mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg uud Kirchhaür.
Svitutagsdeilager JllusLrirtes SonutagsSlatt.
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Erscheint wöchentlich sieben.not
Druck und Verlag' Joh. Aug. Koch, Univcrsitäts-Buchdruckerch 38. Jahrg.
Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Vierteljährlicher Bezugspreis: btt vcr Expedition 2
bet allen Postämtern 2,25 Mk. <c$cL Bestellgeld). wlWVVlHJj
3«t..i..«ä8<5a6n|bK*iw^ Donnerstag, 15. Oktober 1903.
Erstes Blatt.
Frankreich und Marokko.
Obwohl die Meldung, das; ein Einvernehmen zwischen Frankreich und Großbritannien dahin zustande gekommen sei, das; Frankreich das Protektorat über Marokko eingeränmt werde, sich als verfrüht hcrausgcstellte und von Paris aus dementiert wurde, darf man doch nicht mehr in Zweifel sein, das; die Dinge in Nordwestafrika früher oder später init diesem Endergebnis schließen werden. Daß Frankreich seit langen Jahren mit begierigen Augen aus den Erwerb einer so reichen Kolonie ausgeschaut hat, wie sie ihm in den marokkanischen Landen zufallen könnte, war den politischen Kreisen kein Geheimnis .mehr. Man war sich hier längst darüber klar, daß die gegenwärtigen marokkanischen Wirren in einem sehr engen Zusammenhänge mit derartigen französischen Wünschen stehen. Man täuschte sich ebensowenig darüber, daß die wiederholten französischen Klagen iiber Grenzverletzungen und Raubzüge marokkanischer Küstenstämme längs der algerischen Grenze nur das Vorspiel für ein gelegentliches Eingreifen der französischen Republik in die marokkauischeu Angelegenheiten sein sollten. Die Machtverhältnisse und der politische Einfluß in Nordafrika haben sich in den letzten fünf Jahren schnell verändert. Bis zu dem spanisch-amerika- Nischen Kriege galt Spanien als der natürliche Erbe Marokkos, falls einmal die Voraussetzungen seines freien Daseins wegfielen. Auch heute noch wurde sich der spanische Stolz empört aufbäumen, wenn dem spanischen Volk die Gelegenheit ohne vollwertige Kompensationen benommen würde, sich in Nordafrika schadlos zu halten für den Verlust seines herrlichen Kolonialbesitzes in Amerika und Asien.
Die kleinen befestigten Küsteuftädtchen, die so geuannteuPrefidios, welche Spanien nod, jetzt au och Nordküste von Marokko innehat, galten daher sozusagen als Vorposten und Stützpunkte, welche den Zutritt fremder Nationen bewachen sollten Mit dieser Hoffnung ist es für Spanien jetzt auch vorbei und es ist damit endgütig zu einer kleinen Kontinentalmacht gewordem in deren staatsrech« hdjen Lexikon die Wörter Weltpolitik und Kolo mali-eich nicht mehr stehen. Anderseits hat man m England bisher einen maßgebenden Einfluß in Marokko stets für eine unerläßliche Vorbedingung "er englischen Herrschaft über Gibraltar und das Mittelmeer gehalten. Man durste erwarten, daß die englische Nation selbst eine kriegerische Aus' einandersetzung mit anderen Mächten nicht scheue wurde sobald der Erwerb Marokkos durch einen ihrer Mitbewerber im mittelländischen Meere in Frage kommen könnte.
Offenkundig sind diese Machtverschiebungeii ge worden seit dem Besuch des Königs Eduard in Paiw. Schon damals wurde versichert, das; dir so überraschend gekommene entcute cordiab zwischen England und Frankreich eine Verständig »ng beider Länder über Marokko zur Grundlage
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(Nachdruck verboten.!
Frau Lore.
Roman von I. Jobst, l^artfedung.!
"^rhr schon, lieber Fritz, wirklich sehr schön. Tavou hat Werner noch was im späten Alter."
,,Das dachte ich mir auch, Herr Baron. Und weil es doch das allerschönste ist, was ich damaltz bekam, der Herr Oberförster schenkte sie mir zu meinem Ehrentage, als ich vierzig Jahre m der ^berforsterei Kutscher war und ich doch nicht Frau und Kind hab und ich ihn doch so lieb hab' unseren Bum da da wollte ich ihm doch eine große Freude niachen. und es ist mir auch lieb, wenn ich dieses schöne Stück" — Fritz wickelte die Pfeise wieder vorsichtig ein — „in guten Händen weiß. Und der Kleine hat schon so was Sorgliches an sich, nicht wahr?"
„Das hat er, bestätigie der Baron ernsthast, .,und.Jhr Gescheiik wird ihm große Freude machen auch dann noch, wenn unsere Personen schon alle langst das Zeitliche gesegnet haben. Wenn Du erlaubst, Forstmeister, steig ich ein, ich möchte doch gern dabei sein, wenn unser Junge die Pfeife er
.'. Der Wagen rollte weiter, und nur die ^amille Wuuzlitz horte noch die Worte: „Ha. ha.
,,U,B ich sehen, wie er sich aus der Afiare zieht."
Als sie bei deiii Kavalierhause vorbeifuhren sprang Werner jubelnd zum Empfange herber „>lch, Onkel Wieblitz, das ist aber schön, daß Ihr zu meinem Geburtstage kommt. Wir find alle im Schlosse heute, der Baron hat uns eingeladen. Du erlaubst es mir doch, das; ich fie mitbringe Baron <“ wandte er sich au diesen, um dann aber mit sorgenvollem Gesichtchen hinzuzusetzen: „Oder wird cs Dir zu viel, wo wir schon so viele Menschen sind?"
„Nein, mein Junge, Platz ist da, aus einige mehr kommt es nicht an. lade iic nur ruhig ein."
habe. Diese Annahme hat sich als richtig erwiesen und durch die schwebenden Verhandlungen der letzten Monate und Wochen ihre volle Bestätigung erfahren. Von der Seine aus ist inan immer kühner auf eine Einmifckung in die marokkanischen Wirren ausgegangen, ohne daß von England her auch nur der leiseste Widerspruch erfolgte. Das radikale Ministerium Combes betreibt eine Grenzerweiterungspolitik, wie fie das kaiserliche Frankreich unter Napoleon III. kaum tatkräftiger in Szene zu fetzen vermochte. Man scheint in Nordafrika die Hebel anlegen zu wollen, um dem französischen Heere die Gelegenheit zur Erzielung neuer Lorbeeren zu geben und es für andere Möglichkeiten vorzubereiten. Die Reise des Ministerpräsidenten nach Spanien beweist ebenfalls, daß man nur von dieser Seite her noch etwaige Schwierigkeiten erwartet, deren Beseitigung jedoch keine große Aufgabe fein wird. Wahrscheinlich ist sogar, daß das Ableugnen französischer Annexions- gelüste nur darauf zurückzuführen ist. daß mit Spanien noch keine Einigung erzielt ist und daß man dessen Empfindlichkeit noch schonen will, fo- lange es zweckmäßig erscheint. Wenn auch diese Frage gelöst ist, wird man bald genug von einer neuen Intervention Frankreichs in die marokkanischen Wirren hören.
Unwillkürlich drängt sich da der Gedanke in den Vordergrund: welches ist der Preis, für den England seine marokkanischen Interessen bereitwillig zu Gunsten Frankreichs bei feite gesetzt hat, wenigstens für die Gegenwart? Die Verzichtleist- nng Frankreichs auf den Widerspruch gegen die englische Herrschaft in Aegypten erscheint nicht als angemessenes Aeguivalent hiefiir. In Deutschland wird man gut tun. die Weiterentwickelung der marokkanischen Angelegenheit aufmerksam zu verfolgen und sich zu fragen, wie Bismarck stets geraten hat: Qni trompe t-on ici? — denn daß —■ abgesehen von Marokko selbst —einer da fein muß. der auf die eine oder andere Art bezahlt, ist sicher. Für umsonst hat England noch nie Znge- ständnisse gemacht, am wenigsten so weitgehende wie jetzt Frankreich gegenüber.
Umschau.
Italienische Renaissance in Südindien.
Der soeben. vom indischen Arbeitsfeld der Leipziger Mission zurückgekehrte Pfarrer D. Hölscher in Leipzig schildert im dortigen Missionsblatt den Eindruck, welchen die großartigen Tempelbauten von Madura und Srirangam bei Tritschinopoli auf ihn machten. Er kommt dabei zu dem überraschenden Schluß, daß in l’r.en Göttertcinpeln, die man sonst immer nur a r Meisterwerke orientalischer Baukunst rühmen ! ort, mehrfach Bauglieder zu finden find, die ur.verkennbar auf europäische Vorbilder zurück- aehen. Er schreibt: „Von dem Dach der Pfeikerhallen in Srirangam hat man einen Ueberblick über die gesamte Anlage, und nun sieht man erst reckst, wie unharmonisch daS
Dieser Aufforderung folgte der Kleine frohen Herzen? und erzählte dann begeistert von all den Geschenken. Herr und Frau von Schulz traten auch dazu, und man war gerade übervingekommen, gleich meifer zum Schluß zu gehen, als der Forst- meifler vom Stalle herkam, begleitet vom Kutscher Fritz, zwischen ihnen ging das Rehkitzchen, das einen weichen Zaum um den Hals hatte. Werners Freude war nicht zu beschreiben, immer umschlang er den Hals des zertraulichen Tierchens, das ruhig still hielt, und überlegte dann eifrig mit seinem Baron, wo er das Rebchen unterbringen könnte, denn im Kavalierhaufe fehlte es an geeigneten Räumen.
Fritz hat Dir auch was mitgebracht," sagte der alte Herr, „etwas ganz besonders Schönes." >
Einige unzusammenhängende Worte stotternd, reichte ihm der Kutscher fein Angebinde, auf das der Knabe verwirrt hinblickte; er wußte nicht, was er darauf sagen sollte. Doch als er fein Auge zu dem treuherzigen Gesichte des alten Mannes erhob und darin alle Liebe geschrieben fand, dessen das alle Herz nur fähig war — und Klein-Werner hatte Erfahrung im Entziffern der Runen auf solchen verwitterten Gesichtern —, da faßte er vorsichtig das Prachtstück, das in einem Fuchskopf endete und drückte dankbar die Hand, die es ihm darreichte: „Das ist ja die Pfeife vorn Oberförster, Fritz! Sieh doch bloß, Baron, wie schön die ist. llnd ich bedanke mich so sehr dafür. Wenn ich groß bin, rauche ich alle Sonntage daraus, so wie Christian aus feiner, und dann besuche ich Dich und wir rauchen zufammen so toll, daß die ganze Stube voll Rauch ist. Vielleicht probiere ich's schon eher, wenn der Vater es erlaubt, und Du mußt es mir zeigen, wie man’? macht.
Strahlende Befriedigung zog über Fritzens Gesicht, als er sich wieder zu feinen Füchsen begab, er trug die lleberzeugung mit sich, daß sein Geschenk das allerschönste gewesen sei, denn er hörte noch, wie der alte Herr sagte: „Nun aber voran, meine
Ganze ist, ein wirres Konglomerat, kein ktinsi lerisch gegliedertes Bauwerk. Manche br. Skulpturen erinnern an Maduras Tempel, besonders die„Nalis" urd die schönen kämpfen den Reiter an der vierten Halle fanden sich auch hier. Von hervorragender reiner Schäm heit aber, in Stil und Konstruktion völlig ab weichend von allen übrigen ist die iinvollei detr äußerste Halle und Gopura, die fo sichtlich den Einfluß der italienischen Renaissance zügt, daß jeder Kenner MaduraS sofort an den do.tigen Palast des Königs Tir-nnal Naik erinnert wird, diesen wundervollen Bau mit seiren zierlichen arabischen Hufeisenbögen auf prächtigen Gramtsävlen; und auf den Bögen ruhen Gesimse, die die schönsten Triglyphenkousolen der Hochrenaissance zeigen, und über dem Ganzen wölben sich hohe Tonnen und Kuppeln in fr ruhigen Linien und feiner Ausführung, dof- man nur die Wahl hat, entweder an nntifc Thermenvorbilder der römischen Kaiscrzest zu denken, — aber dos verbietet, sich durch die sarazenischen Hufeiseubögen — oder aber direkt auf italienische Einflüsse der Nenaissai ce zu taten. Und diese Vermutung wird z ir Gewißheit, ivenn man erfährt, daß Tirumal 1625 den Thron bestiegen und jederzeit fein Ohr mit lernbegieriger Willigkeit dem selbst für einen Jesuiten ungewöhnlich anpassungsfähigen römischen Sendboten Robert de Nobili ausgeschlossen hat. Durch Nobilis Vermittlung wird die Renaissance in Madura eingeführt worl cn fein."
Ein nachahmenswertes Unternehmen.
Nach dem Vorgänge von Gotha, wo das Arbeitersckretariat eine Staatssubvention erhält, wird demnächst auch in Koburg eine Auskunst- stelle für Fragen der sozialpolitischen Gesetz gebung eingerichtet. Der Plan dieser „Volksauskunftei" (Arbeitersekretariat) wurde dieser Tage (wie die „Franks. Ztg." berichtet) im herzoglichen Staatsministerium dem Kuratorium vorgelegt. Der Landtag hat bereits zu dieser Einrichtung jährlich 1500 Mk. als Zuschuß bewilligt, während die Stadt Coburg, die Handwerkskammer, der Kunst- und Gewerbeverein je 100 Mk. und das Gewerkschaftskartell 300 Mk. beisteuern. Die Tätigkeit des Sekretärs beschränkt sich auf unentgeltliche Auskünfte in sozialpolitischen Fragen. Den Vorsitz führt der Stadtkämmerer Altenstätter, als Schriftführer fungiert der sozialdemokratische Landtagsabgeordnete Walter. — „Es wäre — so bemerkt hierzu die „Soziale Praxis" in hohem Maße erfreulich, wenn ein derartiges Zusammenwirken der staatlichen und gemeindlichen Körperschaften mit den Arbeiterorganisationen auf dem Gebiete der Rats- und Auskunftserteilung für die Unbemittelten auch in anderen Staaten und Städten erfolgte. Gotha und Koburg haben mit ihrem Vorgehen geradezu vorbildlich ge-
Herrschasten, oder ich muß fürchten, daß mein Geschenk gar keine Gnade mehr finden wird in den Augen unseres verwöhnten Prinzen."
„Hast Du auch noch was für mich, Baron?" fragte Werner ganz aufgeregt, als nun die ganze Gesellschaft den Weg zum Schlosse nahm.
„Natürlich mein Junge, aber glaube nicht, daß es was bei anderes ist. Vielleicht bist Du ganz enttäuscht, denn auf etwas so Schönes, wie diese Pfeife, wäre ich nicht gekommen," neckte der Schloßherr.
„Es ist dem Fritz seine allerschönste," beteuerte Werner, „er hat sie mir oft gezeigt, wenn ich bei ihm in der Stube war."
„Ich glaub's, mein lieber Junge, doch nun wollen wir mal gleich nach dem Stalle für das Rehchen Umschau halten."
„Ach ja, Baron!" rief der Kleine. So bogen sie denn links ab und trafen zu ihrer Verwunderung auch die Baronin in der Nähe der Stallungen. Sie stand auf ihren Stock gestützt da und ihre Linke hielt ein rotes Band. Als der Kleine mit dem ganzen Geleite sie erreichte, nahm der alte Herr das Band und sagte: „Nun gib einmal gut acht, Werner. Hier halte ich das Ende von einem langen, langen roten Band, und an dessen anderm Ende hängt ein Geschenk. Faß an, mein Liebling, und halte gut fest, damit es nicht davonläuft."
„An dem Bande hängt Dein Geschenk für mich, Baron?"
„Ja, mein lieber, kleiner Werner; was Du an dem anderen Ende findest, gehört Dir ganz allein."
Unter dem Lachen und Jubeln der Anwesenden ging der Kleine nun mit hochroten Backen in stets wachsender Aufregung dem Bande nach, es führte über den ganzen Hof, dann ging es durch die Remise, die Sattelkammer, immer weiter, immer weiter, durch allerlei Räume, die Kreuz und Quer, bis sie im großen Pjerdestall landeten. Da standen der Reitknecht und der alte Kammerdiener
mitft.” — Ob es aber dabei nötig sei, b:e Sozialdemokratie amtlich mit heranzuziebrn, -rscheint un8 doch mindestens fraglich. SBil sind der Meinung, daß es beffer wäre, selbst bei derartigen Einrichtungen den sozialdemokratischen Organisationen nicht den kleinen Finger zu reichen. Eine Auskunststelle für -ragen der sozialpolitischen Gefetzgebung bedarf ach wahrlich der gewerkschaftlichen Unterstützung -acht, sondern würde ohne diese sogar segensreicher wirken und allgemeinerem Vertrauen ■ egegnen, weil dann das Hineintragen sozial» d-mokratifcher Tendenzen ferngehalten werden könnte.
Deutsche und englische Gewerkschaftern
Die deutschen Gewerkschaften verausgabten im Jahre 1902 für Streiks rund 22 Prozent ihrer Gesamtausgaben; für Arbeitslosen-, Kranken-, Invaliden- usw. Unterstützung aber rund 34 Prozent. In den englischen Gewerk« i haften dagegen betrug der Aufwand für Streik« ! older rund 121/«, der für Krankengelder, ultersniiterstützung, Begräbniskosten usw. rund GQi/j Proz. der Gesamtausgaben. Der Unter» ,chied in der Tendenz beider Gewerkschasts» organifationut springt in die Augen. Die deutschen Gewerkschaften sind eben in erster Linie Streikverbände.
Die Wahlbeteiligung bei den letzten Reichstagswahlen.
Das dritte Vierteljahrsheft zur Statistik des Deutschen Reiches enthält eine vergleichende Uebersickt der Reichstagswahlen von 1898 — 1903, die auf Grund der Berichte der Wahlk'omw.iffcnien ausgestellt ist. Wir entnehmen der Ueberficht folgende Angaben:
Tie Wahlbeteiligung war bei der Wahl von 1903 ungleich stärker als bei der von 1898. Während sich bei ersterer von 11441094 Wahlberechtigten 7 786 714 oder 68,1 v. H. an den Hauptwahlen beteiligten, war dies im Jahre 1903 bei 9533 794 oder 76,1 v. H. der Wahl- b.'rechtigte» der Fall. Diese Zunahme erstreckte sich auf sämtliche Staaten und größeren Verwaltungsbezirke, und nur in wenigen Wahlkreisen war die Wahlbeteiligung etwas schwächer als im Jahre 1898. Im übrigen sind die Unterschiede hinsichtlich der Wahlbeteiligung in der Hauptwahl zwischen den einzelnen Staaten recht erheblich, wobei es auffällig ist, daß säst alle Staaten, in denen die Beteiligung im Jahre 1898 besonders groß oder gering war, diese Eigentümlichkeit auch im Jahre 1903 zeigen. Bei weitem am größten war die Wahlbeteiligung in Bremen mit 92,2 (1898 89,l) v. H., wo die Sozialdemokraten mit 51,5 v. H. aller Stimmen der freisinnigen Vereinigung mit 48,9 v. H. den Sitz abnahmen. Dann folgt
Anton, Kutscher Christian fehlte auch nicht. Ja, von der Türe her, die nach außen führte, nickten Inspektor Erdmann und seine Frau ihrem Liebling zu. Der alte Siegfried und die gewesene Hummel waren auch nicht tveit, sie alle wollten sehen, was der alte Herr seinem Jungen schenkte. Werner nickte und lachte den Getreuen zu, nut brennender Neugierde dem Unbekannten ent- gegensehend.
„Dauert es noch lange, Baron?" fragte dec Kleine bittend.
„Da hinter der Tür scheint das Geschenk zu sein. Sieh nur, da§ Band führt direkt auf sic zu."
Richtig durch einen runden Ausschnitt in der Tür lief das Band weiter, und der .9nabe, wußte sich erst keinen Rat. bann aber kletterte er an dem lachenden Baron empor, bis er durch das Guck- loch sehen konnte. Mit einem Aufschrei fuhr cc mit einem purpurrotem Köpfchen zurück, er sah noch einmal hin und nun jubelte er los: „Da steht ein Pony, Baron, mit einem roten Bande um den Hals. Ich hab' es geiehen, ich hab' es gesehen?" Er sprang zur Erde und lief auf feinen Vater zu: "Komm doch bloß, Vater, und sieh Dir das Pony an, es hat doch gewiß und wahrhaftig das rote Band um. Ach, Mutti, und mein Baron sagt doch, daß es mir gehören soll, was an dem andern Ende hängt. Aber so was gibt’S doch gar nichts
Die Eltern folgten ihrem Knaben und waren nicht wenig erstaunt. Doch als sie sich der Tür näherten, war diese geöffnet und Christians stand schmunzelnd neben einem prächtigen braunenj Pony, das gesattelt und gezäumt nur seines uet neu Reiters harrte.
Baron Schulz hob den Knaben auf den Sattel und Werner wußte vor Freude nicht, wen er zuerst umarmen sollte, das Pony oder den gütige« Geber, da fiel sein Blick, auf den Forstmeister, bet ihm feuchten Auges zunichte: '
(Fortsetzung folgt.)