Einzelbild herunterladen
 

MechjW FEH

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Sonntagsbeilag« JUustrirtes Soantagsblatt.

Jli 285

esM> «8ou®»?xäa8M.»s.. -- - yw. r~ n an a iw i

Vierteljährlicher Bezugspreis^ bet der Expedition 2 Mk^ bet allen Postämtern 2,25 Mk. (cjcl. Bestellgeld).

Jnserttonsgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg. Reclamen: die Zeile 25 Pfg.

Marburg

Dienstag, 3. November 1903.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag« Joh. Aug. Koch, Universitäts-Buchdruckerei Marburg, Markt 21. Telephon 55.

38. Jahrg.

Der Stand der Heeresgesetzgebung.

Da im nächsten Jahre das Quinquennat zu Ende geht und eine Erneuerung desselben durchaus notwendig ist, wird dem Reichstag schon bald nach seinem Zusammentritt eine neue Militärvorlage unterbreitet werden, lieber den Umfang derselben verlautet noch nichts. Es heißt nur, daß sie sich in bescheidenen Grenzen bewegen werde. Um so mehr ist dann wohl zu hoffen, daß die nationalen Parteien die zur Erhaltung der Wehrkraft des Reiches nötigen Verstärkungen bewilligen werden. Bei dieser Sachlage dürfte es interessieren, die Vorgänge darzustellen, welche seit der Errichtung des Deutschen Reiches in der Militärgesetzgebung sich abgespielt haben. Das Gesetz, daS den Artikel 59 der Verfassung entsprach, wurde unter dem 2. Mai 1874 erlassen. Der Ent- wlirf, den die Verbündeten Regierungen dem Reichstag unterbreiteten, wollte, daß die Friedens- Präsenzstärke dauernd sestgelegt würde. Man einigte sich indessen, da der Reichstag darauf nicht eingehen wollte, auf ein Septennat. Im Gesetz wurde zum ersten Male die Anzahl der Truppenteile bestimmt. Die Friedenspräsenz­stärke betrug danach an Unteroffizieren und Mannschaften für die Zeit vom 1. Januar 1875 bis 31. Dezember 1881 401659 Mann. Die Infanterie wurde in 469 Bataillone, die Kavallerie in 465 Eskadrons, die Feldartillerie in 300 Batterien, von welchen je 24 eine - ^Abteilung bilden sollten, die Fußartillerie in 29, die Pioniere und der Train in je 18 Bataillone formiert. DaS ganze Heer wurde in 18 Armeekorps geteilt, von denen 14 auf Preußen, und die ihm angegliederten Staaten, zwei aus Bayern, je eins auf Sachsen und Württemberg entfielen. Diesem Gesetze folgten dann zwei Novellen, die in der Haupt­sache die Friedenspräsenzstärke und die KadreS neu festsetzten. Die erste Novelle datiert vom 6. Mai 1880. In ihr wurde die Frieden»- prüsenzstärke vom 1. April 1881 big 31. März 1888 auf 427 274 Mann festgestellt. Die In­fanterie wurde in 503 Bataillone, die Feld­artillerie in 340 Batterien, die Fußartillerie in 31 Bataillone, die Pioniere in 19 Bataillone geteilt. Bezüglich der Ersatzreservisten wurde bestimmt, daß die Uebungspflicht der ersten Klasse sich auf vier Hebungen erstrecken sollte, von denen die eine Dauer von 10, die zweite eine solle von 4, die beiden letzten eine solche von je 2 Wochen nicht überschreiten sollten. Die zweite Novelle datierte vom 11. März 1887 und setzte die Friedenspräsenzstärke vom 1. April 1887 bis 31. März 1894 auf 480409 Mann fest. Die Infanterie wuchs auf 534 Bataillone, die Feldartillerie auf 364 Batterien. ^Die neuerrichteten Bataillone wurden vielfach den Regimentern an der Grenze als vierte Bataillone überwiesen.

,12 Mach druck verboten.)

Im Schlosse der Ahnen.

Original-Roman von Otto König. Liebt Hal. lForisetzung.)

Auf dem Rückwege sagte Herr Horsten:Ich habe ihm 300 Taler von der Pacht abgelassen. Ich hab' es tun müssen, wenn ich auch gerade jetzt den Ausfall schwer missen kann. Doch das ist nicht einmal das schlimmste. Der Schafstall ist ja in einem schrecklichen Zustande; neue Gebäude täten auch hier unbedingt not. Ich kann es nicht machen. Tas beste ist eben, ich verkaufe Philipps- ial."

"Aber, Herr Horsten," entgegnete Helmut, auf den Wald zeigend,dort steckt ja Kapital genug diru, lassen Sie doch das Holz schlagen."

Nein," erwiderte Horsten kurz und versank in tiefes Nachdenken. Die Zügel hingen seinem Pferde nachlässig über den Hals, und der Reiter > schien sich wenig drum zu kümmern, was sein Tier unter ihm anfange. Schweigend ritt Helmut neben ihm her.

Plötzlich fuhr Horsten zusammen; dann aber richtete er sich stramm auf. Ein freudiges Rotzge- wieher schallte ihm aus dem Walde heraus, und schon im nächsten Augenblick hielt eine Reiterin neben ihm.

Auch Helmut hatte die Reiterin nicht eher be­merkt, als sie dicht vor ihm hielt.

Ach, daS ist ja prächtig!" rief Horsten erfreut ans und reichte ibr die Hand, während sie Hel- innts Grus; durch ein leichtes Kopfnicken erwiderte. Wie bin Du denn auf den glücklichen Einfall ge- koimnen, uns so zu überraschen? Ich sah Dich in der letzten~ßeit gar nicht mehr zu Pferde."

Fräulein Frida lachte hell auf, um ihre Ver- ^geuheit zu verbergen.Ich hatte in der letzten

Bald nach der letzten Novelle stellte sich aber das Bedürfnis heraus, die Wehrpflicht in Deutsch­land auf eine andere Grundlage zu stellen. Das Gesetz vom 11. Februar 1888 war dazu be­stimmt, diese Aufgabe zu lösen. Die wichtigste Aenderung, die es schuf, betraf den Artikel 59 der Verfassung. Nach dem neuen Gesetz wurde er dahin abgeändert, daß jeder wehrfähige Deutsche sieben Jahre lang dem stehenden Heere, die ersten drei Jahre bei der Fahne, die letzten vier in der Reserve, die folgenden 5 Lebens­jahre der Landwehr I. Aufgebots und sodann bis zum 31. März desjenigen Kalenderjahres, in welchem daS 39. Lebensjahr vollendet wird, der Landwehr H Aufgebots angehört. Die Landsturmpflicht wurde vom 42. bis zum 45. Lebensjahr verlängert. Ehe an eine erneute Festsetzung der FriedenspräsenSstärke gegangen werden konnte, mußte noch eine Aenderung vor­genommen werden. Die Armeekorps hatten sich infolge der dauernden Verstärkung der Ver­bände zu sehr vergrößert, und so wurde denn in dem Gesetz vom 27. Januar 1890, daS am 1. April gleichen Jahres in Kraft trat, be­stimmt, daß statt der 18 Armeekorps des Ge­setzes vom Jahre 1874 20 errichtet würden, von denen 16 auf Preußen, zwei auf Bayern und je ein» auf Sachsen und Württemberg fielen. In dem Gesetze vom 15. Juli 1890 wurde so­dann die Friedenspräsenzstärke zum ersten Male auf einen kürzeren Zeitraum festgelegt, nämlich auf die Zert vom 1. Oktober 1890 bis zum 31. März 1894. Sie sollte 469 983 Mann betragen, die in 538 Jnfanteriebataillone, 465 Kavallerieeskadrons, 434 Feldartillerie­batterien, 31 Fußartilleriebataillone, 20 Pionier­bataillone, 21 Trainbataillone zerfielen. Be­sonders fällt hier die Verstärkung der Feld­artillerie auf, die von 364 Batterien des Jahres 1887 auf 434 vermehrt wurde.

Die Bestrebungen, die auf Herbeiführung der zweijährigen'.Dienstzeit gerichtet waren, er­zielten in dem Gesetze vom 3. August 1893 einen Erfolg. Es wurde in diesem Gesetz be­stimmt, daß während der Dauer der Dienst­pflicht im stehenden Heere die Mannschaften der Kavallerie und der reitenden Feldartillerie die ersten drei Jahre, alle übrigen Mannschaften die ersten zwei Jahre zum ununterbrochenen Dienst bei der Fahne verpflichtet seien. Damit ist die zweijährige Dienstzeit, soweit möglich, eingeführt. Eine zweite wichtige Neuerung de» zuletzt genannten Gesetzes ist die, daß statt der Maximalziffer die Durchschnittsziffer der Frie­denspräsenzstärke festgelegt wurde. Sie war auf 479 229 Mann berechnet. Neben den 538 Vollbataillonen wurden 173 Halbbataillone ge­bildet, die Feldartilleriebatterien wurden auf 494 vermehrt, die Fußartilleriebataillone auf 37 und die Pionierbataillone auf 23. Die Halbbataillone der Infanterie sollten die Voll­bataillone von manchen Obliegenheiten, die mit

Zeit wenig Lust dazu," entgegnete sie mit gesenk­tem Blick,doch werde ich ^etzt wieder öfter aus­reiten."

Tu das nur, Frida," sagte Horsten,doch kann ich Dich nicht immer begleiten; vielleicht ist Herr Kraft, der sich heute als ein vorzüglicher Reiter entpuppt, so freundlich und begleitet Dich."

Wenn das gnädige Fräulein damit einver­standen ist, sehr gern. Es macht mir das Reiten auch viel , . . ."

Helmut konnte nicht ausreden. Sein Pferd bäumte sich in die Höhe, dann jagte es davon, daß die Funken stoben und eine dichte Staubwolke hinter ihm zurückblieb. Doch Helmut verlor die Herrschaft über das feurige Tier nicht eiuenAugen- blick. Wäre er nicht ein so vorzüglicher Reiter gewesen, er hätte schon längst am Boden gelegen. Nicht eine Spur von Aufregung war in ihm; ja, es war ihm eine Lust, mit Windeseile dahin zu jagen, er ließ deshalb das Pferd laufen.

Mit Bewunderung sah Horsten dem Reiter nach, während sich ans Fridas Brust ein Schrei der Angst entrang.

Wenn er stürzt, Alex!" rief sie entsetzt ans. lieber den Graben kann er unmöglich kommen, das Pferd jagt direkt auf ihn zu." Ihre Hände zitterten und ihre Brust hob und senkst» sich stürmisch.

Nur keine Angst!" beruhigte Horsten die Dame;er ist ein vorzüglicher Reiter. Doch sieb wahrhaftig! er hat den Graben genommen! Jetzt hat er gewonnen."

Aber noch immer stürmte das Pferd dahin. Horsten und Frida sahen dem Reiter nach, bis er endlich hinter einer Anhöhe verfchwand. In scharfem Trabe ritten sie ihm nach. Noch hatten sie den Park, der hier an der Straße endete, nicht erreicht, da kam ihnen Helmut schon wieder auf schweißtriefendem Pferde entgegen.

der kriegsmäßigen Ausrüstung nichts zu tun hatten, entlasten. Die Halbbataillone bewährten sich nicht. In dem Gesetze vom 28. Juni 1896 wurden sie zu 84 Vollbataillonen umgebildet und in Regimentern zu zwei Bataillonen in Brigaden zu 4 Bataillonen vereinigt. Die In­fanterie bestand nach diesem Gesetz aus 624 Bataillonen, die übrigen Kadre» wurden auf der früheren Anzahl belassen, nur wurden 7 Bataillone Eisenbahntruppen besonders gerechnet. Die gegenwärtig zu Recht bestehenden Verhält­nisse sind durch zwei Gesetze vom 25. März 1899 geregelt. In dem ersteren ist die Präsenz für das Rechnungsjahr 1903 auf 495 500 Gemeine, Gefreite und Obergefreite normiert. Die Unter­offiziere find jetzt aus der Präsenz fortgelassen. Die Cadres wurden fortgesetzt auf 625 Bataillone bei der Infanterie, 482 Eskadrons, 574 Batte­rien, 88 Bataillone Fußartillerie, 26 Pioniere, 11 Verkehrstruppen und 23 Train. Im zweiten Gesetze wurde die Zahl der Armeekorps auf 23 erhöht und die Feldartillerie den Divisionen zugeteilt.

Umschau.

Der Siapellauf des Linienschiffes P r e u ß e n".

In (Stettin lief am Sonnabend unser neuestes Linienschiff vom Stapel, das die KaiserinPreu­ßen" taufte. Reichskanzler Graf Bülow hielt eine schwungvolle Taufrede. Der Kaiser und die Kaiserin waren mittags in Stettin eingetroffen Nachdem der Kaiser die Front der Ehrenwache ab­geschritten war und dann mit feiner Gemahlin sowie dem Grafen Bülow die Taufkanzel bestiegen hatte, hielt letzterer seine Ansprache. Er erinnerte zunächst daran, daß vor 30 Jahren an derselben Stelle im Beisein des Sieaers von Wörth und seiner Söhne die damalige Kronprinzessin die PanzerfregattePreußen" taufte. Im Gegensatz zu dem neuen Linienschiff, woran von den Ideen des leitenden Ingenieurs bis zu dem Hammer- schlag des braven Werkmannes viele fleißige Köpfe und Hände teil haben, fei die Fregatte aber kein Schiff von rein deutscher Bauart gewesen. Bei dem Vergleich jenes Stapellaufs mit dem heutigen dürfen wir ohne Ruhmredigkeit sagen: cs geht vorwärts mit der deutschen Flotte, vor- wärts durch die bahnbrechende Kraft kaiserlicher Entschließung, durch die bundesfreudige Mithilfe der Landesfürsten, durch die patriottsche und opfer- ivillige Haltung des Reichstages, durch die Grund­stimmung des deutschen Volkes, das mit seiner parlamentarischen Vertretung, seinen Fürsten und feinem Kaiser sich über die Unmöglichkeit klar ist, das nationale Leben in binnenländische Schranken zurückzudämmen." Die Marine fei ein völkerver­bindendes Element, sie erziehe die Völker.Und wie jeder vom Stapel laufende Panzer nach vol­lendeter Ausrüstung mit seinen Offizieren und Mannschaften eine deutsche Welt im kleinen ist, eine Summe vieler Tüchtigkeiten, so folgt ihm auf feinen Fahrten eine reicheFülle menschlicher, dienst­licher, staatlicher Beziehungen: sorgende und hof-

Gott sei Dank!" rief Horsten erfreut aus, daß Sie heil angekommen sind. Frida hatte schon das schlimmste befürchtet und um Ihretwillen Angst aus gestanden."

Das war unnötig, gnädiges Fräulein," fa^te Helmut ruhig und mit stolzem Selbstbewußtsem. Wenn ich auch nur ein Hauslehrer bin, so ver­stehe ich doch so manche Künste, worauf die Herren in einer anderen Gesellschaftsklasse oft so stolz sind."

Fräulein von Kullig biß sich auf die Lippen. Sie war zusammengezuckt bei feinen Worten, und eine dunkle Röte ergoß sich über ihre Wangen. Sie stihlte den Spott, der in seiner Rede lag, nur zu deutlich. Umsonst grübelte sie nach, wodurch Hel­mut Kenntnis erlangt haben konnte von der Rede­wendungnur ein Hauslehrer", die sie schon mehr als einmal in Gesprächen mit Frau Horsten ge­braucht hatte. Doch ließ sie ihn nicht merken, wie sehr er sie getroffen hatte. Sie lächelte; dann ver­setzte sie ihrem Pferde mit der Reitgerte einen leichten Schlag, und ihr Tier griff nun schneller aus. Die Herren folgten und bald hielten sie an der Freitreppe. Herr Horsten ließ einen Pfiff ertönen, worauf ein Bursche angelaufen kam und die Tiere nach dem Stalle führte.

Als die Herrschaften die Frettreppe erstiegen, trat aus dem Schloß ein junger Offizier uner­wartet auf sie zu.

Ah! Herr von Schwabenstein!" rief Horsten freudig überrascht aus und streckte ihm die Hand zum Gruß entgegen. Errötend reichte Fräulein Frida dem Offizier auch die ihrige, die dieser ga­lant küßte.

Als Herr Horsten die Herren miteinander be­kannt, machen wollte, wehrte Helmut höflich,, doch energisch ab.Ist nicht nötig, Herr Horsten, wir kennen uns bereits von früher."

sende Liebe von Ettern und Kindern, von Frauen und Bräuten, Wünsche der Kameraden, Befehl- der Vorgesetzten, Berechnungen der Politik, daS Machtgebot des obersten Kriegsherrn, die Ehre der Nation. Deshalb ist uns ein solches Schiff keine bloße Nummer, sondern von dem Augen­blick ab, wo es zu Wasser gleitet, erscheint es uns als ein beseeltes Wesen, das sein Eigenleben führt. Kaum ein anderer Name, als der des alten viel­umstrittenen, Ordenslandes Preußen wäre geeig­neter für ein Fahrzeug, das gegen Wind und Wellen kämpfen soll. Denn der Staat, der diesen Namen trägt, von Anbeginn an bedroht, gefürchtet gehaßt, aber auch geliebt und hoch gehalten von feinen Söhnen mit Anspannung aller Kräfte wie wenige, war oft von Stürmen umbraust, hat aber mit Gottes Hilfe alle Stürme schließlich siegreich überstanden. Möge für unser jüngstes Linien­schiff das Leben lang, glücklich und ehrenvoll sein, würdig des stolzen und ruhmreichen Namens, den Euere Majestät ihm jetzt geben wollen." Mit lau­ter Stimme sprach die Kaiserin:Auf Befehl des Kaisers taufe ich dichPreußen". Während die Ehrenwache präsentierte, die Musik spielte, glitt das Schiff in fein Element.

Reich seinnahmen.

Die Jsteinnahme an Zöllen und Verbrauchs­steuern hat in der ersten Hälfte des laufenden Etatsjahres 388,3 Millionen Mark oder 15,2 Millionen Mark mehr als im gleichen Zeiträume des Vorjahres bettagen. An dem Mehr sind be­teiligt die Zölle mit 9 Millionen, die Zuckersteuer mit 14,5 Millionen Mark, die Salzsteuer mit 0,9 Millionen und die Branntweinverbrauchsabgabe mit 1,9 Millionen. Die Tabaksteuer hat ein We­niger von 0,4 Mllionen, die Maischbottichsteuer von 9,5 Millionen und die Schaumweinsteuer von 0,4 Millionen Mark ergeben.

Was die anderen Einnahmezweige betrifft, für die der Ausweis über das erste Semester borliegt so haben die Reichsstempelabgaben im ersten Halb­jahre 29,7 Millionen Mark erbracht. Auf das Volljahr gerechnet würde diese Einnahme um nicht weniger als 19,1 Millionen Mark hinter dem Etat zurückbleiben. Die Börsensteuer würde an dem Fehlbeträge mit nicht weniger als nahezu neun Mllionen Mark beteiligt sein. Die Post- uni Telegraphenverwaltung hat zwar auch gegenüber dem gleichen Zeiträume des Vorjahres ein gün­stiges Ergebnis gehabt, bleibt aber hinter dem Etatsanschlage immer noch zurück: nur bei der Reichs-Eisenbahnverwaltung ist auch der Etats-. Voranschlag durch die bisherigen Ergebnisse über­schritten.

Polizei und Publikum.

Bemerkenswert sprach sich der preußische Mi­nister des Innern v. Hammerstein bei der soeben erfolgten Einweihung des neuen Polizeigebäudes in Hannover über das Verhältnis der Polizei zum Publikum aus: Die Polizei ist um des Publikums willen da, sagte er. Der Polizei würde oft von dem Publikum zu wenig Entgegenkommen gezeigt, aber es liege an der Polizei, dem abzuhelfen. Die Polizei habe dem Staatsbürger zu geben, was

Verdammt!" fagte sich der Offizier im Stillen. Doch ich werde schon mit ihm fertig werden."

Um feine Verlegenheit aber. zu verbergen, sprach er laut lachend:Ja, wir kennen uns be­reits schon," und streckte ihm die Hand entgegen. Helmut tat, als bemerkte er sie nicht und trat Einige Schritte zurück. Ein flammender! Blick schoß aus den Augen des Offizies aber nur einen Augenblick, dann sprach er lächelnd mit Herrn Horsten und Fräulein von Kullig.

Ich will nicht weiter stören," sagte jetzt Hel­mut, verbeugte sich und ging.-

Wenn Herr von Schwabenstein der Meinung war, daß niemand seine Verlegenheit bemerkt hatte, als er sich unvermutet Herrn Kraft gegen­über sah, so irrte er, denn Herrn Horsten war es nicht entgangen, daß ihm dieses Zusammentreffen unerwünscht war.

Also, Herrn Kraft kennen Sie schon von früher?" begann Horsten das Gespräch wieder.

Ja," entgegnete der Gefragte scheinbar gleich- gültig,wir waren zusammen auf dem Gyiw, nafium, sind aber in der letzten Zeit gar nicht mehr zusammengekommen. Er wurde Student, ich Soldat. Jetzt ist er also wohl bei Ihnen Haus­lehrer, wie ich vermute?" >

Horsten nickte.

Ein schändlicher Plan war indessen blitzschnell in dem Herzen des Offiziers geschmiedet worden«! Ein höhnisches Lächeln zuckte um seine Lippen«* Ja, er musste ihn unschädlich machen, ehe er, sichd von Helmut Kraft niedertreten ließ, ehe dieser feinen Plan durchkreuzen konnte. Rache wollkei er nehmen für die ihm einst angetane Schmach- und Demütigung. !

Jetzt wollte Fräulein von Kullig gehen, doch Herr von Schwabenstein wußte sie zuriickzuhaltea,-

-------- (Fortsetzung folgt).