M dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Sonntagsbeilager Zllustrirtes Sonntagsblatt.
M 286
Vierteljährlicher Bezugspreis: brr der Expedition 2 Mk., der allm Postämtern 2,25 Mk. <excl. Bestellgeld).
Jnsertronsgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Psg.
Rcclamcn: die Zeile 25 Psg.
Marburg
Mittwoch, 4. November 1903.
Jahrg,
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag' Joh. Aug. Koch, Universitäts-Buchdruckern Marburg, Markt 21. — Telephon 55,
Bauern und Sozialdemokratie.
Die Landagitation! der Sozialdemokratie ist ein Kapitel, dem nicht genug Aufmerksamkeit geschenkt werden kann. Die „Genossen" geben, sich bekanntlich, wo irgendwie sie die Möglichkeit einer Einwirkung zu finden glauben, die größte Mühe, ihre Ideen auf dem Lande zu verbreiten, bis jetzt — Gott sei Dank — ohne sonderlichen Erfolg. Ueber die sozialdemokratische Landagitation bringt der liberale „Rhein. Kurier" einige beachtenswerte Ausführungen, denen wir Nachstehendes entnehmen:
Zweifellos besteht die „rote Gefahr" auch für die Volksschicht, welche der Erde die Erzeugnisse abringt, die zur Erhaltung unseres Lebens notwendig sind. Die Werbearbeit der „Genossen" deren größtes Gebiet bislang die rußige Welt der Fabrikschornsteine und Mietskasernen war, greift auch hinüber auf die sonnigen Fluren und lachenden Gefilde des blatten Landes. Sie wissen gar ,zu gut, daß wo Menschen wohnen, auch die Unzufriedenheit zu finden ist.^Unzufriedenheit aber rsr das Lebenselement der Sozialdemokratie, ohne dieselben können sich nur weltfremde Schwärmer für die zersetzenden Lehren begeistern.
Wer wollte es aber leugnen, daß die Unzufriedenheit in unserem Bauernstände nicht zu finden wäre! Hören wir nicht mehr denn genug Klagen über die Not der Landwirte! Trotzdem können wir getrost der Entscheidung des Bauernstandes entgegensehen. Er müßte sich selbst aufgeben, wenn er sich in die Arme der Sozial- >denrokraten werfen wollte. Während für den Arbeiter die praktische Ausgestaltung der sozialdemokratischen Lehren immerhin etwas Bestechendes hat, bedeutet sie für den Bauer geradezu eine Verneinung seiner wirtschaftlichen Erfahrung. Ter Bauer erlebt praktisch das Gegenteil von dem was theoretisch der Sozialdemokrat vertritt.
Die Begriffe Gülererzeugung nnd Güterver- teilung, die in sozialdemokratischer Auffassung eine beispiellose Verworrenheit ganzer Gesellschaftsklassen hervorgerufen haben, sind für den Bauersmann keine Gebilde phantastischer Zu- kunftsträumereien, sondern feststehende Grund-, fätze einer weisen Weltordnung, deren Giltigkeit ihm durch die jedes Jahr wiederkehrende Reihenfolge von Säen und Ernten bestätigt wird. Und wenn jetzt wieder draußen im Land sich Scheuer, Keller und Speicher gefüllt haben, wenn der Landmann sich freut über die reiche Ernte oder aber sorgend über die Mißernte nachdenkt,, —• dann erlebt er aufs neue das Grundgesetz eines gesunden, wirtschaftlichen Lebens.: verschieden der Äcker, verschieden die Arbeit, — daher verschieden die Ernte.
Soziäldmokratisch gedacht müßte alles in eine große — sagen wir einmal „Staatsscheuer" —• abaeliefert werden. Ob einer seinen Acker auch in der richtigen Weise bewirtschaftet hätte, ob er fleißig gewesen wäre oder nicht, das wäre ganz einerlei. Ernährt würde er doch. Der Bauer würde zum Arbeiter für Faulenzer. Was aber den Bauer von der Sozialdemokratie am meisten trennt, das ist seine Liebe zur heimatlichen Scholle Verwirklicht einmal die Theorie, die in den Köpfen spukt, nehmt dem Bauer seinen Acker und feine Wiese, gebt ihm einen Teil des „Staats,
13 (Nachdruck verboten.)
Im Schlosse der Ahnen.
Original-Roman von Otto König-Liebthal.
(Fortsetzung.)
„Nur einen Augenblick!" bat er. „Was ich von dem da — von Herrn Kraft erzählen muß, :um Sie alle vor Enttäuschungen zu bewahren, 'können auch Sie, mein gnädiges Fräulein, er« 'fahren."
Erstaunt sahen Herr Horsten und Fräulein Frida ben Sprecher an.
? „Ich muß mich sehr wundern," begann er im flüsternden Tone zu erzählen, „daß ich Herrn Kraft hier als Hauslehrer finde. Wir beide waren einst Freunde, bis eines Tages, kurz vor un- f er ent Abgang vom Gymnasium, unsere Freund- fchaft ein Ende hatte. Auf einem Spaziergang, Len ich allein unternahm, traf ich zufällig Herrn Kraft mit einer Dame zusammen. Sie saßen hinter einem Gebüsch versteckt auf einer Bank. Er hielt die^Dame fest umftammert, die sich vergeblich bemühte, sich aus seinen Annen zu befreien. '„Küssen Sie mich!" hörte ich ihn sagen. Umsonst war das Flehen der Dame. „Erst küssen Sie inich^ Lann gebe ich Sie frei," sagte er mit leidenschaftlicher Stimme. Und ich glaube, er hätte sie dazu gezwungen, toenit ich jetzt nicht hervorgesprungen itoäre und die Dame befreit hätte. Ich zwang 'Herrn Kraft durch die Drohung einer Anzeige zu feiner Abbitte bei der Dame und deren Ettern, jwozu er sich auch nach längerem Sträuben entschloß. Seit dieser Zett habe ich natürlich jetten 'Verkehr mit diesem Menschen aufgehoben. Zu- 'dem war er auch mit einem Mädchen verlobt, das W reich war. Als es durch einen Bankkrach sein
seldes" zur Bewirtschaftung — dann nehmt ihr ihm zu gleicher Zeit etwas, was ihn in Zeiten der Bitternissen treu auf der heimatlichen Erde aushalten läßt — das innere Gebundensein an das Erbe der Väter. Der Bauer pflügt eben nicht nur einen Acker oder er mäht nicht die Wiese — Acker und Wiese sind ihm teures Land, wo jeder Baum, jede Hecke, jeder Markstein ihm vertraut zuwinkt.
Diese Gefühle aber kennt die Sozialdemokratie nicht. Noch viel weniger kennt sie das, worauf der Bauer so stolz ist, seine Freiheit. Zwar tritt sie marktschreierisch auf als Hüterin der Freiheit, um freie Menschen über das „Parteisklavenjoch" hinweg zu täuschen. Doch die „Freiheit" des Bauern, dec sich nur abhängig weiß von dem, der ihm Regen und Sonnenschein schickt, die kennt sie nicht. Wie aber würde es dir fein, du lieber deutscher Bauer, der du noch einen Herrgott kennst tvenn sie dich mit deinem alten „Märchenglauben" verspotteten!
Zuletzt aber tritt zwischen Bauer und Sozialdemokrat die Geschichte des Bauernstandes. Sie lehrt ihn, daß es ihm am wohlsten unter einem gordneten Regiment ist, daß es trotz der augenblicklich trüben Zeiten doch vorwärts mit ihm gegangen ist. Möge unserem Bauern die vorurteilsfreie Auffassung einer gesunden, wirtschaftlichen Weltordnung, die Liebe zur heimatlichen Scholle, seine Freiheitsliebe und sein Glaube erhalten bleiben, dann wird er eine Besserung ferner Verhältnisse niemals bei einer Partei suchen, welche seine Lebensinteressen nicht vertreten kann, weil sie dieselben nicht einmal kennt.
Umschau.
Die Kaiserzusammenkunft in Wiesbaden gibt der russischen Presse Gelegenheit, das Verhältnis beider Länder zu besprechen und es ist erfreulich zu lesen, daß alle die Beziehungen für ausgezeichnet halten. Eines der bedeutendsten Blätter, die „Moskowski Wjedomosti", begrüßt mit aufrichtiger Freude die Zusammenkunft und betont, daß sie noch an Bedeutung gewinne, weil zwischen den beiden Nachbarmächten keine Streitfragen vorliegen und die Monarchen sich ganz den irgendwie den Frieden bedrohenden internationalen Fragen zuwenden können. Das Blatt führt weiter auS: „Trotz der bestehenden Gruppierung der Mächte hat deren Annäherung stattgefunden, welche sowohl die europäische als auch die asiatische Politik beeinflußt. Das Verdienst daran kommt in bedeutendem Maße Deutschland zu, welches streng den Standpunkt vertritt, daß die Mandschurei in die Jntereffen- sphäre Rußlands gehört. Zweifellos wird Deutschland auch in Zukunft die friedliche Politik Rußlands im fernen Osten fördern. Eine solche Politik ist auch für Deutschland selbst vorteilhaft, weil sich seinem Handel in der russischen Mandschurei ein ebenso weites Absatzgebiet eröffnet wie im europäischen Rußland. Gute Beziehungen zu Rußland haben Deutschland immer Vorteil gebracht und in
großes Vermögen verlor, zog er sich schnöde von dem Mädchen zurück, welches jetzt tote ein Schatten dahinschleicht. Daher meine große Verwunderung, daher mein Schreck, als ich ihm hiev plötzlich gegenüberstand."
Der Offizier hatte geendet; forscheird schaute er bald auf Herrn Horsten, bald auf Fräulein von Kullig. Er nickte befriedigt, der Pfell der Verleumdung war gut abgeschossen, das sah er an den entsetzten Gesichtern seiner Zuhörer.
„So kann man sich täuschen!" rief Horsten erregt aus, während Fräulein Frida mit Abscheu ein „Pfui" in die Luft stteß.
„Wenn die Sache so steht," fuhr Horsten hastig fort, „muß ich es mir doch sehr überlegen, ob er noch weiter in meinem Hause weilen kann."
Fräulein von Kulligs Lippen zeigten ent leises nervöses Beben. Sie eilte in ihr Zimmer, wo sie laut schluchzend auf einen Stuhl sich niederließ, ihr brennendes Gesicht mit beiden Händen bedeckend.
„Vorbei —" stöhnte sie, „vorbei!"
Nach wenigen Minuten stand sie aus. „Noch ist es nicht zu spät," murmelte sie, „er soll meine ganze Verachtung fühlen, und wenn mein Herz darunter verblutet." —
Zum Abendessen kam sie nicht, sie hatte sich entschuldigen lassen. Besorgt suchte Frau Horsten sie auf.
„Was ist Dir, Frida?" fragte sie, als sie das bleiche Antlitz ihrer Kusine sah.
„Siehst Du," sagte Frau Horsten, als Frida mit ihrem Bericht zu Ende war, „ich konnte den Menschen nie leiden. Natürlich muß er aus unserem Hause. — Doch, was grämst Du Dich so sehr darum? Ist er Dir vielleicht doch nicht mehr so gleichgittig gewesen? — Du schweigst? Ah!
kritischen Augenblicken das Herauskommen aus schwierigster Lage erleichtert. Auch Rußland hat Grund, nahe Beziehungen zu Deutschland zu schätzen."
Vivisektion.
In Oesterreich ist ein heißer Streit um die Frage der Vivisektion ausgebrochen. Jin niederösterreichischen Landtage hatte dec Abgeordnete Steiner, der in medizinischen Dingen ein vollkommener Laie ist, heftige Angriffe gegen die Wiener Professoren erhoben, die ihre Versuche an lebenden Tieren erstatteten und sich damit einer grausamen, durch nichts gerechtfertigten! Tierquälerei schuldig machten. Die Universitätsprofessoren erließen dagegen einen geharnischten Protest, in dem sie namentlich auch ihrem Bedauern darüber Ausdruck gaben, daß die Vertreter der Negierung den Angriff auf das ärztliche Ansehen stillschweigend hingenommen hätten. Was nun die Frage der Vivisektton selbst angeht, so wird jeder Einsichtige zugeben, daß der Tierversuch in unseren phisiologflchsn und klinischen Instituten unumgänglich ist. Männer, die sich die Heilung von Krankheiten zur Aufgabe stellen, haben wahrhafttg keine Freude daran, ein Tier zu quälen. Zur Erkenntnis der feineren Lebensfunktioneu bedürfen die Fachgelehrten des Versuchskaninchens, das ebenso wenig zur Feststellung der Wirkung der Infektionen und Injektionen entbehrt werden kann. Gerade die neuere Vehandluirgsweise, die sogenannte Sevirmtherapie, der doch die Zukunft gehört, wäre ohne Versuchstier undenkbar gewesen. Der Tierversuch gibt die notwendigen Fingerzeige, hn einzelnen vorzugehen ist. Und es ist doch wahrlich kein schlechter Tausch, wenn man durch die Opferung einiger Kaninchen Menschenleben retten kann. Grausamer Tierquälereien macht sich der Arzt nicht schuldig, der die Vivisektton und den Tierversuch vornimmt, Schmerzen bleiben den Tieren nach Möglichkeit erspart. Wenn aber das Kleine in den Dienst des Großen gestellt wird, wenn das Tier zur Erhaltung des Menschen geopfert wird, so ist das doch nur recht getan.
Deutsches Reich
Berlin, 3. November.
— Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin wohnten am vergangenen Sonntag dem Gottesdienste in der Garnisonkirche zu Potsdam bei und unternahmen gestern Vormittag einen längeren Spaziergang. Später hörte der Kaiser mehrere Vorträge und erteilte Audienzen. Montag Abend ist Se. Majestät nach Homburg abgereist, von wo er am heutigen Dienstag die Saalburg besuchen wird. Von da wird die Reise nach Wiesbaden fortgesetzt, wo am Mittwoch bekanitt» lich der Kaiser von Rußland und der Großherzog von Hessen eintreffen.
— Die Kaiserin dankte für die Glückwünsche ter Berliner Bürgerschaft zum Geburtstage; sie empfinde es mit tiefer Freude, wie groß die Anhänglichkeit weiter Kreise an das Königshaus ist und wie in diesen Kreisen, ihren Wünschen ent-
— Setzt weiß ich auch, warum Du von Herrn von Schwabenstein nichts mehr wissen wolltest."-
Frau Horsten rang die Hände.
„Quäle mich nicht, Ella," bat Frida weich. „Ich habe mich anders besonnen. Herr von Schwabenstein mag kommen, obwohl ich ihn ■—- das sage ich auch heute noch — nicht liebe."
„Das ist vernünftig gesprochen, Frida," sagte Frau Horsten erfreut. „Du sollst sehen, daß Du glücklich mit ihm wirst."---
Helmut Kraft hatte feine Ruhe ob des unverhofften Wiedersehens mit dem einstigen Freunde nicht verloren. Hätte er aber ahnen können, welch schändliches Bubenstück dieser ausgeiibt hatte, so wäre er nicht so gleichgilttg geblieben. Von seiner Gewohnheit, nach dem Abendessen im Parke spazieren zu gehen, ließ er auch heute nicht. Doch wollte er jedes Zusammentreffen mit Herrn von Schwabenstein vermeiden und ging deshalb weiter in den Park hinein. Aber fein Wunsch sollte sich nicht erfüllen. Herr von Schwabenstein hatte ihn gehen sehen, und da sich auch Herr Horsten wegen Erledigung mehrerer Geschäfte in fein Arbeitszimmer zurückgezogen hatte, so konnte der Affigier unbemerkt Helmut folgen.
„Verzeihe, wenn ich Dich störe," sagte Herr von Schwabenstein, als er vor Helmut stand, „aber ich möchte doch mit Dir sprechen."
„Hast Du noch den Mut, Dich mir zu nahen?" sagte Helmut, mit spöttischem Lachen. „Ich wüßte nicht, was wir beide noch miteinander abzumachen hätten. Du wirft doch wissen, daß jener Vorfall uns für immer trennt, denn einen Menschen, der eine junge, achtbare Dame zwingt, ihm zu Willen zu fein, selbst wenn es sich auch nur um einen Kuß handelt, den verachte ich tief und er hat kein Recht mehr auf meine Freundschaft."
sprvchend, die zahlreichen und verschiedensten Werke christlicher Nächstenliebe dauernd zunehmen
— Die Generalsynode wünscht, daß der Karfreitag als bürgerlicher Feiertag in ganz Preußen zur vollen Durchführung komme. Die Angelegenheit sei keine speziell konfessionelle.
— Die Nachricht, daß die deutsche Regierung der englischen das Projekt eines Zolltarifs für einen Handelsvertrag vorgelegt habe, ist einer Londoner Meldung des „B. T." zufolge unbegründet. Vor allem wird es auf die Verlängerung des Provisoriums ankommen, das Weitere wird sich dann finden.
— Die zweite Konferenz der russischen und deutschen Unterhändler für einen neuen Handelsvertrag wird angeblich noch in dieser Woche bei ginnen. Nachdem durch die erste Lesung, so schreibt der „Russisch-Deutsche Bote", über die auf beiden Seiten bestehenden Forderungen und in Aussicht stehenden Zugeständnisse vorläufig Klar* heft geschaffen war, haben auf der so gewonnenen Basis in der Zwischenzeit Besprechungen zwischen beit beteiligten Interessenten und weitere Unter- hanblungen zwischen den Regierungen ftattgefun- den. Die Arbeiten sind so befchleunigt worden, daß die zweite Lesung erheblich früher beginnen kann, als ursprünglich angenommen werden konnte. Die Verhandlungen werden nicht wieder in Petersburg, sondern in Berlin erfolgen und eine ganze Reihe von Wochen in Anspruch nehmen
— Eine Reichsviehversicherung steht nicht in Aussicht. In der dieser Tage abgehaltenen Konferenz soll auch nicht einmal der Gedanke aufge- taiicht sein, einen Viehversicherung auf Kosten des Reiches einzuführen.
— Im Kultusministerium fand gestern Vormittag eine Versammlung von Tuberkulose Aerzten Deutscksiands zur Vorbereitung für den Pariser internationalen Tuberkulosekongreß hn September 1904 statt.
— Die Bestattung Mommsen's erfolgt auf Kosten der Stadt Charlottenburg voraussichtlich Mittwoch oder Donnerstag. Zahlreiche Beileidskundgebungen sind bereits eingegangen, so aus Rom und Venedig. Auch viele Deputationen aus dem Auslände, die an der Beerdigung teil- nehmen, sind bereits angemeldet. — Ein außerordentlich herzliches Beileidstelegramm iibersandte unser Kaiser der Witwe des Verstorbenen, in dem es u. a. heißt: Die ganze gebildete Welt nimmt Teil an Ihrem Verlust, hat sie doch in dem Entschlafenen ihren größten humanistischen Gelehrten, den Meister der römischen Geschichtsforschung den unübertrefflichen Organisator wissenschaft- licher Unternehmungen verloren. Was mir den Heimgegangenen besonders nahe brachte, sind feine Verdienste um die Erforschung der Limes. In dankbarer Anerkennung seines Wirkens hatte ich bereits angeordnet, daß eine Marmorbüste des großen Forschers auf der Saalburg ausgestellt würde. Zu seinem 60 Doktorjubiläuin (dieses seltene Fest hätte Mommsen am 8. d. M. feiern können. D. Red.) gedachte ich ihm damit eine Freude zu bereiten. Er hat es nicht mehr erleben sollen. Sein Bildnis aber wird der Nachwelt die Züge des seltenen Mannes überliefern, dessen Name für alle Zeiten ein Ebrenblatt in der Geschichte der deutschen Wissenschaft bilden wird.
Der Ossizier rührte sich nicht; aber seine matten Augen, in denen alles Feuer erloschen schien, öffneten sich groß und breit. Die Demütigung, zn der ihn damals Helmut zwang, hatte er nicht vergeßen. Er wollte auffahren, aber doch beherrschte er sich und heuchelte Reue. '
„Kannft Du immer noch nicht jene unglückselige Schwachheit vergessen!" rief er mit wehmütiger Stimme aus. „Helmut, laß das Vorgefallene ruhen! Ich sehe mein Unrecht ein und weiß, daß ich unedel gehandelt habe. Vergiß den Jugend- stteich, durch den ich Dein reines Gemüt beleidigt habe und sei wieder gut." i
Mit durchdringendem Blick sah ihn Helmut an.
„Ich glaube nicht an Deine Neue," entgegnet# •r kurz.
„Helmut, meine Reue ist echt. Ja, ich habt jene Dame furchtbar gekränkt und beleidigt, aber sie und ihre Ettern haben mir vergeben. Willst Du allein unversöhnlich bleiben ? Noch einmal bitte ich Dich: vergib und vergesse."
Helmut schwieg einige Augenblicke; er schien ;>t überlegen.
„Gut," erwiderte er endlich, „ich wills aber aut unter einer Bedingung." !
„Nenne mir dieselbe!" sagte Schwabenstein aufseufzend
Helmut sah ihn mit durchdringendem Bttck fest <n die Augen.
.Du bist hergekommen, um Fräulein v. Ku lug an Dich zu ketten. Dich mit ihr zu verloben."
Betroffen blickte der Ossizier auf.
„Woher weißt Du das?" .
„Das kann Dir gleichgittig sein. Ja — odet nein?" - .
„Ja."
'(Fortsetzung folgtJ