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M dem KreisNatt für die Kreise Marburg und Kirchßaiu.
Sorrutagsbeilager Mustvirtes Sonntags-latt. Z
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Marburg
Freitag, 16. Ottober 1903.v
Erscheint wöchentlich sieben mal. HA
Druck und Verlag' Joh. Aug. Koch, Univerfitäts-Buchdmckerei "A- 38. Jahra, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
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Die Aufgabe der Sozialreform.
„Warum betreiben wir soziale Reform?" Diese Frage hat der Staatsminister Dr. Frhr. v. Berlepsch in den beiden letzten Nummern der „Soz. Praxis" erörtert. Er kommt dabei zu dem Ergebnis, daß sich die Lage der gewerblichen Arbeiter zwar fortschreitend bessert, ein erheblicher Teil der Arbeiter aber immer noch in Not und Elend lebt. Die Arbeiterschaft in ihrer Gesamtheit ist mit dieser Lage unzufrieden und strebt, sie zu verbessern durch Einflußnahme auf die Gestaltung der Arbeitsbedingungen und durch die Forderung staatlichen Eingreifens. Da ihnen in der bestehenden Staats- und Gesellschaftsordnung die beanspruchte Hilfe ihrer Meinung nach nicht nur nicht gewährt, sondern auch der von ihnen verlangten Gleichberechtigung iw. wirtschaftlichen Kampfe Hinderniffe bereitet werden, so stellt sich ein großer Teil der Lohnarbeiter dieser Ordnung und ihren Trägern feindlich gegenüber. Er sondert sich als Klaffe von allen anderen sozialen Gruppen im Staate ab und führt den Klassenkampf in der Ueber- zeugung, daß eine Besserung ihrer Lage nur durch die Arbeiterschaft selbst und nur durch sie allein herbeigeführt werden könne. Dadurch wird der'innere Friede in unserem Vaterlande auf das ernsteste erschüttert und gefährdet. Demgegenüber stellt Frhr. v. Berlepsch der sozialen Reform eine doppelte Aufgabe:
„Erstens auf eine Besserung der ungenügenden Lage der Lohnarbeiter in überlegter, aber konsequenter und energischer Weise hinzuarbeiten, das Elend aus den Kreisen der Arbeiterschaft 'zu verbannen, in fortschreitender Progression die Zahl derer zu vermehren, deren Leben nicht nur durch den Kampf um die Existenz ausgefüllt wird, und so
zweitens durch Beseitigung der Ursachen der Unzufriedenheit diese selbst zu -beseitigen, der Arbeiterschaft die Ueberzeugung zu geben, daß ffie in dem Ringen um eine beffere Existenz wicht allein steht wider alle anderen sozialen Klassen, kurz dem Vaterlande inneren Frieden wiederzubringen."
' Frhr. v. Berlepsch lehnt alle Mittel der Gewalt und des Zwanges gegenüber der Arbeiterbewegung, soweit sie nicht gegen das bestehende Strafgesetz verstößt, ab und will sie unter daS gemeine Recht gestellt wiffen, in der Ueberzeugung, die durch die Erfahrung, die wir in Deutschland selbst mit dem sogenannten Sozialistengesetz gemacht haben, gestützt wird, daß man mit Zwang und Gewalt wohl vorübergehende Erfolge erreichen, wohl äußere Symptome treffen, niemals aber Gesinnungen ändern kann. Frhr. v. Berlepsch gibt unter dem Hinweise auf eine Bemerkung am Schluffe von Prof. Sombarts Buche „Die deutsche Volks- wirtschast im 19. Jahrhundert" zu, „daß in
48 (Nachdruck verboten.)
Frau Lore.. 5
Roman von I. Jobst. .■y-'/4“’.5 (Fortsetzung.) ■ '
„Onkel Forstmeister, sieh doch bloß, was mir mein lieber Baron geschenkt hat." Und als Wieb- litz zu dem freudestrahlenden Knaben trat, beugte sich dieser zu ihm, um ihm zuzuflüstern: „Aber Du kannst mir glauben. Dein Rehbock ist auch wunderschön,"
„Platz da!" , rief der alte Herr jetzt mit Donnerstimme und zwischen den spalierbildenden Zuschauern ritt der Kleine stolz ins Freie. Man wußte kaum, welches Gesicht glücklicher aussah, dasjenige des Knaben oder das seines Barons.
Dieser Abend war der Glanzpunkt in Werners Leben und als am Abend die Mahnung an ihn erging, Marik zu folgen, die mit Klein-Ursel, der schon die Augen zusielen, nach Hause ging, da schwoll seine kleine Brust unter einem tiefen Seufzer, so schwer ward ihm der Abschied aus dem fröhlichen Kreise, der in des Barons Zimmer vereinigt war. Gehorsam, wenn auch zögernd, schritt er hinter dem Mädchen her, dem die Kleine so schwer, im Arme hing, daß sie sich gar nicht nach ihm umsah. Es war nicht weit bis zum Kavalier- Haus und als Marik sich an der Haustür nach Werner umdrehte, beunruhigte sie sich weiter nicht, als sie keine Spur von ibm entdecken konnte.
„Er wird wohl noch dageblieben sein," dachte sic und beeilte sich, die Kleine zu Bett zu bringen.
Nach dem Abendessen saßen die Frauen noch in gemütlichem Plaudern in dem Zimmer der Baronin und während das Gespräch der alten Damen sich in alten Erinnerungen erging, sprachen im Erker Lore und Britta von ganz anderen Dingen.
„Er will es mit mir wagen, wenn ich auch
unserer Zeit die materiellen Jntereffen Gedanken und Tun der Menschen in weit höherem Maße beherrschen als ideale Regungen, ja daß die Begeisterung für große Ideale bedauerlich dar- niederliegt"; er meint aber: „An dem Mangel solcher Ideale liegt das nicht."
„Wenn auch, wie Sombart sagt, die großen Ideale, die noch unsere Väter und Großväter begeisterten, verblaßt sind, teils weil sie verwirklicht, teils weil sie als belanglos erkannt worden sind, so wollen wir an ihre Stelle ein neues setzen, das an Bedeutung und an Begeisterungsfähigkeit hinter jenen nicht zurücksteht: Die Hebung der materiellen und ideellen Lage der Lohnarbeiter in ständigem Fortschreiten, die Sicherheit ihres Anteils an dem vermehrten Volkswohlstand, an den Segnungen der Kultur, uit Bildung, an Kunst und Wiffenschast, die Wiederkehr des inneren Friedens im Vaterlande. Geistiges wie wirtschaftliches Ringen wird, so lange Menschen leben, aus ihrer Gesellschaft nicht verschwinden, und es ist gut, daß es so ist, auf daß die Muskeln nicht erschlaffen; notwendig aber für die sittliche Entwickelung der Menschheit ist es, daß einerseits das Ringen ohne Haß des Bürgers wider den Bürger geführt wird und andererseits unter Achtung des Rechts, das jedem in gl' bem Maße zugemessen werden muß, sonst ist l. ein Recht ohne Gerechtigkeit."
Umschau.
Zu den Handelsverträgen.
In einigen Blättern werden Mitteilungen veröffentlicht, nach denen es als sicher anzusehen sein würde, daß mit einer ganzen Anzahl von Staaten, mit denen bisher Tarifverträge nicht abgeschloffen worden sind, solche in einer nahen Zukunft d. h. bei der bevorstehenden Neuordnung der Handelsbeziehungen Deutschlands zum Auslande zu Stande kommen würden. An unterrichteten Stellen weiß mau von dem sicheren Bevorstehen solcher handelspolitischen Aktionen nichrs. Es ist selbstverständlich, daß, je eingehender die Handelsbeziehungen zwischen zwei Staaten geregelt sind, umso gesicherter die Verkehrsentwickelung zwischen ihnen ist. Wenn aber irgendwo Wünsche nach dem Abschluß von Tarifverträgen vorherrschen, so ist damit noch nicht deren Durchführbarkeit verbürgt. Ueber- haupt werden gerade auf handelspolitischem Gebiete in neuester Zeit vielfach Meldungen verbreitet, die, obschon sie in ganz sicherer Form austreten, doch nur auf Kombination beruhen. Man sollte sich daran gewöhnen, daß mit stürmischer Eile gerade auf dem handelspolitischen Gebiete wenig auSgerichtet wird. Auch hier bedürfen die Früchte einer bestimmten Zeit, ehe sie reifen.
feine Lore bin", antwortete das errötende Mädchen auf eine neckische Frage der jungen Frau.
„So habe ich mich doch nicht getäuscht, als ich in Ihren Augen das selige Leuchten entdeckte. "Ach wie mich das froh macht."
Traulich redeten sie weiter, Britta, von ihrem neuen jungen Glück und Frau Lore von ihrem alten und das gab guten Klang. Im Zimmer des Barons ging es etwas stürmisch her. Forstmeister Wieblitz hatte seinen Plan ausgeführt und feinen lieben jungen Freund während einer kurzen Abwesenheit des Hausherrn, der herausgerufen wurde, so schonend wie möglich mit dem Gerede, welches in der Gegend umging, bekannt gemacht.
Zu seinem grenzenlosen Erstaunen blieb Walter ganz ruhig, ja er erwiderte sogar lächelnd: „Vor dem Baron hätten Sie dieses Thema auch an« schlagen dürfen. Mein Onkel kennt das Skelett unseres Hauses, ja, er weiß sogar, daß der alte Mann bei Siegfrieds in der Waldschenke wohnt."
„In der Waldschenke?" fragte Wieblitz ganz fassungslos.
„Ja, Herr Forstmeister: aber nun sollen Sie auch noch erfahren, was ich dem alten Herrn vorenthielt: nur Lore und ich wissen darum, sowie ein mir befreundeter Rechtsanwalt. Unser Glaube an die Schuld Nordmanns ist schwer erschüttert und nur die Gerichtsferien haben mich bis jetzt daran gehindert, der Spur unseres Argwohnes nachzugehen. Der junge Rechtsanwalt hat mir schon seine Bereitwilligkeit zugesagt und ich erwarte ihn in nächster Zeit zu einer Besprechung. Er will alle Papiere durchsuchen und auch den Irrsinnigen selbst sprechen und beobachten. Dies alles ist aber tiefes Geheimnis, da wir noch auf ganz unsicherem Boden stehen."
„Herr von Nordmann unschuldig?" fragte der Forstmeister. Mein Gott, Schulz, das ist ja mehr als Menschenverstand jassen kann."
- Einkommen st euer.
Die zuständigen behördlichen Stellen in Preußen beschäftigen sich gegenwärtig mit der Feststellung des Termins für die Personenstandsaufnahme zum Zwecke der Einkommensteuerveranlagung für das Jahr 1904. Nach der Ausführungs- anweisung zum Einkommensteuergesetz ist hierfür die Zeit vom 27. Oktober bis 18. November zu wählen, jedoch wird gewöhnlich ein bestimmter Tag durchweg festgesetzt. Bisher war es, abgesehen von den Jahren, in denen dieser Tag auf einen Sonntag fiel, der 12.-November. Ist nach den örtlichen Verhältnissen die Feststellung eines früheren Termins unvermeidlich, so muß derselbe doch dem 12. November so nahe als möglich gerückt, aber keinesfalls auf einen Tag vor dem 27. Oktober gelegt werden. Auch für das Jahr 1904 wird es nicht notwendig werden, eine Vermögensveranlagung neu vorzunehmen. Während die Einkommensteuerveranlagung sich alle Jahre wiederholt, hat das Ergänzungsgesetz in dieser Beziehung andere Vorschriften getroffen. Anfänglich wurde ja auch teils nach gesetzlicher, teils nach königlicher Anordnung die Vermögensveranlagung jährlich vorgenommen, jedoch nur in den ersten beiden Jahren nach dem Inkrafttreten des Er- gänzungssteueraesetzes, also in den Jahren 1895/96 und 1.896/97. Von da ab wurde eine zweijährige Veranlagungsperiode gewählt, die also die Jahre 1897/98 und 1898/99 umfaßte. Danach trat die gesetzliche Vorschrift über die dreijährige Veranlagung für die Zeit vom April 1902 bis Ende März 1905 erfolgt. Für das nächste Jahr wird es sich nur um eine Neuveranlagung der Einkommensteuer handeln. Damit wird aber die jetzige Vermögenssteuer-Veranlagungsperiode zum Ablauf kommen, sodaß bei der darauf folgenden Veranlagung auf das Jahr 1905 neben den Einkommensverhältnissen auch wieder die Vermögens-Verhältnisse zur Aufnahme gelangen werden.
Mittel st and sbewegung.
Die dem deutschen Mittelstände feit Jahren beständig ungünstige Reichswirtschaftspolitik im Verein mit den dadurch geförderten Erfolgen der Sozialdernokratte zeitigen endlich wenigstens das energische Hervortreten einer Mittelstatidsbeweg- ung in Stadt und Land. Man sieht endlich ein, daß in Anbetracht der immer wachsenden wirtschaftlichen Gefahr für Kleingewerbetreibende, Handwerker, Kleinkaufleute und Landwirte diese zu größerer Einflußgewinnung auf den Gang unserer öffentlichen Dinge einig zufainmenstehen und energisch die Interessen ihres Standes wahrnehmen müssen.
Von diesem Gesichtspunkte geleitet wurde in der Provinz Posen eine Versammlung von Vertretern des Mittelstandes abgehalten, die eine Resolution annahm, in welcher dem Verlangen Ausdruck gegeben wird, daß mehr, wie bisher, dieser Stand im Parlamente berücksichtigt werden muß, fei es durch Wahl von Abgeordneten aus feinen Reihen, fei es durch Abgabe bindender Erklärungen seitens des zur Wahl stehenden Abgeordneten, daß er in allen Fällen für die berechtigten Interessen des Mittelstandes eintreten und das
„Nicht wahr, vor solchem Schicksal kann einem grausen? Kein Wunder, daß der Aerrnste irrsinnig wurde", antwortete Walter.
„Was sagt denn Frau Lore dazu?" fragte nach einer langen Pause Wieblitz.
„Sie schwankt abwechselnd zwischen fröhlicher Hoffnung und tiefster Niedergeschlagenheit."
„Natürlich, das Worten würde mir auch verdammt sauer werden," bekräftigte Wieblitz. „Darum ist unsere kleine Frau oft so ernst und ungleich in ihrer Stimmung."
„ES ist zu begreifen und ich habe das innigste Mitleid mit ibr; steht sie doch mit ihrem Herzen der Sache noch ganz anders nahe als ich. Es ist ja ihr armer, alter Vater, den die Tat eines Schurken zu einem Lebendigbegrabenen machte. Und wer weiß, ob fein Lebensabend noch verklärt werden wird durch den Beweis feiner Unschuld: er nimmt auffallend ab in letzter Zeit. Seine Kräfte schwinden dahin, ohne eigentliche Krankheit."
„Und ich darf den Namen des Schurken nicht erfahren, der all dieses Leid über einen Unschuldigen brachte?" fragte Wieblitz gespannt.
„Nein, Herr Forstmeister, Lore und ich hoben uns zu strengstem Stillschweigen verpflichten müssen. Mein Rechtsanwalt verlangt es und er weiß am besten, was uns frommt."
„Jedenfalls haben Sie aber einen Feind in der Gegend, der genau mit der Familiengeschichte Fran Lores bekannt ist."
„Ich glaube ihn zu kennen," sagte Walter ernst, „doch da scheint der alte Herr zu kommen; kein Wort weiter, bitte, und schweigen Sie gegen jedermann."
„Mein Wort darauf. Und das andere," fuhr Wieblitz hastig fort, „soll mein alter Freund noch immer nicht erfahren wer Sie find?"
„Wenn ich dem armen, alten Manne vor der Welt wieder seinen ehrlichen Namen gegeben habe, so werde ich sprechen."
«So lange wollen Sie toarteni“-
Wohl desselben mit den ihm zu Gebote stehenden Kräften fördern werde.
Es heißt dann weiter: „Umsomehr glaubt die Versammlung zu dieser Kundgebung berechtigt zu sein, da nicht allein der Mittelstand eine wesentliche Grundfeste der heutigen staatlichen Ordnung bildet, sondern auch in der Erhaltung und dem Gedeihen desselben das alleinige Bollwerk gegen den Ansturm der Sozialdemokratie zu erblicken, wie auch nur durch ihn speziell hier im Osten die Erstarkung des Deutschtums zu erhoffen ist."
Die konservative Partei kann ohne Ueberheb- ung von sich behaupten, daß sie sich die Vertretung der Interessen und Bedürfnisse des Mittelstandes stets angelegen fein ließ, wofür die von ihr im Reichs- und Landtage eingebrachten und befürworteten Gesetzentwürfe den besten Beweis liefern. Wenn ihr manches nicht in dem von ihr gewünschten Umfange gelungen ist, so liegt die Schuld daran hauptsächlich bei den Linksliberalen, die teilweise die Interessen des internationalen Großkapitals fördern oder eine unfruchtbare Ideen- Politik treiben und am unrechten Ende verbessern wollen, anstatt nützliche und praktische Arbeit zu liefern, die eine Hebung des Mittelstandes und die Verbesserung seiner Loge bezweckt.
Die unbefriedigte Lage in Transvaal.
Aus Johannesburg wird der „Welt-Korr." geschrieben: „Heber die Zustände im Lande — man kann sagen, von ganz Südafrika — bat man durch die öffentlichen Vorträge der vielgeschrnähten Miß Hobhonse einiges erfahren. Diese Dame hat fett vier Monaten fast das ganze Land bereist, um sich ans eigener Wahrnehmung ein Bild machen zu können über die Not und das Elend, dos der Krieg für die ackerbautreibenden Buren im Gefolge gehabt hat. Auch in Johannesburg Hot das Fraulein gesprochen und in äußerst sachlicher und ruhiger Weise ihre Erfahrungen den zahlreich erschienenen Zuhörern, namentlich ans der Buren- bevölkerung, mitgeteilt. Wenn man erwägt, in welch harter Weise diese Dame dltrch die englische Regierung behandelt wird, dann muß man sich über ihr Auftreten wundern — in ihrer Haltung, ihrem Wesen und ihren Reden war nichts, was eine zurückweifende Behandlung seitens der Behörden rechtfertigen konnte, es sei &enn _ba§ Mitgefühl am Elend und Nächstenliebe Sünde, und daß die Wahrheit zu sagen und zu erforschen ein Verbrechen ist. Jedenfalls toar, ihr Auftreten in Johannesburg frei von aller Agitation. Die Rednerin ließ keinen Zweifel darüber, daß es eine falsche Politik der Behörden sei. die arbeitsfähigen Buren von den Farmen weg zu Wegebauten heranzulocken, daß man sie im Gegenteil beran» lassen müsse, auf den Farmen die Arbeit wieder aufzunehmen zur Förderung von Ackerbau und Viehzucht rind zur Gründung eigenen Heims. Die Richtigkeit solcher Ansicht ist so klar, daß man überrascht fein muß, daß die Behörden nicht danach handeln. Im Freistaat würden die Springböcke so zahm, daß sie die nenbestellten Aecker besuchten und die Ernte verzehrten in der Sicherheit vor dem Gewehre: die Buren ohne Waffen könnten sich auch nicht einmal diese Quelle reichlicher Nahrung zu nutze machen und müßten machtlos zu-
„Es ist Lores wegen. Schattenlos soll sie sich freuen können, wenn meine fröhliche Hoffnung zum Ereignisse wird. Glauben Sie mir, Herr Forstmeister, das Warten wird mir schon schwer und doch bangt mir vor der Erfüllung meiner Wünsche."
Der Eintritt deS Barons machte jedes weitere Wort unmöglich. „Kommen Sie mit, Herr Assessor, und Du auch, Forstmeister, die Damen wollen wir nicht weiter beunruhigen. Ich möchte Ihnen gern etwas zeigen."
Zur Verivunderiing der beiden schritt der Gutsherr quer über den Hof zu in Pferdestalle: dort stand Ehristign, sie erwartend. Der Baron legte den Finger auf den Mund rind ließ die Herren dem voranschreitenden Kutscher folgen. Die Tür. der Box, in welcher sich das Pony befand, war « mir angelehnt: Christian öffnete sie weit und beim Scheine einer herabhängenden Laterne sahen sie ein liebliches Bild. Da ruhte das niedliche Geschöpf auf seinem reinlichen Lager und dicht daneben lag Werner fest schlafend, das Aermchen um den Hals des zutraulichen Tieres geschlungen.
„Das mußten Sie doch sehen. Sie glücklicher Vater," sagte endlich der alte Herr voll Rührung-, zu Walter. „Aber idi scheine doch feinen Geichmach noch am besten getroffen zu haben."
„Ich kann es Ihnen gar nicht danken, Herr Baron, was sie an meinem Kinde tun.“ . „Ist alles Egoismus, ganz schnöder Egois- nut?." lachte der alte Herr.
Walter trat zu dem süß schlafenden Knaben und nahm ihn auf feinen Arm. Schlaftrunken öffnete das Kind die Angen, fah das Pony und feinen Baron blinzelnd an und murmelte dann mit seligem Lächeln: „Ich habe ihm bloß gute- Nacht sagen wollen Herr Baron.“
■ (Fortsetzung folgt.)