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mit dem KreiMatt für -ie Kreise Marburg uu- Kitchhalu.

Lonntagsbellager IlluftrlrtcS LonotagSblalt.

'M 275

Erstes Blatt

tNachdruck verboten.!

2

Umschau.

8um 22. Oktober.

m $lre D°idstät die Kaiserin und Königin Auguste Viktoria vollendet am Donnerstag ihr 45. Lebensjahr. Mehr als zwei Jahrzehnte ist die erlauchte Frau die treue Lebensgefährtin Sr. Majestät, teilt ste mit ihm Freud und Leid und hrlft ihm die Pflichten seines hohen Berufes tragen. Die Liebe ihres hohen Gemahls und eme Schar blühender Kinder, die der Stolz der kaiserlichen Familie und des ganzen Preußen und Deutschland find, umgiebt fie und bereitet rhr Freude. Als Gattin und Mutter ist die

Im Schlosse der Ahnen.

Original-Roman von Otto König-Liebthal.

(Forttehung.l

II.

Auf dem Rittergut Eichfeld waren die Ernte­arbeiten in vollem Gange. Der Roggen war ge­mäht, und da das Wetter andauernd günstig blieb, konnte er bald eingefahren werden. Die Ernte­arbeiter fasten gerade beim Frühstück, als der Eigentümer des Rittergutes auf das Feld geritten kam. Obwohl ec einen tüchtigen Inspektor hatte, bekümmerte er sich doch um die Bewirtschaftung seines ausgedehnten Gutes und kam täglich auf das Feld.

Der Herr kommt!" rief ein junger Bursche und schob den letzten Bissen in den Mund. Sofort richteten sich aller Blicke auf den im Galopp an­kommenden Reiter.

In wenigen Minuten war dieser bei feinen Ar­beitern angelangt, welche sich ehrerbietig vom Erd­boden erhoben und ihre Mützen zogen.

Guten Morgen!" erwiderte er den Gruß sei­ner Leute.Wie ich sehe, seid Ihr heute fleißig gewesen, das freut mich."

Inzwischen hatte sich der Inspektor seinem Herrn genähert.

Wenn die Leute so fort arbeiten, haben wirs morgen geschafft," sagte er freundlich und reichte dem Inspektor die Hand.

Ja, ich denke, wir werden es schaffen," ent­gegnete dieser.

Tas wäre schön," sagte Herr Horsten und ließ seine Blicke über die zahlreichen Roggenmandeln schweifen.Sobald der Roggen eingesahren ist, wird er gedroschen, damit ich ihn verkaufen kann."

Ich hätte gern erst den anderen Schlag vor­genommen, denn. . ."

Nein, nein," unterbrach ihn Horsten,erst wird gedroschen, denn ich brauche notwendig Geld. Sie wissen ja, Herr Wegener, der erste ist vor der Tür, dann müssen die Zinsen bezahlt werden. Zu­dem ist die letzte Rate beim Baumeister fällig; Sie wissen ja, was die neuen FamUienhäuser kosten."

Der Inspektor nickte. Schon längst wollte er dem Herrn seine Ansicht über die neuen Häuser unterbreiten, jetzt schien ihm die Gelegenheit dazu gekommen zu sein.

Ja, die Häuser," begann er,die kosten titel Geld. Sie hätten ste nicht so groß bauen sollen. In einem Hause, wo jetzt zwei Familien wohnen, hätten ganz gut vier , Platz. Die beiden letzten Häuser wären dann nicht nötig gewesen und Sie hätten viel Geld gespart."

Unwillig schüttelte Herr Horsten den Kopf.

Ich freue mich, Herr Wegener," sagte er fest aber doch freundlich,daß Sie meine Interessen wahrnehmen, aber bedenken Sie auch, daß ich als Arbeitgeber das Interesse der Leute, die mir mein Brot verdienen helfen, im Auge haben muß. Auch diese Leute gebrauchen Luft und Licht in ihren Stuben; in dumpfigen, muffigen Löchern verkom­men sie und siechen dahin, vorzeitig, zu jeder Ar­beit dann unfähig."

Aber mit der Erhöhung der Löhne hätten Sie warten sollen, Herr Horsten," wagte Inspektor Wegener zu erwidern.Ihre Leute bekamen so­wieso schon mehr als die auf den anderen Gütern in der Nachbarschaft. Und nun noch die Zulage!"

Sie scheinen sich vorgenommen zu haben, mir die Leviten zu lesen," entgegnete Herr Horsten. Sie haben ja gewissermaßen ein Recht dazu, da Sie mich in die Verhältnisse der Landwirtschaft eingeweiht haben, weil mein Vater wenig Neigung

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und »erlag- Joh. Lug. Koch, Umverfttäts-Buchdruckerri 38, Jühtfl Marburg, Markt 21, Telephon 55.

Gibt es noch eine elsaß- lothringische Frage?

Paris ist Frankreich", heißt es gewöhnlich, aber diese für die Mehrzahl der Fälle vielleiA zutreffende Verallgemeinerung erweist sich als un- maßgebend, wenn das politische Verhältnis beider Länder, wenn man vor allem die elsaß-lothrin­gische Frage in Betracht zieht und eine gewissen- hafte Beurteilung der Lage haben will. In die­sem Falle ist Paris, und zwar das offizielle, nicht mit Frankreich zu identifizieren, man muß die Franzosen als solche kennen, nicht nur die Regie­rung und ihre Beamten, sondern die Nafion, die Schichten der Bevölkerung, vom royalistischen Adeligen bis zum sozialistischen Arbeiter, vom wohlhabenden Bourgeois der Provinz bis zum armen Bauern oder Fischer derBretagne; soweft sie durch Stellung und Anschauungen, getrennt fein mögen, so wenig gemeinsame Berührungspunkte ihr Leben aufzuweisen vermag, in einer Frage gehen sie zusammen, unentwegt fest mehr als dreißig Jahren: die elsaß-lothringische Frage existiert für alle Franzosen, heute wie unmittelbar nach dem Frankfurter Frieden, in der jetzigen Generation wie in der damaligen, und sie wird auch in der nächsten noch ebenso weiterleben. Ueber diese Tatsache darf man sich keiner Täuschung hin­geben, an ihrem Vorhandensein ändern auch die korrekten politischen Beziehungen, die anscheinend schon öfters bestanden habendeentante eordiale" in Gestalt eines gemeinsamen diploma­tischen Zusammengehens, die mannigfachen inter­nationalen Höflichkeiten, selbst die aus dem wach­senden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Ver­kehr sich ergebenden freundlichen Beziehungen, nichts, absolut nichts. Es mag dies unglaublich klingen, aber es ist in Wirklichkeit? Und der Beweis?

Von mehr psychologischem Interesse sind die allen und neuen Revanchereden verschiedenster Art, manche allerdings auch von rein pathologi­schem, wenn man die Redner selbst betrachtet, aber bei aller Lächerlichkeit, die ihnen oft anhaftet in den Augen der Deutschen, bei aller Kühle, mit der man sich über sie hinwegsetzt, darf man das eine nicht übersehen, daß sie nämlich heute überhaupt noch möglich sind, daß ein ganz bestimmtes System darin liegt, daß sie in ihrer Wirkung auf die Ge^ miiter heute viel tiefgehender sind, besonders bei der jüngeren Generation, als man ostwärts des Rheines auch nur denkt, daß die Idee der Revanche durch sie Nahrung erhält, wie der trockene Boden durch zeitweilige belebende Regengüsse.

Auf gleicher Stufe in ihrer Wirkung steht die Presse. Scherzhaft mit einer Großmacht ver­glichen, bedeutet sie im öffentlichen Leben Frank­reichs mehr denn anderswo eine Großmacht, deren geisfiger Einfluß auf die Massen ein unüberseh­barer ist. Nun sehe man die französische Presse an: vom offiziösenTemps" und Salonblatt Figaro", vom royalistischenSolei!" undGau- lois" an bis zum radikalsten Sozialistenblatt in

Paris und kleinsten Winkelblaü in der Provinz, keine Gelegenheit bleibt unbenützt, Deutschland einen Hieb zu versetzen, etwas anzuhängen, fein diplomatisch und ironisch in den besteren Zeitun­gen und in guten Artikeln, pöbelhaft und aufrei­zend in den gewöhnlichen Blättern, aber die Wir­kung ist überall die gleiche. Eine ganze Litteratur, politisch und rein feuilletonistisch, erfüllt den näm­lichen Zweck, und fiejjot eher zu- als abgenommen. Je weiter die lebendige Erinnerung an die Kriegs- zett, an den Verlust der beiden Provinzen schwin­det, desto lebhafter wird sie künsttich erhalten.

Man mag mit einem General sprechen, der den Krieg" als Leutnant mitmachte, oder mit einem jungen Offizier, der eben St.-Cyr verlassen hat, beide denken an den Revanchekrieg und er­hoffen im Stillen den Wiedergewinn Elsaß- Lothringens. Man mag mit einem Arbeiter in einer Schenke über die sozialistische Weltverbrüde­rungsidee sich unterhalten, in derquestion 4*Al sace-Lorraine" fühlt er sich als Franzose, man mag mit einem Ab6 sich in der schönsten Uebereinsfimmung sich befinden hinsicht­lich einer abfälligen Beurteilung der Kirchen­politik der französischen Regierung, diese Ueber» einstimmung verschwindet, kommt die Rede auf Elsaß-Lothringen.

Jedoch die Haltung der französischen Regie­rung widerspricht anscheinend diesen deutsch- feindlichen Bestrebungen und Hoffnungen ge­wiß, doch wer ist eigentlich die Regierung tn Frankreich? Die Kammermajorität und das von ihr gelenkte und abhängige Ministerium, und diese sind als eine Mehrheit von Einzelpersonen den gleichen Einflüssen unterworfen, wie jeder andere Franzose, und fühlen im letzten Grunde auch eben nur als Franzosen. Es soll hier kein Zweifel aus­gesprochen werden an der Aufrichtigkeit der Män­ner, denen in erster Linie die Regelung der Be­ziehungen Frankreichs zu Deutschland obliegt; diese ketzeren sind von Imponderabilien abhängig, gerade in Frankreich, denen der Einzelne machtlos gegenübersteht. Der formell korrekten Haltung, wie sie im gewöhnlichen Verkehr notwendigerweise beobachtet wird, darf man nur einen rein äußeren Wert beimessen, mag sie selbst zestwellig liebens­würdig gewesen sein. Dem gegenüber halte man sich lieber an zwei Tatsachen, die Entstehungsge- fchichte der franko-russischen Allianz, der franzö- sischersetts einzig und allein zu offensiven Zwecken abgeschlossen worden ist. Wenn das Bündnis diese Wirkung zur Enttäuschung der Franzosen bisher nicht gehabt hat, so liegt das nur an Ruß­land. Dessen Hilfe sicher, hätte man in Frankreich ebenso gegen Deutschland mobil gemacht wie 1870. Und weiterhin an die noch nicht genug be­kannte Tatsache, daß Frankreich bereit war, gegen Deutschland zu marschieren, wenn es anläßlich der Beschlagnahme deutscher Dampfer durch die eng­lischen Kriegsschiffe zur Zett des Burenkrieges zu einem Ausbruch von Feindseligketten zwischen Deutschland und England gekommen wäre. An den leitenden Stellen wußte man, was alles auf dem Spiele stand und war auch besonders darüber in­formiert daß Frankreich ungeachtet feiner .Sym­pathien für die Buren England bereits feine Mitwirkung bei einem eventuellen Kriege mit Deutschland in Aussicht gestellt hatte. Ein euro­päischer Krieg war in letzter Mnute verhütet wor­

den, dank der maßvollen Haltung der Reichs­regierung. Von diesen Tatsachen ist die eine so unbestrettbar wie die andere, und sie zeigen, daß der innere Wert desrapprochement fanco- allemaud" sehr Problematischer Natur ist und man besser daran tut, mtt nüchternem Verstand die Augen offen zu halten, als mtt idealen Gefühlen die an sich gut gemeinten Annäherungsver­suche einzelner Franzosen der Gegenwart als Aus­druck des gesamten Vollswillens jenseits der Vo­gesen zu halten. Für Deutschland gibt es keine elsaß-lothnngische Frage, und solange man in Frankreich noch nicht auf dem gleichen Standpunkt angelangt ist, solange man sich dort noch zu einer rückhaltlosen Anerkennung des durch den Frank, furter Frieden geschaffenen Zustandes durchgerun­gen hat und die Ueberzeugung der Unabänderlich- kett eine wirklich aufrichtige geworden ist, solange können die gegenfeitigen Beziehungen beider Länder keine offenen sein, solange -wird sich in Deutschland imer ein gewisses Mißtrauen erhalten und die Reichsregierung genötigt sein, Frankreich gegenüber sich mehr en vendette zu stellen, als bei den anderen Nachbarn. Infolgedessen ist es auch mehr als müßig, wenn immer wieder der Versuch gemacht wird, eine Lösung der elsaß- lothringischen Frage zu finden. Wer das Elsaß und Lothringen bereist hat, sieht mit Genugtuung, welche Fortschritte der Reichsgedanke innerhalb der Bevölkerung gemacht und daß der Anpassungs- Prozeß den denkbar besten Verlauf nimmt. Geben doch neben vielem anderen die besoffenen Reichs- tagswahlen einen deutlichen Beweis für die deutschgewordene Gesinnung der Reichslande. Daß der letzte Umstand die Versttmmung Frankreichs noch oertiefen muß, ist leicht verständlich, aber ebenfalls kein Grund für Deutschland, dem früheren Besitzer Konzessionen zu machen, um die­sem die Aussöhnung zu erleichtern. Man kann ein aufrichtiger Freund und Bewunderer Frankreichs fein, deshalb aber doch den Standpunkt vertreten, daß Frankreich seine versöhnliche Gesinnung erst zu erweisen hat, daß das deutsche Reich keine Ver­anlassung hat, die Aussöhnung als erster in die Wege zu leiten und ruhig abwarten kann, wie eS dies brsher ja auch getan hat. Eine aufrichtige Aussöhnung und ein dauerndes Zusammengehen beider Lander, das vielen als schönstes Ziel der europäischen Politik vorschwebt, würde in Deutsch- land sicherlich vielen Anklang finden, aber der koketten Marianne den Hof zu machen, hat der deutsche Mrchel nicht nötig.

Kaiserin von jeher ein glänzendes Vorbild für dis deutschen Frauen gewesen. DaS preußische und deutsche Volk liebt daher auch seine Königin und Kaiserin aufrichtigen Herzens. UeberaH in Nord und Süd hat der Name Auguste Viktoria einen guten Klang, denn man weiß, daß di» Kaiserin ein warmeS Herz für all» hat, ganz besonders für die vom Glück weniger Be­günstigten.Hilfreich sei der Mensch, edel und gut', dieses Wort hat die Kaiserin stets wahr gemacht. Wo es gilt hilfreiche Hand zu bieten, ist fie die erste und zögert keinen Augenblick, eS zu tun. In dem abgelaufenen Lebensjahr« erlitt di» Kaiserin einen Unfall, der leicht schlimmere Folgm hätte haben können. Sie stürzte vom Pferde und zog sich einen Bruch deS linken Unterarmes zu. Ein Trost in dem Schmerze war ihr di» Liebe und Anteilnahme, di» man allenthalben bekundete, und die zeigten, wie sehr allen daS Wohl der Kaiserin teuer ist. Zu dem heutigen Geburtstage bringen auch wir Ihrer Majestät di» aufrichtigsten Glückwünsch« dar. Möge fie noch lange dem Vaterland« erhalten bleiben!

Von der konservativen Partei.

Der Tod deS deutschkonservativen Abgeord» neten v. Sperber macht eine Reichstagsersatzwahl in dem Kreis» Stallupvnen-Goldap-Darkehmen erforderlich. Bei den Wahlen im Juni d. I. wurden abgegeben 12080 konservative, 1304 freisinnige und 1466 sozialdemokratische Stimmen. Der Wahlkreis wird also im Besitze der kon» servativen Partei bleiben. Sohnreys Dorf­kalender erfreut sich in weiten konservativen Kreisen einer großen Beliebtheit. Er hat sich vielfach als wirksames Gegengewicht gegen die sozialdemokratische Kalenderliteratur, mit der unsere Dörfer planmäßig überschwemmt werden, bewährt. Sei niedriger Preis (50 Pfg. im einzelnen, bei größeren Bezügen noch billiger, bei über 100 Quartseiten Umfang) seine schön» Ausstattung und namentlich sein gediegener In­halt machen den Sohnrehschen Dorfkalender sehr geeignet zu einer Massenverbreitung. Der vor kurzem ausgegebene Jahrgang 1904 ist be­sonders reich ausgestattet und bietet an be­lehrendem und unterhaltendem Stoff sehr viel. Wir können also die Verbreitung dieses auf durchaus christlichem und nationalem Boden stehenden Volksbuches unseren Parteimitgliedern angelegentlich empfehlen.

Alkohol iS mus und Sozialdemo, kratie.

Der Geh. Sanitätsrat Dr. Boden in T-djönbed a_ d. Elbe veröffentlicht eine Flugschrift aber Al- koholismus und Sozialdemokratie (Einzelpreis 10 Pfg., Partiebezug von 10 Expl, a 5 Pfg.), die mit folgenden Sätzen schließt: ..

Aus sitlichen und materiellen Gründen waren die 81 sozialdemokratischen Abgeordneten und die Delegierten zum Parteitage zur Hilfe verpflichtet, aber mit sehenden Singen und wissenden Köpfen

hatte, mein Lehrmeister darin zu sein. Doch auch tn diesem Punkte bin ich anderer Meinung und denke: Jeder Arbeiter ist seines Lohnes wert. Meinen Ste, die Leute würden ebenso fleißig sein bei kargem Lohn? Doch nichts für ungut."

Er reichte seinem Inspektor die Hand und ritt weiter. Als er den Fahrweg erreicht hatte, mäßigte er den Lauf seines Pferdes. Er schaute über die weite Fläche Landes, die ihm gehörte. Und sein Blick wurde trüb.

Ja, noch ist alles Dein Eigentum," murmelte er,doch wer weiß, wie lange noch. Bis jetzt habe ich mich noch halten können und werde mich halten, soweit ich es vermag. Mein Sohn soll, will's Gott das Erbe seines Vaters erhalten. Es werden ja wieder bessere Zeiten kommen!"

_ Horsten richtete sich sttaff auf, gab seinem Pferde die Sporen und legte den Rest des Weges im Galopp zurück. Als er in den Gutshof einritt, etile sogleich ein Hofjunge herbei, der das Pferd in den Stall führte, während er selbst nach dem Schlosse ging. Ein kleiner, siebenjähriger Knabe kam jubelnd auf ihn zugesprungen.

Wo warst Du denn, Papa?" fragte er und fuchtelte mit der Reitpeitsche umher, die ihm sein Vater überlassen hatte.

Auf dem Felde, mein Junge. Hat Mama nach mir gefragt?"

Der Junge nickte und fprang voraus. Herr Horsten folgte mit eiligen Schritten nach. Seine Frau saß am Fenster ihres Zimmers. Sie hatte geweint und fuhr, als ihr Mann eintrat, rasch mit der Hand über das Antlitz, um die Tränen abzu- wischen.

Du hast geweint?" fragte Horsten und beugte sich zu ihr nieder.Ella, warum die Tränen?"

Frau Horsten sah nicht auf, ihre zarten Finger spielten unruhig mit der Kette ihrer Uhr.

Ach, es ist einfach schrecklich," seufzte fie.Vor­hin ist eine Einladung von Thiimens gekommen, die wir selbstverständlich annehmen müssen, und ich . . ich habe dock, kein Kleid dazu."

Herr Horsten mußte lachen.

Aber Ella, darüber braucht man doch nicht zu weinen! UebrigenS hast Du doch erst vor we­nigen Wochen zwei gute und teure Roben erhalten, und eine brauchst Du doch nur anzuziehen." scherzte er.

Laß Deinen Spott, Alex," sagte Frau Horsten beleidigt. Was würde Frau von Thümen sagen, die, tote Du auch weißt, sogleich danach sieht, was man an hat."

Das tun doch alle Frauen," erwiderte Horsten. Thümens können sich solchen Kleiderluxns auch gestatten. Wir leider nicht."

Frau Horsten stand auf.

Ja," schluchzte sie und bedeckte ihr Gesicht mit beiden Händen,für mich hast Du kein Geld, aber für Deine Leute kannst Du nicht genug tun. Du baust ihnen Paläste und gibst ihnen hohen Lohn. Warum hast Du mich geheiratet? Bedenke ich bin eine Gräfin von Redern."

Herr Horsten hatte ähnliche Bemerkungen schon oft hören müssen, deshalb regte er sich nicht im mindesten darüber auf.

Das weiß ich ja," antwortete er ruhig.Doch, das warst Du. Jetzt bist Du meine Frau, die Frau des Rittergutsbesitzers Horsten, der wohl einen großen Geldbeutel hat, in dem aber leider wenig Inhalt ist. Mit dieser Tatsache mußt Du rechnen. Ich würde Dir herzlich gern Geld zu einer neuen Robe geben, aber so . .

Frau Ella verließ jetzt das Zimmer und schlug die Tür hinter sich zu.

(Fortsetzung folgt.) I

Vierteljährlicher Bezugspreis: btt der Expedition 2 ML, bet allen Postämtern 2,25 ML ktjcL Bestellgeld).

JnserttonSgebühr: die gespaltene Zelle oder der« Raum 10 Pfg. 22. öttObCT 1903.

Reklamen: die Zeile 25 Pfg. ö'________________________________