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mit dem Kteisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

SorrntagsVeilager Jllustrirtrs Sonntagshlatt.

M 283

Vierteljährlicher Bezugspreis: btt der Expedition 2 Mk., bei allen Postämtern 2,25 Mk. <«jcL Bestellgeld).

JnsertionSgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Reclamen: die Zeile 25 Pfg.

Marburg

Sonnabend, 31. Oktober 1903.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Dnick und Verlag' Job. Aug. Koch, UmversitätS-Buchdntckerei Marburg, Markt 21. — Telephon 55,

38. Jahrg.

Best e,jungen

für die Mor.?.te November und Dezember auf die

„Oberheffifche Zeitung" nebst ihren Beilagen werden von unserer Expedition (Markt 21) unseren Ausgabestellen in Kirch­hain und Neustadt, sowie von allen Post­anstalten und Landbriefträgern entgegen­genommen.

Die Arbeiten des neuen Reichstags.

Ter Reichstag wird nach seinem Zusammen­tritt sich in erster Linie mit dem Reichshaushalts, etat zu beschäftigen haben, wobei das Ergebnis der letzten Wahlen naturgemäß von allen Seiten be­trachtet werden wird. Von der größeren, und wichtigeren Aufgabe, der Verabschiedung guter, die gesamte heimische Arbeit schützender und för- dernder Handelsverträge hört man leider noch nichts. Die Regierung hat es im Dezember von- gcii wahres abgelehnt, den Termin des Jnkraft- tretens des neuen Zolltarifgesetzes und Zolltarifs gesetzlich festlegen zu lassen, und sie hat von dem

3uftef;enbert Rechte, die bestehenden Verträge zu rilndlgcn, keinen Gebrauch gemacht. Nun ist sie auf die Gnade und den guten Willen der Vcr- tragsitaaten angewiesen, und unsere heimische Landwirtjchaft und Industrie harren in Bangig- ke,t der Beendigung und des Ergebnisses der Ver- tragsverhandlungen. Das Vorgehen der Ver- bundeten Regierungen, das in dieser Frage als tiug und zweckmäßig nicht bezeichnet werden kann, erscheint auch dann unbegreiflich, wenn man be- s U Vme die fiskalischen Gesichtspunkte bei der Ausarbeitung des neuen Zolltarifs bestim- niend gewesen sind und wie sehr sich die Regie- rungsvertreter sträubten, so oft der Reichstag —

sei nur an den Kampf um die Mindestzölle er- innert — Versuche niachte, die von der Regierung vorge,chlagcncn Finanz'zölle in wahre Schutzzölle umzuwandeln. Und setzt, wo nun auf den ver- scknedensten Gebieten höhere Anforderungen an das Reich gestellt werden, liegt der Abschluß der Handelsverträge, von denen die Verbündeten Re, gierungen höhere Einnahmen er hoffen, noch in unberechenbarer Ferne. Neue Steuers haben/, man mag die Steuerschraube anzichen ioo man

nur wenig Aussicht auf Einnahmen, und so bleibt nichts übrig als neue Anleihen zu machen und die Reichsschuld noch weiter zu erhöhen.

Man darf gespannt sein, Was dis Finanzmiiti- ster auf ihrer Konferenz pom 19. und 20. Oktober Zur Balanzierung des neuen Etats beschlossen haben. Schon wenn sie nach dieser Richtung einen Positiven Vorschlag machen, wird dies einen Fort­schritt gegen früher bedeuten. Unter der Aera Thielmann, boten das Reichsschatzamt und mit

die Verbündeten Negierungen das Bild be- daucrnSwerter Hilflosigkeit. Regelmäßig blieb cs der Budgetkoninllssion des Reichstags überlassen, cuictt Ausweg aus den zur Zeit vorliegenden Schwierigkeiten zu finden und Frhr. v. Thiel-

10 tNachdruck verboten^

Im Schlosse der Ahnen.

Original-Roman von Otto König.Liebthal.

(Fortsetzung.)

Am anderen Morgen unternahm Helmut sei- ncn gewohnten Spaziergang im Park. Seine Ltirnlonnde ivar wirklich nur unbedeutend und schmerzte nicht mehr. Da er genug Zeit hatte, dehnte er den Spaziergang bis zum kleinen See aus. Spiegelglatt lag die Wasserfläche vor ihm- ckeiie nur rauschten die Kronen der alten Park- chänme, in denen unzählige Vögel nisteten und ihr Morgenliedchen sangen.

Helmut spähte unmhcr, er ivar allein. Lang­sam ging er am Ufer entlang, bis er zu einer Bank kam. Er setzte sich. Traumverloren schaute er iit>er das Wasser. Endlich stand er auf, um den Rückweg anzutreten. Ein iveißes Tuch schimmerte aus 61116111 kleinen Gebüsch hervor. Er nahm eS huf und sah ein F. K. darin gestickt. Darüber war eine Krone sichtbar.

Er lächelte. Noch überlegte er, ob er es wieder hinwerfen oder der Verliererin überbringen sollte, da stand die Eigentümerin des Taschentuches plötz­lich vor ihm. Eine Purpurwelle schoß durch das reizende Gesicht und fast erschrocken sah sie zur .Erde nieder. Auch Helmut war verlegen.

* Er verbeugte sich zum Gruße. Fräulein von Kiillig erwiderte ihn mit leichtem Kopfnicken und blickte auf.

„Ein unvermutetes Zusammentreffen," unter- brach Heln'.ut das Schwcigkn . Dann überreichte er ihr das Taschentuch. ,Zch fand es soeben dort in dem.Gebüsch.*

mann hatte immer nur die Aufgabe, die vom Reichstag vorgeschlagene Lösung als die zweck­mäßigste zu bezeichnen. Wenn die Verbündeten Regierungen nach dieser Richtung in Zukunft auch nur ein klein wenig mehr Selbständigkeit zeigen, so wird das ihrem Ansehen gewiß nicht schädlich sein. Die neue Legislaturperiode des Reichstags wird allerdings an die Finanzminister besonders hohe Anforderungen stellen. Das neue Ouinquen- natgesetz wird für die Zeit bis 1909 voraussicht­lich neue Belastungen vorsehen. Dann stellen sich die Mehrausgaben ein, die die Novelle zum Servisgesetz an Servis für Offiziere und an Wohnungszuschuß für die Reichsbeamten notwen­dig macht. Bekanntlich hat die Novelle von 1902 festgesetzt, daß die nächste Revision der Klassen­einteilung der Orte spätestens mit Wirkung vom 1. April 1904 erfolgen soll.

Gleichfalls zu einer Mehrbelastung wird das für die nächste Session angekündigte Militär- penstonsgesetz führen. Wie verlautet, soll es, auch wenn eine rückwirkende Kraft nicht in Frage kommt, bis zur Erreichung des Beharrungszu­standes dem Reichshaushaltetat eine Mehrbe­lastung von etwa 20 Millionen einbringen. Wenn eine rückwirkende Kraft nicht in Frage kommt! An Versuchen aber, dem Gesetze entgegen dem Willen der Verbündeten Negierungen auch rückwirkende Kraft zu geben, wird es sicherlich nicht fehlen, und niemand wird diesen Bestre­bungen die Berechtigung absprechen können. Tat­sächlich hat die Mitteilung, daß das Militärpen- sionsgesetz nur in ganz bescheidenem Maße rück­wirkende Kraft haben solle, in den Kreisen unserer alten Offiziere eine begreifliche Mißstimmung her­vorgerufen, wie man der Regierung überhaupt das Geschick, in den an sich zufriedenen Kreisen durch ihre Politik Unzufriedenheit zu erwecken, kaum wird absprechen können. Man wird daher erwarten können, daß der Reichstag die ihm in großer Zahl unterbreiteten Klagen wohlwollend prüfen und unter Umständen eine Umgestaltung des ganzen Entwurfes erzwingen wird auch auf die Gefahr hin, daß dadurch eine noch stärkere Mehrbelastung des Etats herbeigeführt wirkt. In wie weit neue Heeresvorlagen zu erhöhten Ausgaben führen, darüber ist bis zur Stunde etwab Bestimmtes noch nicht bekannt gegeben worden. Die „Bert. Neuesten Nachr." wollen wissen, daß eine neue Militärvorlage für die nächste Session nicht vorgesehen ist „ans Erwä­gungen, die teils auf parlamentarischem, teils auf finanziellem Gebiete liegen"; es handle sich nur um verschiedene kleine Forderungen ohne prinzi­pielle Bedeutung.

Im übrigen seien auf dem Arbeitspensum des Reichstags noch genannt das Gesetz über die kauf­männischen Schiedsgerichte, der im Reichsanzeiger zur Begutachtung veröffentlichte Gesetzentwurf den Privatversicherungsvertrag, die unschwer zu erledigende Novelle zur Seemannsordnung und der Gesetzentwurf über die' Maximalarbeitszeit der Fabrikarbeiterinnen. Zu letztgenanntem Ent­wurf hat das Neichsamt des Innern schon im Jahre 1899 eine umfassende Enquete veranstaltet. Es handelt sich hier um die Frage, ob der Maxi­malarbeitstag der Fabrikarbeiterinnen von 11 auf 10 Stunden herabzusetzen ist und ob die Maximal­arbeitszeit an den Vorabenden der Sonn- und Festtage um eine weitere Stunde gekürzt werden

Sie nahm es in Empfang und sagte, wieder zur Erde blickend: „Ich danke Ihnen; ich habe es gestern hier liegen gelassen. Es ist mein Lieb- lingsplah, den ich oft aufsuche."

„Es ist ein lauschiges Plätzchen," erwiderte Helmut freundlich lächelnd. „Zufällig entdeckte ich erst heute diesen Ort mit seiner Ruhebank."-

Fräulein von Kullig schwieg.

„Ich werde nach Möglichkeit diesen Ort mei­den," fuhr er fort. „In ein fremdes Reich dringe ich nicht gern ein. lind — der Park ist ja sehr groß!"

„Sie haben dasselbe Recht als ich an jenen Platz," entgegnete sie, und ihre Stimme zitterte.

Plötzlich streckte sie ihm die Hand entgegen und sagte: „Ich danke Ihnen noch für Ihre Hilfe am gestrigen Abend."

Sie sah ihn an; auch Helmut blickte eben auf, und ihre Blicke trafen sich. Helmuts Gesicht ver­finsterte sich.

„Ich beanspruche keinen Dank! Ich tat, was meine Pflicht war."

In ihren Augen flammte es auf, und ein Zit- tern ging durch ihren zarten Körper. Hatte sie dieselben Worte nicht schon einmal gehört! War er vielleicht auch ihr damaliger Retter, als der Zt- neuner sie bedrohte! Nein, das.war unmöglich, sie konnte es nicht glauben.

„Es ist heute so schön," begann sie, die trüben Gedanken verscheuchend. „Ich hätte Lust, eine kleine Kahnfahrt zu machen. Wollen Sie mich begleiten?"

Helmut sah nach der Uhr.

„Leider muß ich es abschlagen," sagte er, „selbst auf die Gefahr hin, unhöflich zu erscheinen. Es ist die höchste Zeit, daß ick zurückkehre. Doch stehe ich zu jeder anderen Zeit gern zu Ihren Diensten.*

kann. Wahrscheinlich wird der Gesetzentwurf die Maximalarbeitszeit auf 10 Stunden festsetzen, je­doch von einer Verkürzung der Arbeitszeit an den Vorabenden der Sonn, und Festtage und ebenso von einer Verlängerung der Mittagspause Ab­stand nehmen. Die Berichte der preußischen Ge­werbeaufsichtsbeamten ergeben, daß schon jetzt für 62 Prozent der Fabrikarbeiterinnen die Arbeits­zeit nur 10 Stunden oder weniger als 10 Stunden beträgt.

Umschau.

Der Frankfurter Arbeiterkongreß.

In Frankfurt a. M. haben die nichtsozialdemo­kratischen Arbeitervereine getagt. Die Gewerk- vereine Hirsch-Dunkerscher Richtung waren fern- geblieben. Sie hätten an dem Bilde, das der Arbeiterkongreß bot, wenig geändert, denn auch ohne sie war er in seiner Stellung zu der wich­tigsten Frage, ob er für oder gegen die heutige Staats- und Gesellschaftsordnung sei, höchst un­klar. Wer für Staat und Gesellschaft ist, wie sie heute bestehen, muß unbedingter Gegner der Sozialdemokratie sein; denn diese will ja die moderne Kultur vernichten. Auf dem Kongreß in Frankfurt a. M. ertönten aber Aeußerungen, wie die, daß die dort versammelten Arbeitervereine sich nicht zum Sturmbock gegen die Sozialdemo­kratie benutzen ließen, in allen möglichen Varia­tionen. , Andererseits wurde ein Telegramm an den Kaiser abgesandt und als das Antworttele­gramm des Letzteren eingelaufen war, auf den Repräsentanten des Vaterlandes, der doch der oberste Schützer des heusigen Staates ist, ein Hoch ausgebracht. Aus diesem Widerspruch ist nur der Schluß zu ziehen, daß die betreffenden Ar­beitervereine nicht wissen, wie sie sich in der wich­tigsten innerpolitischen Frage zu verhalten haben, daß es in ihnen gährt und daß man gut tut, die weitere Entwickelung abzuwarten. Jedenfalls sollte man nicht blindlings das Urteil unterschrei­ben, das die Sozialdemokratie gegenüber dem Frankfurter Kongreß gefällt hat und das dahin geht, es wären jene Arbeitervereine die ärgsten Gegner sozialdemokratischer Bestrebungen. So unklar man in Frankfurt mit Bezug auf die Stell- ung zu Staat und Gesellschaft war, so einig war man in den Forderungen auf Gewährung der verschiedensten neuen Rechte. Die nun schon seit Jahrzehnten immer von neuem und auch von der Sozialdemokratie erhobenen Wünsche auf Gewähr­ung der Rechtsfähigkeit an die Arbeitervereine, Schaffung von Arbeitskammern, Einsetzung von paritätischen Arbeitsnachweisen usw. wurden von neuem erhoben. Man ging aber auch weiter und forderte Aufhebung der Gesindeordnung, Aus­dehnung des Koalitionsrechtes auch auf die land­wirtschaftlichen sowie auf sämtliche Arbeiter u. a. Bescheiden ist der Frankfurter Arbeiterkongreß in den Forderungen, die er an den Staat und die Gesellschaft stellt, nicht gewesen. Es soll aber nicht unerwähnt gelassen werden, daß er auch die Ver­dienste, die beide sich durch die staatliche Versicher­ung um die Arbeiterschaft Deutschlands erworben haben, anerkannt hat. Jedenfalls stellte sich der Kongreß auf diesem Gebiete als eine Vereinigung dar, die alles, was die Sozialideologen ausge­sonnen haben, weiter propagieren will. Im

„Ja, kehren Sie heim," sagte sie hastig. „Ich merke cs. Sie wollen Rache nehmen für damals, als i ch Ihnen eine gleiche Bitte abschlug."

Verwundert sah Helmut zu ihr auf.

„Nein," erwiderte er ernst, „ich will keincRache üben, das tue ich nie, am allerwenigsten einer Dame gegenüber. Jenen Vorfall hatte ich schon längst vergessen. Ich m u ß gehen, weil meine Pflicht mich ruft. Befehlen Sie mich zu an­derer Zeit, und ich bin bereit — ich wiederhole es — auch Ihnen gegenüber meine Pflicht zu tun."

Der Ton der Erwiderung war kühl, es war ihr eigener Ton, den sie ihm gegenüber schon öfter angewendet hatte. Sie ärgerte sich jetzt mehr über sich selbst, als über Herrn Kraft. Doch, sollte sie es ihn merken lassen, was sie im Grunde ihres Herzens über ihn dachte! Sollte sie ihn denn fühlen lassen, daß er ihr nicht mehr gleichgültig war, er ,der einfache Hauslehrer! Unmöglich! Verstohlen blickte sie zu dem Manne auf, der mit vollkommener Ruhe hier vor ihr stand. Sie verglich ihn mit einem entfernten Verwandten, der sie heiraten wollte und auch sollte nach dem Willen ihrer Cousine. Nein, dieser Herr von Schwaben- ftein hielt den Vergleich mit diesem Manne nicht aus. Sie liebte ihn nicht und sollte ihn dennoch heiraten! War sie denn blind gewesen, daß sie zu allem „ja" gesagt hatte! Immer mehr entfernten sich ihre Gedanken von Herrn von Schwabenstein, und immer deutlicher stand Herr Kraft vor ihr. — Hatte sie denn geträumt! Er stand ja leib­haftig vor ihr und errötend schlug sie die Augen nieder.

»Ja, gehen Sie", sagte sie, doch ebenso kalt wie vorhin, „und tun Sie Ihre Pflicht." —

Sie sah ihm nach, bis er hinter den Bäumen verschwand. Dann trat auck iie den Heimwea an.

Uebrigen wird man abzuwarten haben, tote die in Frankfurt geschaffene Organisation arbeiten toirb. Jedenfalls sind diejenigen in ihren Hoff­nungen nicht gestärkt, die in jenem Kongreß und in der von ihm zu schaffenden Organisation eine unbedingt zuverlässige Stütze der auf die Erhal- tung der heutigen Staats- und Gesellschaftsord­nung gerichteten Bestrebungen sehen zu können glaubten.

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Regelung —

der Schulun ter Haltung s pflicht.

In einigen Blättern wird ein Zweifel daran geäußert, daß bereits früher ein Entwurf zur RegÄung der Schulunterhaltungspflicht auSget arbeitet gewesen sei, der dem Uebelstande der Leistungsunfähigkeit vieler Gemeinden dadurch abzuhelfen gesucht hätte, daß die ländlichen Ge­meinden eines Kreises zu einem Kreisperbande bereinigt wurden. Ein solcher Entwurf ist gewiß ausgearbeitet gewesen. Mit ihm sollte die Ver­schiedenheit in der Leistungsfähigkeit der Gemein­den ausgeglichen und zugleich für die staatliche Beihilfe eine breitere und gerechtere Grundlage geschaffen werden. Bei näherer Ausgestaltung erwies sich dieser Weg jedoch als ungangbar, na­mentlich erhoben auch die Provinzialbehörden Be­denken. Insbesondere erschien es schwierig, das Vermögen der Einzelgemeinden auf den Gesamt­verband zu übertragen und dabei einen billigen Ausgleich für die größeren Aufwendungen zu finden, die eine Gemeinde gegenüber der ander» für ihr Schulwesen gemacht hat. Auch erwies sich der für eine solche Regelung erforderliche neue Verwaltungsapparat als zu schwerfällig und ge­eignet, das Interesse der nnnifttelbar Beteiligten an einer gedeihlichen Fortentwicklung der Schule zu lähmen. Danach wurde von dem Versuche, die Regelung auf diesem Wege herbeizusührcn, Ab­stand genommen und ein neuer Entwurf ausge­stellt, der unter Vermeidung der hervorgetreteiien Uebelstände eine einfachere Durchführung des Verfassungsprinzips, wonach die Ortsgemeinden die Träger der Schullast sind, erstrebte.

Demokratische Grundsatztreue.

In allen freisinnigen und liberalen Blättern kann man jetzt wieder einmal entsetzte Be­trachtungen darüber lesen, daß infolge der „widersinnigen Drittelung" der preußischen Landtagswähler in den einzelnen Bezirken der Reichskanzler, verschiedene Staatssekretäre und Minister sowie andere Mitglieder der höchsten Beamtenschaft genötigt seien, in ter dritten Abteilung zu wählen, in derselben Abteilung, in der auch „die Portiers und Diener der Ministerhotels" wahlberechtigt sind. Wir er­kennen diese Absurdität ohne weiteres an; aber dis Linke sollte sich dabei des allgemeiner, gleichen Wahlrechts erinnern, bei dem ebenfalls die Stimmen von Reichskanzler, Ministern, Portiers und Dienern, ja selbst von Land­streichern und „Lumpenproletariern" genau de» gleichen Wert haben. Wenn man bei dem preußischen Landtagswahlshstem diesen Umstand als „widersinnig" ansieht, so sollte man ihn

Kurz vor dem Schlosse begegnete ihr Fra» Horsten.

Sie sah ihm nach, bis er hinter den Bäumer» verschwand. Dann trat auch sie den Heimweg an.

Kurz vor dem Schlosse begegnete sie Fra» Horsten.

„Worüber freust Du Dich, Ella?" fragte sie, als sie ihre Kusine lachen sah.

Fran Horsten hob einen Brief in die Höhe. „Rate, von wem er ist!"

„Ich rate cs doch nicht, Ella," erwiderte, sie und entriß ihr den Brief. Hastig überflog sie ihn, dann gab sic den Brief zurück.

„Und Du sagst nichts dazu?" fragte Fra» Horsten erstaunt über ihr Schweigen.

„Was soll ich dazu auch viel sagen, Ella. Er ist mir gleichgiltig, das weißt Du. Er braucht also meinetwegen gar nicht zu kommen. Ich kann ihn nicht heiraten."

Frau Horsten blickte sie prüfend an.

„Wie ist diese Umwandlung so plötzlich in Dir borgegangen?" fragte sie, indem sie sich setzte.

„Was ich für ihn bisher empfand, Ella, war nicht Liebe, das weiß ich erst seit heute morgen,* cntgegencte Fräulein Frida; doch erzählte sie nichts von ihrem Zusammentrcsfen mit Herr» Kraft. „Ich habe ihn ja erst nur einige Male ge­sehen, damals, als er nach dem letzten Manöver bei ups war."

Frau Horsten seufzte tief auf.

„Aber er ist für Dich der Rechte. Er ist so auf« richtig, so voller Schwung und Husarenfrische —- einen besseren Gatten kannst Du nicht kriegen.*

Ein schmerzlicher Zug erschien auf den sei« geschwungenen, blaßroten Lippen der Zuhörerin.

....... ' (Fortsetzung folgt.)