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mit der wachsenden Bevölkerung der ErPortstaatm schon von selber eine Abnahme erfahren werde. Wie wenig derartige Beschwichtigungsversuche be
M dem KreMlatt für die Kreise Marburg und Krrchhaiu.
Sonntagsbeilage: Jllnstrirtes Sonntagsblatt.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und »erlag- Joh. Äug. Koch. Universttäts-Buchdruckerei 38. Zahl'st.
Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
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J1S. *Vv Jnsertlonsgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg. 15. Oktober 1903.
Ncrlmucn: die .geile 25 Pfg. ‘___________________________
Zweites Blatt.
Das wahre Gesicht.
Das widerliche Gezänk des sozialdemokratischen Parteitages ist verhallt. Mit einer Offenheit, die nichts zu wünfchen übrig läßt, sind die auf ganz, liche Zerstörung des Bestehenden gerichteten Ziele der Sozialdemokratie von neuem der Welt ver- kündet worden. Bon dem aber, was späterhin kommen, was an die Stelle des Bestehenden treten soll, haben ivir auch auf dem diesjährigen sozial- demokratischen Parteitage nichts vernommen. Unseren Fragen hiernach aber kommt ein Buch entgegen, das vor einiger Zeit erschienen ist und damals von der gesamten sozialdemokratischen Presse mit großem Beifall und freudiger Zustimmung oufgenommen wurde. Es ist das Buch „Neue Staatslehre" des österreichisck^n Staatsrechts- lebrers und Professors Dr. Anton Menger, der sich als überzeugten Sozialdemokraten bekennt, und mit juristischer Schärfe und allem Ernste da-, ran geht, auf der Grundlage des anerkannten sozialdemokratischen Parteiprogramms ein Bild des sozialistischen Zukunftsstaates zu entwerfen. Einige Züge des Bildes nun, das so zustande kommt, mögen hier mitgeteilt werden.
Jede produktive Tätigkeit ist nach Menger im sozialistischen Zuknnftsstaate allein für Rechnung der öffentlichen Gewalt zulässig: ait sänitlichen Produktionsmitteln gibt es kein privates Eigentum, ja nicht einmal ein Benutzungsrecht, da jede Benutzung ja nur für Staatsrechnung erfolgen darf. Danach darf sich, wie Menger ausdrücklich betont, beispielsweise kein Staatsbürger auch nur den geringsten Bedarf an Obst und Gemüse in den, Garten des- ihm überwiesenen Wohnhauses selbst ziehen. Ja mich das Benutzungsrecht eines Hammers, uin etwa einen Nagel einzuschlagen, oder einer Nadel, uni einen Knopf anzuuähen, ist ausgeschlossen. In allen diesen Fällen handelt es sich um Produktionsmittel und produktive Arbeit, und da kommt allein die Staatstätigkeit in Betracht. Menger findet als konsequenter Sozialist an solchen Zuständen nichts Bedenkliches. Wie lange aber Ivürde wobl die Masse der Menschen ein solches Maß von Unfreiheit ertragen? Doch tveitcr. An den benutzbaren Sachen, die nicht Produktionsmittel sind und die durch den Gebrauch nicht Verzehrt Werden, will Menger lediglich ein Benutzungsrecht zustehen, das Eigentumsrecht an ihnen aber ausschließlich dem Staate oder der Gesellschaft Vorbehalten. Als Beispiel nennt er Möbel, Spiegel, Schmncksachen, Taschenuhren. Die ganze Stuben- und Küchen-Einrichtung jeder einzelnen Familie wird demnach in der sozialistischen Gesellschaftsordnung vom Staate geborgt sein. Die notwendige Konsequenz hieraus ist natürlich, daß die staatlichen Kontrollbeamten alle Augenblicke ihre Spürnase in Stube und Küche stecken würde», um zu sehen, wie mit dem Eigentuni des- Staates umgegangen wird. Nette Aussichten fürwahr, aber man muß zugestehen, das; sie folgerichtig ans dem sozialdemokratischen Programm entwickelt sind. In einem Punkte aber schreckt selbst die starre Logik Mengers vor den Konsequenzen der
tNachdrnck verboten.)
O du Kindermund ....
Skizze von B. Rittweger.
Frau Rose Bolkmann beschaut sich wohlgefällig im Spiegel. Dann zupft sie noch ein widerspenstiges Löckchen unter dem kühnen lllumenge- schmückten Hut zurecht, befeuchtet ihr Taschentuch mit einem Tropfen Heliotrop und verläßt das Zimmer, welches sie während ihrer diesjährigen Sommerfrische bewohnt.
„Mama, Mama, da bist Du endlich — cs hat so lange gedauert. Aber ich hab' mich gar nicht schmutzig gemacht, kein bischen! Das ist doch brav, nicht wahr? Nun bist Du mir auch sehr gut, Muttichen, und gehst mit mir auf den Mühlberg — ja? Rudel und Fritz sind schon dort, und eine große Schaukel ist da, und wir wollen so schön zusammen, spielen!"
Mit heißer Bitte schaut der prächtige, vierjährige Lockcnkopf seiner Mutter ins Antlitz.
Frau Rose errötet leicht und spricht: „Nein, Nolfchen. das geht beute nicht. Ein audernial vielleicht. Heute hab' ich schon versprochen, in den Wald zu gehen —"
„Ach Mama, ich weiß schon. Jeden Tag hast Du was versprochen, und ich mag ihn doch gar nicht, den Mann, der immer mitgeht. Ich kann ihn nicht leiden, kein bischen!"
„Wie häßlich das klingt, Rolf! Herr von Sal- dern ist immer so lieb zu Dir und schenkt Dir so hübsche Sachen. Ich verlange, daß mein Kind sich artig und freundlich gegen die Leute, mit denen Manm verkehrt, beträgt. Merk Dir das, Rolf. Tu wirst Herrn von Saldern, wenn wir ihm nachher begegnen, die Hand geben und ihm hübsch antworten, wenn er Dich ctipaS fragt. Verstehst Du mich?" Der kleine Mann brummt etwas
Umsturzlehren zurück; er will nichts von der Aufhebung der Ehe und Einführung der freien Liebe wissen. Er verurteilt die Auffassung Bebels, der in diesem Punkte der konsequentere Sozialist ist, und erblickt darin das Streben, „lockere Sitten als allgemein giltige Einrichtungen auf, das ganze Volk ausdehnen zu wollen." Es ist interessant, in welcher Weise hier der eigene Parteigenosse Bebels dessen Anschauungen über die Ehe beurteilt. So ost ein bürgerlicher Kritiker sich das gleiche Urteil erlaubt, wird er als Verleumder niederge- donnert. Die Ansicht Mengers verdient deshalb festgehalten zu werden.
So also sieht im Lichte der Anschauungsweise eines ohne Frage gelehrten und scharfsinnigen Sozialisten der sozialdemokratische Zukunftsstaat aus. Bismarck hat einmal gesagt, daß, wenn die Sozialdemokratie ihr wahres Gesicht enthüllen wollte, inan sich schauernd abwenden würde. Die Mengersche „Neue Staatslehre" ist ein Beleg für die Wahrheit dieses Ausspruches. Wohin also der Weg gehen soll, das ist auf dem Dresdener Parteitag mit rücksichtsloser Offenheit ausgesprochen worden und welche „Annehmlichkeiten" uns der Zukunftsstaat bieten würde, ersehen wir ans Mengers „Neuer Staatslehre".
Umschau.
P o l e n p o l i t i k.
Es darf als sicher angesehen werden, daß die Regierung in der nun schon seit Jahren innegehalteneu Richtung bei der Polenpolitik weiter beharren wird. Die Erfahrungen, die eine kurze Zeit hindurch mit der» Abweichen von diesen Bahnen gemacht wurden, reden doch eine so eindringliche Sprache, daß man nicht daran zu zwer- feln braucht, ob die Regierung auch für die Zukunft den gleichen Kurs steuern wird. Der jetzige Reichskanzler hat eine ganze Zahl von Maßnahmen ergriffen, um dem Vordringen des pol- uischen Elementes in den Ostmarken zu steuern, und cs kann als ziemlich sicher gelten, daß auch der nächste Preußische Etat Forderungen aufwersen wird, die sich in gleicher Richtung bewegen. Der Minister des Innern bat auch in der kürzlich anläßlich der Enthüllung des Bismarckdenkmals zu Posen gehaltenen Rede bezeugt, daß es ein Schwanken ans diese»! Gebiet nicht mehr gibt. Die Ostmarken gehören zu Deutschland und Preußen und werden ihnen auch erhalten bleiben. Es ist erfreulich, zu konstatieren, daß hier ein Boden ist, auf dein die Regierung und Bevölkerung sich, wenigstens soweit der deutsche Teil in Betracht kommt, zusanimenfinden. Die Bewegung, die in den Deutschen der Ostmarken schon vor Jahrzehnten einsetzte, um dem polnischen lleberniute einen Damin entgegenzusetzen, bat sich in den letzten Jahren immer mehr vertieft, es sind für die germanisatorische Agitation die verschiedensten Stützpunkte geschaffen, es wird vielfach freudig an der Zurückdrängung des polnischen Einflusses gearbeitet. Jedoch inan kann auch nicht verkennen, daß in den Ostmarken das alte deutsche Erbübel der Zei-splitterung der Kräfte noch immer ob- ivaltet. Man läßt sich zu leicht, durch Ausstreuungen mißgünstiger oder gar feindlicher Kreise und durch kleine Reibereien, die sich bet gutem
Unverständliches in sich hinein und läuft mit verdrießlichem Gesicht neben der schönen Mutter her.
Frau Rose, der mancher bewundernde Blick folgt, denkt nicht mehr an ihres Kindes Bitte, sondern ist bereits wieder ganz in ihre Gedanken versunken. Und diese Gedanken weilen bei ihm, mit dem sie in tvenigcn Minuten zusammentreffen wird. Sonderbar nur, daß sich in die Freude darüber immer eine leise Angst mischt, ein seltsam unbehagliches Gefühl. Sie empfindet dunkel, daß ihr Verkehr mit dein Baron eigentlich die Grenzen überschreitet, die der verheirateten Frau gesteckt sind, daß eine Vertraulichkeit zwischen ihm und ihr Platz gegriffen bat, die ihrem Gatten unmöglich angenehm sein könnte. Doch sie sucht sich mit allerlei Gründen zu beruhigen. Warum hat er, ihr Gatte, sie allein reisen lassen? Warum hat er sich nicht losgemacht von seinen gelehrten Arbeiten? Die gehen ihm eben über Weib und Kind, diesen Arbeiten inuß sie alles opfern. Sie ist wirklich in hohem Grade beklagenswert! Gewiß ihr Gatte ist ein Ehrenmann, und er liebt sie auf seine Weise, das will sie gar nicht leugnen. Und sie — ja, sie schätzt ihn, und sie hat ihn auch lieb, selbstverständlich! Hat sie ihm doch aus freier Neigung vor sechs Jahren ihre Hand gereicht. Allerdings in der Hoffnung, daß der Professor sie, das gefeierte, schöne, vielumworbene Mädchen auf den Händen tragen, daß er vor ihr auf den Kniecn liegen und täglich sein Glück aufs neue preisen würde. Aber nein, er lebt vor allem seinem Beruf, seiner Wissenschaft, und wenn er seine Frau auch nicht vernachlässigt, ihr immer zeigt, wie innig er ihr zugetan ist, so nimmt er eben doch nicht genügend Rücksicht auf ihre berechtigten Wünsche, die in ausgebreiteter Geselligkeit, in Zerstreuungen und Reisen gipfeln. Er hat keine Zeit dazu, so versichert er. Ach die ewige Gelehrsamkeit! Sie muß ja freilich stolz darauf sein, daß die wissenschaftliche Welt den Namen
Willen schon beseitigen lassen, in der Verfolgung des einmal gesteckten Zieles aufhalten. Der Minister des Innern, Frhr. v. Hammerstein, war deshalb völlig berechtigt zu dem in Posen betonten Hinweise, daß kleine, zu Zwistigkeiten und Miß- belligkeiten führende strittige Gesichtspunkte bei Seite gestellt, daß dagegen der große nationale Gedanke, von dem die gegen den Allpolonismus gerichtete Bewegung ausgeht, stets als der einzige leuchtende Leitstern angesehen werden sollte. Auf so gefährdeten Punkten, wie es unsere Grenzgebiete im Osten und im Westen sind, dürfen Heiii- liche Streitigkeiten innerhalb der deutschen Bevölkerung gar nicht aufkommen. Hier gilt es stets auf der Wacht gegenüber dem Feinde zu stehen, ihm zu wehren und seine Anschläge zu Schanden zu machen. Wenn die deutsche Bevölkerung der Ostmarken sich immermehr von solchen Gedanken durchdringen läßt und weiter, wie bisher, zusanr- men mit der Regierung an der Bekämpfung des Polonismus arbeitet, dann ist Aussicht, daß das Terrain, das dieser gewonnen hat, znrückerobert wird und daß das Deutschtum, wie es doch im kulturellen Interesse überall nur gewünscht werden muß, eine Ausbreitung in den Ostmarken findet.
Keine Aenderung im Eichwesen.
Vor kurzem ging durch einen Teil der Presse eine Mitteilung, wonach mit einer Aenderung des Eichwesens eine drückende Neubesteuerung in Aussicht stehen sollte. Da die Mitteilung geeignet ist, Beunruhigung zu erzeugen, so soll festgestellt werden, daß nichts weiter beabsichtigt ist, als die periodische Nacheichung einzusühren. Bisher ist die einmalige Eichung für Gewichte und Maße vorgeschrieben. Stellen sich späterhin unzulässige Fehler heraus und werden sie bei einer von der Polizei vorgenommenen Kontrolle entdeckt, so hat der betreffende Gewerbetreibende eine Strafe zu erlegen. Dies wurde in der Geschäftswelt als Uebelstand empfunden, was es auch tatsächlich ist. Auf Anfragen des Handelsministers haben sich die Handelskammern für eine Aenderung und zwar in der Richtung der Einführung der in anderen Bundesstaaten bereits bestehenden periodischen Nacheichnng ausgesprochen. Maße und Gewichte sollen danach in bestimmten Zwischenräumen eine Nacheichung unterworfen und für diese Nach- eichungen sollen ganz geringfügige Gebühren erhoben werden. Hier von einer drohenden drückenden Besteuerung zu sprechen, wie es von linksstehenden Blättern geschehen ist, ist geradezu ein Unfug.
Vermehrung der amerikanischen Weizen Produktion.
Jedesmal wenn die deutschen Landwirte einen besseren Schutz vor der ausländischen Konkurrenz auf unserem Getreidemarkt fordern, welche sie um jeden Lohn für ihre schwere Arbeit zu bringen droht, treten gewisse Beschwichtigungsräte in Aktion, die ihnen vorreden möchten, daß die Getreideproduktion des Auslandes ihren Höhepunkt bereits erreicht habe und daß der Import zu uns
ihres Gatten mit Achtung nennt, daß man ihm eine große Zukunft prophczeiht, doch sie kann deshalb nicht auf alles verzichtest. Bisher hat er sie wenigstens jährlich einmal in die Sominerfrische begleitet, und da hat man sich immer wieder zu- sainmengefunden und sich gemeinsam so recht des Kindes erfreut. Wirklich, diese sechs Wochen waren stets voll Befriedigung für alle Teile gewesen. Er könne seine Arbeit nicht unterbrechen, er müsse die Bibliothek zur Hand haben. Als selbstverständlich hatte er angenommen, sie würde auf ihren Sommeraufenthalt verzichten, aber dazu konnte sie sich nicht entschließen, und so ließ er sie ziehen. Seltsam, sie hat gemeint, er würde sie gar nicht entbehren, und nun spricht aus seinen Briefen doch eine rechte Sehnsucht nach Weib und Kind.
Seit drei Wochen schon weilt sie nun hier, und ebensolange verkehrt sie täglich mit ihrem Tischnachbar, dem Baron von Saldern, der vom ersten Tag an ein lebhaftes Interesse für die schöne junge Frau gezeigt hat. Es ist ja kein Unrecht dabei, ein ganz harmloser, unschuldiger, freundschaftlicher Verkehr. Nur, daß sie die Stunden zählt, die vergeben müssen, bis sie Saldern wiedersieht, daß sie sich sehnt, seine etwas müde blasierte Stimme zu hören, daß sie glücklich ist, wenn er neben ihr schreite mit seinem nachlässiaen, weltmännischen Gang! Doch sie macht sich das alles nicht recht klar, auch nicht, daß die täglichen kostbaren Blu- menspenden, die er ihr schickt, Liebeserklärungen verzweifeft ähnlich sehen. Sie hat ja stets ihren Knaben bei sich, und sie schreibt pünktlich zweimal wöchentlich einen Brief oder wenigstens eine Ansichtskarte an ihren Mann. Und — nun — sie ist jung und schön, und niejnonb darf ihr einen Vorwurf machen, daß sie die Huldigungen angenehm empfindet, die ihr von dem liebenswürdigen Kavalier dargebracht werden.
Mutter und Kind haben den Wald erreicht.
gründet sind, dafür mögen u. a. zwei Mitteilungen aus Amerika zeugen.
In dem nordamerikanischen Staate Idaho geht nach dem „Hamb. Korrespondent" ein Meisterwerk der Jngenieurkunst seiner Vollendung entgegen. Durch eine starke 900 Fuß lange, 64 Fuß hohe Mauer sollen die Gewässer des Snakcflusses an« gespannt und durch Vermittlung eines 1000 Meilen (englisch) langen Hanptkanals und 1000 Meilen langer Seitenkanälc zur Berieselung von 700 Quadratmeilen bisherigen Wüstenlandcs benutzt werden. Man gibt sich der Erwartung hin, daß diese durch Berieselung dcmGetrcidcbau erschlossene gewaltige Ackerfläche sich als der dankbarste Boden im ganzen Staate erweisen werde. Wenn dies zutrifft, woran kaum zu zweifeln sein dürfte, sollen an mehreren anderen Orten in den Weststaaten der Union gleiche Berieselungs-Unternehmungen ins Leben gerufen und dansit ein großartiger Auf- schwung der dortigen Getreide.üroduktion in die Wege geleitet werden. An Geld fehlt cs bekanntlich in den Vcreinigtcn Staaten auch für die.kostspieligster, Anlagen nicht, wenn dieselben einen sicheren Erfolg versprechen.
Gleichzeitig bringt die „Köln. N.^Ztg." aus einer Volks- und weltwirtschaftlichen Studie .von Dr. Mar Becker über den argentinischen Weizen aus dem Weltmarkt einen interessanten Auszug dem wir nur kurz die wichtigsten Zahlcnangaben entnehmen wollen. Allein in den Provinzen Buenos Aires, Santa Fe, Cordoba. Eistre Rios und Pampa Zentra! in Argentinien mit einer Ackerfläche von 83% Millionen Hektar könnten nahezu 20 Millionen Hektar jährlich mit Weizen angebaut werden. Dsvon sind aber bisher nur 3% Millionen in Kultur genommen, von denen eine Ernte von 3,1 Millionen Tonnen erwartet wird. Bei dem geringen Eigenbedarf des Landes können davon 2 Millionen Tonnen rrpmsticrt werden. Wenn aber die argentinisch.' Regierung guten Erfolg mit ihrer eifrigen Bestrebung zur Förderung der Einwanderung und Ausdehnung der Anbauflächen hat, so dürste die Weizenernte des Landes allein in dieser für den Anbau besonders günstig gelegenen Provinz auf das fifodie steigen. Von den, dann auf 18 bi? 20 Millionen Tonnen bezifferten Ertrage würden sic den eigenen Bedarf des Landes aber statt wie setzt ca. 1. Million mitt höchstens 2—3 Millionen Tonnen benötigt werden sodaß wir in nicht zu ferner Zeit statt mit einem argentinischen Angebot von 2, mit einem solchen von 16—17 Millionen Tonnen auf dem Weltmarkt zu rechnen haben dürften. Dabei ist noch aar nickst einmal berücksichtigt, daß andi die Erträge pro Hektar, die heute nur ca. 860 Kilogramm (also 4 Zentner pro Morgen) betragen sollen, durch geringe Verbesserung der Wirtschaftsweise und Be- ackerung sicher ganz wesentlich gehoben werden können.
Das sind gute Aussichten für unsere Groß- kapitalistcn, welche ihr Geld an der kulturellen Erschließung Argentiniens arbeiten lassen, schöne Aussichten für die am gesteigerten Wcstftachtver- kehr interessierten Großreedcr, sehr trübe aber für schlecht geschützte deutsche Ackerbauer.
und eine schlanke Männergestalt eilt ihnen entgegen.
„Gnädige Frau — endlich! Ich fürchtete schon, Sie würden gar nickst kommen. Na, Rolf, krieg ich keine Patschhand?"
Zögernd streckt der Kleine dem Baron die Hand hin.
„So, das ist brav. Wir werden sicher noch recht gute Freunde. Hier habe ich Dir auch etwas mitgebracht. Sieh den Ball. Gefällt er Dir?"
Rolf nickte und nimmt halb widerwillig, halb beimmdernd bei, schönen bunten Ball in die Hand.
„Bedank Dick auch schön", mahnt die Mutter, und der Kleine spricht gehorsam: „Ich danke auch sehr." Dann erst verschwindet der mißvergnügte Zug ganz aus seinem Antlitz und voll kindlicher Lust läßt er den Ball springen, ihm vergnügt nachjagend. Ganz davon hingenommen,, achtet.das Kind nicht mehr auf die beiden, die in eifriger Unterhaltung den Waldpfad verfolgen. Immer höher röten sich bei diesen. Wandern die Wangen der schönen Frau, unb sie lauscht voll Entzücken ben Schmeicheleien des eleganten Mannes, alles darüber vergessend, nur wünschend, daS Sehen möge ewig so wcitergchcn. Sie vermag nicht übet die paar Wochen, die ihr noch hier vergönnt sind, hinauszudenken. Es ist so wonnig, immer wieder zu hören, wie schön man, ist, wie geschaffen, mit seiner GegeMvart zu beglücken. Und cs kann kem Unrecht sein, sicher nicht! Dann sitzen sie zusam-j men auf einer Bank, ganz eng bei einander. Es ist schwül im Buchenwald. Nur vereinzelte -.ogest stimmen sind hörbar, und ganz vor, wertem schallt die Axt eines Holzfällers. Sonst tiefe Stille. Ohne Verabredung wählen die beiden stets möglichst einsame Wege. Rolf spielt vergirügt auf bentj moosigen Waldbäder,. Der helle Anzug des Knaben leuchtet bald da, bald dort zwischen dm Dä«« men auf. ,