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mit »cm Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Sonntagsbeilage: Jlluftrirtes Sonntagsblatt«

M 284

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Reklamen: die Zeile 25 Pfg.

Marburg

Sonntag, 1. November 1903.

SM i

Erscheint wöchentlich sieben mal. i

Druck und Verlag' Joh. Aug. Koch, Univcrsitäts-Buchdrucktrei 38. Jahrg.!

Marburg, Markt 21, Telephon 55, *

Zweites Blatt. G

Die magyarische Gefahr. -

Die ungarische Ministerkrisis und der Ver- sassungskonslikt mit der Krone haben wieder ein­mal die politischen Aspirationen des Magyaren- tums ziemlich unverbülll hervortreten lassen. Einem Aussatz desGrenzboten" entstammen die nachstehenden Ausführungen über die Gefahr, welche ein selbständiges llngarreich nicht nur für Deutschland, sondern auch für ganz Europa haben würde. Es geht daraus hervor, welches Interesse gerade das Deutschtum an der Erhaltung einer ,starken habsburgischen Monarchie haben must und an der Integrität des österreich-ungarischen Staates. Es heißt dort:

Die Alleinherrschaft des Magyarentums in Ungarn ist seit dreißig Jahren ein Gegenstand der politischen Berechnung, und besonders in Deutsch-! land hat man sich daran gewöhnt, damit als einem ,Gegengewicht gegen slawische Einflüsse zu rech­nen. Bei allen Sympathien und Antipathien-, die man gegenüber den einzelnen Ungarn be­wohnenden Volksstämmcn empfindet, würde man sich vom Standpunkt einer nur den Tatsachen rech­nenden Politik mit der Herrschaft des Magyaren- tums in Ungursi und mit der allmählichen Umge­staltung des Landes in einen einhestlichen magya­rischen Nationalstaat abfinden können, wenn das Magyarcntum die Fähigkeit hätte, seine Bestrebun­gen zu verwirkliche» und so die Aufgaben zu lösen, die ihm in den Augen derer gestellt sind, die es als ein Bollwerk gegen die Gefahr vom Osten betrachten. Ein unbefangener Vergleich der jetzigen Zustände in Ungarn mit denen vor dreißig Jahren zwingt jedoch dazu, diese Frage zr verneinen. Auch die brutalsten gesetzlichen und Verwaltungsmaßregeln haben die Bevölkerungs- Verhältnisse nicht zugunsten der Magyaren zu ver­schieben^ vermocht, den Magyaren aber den Haß aller Nichtmagyaren eingetragen und die Stellung der Monarchie in der orientalischen Frage äußerst ungünstig beeinflußt. Sogar die Juden, die sich doch politisch mit allen magyarischen Parteien ver­mengt haben, setzen, was die Sprache onlangt, ihren Freunden den härtesten Widerstand ent­gegen. Daß aber die Nichtmagyarcn, wie schon er­wähnt worden ist, heute nicht mehr einer Tren­nung von, Oesterreich und der vollen staatlichen Unabhängigkeit Ungarns widerstreben, weil sie damit rechnen, daß ein selbständiges Ungarn unter der Alleinherrschaft des Magarentunis unfähig ist, die Völker zwischen den Karpathen, der Save und den, transsylvanischen Alpen mit sich zu einem einheitlichen politischen, geschweige denn nationalen Ganzen zu verschmelzen. Und spricht nicht die bedenkliche Torheit, mit der die Pester Parteien durch ihre revolutionären Ansprüche das Band zerreißen, das sie bisher mit der Dynastie verband, und das allein die Aufrechterhaltung ihrer Alleinherrschaft ermöglichte, für ihre poli­tische, Unfähigkeit? Die Errichtung eines selb-, ständigen Ungarns müßte logischer Weise entweder zur Befriedigung der nationalen Ansprüche der

11 (Nachdruck Verboteny

Im Schlosse der Ahnen.

Original-Roman von Otto König-Liebthal.

(Fortsetzung.)

;Ich kann und werde Herrn v. Schwabenstein nicht heiraten!" rief sie fest und bestimmt aus. Und nun laß mich mit dieser Angelegenheit in Ruhe," setzte sie flehentlich hinzu.

Doch Frau Horsten gab so leicht nicht nach, wenn sie ein Ziel verfolgte.

Aber, ich bitte Dich, Frida, wie kannst Du Nur. . ."

1 Weiter kam sie nicht, denn das junge Mädchen war erregt aufgesprungen und sagte, fast befeh­lend klang ihre Stimme, zu der erregt auf- und abgehenden Kusine:Jetzt schweige nun endlich davon, die Sache habe ich doch wohl zu entscheiden. Bekümmere Dich lieber um Deinen Mann, dec nicht weiß, wie er seine Sorgen los wird. Wie ost habe ich ihm nicht schon mein Geld angeboten aber immer wehrte er ab."

Doch Frau Horsten glaubte nicht daran, was sie soeben gehört.

So schlimm kann es noch nicht stehen," ent­gegnete üe ruhig, sonst hätte er nicht die Häuser gebaut, denn so schlecht waren die alten noch nicht.

Das sagst Du," versetzte Fräulein Frida, Aler war anderer Meinung und baute. Und ich bi» ganz seiner Meinung gewesen. Es war tatsächlich notwendig. Aber freilich Du hast ja nie in die Wohnungen der Leute hineingesehen und weißt nicht, wie es darinnen aussah und wie es setzt aussieht."

Laß das," wehrte Frau Horsten energisch ab.Doch nun frage ich Dich zum letzten Male: Soll Herr von Schwabenstein kommen oder soll ich ihm abschreiben?"

Nichtmagyaren und damit zur Depossedierung des Magyarentums oder--und das ist dasWahrschein- lichere dazu führen, daß die dann zu erwar- tendeVcrschärfung der jetzt schon gewalttätigen Re­gierungsweise zunächst Rumänen, Serben und Kroaten zwingen würde, das Zentrum ihres na- tinalen Lebens außerhalb der Grenzen des Staats zu suchen. Die Errichtung eines selbständige Un­garns würde aber auch aus der Grundlage der heutigen, die in der europäischen Politik vorhan­denen Gegensätze paralysierenden, Gruppierung der Mächte den konservativsten Bestandteil, die österreichisch-ungarische Monarchie, herausbrechen und damit das politische Gleichgewicht in der Alten Welt zerstören. Die beiden Teilstaaten, die an die Stelle der Monarchie träten, wären zwei po­litisch und mUitärisch leistungsunfähige Gebilde, die sich nur widerwillig unter einem Herrscher zu­sammenhielten der Abgeordnet Barabas hat ja bei der letzten Rakoczyfeier schon ausdrücklich er­klärt:Wir wollen einen Staat, dessen Bürger niemand anders als dem Gott der Magyaren ge­horchen,,, kurz, das Gebiet der orientalischen Frage wäre um 676 00 Quadratkilometer erwei­tert, es erstreckte sich von Bosporus bis zum böh­mischen Erzgebirge, vom Arlberg bis an die Donaumündungen, und man braucht keine reiche Phantasie dazu zu haben, daß man sich ausmalt, welche neuen, unversöhnlichen Interessengegen­sätze eine solche Entwicklung der Dinge herbeifüh- ren würde. Wem eine solche Perspektivr ver- lockend erscheint, der mag allerdings jeden Miß­griff, den man in Wien in der Behandlung der ungarischen Sache begeht, mit Befriedigung be­grüßen, wer aber der Ansicht ist, daß die Erhal­tung der österreichisch-ungarischen Monarchie als einer die friedliche Gestaltung der Dinge im Orient verbürgenden Macht notwendig ist, dec kann nur wünschen, daß die Krise in Ungarn eine Lösung finde, die es der Dynastie ermöglicht, die­ses polyglotte Reich und seine Völkerschaften mit fester Hand zu leiten und besonders in Ungarn durch die Heranziehung der Nichtmagyaren zum politischen Leben das Magyarentum aus den re­volutionären Bahnen, die es seit 1848 nicht ver- lassen hat, zur positiven, staatserhaltenden Arbeit zurückzuführen.

Umschau.

Kinderarbeiten in gewerblichen Betrieben.

Mit dem Beginne des nächsten Kalenderjahres wird außer der Novelle zur Krankenversicherung noch ein anderes sozialpolitisches Gesetz in Kraft treten, dasjenige über die Kinderarbeit in gewerb­lichen Betrieben. In den Fabriken ist die Kinder­arbeit bekanntlich durch die Gewerbäordnungs- novelle vom Jahre 1891 so geregelt, daß schul­pflichtige Kinder darin überhaupt nicht mehr be- fchästigt werden dürfen. In den anderen gewerb­lichen Betrieben war die Kinderarbeit bisher nicht geregelt. Mit dem Beginn des nächsten Jahres werden auch in den verschiedensten hausindustriell betriebenen Gewcrbszweigen Knaben und Mäd­chen unter dreizehn Jahren überhaupt nicht mehr beschäftigt tverden dürfen. Es sinddies Bauten

^Mache es, wie es Dir beliebt, Ella. Mag er kommen oder nicht mir ist es gleichgültig."

Beide Damen erhoben sich von der Bank, auf der sie gesessen, und gingen schweigend nach dem Schloß zurück.

VI,v1'.'.'. -

^Können Sie reiten?" fragte eines Tages Herr Horsten Helmut, als sie vom Mittagstisch auf- standen.

Ich bin viel geritten, Herr Horsten," ent­gegnete der Gefragte,und fürchte mich nicht, das mutigste Pferd zu besteigen."

Das ist ja prächtig!" rief Horsten aus.Wenn es Ihnen Vergnügen macht, können Sie mich heute begleiten. Ich muß nach Philippstal; ich habe auf dem Vortverk zu tun."

Helmut sagte freudig zu.

Dann bitte ich, sich um vier Uhr bereit zu halten. Sie müssen freilich den Schimmel nehmen. Na Sie werden schon mit ihm fertig werden!"

Aber ich habe keine Reitstiefel, ich muß Sporen haben," entgegnete Helmut lachend.

Die kann ich Ihnen geben, sie werden Ihnen passen," sagte Horsten, den Fnß des Hauslehrers betrachtend.Also um vier Uhr!"

Das Vorwerk Philippstal lag etwa eineStunde von Eichfeld entfernt. Es gehörte schon immer zum Rittergut Eichfeld, doch hatte es Herr Horsten nie selbst bewirtschaftet, sondern stets verpachtet. Der jetzige Pächter Bochow war zwar ein tüchtiger Landwirt, doch hatte er in den letzten Jahren mancherlei Unglück gehabt, so daß es ihm nicht mehr möglich war, die ziemlich hohe Pachtsumme, wie sie kontraktlich festgelegt war, zu bezahlen. Vor einigen Tagen hatte Herr Horsten einen Brief von dem Pächter erhallen; heute wollte er nun selbst nach Philippstal, um mit Herrn Bochow zu reden.

aller Art, diejenigen Ziegeleien und über Tage betriebenen Brüche und Gruben, die nicht unter die Bestimmungen über die Fabriken fallen, ver­schiedene Betriebe der Steinbearbeitung, Spiegel- belegereien, Werkstätten, in denen Blei. Kupfer, Zink bearbeitet werden, Metallgießereien, Ab­deckereien, Färbereien, Gerbereien, Fleischereien, chemische Waschanstalten u. m. a. Auch beim Steinklopfen, im Schornsteinfegergewerbe, in den mit dem Speditionsgeschäft verbundenen Fuhr­werkbetrieben, beim Mischen und Mahlen von Farben, beim Arbeiten in Kellereien dürfen Kin­der unter dreizehn Jahren nicht beschäftigt wer­den. Der Bundesrat ist übrigens ermächtigt, weitere ungeeignete Beschäftigungen zu unter­sagen. In anderen Bernfszweigen ist die Kinder- beschäftigung anders geregelt, so namentlich in Werkstätten, in.Gast- und Schaukwirtschaften, beim Austragen von Waren und bei sonstigen Boten­gängen. Das Gesetz wird in die bausindustriellen Betriebe demgemäß mit Beginn des nächsten Jahres manche Aenderung bringen.

Die Zukunft des Handwerks.

In einer Handwerkerversammlung in Char- lottenburg am 26. Oktober sprach der Landtags­kandidat für Tellow-Charlottenburg, Herr Maler­meister Hammer-Zehlendorf, über die Zukunft des Handwerks.

Seine Ausführungen gipfelten vor allem in der Mahnung zum genossenschaftlichen Zusam­menschluß. Wo energische Männer mit kauf­männischer Gewandtheit an der Spitze der Ge­nossenschaften ständen, da seien glänzende Erfolge erzielt worden, namentlich bei Rohstoffgenossen­schaften, so bei den Magdeburger Schmieden und Berliner Glasern. Letztere hätten in kurzer Zeit 61 000 Mark dem Reservefonds zuführen können, der Wert ihres dauernden Lagers beziffere sich auf 120140 000 Mark. Entschieden müsse aber daran festgehalten werden, daß nur Genossen­schaften nut beschränkter Haftpflicht begründet wiirden, bei denen das Mitglied bis etwa 300 Mark haften müsse. Die Beteiligung an den Ge­nossenschaften sei leider eine noch sehr geringe, selbst in einem der fortgeschrittensten Bezirke, in Düsseldorf, seien von 44 000 Handwerkern nur 7800 in Genossenschaften vereinigt.

Notwendig sei es auch, daß die Komunen in ganz anderer Weise wie bisher ihre Mittel dem Handwerk zur Verfügung stellten, namentlich da­durch, daß sie den Handwerkern Motorkraft zu- gänzlich machten. Es sei bereits an einzelnen Orten möglich gewesen, die Elekrizität so billig wie das Gas zu liefern; davon namentlich ver­spreche er sich große Vorteile für das Handwerk. Von der Einführung des Befähigungsnachweises erhoffe er nicht so übergroße Vorteile, namentlich deshalb, weil er leicht zu umgehen sei, auch würde ihn die Regierung als endgiltige Abschlagszahlung an das Handwerk ansehen und weitere Leistungen für lange Zeit verweigern. Dagegen müßte die Forderung, daß Lehrlinge nur von Handwerkern, die die Meisterprüfung bestanden hätten, ausgebil­det werden dursten, entschieden festgehalten wer- den. lleberhaupt sei an dem gut gemeinten Hand­werkergesetz von 1897 durch die Juristen sehr viel verpfuscht worden, es müßte unter Mitarbeit von

Pünktlich wurden die Pferde vorgeführt. Hel­mut bestieg den Schimmel und munter plaudernd ritten die Herren ab. Fräulein von Kullig schaute von ihrem Fenster aus, ohne daß sie selbst ge­sehen werden konnte, den Reitern nach. Als diese ihren Blicken entschwunden waren, öffnete sie das Fenster und erkundigte sich bei dem Stallknecht nach dem Ziel der Herren. Sie nickte befriedigt und befahl, ihr Pferd um sechs Uhr zu satteln und vorzuführen.

Unterdessen ritten die Herren in schlankem Trabe nach Philippstal zu.

Sehen Sie," sagte Horsten und zeigte mit der Rechten nach allen Seiten,dies alles gehörte einst zu Eichfeld. Ich habe ein Stück nach dem andern verkaufen müssen. Die Landwirtschaft' bringt heute nichts mehr ein. Und das Vorwerk dort, hinter den Wiesen beginnt es werde ich wohl auch bald verkaufen müssen, zumal der Pächter die ziemlich hohe Pachtsumme nicht mehr zahlen will und kann. Würde sich ein guter Käufer für das Vorwerk finden, so wäre ich froh. Ich könnte dann das Hauptgut schuldenfrei machen und hätte so weniger Sorgen und Kummer."

Aufmerksam hatte Helmut seinen Klagen zu­gehört.

Wieviel wird Philippstal wert sein, wenn ich fragen darf," sagte Helmut.

Für 250 000 Mark würde ich es verkaufen, unter dem nicht oder aber, es müßte denn Mn," erwiderte Horsten seufzend.

Sie hatten inzwischen die Grenze erreicht, und überrascht ließ Helmut seine Blicke über die vor ihm liegende Landschaft schweifen.

O," rief er aus,das Gut liegt ja herrlich! Dort die sanft ansteigenden Höhen mit seinem schönen Laubwalde, hier die Felder und Wiesen! Wenn ich Geld hätte, Herr Horsten," scherzte

praktischen Handwerkern geändert werden. Di< Handwerker sollten aufhören sich durch die politi-, scheu Parteien zersplittern zu lassen und sich gegen* fettig zu zerfleischen; sie müßte einmütig für dis Wahrnehmung ihrer Interessen in Staat und! Komune wirken. Er trete auch für die obliga-, torische Alters- und Invaliditäts-Versicherung der, Handwerker ein, die der Freisinn von vornherein! bekämpfe. Nur als Mitglied der Majoritätspar-. leien im Abgeordnetenhause, die im Gegensatz den Liberalen stets für das Interesse des Hand-- werks gewirkt hätten, könne erfolgreich an einet!1 Aenderung der Handwerkergesetzgebung gearbeitet werden. Dazu sei aber vor allem notwendig, daß innerhalb dieser Parteien auch Handwerker im Landtage säßen, die es verhinderten, daß in bestes Absicht doch der Praxis widersprechende Bestimm* ungen hineinkämen. Der Liberalismus dagegen vermehre durch die Ausstellung seiner Kandidaten nur die Zahl der Juristen. j

Die Versammlung stellte sich mit großer Mehr­heit auf den Standpunkt des Redners. Aus bet, Versammlung heraus wurde noch entschieden be­tont, daß die Zeit, in der die Handwerker fast ge­schloffen für den Liberalismus gestimmt hätten, ein für alle Mal zu Ende sei, da dieser absolut nichts für das Handwerk getan habe oder tun wolle.

Der Entwurf des neuen Militär­pensionsgesetzes

hat, wie dieM. N. N." mitteilen, folgenden Inhalt: Die Pension soll nach einer Dienstzeit von 10 Jahren anstatt fünfzehn Sechzigstel/ d. i. ein Viertel des pensionsfähigen Dienstein­kommens, die Hälfte, gleich fünfzig Hundertstel, betragen, und der Höchstbetrag der Pensions­gewährung von drei Viertel oder fnnfundsiebzig Hundertstel anstatt erst nach 40 Jahren schon nach 35 Jahren Dienstzeit auSbezahlt werden. Der letzte Entwurf bringt eine finanzielle Ab­schwächung des Gesetzentwurfs dadurch, daß die rückwirkende Kraft beschränkt und in Hinsicht darauf, daß der Reichstag ausgesprochen, das Gesetz vom 6. Mai 1871, betreffend Versorgung der Kriegsinvaliden und ter Kriegshinter­bliebenen, habe die beabsichtigte und erwartete Wirkung'nicht hervorgebracht, lediglich auf die Kriegsinvaliden ausgedehnt wird, und die Friedensinvaliden, das sind alle Offiziere, die vom 6. Juni bis 'auf den heutigen Tag ab ge­gangen, und die weder einen Feldzug mitge­macht noch einen gewissen Zeitraum während der Jahre 1870 und 1871 jenseits der franzö­sischen Grenze in aktivem Militärdienste ge­standen hatten, ausschließt. Der Entwurf liegt zurzeit dem bayrischen Staatsministerium zur Entscheidung vor.

Deutsches Reich

Berlin, 31. Oktober.

1 Seine Majestät der Kaiser, der am Don­nerstag Nachmittag mit der Kaiserin in Berlin er,ich würde das Gut sofort kaufen und Land­wirt werden."

Ja, das ist cs eben, Herr Kraft. Geld spielt heute die Hauptrolle, Geld ist Macht. Schon mancher tüchtige Landwirt mußte, weil es ihm daran fehlte, seine ererbte Scholle verlassen und wer weiß, wann ich an die Reihe kommen werdet

Betroffen blickte Helmut auf. Die Offenheit/ mit welcher Herr Horsten über seine Verhältnisse sprach, überraschte ihn, und er nahm an dem Ge­schick seines Herrn und väterlichen Freundes herz­lichen Anteil. 's

Hoffentlich niemals!" erwiderte er darum. Lassen Sie die trüben Gedanken fahren, es wird mit der Zeit wieder besser werden."

Ich hoffe es ja auch!" sagte Horsten weich.

Sie ritten in den Gutshof ein. Dienstfertig lief ein junger Bursche herzu und nahm die Pferde in Empfang.

Der Herr ist in der Stube," antwortete der Bursche auf die Frage des Herrn Horsten. 1

Herr Bochow kam den Herren schon entgegen und begrüßte sie freundlich, sie in die Stubei führend. j

In der Annahme, daß es Herrn .Bochow Mit-, angenehm sein könnte, in feinem Beisein mtfj Herrn Horsten zu sprechen, entfernte sich Helmuts unter einem passenden Grunde. . A Aber bleiben Sie nicht zu fange!" rief Horsteri ihm nach. In einer Stunde können wir wieder aufbrechen." , *'

Helmut bestieg fein Pferd wieder und ritt auf Philipvstaler Gebiet planlos umber. . 1

Schade," murmelte er,daß Horsten dieÄ Gut wird verkaufen müssen. Wie gern würde ich ihm helfen!" - '

. - . - (Fortsetzung folgt.)