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Jo 277

Reclamcn: die Zeile 25 Pfg.

Erscheint wöchmtlich sieben mal. x-x- '£

Druck und Verlag' Ioh. Aug. Koch, Univcrsitäts-Buchdruckerci 38. Jahrg. Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Die Konferenz der FinanzminisLer.

Es ist ein schwieriges Werk, zu welchem sich die Finanzminister der gröberen deutschen Staaten in Berlin Zlisammengestmden haben. Wie. im Haushalt eines jeden Menschen, so spielt auch in dem der Einzelstaaten und des Reiches die Geld­frage die Hauptrolle, und daher kann es eigent­lich nicht überraschen,das; diesmal die winterliche Hauptsaison der Politik durch eine Reunion der Finanzminister eröffnet worden ist.

Von dem Ergebnis der unter dem Vorsitz des Reichskanzlers gehaltenen Beratungen hängt für das Reich, für die Bundesstaaten, nicht zuletzt für den einzelnen Staatsbürger sehr viel ab. Die gestellten Ausgaben sind keine leichten. Es sollen die Bundesstaaten unabhängig gemacht werden von den wechselnden Einnahmen und Ausgaben deS Reiches, es soll mit der Praxis der Reichs­anleihen möglichst gebrochen werden, es soll dafür der Anfang mit einer regelmässigen Schuldentilg­ung gemacht werden, es soll in den Reichsfüianzeu eine größere Stetigkeit herbeigeführt werden, es soll alles das erreicht werden trotz der natürlichen und unabweislichen Erhöhung der ReichZa'.lsgaben Wird das aber alles erreicht werden? Wenn man sich der Ergebnisse der wichtigsten früheren Finanz­minifierkonferenzen erinnert, so ist die Aussicht keine vielversprechende.

Die erste wichtigere Konferenz deutscher Finanz-. Minister, die im neuen Reiche stattsand, war die vom Jahre 1878. Fürst Bismarck plante, das Reich finanziell aus eigene Füße zu stellen. Diesem Zweck diente die Konferenz der Finanzminister der Emzelstaaten, die in Heidelberg zusammentrat. Sämtliche Bevollmächtigte waren darin einig, daß eine erhebliche Steigerung der Einnahmen des Reichs unerläßlich und daß diese nur auf dem Ge­biete der indirekten Steuern zu erstreben sei. Eine weitere Finanzministerkonferenz, die eine gewisse historische Bedeutung erlangte, war die, welche im Sommer 1893 in Frankfurt tagte. Die Ca­privi sche Militärvaxlage war im Reichstag zur Annahme gebracht worden, nachdem dieser durch Auflösung erneuert worden mar. Es handelte sich darum, die Mittel zu beschaffen, die zur Deckung der durch bic Neugestaltung unserer Wehr zu Laude veranlaßten Mehrausgaben erforderlich schienen.

In Frankfurt kamen 1893 die Finanzminister dahin überein, die Beschaffung der erforderlichen Mittel zur Bestreitung der vermehrten Ausgaben auf dem Weg der Erhöhung der Brausteuer, so­wie der Einführung der Tabakfabriksteuer zu ge­winnen. Das Schicksal der im Reichsfchatzamt ans- gearbeiteteu Entwürfe ist bekannt: der Reichstag versagte seine Zustimmung. Ebenso ließ er den Plan fallen, den der preußische Finanzminister ansarbcitete, um eine Scheidung der Finauzge- bahrung im Reich und in den Einzelstaaten zu ermöglichen.

Man darf es von vornherein als ausgeschlossen betrachten, daß sich die Finanzminister bei ihrer diesmaligen Zusammenkunft für eine stärkere Heranziehung der bereits vorhandenen Steuern aiissvrecheu werden. Denn für neue Steuern ist im Reichstag in absehbarer Zeit keine Mehrheit zu haben, und Frhr. von Stengel, der neue Reichs- schavsekretär wurde die ohnedies undankbare und

1 lAachdruck verboten.)

Im Schlosse der Ahnen.

Original-Roman von Otto König-Liebthal.

lFortketrung.)

in. " ° -

rv «!cm herrlichen Sommermogreu hatte »^uilem irrida ihr Pferd satteln lassen, um einen Lvazierritt zu unternehmen. Früher batte sie Herr Horsten fast immer begleitet, doch jetzt, wo es soviel für ihn zu tu» gab, mußte er es' unter­lassen, iiud Fräulein. Frida mußte allein reiten. Lie tat dies um so lieber, als sie daun ihr Pferd nach Herzenslust tummeln lassen konnte, ohne fortwährend den Ruf veruehmen zu müssen:Sei vorsichtig!" zu dem Herr Horsten freilich oft genug Beraulapung zu haben glaubte.

Es war noch ziemlich früh, als sie ihren Spa­zierritt begann. In raschem Trabe ging's durch den schönen Eichwald, der gleich beginnend, sich bis zum Dorfe Eichfeld entlang zog. In vollen Znfsen atmete die kühne Reiterin die erfrischende Morgenluft ein, und ein beglückendes Lächeln um­spielte ihre Lippen.

Bald hatte Fräulein Frida das Dorf Eichfeld erreicht, wo sich mitten aiu der Dorfstraße eine Zigeunerbande gelagert batte, jetzt aber weiter zu zicbeu schien. Fräulein Frida ritt schnell vorbei, die struppigen und zerlumpt gekleideten Gestalten flößten ihr Entsetzen ein. Kurz vor Seddin kehrte sie um, wählte aber einen anderen Weg. Dieser Ivar zwar etwas näher, doch weniger bequem zum Steifen.

Plötzlich bäumte sich ihr Pferd in die Höhe. Wie aus der Erde gestampft, stand ein großer, un­heimlich dreinschauender Zigeuner vor ihr. das .Pferd fest am Zügel haltend. -

schwere Bürde dieses Amtes nicht auf sich genom- inen haben, wenn er sich hätte sagen müssen, daß er sofort für eine so schwierige Aufgabe eintreten müsse, wie es die Forderung neuer Steuern nun einmal ist.

Es liegt daher auf der Hand, daß die Berat- ungeit im Wesentlichen der Ernneuerung der Han­delsverträge gelten. Diese sotten gewissermaßen das Heil- und Hilfsmittel sein, um eine bessere Einnahmequelle zu schassen, die so dringend nötig ist. Die Beschleunigung des Abschlusses der Ver­träge scheint also auch im Interesse der Reichs­finanzen geboten, abgesehen von allein anderen. Aber in luie nebelhafter Ferne schwebt noch der Abschluß der neuen Verträge! Für das nächste Etatsjahr kommen sie überhaupt noch nicht in Frage, und auch das Jahr 1905 wird vorüber­gehen, ohne daß dem Reiche sonderliche Einnahmen aus den: neuen Zolltaris ziifließen, wenn die Ver- handlnngen nicht bald ein ganz anderes Tempo annehmeit,. als dasjenige ist, in dem sie bisher geführt wurden. Und ist es einmal so weit, daun werden auch im günstigsten Falle die durch den Zolltarif eingehenden Hoheit Einnahmen, dem Reich nicht allzusehr zugute kommen, da die Ueber- fchüsse aus dem Taris nach Reichstagsbeschluß sehr bald zur Errichtung einer Arbeiter-Witwen und Waisen - Versorgung Verwendung finden sollen. Man darf daher aus das Ergebnis der Berliner Beratungen mit Recht gespannt sein, ivelche posi­tive Förderungen sie bringen werden. **

Umschau.

Einweihung de § Melau ch t Hon- Ha u s e s in Bretten.

In dem Geburtsort des praceeptor (1er- nianiae Philipp Melanchthon in Bretten < Baden) wurde am 20. Oktober ein Gedächtnishaus errich­tet, das folgende Inschrift trägt:Gott zu Ehren, Melanchthon zum Gedächtnis errichtet von der evangelischen Christenheit."

Zn der Feier hatten sich eiitgesundeu als Ver­treter des 51 a i s e r s , General v. Lindequist. Ferner der Großherzog und die Großherzogin von Baden, das erbgroßherzoglichc Paar von Baden, die Erbpriuzessiii Marie von Anhalt, Staatsrat v. Dusch, Prälat Dr. Hclbing, Pros. Dr. Müller- Berlin, ferner Vertreter einer größeren Anzahl deutscher Universitäten, darunter Leipzig, Straß­burg, Erlangen, Kiel und Berlin und der englische Melanchthonsorfchers Shunters ans Loudon, fer­ner eine direkte Enkelin Melanchkhons, Frau Re­gierungsrat Peuker-Kolmar.

Vom Bahnhofe begaben sich die Höchen Herr­schaften direkt in die Kirche zum Festgotteödienst und nach demselben zu der Tribüne am Markt­platze vor dem Melanchthonhause und wurden dort von Professor Dr. Mütter-Berlin und Bürger­meister Wittum begrüßt. Professor Mütter hielt sodann die Festrede, in der er nach einem Rückblick auf die Entstehung des Melanchthonwerkes alleit denen dankte, die zur Errichtung des Hauses bei- getragen, insbesondere dem Großherzog und dem Kaiser, der noch bis zuletzt durch Entsendung eines Vertreters sein Interesse an der Sache bekundet habe. Redner übergab fodann das Haus dem Schutze und in die Verwaltung der Stadt. Herr Bürgermeister Wittum dankte nochmals namens

Was tvolleu Sie?" rief Fräulein von Kultig voll Entsetzen, und ein Schauder durchrieselte ihren zarten Körper.Lassen Sie augenblicklich mein Pferd los oder ich rufe um Hilfe!"

Schweig!" donnerte ihr der Zigeuner ent­gegen.Ein Laut und Sie sind ein Kind des Todes."

Nur noch fester hielt er mit der linken Hand den Zügel des Pferdes, während er mit der an­deren einen Revolver aus der Tasche zog.

~Lassen Sie mich," bat Sie mit zitternedr Stimme, sofort jeden Widerstand aufgebend, da es hier kein Entrinnen gab.

Geld will ich!" sprach der Zigeuner gebie­terisch und band das Pferd au einen Bamu.

. -Ich habe nichts bei mir bei Gott, ich habe nichts," beteuerte sie.

Ihr Flehen war umsonst.

Mit eiserner Faust packte sie der Zigeuner und zerrte sie vom Pserde. Halb ohnmächtig sank sie zur Erde nieder. Schon kniete der Zigeuner an ihrer Seite, um ihre Taschen zu untersuchen, da noch ehe er dies Werk ausführen konnte umschlangen ihn von hinten zwei kräftige Arme und zogen ihn rückwärts zu Boden. Blitzschnnett zog der Fremde dein Zigeuner den Strick aus 8er Tasche, welcher mit feinem einem Ende aus der­selben hervorschaute. Mit demselben die Hände des Bösewichts zusammenbindend, war das Werk eines Augenblicks.

Verdammt," knirschte dieser vor Wut, als er sich erheben wollte, was ihm aber nicht gelang.

Jetzt erst wandte sich der Frentde au das Fräu­lein, das sich inzwischen erhoben hotte und nun zitternd vor ihm stand, nicht fähig, ein Wort zu sprechen.

Der Retter verbeugte sich, und mit seiner wohl­klingenden Stimme sprach er:Danken Sie Gott,

der Stadt und versprach, das Haus seinem Zwecke entsprechend zu verwalten und treu zu hüten. Hieran schloß sich ein Weihegottesdienst im Me­lanchthonhause, den Prälat Dr. Helbing abhielt. Die Vertreter der Universitäten überbrachten da­raus ihre Glückwünsche. Seitens des preußischen Oberkonsistoriums wurde eine Spende von 1000 Mark übermittelt. Es folgte nun ein Rundgang durch das Haus, dem die Grotzherzoglichen und Erbgroßherzoglichen Herrschaften bis kurz vor 4 Uhr anwohnten. Um 4 Uhr wurde das Thomasche Melanchthonfestspiel aufaeführt und die Aufführ­ung um 8 Uhr wiederholt. Die Stadt war abends festlich beleuchtet.

Das künkt i ze Reichst agsp -"äsidium.

Die .Dtsch. Tagesztc." beschäftigt sich mit der Zusatnrneoft-tzung bE§ künftigen Reichstags- Präsidiums. Sie hält es für zweifellos, daß nach der bisherigen Gepflogenheit das Zentrum den Präsidenten und die Rechte den ersten Vize­präsidenten Vorschlägen wird und daß Graf BaLestrem und Cras zu Stolberg-Wernigerode in diese Aemler wieder kommen werden. Der zweite Vizepräsident werde wahrscheinlich der rationalliberalen Partei entnommen werden, da an die Wahl eines Sozialdemokraten nicht zu denken fei. Als für die Wahl des zweiten Vizepräsidenten etwa in Betracht kommend nennt dieDisch. Tagesztg." die Abgg. Frhrn. Hehl zu Herrnsheim, Münch - Ferber, Graf Oriola und Dr. Paasche, da man Neulinge aus naheliegenden Gründen nicht Vorschlägen werde und die eigentlichen Parteiführer zu Präsidenten weniger geeignet seien, weil sie zu anderweitiger Tätigkeit gezwungen sind.

Ans der Streikstatistik.

Im zweiten Vierteljahr 1903 ist die schon bitz dahin lebhafte Ausstandsbewegung in Deutsch­land noch starker geworden. Während im ersten Quartal 316 Ausstände begonnen waren, sind im zweiten Vierteljahr 312 begonnen worden. Die Zahl der Betriebe, die von den in diesem Zeitraum beendeten Streiks betroffen wurden, belief sich auf 2873 (erstes Vierteljahr 591), von denen 559 (178) zu völligem Stillstand kamen. Bei Ausbruch des Streiks waren in den 2873 Betrieben überhaupt 53 912 Arbeiter, in den ausschließlich vom Streik ergriffenen Betriebszweigen 12541 Arbeiter beschäftigt (erstes Vierteljahr 38217 bezw. 5928); die Zahl der Betriebe, in welchen der Streik sich nicht auf alle Geschäftszweige erstrecktt, belief sich auf 775. Die Höchstzahl der gleichzeitig streikenden Rrkeiter betrug 23973, jene der gezwungen feiernden Arbeiter 3489 (erstes Vierteljahr 14 245 bezw. 865). Einen vollen Erfolg hatten die Streikenden in 63 Fällen, einen teilweisen in 134 Fällen und keinen Er­folg in 171 Fällen. Aussperrungen wurden im zweiten Vierteljahr 1903 26 beendet gegen 12 im ersten Vierteljahr. Ausgesperrt wurden hierbei 18406 Arbeiter, während außerdem 236 Arbeiter infolge der Aussperrungen zum

gnädigstes Fräulein, daß er Sie vor diesem Schurken bewahrte, der vielleicht schlimmeres vor­hatte, als Sie ahnen. Die Gefahr ist vorüber, darum beruhigen Sie sich. Aber doch möchte ich Sie in Ihrem eigenen Interesse bitten, nie wieder allein zu reiten. Ich keime zwar diese Gegend nicht, aber doch ist es für eine Dame immer ge­fahrvoll, einsame Wege allein aufzusnchen."

Fräulein von Kultig hatte sich inzwischen von dem ansgestandenen Schreck etwas erholt, ihre Angit war gewichen und ein tiefes Rot überzog jetzt ihr feines Gesicht.

Mein Herr, ich. ." sagte sie endlich, ohne auf- zuseben; doch ließ er sie nicht zu Ende reden.

Ich weiß, was Sie sagen wollen, gnädiges Fräulein. Ich ltzanspruche keinen Dank, ich tat, tvas meine Pflicht war. Hoffentlich sind Sie wie­der imstande, ihr Pferd zu besteigen, um nach Hanse zu reiten. Ich aber kann diesen Menschen er zeigte mit der Hand auf den noch immer am Boden liegenden Zigeunernicht hier liegen lassen, sondern muß ihn der Polizei übergeben."

Er lüftetet seinen Hut, und noch ehe Fräulein von Knllig Zeit fand, ihren Retter ordentlich an- ziischanen, um zu wissen, wie er aussah, war der Fremde mit dem Zigeuner, der sich inzwischen erhoben hatte, schon hinter einem Gebüsch verschwunden.

Lassen. Sie mich laufen, gnäd'ger Herr, ich bitt' schön, lassen Sie mich los," bat der Zigeuner den Herrn.

Nein," erhielt er zur Antwort,ein Mensch wie Sie gehört ins Zuchthaus." '

Eine fürchterliche Wut packte den Gefesselten: mit aller Gewalt versuchte er die Hände von dem Stricke zu befreien, doch sein Mühen loar umsonst.

Vorwärts!" befahl der Fremde.

Feiern gezwungen wurden (im ersten Viertel' fahr 752 bezw. 243 Arbeiter).

Sozialdemokraten als Arbeit geber.

In Königsberg i. Pr. ist,'wie die dortige Har- tnngfche Zeitung mitteilt, zwischen der gemein« samen Ortskrankenkasse und dem Aerzteverein ein schwerer Konflikt ansgebrochen, der zu einem Aerzte-Streik geführt hat. In dem Verbände dec gemeinsamen Ortskrankenkasse hat dieSozialdemo- tratie das Heft in Händen. Der Vorsitzende dec Kasse ist ein Sozialdemokrat, der Rendant ist ein Mann, der zu den anerkannten Führern der Königsberger Sozialdemokratie gehört. Die ge- ntcinfaine Ortskrankenkasse ist die Arbeitgeberin für die Aerzte, die ihrerseits im Aerztevereinge­werkschaftlich" organisiert sind. Wir haben also hier den Fall, daß die Arbeitnehmer als Arbeit­geber auftreten, und daß sie hier den weitesten Spielraum haben zur praktischen Anwendung der Grundsätze, die sie selbst für ihr eigenes Arbeits- Verhältnis proklamieren. Sie müßten demnach zum mindesten das, was ihnen selbst für sich recht erscheint, ben von ihnen beschäftigten Aerzte» billig fein lassen. Die Fälle, in denen die Ar­beiterschaft als Unternehmer auftritt, müßten ge­wissermaßen die Proben auf daS Eremvel eines Arbeitsverhältnis par oxcellance fein, sie müßten den Beweis von der llebereimtimmung sozialdemokratischer Theorie und sozialdemokra­tischer Praxis erbringen. «i

Das ist aber nicht der Fall. Die sozialdemo- kratischen Arbeitgeber stellen, ganz wie das bei einem nach kapitalistischen Grundsätzen geleiteten Unternehmen geschieht, der einmütigen Forderung der eingestellten Aerzte auf Erhöhung ihrer Hono­rare die Rücksicht auf das Florieren der Kassen und die Macht des ArbestgebertnmS entgegen. Ferner fällt es ihnen nicht ein, diegewerkschaft­liche Organisation der Aerzte anzuerkennen. Wah­rend seitens der Sozialdemokratie bei einen Ar- beiterftreif nichts unterlassen wird, den Zuzug von Außen zu verhindern und jeden Arbeit-willigen als Verräter zubrandmarken", organisieren die Genossen" als Arbeitgeber den Zuzug Arbeits­williger, indem sie auswärtige Aerzte bernuzu- ziehen bestrebt sind, die der lokalen ärztlichen. Or­ganisation alsStreikbrecher" in ben Rücken fallen sollen. Man kann also an dem ftömgS- berger Beispiel wieder sehen, daß in der Sozial­demokratie Theorie und Praxis grundverschiedene Dinge find.

Deutsches Reich

Berlin, 23 Oktober. .

Seine Majestät der Kaiser nahm nach der Enthüllungsfeier des Kaiser Friedrich Denkmal in Potsdam die Meldung des als Leutnant bei dem 1. Garde-Ulanen Rgt. eingetretenenHerzogS Adolf Friedrich von Mecklenbnrg-Strelitz entgegen. Nach der Tafel machte das Kaiserpaar einen Ausritt in Begleitung der Prinzen-Söhne August Wilhelm und Oskar.

Der Geburtstag Ihrer Majestät der Kaiserin wurde in der herkömmlichen Weife festlich be­gangen. Vormittags fand Gratnlatiowüonr am Hose statt, mittags war Familientafel.

Langsam schritt der Zigeuner voran, näbreub der Fremde ihm folgte. Das Dorf war nicht allzu weit von der Uebersattsstelle entfernt, imb halb sahen sie die ersten Häuser vor sich liegen. Der Gefesselte ging, je näher sie kamen, iilwirr lang­samer. Der Fremde trieb ihn nicht zu größerer Eile an, denn er selbst schien noch im Zweifel zu fein, was er tun sollte. Wenn er den Zigeuner der Ortspolizei auslieferte, so mußte da? Straf­verfahren gegen denselben eingeleitet und er kibft als Zeuge vernommen werden. Dieser Fall würde dann in die Oesfenilichkeit bringen, was der Dame, deren Namen ihm ja nicht einmal bekannt, war, vielleicht nicht angenehm fein würde. Zudem war die Dame ohne Schaden davongelonimen. Endlich befahl der Fremde dein Zigeuner, flehen zu bleiben. Kein Mensch war zu sehen, und so. konnte er feinem Gefangenen, ohne Aistsehen zu er­regen, die Freiheit wiedergeben.

Sie sollen noch einmal vor dem Zuchthanse bewahrt bleiben," sagte der Fremde mit ernster Stimme,aber hüten Sie sich, in Zukunft jemals wieder etwas Unrechtes- zn begehen."

Ter Fremde befreite den Gefangenen. i A

Ich dank' schön!" rief dieser glücklich ans und lief so schnell ihn seine Füße tragen konnten, davon.

Helmut Kraft denn er war der Fremde> ging eilig denselben Weg zurück. Bald war der Wald zu Ende und vor ihm lag das Schloß Eichi seid. Hier sollte er Aufenthalt nehmen für einige Jahre. Ob er hier glücklich sein würde! Ob eit sich wohl fühlen werde in einem ihm noch fremdeuj Kreise! Diese Gedanken bewegten ihn, und nut zögernd öffnete er die Tür zum Park, von wo aus der Weg direkt zum Schlosse führte. Jetzt hörte et Schritte; er sah auf und bald stand er dem Eigen: tiimer des Rittergutes gegenüber. (Forts, folgt)«