mit -cm Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
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Marburg
Soimlag, 1. November 1903.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Truck und Verlag- Joh. Aug. Koch, Universitäts-Buchdruckerei 38. Jllhkg, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Drittes Blatt.
Vermischtes
» Dor 100 Jahren, eint 24. Oktober 1803, be- sgann vor einem Speziakgerichtshofe zu Mainz der sensationelle Prozeß gegen den gefürchteten Sra- ißenräuber Johannes Buckler, „Schinderhannes" genannt, und 66 seiner Genossen. Am 31. Mai 1802 wurde der Räuberhäuptling Buckler, früher -Schindersknecht, der mit seiner Räuberschar namentlich die Pfalz und den Hunsrück durch seine Gräueltaten in Angst und Schrecken versetzte, bei Wolfenhausen! unweit Nieder-Selters in einem Kornfeld entdeckt, aber erst am 13. Juni 1802 zu Frankfurt nebst seiner Hcrzensflamme Julie Blasius und seinem Busenfreunde Christian Reinhart, genannt „schwarzer Jonas", im österreichischen Werbebureau verhaftet. Bald saß die ganze Räuberbande in Mainz hinter Schloß und Riegel. Der Prozeß endete erst am 20. November. Von den 67 Angeklagten wurden 20 zum Tode, 20 Zu Zuchthaus- und Kettenstrafen und 2 zur Verbannung verurteilt, 25 dagegen frcigcsprochen. Schon am 21. November, nachmittags 1 Uhr, wurde das Todesurteil vollstreckt. Schinder- Hannes bestieg als erster das Blutgerüst und innerhalb einer halben Stunde hatten auch die übrigen 19 Mitverurteilten ihre Schuld mit dem Tode gesühnt. Der Nichtplatz heißt im Volksmnnde jetzt noch der „Schindcrhannesplatz".
Der kürzeste Weg. In das Bureau eines weichen, nur mit einer einzigen Tochter gesegneten -Amerikaners kam kürzlich ein hoffnungsvoller junger Mann, der ihn folgendermaßen anredet: „Mein Herr, Sie lieben doch Kürze und Auf- -richtigkeit?" — „Allerdings." — Ich wünsche Ihre Tochter zu heiraten." — Diese Kürze und ^Aufrichtigkeit kam dem Alten etwas überrafchend, aber er faßte sich schnell und antwortete: „Ihr ^Unternehmungsgeist gefällt mir. Aber sind Sie -denn sicher, daß meine Tochter Sie will? Wenn ein anderer nicht einen noch kürzeren Weg cin- > geschlagen hat, dann habe ich nichts einzuwenden." Der junge Mann versuchte sein Glück, aber ohne Erfolg, denn wenige Tage nach dieser Unterredung -kam ein anderer junger Mann in das Bureau 'des- alten Uankee, nm ihn mit der Nachricht zu überraschen: „Ich habe soeben Ihre Tochter ge- heiratet." Er hatte den allerdings kürzesten Weg -gewählt.
- Aus Deutsch-Ostafrika wird mitgeteilt, daß der -Bezirksamtmann in Tanga mit einem Unteroffizier und 20 Askari der Schuhtruppe einen Zug gegen die Massai int Jaregebirge unternehmen -mußte. Die Massai sind wieder unruhig gewor- i bett, rauben Vieh und bedrücken die Nachbar- .stännne. — In Marangu ist es Herrn Merkl gelungen, Zebras vollständig zu zähmen. Er reitet - eine alte Zcbrastute und seine Diener reiten die ijungen Fohlen. Auch hat er Erfolg mit Krenz- tingen gehabt.
Ein 3jähriges Wuuderkiitd. Aus London wird dem „Figaro" berichtet: London ist erfüllt von dem Mu hm eines 3jährigen Wunderkindes, Jack Sebastian Mogill, das in einem Konzert im Alexandra Palast sich sowohl als Violinist wie auch als -'Organist vorgestellt hat. Man behauptet namentlich, daß das kleine Wunderkind den Marsch aus /„Tannhäuser" mit außerordentlichem Schwung gespielt hat. Das Kind hat auch „Wunderbares in Kompositionen geleistet, und es studiert vom Mor- -gen bis zum Abend, um in seiner Kunst vorwärts zu kommen." Ob ihm auch Zeit zum Spiel bleibt?
lieber die Herkunft der sogenannten arabischen -Ziffern enthält das „Neue Korrespondenzblatt" für die Gelehrten- und Realschulen Württembergs folgende Aufklärung: Trotz ihres arabischen Namens (von saphar — zählen) sind sie keine 'Erfindung der Araber, wie man meint, sondern von erst den Indern etwa um 900 n. Ehr. ent- lehnt, die sie aus der Figur des geteilten Kreises fanden und als eine Art Geheimschrift gebrauchten. Daher nennen sie die Araber selbst Harttph ’el End, d. h. indische Schriftzeichen. Bekannter .ist, daß die so „arabisierten" Zeichen durch die Araber nach Spanien kamen, von wo sie sich über ganz Europa verbreiteten. Zuerst angewandt Wurden sie von dem Prinzen Alfonso, Sohn Fer- - dinands von Kastilien, der sie 1240 auf einer von -ihm berufenen Versammlung von arabischen Gelehrten kennen lernte. In Frankreich gebrauchte -sie zuerst der Astronom Joannes de Sacrobosco in seiner 1256 erschienen „Sphaera". In Griechenland finden sich die neuen Zahlen zuerst bei dem Polyhistor Maximus Planudes, etwa um 1270. In Deutschland lassen erst 1371 Grabdenkmäler mit arabischen Ziffern nachweisen, und zwar in Pforzheim.
Ein Fall von Selbstbezichtigtmg, tun den Vater vor dem Beil des Scharfrichters zu retten, wird der „Köln. Ztg." aus Kiel mitgeteilt. Ein vor 26^ Jahren zu lebenslänglichem Zuchthaus ber-_
urteiltet: Maurer namens Burmeister ist begnadigt und freigelassen worden. 1877 beteiligte er sich an einem von seinem Vater angeregten Einbruch in das Gehöft eines Mühlenpächters in Damsdorf. Der Pächter und seine Frau erwachten und der alte Burmeister streckte beide durch Schüsse im Bett nieder. Nach der Entdeckung bestritt der Vater, ein übel beleumundeter und mehrfach vorbestrafter Menfch, die Tat, dagegen gestand der Sohn ein, daß er beide Schüsse abgegeben habe. Das Kieler Schwurgericht verurteilte Vater und Sohn zum Tode. Die Gnade des Königs wandelte die Strafe in lebenslängliches Zuchthaus um. Der Vater starb im Jahre 1896 in der Anstalt. Nunmehr versicherte der Sohn, der sich int Zuchthaus stets tadellos geführt hatte, mit unverkennbarerGlaubenswürdigkeit, daß nicht er, sondern sein Vater beide tödliche Schüsse abgefeuert hätte; er habe befürchtet, daß fein Vater bei seinen vielen Vorstrafen dem Henker verfallen würde, wenn die Wahrheit an den Tag käme. Nach anfänglicher Erfolglosigkeit hat der Sohn jetzt auf ein neues Gesuch Sie Begnadigung und die Freiheit wiedererlangt. Durch feste Arbeit ist der 51jährige Burmeister vor äußerer Not geschützt. Seine fast 90jährige Mutter lebt noch.
Das Rad im Winter. Die Laufmäntel der Pneumatiks an Fahrrädern usw. pflegen im Winter leicht brüchig zu werden und bilden daher stetig einen Gegenstand der Sorge für ihre Besitzer. Das sicherste Mittel, sie geschmeidig und brauchbar zu erhalten, besteht darin, daß man sie auch im Winter ab und zu benutzt. Wer sich dazu nicht entschließen kann, muß das Rad in einem kühlen, möglichst frostsreien und nicht zu trockenen Raume aufbewahren. Außerdem ist es wichtig, daß die Reifen auch im Winter von Zeit zu Zeit fest aufgepumpt und ab und zu mit lauwarmem Wasser angefeuchtet werden, da Trockenheit der größte Feind des Gmnmis ist. Das An- seuchten darf aber nur in straff ausgepumptem Zustande geschehen. Ist der Mantel weich, so dringt das Wasser in Sie Felge ein und erzeugt Rost, der nicht nur dem Metall, sondern auch dem Gunimi schädlich ist. Wer also Wert darauf legt, seine Pnneumatiks den Winter über gut zu kon- servieren, der möge diese kleinen Vorsichtsmaßregeln nicht versäumen. Sehr nützlich ist es auch, die Reifen mit einer Schutzhülle zu versehen, die man für billiges Geld durch jede bessere Fahrradhandlung beziehen kann.
Fußfreier Rock »nd Damenschuhwerk. Jin Reiche der Königin Mode bereitet sich eine Neuerung vor, die für die Schuhindustrie und dasSchuh- getoerbe von großer Wichtigkeit zu werden verspricht. Der fußfreie Nock wird in der Tracht unserer Frauen wieder vorherrschend! Zu Ehren des schönen Geschlechts fei es gesagt, daß ein nicht geringer Prozentsatz der Damen auf elegantes Schnhwerk hält, ob die Mode siißfreien Rock vorschreibt oder nicht, wie denn Sieter Teil unseren Frauen auch darauf bedacht ist, die übrigen Toilettestücke, welche sich unter dein Oberkleid bergen, in Einklang mit den Forderungen des Geschmacks, der Zierlichkeit und Sauberkeit zu halten, um voin Scheitel bis zur Sohle adrett zu fein. Aber cs gibt doch leider auch eine unendliche Menge von Frauen, die es genug finden, wenn nur derjenige Teil ihrer Gewandüng, der den Augen des Publikums nicht entgehen kann, vor der Kritik besteht. Für die Hüte geben sie zur Verzweiflung ihrer Männer mehr oder minder phantastische Summen ans, und wenn sie noch ein auf die Erregung des Neides lieber Freundinnen berechnetes Oberkleid und gut sitzende Handschuhe haben, dann glauben sie ihr Gefieder vollkommen, mag auch alles übrige, was sie tragen und nicht zum wenigsten die Bekleidung Ser Füße, den Gesetzen der Aesthetik Hohn sprechen. Man sieht's ja nicht! Es hat einmal ein Weiser Mann gesagt, Anmut beim Weibe sei inehr wie Schönheit. Wir schließen uns diesem Urteil vollkommen an. Das häßlichste Weib kann seine Erscheinung dadurch adeln, daß es sich anmutig zu geben und — zu kleiden weiß, während das schönste Weib oft eine Augenweide der Männer nicht ist, weil es der Anmut in seinem Gebühren und seiner Gewandung entbehrt. Zu den anmutigsten Dingen bei einer Frau gehören aber kleine Füßchen in reizendem Schuhwerk. Nicht leicht wird es einen Mann geben, den cs kalt läßt, wenn solch ein Füßchen kokett unter dem Saume des Kleides hervorlugt. Und Tatsache ist es, daß auch diejenigen Damen, die von der Natur nicht das Geschenk eines „kleinen" Füßchens erhalten haben, durch sorgliche Bedachtnahme auf gut sitzendes, elegantes' Schuhwerk den Anschein eines kleinen Füßchens berborrufen ober doch das Lob eines hübschen Füßchens erhalten können. Tas wissen auch unsere Damen, und es ist tausend gegen eins zu wetten, daß jetzt, wo der fußfreie Rock wieder modern wird, auch derjenige Teil unserer Frauenwelt, der nur auf die dem Publikum in die Augen fallenden Stücke seiner Toilette Aufmerksamkeit verwendet, das Bedürfnis empfinden wird, schlechtem Schuhwerk, das man künftig nicht mehr verdeckt halten kann, Valet zu sagen. Jetzt wird _eä für alle Frauen wieder oberstes Toilettengesetz
werden, gutes Schuhwerk zu tragen. Niederge- tretene Stiefel, schiefe Absätze, überhaupt Defekte an der Damenchaussenre, werden künftig bei allen Angehörigen des schönen Geschlechts ebenso verpönt sein, wie unelegante Fasson, des Schuhwerks. Der fußfreie Rock wird in dieser Beziehung als sehr rücksichtsloser Diktator auftreten. Die Männerwelt wird aber darob nicht böse fein und auch nicht —■ die Schuhindustrie und das Schuhgewerbe. — Man kann alledem beistimmen, nur ist zu wünschen, daß im Interesse der „kleinen" Füßchen, von denen das Fachblatt „Schuh und Leder" hier spricht, nicht etwa zu kleine Schuhe, d. h. Marterwerkzeuge geschaffen werden. Hier ist es Sache des geschickten Meisters, das Schöne mit dem Nützlichen zu verbinden, d. h. einen Schuh, der bequem paßt, klein erscheinen zu lassen. Denn wir wollen doch ja nicht im Interesse einer Toilettenfrage die Gesundheit leiden lassen.
Allerlei kleine ^Nachrichten. Fünf Bergleute verunglückten int Schacht „Haushahn" bei München infolge Reißens der Kette der sogenannten Schutzbühne; zwei wurden schwer, drei leichter verletzt. — Im Walde bei Durlach in Baden fand man die Leiche eines jungen Mannes und ein Mädchen mit einer schweren Schußwunde auf. Es handelt sich um ein Liebespaar, das beschlossen hatte, gemeinsam in den Tod zu gehen. Der Schuß, den der Mann auf sich abgab, war sofort tätlich, während das Mädchen mit der Wunde in der Brust unter freiem Himmel und in der Nähe des Leichnams aushalten mußte, bis ein Waldhüter auf der Suche nach einem angeschossenen Wild auf sie stieß. Bald darauf starb das Mädchen. (Bad. Ldsztg.) — Wegen Mordes und versuchten Raubes an einer Wirtschafterin resp. Bei- Hilfe dazu wurden die Schweizer Klix undSchärer vom Schwurgericht in Landsberg a. d. Warthe zum Tode verurteilt, ferner Frau Schärer wegen Unterlassung einer Anzeige zur Verhütung eines Verbrechens zu 1 Jahr Gefängnis. — Aus Wiesbaden meldet inan dein „Fränk. Kur.": Die Büglerin Klees, die kürzlich ihr neugeborenes Kind umgebt acht und die Leiche in einem Paket auf die Post gegeben, hat eingestandeu, auch int Jahre 1901 und 1902 je ein von ihr zur Welt gebrachtes Kind ermordet zu haben. — Ein wegen Diebstahls vorbestrafter verwahrloster, erst 16 Jahre zählender Bursche wurde von der Berliner Strafkammer zu sieben Monaten Gefängnis verurteilt. Er hatte an einen preußischen Prinzen ein Schreiben gerichtet und ihn verworfener Neigungen beschuldigt, ohne die geringste Unterlage dafür zu haben. Für sein Stillschweigen verlangte er Geld. — Einige originelle VerSetttschitngs-Vorschläge für daS Wort „Ligueuc-Autoinat" hat jetzt das Preis-Ausschreiben der „Lustigen Blätter" gezeitigt, dessen Ergebnis in der soeben erschienenen prächtigen StuSenten-Nummer verkündet wird. Den ersten Preis erhielt der Vorschlag „Geistreicher", dann folgen: „Stummer Budiker", „Schnapserchen", Schnapskuh". Auch eine nicht preisgekrönte Verdeutschung sei hier in Kürze erwähnt : „Branntweinvonselbstohnebedienungnach- cinwurfeinesgeldstücksverkaufsvorrichtung". — Eine „Hexe" sollte in Lissabon, der Hauptstadt Portugals verbrannt werden. Der Scheiterhaufen war bereits anoffzündet, als die Polizei erschien und die Unglückliche rettete. — Das deutsche Schiff „August", Sas Petroleum an Bord hatte, verbrannte im Atlantischen Ozean; die Mannschaft ist verschollen. — Während einer Hochzeitsfeier zu Laurahütte in Oberschlesien feuerte ein Bergarbeiter, der von der jungen Frau verschmäht worden war, Schüsse auf die Wohnung ab. Zum Glück gingen nur einige Fensterscheiben in Trümmer. Der Täter wurde verhaftet. — Dippold soll sich im Zuchthause mit seiner Lage abgefungen haben. Er wirkt Strümpfe. Gerüchte von einem Selbstmordversuch treffen nicht zu. — Der Papier- industrielle Eichmann in Prag (Böhmen) wurde der „Voss. Ztg." zufolge mit durchschnittener Kehle aufgefunden. Die Aktiven betragen 5, die Schulden 2y2 Mill. Kronen, trotzdem waren Geldschwierigkeiten wegen der Wechselfälschungen eines Angestellten und wegen Auszahlung von Erbteilen vorhanden. — Aus Potsdam verschwand eine Schlächterfrau mit ihrem „Schwiegersöhne" unter Mitnahme von einigen hundert Mark.
In Wien ist nach dortigen Blättern der ehemalige Vertrauensmann des ermordeten Serbenkönigs eingetroffen, um die von der Königin Draga bei den Wiener Geldinstiftiten hinterlegten Gelder für die erbberechtigten Schwestern abzuheben. Er kassierte aufgrund der Vollmachten bei der österreichischen Sparkasse einen Betrag von 130 000 Kronen ein, die Draga kurz vor ihrer Ermordung hinterlegt hat, und bei der Unionbank 23 000 Kronen. Der Hofjuwelier Köcher! verweigert die Herausgabe der ihm von der Königin zur Reparatur übergebenen Schmuck- fachen, wenn nicht seiner Forderung von mehreren tausend Kronen beglichen wird.
Humor aus der Schule. Als Lehrer an einer Gemeindeschule im Osten Berlins, wie die Kinder- feele von der Ueberkultnr unserer Zeit noch nicht angekränkelt ist, hatte ich — so erzählt ein Leser
der „Tägl. Rundsch." — mehrfach Gelegenheit, Sen unfreiwilligen Humor unterer Berliner Jun gen kennen zu lernen. So meldete mir einst einet meiner Schüler, der zweifellosEnropas übertünchst Höflichkeit nicht kannte, indem er mit großem Erstaunen auf seinen Nachbar wies: „Herr Lehrer, bet is hier een Feiner, der spuckt ins Taschentuch." — Am unverfälschesten offenbart sich bekanntlich das kindliche Gemüt, wenn es sich nicht beobachtet glaubt. So entwickelte sich einmal während einer Unterrichtspause zwischen zweien meiner Schüler folgenSes für mich nicht gerad^ schmeichelhaftes Gespräch. Der erste: „Du, bei Vater Müllern in der .^-Straße (damit meinte q zweifellos einen älteren meiner Amtsbrüder), d^ warft sein, da konnten wir machen, wat wir woll« feit; aber von die jungen Lehrers, da habe ick dis Nese voll." Der zweite: „Na, denkste denn, unsei; Lehrer is noch jung ? Der hat gut seine fünfzig uff’n Ast." Der erste: Wat fünfzig? Ick sage Dir, knappe dreißig; det merke ick schon an. Schlag.,, — Bei der Behandlung des Höltyschen GeSichtes: „lieb* immer Treu und ReSlichkeit!" fragte ich: „Wie nennt man jene Leute, welche kein Bier, keinen Wein ober Branntwein, kurz, keine alkoholischen Getränke genießen?" und erhielt von einem braven Bubikerssohn prompt als Antwort: „Del sinb Gauners." — Von ber rich, tigcit Wertschätzung der einzelnen Rangstufen des Polizei seitens unserer Jungen sengt, zweifellos folgender Vorfall: Zwei meiner Schüler sollten wegen Straßenhändels von der Polizei fesige nommen werden, halten aber schleunigst das Hasenpanier ergriffen und waren so dem drohenden Verhängnis noch einmal entronnen. Dabei hatten sie freilich dem Beamten einige für ihn nicht gerade schmeichelhafte Aus« drücke zugerufen. Die Polizei, welche die liebel- tätcr später doch noch aufgriff, ersuchte uns darum, die Knaben zu ermahnen bezw. schuldisziplinarisch zu bestrafen. Bei dem Verhör der beiden Bösewichter entstand zwischen ihnen ein Streit, ob dey beleidigte und sie verfolgende Beamte ein Wachst meister oder ein Leutnant gewesen sei. Der FaÄ wurde ober sehr schnell durch den für den erste reis schwärmenden Missetäter erledigt, indem er dem anderen zurief: „Wat een Leitnant? Der wirs sich um Dir nich die Beene dreckig loofen!" —1 Ein andermal sagte ich beim Vortrag der zu lernenden Gedichte: Wir haben in diesem Halbjahr nur noch das Gedicht „Ein Lied binterm Ofen zu fingen" zu lernen. Da meldet sich einer der Rangen und sagt, er habe es schon gelernt. Als ich ihn auffordere, uns dasselbe doch einmal recht schön vorzutragen, beginnt er mit einem Ernst unc einem Pathos, Sie des gefeiertsten Tragöden würdig gewesen wären: „Hinterm Ofen sitzt 'ne Maus. Die muß raus! Die muß raus!" — Wenig bez neidenswert ist wohl auch jener Familienvater, bei) durch seinen Sohn folgenSes Gesuch an uns gelangen ließ': Indem das ich vier schulflüchtig» KinSer und noch andere habe, kann ich die vills Bicher für meinen Sohn August nicht kaufen' Bitte darum den Herrn Lehrer ihn selbige zu Schenken. Mit freundlichen Gruß usw.
Marktberichte.
Fulda, 29. Okt. Der heutige Viehmarkt war gut bekahren. Aufgetrieben waren 742 Stück Rindvieh, 19 Kälber und 14 Pferde. Es wurden bezahlt: für Schlachtochsen 00 -00 Mk., gute Fahrochsen 860-970 Mk, je nach Qualität, dreijährige Fahrstiere 600 bis 750 Mk, je nach Qualität, gute schwere Milchkühe 250—290 Mk., Fahrkühe 189 bis 220 Mk., 2-2-/-jährige Kalbinnen 230 270 Mk.) 1'/»jährige trächtige Kalbinnen, 160—180 Mk., Schlacht-s kälber 40—41 Pfg. das Pfund Lebendgewicht. Der. Handel war gut und wurde ziemlich alles zu guten, Preisen verkauft. Der Schafmarkt war mit 74 Stück befahren, darunter 1 Stamm Hammel-Lämmer. Der Handel war flau.
Geschäftliche Mittettimgen.
Eine häufige Klage, die man hört, ist die Klage über die Qualität des Kaffees. Selbst dort, wo nur beffere Kaffee-Sorten Verwendung finden, und wo man auch mit den Bohnen nicht zu sparen pflegt, bekommt man vielfach ein unschmackhastes Getränk vorgesetzt. Geht man der Sache aus den Grund, so findet man, daß in 99 von 100 Fällen der Gebrauch minder-, wertiger und schlechter Zusatzmittel der Grund der Kaffee - Misere ist. Ein schlechtes Zusatzmittel verSirbt selbst den feinsten und teuersten Kaffee, während ein wirklich guter und reiner Kaffeezusatz sogar dem billigen Kaffee einen angenehmen und feinen Geschmack zu verleihen vermag. Deshalb’ handelt man in seinem eigenen Jntereffe, wenn man gerade hier, wo so viel darauf ankommt, vorsichtig und wählerisch ist und nur ein solches Zusatzmittel verwendet, tote z. B. Linde's Kaffee-Essenz, welches alles bietet, was von einem guten Kaffeezusatz verlangt werden kann. Linde's Effenz gibt dem Kaffee einen delikaten Geschmack und eine wunderschöne Farbe. Außerdem macht man dabei noch wesentliche Ersparnisse. Man kann nämlich getrost weniger Kaffeebohnen nehmen und braucht trotzdem nur eine Messerspitze voll Effenz zuzusetzen.
Rotationsdruck.
Verantwortlich für die Redaktion:
Dr. Doerkes-Boppard in Marburg.