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öOntttdg, 18. iJnODCr 1903. Marburg, Markt 21. — Telephon 55. "
Zweites Blatt.
Italien und Frankreich.
Der Besuch des italienischen Königspaares in Paris hat die Aufmerksamkeit von ganz Europa, um nicht zu sagen sämtlicher Nationen, auf dieses Ereignis gelenkt, das in französischen Regierungskreisen und in der diplomatischen Welt schon lange seine Schatten vorhergeworfen hat. Die Reise Victor Emanuels III. ist ohne Zweifel ein politisches Ereignis von hervorragender Bedeutung, besonders wenn man die bisherigen Beziehungen zwischen Frankreich und Italien in Erwägung zieht. Ist es doch das erste Mal, daß ein König von Italien nach Paris kommt. Viktor Emanuel II., der Großvater des jetzigen Königs, war im Jahre 1855 in Paris, aber er war damals nicht König von Italien, das blos ein geographischer Begriff war, sondern nur König von Sardinien. Allerdings wurden bei jenem Besuche die Grundlagen einer Allianz gelegt, die es dem König von Sardinien ermöglichte, die Lösung der italienischen Frage in Fluß zu bringen. Sardinien hatte an dem Kriege, den Frankreich und England gegen Rußland in der Krim führten, mit 15000 Mann sich beteiligt; dadurch hatte Gras Cavour, der leitende sardinische Staatsmann, es ermöglicht, daß er, nach der Niederlage Rußlands, dem Pariser Kongreß beiwohnen und auf demselben die unhaltbaren Zustände Italiens zur Sprache bringen konnte. Der Kongreß konnte zwar nichts für Italien tun, aber Napoleon unternahm 1859 in Gemeinschaft mit Sardinien den Krieg gegen Oesterreich, der die Einigung Italiens einleitete. Die weitere Entwicklung Italiens ging allerdings nicht nach dem Wunsche Napoleons; er suchte ihre Vollendung zu hindern, indem er den Italienern das päpstliche Rom vorenthielt; auch stieß er die Italiener dadurch vor den Kopf, daß er sich für seine Hilfe Savoyen und Nizza, die Wiege des Hauses Savoyen und Garibaldis abtreten ließ. In Frankreich wurde sein Eintreten für Italien mit verschiedenartigen Gefühlen ausgenommen. Seine eigenen Anhänger freuten sich zwar des neuen KriegruhmS, den der Name Napoleon erhielt, die Klerikalen dagegen grollten dem Kaiser, weil er nicht den ganzen Kirchenstaat schützte, und die liberale Opposition, an deren Spitze Thiers stand, warf ihm vor, daß er einen alten Grundsatz der französischen Politik preisgebe, indem er die Schaffung der italienischen wie der deutschen Einheit begünstige. Die deutschen Siege von 1866 und 1870 vollendeten die italienische Einigung und schlugen zuletzt das Kaiserreich selbst in Trümmer. Aber an seine Stelle trat
50 (Nachdruck verboten.)
Frau Lore.
Roman von I. Jobst.
'Eortletzuna.)
Das herrliche Frostwetter brach an und bei stravlcndem Souiienschein fuhr Lore mit Werner durch die glitzernde Pracht der Waldschenke zu. Die Glöckchen des Schlittengeläutes tönten lustig durch den schweigenden Wald, der in Schnee eilige- hüllt war von den Wipfeln der hochragenden Bäume bis zur Erde, welche er überall gleichmäßig bedeckte. Er war nicht so tief, daß er dem Fuße des Jägers beschwerlich geworden wäre, doch zeigte er deutlich jede Fährte. Ein großer Teil des Forstes war eingelappt und der Schlitten fuhr gerade durch den Teil, der das erste Treiben gesehen hatte. Als Lore mit dem aufgeregten Knaben vor der Waldfchänke ankam. lag das geschossene Wild schon zur Strecke und Wieblitz nahm den Kleinen bei der Hand, um ihm die Jagdbeute zu zeigen. Es waren noch nicht alle Schützen angelangt, des Barons Wagen fehlte noch und mit ihm der alte Herr selber und Walter. So zog Lore es vor, einen Augenblick zu ihrem Vater hinaufzueilen, bis ihr Mann eintreffen würde.
Sie hatte des lodernden Feuers nicht Acht, das in der Nähe des Hauses unter einem großen Kessel luftig brannte — ein Jägerbursche warf den Flammen gerade wieder neue Nahrung zu — sondern stieg rasch die Trevve empor und trat bei dem Baler ein, der bleich und matt in seinem Sessel ruhte. Es war behaglich warm in der Stube, aber dennoch umhüllte eine weiche Decke die abgemager- teu Glieder deS Kraul e:, der ihr lächelnd entgegensah. Es hatte !.Anschein, daß mit der Auflösung des Körpers sich der Geist von Tag zu Tag mehr kläre, abe^ wer den allen Herrn von Nordmann iah. mußte Lore in ihrer Auait Neckt
in Frankreich die klerikale Nationalversammlung, die das neue Italien gründlich haßte und kein Hehl daraus machte, daß sie, sobald Frankreich wieder zu Kräften gekommen wäre, Italien bekriegen, den Kirchenstaat wieder Herstellen und so die italienische Einheit zerschlagen werde. Als dann in Frankreich die verfassungsmäßige Republik begründet war, leiteten die republikanischen Staatsmänner eine kriegerische Kolonialpolitik ein, die zunächst Tunis, aus das die Italiener einen Anspruch zu haben glaubten, in die Gewalt Frankreichs brächte. Bisher standen die Sympathien der Italiener trotz alles Vorgefallenen immer noch auf Seite der Franzosen; ja Viktor Emanuel wollte ihnen sogar im Jahr 1870 zu Hilfe eilen, woran er nur durch die Raschheit der deutschen Siege verhindert wurde. Jetzt aber nach dem Schlage in Tunis in Verbindung mit der Besorgnis vor den Anschlägen der immer noch mächtigen klerikalen Partei vollzog sich ein völliger Umschwung in der Politik Italiens: es schloß sich im Jahre 1882 dem von Bismarck geschaffenen Bündnis zwischen Deutschland und Oesterreich - Ungarn an, das durch diesen Anschluß sich zum Dreibund erweiterte. Das Bündnis setzte sich einen rein defensiven Zweck; es garantierte den Vertragsmächten ihren Besitzstand und wollte für den Frieden wirken. Diesen Zweck hat es denn auch bisher vollständig erreicht. Als der Abschluß des Bündnisses bekannt wurde, gerieten die Franzosen in hellen Zorn gegen die Italiener und sie suchten dieselben in jeglicher Weise zu schädigen. Das gelang ihnen namentlich auf wirtschaftlichem Gebiete; es kam so, ar zur Kündigung des Handelsvertrags und zu einem förmlichen Zollkriege. Mit der Zeit wurde jedoch die Stimmung der Franzosen milder; sie nahmen wahr, daß sie mit dem Zollkriege sich selbst fast ebenso sehr schädigten wie die Italiener, und sie überzeugten sich, daß Italien im Dreibund wirklich nur den Schuh seines Besitzstandes und nicht etwa einen Angriff gegen Frankreich beabsichtige. Eine Reihe streitiger Angelegenheiten wurde jetzt durch freundschast- liche Verträge geregelt und auch ein Handelsabkommen getroffen, das beiden Teilen günstig ist; eine italienische Flotte besuchte Toulon, eine französische Genua, und zuletzt hat Viktor Emanuel III. sich entschlossen, seinen Antrittsbesuch wie in Petersburg, Berlin und London, so auch in Paris zu machen.
Für Frankreich und Italien bedeutet der Besuch Viktor Emanuels III. in Paris die offizielle Bestätigung der wieder vollzogenen Annäherung beider Länder, wie dies der König in seinem Trinkspruche auch eigens hervorgehoben hat. Er ist das Zeichen der erfolgten Versöhnung zweier benachbarter und verwandter Nationen, die verschiedenen politischen Gruppierungen angehören und deren Zwistigkeiten bisher, wenn auch nicht als eine unmittelbare
geben, daß er vielleicht die Wiederherstellung seiner Ehre nicht mehr erleben werde.
Wie geht es Dir, Vater?" fragte Lore und streichelte zärtlich über die eingefallenen Wangen.
„Gut, liebes Kind, sehr gut. Und es ist so hübsch da draußen, mit dem vielen Schnee. Jeden Tag füttere ich die Vögel, sie kommen dicht bis an mein Fenster und später sollen auch Rehe und Hirsche kommen, die will Siegfried füttern."
Lore blickte durch das Fenster, wie sie so neben dem Kranken stand, dessen Rede sich, wie schon so oft, in freundliches Gemurmel zu verlieren schien. Da drunten waren wohl jetzt schon alle versammelt, sie sah auch die hohe Gestalt des altenBarons darunter, und neben ihm der große Herr schien der Oberforstmeister zu sein. Es wurde Zeit, daß sie herunter ging. Da war auch Walter! Wie sah er finster aus und jetzt meinte sie zu bemerken, daß er drohend nach einer bestimmten Richtung schaute, in der ein ganzer Kreis lachend und gestikulierend beisammen stand.
Einer löste sich ans der Gruppe, Rittergutsbesitzer Schäfer trat auf das Feuer zu. Er schien Späße zu machen, denn viele blickten lachend nach ihm, der sich in Lores Augen zu einem drohenden Gespenst wandelte, so prallte sie vom Fenster zurück. nm aber dann dennoch mit haßstmkelnden Blicken den zu verfolgen, auf welchem ihres Gatten blitzendes Auge in düsterem Drohen ruhte.
„Wie kommt den Schäfer zu den Geladenen?" fragte sich die junge Frau. „Ach, wohl des vornehmen Schwiegersohnes wegen. Die Verlobung ist ja seit kurzem veröffentlicht."
In ihren Gedanken verloren, bemerkte es Lore nicht, daß der Irre sich mühsam hinter ihr erhob, denn das Leben und Treiben da drunten schallte fröhlich- zu seinem Ohr — seine Neugierde wurde wach. Freundlich lächelnd blickte sein fahles Antlitz auf das bunte Bild — immer näher zog es ihn zum Fenster — immer näher. Jetzt fiel fein
Drohung, so dock als ein störender Moment für das ruhige Nebeneinanderleben der europäischen Großmächte angesehen werden konnten.
Der Dreibund verwehrt keinem seiner Mitglieder, freundschaftliche Beziehungen zu anderen Mächten zu unterhalten. Deutschland und Oesterreich-Ungarn haben enge Beziehungen zu Rußland, und Italien ist in freundschaftliche Verbindung mit Frankreich getreten. Der europäische Friede kann dadurch nur gewinnen, und so wird der Besuch, den der König von Italien in Paris machte, allgemein als ein gutes Zeichen dauernder Friedensverhältnisse angesehen. In Deutschland, wie anderwärts in Europa, kann man sich darüber nur freuen.
Deutsches Reich
«erlitt, 17. Oktober.
— Die kaiserlichen Majestäten verbrachten den gestrigen Freitag im Neuen Palais. Vormittags unternahmen der Kaiser und die Kaiserin einen Spaziergang im Park von Sanssouci, begleitet von der kaiserlichen Familie.
— Am heutigen Sonnabend werden die Prinzen August Wilhelm und Oskar in der Potsdamer Friedens- kirche eingesegnet; ersterer wurde am 29. Januar 1887, letzterer am 27. Juli 1888 geboren.
Den ersten Unterricht empfingen beide Prinzen durch Hauslehrer und ihre militärischen Erzieher unter der Obhut ihrer Mutter, I. Maj. der Kaiserin und Königin. Die Sommerzeiten verlebten sie in Wilhelmshöhe, Kreuznach, (Sabinen u. a. O. Seit drei Jahren sind beide Prinzen in Dlön, wo sie auch den Konfirmationsunterricht, insonderheit durch den Oberhosprediger D. Dryander, empfingen.
— Zur Enthüllung der Denkmäler vor dem Brandenburger Tor in Berlin am Sonntag hat der Kaiser den Philosophen Eduard v. Zeller in Stuttgart, dessen Büste an dem Denkmal der Kaiserin Friedrich angebracht ist, eingeladen. Professor von Zeller kann aber seines hohen Alters wegen an der Feier nicht teilnehmen und läßt sich durch seinen Sohn vertreten. Die Kinder des verstorbenen Kaiserpaares werden vollzählig anwesend sein.
— Der Kronprinz und die Kronprinzessin von Griechenland, Prinz Friedrich Karl von Hessen und Gemahlin sind in Berlin cingetroffen, um an den Enthiillungsseierlichkeiten der Denkmäler Kaiser Friedrichs I>1. und der Kaiserin Friedrich teilzunehmen. Zu diesen Feierlichkeiten ist auch der Kronberger Arzt der Kaiserin Friedrich, Dr. Spielhagen, eingeladen worden.
— Wichtige Vereinbarungen zwischen den Einzelstaaten sollen nach einer Münchener Meldung des .Berl. Tag-bl.' der Zweck des gegenwärtigen Aufenthalts des' bayerischen Finanzministers v. Riedel in Berlin sein. Wenn auch offiziell die Handelsverträge als Erörterungsgegenstand bezeichnet würden, so stünde es doch fest, daß die Reichsfinanzresorm in erster Linie besprochen werden würde.
— Der Bundesrat hat in seiner letzte» Sitzung den Anträgen des vierten und sechsten Ausschußes über den Antrag Preußens aus späteres Inkrafttreten d-r Krankenversicherungsnovelle vom 25. Mai 1903 für die preußischen Knappschajtskassen sowie den Anträgen des siebenten und vierten Ausschußes über die Vortage, bett. Ausprägung von Kronen zugestimmt.
— Die geschiedene Frau Großherzogin von Hesien hat sich nach einer Meldung der Bukarester .Epoca', die dem .B. T.' übermittelt wird, verlobt. Die
Auge auf das knisternde lodernde Feuer, welches seine glühenden Lichter zu den hochragenden Kiefern emporwarf, daß deren Stämme sich in leuchtendem Rot malte.
Der Jägerbursche warf einen ganzen Arm voll Reisig auf, das gualmenden Rauch auswirbelte, ehe sich die Flammen von neuem den Weg bahnten, um mit gierigen Jungen überall emporzuschlagen.
Schäfer fuhr mit einem leichten Fluch zurück, als ihm so Plötzlich Rauch und Flammen auf den Leib rückten. Er hörte nicht, daß dort drinnen in dem Hause eine tobende Stimme laut wurde, ei» gellendes Geschrei, das näher zu kommen schien.
„Den Kopf, Lore, den Kopf! Ich sehe seinen Kopf!" rief Nordmann. „Das ist ja Inspektor Schäfer — Schäfer — natürlich Schäfer!"
Die Haustüre flog krachend auf, und wie ein grausiges Gespenst flog es heraus, während Lore schreckgebannt oben am Fenster stand, die Hände ringend in hilfloser Ohnmacht. Wer hätte dem hinfälligen Manne solche Kraft zugetraut!
„Der Kopf, der Kopf!" brüllte der Wahnsinnige, „nun habe ich ihn."
Er sprang an ihn, den Todfeind, der mit verzerrtem Gesicht, die Arme in wahiiwitzigemGranen vorgeworfen, ihm mitten im Wege stand. Jin nächsten Augenblicke lag Schäfer auf dem Rücken und Nordmann kniete auf ihm, seine Hände mit der Gewalt des Tobsüchtigen in den dicken wulstigen Hals schlagend, ihn zu erwürgen, dabei unaufhörlich kreischend: „Hast Du das Geld genommen, das Geld genommen? Hast Tu das Haus angezün- det? — Sagst Du jetzt, daß Du der Dieb bist, der Brandstifter, oder ich töte Dich — ich töte Dich."
Röchelnd lag das Opfer aus der Erde und vergeblich bemühten sich Wieblitz und Walter, die Hände des Verrückten zu lösen, da ries der Assessor mit hellklingender Stimme: „Gestehen Sie S$brp
Meldung lautet: Die seit Dezember 1901 geschieden? Großherzogin von Hessen, die Tochter des verstorbenen Herzogs Alfred von Sachsen Koburg • Gotha uu» Schwester der Kronprinzessin von Rumänien, hat sich mit dem russischen Großfürsten Cyrill, dem Sohne deS Großfürsten Wladimir, verlobt. Die Identität ist demnach über jeden Zweifel erhaben festgestellt, o6 das mitgeteilte Faktum stimmt, bleibt allerdings noch abzuwarten; mau darf aber wohl annehmen, daß die Bukarester .Epoca' in dieser Beziehung gut unterrichtet sein kann.
— Die Enthüllung des Denkmals für den am 20. Juni 1900 in Peking gefallenen kaiserlichen Gesandten Freiherrn Clemens von Ketteler, welches mit Genehm gung des Kaisers im Schloßgarten zu Münster .von Freunden und Verehrern aus allen deutschen Gauen' errichtet worden ist, soll am Sonntag nachmittags 1 Uhr statlstnden.
Ausland.
Oesterreich - Ungar«. Zum Veiständnis der geradezu unbegreiflichen Tatsache, daß die ungarische Mintsterkrise noch immer nicht gelöst werden konnte, wird der „Nat. Ztg." gemeldet, daß der Finanzminister Lueacs mit allen in Betracht kommenden Fraktionen in Berührung getreten ist und diese ihm ihre Forderungen kund gegeben haben, von bereit Erfüllung fie den Frieden im Parlament abhängig machen. Diese Bedingungen haben bisher nur teilweise die Genehmigung des Kaisers gefunden. Neuerdings ist die Ernennung Tiszas zum Ministerpräfidenten am wahrscheinlichsten geworden. Tisza will es mit einer friedlichen Politik versuchen und nur im Notfälle zu Gewaltmaßregeln greifen. Einige Tage lang werden die Verhandlungen über die Ministerkrise nun überhaupt ruhen; am Sonnabend urb Sonntag wird sich der Kaiser dem Könige der Belgier widmen. Bald nach dessen Abreise trifft übrigens der König Georg von Griechenland in Wien zum Besuche ein, so daß Kaiser Franz Joseph die große Mehrzahl der ihm befreundeten Monarchen in diesem Jahre bei sich gesehen hat. lieber die letzten Verhandlungen am Freitag berichtet ein Privattelegramm der „Frkf. Ztg."r Der Kaiser empfing heute Andraffy T'sza und Lukacs in längeren Audienzen und ließ sich hauptsächlich über die Beschlüsse des Neuner- Komitees der liberalen Partei in Betreff des Militärprogramms berichten. Die Entscheidung wurde auch heute nicht getroffen. Die ungarischen Staatsmänner begaben sich nachmittags nach Budapest, um dort mehrere vom Kaiser gewünschte Modifikationen des Militärprogrammes im Neunerkomitee durchzusetzen. Sie treffen am Montag wieder in Wien ein, da der Kaiser die Entscheidung bis nach der Abreise deS Königs der Belgier verschoben hat. Lukacs wird wieder einmal allgemein als künftiger Ministerpräsident bezeichnet.
Frattlreich. Am morgigen Sonntag verläßt das italienische Königspaar Paris wieder, in dem es eine so jubelnde Aufnahme gefunden.
Schuld, Schäfer, oder bei Gott, Mann, Ihre Augenblicke sind gezählt."
Mühsam nickend bewegte sich der Kopf Schäfers mehrere Male. Der Irre sah es mit wilder Freude, sein schwerer Griff lockerte sich, und als nun Lore neben ihn trat, zärtlich den Arm um ihn schlingend, stand er willig auf, fragend: „Hast Dir es gesehen. Lore, er hat es getan."
„Ja, Vater!" rief der Assessor von neuem mit lauter Stimme — das, was er sagte, war mehr an die Zeugen dieser grausigen Szene gerichtet als an den, der sie herbeigeiührt hatte —, „ich habe es schon lange gewußt und in diesen Tagen sollte Deine Sache der Staatsanwalrichaft von neuem übergeben werden, denn wir sammelten in der Stille untrügliche Beweise für die Schuld dieses Mannes, welcher nicht , nur Deinen Besitz einäscherte, sondern auch Dein Geld nahm."
„Mein Geld nahm, wiederholte Nordmaimj mechanisch, seine hohlen Augen ruhten schier an-' dächtig auf dem Sprecher, während er sich auf fein bebendes Kind stützte.
„In Deinem Rainen," fuhr der Assessor^ fort, „frage ich ihn noch einmal: Sind Sie Ihrer Lchnlb geständig?"
In atemloser Spannung umstanden in einem geschlossenen Kreise die Anwesenden den Unseligen Mann, der sich mühsam auf gerichtet hatte und tau-, meint) an einer Kiefer lehnte, aschfahl, mit halb-, gebrochenen Augen, indessen die Brust mühsam^ den Atem einholte. Es wagte keiner bie Stille M, unterbrechen, etwas von dem Geis! eines Gottes-': gerächtes schwebte über der Versammlung uno, selbst der junge Amtsrichter, der sich erst feit kurzem in der Gegend befand, getraute sich nicht zu
tun, was feines Amtes ivai.
(Schluß folgt).