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mit vem Kreisblatt für -re Kreise Marburg und Kirchhain.

Goimtagsveilager Jttustrirtes Sonniagsblatt.

Vierteljährlicher Bezugspreis: bet der Expedition 2 ML, bet allm Postämtern 2,25 Mk. (ejcL Bestellgeld).

ZnserttonSgebühr: die gespaltene Zeste oder deren Raum 10 Psg.

Reclamen: die Zeile 25 Psg.

Marburg

Mittwoch, 21. Oktober 1903.

inr1 LE

Erscheint wöchentlich sieben mal. 1

Druck und Berlag: Joh. Lug. Koch, UmversitätS-Buchdruckerei 38, Jahrg.

Mmchurg, Markt 21. Telephon.

doch

Der Aufmarsch der Parteien bei den Wahlen zum preußischen

Abgeordnetenhause.

Das Charakteristische bei den bevorstehenden preußischen Landtagswahlen, schreibt die Konserv. Korr., ist einerseits die erstmalige allgemeine Be­teiligung der Sozialdemokratie und andererseits der Ruck nach links, den die Nationalliberalm vor­genommen haben. Das Ideal der bürgerliche« Linken, in geschlossener Phalanx gegen dieRe­aktion" zu marschieren, ist nahezu verwirklicht. So weit sich zurzeit übersehen läßt, gehen Frei­sinn und Nationalliberale in der Provinz Bran­denburg überall, in der Provinz Sachsen bis aus zwei Kreise zusammen und haben auch in dea schlesischen Wahlkreisen Breslau und Liegnitz, so­wie in Königsberg i. Pr., Bielefeld und am Nie­derrhein gemeinsame Kandidaten aufgestÄlt. 3n wenigen Wahlkreisen nur, so in Görlitz, Frankfurt am Main und Wiesbaden greifen die National­liberalen den freisinnigen Besitzstand an.

Aus dieser Uebersicht wurde der Schluß ge­zogen, daß durch Freisinn und Nationalliberale ein Zusammengehen der Linken für die Landtags­wahlen diesmal in einem Umfange angebahnt ist, wie es seit Jahrzehnten nicht der Fall war. Es kann jedoch nicht bestritten werden, daß die Na-, tionalliberalen bei den Wahlen für die preußische Landesvertretung stets einem starken Zuge nach Links gefolgt sind, wenn sie auch bei den Reichs­tagswahlen in noch so scharfem Kampfe gegen de« Freisinn gestanden haben. Auch bei den letzten Reichstagswahlen haben zu ihrem größten Vor- teil die Nationalliberalen Anschluß nach rechts gesucht und gefunden, und die Zunahme ihrer Stimmenzahl um 300 000, mit der sie nun so selbstgefällig prahlen, stamnrt nicht zum kleinst«» Teile aus diesem Anschlüsse.

Man wird nun zugeben müssen, daß die ftor- Yen Gegensätze, durch welche sich die National- liberalen vom Freisinn in der Reichspolitik scheiden im preußischen Landtage nicht zum Austrag ge­bracht werden können. Zollpolitik, Militär-, Ma­rine- und Kolonialfragen kommen bei der preußi­schen Gesetzgebung unmittelbar nid)t in Betracht. Es ist also ganz recht, wenn der Freisinn vor dem Vorwurfe in Schutz genommen worden ist, er habe durch sein Bündnis mtt den Nationalliberalen einen Ruck nach rechts getan. Ganz im Gegenteil ist dieses Bündnis durch einen kräftigen nattonal- liberalen Ruck nach links zu stände gebracht wor­den. Die Furcht vor dem reaktionären Gespenst und vor den schwarzen Plänen derklerikal-koirsev- vativen Mehrheit" in Bezug auf die Volksschule bilden die Einigungspunkte für den Gesamtlibera- li.smus in Preußen und den Köder, mtt dem auch die Sozialdemokraten krebsen.

Wir stehen der für die bevorstehenden Land­tagswahlen sich vollziehenden reinlichen Scheidung zwischen Links und Rechts weder mtt Bangigkeit noch auch mit Groll gegenüber. Wir erblicken in der Offenbarung des Zuges der nationalliberalen Herzen vielmehr eine Klärung der politischen Lage D:e schroffe Abkehr der Nattonnalliberalen von der Rechten, die rücksichtslose Art ihrer Kampfes- weise, das unzweideutige Bekenntnis zum ent- schiedenen Liberalismus kann nur als ein, ver-

'Fassen Sie sich, Frau Kraft", tröstete Dr. Wendt die Frau,,Ihr Sohn muß ja gleich hier seins der Zug, mit dem er kommen mußte, ist vor feiner Viertelstunde auf dem Bahnhof eingelaufen." ; Leise trat er an das geöffnete Fenster, kehrte aber sofort an das Krankenlager zurück und sagte: >,Er kommt!"

' Bald darauf ward die Tür behutsam geöffnet, rind ein junger Mann mit bestaubten Reisekleidern trat ein. Fragend schritt er auf die Mutter zu und umarmte sie, während er den ihm sehr gut bekannten Arzt durch einen Händedruck begrüßte. Mit Tränen in den Augen sah er in das liebe, *ch so bleiche Antlitz seines Vaters, der noch vor

(Nachdruck verboten)

Im Schlöffe der Ahnen. A

Original-Roman von Otto König-Liebthal. ?

I.

-. Doktor Kraft lag in den lebten Zügen. An seinem Lager laß seine Frau, welche, leise schluch- zend, indas geliebte Angesicht ihres treuen Gatten 1 vierundzwanzig Jahre gemein-

W geteilt hatte. Sie wußte

welcher Verlust ihr bevorstand. Als Frau ein >3 ^ztes kannte sie die Anzeichen eines nahen Todes ganz genau: und daß sie sich nicht getäuscht hatte, bestätigte ihr letzt auch Dr. Wendt, der gleichfalls cm Sterbelager weilte.

-Es geht mit ihm zu Ende," flüsterte der Arzt, der unverwandt den Kranken betrachtete,möge er sanft hinüberschlummern."

xjQ, ich sehe es", hauchte sie schmerzvoll. Sie uiachte sich stark, das Schrecklichste zu tragen.Aber v.och einmal möchte ich in seine Augen schauen, iroch einmal feine Stimme hören. Ach, wo doch Helmut bleibt! Er verlangte doch so sehr nach fernem Sohne!"

mutlich von den Nattonalliberalen selbst für nötig gehaltener Beweis dafür gelle«, daß die nattonal- liberale Partei nunmehr aufhören will, eineMittel- partei zu sein, daß sie im Grunde genommen sich mit dem Freisinn eins fühlt, mtt demfelben Frei­sinn, der noch vor wenige» Jahren auf einem nationalliberalen Delegiertentage ato bündnismr- fähig bezeichnet worden ist.

Was die Freifinige Vereinigung anlangt, so hat die Freisinnige Volkspartei ihr nirgends Kan­didaten gegnübergestellt. Die Bereinigung ist m den zehn Wahlkreisen, in denen sie Kandidat« nominiert hat, mehr oder weniger auf die Unter­stützung Dollspartei angewiesen. Ob aber der Bmtthfche Freifinn derRichterschenSchwester- Partei" nicht noch Schwierigkeiten beretten werde, ist für uns zurzeit eine offene Frage. Es dürfte wohl hier und da von wadelstrümpflerifcher Sette der Versuch gemacht werden, in der Erwartung sozialdemokratischer Httfe, die dem Barthschen eher als dem Richterschen Freisinn gewährt werd« wird, .grussichtsvollere" weibliche an stelle der wenig aussichtsreichen" männlichen Freifinn-Kan­didaten zu bringen. Doch das ist die Sache, die die beiden rivalisierendenVerbündeten" müein- ander abzumachen haben.

Die Sozialdemokraten find mit ihrer Wahl­beteiligung in eine Sackgasse geraten. Alles Mund- Heldentum in ihrer Presse kann darüber nicht Hin­wegtäuschen, daß sie aus eigener Kraft nichts zu erreichen vermögen, sobald es darauf ankommt, daß ihre Anhänger als Männer offen und ehrlich Farbe bekennen. Für uns unterliegt es aber kei­nem Zweifel, daß dieGenossen" in gewohnter Weise auch bei den bevorstehenden Wahlen für die Kandidaten der Linken sttmmen werden. Sie könnten es ja gar nichtverantworten", wenn sie dervölkerknechtenden",freiheitsmörderischen", finstersten Reaktton" durch Sttmmenenthaltung einige Mandate in die Hände spielten. So voll auch ein echter Sozialdemokrat den Mund zu nehmen Pflegt, so fällt es ihm doch nicht ein, ben Liberalismus", dessen er gerade im Preußischen Landtage so dringend bedarf, im Sttche zu lassen.

Umschau.

Der Verband deutscher Gewerbe- Vereine

hat für die Zeit von September 1902 bis jetzt einen Druckbericht über seine Tättgkett erstattet. Darin wird, wie wir demLeipz. Tagebl." ent­nehmen, zunächst geschildert, wie die deufichen Ge­werbevereine im Lause der historischen Entwick­lung des Deutschen Reiches entstanden find und welch großen Einfluß sie auf die Belebung deS deufichen Gewerbefleißes ausgeübt haben. Weiter- hin wird die Stellung des Verbandes zu ben Inn­ungen als gleichwichtiger Faktoren gekennzeichnet und betont, daß der Verband die Veranlassung ivar zu so mancher Förderung des deutschen @e- werbes. Es folgt eine Aufzählung der verschie­denen Wirkungsgebiete des Verbandes. Mit dem Verbände deutscher Gewerbeschulmänner und an­deren verwandten Korporattonen steht der 58er- band deutscher Gewerbevereine in Verkehr. Im Jahre 1902 gehörten ihm an 889 Vereine mtt 100 996 Mitgliedern und 1903 zählte er 964 Ver-

vierzehn Tagen ihn durch einen unerwarteten Be­such in der Universitätsstadt erfreut hatte und nun totkrank hier ruhte.

Vater!" rief er schluchzend und ergriff die welke Hand des Kranken.

Der Arzt wehrte es ihm nicht.

Als ob der Schlummernde den Ruf vernommen schlug er die Augen auf und ein müder Blick fiel auf seine Frau und seinen Sohn. Ein mattes Lächeln glitt über die bleichen Gesichtszüge, und mit der letzten Kraft versuchte der Kranke, sich auf­zurichten. Der Arzt legte stützend seinen Arm unter den Rücken seines Freundes und Kollegen.

Ich muß . . sterben," flüsterte Dr. Kraft mtt kaum vernehmbarer Stimme.Nicht gern . . . geh' ich von Euch. . . Doch wie . . Gott will. Ein Geheimnis . . muß ich noch . . offenbaren, ehe ich sterbe. . . Für Dich mein Sohn, kann . . . es einst von großem . . Nutzen fein. Doch . . ich kann nicht mehr . . die Papiere liegen . . - lie . . gen . . in . . ."

Plötzlich brach der Kranke ab. Er jiet zurück. Ein letztes schweres Röcheln wurde hörbar. Er hatte ausgerungen.

Die Widerstandskraft der armen Frau hatte jetzt ein Ende. Laut schluchzend ergriff sie die Hand des teuren Toten, dann brach sie ohnmächtig zusammen. Der Arzt bettete sie mit Helmuts Hilfe im Nebenzimmer. Nach einigen Minuten kehrte ihr Bewußtsein zurück. Der Arzt gab Helmut die nötige Anweisung für die Pflege feiner Mutter und verließ dann traurig das Haus, nachdem er der Frau seines verstorbenen Freundes seine Hilfe in den trüben Tagen zugesägt hatte.

Am dritten Tage wurde Dr. Kraft zu Grabe getragen. Standhaft ertrugen Frau Kraft und Helmut die schweren Stunden in dem Bewußtsein, daß Gottes Wille es war, der solch' herbes Geschick über sie verhängt hatte.

eine mtt 109 606 Mitgliedern, von denen 73 739 oder 67 Prozent Handwerker waren. Aus den Berichten der Unterverbände ist zu ersehen, daß in demselben lebhaft an der Förderung des Ge­werbes auf die mannigfachste Art gearbettet wird. Ueber die Frage des Befähigungsnachweises muffen sich die Ansichten «och klären; ist es ge­schehe», dann soll« die Erfahrungen den Aus­schlag gebe«, ob und nach welcher Richtung vom Verbände WÄM Anstrengungen gemacht werden sollen- . ..

Dar Wahlaufruf btt Sozial- bemoIraHe»

Der Wahlaufruf derGenossen" für die nächst« preußischen Abgeordnetenhauswahlen wurde »unmehr veröffentlicht. Bekanntlich will diese Partei zum ersten Male Mandate für die zweite preußische Kammer erwerb« und rechnet zu diesem Zwecke stark auf die Hilfe der frei- finnigen Parteien. Ob fie fie erhalten wird, wird sich erst nach ben Nrwahlen zeige«. Jeden­falls erklär« heute schon einige freistnnig« Blätter, daß der Wahlaufruf der Sozialdemo­kratie ledig Forderungen der Freisinnige» ent­hält, und daß deshalb die sozialdemokratisch« Wahlmänner für freisinnige Kandidat« ruhig ihre Stimme abgeb« könnten. Nene- wird aller­dings in diesem Wahlaufruf nicht gesagt. WaS an Kulturforderungen aufgestellt wird, suchen der heutige Staat und die heutige Gesellschaft schon längst zu erfülle«. Oder weiß die Sozial­demokratie, weil sie im preußischen Parlamente nicht vertret« war, gar nichts davon, daß der Staat auf die Hebung des Volksschulwefens, auf die Förderung der öffentlichen EesmidheitS- pflege, auf die Förderung von Kunst und Wissenschaft, auf die Errichtung do« Fachschulen, Lehrwerlstätten zur Hebung von Industrie und Landwirtschaft, auf die Verbesserung der Rechts­pflege durch Vermehrung der Richterstellen usw. jährlich immer größere Summe» verwendet? Die Sozialdemokratie brauchte wirklich nicht erst zu fommen, um die Anregung zur Tätig­keit auf all« diesen und noch viel« ander«, in dem Aufrufe garnicht erwähnt« kulturell« Tätigkeitsgebiet« zu geben. Der von ihr so viel verlästerte Staat hat dafür immer ge­steigerte Anstrengung« gemacht. Die rein politischen Forderungen der Sozialdemokratie, wie allgemeine, direkte und geheime Wahl für alle Vertretungskörper und alle mündig« Staatsbürger, Beseitigung des Herrenhauses, volle Gleichberechtigung der im Staate lebend« Nationalitäten, Trennung der Kirche vom Staate usw. find auch schon öfter erhob«, werden aber Wohl auch noch öfter unerfüllt bleiben. Es tonnte der Sozialdemokratie schon paffen, wenn immer mehr unreife Elemente in der Politik zur Mitbestimmung herangezogen, wenn immer mehr durch die Traditionen gebildete Autori­täten beseitigt, wenn die Polen und Dänen zur wildesten Agitation für eine Losreißung von Preußen freie Hand bekämen, dem preußischen

Einige Tage später saß Frau Kraft in ihrem Zimmer und schaute gedankenvoll in ihren Schoß. Helmut trat ein und, einen Blick auf die Mutter werfend, erkannte er sofort ihren Kummer.

Gräme Dich nicht, Mutter," sagte er mit weicher Stimme,Du sollst keine Not leiden, ich werde für Dich sorgen. Vater hat ja auch einige tausend Taler hinterlassen; von den Zins« kannst Du ja nicht leben, doch reicht das Geld für die nächste Zukunft. Freflich, mein Studium muß ich aufgeben und einen Beruf ergreifen, in dem ich sofort Geld verdiene, um mich von nun an selbst zu ernähren."

Frau Kraft wehrte energisch ab.

Nein, nein, das sollst Du nicht, Helmut," er­widerte sie zärtlich.Ich verkaufe alle entbehr- lichenSachen, barmt Du Dein Ziel erreichen kannst. Wenn ich nur wüßte, was es mit dem Geheimnis auf sich hat! Ich habe alle Winkel durchsucht, lei­der aber nichts gefunden. Ich bin eine alte Frau, aber Du, Helmut, trift jung und: Für Dich kann es einst von großem Nutzen sein so sagte doch Vater. Um Deinetwillen tut es mir leid, daß er das Geheimnis mtt ins Grab genommen hat."

Darüber beruhige Dich, liebste Mutter, und gräme Dich nicht. Ich bin gottlob gesund und kräftig und werde mich schon durch die Welt schla­gen. Mein Enfichluß ist schon gefaßt und nicht mehr rückgängig zu machen. Ich studiere nicht weiter. Vielleicht enthüllt sich uns das Geheim­nis später, aber laß uns nicht darüber grübeln und sorgen."

Traurig schüttelte Fra» Kraft den Kopf.

;Aber, was willst Du beginnen, Helmut?"

Er zog ein Zeitungsblatt ans seiner Rocktasche und reichte es seiner Mutter, die eine mit Blaustift angestrichene Stelle hastig überflog.

Also um diese Haiislehrefitelle willst Du Dich bewerben?" rief Frau Kraft staunend aus.Hel­

Staate aber ist bann keineswegs gedient und deshalb ist diesen Forderungen ihr Urteil ge­sprochen.

DaS überfüllte Japan.

Die Oberfläche des Kaiserreichs Japan beträgt nur etwa viermalhunderttausend Quadratkilometer oder etwa 5/? des Deutsch« Reichs. DaS Land hat aber 47 Millionen Ein­wohner oder eine mittlere Volksdichte von etwa 117 Mensch« auf das Quadratkilometer, wäh­rend in Deutschland nur etwa 105 Bewohner auf baS Quadratkilometer entfallen. Die Haupt­stadt Japans, Tokio, wächst mit einer reißenden Schnelligkeit, fie hat nach der letzten Volks­zählung 1705 028 Einwohner, darunter 940 661 Männer und nur 764 367 Frauen. Der lieber* schuß an Männe« rührt daher, daß viele Ja­paner, die in der Stadt arbeiten, ihre Frauen auf dem Lande zurücklaffen. Die Bevölke«ng der japanischen Hauptstadt hat sich in den letzten fünf Jahren um mehr als ein viertel Million (genauer um 279602) vermehrt. Bis in die Gegenwart hat fich eine namhafte Aus­wanderung aus Japan nicht gezeigt. Die Japaner, die ins Ausland gingen, waren wenig zahlreich und folgten in der Regel bald ihrem Heimweh. Nach der letzten Feststellung erreicht die Zahl der im Ausland ansässigen Japaner noch nicht 150000. Jetzt liegen aber sichere Anzeichen vor, daß die japanische Auswanderung in starker Zunahme begriffen ist. Im letzten Jahr haben mehr Japaner als je die Heimat verlassen, und vornehmlich find sie nach China, nach Korea, nach Siam, nach Australien, nach Honolulu, nach den Vereinigten Staaten, nach Kanada und auch nach Rußland gegangen. Die studierenden Japaner sind namentlich auf den deutsch« Universitäten schon seit einer Reihe von Jahr« eine ständige Erscheinung, sie wollen jedoch bei unS nur ihre Vorbildung erwerben, um daheim eine höhere Stellung zu gewinnen. Auch i» Frankreich und Italien halten sich ver­einzelte Japaner zu Bildungszwecken auf. 1896 betrug die Zahl der Japaner im Ausland erst 54342, und fie ist seitdem fortgesetzt gestiegen, bis fie 1901 bereits die Ziffer von 124000 erreichte. _____________

Unterdrückung des Sklavenhandels.

DaS dem belgischen Ministerium des Aeußeren ungegliederte internationale Bureau zur Unter­drückung des Sklavenhandels hat in Ausführung der Art. 81 ff. des Brüsseler UebereinkommenS die Akten über die im Jahre 1902 erfolgte Schritte zur Unterdrückung des Sklavenhandels der Oeffentlichkeit übergeben. In diesen Akten­stücken sind, wie diePol. Korresp." mitteilt, neue und wichtige Bestimmungen über die Ein­schränkung des Waffenhandels, der Alkoholein­fuhr und der Sklaverei enthalten, aus welchen hervorgeht, daß sich die von den Unterzeichnern

mut", fuhr sie fort,stelle Dir bas nicht so leicht vor! Und wer weiß auch, ob Du derjenige fein wirst, welcher sie erhält, denn sicherlich wirst Du nicht der einzige fein, der sich darum bewirbt."

Meine Bewerbung ist vorgestern abgegangen, Mutter," entgegnete Helmut, die Hand seiner Mutter liebkosend.Ich hoffe, die Stelle zu er­halten," setzte er zuversichtlich hinzu.

Und schon der folgende Tag brachte die Ant­wort. Freudestrahlend suchte er, von einem Spa­ziergänge heimkehrend, feine Mutter auf.

Meine Hoffnung hat mich nicht betrogen!" rief er und reichte ihr den Brief.Da, lies selber."

Ja, wie schnell der liebe Gott hilft," sagte sie mit einem dankbaren Blick nach oben.Der Schrei­ber dieses Briefes muß ein guter Mensch sein."

Dann stand sie auf, legte ihre Hände auf das Haupt des Sohnes und sagte gerührt:Gott segne Dich, mein Sohn. Doch das Scheiden von Dir tut mir diesmal unendlich weh, und ich bin nun ganz allein."

Ach Mutter," tröstete sie Helmut,ich kann ja doch nicht immer bei Dir bleiben. So oft ich kann, komme ich zu Dir, Eichfeld liegt nicht so weit von hier entfernt. Zudem habe ich noch vierzehn Tage Zeit, ehe ich die Stellung anzutreten brauche. Bis dahin kann ich Dir noch manches helfen. Und wenn Du nachher jemanden brauchst, Dr. Wendt ist ja für Dich immer bereit. Er läßt Dich übrigens grüßen und wird im Laufe der nächsten Tage 6et uns versprechen."

Ja, ja, der gute Wendt! Ich weiß, nicht, tote ich seine Freundestreue vergelten soll/"

Auch darüber sei ohne Kummer, Mutter. Es war Vaters bester Freund, der Dir seine Hilfe an» geboteu hat. Jetzt wollen wir ein Stündchen in dem Garten spazieren gehen, Mutter, cs wird uns beiden gut tun."

"(Fortsetzung folgt.)