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mit -em KeeWtati M -le Kreise Marburg und Kirchhain.

Sonntagsbcilager Jkustrirtes Sonntagsblatt.

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IV

HL 273

trust ober, der ebenso wie der Stahltrust eine Gründung Morgans darstellt, und der in Europa einen geradezu panischen Schrecken hervorgerufen hatte, war eigentlich schon mit dem Tage verkracht, wo er begründet wurde. Eine wesentliche Wirk­samkeit hat er nie aüsgeübt, und die Ankündi­gung, daß er die übrigen großen und kleineren Schiffahrtsgesellschaften zu sich hereinziehen oder unmöglich machen werde, hat sich als unbegründet erwiesen und gewissermaßen als leere Drohung herausgestellt. So wenig wie Amerika jemals ein politisches Uebergewicht über die europäischen Großmächte erreichen kann, so wenig wird er es in handelspolitischer Hinsicht die allein dominierende Macht werden, denn bei den heute herrschenden. Handelsverhältnissen und der finanziellen Stärke Europas, die bedeutend solider ist, wie die Ame­rikas,,ist dies nicht möglich. Das Vorbild, welches Amerika in Handelsspekulationen gab, war kein nachahmenswertes und die Begeisterung und Be­wunderung vor dem Handelsgenie der Dankees hat sich bald verflüchtigt. Der Krach der Trusts hat gezeigt, daß auch in Amerika nur mit Wasser gekocht wird, und daß selbst feine Milliardäre auf dem Gebiete des Handels keine Selbstherrscher fein können. Daher hat die Furcht abgenommen und sie wird noch völlig verfliegen, wenn erst die Zu­versicht zu der eigenen Kraft sich wieder Bahn ge­brochen hat.

mählich einer der Schreier nach dem andern ver­stummte. Und heute ist man wohl in ganz Würt­temberg darüber einig, daß man damals keinen Schwabenstreich" beging. In Bayern wird man allerdings mit einem größeren Widerstand der Partikularisten zu rechnen haben. Schon die Ab­schaffung des Raupenhelms hat der Regierung manchen Rückenstoß eingetragen, und auch das Verschwinden des ominösen bayerischen General- Hutes ging nicht vorüber, ohne daß man weidlich darüber lamentierte. Wollte man jetzt auch noch die Bayernmarke oder das Soldatenhellblau an- tasten, es gäbe int Volke und infolgedessen auch im Abgeordnetenhause einen Sturm der Entrüstung, der leicht das ganze Ministerium Podewils, dos so wie so nicht auf allzu starken Füßen steht, weg- fegen könnte.

Auch wir halten es für sehr unwahrscheinlich, daß man schon jetzt tvieder die Verhandlungen mit Bayern ausgenommen haben soll, nachdem damals Herr v. Podbielski keine Einigung erzielt hat. Seitdem ist in der ablehnenden Haltung Bayerns, namentlich in der Leffentlichkeit, keine Aenderung eingetreten und wird auch, nach den bisherigen Erfahrungen zu urteilen, nicht sobald eintreten.

Bayern und die deutsche Einheits­marke.

Alts Bayern schreibt man denLeipz. N. N." über die Möglichkeit der Einführung der Reichs- Postwertzeichen im Königreich Bayern: Auf Grund der günstigen Erfahrungen, die man in Würt­temberg mit der deutschen Einheitsmarke machte, ist von Berlin neuerdings in München angeregt worden, auch in Bayern die Einheitsmarke einzu- führen. Damit wäre der erste Schritt getan, end­lich auch Bayern zu veranlassen, eines feiner letz- ten äußeren partikularistischen Merkmale attfzu- geben, die es glücklicherweise beute nur noch in verschwindender Zahl ficii ängstlich bewahrt hat. Württemlierg hat dem Bayernlande in dieser Frage den Weg gewiesen, als es sich im Herbste 1901 entschloß zum 1. April 1902 die Einheits- marke einzttführen. Auch hier ging es nicht ohne einen Widerspruch der Sckwabenpartikularisten ab, und ein garnicht so verschwindender Teil der Presse schrie Ach und Weh über denMangel an Partiknlarismns". den die Kammermehrheit mit ihrer Zustimmung zu dem Vorschläge der Regie­rung funbgcgebeit hätte. Kaum ober war die Einführung der Einheitsmorke erfolgt, als all­

Marburg

Dienstag, 20. Oktober 1903.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag- Zoh. Aug. Koch, Universitäts-Buchdruckerek 38. Jllhfs!, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Vierteljährlicher Bezugspreis: bei der Expedition 2 MH, bei allen Postämtern 2,25 Mk. (exct. Bestellgeld).

JnserttonSgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

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Umschau.

D i e Denkmolsfeier in Berlin.

Dio Enthüllung der Denkmäler des Kaifers und der Kaiserin Friedrich vor demBrandenburger Tor in Berlin am Sonntag Mittag als am 73. Geburtstage Friedrichs wurde vom Wetter nicht begünstigt. In der zehnten Stunde setzte ein hef­tiger Regen ein, der ununterbrochen fortdauerte, wenn er auch gerade während der Feier etwas nachließ. Dazu wehte ein eisiger Wind. Aber trotz der naßkalten Witterung drängte sich in der Nähe des Brandenburger Tores und Unter den Linden ein zahlreiches Publikum, galt die Feier dochunserem Fritz". Leider wurde die Schau- lüft der meisten nicht befriedigt. Vielfache Ketten der Schutzleute zu Pferde und zu Fuß sperrten den Denkmalsplatz nur zu gründlich ab, passieren durfte bloß der, der die blaue Freikarte vorweisen konnte. Die Enthüllung selbst spielte sich unter großer militärischer Prachtentfaltung ab. Zugegen waren die Generalität, die Leibkompagnie des 1. Garderegiments zu Fuß, fowie je eine Eskadron des Kürassierregiments Königin (Pommersches) und des Leib-Husareuregiment? Königin Viktoria Nr. 2, sämtliche Offiziere des 1. Garderegiments nut' Abordnungen der übrigen sechs Regimenter, deren Chef Kaiser und Kaiserin Friedrich waren. Ferner eine Abordnung des LinienschiffesKaiser Friedrich". , Bald noch 12 Uhr trafen die kaiser- lieben Majestäten ans dem Denkmalsplatze ein, be­gleitet von Hochrufen. Die Kaiserin kam in ge­schlossener Kutsche vom Potsdamer Babnbof her: sie zeigte sich wiederholt am Fenster, um die Grüße beb Publikums zu erhüben!. Der Kaiser war auf der Fahrt nur von wenigen gesehen worden. Auf dem Platze waren bereits versammelt die kaiser- üchen Prinzen und Prinzeß Viktoria Luise, sowie die anderen Fürstlichkeiten, darunter die Kinder

des Kaisers und der Kaiserin Friedrich:. .Prinz Heinrich, Prinzessin Charlotte von. Meiningen, Prinzessin Adolf von Schaumburg, die Kronprin­zessin von Griechenland und Prinzessin Friedrich Karl von Hessen . Nachdem der Kaiser, der die Uniform der Totenkopfreiter trug, die Front der Truppen abgeschritten war, gab er das Zeichen zur Enthüllung der Denkmäler. Während die Truppen präsentierten, die Trompeten schmetter­ten, die Feldzeichen sich senkten, fiel die Hülle, die Denkmalsanlagen zeigten sich in blendendem Weiß. DreimaligesHurra!" wurde laut. Kai­ser Friedrich ist in der Uniform seiner Pasewalker Kürassiere dargestellt, die Kaiserin im Krönungs­mantel, auf dem Haupt die Krone. Beigegeben sind dem Kaiser die Bildnisse des Feldmarschalls Grafen Blumenthal und des Physikers Herrn, v. Hebenholz, der Kaiserin die Figuren Ed. v. Zeller und des Chemikers Wilh. v. Hofmann. Zu beiden Seiten stehen zwei Mamorbrunnen, deren Wasser plätscherte. Die Fürstlichkeiten besichfigten die Anlagen, dann legten die Regimentskommandeure und die Vorstände von Kriegervereinen Kränze nieder. Der Kaiser unterhielt sich lebhaft mit sei­nen Verwandten, den Schöpfern der Denkmäler: Brütt und Gerth, sowie mit den Angehörigen und Nachkommen der großen Männer, derenBüsten die Denkmäler zieren. Den Beschluß der Feier machte ein Vorbeimarsch der Truppen unter klingendem Spiel. Hierauf fuhr das Kaiserpaar, lebhaft be­grüßt, mit der kleinen Prinzessin im offenen Zwei­spänner nach dem königlnchen Schlosse, von dessen Zinnen die Kaiser- und die Königsstandarte, so­wie der rote brandenburgische Adler in weißem Felde wehten. Im Schlosse sand nachmittags große Tafel statt, der abends Festvorstellung im Opernhause (Die Meistersinger") folgte. Die Denkmäler, die aus Marmor gefertigt sind und die Anlagen in der Siegesallee abschließen, waren bald bas Ziel Tausender. Das nahe Reichstags­gebäude hatte geflaggt. Vormittags hatte das Kaiserpaar mit den Fürstlichkeiten dos Mausoleum Kaiser Friedrichs in Potsdam besucht und den Sarkophag mit Kränzen geschmückt.

Korps st udenten und der höhere Verwaltungsdienst.

In der freisinnigen Presse wird im Anschluß an einen Aufsatz des Professors Fischer in der Deutschen Juristenzeitung" zur Abwechselung wieder einmal versucht, aus der angeblichen. Be­vorzugung der Korpsstudenten im prenstüchen Verwaltungsdienste gegen die Regierung Kapital zu schlagen. Wenn zunächst der genannte Pro- fessor als Radikalmittel gegen Verbumineliing der Juristen in den ersten Studiensemestern die Ein­führung eines Zwischeneramens auf der Umver- fität vorschlägt, so unterliegt cS feinem Zweifel, daß dieser Vorschlag jeder praktischen Bedeutung entbehrt und nicht die mindeste Aussicht auf Ver­wirklichung hat. Schon der von den beteiligten Ressortministern in Aussicht genommene Plan, durch ein Zwischenzengnis eine wirksamere Kon trole über den Studieugang der Juristen in den ersten Semestern zu gewinnen, hat den erheblich­sten Widerspruch sowohl bei den Rechtslebrem an den deutschen Hochschulen wie im Landtage hervorgerufen und wesentlich dazu .beigetragen, die Schwierigkeiten zu erhöhen, die sich dem Ge- setzentwurle über die Vorbildung der höheren Justizbeamten hindernd eittgegengestellt haben. Was aber die angebliche Bevorzugung der Korps­studenten im Verwaltungsdienste anlangt, so wird daran zu erinnern fein, daß, wenn in den höheren Verwaltiingsstellen, namentlich an der Spitze der Regierungen, sich in größerer Anzahl Männer be­finden, die während ihrer Studienzeit einem Korps anaehörten. dies doch lediglich den Beweis dafür liefert, daß sie die Eigenschaften, die für eine leitende Verwaltungsstelle notwendig sind, und die sich keineswegs bei allen Verwaltungsbeamten ober Juristen finden, in dem erforderlichen Matze besitzen, und es wird weiter der unwiderlegliche Beweis erbracht, daß diese Eigenschaften nicht um vereinbar sind mit der Angehörigkeit zu einem studentischen Korps während der Studstmzeit. Ja, man kann umgekehrt ans der Tatsache, daß sich-in

Die amerikanischen Trusts.

4 Als im März 1892 der amerikanische Petro- leiimkönig die Standard-Oil-Company gründete, welche den PettoleumHandel der ganzen Welt zu monopolisieren bestimmt war, bemächtigte sich eine ungeheuere Aufregung, um nicht zu sagen Furcht, der gesamten europäischen Handelswelt. Als bann der Schiffsbautrust begründet wurde, und nach ihm der Stahltrust, mit der märchen­haften Summe von über 40 Milliarden nach unserem Gelbe als Aktienkapital, unb als schließ­lich bet Schisfahrtstrust burch Morgan ins Leben gerufen worben war, ba mürbe bie SSetounberung des Handelsgenies der Amerikaner zur blassen Furcht, und man betrachtete die verschiedenen Monopole als selbstverständliche Tatsache, denen die Welt wehrlos gegegnüberstehe. .Man suchte sich so gut wie möglich der amerikanischen Spekula­tion anzupassen, um nicht ganz von ihr erdrückt zu werden, aber an eine Bekämpfung dachte nie­mand, niemand glaubte aber auch, daß ein Wider­stand gegen jene trustartigen Unternehmungen möglich sei.

Unb heute? Wo ist die Bewunderung und Furcht geblieben? In Amerika, dem Dorado des Trusts, sind diese in eine unverkennbar rückläufige Bewegung getreten. Wenn auch ein Teil des Trusts, so der Zuckertrust mit seinen 36^ Milli­onen Dollar?, der Gerbertrust mit 60 Millionen, der Baumwolltrust mit 34, der Bleitrust unb der Zigarrenfabrikeutrust mit je 30, der Brennerei- unb Viehmästungstrust mit je 43 Millionen Dol­lars unb noch manche andere bestehen, wenn auch die Standard-Oil-Company mit ihren 102 Mill. Dollars Aktienkapital noch unerfdjütteri ist, so sind doch gerade diejenigen Trustuuternehmuugen, vor denen die Welt mit übergroßer Nervosität ge­bangt hat, derart in? Wanken gerateii,^daß ihre Weltrolle endgültig ausgespielt ist. Schon als daS Petroleumgespenst in der Welt umging, zeigte es sich, daß nirgends, auch nicht in Amerika, bie Bäume in den Himmel wachsen. Schon bie stei- genbe Verwendung von Gas, Acetylen, Elektrizi­tät unb Spiritus haben dafür Sorge getragen, den amerikanischen Petroleum Bestrebungen ent­gegen zu arbeiten. Ist doch trotz der starken Be- völkerungszuuahme bei uns bie Einfuhr amerika­nischen Petroleums feit 1897 beständig zurückge- gangen. Aber hat berPetroleumtrust, wenn er auch fein Ziel eines Weltmonopols nicht erreichte, sich immerhin noch gehalten, so steht es gernbe mit beit drei Trusts, welche in den letzten Jahren bie Amerikafurcht hervorriefen, befto schlimmer. Der von Morgan und Schwab begründete Schiffsbau- trust ist elend zusaminengebrochen und bei dem jetzt eingeleiteten Konkurs sind Sckiwindeleien von einem so gewaltigen Umfang zu Tage ge­treten, wie sie eben nur in Amerika möglich sind.

Der Zusammenbruch des Schiffsbautrustes droht aber bereits den noch viel gemnltigeren Stahltrust, beit bei weitem größten der amerika­nischen Trusts, mit in den Abgnmb zn ziehen. Die letzte ViertelsjaHrsbivibende betrug für bie gewöhnlichen Stahltnistaktien nur noch % Pro- zent, für die Vorzugsaktien 1% Prozent, unb ber Kurs ber Aktien hat einen solchen Tiesstanb er­reicht, daß er bereits der Vorbote be§_ nahenden Zusammenbruchs zu sein scheint. Der fcdüffahrt§-

>1 «Nachdruck verboten.)

Frau Lore.

Roman von I. Jobst.

(Schluß)

Don einem zum andern irrte das Auge des An- geitagten wie dasjenige eines gehetzten Wildes, doch nur ernstes Drohen oder unsägliche Verach­tung blitzten ihm ans den Augen der ihn murin- geubett Männer entgegen. Er sah, Erbarmen war nicht zu erwarten, seine Rolle im Leben ging zu Ende das Spiel war aus. Ein wilder Hohn packte ihn und er rief aus:Ja, ich tat es, ick, nahm dos Geld unb steckte das Haus an. damit der Diebstahl unbemerkt bliebe. Und als es hübsch im Brennen war. kam ber Hausherr dazu, weil er fein Gelb int alten Schreibtisch nicht mehr sicher glaubte. Daß es nicht an der alten Stelle lag. brachte ihn wohl schon dauials um den Verstand, unb die Wirtschafterin, bie uns beide inmitten der Flammen sand, behauptete später, Nordinann sei allein bei dem Feuer gewesen, mein Gelb war ihr lieber als die Wahrheit. So. das ist wohl alles, was Sie zu wissen brauchen."

Trotzig blickte das Atme des Schäfers nodi ein­mal im Kreise umher, dann zog er den Hirsch­fänger und stieß ihn sich mit sicherer Hand lief in das Herz. Er hatte gut gezielt, beim während Lore den ladieuben, murmelnden Vater mit zärt­lichen Worten in das Haus geleitete, tat die Brust des Mannes, den sie so tief gehaßt hatte, ihre letz­ten Atemzüge.

Wie rasch war das Ziel erreicht, ganz anders, als sie gedacht hattel Die Haiid (holles hatte ihr Wcrluug gefüllten imö alles gnädig hinauS- gcüijrt.

Ma« brachte i. ie Leiche Schäftrs in einen leeren ti.au.it im Schist-Hände und der Amtsrichter, der

seine Tättgkeit nun mit voller Energie entfaltete begann in der Wohnstube der Waldschänke ba^ Verhör. An die Jagd dachte niemand mehr.

Wolter trat als letzter in das Zimmer, Wieb- litz hatte ihn holen müssen. Die Ailgst um feinen Knaben hielt ihn fern. Was hatte dieser von dem grausigen Vorfall gesehen? Doch erfuhr er zu seiner Beruhigung, baß Christian sich sofort des Kindes angenommen und ihn fortoelocki habe, weit in den Wald hinein, damit fein junges Ohr nichts von dem Furchtbaren hörte. So trat er jetzt ruhig Zu den verfammelteu Herren nicht ahnend' welch weiteren Aufregungen er ent gegen mng Der Baron winkte ihn neben sich unb fragte flüsternd nach Werner. Er gab noch rafck Auskunft als and, die Stimme des Amtsrichters erklang, der ibn als ben Hauptzeugen anrief:Ihr SÖme?"

©in Stocken, ein Bestimm, dann richtete Wal- ter den ernsten Blick bittend nur das Gesicht des alten Barons, wahrend er besten Ha»d herzhaft druckte:Ich heiße Baron lldo Waller v. Schulz."

Sv find Sie ein Verwandter des Hern: von Sckmlz?" fragte der Auitsrichter unwillkürlich weiter.

Ich bin fein einziger Neffe."

Ein unartikulierter Schrei .entfuhr jetzt ber Brust des alten Herrn, der wie entgciiieri aus Walter starrte. Die mäditigeu Glieder durchlief ein Zittern und hätten die kräftigen Arme des Afsesjors nickst zugegriffen, jo würden die Füße den glücklichen Mann nicht mehr geiragenyaden, der jebt auftchlnchzend cm Halse des Neffen läng, den fein Herz schon lange liebte und der von nun au fein Sohu unb Erbe sein sollte.

Verwundert schob der etwas furziicklige Amts­richter seine Brille zurecht. Es ging heute alles so unvorschriflsmäßig wie möglich her und wie sollte er sich in dem aufgeregten Durcheinander

die nötige Autorität verschaffen? So atmete er denn befriedigt ans, als Forstmeister von Wieblitz, der den beiden Glücklichen immer und immer wie­der die Hände gcfdgilteit hatte, indessen bie Hellen greubentränen ihm in den schneeweißen Bart rollten, mit seiner Hellen Stimme rief:Meine verehrten Herren, idi glaube, das; Onkel und Neffe sich nock sehr viel zu sagen haben und so möchte ich Sie auiforbern. in deren Namen, den Herrn Amtsrichter zu bitten, das Verhör dieser beiden um ein wenig hinausznidneoen. wir aber geben wohl derweil in die Wirisstube hinüber.

Sie sollten nicht lauge allein bleiben, die Glück­lichen denn die Tür öffnete sich kurz nachher noch einmal unb aui der Schwelle stand Frau Lore mit dem Knaben. Wiehlitz Hatte sie mit slüchttgeu Worten aufgeklärt unb sandte sie nun zu den bei­den die nicht genug Worte finden konnten, um zu erzählen, zu entschuldigen und zu verzeihe».

Als nun die junge Frau in lieblich?-- Ver­wirrung aus sie zutrat, an der Hand den holden [ Knaben, unb die Svrache ihr versagte nach all . dem Schrecklichen und Wonnevollen, was über ihr f junges Leben Hinei »brach, da löste fidj Werner von ihr los unb flog dem alten Herrn um ben Hals, voller Aufregung fragend:Ist das wahr. Baron, was ber Onkel Forstmeister sagt. Vater unb Mutter wären jetzt Deine Kinder und Du wärst mein lieber Großvater?"

Ter alte Herr nickte, er konnte vor Rührung nicht fvrechen. da fuhr ber Kleine mit strahlendem Lächeln fort: ..Siehst Du. Baron, nun brauchst Tn nie mehr zu weinen unb Deine Baronin auch nicht, nun halst Ihr wieder einen kl.ftwn Jungen und ick) weis? v? ganz genau. Du kannst es mir glau­ben; b-.;i iin: Euch der ftebc Gott gefck'ickl."

tWoihi'rVct »erbvieu-l

Nicht zu nut.

Von Lcovvld Sturm.

Unwidersprochen ging kürzlich eine kleine Notiz: burdi die Zeitungen, nackt welcher der preumsche Eiseubaimminifter Eizellen; Budde geäußert, er halte sick durchaus nickst für zu gut. die Verhält­nisse in einem Eisenbahnwagen vierter Ktasse währenb der Fahrt aus eigener Änschmmn.v lennen zu lernen. Und auch von mancher anderen Erzellenz im deutschen Norden, wie int deutschem Süden- sind keine Ehar.stierzüae bekannt geworden., nach welchen sich die Herren gar nickst für zu gut hielten, stch genau um Dinge zu bekümmern, für bie fie eigentlich ihrem hohen Rang gemäß zu gut sich hatten mußten. Wenigstens nach lue.nchcr Leute Anschauung! Und es ist ein Glück, daß mit­unter solche Tat jachen bekamst werden, die ein bischen wie frischer Luftzug in der schwülen Lust desZugntfeius" wirken. Wie waren der alte Kaiser, Bismarck und Moltke in vielen Dingen mehr wie cinfadil Und von unserem Kaiser wird erzählt, wie er als Kadett in Plön, unmittelbar vor feiner Groizionriosieilsrr!lärmig, noch wohl geutut mit eingefnutteu Paketen sei Ost durch die Straßen ging. Niemand bat ihm die Lail aus den Händen genommenI Just io hatte cs ber alte Moltke bis an fein Lebensende gemacht. Wenn er aus dem Berliner Wert:nach -stuartt cingclaistt, trug er selbst sich mit all den Svielsachen bis zur nächsten Droschke und oft waren ihm die Arme vollgepackt, daß er nicht einmal den Watsti>'q.ag alleinit öffnen vermochte, und ter a.roschten- kistschcr ihm tzftnlstich fein mußte.

DiesZu gut fein!" ist mit dem leichtere« Geld-Rottieren' in den neunziger Jahren i« D.-utickstand ui mehr als erwünschter Weife guf«