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Marburg
Freitag, 30. Oktober 1903.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag' Joh. Ang. Koch, UniversitätS-Buchdruckerci 38. Jahrg.
Marburg, Markt 21. — Telephon »5.
—
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Chamberlain.
Der Austritt Chamberlains aus dem Kabinett Balfour beschäftigt nach tvie vor unsere lieben englischen Vettern auf das nachhaltigste. Jedermann drüben ist sicher klar über die Tatsache, daß vor der jetzigen, das ganze Volk von der Notwendigkeit der Lebensmittelzölle überzeugen »vollenden Tätigkeit des ehemaligen Kolonialministers die ^Zukunft Englands zum großen Teil abhängig ist. Wohl finden sich im britischen Reiche freihändlerische Blätter und Agitatoren, die den Ruhm Chambcrlainschcr Staatskunst zerzausen möchten und behaupten, Herr Chamberlain verdanke seine Bedeutung weniger einer überlegenen Begabung und einer alle anderen überragenden Persönlichkeit als der Kleinheit und Unfähikeit seiner bis- herigen Kollegen: unter Blinden sei der „Einäugige König". Im allgemeinen aber ist man gerechter und gibt die hohe Befähigung Chamber- Hains zu. Man erwägt, daß Chamberlain vom Gipfel seiner Macht und seines Ruhmes freiwillig hinabgestiegen, ist in die Arena der unmittelbaren politischen Agitation, und man ist bereit, seine Pläne, zu deren Verwirklichung er seine Zukunft aufs Spiel, setzt, von vornherein gewissenhaft zu 'prüfen. Die Lebensmittelzölle, von Chamberlain befürwortet, haben größere Aussicht auf Annahme, als wenn sie von Balfour oder sonst wem vorgeschlagen worden wäre.
Chamberlain findet eine nicht zu unter* schätzende Unterstützung in Balfour, den er in seinen Agitationsschriften als seinen Freund und — Führer bezeichnet. Nicht als ob Balfour bereit wäre, mit Chamberlain gemeinsam in Versammlungen aufzutreten oder auch nur in seinen gelegentlichen Ansprachen alle Forderungen des Ministers z. D. zu unterschreiben. Und doch ist er emsig bemüht, Chamberlain die Wege zu ebnen und ihm die baldige Rückkehr ins Ministerium zu ermöglichen. Die Ritchie und Hamilton schieden aus dem Kabinett und sie sind, wenn auch erst nach einer vierwöchentlichen Kabinettskrisis, durch Männer ersetzt worden, die des früheren Kolonial- fekretärs Zollplänen freundlich gegenüberstehen. Der Herzog von Devonshire, der 'Lordpräsident des geheimen Rates, ist ihnen nachgefolgt. Damit hat zwar das Kabinett den nach Chamberlain bedeutendsten Minister verloren, aber Chamberlain hat gewonnen, denn mit dem Herzog von Devonshire ist das Ministerium abermals um einest überzeugten Freihändler ärmer geworden. So verwandelt sich das vorher überwiegende freihändlerische Kabinett Balfour immer mehr zu
8 (Nachdruck verboten.)
Im Schlosse der Ahnen.
Original-Roman von Otto König-Liebthal.
(Fortsetzung.!
. lind so geschah es. „Werner bleibt zur Strafe lfür seinen Ungehorsam zu Hause und fährt nicht i nut nach Kähnsdorf." so lautete der Spruch des Vaters. Werner weinte und Frau Horsten verließ schnell das Zimmer, um ihre Wut nicht merken zu lassen.
Tas Mittagessen wurde schweigend eingenommen, und auch Fräulein von Kulligs Heiterkeit konnte die Schwüle nicht bannen. Selbst Herr Horsten war nicht so gesprächig wie sonst. Helmut war froh, als man aufstand.
I , »Sie fahren doch mit nach Kähnsdorf, Sie finden dort einen Kollegen von Ihnen," sagte Herr Horsten zu Helmut, als dieser gehen wollte.
„Wenn Sie mir es nicht übel deuten, Herr Horsten," erwiderte Helmut, „so möchte ich dankend ablehnen."
„Ganz wie es Ihnen beliebt, Herr Kraft," sagte Her Horsten freundlich. Dann wandte er sich ßu den Damen: „Also um vier Uhr fährt der Wagen vor, haltet Euch bereit."
! Helmut benutzte den Nachmittag, um einen Spaziergang durch das Dorf zu machen, welches von dem Gute ein halbes Stündchen entfernt lag. Auf dem großen Dorfplatz stand ein Karussel; ob- wohl es noch ziemlich früh am Nachmittag war, hatten sich doch schon viele Kinder hier versammelt und konnten den Augenblick nicht erwarten, wo die Rundfahrten beginnen sollten. Helmut ging weiter und machte im Dorfe die Bekanntschaft mit dein Ortsvorsteher Wunderlich, der vor seiner Türe stand und seine Pfeife rauchte.
einem schutzzöllnerischen und es wartet nur noch der Stunde, in der sich ihm der hier allein gegebene Führer Chamberlain zugesellt. Die englischen Blätter haben jedenfalls Recht, wenn sie Herrn Balfour den Schrittmacher Chamberlains nennen.
Auch die optimistischen Schutzzöllner Englands wissen, daß ihnen ein Kampf bevorsteht, der keinen seinesgleichen in der jüngeren britischen Geschichte aufzuweisen hat. Sie wissen, wie leicht es für ihre Gegner ist, gegen Schutzzölle, gerade auf Lebensmittel, Opposition zu machen und das Volk zu verhetzen. Da setzen sie ihre Hoffnungen auf die rastlose Propaganda Chamberlains. Dieser ist denn auch redlich bemüht, ihre Erwartungen zu erfüllen, indem er das Land mit Agitationsschriften überflutet und eine große Agitationstour nach allen größeren Städten unternimmt. In Glasgow hat er seinen Kampf begonnen: das war eine mutige Tat, denn Glasgow war die Wiege des Freihandels. Wo er aber auch aufgetreten ist, überall haben ihm Tausende zugejubelt, seine Popularität ist ständig im Wachsen begriffen. Freilich, auch wenn sich die große Mehrheit in England zu seinen Anschauungen bekennt, so hat er immer noch einen bedeutenden Gegner zu überwinden, die Kolonien. Wer aber seine Reden ge- nau verfolgt, erkennt leicht, daß er den von dieser Seite bisher geleisteten Widerstand durch geschickt ausgewählte Konzessionen zu brechen hofft. Jedenfalls ist Chamberlain heute der anerkannte Führer der Schutzzollpartei, und ist seine Agitation künftig mit dem gleichen Erfolge gesegnet wie bisher, dann braucht er sich um die Erreichung seines Zieles nicht übermäßige Sorgen zu machen.
Umschau.
Zu de« Landtags wähle«.
Marburg, 29. Oktober.
In der im Anschluß an die gestrige öffentliche Wahlversammlung des Bundes der Landwirte abgehaltenen Vertrauensmänner- versammlung wurde einstimmig beschloflen, da der bisherige Abgeordnete de§ Kreises, Herr Landrat v. Negelein, infolge seiner Stellungnahme zu den wasserwirtschaftlichen Vorlagen für den Bund der Landwirte als Landtagskandidat nicht in Betracht kommen könne, den Direktor des Bundes, Herrn Dr. Dietrich Hahn als Mittelstandskandidaten aufzustellen.
Zu den Hand elsVerträgen schreiben die offiziösen „Berl. Pol. Nachr.": In Betrachtungen, die neuerdings im Anschluß an di; Verhandlungen in Sachen der neuen Handelsverträge über die etwaigen künftigen handelspolitischen Verhältnisse Deutschlands angestellt werden, findet sich ein Irrtum, der nicht unwiderlegt gelassen werden soll. Es wird nämlich behauptet, daß, wenn die Handelsvertragsverhandlungen, wie sie schon vor einiger Zeit eingeleitet wurden und noch im Gange sind, zu keinem positiven Ergebnisse führen würden, der neue Zolltarif in Kraft gesetzt werden müßte. Zunächst liegt nach dem Laufe, den die Verhandlungen bisher genommen haben, kein Grund zu der An-
„Wissen Sie," sagte er nach der Begrüßung, „Herr Horsten ist ein guter Mann. Für die Leute tut er sehr viel, mehr als er eigentlich leisten kann. Die gehen auch für ihn durchs Feuer, wenn es sein muß. Schade nur, daß es ihm immer am Gelde fehlt! Na, er ist ein tüchtiger Landwirt — wird sich schon wieder rausrappeln."
Helmut freute sich, auch hier von Herrn Horsten nur gutes zu hören. Uebrigens schien der Mann mit den Verhältnissen der Gutsherrschaft sehr gut vertraut zu sein.
„An Frau Horsten werden Sie Ihr blaues Wunder erleben," fuhr der Gemeindevorsteher in seiner Rede fort, „sie ist stolz und putzsüchtig — ist eine Gräfin gewesen."
Helmut sagte nichts, mußte aber doch dem Gemeindevorsteher im Stillen recht geben. Er wollte sich verabschieden.
„Sie haben noch Zeit," sagte Wunderlich und stopfte feine Pfeife wieder. „Wissen Sie, das Snäbige Fräulein ist noch zu haben. Sie ist reich, ing und hübsch. Der verliebte Kerl von Inspektor ist fuchswlld nach ihr. Na, da wäre sie schön dumm, wenn sie den nähme. Die kriegt alle Tage einen anderen, wenn sie nur will. Und gut ist sie auch. Neulich war sie bei der alten Lehmann — da drüben wohnt sie — und hat der kranken Frau zwanzig Mark geschenkt. Wissen Sie, Herr Kraft, wie unser Pastor sie immer nennt? — Nein? Er sagt: Das ist unser Gemeindeengel —1 und er hat recht."
„Das ist eine schöne Bezeichnung," erwiderte Helmut, erfreut über die Worte des Ortsvor- stehers. „Der Name macht ihr alle Ehre. Aber nun muß ich gehen, es wird Zeft jein."
Auf seinem Rückweg kam Helmut wieder am Karussel vorüber. Diesmal war es schon im vollen Gange. Die Jßferbe und Kutschen waren
nähme vor, daß sie ergebnislos auSgehen werden. Sodann aber ist nirgends vorgeschrieben, daß für einen anderen Fall der neue Zolltarif in Kraft gesetzt werden muß. Das neue Zolltarifgesetz ist zwar vorhanden, jedoch ist dem Bundesrate die Inkraftsetzung desselben Vorbehalten. Der Bundesrat würde also zu entscheiden haben, wie die handelspolitischen Verhältnisse Deutschlands zum Auslande sich zu gestalten haben würden, wenn der, wie gesagt, unwahrscheinliche Fall des ergebnislosen Verlaufes der Handelsvertragsverhandlungen eintreten sollte. Die Art der Entscheidung würde natürlich von den dann vorliegenden Verhältnissen bestimmt werden.
Die Bevölkerung in Frankreich.
Das Wachstum der Bevölkerung Frankreichs bewegte sich auch iin Jahre 1902 in den seit Jahrzehnten gewohnten, teils durch natürliche Verhältnisse, teils durch künstliche Beschränkung gezogenen engen Grenzen. Wenn der Geburtenüberschuß über die Sterbefälle mit 83 944 Geburten um 11546 Geburtsfälle höher war als im Jahre 1901, so ist dies scheinbar günstige Ergebnis auf Rechnung der erheblich verminderten Sterbefälle zu setzen. In Wirklichkeit ist die Geburtsziffer um 11 896, die Todesrate um 23 442 gegen die entsprechende Zahlen des Vorjahres zurückgeblieben. Immerhin waren die beiden letzten Jahre, da sie einen Bevölkerungszuwachs von 19 bezw. 22 auf 10 000 Bewohner zeigten, wesentlich günstiger, als der Durchschnitt deS vorangegangenen Jahrzehntes, in dem für je 10 000 Einwohner die Zu* nähme nur 6 Prozent betrug.
Im Vergleich mit den meisten europäischen Killtursiaaten steht jedoch Frankreich trotz dieser in den letzten Jahren eingetretenen Besserung west zurück. Für die Jahre 1896—1900 ergibt sich für Frankreich eine Vermehrung von je 10 000 Einwohner um 13 Personen. Demgegenüber stieg die Einheit von 10 000 Einwohnern in Deutschland, das die relativ größte Bevölkerungszunahme besitzt, um 147, in Großbritannien und Oesterreich-Ungarn um je 116, in Italien um 110, in Belgien um 109 Personen.
Zur Verhütung von Soldaten- Mißhandlungen
macht ein alter Offizier in der „Post" einen neuen beachtenswerten Vorschlag. Er schreibt u. a.: „Ich hatte in meiner Kompagnie Korporalschaftsbücher eingeführt, in welche die Korporalschaftsführer eine möglichst eingehende Beschreibung der Mannschaft eintragen mußten über deren Sinnesart, körperliche und geistige Befähigung, genossene Bildung, früheren Beruf oder Beschäftigung, häusliche Verhältniffe usw. Diese Beurteilungen wurden wiederholt von mir mit den Unteroffizieren besprochen, vervollständigt oder verbessert. Es wurde darauf gehalten, daß die Unteroffiziere in ihrem außerdienstlichen Verkehr oder auf Märschen, auf Wache und bei dergleichen Gelegenheiten unter voller Wahrung ihrer eigenen Autorität sich mit den Leuten über ihre privaten Verhältnisse, Erlebnisse, Wünsche usw. unterhielten. Eine auf diesem Wege mit der Zeit erzielte genaue
fast alle besetzt, aber doch standen noch sehr viele Kinder da, die nicht fahren konnten, weil sie fein' Geld hatten. Betrübt schauten sie drein. Helmut hatte ein weiches Herz. Er zog seine Börse und reichte dem Besitzer des Karussels ein größeres Geldstück, indem er mit ihm einige Worte wechselte. Bald sprangen die Kinder jubelnd auf die Pferde und in die Kutschen. —
Helmut schaute dem lustigen Treiben eine ganze Weile zu, daun ging er langsam nach Hause. Der Weg ging etwas bergauf und führte direkt nach Kähnsdorf, während das Gut rechts vom Wege lag. Helmut wollte eben einbiegen, als er aus der Ferne lautes Rusen und Schreien her«, nahm. Er horchte. Aus jener Gegend mußten ja Horstens kommen. Deutlicher drangen jetzt die Stimmen an fein Ohr, und als er in atemlosen Lauf auf dem Berg angelangt war, sah er sofort, in welcher Gefahr die Gutsherrschaft schwebte. In rasender Eile kam das Gefährt näher: der Kutscher hafte augenscheinlich die Gewalt über die Pferde verloren, die wild dahin- ftürmten. An jener Biegung mußte die Kata- strophe eintreten. Helmut zögerte keinen Augenblick, er wußte, was er zu tun hatte. In tollem Laufe wollten die Pferde jetzt an Helmut vorüberstürmen, doch hatte er sich bereits mit aller Kraft den Tieren entgegengeworfen und mit fester Hand die Zügel gepackt. Die erschreckten Tiere bäumten sich hoch auf und setzten dann ihren Lauf fort. Helmut ließ die Zügel nicht los. Wohl einige zwanzig Schritt wurde er mitgeschleift. Er raffte seine letzte Kraft zusammen. Ein furchtbarer Ruck am Zügel — und die Pferde standen, als sie eben nach links einbiegen wollten.
„Dank! Tausend Dank!" rief Horsten glücklich aus, indem er vom Wagen sprang und sofort aus Helmut zueilte, während die Damen noch mit
Bekanntschaft erzeugt naturgemäß bei dem Vorgesetzten ein Interesse für die Untergebenen, welches eine wohlwollendere, gerechtere und der Eigenart entsprechendere Behandlung zur Folge hat, von dem Untergebenen nur zu gern mit Dankbarkeit und treuer Anhänglichkeit erwidert wird. Es entsteht hierdurch ein Vertrauensverhältnis, welches die unberechtigte Furcht vor dem Vorgesetzten schwinden läßt und die Zeit der dienstlichen Abhängigkeit weit überdauert, an welchem aber auch die Bemühungen der in! die Armee eindringenden Sozialdemokratie scheitern werden.
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Deutsches Reich
Berti», 29. Oktober.
— Seine Majestät der Kaiser, der Dienstag Mttag den mexikanischen Minister des Acußeren empfing, machte Mittwoch Morgen mit der Kai* ferin einen Spaziergang im Parke von Sans« fouci bei Potsdam. Später hörte der Monarch den Vortrag des Minister? des Innern, worauf, der neuernannte Präsident des Reichsgerichts, Dr. Gutbrod, empfangen wurde. — Wie die Berliner Blätter nachträglich mitteilen, ließ der Kaiser' jüngst bei den vorn Reichskanzler gegebeneuAbend^ essen eine Schrift des Bonner Kunsthistorikers' Prof. Justi vorlesen, welche die moderne Kunstrichtung scharf kritisiert. Die Schrift war mik Anmerkungen des Kaisers versehen. Während' seiner Studienzeit hat der Kaiser bei Dr. Justi kunftgeschichtliche Vorlesungen gehört. i
— In Berlin ist die National-Konserenz zur Bekämpfung des Mädchenhandels zusammenge- treten, die ein Glied der vor einem Jahre errichteten internationalen Vereinigung bildet. Die Naftonal-Konferenz nahm schließlich eine Resolu-, Hon über die strafrechtliche Bekämpfung deS Mädchenhandels an, in der es u. a. heißt, daß eine wirksame Bekämpfung des Mädchenhandels^ die Ausdehnung des Tatbestandes dieses Verbrechens auch auf die Fälle der Einwilligung einer großjährigen Frauensperson notwendig fordert.. Der Verein hat in den 4 Jahren seines Bestehens in Deutschland 56 Mädchen, die nach dem Auslände verkauft werden sollten, gerettet. Leider fehlt es dem Verein immer noch an den erforderlichen Mitteln zur Ausführung feines Programms. Die Verhandlungen werden noch fort- gefetzt. ___J
1— Im Reichsamt des Innern tagt gegenwärtig eine aus Vertretern fämtlicher Verbündeten Regierungen zufammengefehie Kommission zum Austausch von Erfahrungen auf dem Gebiete der Schlachtviehversicherung. An den Beratungen nahmen 43 Heren teil, davon 3 als Vertreter des Reiches, die übrigen als solche der Bundesstaaten. Die „Nordd. Allg. Ztg." teilt die Namen verschiedener Kongreßmitglieder mit, sagt aber nichts über den Gang und Inhalt der Verhandlungen^ Da es sich zunächst um einen Austausch von Erfahrungen handelt, ist die Konferenz im wesentlichen als eine Art Vorbereitung zur Ausstellung eines Gesetzentwurfs über die Schlachtviehversicherung anzusehen und eine bezügliche Vorlage in der kommenden Reichstagssession kaum zu erwarten. Die
schreckensbleichen Gesichtern wie gebannt in dem Wagen saßen. Doch bald hatten sie den Schreck überwunden und konnten ohne Hilfe das Gefährt verlassen.
Herrn Kraft haben wir es zu danken," sagt« Herr Horsten bewegt zu den Damen, „daß wir jetzt nicht dort am Fefsstein zerschmettert liegen. -— Aber, mein Gott," rief Horsten sogleich aus, als er Helmuts Hand von neuem ergreifen wollte, „Sie bluten ja!"
Jetzt erst bemerkte Helmut die von seiner Stirne herabfallenden Blutstropfen. Er nahm fein Taschentuch und preßte es sest auf die Wunde.
„Es ist nicht schlimm," beruhigte Helmut Herrn Horsten. „Es hat nichts auf sich! Eine kleine Schramme!"
Der Kutscher fuhr allein weiter: die Pferde hätten sich vollständigt beruhigt unb fchritten nun langsam vorwärts.
„Die haben auSgetobt," sagte Herr Horsten erleichtert. Die Herrfchaften legten dann den Rest des Weges zu Fuß zurück. Schweigend gingen die beiden Damen die kurze Strecke nebeneinander, während Herr Horsten mit Helmut munter plauderte, als ob nichts geschehen wäre. . i.
Jeder suchte so schnell als möglich sein Zimmer auf, denn es war schon spät geworden. *
„Ella," flüsterte Fräulein Frida Frau Horsten zu, als sie sich „gute Nacht" sagten, „sei ihm nicht mehr böse, er hat uns alle aus einer großen Gefahr errettet." - 4
Sie bat so rührend, daß Frau Horsten ihr verwundert in die Augen sah; doch schwieg sie« Bald wurde die letzte Lampe ausgelöscht und in tiefer Dunkelheit und nächtlicher Ruhe lag Schloß Eichseld da. —
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