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mit -em Kreisblatt für w Kreise Marburg und Kirchhain.
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Marburg
Donnerstag, 5. November 1903.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Dmck und Verlag' Joh. Slug. Koch, UniverfttätS-Buchdnhckerei 38. Jahrg.
Marburg, Markt 21. — Telephon so.
Erstes Blatt.
Die Zwei-Kaiser-Zusammenkunst in Wiesbaden.
Monarchenbegegnungen und hochpolitische Be- 'nche gab es in diesem Jahre in größerer Zahl als dies sonst gewöhnlich der Fall ist. König Eduard ni Großbritannien und Irland war in Lissabon, dem, Paris, Präsident Loubet war in London, ' liier Wilhelm II. besuchte Kopenhagen und 's-m, der König von Italien war in Paris, Kaiser .-'itolaus von Rußland hatte die wichtige Begeg- ■ nag mit dem österreichischen Kaiser in Mürzsteg ->nd besuchte jetzt vor der Rückkehr nach Rußland den deutschen Kaiser in Wiesbaden.
Die Zusammenkunft in Wiesbaden, kann für " en kundigen Beobachter nichts Ueberraschendes haben, denn es entspricht nur dem freundfchaft» -id-cn Verhältnis beider Monarchen und den guten Beziehungen zwischen den beiden Staaten, ivenn der russische Kaiser, ehe er Deutschland verläßt, um in sein Reick zurückzukehren, die Gelegenheit ergreift, um sich vom deutschen Kaiser zu nerabschiedenl. Solche persönliche Begegnungen sind immre sehr erfreulich, weil sie mehr als divlo- naftsche Verhandlungen oder sonstiger schriftlicher Verkehr den Menschen dem Menschen näherbingen und oft mit viel größerer Leichftgkeit eine Gemeinsamkeit der Ziele hervortreten lassen und vermeintliche Gegensätze auf das richtige Maß zu rückzuführen oder beseitigen. Daß gerade der gegenwärtige Zeitpunkt, iu dem so viele und wichtige Fragen die internationale Politik beschäftigen, für solche persönlichen Besprechungen außerordentlich günstig liegt, braucht nicht nachgewiesen zu werden. Wenn auch vermutlich den Besprechungen ein eigentliches politisches Pro- gramnt nicht zugrunde liegt, so werden die Monarchen und ihre Ratgeber doch naturgemäß Fragen der allgemeinen Politik erörtern, und man kann überzeugt sein, daß eine solche Unterhaltung den Zwecken des Friedens um so besser dienen wird, als die friedlichen Absichten, sowohl der deutschen wie der russischen Politik genügend Proben bestanden haben. Wenn die russische Presse in den bisher vorliegenden Kundgebungen die Kaiserbegegnung in Wiesbaden in für Deutschland sympathischen Artikeln begrüßt, so wird das hier mit aufrichtiger Genugtuung oufgenommen werden, und es ist zu hoffen, daß dir gerechtere und unparteilichere Anerkennung der deutschen Politik in der russischen Presse nicht nur durch nigenblickliche Umstände bestimmt wird, sondern ich dauernd bewährt und ausgestaltet. Die nistsche Presse kann viel dazu beitragen, um ■ iv()c Auffassungen über Deutschland zu zer- vnen, aber es ist hier noch nicht vergessen, daß ' das nicht immer getan hat und daß in einem rächt unerheblichen Teile dieser Presse nur zu oft die Regel eine unfreundliche Beurteilung war, die dadurch noch peinlicher hervorgehoben wurde, daß sie iticht gereckt war. Wie gesagt, wir begrüßen es mit riickhaltloser Genugtuung, wenn
sich darin ein Wandel zeigen sollte; wir zweifeln auch nicht daran, daß eine andauernd gerechtere Beurteilung Deutschlands in der russischen Presse bei uns rasch einen freundlichen Widerhall finden würde.
Bestätigt die Begegnung so einerseits das gute Einvernehmen zwischen Deutschland und Rußland, so fordert sie andrerseits niemanden heraus. Der Gedanke liegt nahe, daß sich Italien durch die Wiesbadener Entrevue beleidigt fühlen Kannte. Der schuldige Gegenbesuch des Zaren in Rom unterbleibt, trotzdem Zeit und Stunde desselben bereits festgesetzt und die Empfangs- Vorbereitungen berefts in Angriff genommen worden waren. Bei genauerem Zuschauen ergibt sich indessen, daß Italien keinen Grund zur Eifersucht, vielmehr alle Veranlassung hat, in der Wiesbadener Begegnung ein Anzeichen dafür zu erblicken, daß feine politischen Kreise durch Rußland nicht gestört werden. Deutschland ist der Mittel- und Kernpunkt des Dreibundes, der Treue und der Freundschaft Deutfchlands ist Italien unter allen Umständen gewiß.
Nur in Frankreich betrachtet man die Wies- badener Begegnung mit etwas gemischten Gefühlen, wie aus den Kommentaren der Presse hervorgeht, die bemüht ist, die Bedeutung der Zarenreise als belanglos hinzustellen. Diese Haltung ist an sich ja begreiflich, aber Frankreich hat keinen Grund diese „Extratöne" seines Karabiers — um bei dem Bilde des Grafen Bülow zu bleiben — mit der Germania zu mißbilligen, da sie durchaus keine falschen Stimmungen hervorzurufen geeignet ist.
Die Verhältnisse sind so feste, der Friede ist so unerschütterlich verbürgt, daß ohne Gefahr oder Mißdeutung ein freundschaftliches Hinüber und Herüber erfolgen kann. Bedauerlich bleibt es nur, daß dieses Einvernehmen zwischen Frank- reich und Deutschland in absehbarer Zeit nickt eintreten Wird, obwohl auck das offizielle Frankreich die Politik des Friedens vertritt und betreibt und obwohl es längst die Gewißheit hat, daß an dem status quo in Europa nichts mehr geändert wird. Frankreichs Freundschaft mit England und Italien mag so intim werden. Wie sie Will; sowohl das eine wie das andere wird den Franzosen für die Wiedergewinnung der Reichslande keine hilfreichere Hand leisten, aI5 es Rußland getan hat und ja tun wird.
So kann die Zwei-Kaiser-Zusaminenkuiist in Wiesbaden in jeder Hinsicht als ein Beweis des guten Einvernehmens in der europäischen Sfaaten- Welt und als eine Gewähr für die Fortdauer des gegenwärtigen Friedenszustandes mit aufrichtiger Genugtuung und Freude begrüfjt werden.
Umschau.
Zu den Landtagswahlen.
Nicht viel über eine Woche trennt uns von dem Termin, an welchem die Urwahlen stattfinden. Unsere konservative Sache steht, soweit sich übersehen läßt, günstig. Die Verdächtigungen und Verunglimpfungen, die gegen die Konservative Partei von den Liberalen gerichtet worden sind, haben in der Wählerschaft wenig Boden ge
lt (Nachdruck Verboten.)
Im Schlosse der Ahnen.
Original-Roman von Otto König»Liebthal.
lFort'etzirngZ
„Nun, so höre, was ich Dir jetzt sage: Du wirst morgen, noch ehe Du mit der Dame sprichst, Herrn Horsten von diesem Geschehnis in Kenntnis setzen. Gr ist der Manu, der die Fehler anderer Menschen weniger streng richtet, als ich es in diesem Falle leider tun muß."
„Helmut!" schrie Schwabenstein qualvoll aus. „Willst Du mich denn ganz unglücklich machen! Bedenke, wenn diese Verlobung nicht bald geschlossen wird, bin ich verloren."
Helmut fuhr auf, feine Augen flammten und seine Brust hob und senkte sich stürmisch.
„Aha —" sagte er mit verächtlichem Lacken. „Nicht die Liebe zieht Dich zu der Dame, fon- dern ihr Geld lockt Dich, um Dich vor dem Anin zu bewahren. Meinetwegen — gehe hin, .aber zuvor tue Deine Beichte bei Herrn Horsten. Ick würde Dir diesen Schritt ersparen, aber ich erinnere Dich an unseren Bund, den Wir alle damals geschlossen haben. D u gerade Warst es, der es durchsetzte, daß derjenige mit aller 93er- aditung gestraft Werde, der eine Dame beleidigt. D u warst es gerade, der es durchsetzte, daß jeder von uns auf Ehrenwort verpflichten mußte, einst bei einer ernstlichen Werbung um ein Mädchen vorher vor einem Verwandten desselben zu beichten. Was er früher etwa im Uebermut und Frevel gegen irgend eine Vertreterin des weiblichen Geschlechts begangen. Wenn ich jetzt das von Dir vrlauge, so tue ich nur meine Pflicht, Dich an Dein Ehrenwort zu erinnern, und ich habe keine Macht, Dir die Einlösung desselben zu erlassen."
In dumpfer Verzweiflung hatte der Offizier die Worte, die wie Keulenschläge auf ihn nieder- fielen angehört. Er selbst wußte nur zu gut, daß es für ihn keine Nachgiebigkeit geben konnte; er mußte den Schritt tun, wenn er Fräulein von Kullig nicht aufgeben wollt,. Er wußte daß er bei dieser Dame keinen Korb bekommen würde, das hatte ihm Frau Horsten in ihrem letzten Briefe deutlich genug zu versieben gegeben. So nahe am Ziel! Und nun es aufaeben? Nimmermehr! —
„Nun?" fragte Helmut. '
Ein Blick tätlichen HasseS traf ihn.
„Ja!" stieß Schwabenstein hervor. „Ich will, weil ich m u ß."
Er wollte gehen, doch Helmut hielt ihn noch zurück.
„Bleib." sprach er gebieterisch. „Warum hast Du das Verhältnis mit Deiner -ersten verlobten Braut gelöst?"
„Sie bat mich um ihre Freiheit," kam es tonlos von den Lippen des Offi'iers.
In Helmut brauste es auf ob der infamen Lüge.
„So? — Du scheinst auch hierin ein sehr schlechtes Gedächtnis zu haben. Solange Deine Braut Geld hatte. War sie Dir angenehm; als sie aber ihr Vermögen durch den Bankkrach verlor, da ließest Du sie sitzen und zogst Dich zurück. Das ist die zweite Schuld, die Du bekennen mußt. Und nun gehe hin — Wenn Du es kannst und wirb um Fräulein Kullig."
Helmut hatte geendet und machte eine Haudbewegung. Der Offizier verstand sie und ging, ohne ein Wort zu erwidern, mit nieber- gesenktem Haupte dem Schlosse zu.
„O, mein @ott," seufzte Helmut auf, als er allein war; in feinen Schlafen hämmerte es * und stürmisch rollte das Blitt durch die Adern.
funbeit. Jedoch dürfen sich unsere Parteifreunde nicht durch ihre Zuversicht zum Nachlassen in ihren Anstrengungen verleiten oder durch die Stille in der Wahlbewegung in Sicherheit wiegen lassen. Unter der Hand wird von den Parteien der Linken so rege gearbeitet, wie dies bisher noch niemals geschehen ist. Wir können also unseren Parteimttgliedern nur dringend raten, bis zum letzten Augenblick vor dem Wahltermin angestrengt und unausgesetzt für unsere Sache zu wirken und dafür zu sorgen, daß die konservativen Wähler am 12. November sich Mann für Mann an den UrWahlen beteiligen.
Einen wadelstrümpflerischen Eiertanz
hat, wie die „Konserv. Korresp." schreibt, kürzlich der ehemalige nationalsoziale Führer Naumann in Spandau zum Besten gegeben. Er hat dort nämlich sich als „liberaler" Landtagskandidat eingeführt und ist bei dieser Gelegenheit von sozialdemokratischer Seite darüber interpelliert worden. Wie er sich bei einer etwaigen Stichwahl Verhalten Werde. Die Antwort lautete nach der „Berliner Volkszeitung" folgendermaßen:
„Ich bin nicht beauftragt, über ein Zusammengehen der hiesigen Liberalen mit den! Sozialdemokraten zu sprechen. Ich trete für einen entschiedenen Liberalismus ein; es kann sich bei der Landtagswahl nur um einen Kamps gegen die Reaktion handeln. Die Sozialdemokraten verfolgen das gleiche Ziel. Wir Wollen sehen. Wie die Sache läuft. Die Verhandlung über ein Zu- sammengehen mit den Sozialdemokraten ist eine Möglichkeit, mehr kann auch ich nicht sagen."
Herr Naumann hat hier ein merkwürdiges Versteckspiel getrieben. Ter Delegiertentag feiner Partei hat bekanntlich beschlosseu, daß mit den Sozialdemokraten nach den Urwahlen eine Verständigung herbeigeftihrt werden solle. Insonderheit aber hat Naumann selbst sich auf die Sette Barths gestellt, der ein grundsätzliches Zusammengehen mit der Sozialdemokratie empfohlen hat. Offenbar ist in der Spandauer Wählerschaft keine Neigung vorhanden, mit den „Genossen" zu paktieren, — und was tut da nicht ein braver ehemaliger National-Sozialer, um zu einem Abgeordnetenmandat zu gelangen? Unter der Hand wird die Sache schon gemacht Werben.
Invalidenversicherung.
lieber die zivilrechtliche Haftung von Arbeitgebern bei der NichtverWendung von Beitragsmarken zur Invalidenversicherung für die von ihnen beschäftigten Versicherten hat die dritte Zivilkammer des Landgerichts Breslau nach den amtlichen „Mitteilungen der Landesversicherungsanstalt Berlin" eine bemerkenswerte Entscheidung getroffen. Ein Arbeitgeber, der es verfäumt hatte, Marken für einen von ihm beschäftigten Lehrling zu verwenden, wurde zur Zahlung der Invalidenrente für die Lebensdauer des Lehrlings verurteilt. Durch die Nichtverwendung der Marken hatte der invalid gewordene Lehrling den Anspruch auf Rente von der Landesversicherungsanstalt verwirkt, und das Landgericht hat
Daun sprang er au,f und durch den dunklen Wald klang ein klagender Ruf: Frida! — Es war ein Ruf der leidenschaftlichen Liebe, der vollsten Verzweiflung, und ein starkes Beben ging durch die schlanke Gestalt des jungen Mannes. —•
VII.
Der Offizier hatte zuletzt den ganzen Sturm über sich ergehen lassen, ohne einen Laut von sich gegeben zu haben. Als er aber von seinem einstigen Freunde nicht mehr gesehen Werden konnte, richtete er sich stolz in die Höhe. Er wandte sich um. Drohend hob er seine Hand empor und halblaut kam es von seinen Lippen: „Du sollst mir meine Rechnung nicht verderben." Dann ging er weiter. In seinem Zimmer angelangt, hatte er feine ganze Selbstbeherrschung wieder, und klar sah er die Folgen vor sich. Wenn er Herrn Horsten von dem Vorgefallenen Mitteilung machen Würde.
„Ich Wäre ein Tor!" murmelte er, „wollte ich meine Schandtaten selbst auf decken. Mein Ehrenwort, das ich gab, ist nichtig, denn es Wurde mir erpreßt. Was wir damals im jugendlichen Eifer schworen, ist heute nicht mehr gültig. Morgen muß ich den Schritt wagen; man muß das Eisen schmieden, solange es Warm ist. Und bann wirb sich ein Grund finden, um ihn aus diesen Hause zu entfernen, damit er mir nicht mehr schaden kann... —
Am anderen Morgen traf er Fräulein von Kullig allein im Salon. Sie saß am Flügel und spielte, doch hielt sie überrascht inne, als sie ihn bemerkte.
Mit lächelndem Gesicht näherte er sich ihr und küßte ihr galant die Hand.
„Sie sehm heute Wieder entzückend ans," schmeichelte er und ließ sich dickt neben ihr aus einen Sessel nieder.
den Arbeitgeber, durch besten Versäumnis de» Verlust des Rentenanspruchs herbeigeführt wurden für regreßpflichtig erklärt.
Deutsches Reich
Berlin, 4. November.
— Seine Majestät der Kaiser traf von Homburg, kommend Dienstag mittag in Wiesbaden ein und fuhr sofort nach dem Schloß. Nachmtttags unternahm btt. Kaiser eine längere Spazierfahrt auf den Aerober«. Kaiser Nikolaus trifft am heutigen Mittwoch Nach' mittag gegen «ft 5 Uhr in Wiesbaden ein. Die 3et der Abreise ist noch nicht bestimmt, sie findet aber noch im Laufe des Abends statt.
— Kaiser Wilhelm hat dem Sultan als Gegen geschenk für das ihm im Laufe des Sommers über! mitt eite Geschenk einen Trakehner-Biererzug gesandt. Derselbe trifft in der nächsten Woche in Konstante nobel ein.
— Nach einer Meldung der Blätter erteilte der Kaiser dem BUdhauer Johannes Goetz, der auch bie Bildsäule des Antonius Pius auf der Saalburg geschaffen hat, den Auftrag, die Büste Theodor Mommsens für die Saalburg zu schaffen. . ,
— Die Bestattung Mommsens wird, wie letzt endgiltiz entschieden ist, am Donnerstag erfolgen. Mittwoch abend wird eine private Trauerfeier in dem Hause des verstorbenen Gelehrten erfolgen; nur bie Familienmitglieder, deren auswärtige saft vollzählig bereits hier eingetroffen sind, und eine Heine Schar intimer Freunde Mommsens werden hieran teilnehmen. Noch an demselben Abend wird bie Leiche nach bet Kaiser Wilhelm- Gsdächtmskirche überführt, und hier wirb Donnerstag mittag 1 Uhr von der Stadt Char- lottenburg eine große Feierlichkeit für den Verstorbenen veranstaltet werden.
— Die Generalshnode, die ihrem Schluß entgegen geht, beriet 200 Petitionen, bett, den Einspruch gegei die Aushebung des § 2 des Jesuiten-esetzes uni stimmte mit großer Mehrheit für die Beibehaltung des § 2. Die Kommission sprach dem Oberkirchenrat für sein Eintreten zugunsten der Aufrechterhaltung des 8 2 den wärmsten Dank aus und bat, auch fernerhin an geeigneter Stelle dafür einzutreten.
— Schlimme Nachrichten find aus Deutsch-vüb- westafrika eingetroffeu. Nach einer telegraphischen Meldung des kaiserlichen Gouverneurs sind im Distrikt Warmbad Unruhen ausgebrochen, bei denen der Leutnant Jobst und der Sergeant Snah gefallen find und der Reiter August Schmidt verwundet wurde. Das Gouvernement traf Maßnahmen zur Unterdrückung der Unruhen. Aus London werden Einzelheiten gemeldet, die bie Lage gefährlicher erscheinen lassen. Aus Beaufort-West im Nordwesten der Kap Manie berichtet das .Reutersche Bureau', es hab« Nachrichten, daß die Garnison in Warmbad in Deutsch« Südwestafrika von Hottentotten massakriert worden fei. Demselben Bureau wird aus Kapstadt gemeldet, der deutsche Konsul in Kapstadt sei benachrichtigt worden, daß sich der Stamm der Bondelszwarts in Damaraland im Ausstande befinde. Eine amtliche Bestätigung fehlt.
— Die Akademie in Posen wird am heutigen 4. November eröffnet Werben. Die Lehrtätigkeit der Akademie wird in der Abhaltung von Vorlesungen, Vortrags- wie Uebunasvorlesungen bestehen, welche die verschiedensten Gebiete umfassen sollen.
— Der preußische Landeskriegerverband hat an seine Mitglieder, die 13501 Vereine mit 1170000 Mann zählen, folgende Mahnworte im Hinblick auf die Landtagswahlcn gerichtet: .Unsere Kameraden sind vollkommen frei, innerhalb des Rahmens der den bestehenden Staat anerkennenden Parteien ihre Pflichten als Staatsbürger bei Reichstags-, Landtags- und
Beklemmendes Schweigen herrschte eine Weile zwischen ihnen. Ihm War bas Herz zum Zer« springen voll, und eine große, warme Woge echter Empfindung spülte bie Leichtfertigkeit für diesen Augenblick, wo er vor dein Mädchen saß, zurück. Er wäre ihr am liebsten gleich zu Füßen gesunken, doch beherrschte er sich.
„Ich freue mich," unterbrach er das Schweigen, „Sie allein hier zu finden; schon heute muß ich fort."
„Warum so schnell?" fragte Fräulein von Kullig. „Es ist doch nichts vorgefallen?"
Vorgefallen? — O nein; ich muß fort, weil ich schon morgen ins Manöver muß. Aber glauben Sie mir, gnädiges Fräulein, cs Wirb, mir schwer, von Ihnen Abschieb nehmen zu müssen. Fräulein Frida, geben Sie mir ein Zeichen, daß ich auch Ihnen nicht gleichgültiq bin." Er war auf- gestanden und hielt ihre Hand fest. „Lassen Sie nun gestatten Sie mir, daß ich mich von Ihnen Lippen hören, daß Sie mich lieben."
In ihrem Innern Wogte es auf und nieder und unfähig, ein Wort zu sagen, ließ sie es geschehen, daß er immer und immer wieder ihre Hand küßte. — Plötzlich richtete sie sich auf und entzog ihm, fast unwillig über seine Dreistigkeit, • die Rechte.
„Ihr Geständnis, Herr von Schwabenstein," sagte sie mit zitternder Stimme, „kommt mir so überrascht, daß ich Ihnen heute keine Antwort auf Ihre Frage zu geben vermag. Reisen Sie ab und lassen Sie mir Zeit zur reiflichen lieber-, legung, damit es in mir klar werde, ob ich Ihrs Liebe, die Sie für mich nach Ihren Worten haben, erwidern kann."
Doch Schwabensteiu War mit dieser Erklärung' nicht zufrieden.
(Fortsetzung folgt.).