraden. IDertolle Jakob" wurde er genannt, >vak I er doch stets zu Scherzen aufgelegt und brachte I drollige Vorschläge, wenn es galt, bei einem IKegelschieben" oderVerein mit Damen" fftt I Vergnügungen zu sorgen. Er hatte in seiner I Jugend auf einem Gute gearbeitet: dort lehrte I ihn der Schweizer, der die Käserei unter sich; I hatte, das Jodeln, das Jakob bald besser verstand 1 als sein Meister, und das stets große Heiterkeit I unter seinen Freunden erregt batte.

I Nun sind die Zeiten des Glücks dahin, er ist. I arbeitslos, die Freunde sind fovtgezogen, unM.| I zu Hause liegt sein Weib und kann nicht lebens I und nicht sterben wer denkt da noch ans' 1 Jodeln.

l tralität festgelegten Bestimmungen. Die eng­lische Regierung erhebt in ihrem Rundschreiben Beschwerde über vielfache Mißbräuche, welche in der Verwaltung des Kongostaates eingerissen sind, sie klagt über abscheuliche Mißhandlungen, unter denen die Eingeborenen von feiten belgi­scher Beamten und Offiziere zu leiden haben. Schließlich regte die Note eine gemeinsame diplo­matische Intervention in dieser Angelegenheit an, eventuell in der Form, daß sie ganz oder teil- lveise der Entscheidung des Haager Schiedsgerichts unterbreitet würde.

Der Klage folgte die Gegenklage. In harter Sprache erhob man in Belgien den Vorwurf, daß die Engländer sich eine Einmischung in die inneren Verhältnisse eines fremden, unabhängigen Staa­tes erlaubten, und man wies in den deutlichsten ,Ausdrücken darauf hin, daß die schlauen Briten lediglich aus geschäftlichem Eigensinn in der Kongofrage einen Konflikt herbeiführen möchten. Diese Auffassung fand bei den übrigen Festlands- jmächten im großen und ganzen Zustimmung und so waren diese nicht geneigt, Englands Wünschen auf Abänderung des Kongovertrages allzu eilig r 'entgegenzukommeu. Diese Haltung der Groß­mächte des Festlandes genügte aber den Belgiern

Du mußtest zurückbleiben. O Jakob, das hat an meinem Lebensmark gezehrt"

Lene, wir gehören zusammen, lväre ich inZ Unglück gekommen, Du hättest mich auch nicht verlassen. Aber nun sag' mir noch, was Dich bedrückt."

Ich habe Dir schon gesagt, daß ich mich nicht vor dem Sterben fürchte, doch mir graut bei dem Gedanken, daß sie mich, wenn ich tot bin, auf die Anatomie bringen wie di« alte Krämersfrau, deren Sohn die Leicheukosten für sie nicht bezahlen wollte. Du würdest sie bezahlen, Jakob, aber Du hast kein Geld und alles, alles, was Wert hatte, hast Du schon verkaufen müssen."

Beruhige Dich, Seite, Du sollst nicht auf die Anatomie kommen, und müßte ich das Geld stehlen, Du wirst anständig beerdigt, das schwöre ich Dir."

Ich dank' Dir, Mann, ich weiß. Du hältst Wort, und der liebe Gott wird Dir dazu helfen. Ich war mein Lebtag genierlich und könnte nicht ruhig sterben, wenn ich wüßte"

Mach' Dir jetzt 'feine Sorgen darüber. Mor­gen gehe ich nach T in einer Universitätsstadt läßt sich immerhin etwas verdienen: die Herren reifen jetzt ab, da kann man das Gepäck beför­dern und bekommt leicht ein paar Groschen. Leg' Dich jetzt ruhig nieder"

Lene ist wie tot in die Kissen gesunken, das viele Sprechen hat ihre schwachen Kräfte er­schöpft. Was gäbe Jakob, wenn er einen Trop­fen stärkenden Meines für fein Weib hätte, doch er besitzt nur noch einige Groschen aus dem Er­löse von Lenes bestem Kleide. Fände er doch endlich Arbeit!

Im ganzen Städtchen ist kein Haus, wo er nicht seine Kräfte angeboten, einerlei, zu welcher Arbeit, er war zu allem bereit, doch vergeblich, überall war schon reichliche Hilfe vorhanden.

Umschau.

Wer verteuert das Brot?

In Berlin erscheint so schreibt dieGer» mania" eine Zeitschrift,Die Brotfrage" be­titelt, sein Herausgeber ist einer derIntellek­tuellen", P. M. Grempe. Wir fürchten aber, nach der Leistung in der letzten Nummer seinesOr­gans" wird er nicht mehr lange die Ehre haben, Mitglied der sozialdemokratischen Partei zu fein. Er bestritt nämlich, daß die Kornerzeuger (vulgo Agrarier) Schuld an den teuren Brotvreifen seien, wirft vielmehr alle Schuld auf die Großmühleu- inbuftrie, die einen um mindestens 15 Prozent geringeren Nutzeffekt aus dem Roggenmehle herausmahle, als die Kleinmüllerei dies. früher getan habe. Es sei demnach wohl angängig, daß die Mehlausbeute von 65 wieder auf 85 Prozent, also fast um ein Va erhöht wird. Die deutsche Landwirtschaft baut zur Zeit mehr als genügend Brotkorn, aber die Großmüllerei will nicht auS dem deutschen Korn Mehl an sich und genug Mehl Herstellen, Der Streit um die Kornzölle wird also um nichts Aktuelles, vielmehr um etwas Ein­gebildetes geführt:den nötigen Stoff zu einem in jeder Beziehung vollwertigen Brot liefert die deutsche Landwirtschaft zur Zeit in mehr als aus­reichendem Maße." Wir sind hier nicht in der Lage, die technischen und fonftigen Ausführungen zu prüfen oder zu widerlegen, das werden die Müllerei-Interessenten schon tun; was aber zu denken gibt, ist die unleugbare Tatsache, daß es auch in den Kreffen der Brotwucherschreier zu denen nicht nur Sozialdemokraten, sondern auch Liberale und Salonsoziale gehören die ganze Verlogenheit dieser Hetze gegen die Land­wirtschaft immer mehr ans Tageslicht kommt.

Lene, sprich nicht so, wenn Du von mir gehst, habe ich das Beste verloren."

Aber Du findest toie&ier Arbeit. Glaubst Du denn nicht, daß ich, trotzdem Du nie davon sprichst, fühle, wie anders es um uns stände, wenn ich nicht krank wäre? Du warst ein tüchtiger Ar­beiter, das hat mir der Herr Direktor selbst oft gesagt, mit Freuden hätte er Dich auch in seiner neuen Fabrik angestellt, doch Du konntest ihm nicht folgen, weil Dein Weib schwer krank liegt. Nun geht Deine beste Arbeitskraft mit meiner Pflege verloren. Du hast keine Arbeit, Du fuchst und fuchst und kannst ferne finden. Wie schön Ivar es, als die Fabrik hier noch int Gange, und ich noch frisch und gesund war! Weißt Du noch, wie wir das grüne Kanapee kauften!"

Lene, sprich nicht so viel, es schadet Dir, und was hilft es, wenn man sich an ver­gangene Zetten erinnert, die kehren doch nie wieder."

So denke ich nicht. Wenn ich ruhig daliege, und die Schmerzen lassen mir ein wenig Ruhe, dann kehren meine Gedanken zurück in die schöne glückliche Zeit, als noch dort an der Wand das grüne Kanapee stand, und die Blumen am Fenster blühten. Weißt Du noch, wie stolz wir waren, als wir uns die Kaffeekanne und die Tassen nut den Rosengirlanden anschafften? Ach damals war es schön, im Himmel kann ich mir's nicht schöner denken!"

Ja, schön war's dann aber kam das Ent­setzliche! Die Fabrik wurde geschlossen, und am selben Tage stürztest Du bei Müllers von der Scheune. Weib, Weib, wenn ich daran denk, wie sie Dich brachten, blutüberströmt und gebrochen, ach, da war der Schluß der Fabrik nichts mehr gegen den Jammer um Dich!"

Und alle guten Arbeiter sind mit dem Di­rektor in die neue Fabrik übergesiedelt nur

(Nachdruck verboten.)

Der letzte Llevesdienst.

Skizze von Ida Großmann.

L ! .Jakob, komm', setz' Dich zu mir, ich muß mit Dir reden."

Mühsam richtetet sich die Kranke in die Höhe, das blasse voll Schmerzen verzerrte Gesicht, in dem die dunklen Augen fieberhaft glühen, nach ihrem Manne, der am Fenster steht, gerichtet.

Brauchst Du Deine Tropfen, Lene?"

Jakob ist näher getreten, sanft nimmt er die abgemagerten Hände seines Weibes in feine lebenswarmen und setzt sich auf den Bettrand, jede Bewegung, jeden Laut dämpfend, lvas etwas Rührendes, Zartes hat, das man dieser Hünen­gestalt kaum zutrauen würde.

Kauf' feine Arznei mehr für mich, sie hilft doch nichts und kostet nur Geld. Ich weiß, ich muß sterben, und 's ist mir auch nicht mehr hange davor, aber eines drückt mich, das verfolgt r Mich im Wachen und Träumen und läßt mir keine Ruhe."

Sag', Lene, lvas ist's? Ich will es von Dir | .nehmen, und wenn es mein eigenes Leben kosten wurde, ich kann mir's ja nicht ausdenken, wie ich ohne Dich lveiter leben kann."

Denk' Dir's nicht gar so traurig, es ist ja wahr, wir haben es schön gehabt zusammen, in all den sechs Jahren, die wir verheiratet sind, hal's fein böses Wort gegeben vielleicht war ee zu schön. Aber da? letzte Jahr war schwer; ich war Dir eine Last, wenn Du mich's auch nicht f fmsten ließest. Du hast mich Tag und Nacht mit ^lebe und Geduld gepflegt, und nichts war Dir zu viel für mich doch die vielen Schm-rzen [ * *Eu mich milde gemacht so müde - -ich whne n.ch nach Erlösung auch für Dich ist's höchste

Ausland.

Großbritannien. Die verschiedenen Heeres- fragen, besonders die Ergänzung des aktiven Bestandes, machen der Regierung schon jahrelang Sorgen und beschäftigen auch die Oeffentlichkeit in mehr oder minder großem Maße. Auf d« Notwendgkeit der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht weist jetzt ein Artifel der Londoner Morning Post" hin, aus dem wir nachstehendes wiedergeben: Es kann kein Zweifel darüber herr­schen, daß eine Erweiterung der Grundlage un­seres militärischen Systems notwendig ist. Groß­britannien kann nicht auf eine zweite Lektion durch einen Krieg warten. Die erste und haupt­sächlichste Entscheidung muß fein, ob die größere Zufuhr trainierter Männer in dem Grundsatz des freiwilligen Eintritts zu suchen ist oder in einem System, daß die Pflicht jedes Bürgers, zur Ver­eidigung seines Landes beizutragen, anerkennt owie die Pflicht, sich darauf borbereiten zu las­en, daß er einst seinen Platz dem Feinde gegen« iber behaupten kann. Das ist die grundlegend« Frage. Es kommt noch eine Nebenfrag hinzu, die indessen keineswegs unwichfig ist. Wir ftim« men alle darin überein, daß es nicht wünschens- Ivert wäre, die Pflicht des Bürgers, den Staat zu verteidigeil, dahin auszulegen, daß er Garnison­dienst in Indien oder anderen Ländern zu tun habe. Daraus folgt, daß immer eine gewisse Anzahl von Truppen auf professioneller Grund­lage für den Garnisondienst in überseeischen Län­dern gehalten werden muß, eine Streitmacht, in der die Mitglieder ihr Auskommen finden und eine gute Laufbahn vor sich haben. Es ist nun die Frage, ob dieser Teil der Truppen nicht auf eine andre Grundnlage gestellt werden soll als der Rest. Die Frage ist nicht weniger wichtig, als die von Ehamberlain angeregte und sie wird im Laufe der nächsten zwei Jahre beantwortet wer- den müssen. Im englischen Volke besteht aber feine große Neigung für die allgemeine Wehr­pflicht und bis jetzt ist feine Aussicht auf Ver­wirklichung der darauf hinzielenden Bestrebungen vorhanden.

Internationale Ballonfahrt. I

Am Donnerstag, den 4. November, findet in I Der Berliner Kiubesunterschiebungsprozeß den Morgenstunden eine internationale, wissen- I nahm am Montag mit dem Zeugenverhör seinen schaftliche Ballonfahrt statt. Es steigen bemannte I Fortgang. Die Verteidigung stellte neue Beweis- und unbemannte Ballons, sowie Drachen auf in I anträge, die zugelassen wurden: ferner erklärte Trappas, Paris, Straßburg i. E., Friedrichs- I sie, die Frau Meyer fragen zu wollen, wer ihr Hafen, Barmen, Hamburg, Zürich, Bot, Berlin, I das Geld gegeben habe, damit sie ihren ältesten Petersburg, Kazan, Rom, Madrid und Blue Hill I Sohn ebenso kleiden könne wie den kleinen Gra« U. S. A. Der Finder eines jeden unbemannten I fen. Zeuge v. StiidniarSku nannte einen Unfall Ballons erhält eine Belohnung, wenn er der I den die Gräfin Kwilecka einige Zeit vor ihre«

noch nicht, sie suchten die Mächte noch mehr zu Gunsten des Kongostaates zu beeinflussen. Ins­besondere hat sich König Leopold als Souverän des Kongostaates der Angelegenheit mit großem Eifer angenommen und zu diesem Zwecke auch Nkli ihinnnfftrnf I Reisen in das Ausland nicht gescheut.

I Das Streben, den Bemühungen seiner Regie-

Englands ewig unersättliche Ländergier bet» I rung persönlichen Nachdruck zu geben, führte den langt nach neuer Nahrung. Die beiden Buren- I König der Belgier sogar an den Wiener Hof. .republiken sind glücklich verschlungen und in, I Eines freundlichen oder gar herzlichen Empfanges zwischen verdaut. Was kommt nun auf den I hat er sich aber bei Fürst und Volk nicht zu er« Tisch? Da hat man sich zur rechten Zett des I freuen gehabt. , Zweiundzwanzig Jahre ist es schönen Wortes erinnert:Afrika englisch vom I her, seitdem er die Kaiserstadt an der Donau zum Kap bis Kairo" und hat gemerkt, daß der Er- I letztenmale besuchte. Damals kam er an der ' 'reiifjung des Zieles, das in diesem bei unseren I Sette feiner Gemahlin, um feine Tochter Stefanie Vettern gern zitierten Worte angedeutet ist, I dem Kronprinzen Rudolf zu vermählen. Der namentlich der Kongostaat noch im Wege ist. I tragische Ausgang dieser Ehe hatte bei beiden Kaum hatten sich denn die beiden Burenstaaten I Fürstenhäusern eine so starke Entfremdung zur- -der englischen Uebermacht ergeben, da begann I folge, daß länger denn zwei Jahrzehnte der auch schon, zunächst etwas schüchtern, dann aber I Wunsch nach einer persönlichen Begegnung hüben immer dreister und lärmender die Hetze gegen den I und drüben nicht gehegt wurde. Dazu kam, daß Kongostaat. Allerlei Kleinigkeiten wurden in un- I König Leopold durch fein Verhalten bei der Wie- glaublicher Weise übertrieben dargestellt, und der I derverheiratung seiner unglücklichen Tochter und Anlaß zu der Agttation gegen den Kongostaat I feine abstoßende Unversöhnlichkeit an der Bahre war gegeben. I seiner vor kurzem verschiedenen Gemahlin sich im

Schon im Juni befaßte sich das britische Unter- I Hause Habsburg Sympathie nicht gerade er- hans mit den Verhältnissen im Kongostaat und I zwingen fonte. Jetzt aber bestimmt ihn die poli- ertettte dem Ministerium des Aeußeren den Auf- I tische Zwangslage wieder bei Kaiser Franz Josef trag, die im Parlamente erhobenen Beschwerden I anzuklopfen, und so hat er drei Tage am Wiener zur Grundlage einer diplomatischen Aktion gegen I Hof verleben können, nachdem vorher sein Kom- die Kongoregierung zu machen. Am 8. August I men durch die offiziöse Presse wiederhokt in Ab- ,ds. Js. richtete in Verfolg dessen Lord Lansdown I rede gestellt worden war. Die sonst für Fürsten- eine Ruudnote an die Signatarmächte des Kongo- I besuche so empfängliche Wiener Bevölkerung ließ Vertrages, die nach vorheriger Mitteilung an die I ihn unbeachtet und auch der Trinkspruch des grei- Kongoverwaltung am 18. August auch der belgi- I fen Kaisers entbehrte der Wärme und Herzlich- scheu Regierung zugestellt wurde. Obwohl eine I feit. Auch der Zweck des Besuches wurde nicht amtliche Publikation dieser Note bisher nicht er- I erreicht. König Leopold mußte sich darauf be­folgt ist, so wurde ihr Inhalt dennoch bald I schränken, den Kaiser über den Stand der Kongo- daraus im publizistischen Wege bekannt. Die I frage zu orientieren, was wahrscheinlich ein Ge- Note beschuldigt die Verwaltung des Kongostaates I fanbter ebenso gut vermocht hätte; die Haltung schlverer Verstöße.gegen die im Berliner 3?er- I Ser österreichischen Regierung war jedenfalls sehr trage von 1885 als Grundbedingung seiner Neu- | reserviert, an ein Eingreifen in die Kongofrage denkt sie nicht. Auch Paris hat der König der Belgier besucht; ob er bei der dortigen Regierung mehr Erfolg gehabt hat, darf bezweifelt werden.

Die festländischen Großmächte wünschen offen­bar eine, Neuordnung der Kongofrage nicht. Sie sehen keinen Anlaß, Belgien oder England die Kastanien aus dem Feuer zu holen. Insbeson­dere steht zu hoffen, daß sich das deutsche Reich nicht als Vorspann Englands wird gebrauchen lassen, das schon lange begehrlich nacki dem reichen Kongobecken ausschaut und wieder einmal seine« Kolonialbesitz etwas abrunden möchte. Die Eng- länder mögen sich getrost über die von ihnen er­hobenen teils erfundenen, teils übertriebenen