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mit Sem KeelMa« für die Kreise Marburg und KirHtzain. -

S-uutagsdellage: JllostrirteS S-uutagSblatt.

M 266

Erstes Blatt

großgezogene Pfnschertum. Wir führen einige Stimmen aus Handwerkerkreisen an. So berichtet die Schreinerinnung in Würzburg:

Durch das Filialunwesen erfahren wir we­niger Geschäftsbeeinträchtigung als durch die fort­währende Verkürzung der Arbeitszeit, sodaß es den Gesellen, hauptsächlich den Verheirateten, möglich ist, vor und nach der vorgeschriebenen Stundenzahl und Sonntags sich dem Pfuschertum hinzugeben und siir Möbelmagazine und Private zu arbeiten und zwar für einen Preis, daß man glauben muß, Material und Werkzeuge wären gestohlen."

Mit Recht hebt auch in einer Denkschrift über die Konkurrenz der Bergwerksangestellten die Handwerkskammer zu Saarbrücken hervor:

Der Zweck der sozialpolftischen Gesetzgebung wird durch die zu immer größerem Umfange an- wachsende gewerbsmäßige Nebenbetätigung völlig vereitelt."

Besonders scharf äußert sich die Handwerks­kammer Anhalt:

Die überhandnehmende Schrankenlosigkeit der Gewerbefreiheit zeigte sich darin, daß die in einem industriellen Betriebe gegen festes Gehalt oder Lohn Angestellten in ihrer freien Zeit Handwerks­arbeiten herzustellen nicht behindert werden können. Die Preise so zu stände kommender Er- Zeugnisse pflegen meist derartige zu sein, daß sie, als" aus dem Boden einer gesunden Konkurrenz stehend, nicht mehr angesprochen werden können."

So sind es nicht nur die finanziellen Lasten der Arbeiterversicherung an und für sich, sondern auch andere erhebliche Mißstände, die gewisse Aeußemmg von Unmut über die soziale Gesetz­gebung durchaus begreiflich machen. Ein rück sichtsloses Durchgreifen gegenüber dem erwähnten Pfuschertum läge daher auch durchaus im Interesse aller am sozialen Fortschritt interessierten Kreise. Statt dessen wird einseitig dem Handwerk soziale Rückständigkeit vorgeworfen und zwar nicht so sehr von den Greifen, die mit dem Handwerk praktisch in Berührung kommen, als von solchen, die von theoretischen Gesichtspunkten aus Stellung zu der Haudwerkerfrage nehmen. Für diese letzteren möchten wir eine Stelle aus dem Bericht der Hand­werkskammer Breslau aus dem Jahre 1900 zum Abdruck bringen. Es heißt daselbst:

Erfreulich ist das Eingeständnis, welches bei Lohnbewegungen hierorts einige Mal von Ge­sellen gemacht worden ist, daß die Innungen viel eher den Forderungen der Gesellen, soweit sie als berechtigt anerkannt werden können,, nachgeben, als die Fabrikanten."

Es zeigt dies Wohl am besten, wie leichtfertig im allgemeinen derartige Vorwürfe gegen das Handwerk erhoben werden und wie die soziale Rückständigkeit durchaus nicht zu seiner Natur ge­hört. Im Gegenteil, die rühmenswerten Tra- diftonen des deutschen Handwerks, die nicht zum mindesten in dem engen, fast familiengleichen Zu­sammenleben zwischen Meister, Gesellen und Lehr­lingen wurzelten, werden ihre alte Kraft auch nicht in der Zukunft verlieren, wenn dem Hand­werk als ganzem eine gesunde Wirtschaftspolitik wieder neues Leben verleiht. Dahin zu wirken, wird nicht nur die Aufgabe der Fochorganisationen des Handwerks, sondern ebenso die Pflicht der politischen Freunde des gesamten Mittelstandes sein. B. L.

Umschau.

Die Stärke der Parteien im preußischen Abgeordnetenhause. Zur rechten Zeit, nicht lange vor den nächsten Landtagswahlen, hat der Büreau- Direktor Plate einen Ueberblick über den Ver­laus der 19. Legislaturperiode des preußischen Abgeordnetenhauses (Sessionen 1899 bis 1903) herausgegeben und diesem verschiedene Beilagen über die Mitgliederzahl der Fraktionen von 1866/67 an, über die Parteigruppierung nach Provinzen sowie über die gegenwärtigen Parteiverhältnisse nach Provinzen, Regierungs- bezirken und Wahlbezirken beigefügt. Die Konservativen hatten danach 1866/67 von den damals erst vorhandenen 352 Mandaten 119 inne. In der nächsten Legislaturperiode steigerte sich die Zahl aus 125. Dann trennten sich dir Neuen Konservativen von der alten Partei, jene hatten 44, diese 70 Sitze in der Periode von 1870/73 inne. In der nächsten Legislaturperiode brachten es die Konservativen nur auf 6, die Neuen Konservativen auf 24 Sitze, die in der darauf folgenden, auch nicht wesentlich, nämlich auf 10 und aus 31 Sitze erhöht wurden. Dann vereinigten sich beide Fraktionen wieder zur Konservativen Partei, und diese gewann in der 14. Periode 1879,82 von den vorhandenen 433 Mandaten 110, in der 15. Periode 122, dann 133, hieraus 129 und in den beiden letzten jedesmal 144 Sitze. Die freikonservative Partei besaß 1866/67 17 Mandate. Die höchste Zahl hatte sie mit 65 in dcrPeriode 1894/98 erreicht, in der letzten zählte sie 5 8 S i tz e. Die nationallideraleFraktion hatte am Ende der 10. Legislaturperiode im Jahre 1870 99 Mandat m d konnte sie 1873/76 auf 174 steigern. Schon in der nächsten Periode sank die Zahl auf 169, in der darauf folgenden auf 85. Den tiefsten Mandatsbestand erreichte die Partei 1882/85 mit 66 Sitzen. Dann ging es in der nächsten Periode auf 72, in der darauf folgenden auf 86 Mandate hinauf, wonach wieder Rückgänge auf 84 und 75 folgten. Das Zentrum, das als solches in der 11. Legis­laturperiode 1870/73 es auf 58 Mitglieder ge­bracht hatte, zählte schon in der 12. Periode 88, dann 89, 97, 99, 98, 98, 95 und in der 19. Periode gar 100 Mitglieder. Die deutsche Fortschrittspartei, die in der Periode 1873 76 es auf 68 Mandate gebracht hatte, endete 1882 mit 38. In die nächste Periode zog sie zu­sammen mit der Liberalen Vereinigung als deutsche Freisinnige Partei in das Abgeordneten­haus und verfügte über 53 Sitze. Diese sanken in den folgenden Perioden auf 40 und 29 Sitze. In der Periode von 1894/98 waren Freisinnige Dolkspartei und Freisinnige Vereinigung mit 14 und 6 und in der letzten Periode mit 26 und 10 Mandaten vertreten. Die Polen be­saßen in der Periode von 1866 67 unter den 352 Mandaten noch 21 oder nahezu 6pCt.

Das Handwerk und die soziale Gesetzgebung.

Die freisinnige Presse hat sich mit Entschieden­heit gegen die Alters- und Jnvaliditätsversicher- ung der Handwerker erklärt. Es entspricht das auch durchaus ihrem überlieferten manchesterlichen Standpunkt und es liegt für uns keine Veranlass­ung vor, auf die alten Ladenhüter, mit denen eine derartige Stellungnahme stets von neuem be­gründet wird, hier des näheren einzugehen. Da­gegen erfcheint es uns angebracht, auch einmal an dieser Stelle auf den Vorwurf der sozialen Rückständigkeit einzugehen, der namentlich auch in akademischen Kreisen gegen das Handwerk er­hoben ivird. Einmal wird dem Handwerk der spezielle Vorwurf der Ausbeutung der jugendlichen Arbeitskräfte, sogenannte Lehrlingszüchterei. ge- macht (z. B. von Sombart in feinem umfang­reichen Werkder moderne Kapitalismus") sodann ganz im allgemeinen Feindschaft gegen die soziale Gesetzgebung nachgesagt.

Es wird sich natürlich nicht leugnen lassen, daß auch in einzelnen Handwerksbetrieben Mißstände oben gekennzeichneter Art Vorkommen, so berichtet z. B. die Handwerkskammer Flensburg von Lehr- lingszüchterei in kleineren Maschinenreparatur- toerfftätten, aber im ganzen ist dieser Vorwurf vollständig abzuweisen. Nach einer auf dem zwei­ten Handwerks- und Gewerbekammertag zu Darm­stadt mitgeteilten Statistik befanden sich in den Bezirken der' bis dahin angeschloffenen 63 Kam­mern (ein Gebiet mit 48 Mill. Einwohnern umfassend) 1 100 000 selbständige Handwer­ker mit 900 000 Gesellen und nur 350 000 Lehr­lingen. Diesem allgemeinen Bilde, auf drei Meister und ca. drei Gesellen ein Lehrling, entsprechen auch die einzelnen Kammerberichte. So wird aus Kassel mitgctcilt:Im organisierten Handwerk des Kammerbezirks ist die Zahl der Gesellen drei­mal so groß, wie diejenige der Lehrlinge. Im Bezirke der Kasseler Handwerkskammer 'kommt die sogenannte Lehrlingszüchterei (d. h. über» große Ausnutzung von Lehrlingsarbeit) bei dem organisierten Handwerk überhaupt nicht vor, bei dem Nichtorganisierten bildet sie eine sehr sel­tene Ausnahme."

Damit sollte der Vorwurf der Lehrlingszüch- terei, dem Handwerk als ganzem gemacht, ein für allemal beseitigt sein. Nicht besser steht es mit der Behauptung der antisozialen Gesinnung des Handwerks. Auch hier werden einzelne Fälle all­zusehr verallgemeinert. Es liegt doch für jeden einsichtsvollen Politiker zu sehr auf der Hand, daß unter den gegenwärtigen wirtschaftlichen Verhäft- u iss en der größere Teil des Handwerks die finan­ziellen _ Lasten _ der Arbeiterverficherung sehr schmerzlich einpfunden hat. Wir haben bereits darauf hingewiesen, daß vielfach der Kleinmeister finanziell schlechter gestellt ist. als fein Arbeiter. -Iber auch eine andere Seite der sozialen Gesetz- gebiing hat sich dem Handwerk vielfach uiiangc= nehm fühlbar gemacht, wir meinen die gesetzliche Beschränkung der Arbeitszeit und das infolgedessen

Vierteljährlicher Bezugspreis: btt der Expedition 2 DL, btt allen Postämtern 2,25 M. iqxL Bestellgeld).: - '"****v

2 nser11onsgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg. D - gnmtfrTfl 11. DffofoCt 1903.

Reclamcn: die Zeile 25 Pfg. __

Ihre Mandatszahl ist dann nie wieder <itf dieser Höhe gewesen. Beträchtlich gesunken war sie aber erst in der letzten, in der 19. Legis­laturperiode, wo sie nur 13 oder von den vor­handenen 433 Mandaten gerade 3 pEt. ausmachte.

Wahlfreiheit.

Im Jahre 1882 erschien ein Allerhöchster Er­laß an das prellßische Staatsministerium, welcher die Stellung der Beaintenschast bei den Wahlen präzisierte. Es ist gerade jetzt angebracht, auf den Schlußsatz dieses Erlasses hinzuweisen. Er lautet:

Mir liegt es fern, die Freiheit der Wahlen zu beeinträchtigen, aber für diejenigen Beamten welche mit der Ausführung meiner Regierungs­akte betraut sind und deshalb ihres Dienstes nach dem Disziplinargesetze enthoben werden können, erstreckt sich die durch den Diensteid beschworene Pflicht auf Vertretung der Politik meiner Regier­ung auch bei den Wahlen. Die treue Erfüllung dieser Pflicht werde ich mit Dank erfennen und von allen Beamten erwarten, daß sie sich im Hin­blick aus ihren Eid der Treue von jeder Agitation gegen meine Regierung auch bei den Wahlen fern« halten." . .

Im Grunde genommen, wird hier nur Selbst­verständliches ausgesprochen. Angesichts der sozial­demokratischen Agitationsmethode man er­innere sich derVorwärts"-Parole an die Eisen­bahner:Wählt sozialdemokratisch, Budde will es!" war es aber und ist es noch notwendig, die Beamten ihrer Pflicht auch bei den Wahlen ein­gedenk zu erhalten.

Als ein Beweis grenzenloser Unverschämtheit eine andere Bezeichnung ist hier wirklich nicht am Platze ist es anzusehen, daß von sozial­demokratischer Seite die Aufhebung dieses Er­lasses gefordert wird, um dieWahlfreiheit" zu gewährleisten. Wie die Sozialdemokratie selbst mit der Freiheit umspringt, kann man feit dem Dresdener Trianon-Tage fortwährend sehen. Wie Wahl- und andere Freiheit in einem sozialdemo­kratischen Staate beschaffen fein würden, darüber besteht selbst in den urteilsfähigen Kreisen der Genossen" kein Zweifel mehr. Die Beamten in einem solchen Staate würden ganz anders in strammer Zucht gehalten werden, als dies in der Monarchie geschieht.

Wenn nun die Sozialdemokraten, die in ihrem Zukunftsstaate den äußersten Zwang anwenden würden, umMeinungsverschiedenheiten", rich­tiger gesagt, jede Opposition zu unterdrücken, im Gegenwartsstaate unbeschränkte Agitationsfreiheit auch unter der Beamtenschaft fordern, so ist das nur ein Zeichen dafür, bis zu welcher Amnaßting sie bereits gediehen sind. Sie verlangen diese Freiheit nur, um die Grundlagen unseres mo­narchischen Staatswesen? systematisch untergraben zu können und trauen der monarchischen Regier­ung zu, daß sie ihnen hierbei hilfreich Hand leisten werde.

Die Wahlfreiheit der Beamten ist aber durch den erwähnten Erlaß in keiner Weise beeinträch­tigt. Kein Beamter ist, was die bürgerlichen Par­teien betrifft, in der Stimmabgabe beschränkt. Da es aber als Grundsatz gelten muß, daß ein Sozialdemokrat Beamter nicht fein kann wie dies im Reichstage und im Abgeordnetenhause von den Regierungsvertretern unzweideutig und unter

Ä-js Erscheint wöchentlich sieben mal. oo ,

Druck und Verlag- Joh. Aug. Koch, UniverMS-Buchbmckerel 38. Jllhflk

Marburg, Markt 21. Telephon 55.

(Nachdruck verboten.)

Frau Lore.

Roman von I. Jobst.

lsilortletzuug.)

Der spricht doch überhaupt keinen Ton mit uniercmem," lautete die Antwort.

»Also, woher stammen diese Gerüchte? Ich für meine Person," fuhr Brenken fort,glaube nichts von dem ganzen Rummel. Wenn ihr ehr­lich feen wollt, so gesteht es nur ein, daß es Euch ärgert, einen früheren Inspektor als Ritter­gutsbesitzer zu sehen, und vollends als Ihr ein- sehen mußtet, daß dieser Wolf, genannt Schäfer, sich nicht mit dem Winkel begnügte, den Ihr ihm angewiesen habt. Wenn der Mann kein gutes Gewissen hätte, so wäre er doch im Winkel geblieben."

Na, na!" konnte Wieblitz sich nicht enthalten, einzuwerfen, obgleich er sich borgenommen hatte, sich nicht einzumischen.

Brenken sah den Forstmeister fragend an und als nichts weiter folgte, setzte er spöttisch hinzu: Tie hörten wohl so allerlei von ihrem Freunde Schulz, dem vornehmen Adniiiiistrator und Nach­folger besagten Schäfers. Da Sie fo intim mit ihm find, werden Sie wohl auch wissen, was ich vor kurzem erfuhr, daß er es nicht unter feiner Würde gehalten hat, die Tochter eines Zuchthäuslers und Brandstifters zu heiraten."

Was? Wie! Woher wissen Sie das, Brenken?" rief es erregt in der Runde.

Genug, daß ich es weiß und daß ich für jedes meiner Worte einstehe. Dieses ist ein Faktum, das andere aber find Grüchke ohne Grund und Boden, und damit hoffe ich, ein für allemal den Läfterredeu über Herrn Schäfer ein Ende gemacht zu haben. Guten Abend, meine Herren."

Brenken war schon während der letzten Worte aufgestanden und verließ das Zimmer.

Ein fataler Mensch, dieser Brenken," flüsterte Wittich dem Forstmeister ins Ohr aber dieser hörte es kaum.

Wie vom Donner gerührt saß er auf feinem Platz, dann brach eine heimliche Wut in ihm aus. Sollte dieser Kerl, der Schäfer, überall frei aus- gehen, weil das Glück mit ihm war, oder feine bodenlose Frechheit? Und nun warf man noch Schmutz auf den Hauptbelastungszeugen, auf den Assessor, und wollte ihn zu einem Manne von laxen Grundsätzen stempeln. Er blickte um sich, aber was er sah und hörte, ekelte ihn so an die ganze menschliche Gesellschaft mit ihrer Läster­zunge und Skandalsucht wurde ihin zuwider, daß er mit einem Ruck aufftand, sich mit wenigen Worten verabschiedend:

Mein junger Freund, Assessor von Schulz, ist ein Ehrenmann, das sage ich, der alte Wieblitz. Was Schäfer ist, das wird ja hoffentlich auch mal allen klar werden, tvenn der Mann nicht mehr ge­braucht wird. Guten Abend, meine Herren."

Vereinzelte Bravos begleiteten ihn, aber sie konnten ihm nicht die Last, fortnehmen, daß die Worte Brenkens darauf gewälzt hatten. In ern­sten Gedanken verloren, fuhr er heim durch den dämmernden, friedlichen Herbstabend. Je er­regter fein Inneres war, um fo stärker empfand er die Stille seiner Wälder. Fürs erste brachte ihn fo bald keiner in die Stadt. Nur Aerger und Klatsch kehrte mit ihm beim. Ob wirklich Wahres daran war? So unbeliebt Brenken war als Krakehler und Händelsucher, auf fein Wort konnte man sich verlaßen. Ob er Schulz fragte? _ Schon der Gedanke, diesem vornehmen Manne mit einer solchen Frage zu fommett, brachte fein Blut in Wallung. Und doch der Sache mußte näher

getreten werden. Entbehrte sie der Wahrheit, so mußte der Schlange der Kopf zertreten Weden.

Halt! Schierstedt hatte zu Schulz' Bekannten gehört, zur Zeit, als derfelbe Frau Lore zum Weibe nahm. Ja, es fiel Wieblitz plötzlich em, daß, wohl aus dieser Zeit stammend, etwas tote Feindschaft zwischen den beiden Männern bestand. Ob Schierstedt der Verbreiter dieser dunklen Dinge war? Da sollte doch gleich der Teufel drein­schlagen, denn bann hätte er die Schlange an sei­nem Busen genährt.

Fritz, fahren Sie doch zu, es ist die reine Schneckenpost!" rief Wieblitz ungeduldig seinem Kutscher zu, der den wohlgepflegten Tieren nicht gern eine rasche Gangart zumutete. Die energische Aufforderung jedoch machte der Trödelei ein Ende und bald hielt der Wagen vor der Oberförsterei.

Jubelnd sprang Britta dem Vater entgegen, aber seine verstimmte Miene kühlte ihren Eifer ab und sie folgte ihm, der kaum einen Blick für sie hatte, kleinlaut nach. Man war gerade ihm Be­griff zum Abendessen zu gehen, und die Haus­frau empfing voller Befrieoigung den pünktlichen Gatten, dessen Heimkehr sie nach früheren Erfahr­ungen erst um Mitternacht erwartet hatte. An die bntmminge Miene kehrte sie sich nicht, sie kannte sie zur Genüge, und so führte sie gleichmütig die Unterhaltung bei Tisch, als ob Wieblitz in der rosigsten Laune gewesen wäre.

Die Nacht war warm, daß man sich nachher noch auf der Veranda zusammenfand, wo Wind- lichter eine zweifelhafte Helle verbreiteten. Der Forstmeister setzte sich in seine Ecke, aus der kurzen Pfeife ließ er gedankenvoll dicke Wolken auf- steigen, Frau Grete strickte und Schierstedt unter­hielt sich halblaut mit Britta. Doch jetzt trat eine Pause ein und Wieblitz fand es nun an der Zeit, der Sache gleich zuleihe zu gehen. Die Anwesen-^

heil der Frauen störte ihn nicht, denn so oder so, erfahren würben sie es boch, unb es war schließlich besser, baß sie es aus seinem Mnnbe hörten als aus bem bes lieben Nächsten, ber noch allerlei Randglossen dabei machte.

Sagen Sie mal, Schierstedt, kannten Sie Fran Lore früher genauer?"

Die Dunkelheit verbarg bem Forstmeister bie flackernde Röte, bie über des jungen Mannes G- sicht flog bei dieser Frage, nur seiner Nachbarin entging sie nicht, und ein Zug tiefer Trauer brei­tete fick über das hübsche, frische Gesicht, indessen sie der Antwort wartete.

Ja, Herr Forstmeister, ich war oft mit Fräulein von Röder zusammen." y

So, so! Kannten Sie auch ihren Vater?"

Frau von Sckulz wurde von ihrem Onkel, Oberst von Röder erzogen. Sie lebte seit ihrer Kindheit in dessen Hause." -

Schierstedt wich ber Frage aus und der Forst­meister bemerkte es. . *

Sie wurde von bem alten Herrn aboptiert?" Nein nein bas gerade nicht," zögernd/ fielen bie Worte aus Schierstedts Munde. =/

Dann hieß sie also auch nicht Röber?"

Sie würbe allgemein so genannt, Herr Forste / meister."

Unb ihr richtiger Name war---" >

Von Nordmann, Herr Forstmeister." 1

Die Frauen waren atemlos ber Unterhaltung gefolgt, sie fühlten es, es drohte irgend etwas, und/ dies Unbekannte war wohl auch der Grund zu bei. Hausherrn Verstimmung.

: ----- - - t - (Fortsetzung folgt.)