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mit dem Kteisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Sonntagsbeilage JUustrirteS Sonntagsblatt,

JVs. 281

Vierteljährlicher Bezugspreise bet der Expedition 2 ML, OBztvAtt.A

bei allen Postämtern 2,25 Mk. (t$cL Bestellgeld). ÄVlUlVUltJ

Donnerstag, 29. Oktober 1903.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag' Joh. Aug. Koch, UnivcrsitätZ-Duchdruckerei Marburg, Markt 21. Telephon 55.

38. Jahrg.

Bestellungen

für die Monate November und Dezember auf die

Oberheffifche Zeitung" nebst ihren Beilagen werden von unserer Expedition ! (Markt 21) unseren Ausgabestellen in Kirch­hain und Neustadt, sowie von allen Post­anstalten und Landbriefträgern entgegen­genommen.

Die politische Laue im Hinblick auf die Landtagswahlen.

Graf Limburg-Stirum, der bekannte und be­währte Führer der konservativen Partei hat kürz­lich in einer Versammlung in Schlesien über die allgemeine politische Lage mit Bezug auf die Wahlen zum Abgeordnetenhause" gesprochen. Nach dem Berichte derSchles. Morgen-Ztg." führte er folgendes aus:

Von allen politischen Fragen sei die große Wasserfrage zuerst zu nennen, deren Bedeutung uns in diesem Jahre so hart zum Bewußtsein ge­kommen ist. Seit Jahren hätten die Konserva­tiven dafür gekämpft, daß zur Verhütung der Hoch­wasserschäden ernstliches geschehen müsse. Bisher habe man in den Ministerien die Meinung ver- treten, die Stromregnlierung führe keine Schäden mit sich. Jetzt scheint ein Wechsel der Anschauungen sich Bahn zu brechen. Man dürfe nicht verkennen, daß die vorschreitende Kultur größere Gefahren mit sich bringe durch das schneller absließende Wasser. Dem Umstande wolle inan aber jetzt durch Talsperren abhelfen, durch die man die Hochwasser an Ketten legen wolle, und die sich nach Meinung der Erbauer durch Lieferung von elektrischer Kraft selbst verzinsen sollen. Der Talsperrenplan irrt Oueistal sei ein hochintelligenter und interessan­ter. Aber man müsse doch erst abwarten, ob sich die daran geknüpften Hoffnungen verwirklichen werden. Die Uebelstände im Deichwesen müßten durch Aenderung der Deillwolizei und Zusammen- legung von Deichen in eine Hand beseitigt iverden. Darin würden die Konservativen die Regierung unterstützen. Dagegen müsse die Verquickung der Bauten zur Verhinderung der Hochwasserschäden mit den Kanalbauten als ungerecht gegenüber der ftromanwohnendcn Bevölkerung bedauert werden. Das scheine man nun auch in Regierungskreisen cinzusehen. Eine Kanalsronde bei den Konser­vativen gebe es nicht. Die Konservativen hätten stets nur in ruhiger, sachlicher Weise darüber ver­handelt. Die, Geschichte des Dortmund-Ems- Kanals, nrit feinen gescheiterten Hoffnungen auf anständige Verzinsung müsse eine Warnung sein. Bismarcks Eisenbahnverstaatlichung seien die guten Finanzen zu verdanken, so daß man den Kultur- airfgaben habe gerecht tverden können. Die geplan­ten Kanalbauten schlössen einen Ausfall von 60 Millionen in sich, was den Ruin unserer Finanzen bedeuten würde.

8 (Nachdruck verboten.)

Im Schlosse der Ahnen.

Original-Roinan von Otto König.Liebthal.

<riort,ehung.)

Ist das Tier fromm?" fragte er den Stall­knecht, der eben damit beschäftigt war, die ihm an- vertrauten Pferde zu füttern.

Ja, sehr," erwiderte er,das gnädige Frau- lein reitet's. lind," fuhr er fort auf einen statt­lichen Rappen zeigend,dies reitet unser Herr. Den Schimmel dort nimmt er selten."

So, so," sagte Helmut befriedigt und verließ den Stall.

Bald war der erste Tag vorüber, den er int Hause des Rittergutsbesitzers erlebte. Er über­schaute, noch einmal die mannigfachen Erlebnisse und Eindrücke desselben. Er hatte schon jetzt zu Herrn Horsten eine herzliche Zuneigung gefaßt, während er sich auf manchen Kampf mit Frau Horsten vorbereitete, llnd Fräulein Frida von Kullig! Lange noch lag er wachend im Bette, ehe er einichlummerte. Im Tranmc sah er ihr lieb­liches Bild.

v. '

Am nächsten Tage begann der Unterricht für Werner. Er war ein begabter Knabe, der mit sei­nem leichten Auffassungsvermögen seinem Lehrer die Arbeit ziemlich leicht machte. Herr Horsten freute sich sehr über jeden Fortschritt, den sein Sohn zeigte und drückte Helmut ost genug seine Zufriedenheit ans. Frau Horsten schien weniger Interesse daran zu haben, denn niemals fragte sie nach Werners Leistungen. So vergingen Tage und Wochen, ohne daß etwas Besonderes vorge­fallen wäre. Helmut tat seine Pflicht und küm- merke sich wenig um das, was die anderen mach­ten. Er lebte mehr für sich; in seinen Muse­stunden nnternahrp er weite Spaziergänge in die Umgebung. Besonders gern aber weilte er im

Was die Finanzlage noch weiter anlange, so sei ja der Wert unserer Staatsdomänen, Forsten, Bergwerke und Eisenbahnen noch größer als un­sere Schulden; aber es sei notwendig, mit den steigenden Ausgaben auch die Einnahmen zu steigern; sonst müßte auf eine Erhöhung der direk­ten Steuern zurückgegriffen werden. Herr Graf zu Limburg-Stirum ging sodann auf die Bolks- fchulfrage und das Zusammengehen mit dem Zen­trum ein, und kam dann auf die Polenfrage zu sprechen, die ein rechterBeweis dafür sei,was durch Agitation gemacht werden könne. Von Posen sei die polnische Gefahr nach Oberschlesien hineingc- tragen worden. Hier gebe e§ Meinungsverschie­denheiten mit dem Zentrum. Letzteres wolle als Konzession für die Polen das Erteilen des Re- ligionsunnterrichts in polnischer Sprache. Dem­gegenüber, müsse daran festgehalten werden, daß ein tüchtiger, fleißiger Lehrer es nach einigen Jahren dahin bringe, daß auch die Religion auf der Oberstufe der Schule deutsch gelehrt werden könne. Aus dieser rein praktischen Frage mache man nun eine politische, eine konfessionelle Frage. Hier sei die Regierung zu unterstützen. Auch das Zentrum werde nach und nach erkennen, daß die Polenfrage eine nationale sei. Der Kampf müsse aber mst Entschiedenheit und Stetigkest geführt werden ohne Zickzackpolitik (wie 1848 und Anfang der neunziger Jahre) durch die Jahrhunderte hin­durch.

In der sozialdemokratischen Frage sei die Si- hiation folgende: Liberalerseits glaube man, 'nach dem Geschimpfe auf dem Dresdener Parteitag sei die Sozialdemokratie uneinig. Das sei unrichtig. So weit die Sozialdemokratie sich gegen den Staat richte, sei sie einig, uneinig nur, wenn sie unter sich ist und in Fragen der Taktik. Wenn die Ge­werkschaften unpolitisch wären,,so würden sie nicht gefährlich fein; aber sie sind nicht nur nicht neu­tral, sondern vollkommen in den Händen der So­zialdemokratie. Zweierlei sei nötig. Die Regier­ung müsse sich aufraffen und alles tun, was sie kann, die Sozialdemokratie zu bekämpfen. Bei dem Omnibusstreik in Berlin sei sie nicht energisch genug gewesen. Daß das Polizeipräsidium den Verkehr zeitweise sistierte, machte den Eindruck der Schwäche, und ermutigte den Radau. Auf der an­deren Seste müsse man die monarchischen Elemente stärken. Streiks können eine richtige Grundlage haben, wo Arbeiter schlecht gelohnt und schlecht be­handelt tverden. Bei frivolen Streiks, dort, wo es sich darum handelt, die Direktion der Fabriken in die Hände der Gewerkschaften zu führen, sei mit Energie vorzugehen. Empfehlenswert fei eine Versicherung der Arbeitgeber auf Gegenseitigkeit gegen Schäden durch frivole Streiks. Der sozial­demokratische Parteitag habe gelehrt, daß, wenn die Massen aufgehetzt werden, es nicht heißen wird:Nehmt Euch", fondernSchlagt ihn tot!" Die Folge würde eine Militärdiktatur fein. Wer die bisherige praktische Entwicklung schätze, der müsse auch die Sozialdemokratie bekämpfen. Diese sei nur groß im Vernichten, nicht im Leisten.

Am Dreiklassenwahlshstem solle nicht gerüttelt werden. Bei unserer Bildung sei die öffentliche Stimmabgabe die richtige. Bei der Wahlkreis- einteilung müsse nicht das Numerische ausschlag­

schattigen Park am See, wo er oft stundenlang sich beim Lesen eines guten Buches aufhielt, ohne Langeweile zu verspüren.

Eines Tages war Werner weniger mit seiner Aufmerksamkeit bei seiner Lernarbeit. Immer wieder sah er zum Fenster hinaus, obwohl es ihm schon oft genug verboten worden war. Heute schien Werner gegen alle Mahnungen seines Lehrers taub zu sein.

Wenn Du jetzt nicht aufpaßt, dann muß ich Dich bestrafen," drohte Helmut.

Der Junge fprang auf.

Sie dürfen mich nicht schlagen," sagte er trotzig.Sie sind doch nur unser Hauslehrer, hat Mama gesagt."

Helmut war entsetzt. Was er geahnt, war ein­getrosten. Der Kampf mit Frau Horsten begann. Wie sollte feine Arbeit dauernde Früchte tragen, wenn eine Hand vorhanden war, die sie gleich wieder abschüttelte und vernichtete! So konnte es unmöglich weiter gehen, und Helmut nahm sich vor, bei der sich nur bietenden Gelegenheit mit Frau Horsten zu sprechen.

Du bleibst zur Strafe für Deinen Ungehor­sam heute zu Hause und fährst nicht mit nach Kähnsdorf," sagte Helmut mit ernstem Blick. Jetzt geh', ich mag Dich heute nicht mehr sehen!"

Weinend lief Werner zu seiner Mutter.

Helmut nahm seinen Hut, um in den Park zu gehen; doch noch ehe er das Haus verlassen hatte, kam auch schon ein Mädchen mit der Botschaft, daß diegnädige Fran" Herrn Kraft zu sprechen wüsche. Helmut begab sich in den kleinen Salon, wo ihn Frau Horsten schon erwartete. Sie saß auf einem Sessel und nötigte auch Helmut, sich zu setzen; doch blieb er in einiger Entfernung vor ihr sichen und wartete mit Ruhe der Dinge, die da kommen sollten.

Ich will Ihnen nur ajgen, Herr Kraft," be­gann sie mit erregter Stimme, ohne ihn anzu­

gebend fein, sondern die Frage, was die Bevölker­ung in den Wahlkreisen leistet, was sie für den Staat treibt. Darum gelte auch im Landtag die Sorge für die leidende landwirtschaftliche Bevölker­ung.S8ir muffen die Monarchie und die konser- vattve Partei stark und kräftig erhalten." Mit diesen Worten schloß der konservative Führer seinen bedeutsamen, mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag.

Umschau.

Fortführung der Sozialpolitik im Reichstage.

Daß auch in der nächsten Tagung dem Reichs­tage einige sozialpolitische Entwürfe zugehen wer­den, dürfte ziemlich sicher fein. Die offiziösen B. P. N." schreiben darüber:Ueber den Ge­setzentwurf betreffend die kaufmännischen Schieds­gerichte wird noch verhandelt. Die Krankenver­sicherungsnovelle, die am 1. Januar 1904 ihrem vollen Umfang nach in Kraft tritt, dürfte noch eine Konsequenz bezüglich der Seemannsordnung haben. Von einer Anzahl auf dem Verwaltungs- Wege getroffener Maßnahmen dürfte dein Reichs­tag Kenntnis gegeben werden. Die wichttgste sozialpolitische Ausgabe jedoch, deren Lösung die Negierungskreise in dem nächsten Jahre beschäf­tigen wird, ist die Witwen- und Waisenversicher- ung der Arbeiter. Bekanntlich ist im neuen Zoll- tarifgesetz, dessen Inkraftsetzung allerdings noch aussteht, bestimmt worden, daß gewisse voraus­sichtliche Zollmehreinnahmen zur Witwen- und Waisenversicherung der Arbeiter verwendet wer­den sollen, wenn diese bis zu einem bestimmten Zeitpunkte gesetzlich eingeführt ist, andernfalls sollen die betreffenden Summen denVersicherungs- anstaltcn zu dem gleichen Zwecke überwiesen wer­den. In irgend einer Weise muß demnach von der Regierungsstnte die betreffende Angelegen­heit erledigt tverden. , In die eigentliche Arbeit auf diesem Gebiete dürfte wohl erst cingetretcn werden, wenn die neuen Zolltarifgesetze in Kraft getreten und namentlich wenn zu übersehen fein wird, welche Summen infolge der betreffenden Mehreinnahmen für die Witwen- und Waisenver­sicherung der Arbeiter ans der Reichskasse zu ber- wenden sein werden. In nicht allzu langer Zett dürste aber wohl die Inkraftsetzung des neuen Zolltarises erfolgen. Jedenfalls wird die Sozial- politik der nächsten Jahre im deutschen Reiche von der Frage der Witwen- und Waisenversicherung der Arbeiter beherrscht fein."

Handels vertragsverhandlungktn.

Die Vermutung, daß die am Mittwoch in Ber­lin beendeten Besprechungen des Reichskanzlers und des Reichsschatzsekretärs nut bundesstaatlichen Vertretern über Finanzfragen auch dein gegen­wärtigen Stande der Handelsverfragsverhand- lungen gegolten hätten, wird in einer Berliner Zuschrift derSüdd. Reichskorresp." als unrichstg bezeichnet und dabei betont, daß namentlich auch die Frage einer vertragsmäßigen Herabsetzung der Mindestzölle für Getreide die Finanzkonferenz be-

blickcn,daß Sie Ihre Rechte als Hauslehrer doch wohl zu weit ausdehnen. Gleich am ersten Tage haben Sie sich die Freiheit genommen, Werner zu züchtigen, und heute verbieten Sie ihm die Mit­fahrt nach Kähnsdorf. Darüber, ob dieses ge­schehen soll oder nicht, haben wir, seine Eltern, doch wohl allein zu bestimmen."

Helmut war nicht im mindesten überrascht, weder durch die Worte, die er eben hörte, noch durch den Ton, in dem sie gesprochen waren.

Ja," erwiderte er ruhig,leider sah ich mich veranlaßt, gleich am ersten Tage eine körperliche Züchtigung an Werner vorzunehmen, weil er mir gegenüber ungehorsam war, denn das erste, was ein Schüler lernen muß, ist unbedingter Gehor­sam gegen die Befehle seines Lehrers. Heute zeigte er sich so zerstreut und tvar so unaufmerksam, daß alle meine Ermahnungen nichts nützten und ich so gezwungen war, ihm die Mitfahrt nach Kähns­dorf, die offenbar der Grund seiner Unaufmerk­samkeit war, zu verbieten. Diese ihm zudiktierte Strafe kann und darf ich ihm nicht erlassen. Wenn Sie, gnädige Frau, meine Maßnahmen nicht für richtig anerkennen wollen oder können, so tut mir das aufrichtig leib. Doch mag Herr Horsten über Werner entscheiden. Sollte er wider Erwarten Ihrer Meinung sein, so sehe ich mich genötigt, meine Tätigkeit hier in Ihrem Hanse als beendet zu betrachten."

Eine solche kühne Entgegnung hatte Frau Horsten nicht erwartet. Erregt stand sie auf und ging einige Male im Zimmer auf und nieder, nicht fähig, ein Wort zu erwidern. Da Frau Horsten schwieg, betrachtete Helmut die Hnterrebung für beendet.

Wünschen Sie sonst noch etwas, gnädige Frau."

Frau Horsten hatte sich wieder gesetzt und war ruhiger geworden.

.Ich wollte Ihnen nur noch sagen, daß ich und

schästigt hat.Es ist," heißt es in der Zuschrift, keine Stimmungsmache, keine nationale Schön« färberei, sondern schlichte Tatsächlichkeit, wenn di« allgemeine Lage Deutschlands in den Handels« vertragsverhandlilngen als nicht ungünstiger, vielleicht eher günstiger angenommen wird, wie die jedes einzelnen Auslandsstaates." '

Reichsbank.

In der Monats-Sitzung vom 27. Oktober d. Js. des Zentralausschuffes der Reichsbank konnte Reichsbankpräsident Koch eine befriedigende, zu Besorgnisien oder Maßnahmen irgend welcher Art keinen Anlaß bietende Gestaltung des Bank« status konstatieren. Die starken Ansprüche deS letzten Quartalstermins sind durch die be­ständigen Rückflüfle im laufenden Monat schon teilweise wieder ausgeglichen. Allerdings sei zum Ultimo eine erneute Anspannung des Bank« kredits zu erwarten, doch wird im November wiederum auf eine Stärkung beS Metallbe­standes, eine Verminderung der Notenzirkulation und eine Erleichterung der Anlage zu rechnen sein. Für eine Erhöhung des Diskonts, den die Bank bekanntlich über das laufende Jahr hinaus glaubt aufrecht erhalten zu können, liegt demgemäß ein Grund nicht vor.

Deutsches Reich

Berlin, 28 Oktober.

Seine Majestät der Kaiser unternahm am Montag Nachmittag einen längeren Spazierritt und hörte am Dienstag vormittag den Vortrag des Chefs des Militärkabinetts.

Zur Wiesbadener Kaiserbegegnung, deren nun auch dieNordd. Allg. Ztg." Erwähnung tut, wird demB. T." aus Petersburg gemeldet, daß die Anregung zu der Zusammenkunft vom Zaren Nikolaus ausgegangen sei. Der Zar habe dem deutschen Kaiser in einem Telegramm den Wunsch ausgedrückt, er möchte Deutschland nicht verlassen, ohne seinen Freund, den Kaiser, ge- scheu und gesprochen zu haben. Kaiser Wilhelm habe diese Anregung mit herzlicher Bereitwillig­keit aufgenommen und dem Zaren vorgeschlagen, damit ihm so wenig Unannehmlichkeiten wie mög­lich erwüchsen, die Begegnung in dem Darmstadt so nahe gelegenen Wiesbaden stattfinden zu lassen. Es soll nicht ausgeschlossen sein, daß der Zar vom Grafen Lamsdorfs begleitet sein wird, in welchem Falle auch der deutsche Reichskanzler Graf Bülow der Zweikaiserbegegnung beiwohnen würde. Fer­ner wird demB. T." ans Wiesbaden gemeldet, daß der Aufenthalt des Kaisers Wilhelm daselbst auf drei bis vier Tage bemessen fei. Der Zar kommt wohl nur auf einen Nachmittag, wenigstens wird bezüglich seiner Aufenthaltsdauer an den ursprünglichen Meldungen nichts geändert. Zum Schutze des Zaren find außer der Wiesbadener Garnison drei Mainzer Regimenter kommandiert worden.

meine Geschwister auch von Hauslehrern unter- richtet worden sind, und mein Vater, der Graf von Redern, diesen Herren eine solche Macht, wie Sie über Werner auszuüben belieben, nie ein­geräumt hat. Und doch haben wir alle etwas ge­lernt."

Wenn Frau Horsten glaubte, ihm zu imponieren durch die MitteilnnL, daß ihr Vater Graf gewesen sei, so hatte sic sich doch getäuscht. Helmut war nicht im mindesten überrascht.

Ich glaube Ihnen, gnädige Frau," entgegnete er.Aber den Hauslehrer bedauere ich, der sich' diese Macht, die er unbedingt haben muß, wenn seine Tätigkeit von Nutzen für den Schüler sein soll, nehmen, oder gar nicht erst geben läßt. Ich werde sie mir nicht nehmen lassen, solange ich Werners Lehrer bin. Wie gesagt, Herr Horsteip möge entscheiden. Von dieser Entscheidung hängt mein Bleiben oder Geben ab." ii

Nun, das Gehen würde Ihnen doch wohl nicht so leicht werden," entgegnete Frau Horsten mit spöttischer Stimme.Mein Mann bezahlt doch Ihre Dienste gut, und Sie sind doch darauf ange-! wiesen, sich Ihr Brot zu verdienen."

Helmut achtete nicht auf den Spott dieser Frau-'

Jeder Arbeiter ist seines Lohnes wert, gnädige Frau. Ein treuer Arbeiter findet überall fein Brot und ich . . ."

Ich sehe schon," unterbrach ihn Frau Horsten? wir kommen doch nicht überein. Ich werde mit meinem Manne die Angelegenheit besprechen." ,

Helmut ging. Es schmerzte ihn tief, daß Frau Horsten ihn nicht verstand, oder verstehen wollte, lieber den Ausgang der Entscheidung von feiten des Herrn Horsten 'war er nicht einen Augenblick im Zweifel.

: (Fortsetzung folgt.)