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mit dem Kreis blatt für -re Kreise Marburg und KirLßattr.

Senntagsbeilager MuftrirLes Sonntagsblatt.

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M 275

Erscheint wöchentlich sieben mal. '

Druck und Verlag- Joh. Aug. Koch, UnivcrsttätS-Buchdruckerei 38.

Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Vierteljährlicher Bezugspreis: bei der Expedition 2 DL., bei allen Postämtern 2,25 Mk. <e$cL Bestellgeld). ZVidWUTg

Reclamen: die Zeile 25 Pst deren Raum 10 Pfg. D0Mkrstag, 22. OlMN 1903.

Zweites Blatt.

; Umschau.

Die beiden jüngsten Kaiserreden.

Persönlichkeiten zu werden nach dem Bor» bilde Christi, deS alleinigen Helfers in aller Not, mahnte der Kaiser seine beiden Söhne, die rinzen August Wilhelm und OSkar, an deren onfirmationStage. Eindringlich und ergreifend

sprach der Monarch als Vater zu seinen Söhnen, um TagS darauf den Tribut der Kindespflicht seinen erlauchten Eltern darzubringen, gelegentlich der Enthüllung der Denkmäler deS Kaisers und der Kaiserin Friedrich. Bahnbrecher und Vertreter der neuen Zeit mit ihren höheren Aufgaben und Pflichten nannte der Sohn dank- und liebevollen HerzenS die kaiserlichen Eltern. Beide Reden haben unS einen tiefen Einblick in das Herz deS Kaisers erschlossen, beide werden daher auch im Ge­dächtnis des deutschen Volkes aufbe-

wahrt bleiben. Was kleinliche Krittler

auch im _ Einzelnen auszusetzen gehabt haben mögen, die beiden Reden waren auS einem Guß und übten als Ganzes auf jeden unbefangenen Beurteiler eine tiefe Wirkung auS. Die warm­herzige Pietät den kaiserlichen Eltern gegen­über, die gewissenhafte auf das Seelenheil der prinzlichen Söhne bedachte Sorge des Mon­archen, find gewiß dazu angetan gewesen, die Person des Kaisers den Herzen des deutschen Volkes noch näher zu bringen, als sie ihm be­reits stand.

Die richtige Sozialpolitik.

WaS für merkwürdige Ideologen gibt es doch gerade auf dem Gebiete der Sozialpolitik bei uns! So wird jetzt wieder von verschiedenen Seiten als sicheres Allheilmittel gegen die Sozialdemokratie der Ausbau der sozialen Gesetz­gebung zu Gunsten der Arbeiter bezeichnet. Und doch liegt es auf der Hand, daß in einer Zeit, in welcher die sozialdemokratisch beein­flußten Arbeiter zu der Auffassung planmäßig erzogen find, alle, selbst die weitestgehende so­ziale Fürsorge unseres Staates und unserer Gesellschaft für die Arbeiter sei nichts wie eine kleine Abzahlung auf das, was den Arbeitern von rechtswegen gebührt und ihnen in vollem Umfange unter der Herrschaft des Proletariats geboten werden würde, eine solche Wirkung von positiven Sozialreformen nicht zu erhoffen ist; am wenigsten, wenn zugleich den Arbeitern der Glaube beigebracht wird, alle diese Reformen seien lediglich von der Furcht vor der zu­nehmenden Macht der Arbeiter diktiert und wenn den Arbeitern zugleich der Glaube an die Sozialdemokratie und daran eingeimpft ist,

daß biefe in naher Zukunft im Deutschen Reiche die Macht erlangen und so die Verwirklichung der weitestgehenden Träume der Arbeiter herbeiführen werde. Solange diese Austastung in den Kreisen der Arbeiter­schaft in vollem Umfange besteht, mästen natur­gemäß alle Sozialreformen der Heilkraft gegen die Sozialdemokratie entbehren. Will man diese mit Erfolg bekämpfen, so muß man daher zu­nächst dafür sorgen, daß in den breiten Masten der Bevölkerung der Glaube an die künftige Macht der Sozialdemokratie beseitigt, und in ihnen wieder die Ueberzeugung wachgerusen wird, daß sie nur auf der Grundlage der bestehenden Rechts- und Gesell­schaftsordnung eine Verbesserung ihrer wirtschaftlichen und sozialen Lage zu erwarten hat. Erst, wenn so der Soben, geebnet ist, wird man von vernünf­tigen Srzialreformen eine heilsame Wirkung gegen die sozialdemokratischen Bestrebungen er­hoffen dürfen. Das liegt für jeden, der die Dinge kühl und unbefangen betrachtet, auf der Hand. Aber unsere deutschen Sozialideologen leben eben in einer mit der Wirklichkeit nicht übereinstimmenden Ideenwelt und find deshalb, sobald fie praktische Politik treiben wollen, geradezu gemeingefährlich.

Sozialdemokratie und Links» liberale.

Die Sozialdemokratie halten nach einer bün­digen Erklärung in dem leitenden Parteiblatte auf der ganzen Linie an der auf dem Dresdener Parteitage bestätigten Wahltaktik gegenüber den Linksliberalen fest. Wenn diese sich nicht unter das von den Sozialdemokraten ihnen gebotene kaudinische Joch beugen und sich deren Unterstütz, ung durch Abtretung- einer Reihe von Mandaten erkaufen, werden die Sozialdemokraten sie in dem bevorstehenden Wahlkampfe allein lassen, selbst auf die Gefahr hin, daß das ohnehin schon schwache Häuflein der linksliberalen Abgeordneten noch weiter geschwächt würde oder ganz von der Bild- fläche verschwände. Diese sozialdemokratische Taktik entbehrt der Folgerichtigkeit nicht. Man stellt die Freisinnigen vor die Wahl, entweder durch Unter­werfung unter das sozialdemokratische Gebot sich in den Augen eines großen Teiles der eigenen Anhänger unmöglich zu machen, oder aber zwischen den rechtsstehenden Parteien und den Sozialdemo­kraten zerrieben zu werden. Man erwartet von dieser Taktik nicht mit Unrecht eine Erweiterung des Einflusses der Sozialdemokraten auf diejeni­gen Schichten der Bevölkerung, die dieser bisher nicht zugänglich waren. Wenn die Sozialdemo, kratie nach Beseitigung der bürgerlichen Demo- kratie die einzige Vertreterin des demokratischen Gedankens wäre, so würden eben naturgemäß manche Elemente, in deren politischer Anschauung der demokratische Zug das entscheidende Moment bildet, sich genötigt sehen, mit den Sozialdemo, traten zu gehen, wenn sie ihre demokratische Auf- fassung betätigen wollen. Da es der Sozialdemo, kratie auch viel weniger auf die Gelegenheit an- kommt, in dem preußischen Abgeordnetenhause

praktische Arbeit zu leisten als auS ihrer Wahl- beteiligung neue Aktionskrast zu gewinnen, so wiegt der Vorteil, welchen sie durch Ausschaltung eines großen Teiles der linksliberalen Parteien gewinnen würde ungleich schwerer als ein etwaiger Gewinn aus einem gelegentlichen Zusammengehen bet den Wahlen mit den Linksliberalen. Wenn diese daher unter dem Drucke der Stimmung ihrer Gesinnungsgenossen im Lande fortfahren, den sozialdemokratischen Forderungen zu wider- streben, so dürfte die allgemeine Beteiligung der Soztaldemokraten an den bevorstehenden Land­tagswahlen vielmehr den Parteien, welche jetzt die Mehrheit int Abgeordnetenhnuse bilden, als deren linksliberalen Gegnern zum Vorteil gereiche».

Ausland.

Frankreich. Der russische Minister des Auswärtigen Graf Lamsdorff kommt in diesen Tagen nach Paris, um mit seinem französischen Kollegen Rücksprache zu nehmen. Vielleicht wird Herr Delcaffe über die Ereignisse während des italienischen KönigSbesucheS berichten müssen. Im übrigen wird es sich um eine Fühlung­nahme zwischen den beiden Leitern der aus­wärtigen Politik handeln, wozu ja genug chwebende Fragen den Anlaß geben. Die ge« amte französische Presse fährt fort, den Besuch >eS italienischen Königspaares zu besprechen. Die meisten find jedoch so vernünftig einzusehen, daß der Bestand des Dreibundes durchaus nicht tangiert werde, wenn auch vielfach noch über­triebene Vorstellungen und Hoffnungen an die Wirkung dieser Freundschaftskundgebung geknüpft werden. Am gestrigenDienstag ist die Deputierten­kammer wieder zusammengetreten. Vorläufig werden die Verhandlungen wohl ruhig verlaufen, da keine besonderen Zwischenfälle zu erwarten find. Allerdings ist bereits eine Interpellation über die Schließung der Ordensschulen einge­bracht worden, die Ministerpräfident CombeL an die Spitze der Tagesordnung stellen ließ, um fie sofort zu erledigen. Bei der bekannten Haltung des Hauses wird es dabei zu Schwierig­keiten nicht kommen. Die Kammer hat sich nach Feststellung der Tagesordnung bis Donners­tag vertagt. Am kommenden Montag beginnt die Budgetberatung. Im Ausstandgebiet im Norden ist so ziemlich noch alles beim alten. Die Ordnung wird durch ein starkes Militär- und Gendarmerieaufgebot aufrecht erhalten.

Heffeu-'Naffau und Nachbameöiete

Beste, 20. Ott. Ein bei dem Oekonom Hellmuth in Dienst stehender Knecht (Albrecht) hatte eine kleine Wunde am Finger, die er nicht weiter beachtete. Am Freitag streute er Kunst­dünger, kurz darauf schwoll der Arm an und trat eine Blutvergiftung hinzu, sodaß er ins Krankenhaus nach Kassel mußte. Also: ,Vor­ficht auch bei der kleinsten Wunde."

Kastel, 19. Ott. Eine gestern nachmittag abgehaltene Versammlung von Vertrauens­männern de» Bundes der Landwitte hat be­schlossen, den Reichstagsabgeordneten Herrn Amtsrichter Lattmann in Schmalkalden auch für die Landtagswahl aufzustellen.

©tcßttt, 19. Oktbr. Gestern mittag gegen 2 Uhr hielten sich zwei Gefangene, Alfr. Meier au« Bettenhausen und Gustav Fries aus Coßwig, zur Besorgung einer Arbeit kurze Zeit im Hofe des Arresthauses auf. In einem unbewachten Augenblick gelang eS ihnen, mittelst zweier Stangen, die zum Aushängen von Wäsche be­nutzt wurden, auf die östliche Umfassungsmauer zu klettern und von da daS Freie zu erreichen. Bis jetzt find die Entflohenen, wie der .Gieß. Anz." berichtet, noch nicht festgenommen.

Darmstadt, 19. Ott. Der ärztliche Lander- verein für das Großherzogtum Hessen hat die Gründung eines .Schutz- und TrutzbündniffeS" sämtlicher Aerzte zur Wahrung ihrer wirtschaft- lichen Interessen gegenüber den Krankenkassen beschlossen.

Eifeaach, 19. Ott. In fast vollendetem 85. Lebensjahre starb hier der als Mathematiker bekannte Hofrat Dr. Köpp, der langjährige Direktor des hiefigen Realgymnasiums.

Vermischtes

Seinen Schulkameraden aus Rache erscheffen hat im Dorfe Zangenberg bei Zeitz der 12 Jahre alte Knabe Hädrich. Sein Mitschüler, der 10 Jahre alte Schulz, hatte die Schwester deS Hädrich mit Erde beworfen, worauf letzterer rief:Warte Hund, ich erschieße Dich!" Nach diesen Worten zog Hädrich einen Revolver auS der Tasche und schoß Schulz durch den Rücken inS Herz. Der Tod des Knaben trat nach einer halben Stunde ein. Der jugendliche Mörder hatte fich den Revolver, den er nach der Tat vergrub, in Zeitz gekauft. Man fand noch 12 Patronen in der Tasche des Knaben, der über die verbrecherische Tat nicht die ge­ringste Reue zeigt.

Die neue Wohnung des Papstes Pius . Aus Rom wird berichtet: Im Laufe der nächsten Woche wird die Wohnung des Papstes fertig sein. Die schwierigste Arbeit war die, das Parkett zu ent­fernen und es durch Marmorpflasterung zu er­setzen, die mit reichen Brüsseler Teppichen belegt werden soll. Aber der Papst will um keinen Preis im ersten Stock wohnen und verlangt das zweite Halbgeschoß für sich. Daher hat man durch eine kleine innere Treppe die Privatwohnung des Pon- ttfex mit dem Paradezimmer verbinden müssen. Obgleich der Architekt Sneider sein möglichstes ge­tan hat, um dieser kleinen Wohnung den Anstrich einer Wohnung zu geben, die einer so hochgestell­ten Persönlichkeit zukommt, so hat er sie doch nicht vergrößern können. Es ist eineJunggesellen­wohnung", sehr elegant und reich aber nicht mehr. Man kann sie nicht mit der von Leo XIII. vergleichen, die der neue Papst nur als Repräsen-

tNachdruck verboten.)

Das Dienstjubilaum.

Von Han8 Krieg.

Richard," sagte die Frau Landgerichtsdirektor Bahrdt im verzweifelten Tone zu ihrem Manns, Rose hat mir gekündigt!"

Gekündigt?" klang es höchst erstaunt zurück. Ich dachte. Du wärst mit Rose sehr zufrieden, und sie hat sich doch jedenfalls auch nicht über Dich zu beklagen."

Das stimmt eben, aber trotzdem ist die Kün­digung eine Tatsache. So eine wie Rose kriege ich nicht wieder. Sie duldete kein Sonnenstäub­chen in den Zimmern und wie geschickt sie mir beim Ankleiden half, die reinen Feenhände! Und nun muß ich wieder suchen gehen,"

Frau Emma begann zu schluchzen.

Ich verstehe das nicht, Emma," antwortete Landgerichtsdirektor etwas ärgerlich und kurz an­gebunden,ich habe nie bemerkt, daß Rose Launen hatte, also muß doch irgend ein triftiger Grund für ihre Kündigung vorliegen."

Na, kannst Du Dir's nicht denken," erwiderte Emma nunmehr in etwas gereiztem Tone," Karo- line bat fie wieder hingnsgeekelt!"

Karoline!" wiederholte Richard mit einem hörbaren Seufzer, und es trat eine Pause ein, -dann sagte er beschwichtigend:Es sind ja nur noch zwei Jahre!"

In zwei Jahren können mir vierundzwanzig Zimmermädchen durch die Hand gehen!" klagte Vmma.

So schlimm wird es nicht sein," sagte ihr jGemabl und begann im Zimmer auf- und abzu­gehen, ein untrügliches Zeichen, daß er im höch- eicn Grade verstimmt fei, und so hielt es Frau Emma^ im Interesse des häuslichen Friedens für

beste, zu murmeln, sie habe etwas Dringendes

zu besorgen, um somit einen ehrenvollen Rückzug anzutreten.

Die bewußte Karoline war ein altes Haus- mobel und so lange bei Bahrdt int Dienst, als der Haushalt alt war, und das waren netto dreiund­zwanzig Jahre. Als Richard in jenen grauen Seiten seinen Hausstand gründete, war er junger Amtsrichter in einem verlassenen Neste, in das um kein Geld ein Dienstmädchen aus der Großstadt hingezogen wäre. So hatte sich das junge Paar kurz dazu entschlossen, fich aus diesem Neste selbst ein Mädchen zu holen, das natiirlich vorläufig Mädchen für alles fein sollte. Und dies war Karoline. Der erste Anblick, den Karoline dem entsetzten Richard bot. war noch jetzt manchmal der Schreckenstraum seiner Nächte. Da stand die Landpomeranze mit impertinent gesunden und dicken Wangen, einem schiefen Mund und dito schief geschlitzten Augen, die Haare glatt gekämmt und durch Anwendung von Wasser glänzend ge­macht, mit wett abstehendem, aber kurzem Rock, unter dem die breiten, von keiner Hühnerangennot geplagten nackten Füße hervorschauten ja, es war unglaublich, das Mädchen war bei seinem Dienstantritt barfuß und schien dies für die selbst­verständlichste und natürlichste Sache von der Welt zu halten, denn es war doch Sommer. Der etwas prüde Amtsrichter hatte gegen diese Naivität so­fort lebhaft protestiert, und es hatte fich Karoline dein Schuhzwang fügen müssen, obgleich sie be­hauptete, sie hätte dafür viel zu zatte und empfind­liche Füße, im Winter ginge es schon nicht anders, aber im Sommer! Aber diese Konzession an die städtische Wohlanständigkeit war auch alles, worin Karoline nachgab. Sonst ftihrte sie unumschräntt da? Hausregiment, und schwang energisch den Kochlöffel. Sie hatte eine gute Nase und gesun- den Menschenverstand und arbettete sich wacker von ländlicher Massenbafttakeit im Kochen m stitii-

Werter Küchenmeisterschaft durch. Ihre Königs­berger Klopse waren ein Unikum und errangen sich sogar ein lebhaftes Beifallsschmunzeln des Amts­richters. In der ersten Zeit hantiette sie überall im Hause, kochte, scheuerte, fegte, wusch auf usw. Ja, die Frau Amtsrichter hatte die Absicht, sie da­für anzulernen, daß sie ihr bei der Toilette be­hilflich fei, aber dafür reichte Karolinens länd- sicher Verstand nicht aus, und sie fetzte derartigen Zumutungen so zähen Widerstand entgegen, daß Frau Erna darauf verzichtete. Später, als ein Kind kam, kam auch ein Kindermädchen, das zu­gleich die Geschäfte einer Kammerzofe besorgen mußte, aber es ging bald wieder, denn Karoline vermochte die fremde Person im Haushalt nicht zu ertragen. Nun hatte Karoline trotz ihrer galligen Gemütsart sich durch ihren Fleiß und ihre Koch­kunst in das Herz ihrer Herrschaft hineingeschli- chen, und siehe da: die Zimmermädchen gingen, und Karoline blieb. Und dieser Vorgang wieder­holte sich unzählige Male. Man kann nicht sagen, daß sich dadurch Karolinens Beliebtheit bei ihrer Herrschaft fteigerte, int Gegenteil, allmählich be­gann diese über Karolinens Herrschaft zu seufzen, aber wenn's darauf ankam, mußte doch die andere über die Klinge springen. Längst schon waren ausAmtsrichters" Landrichters geworden, längst waren sie in größere Stadt gekommen, die Ver­mehrung ihrer Famisiensreuden hatte schon fünf­mal sichtbaren Ausdruck gefunden, Karoline blieb, ttotz allen Wechselfiebers inbetreff der Zimmer­mädchen, sie kochte unentwegt, machte ihr knur­riges Gesicht und prügelte die Kinder zu wackeren Menschen heran. Ihr Lebenswandel war auch un­antastbar, und sie hatte auch nie einen Bräutigam; ich glaub auch kaum, daß je einer den Versuch ge­macht, sich ihr zu nähern, und wenn es doch ge­schehen, so hatte sie dem ob seines Unterfangens schön heimgeleuchtet. Manchmal gab es wohl einen

Heidenkrach zwischen ihr und den Herrschaften und den Kindern, aber die cad;e wurde durch die nun­mehrige Frau Landgerichtsdirektor stets in richtige Geleise gebracht, denn Karoline war ihr geradezu unentbehrlich geworden, da sie es ihr möglich machte, ihren Repräsentationspflichten ohne fremde Kochfrau glänzend nachznkoinmen. Als aber endlich auch der geduldigen Frau Emma die Geduld ausging und sie mit Kündigung drohte, da war es Karoline, die nachgab und auf minde­stens 24 Stunden sanftmütig und manierlich lourbc; sie murmelte dabei allerlei unverständ­liches Zeug, aus dem Frau Emma allmählich ent­nahm, daß Karoline davon gehört, wer 25 Jahre bei ein und derselben Herrschaft gedient, der er­halte von Ihrer Majestät der Königin eine Bibel und ein silbernes Kreuz und Karolines hatte sich der Ehrgeiz bemächtigt, fich die Auszeichnung zu verdienen. Als Frau Emma ihrem Manne von dieser Entdeckung Mitteilung machte, faßte er die Sache mit Begeisterung auf, soweit das seine Würde zuließ, denn, ein Abglanz des Ruhmes der getreuen Knechtin fiel dann auch auf sein Hans, und Ihrer Majestät der Königin mußte bei der Ge­legenheit auch sein Name zu Ohren kommen die allgemeine Aufmerksamkeit wurde auf diesen musterhaften Hausstand gelentt, und man konnte nicht wissen, neben vielem andern konnte auch dies mitsprechen bei dem bald zu erwartenden Abgang des Landgerichtspräsidenten. Seitdem stand et auf Seiten Karolinens und war gewissermaßen eia. Verbündeter.

So mußte Rose gehen, wie so viele vorher auch, zmn großen Leidwesen des ältesten Sohnes, eines angehenden Abiturienten, der regelrecht m sie verliebt war und auf fie ein langatmiges Ge­dicht gemacht hatte, das er stolzdie bezaubernde Rose" benamfete. Und Karoline blieb und arbeit tete und murrte weiter.