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Erscheint wöchentlich sieben mal. ;
Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Umvcrsitäts-Buchdmckerek ? 38. J61M« Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
-em KreiMatt für die Kreise Marburg Md Kirchhain.
Sonatagsbeilager Jlluftrirtes Sormtagsblatt.
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Jnsertionsgcbühr: die gespaltene Zeile oder derm Raum 10 Pfg. läDlttttflfl 11. OftüBCt 1903«
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Die Sozialdemokratie und die Landwirtschaft.
Sehr lehrreich ist eine Zusammenstellung sozial- demokratischer Ausspruche, um die Stärke der Widersprüche zu zeige«, in welche sich die Freihändler durch die Behauptung verwickeln, daß kein landwirtschaftlicher Notstand bestehe, und daß die ^mdroirtschaftliche» Schutzzölle nur den Großgrundbesitzern zu gute kämen. Mit großer Entschiedenheit haben das auch die sozialdemo- tratischen Redner behauptet. Gerade sie hat- teu in dieser Beziehung vorsichtiger sein sollen. In den Protokollen über die Parteitagsverhand- hingen in Frankfurt und Breslau nämlich (1894 und 1895) ist darüber ganz anderes zu lesen. Sa bemerkt der Delegierte Friedrich-Darmstadt in Frankfurt: „Ich kenne das Land aus eigener Erfahrung; es ist eine Tatsache, daß der Bauernstand seit einer Reihe von Jahren sich ohne seine Schuld in stetigem Rückgang befindet." Ebenda äußerte „Genosse" Mössinger-Lahr: „Dem Kleinbauern geht es häufiger noch schlechter, als dem einen Knecht und der einen Magd, die er beschäftigt". v. Vollmar erklärte: „Die landwirtschaftliche Bevölkerung ist in einer steigenden Bedrängnis,,, nnd weiter: „Die Landwirtschaft ist tatsächlich in einer schweren Krise." . . Die Behauptung, daß der ganze landwirtschaftliche Notstand nichts als eine Fabel Sekt trinkender Junker und der hinter ihnen herlaufenden niinmersatten Bauern sei, ist ein vulgär-liberales Geschwätz, würdig nner Partei, die sich von jeher zur Erkenntnis sozialer Erscheinungen imfähig gezeigt hat. In Breslau sprach Bebel, der damals ein den „Bauernschutz" forderndes Agrarprogramm leidenschaftlich vertrat, wiederholt von der „Agrar- krije". Molkenbuhr sagte: „Die Landwirtschaft befindet sich in einer schweren Krise, die von keiner Seite geleugnet wird." Liebknecht warnte vor negativen Beschlüssen, west dann den Baueni gesagt werden könne: „Die Sozialdemokratie, die Euch durch ihre Agitation auf gründ lokaler Programme so viel versprochen bat, hat durch den Parteitag erklärt, daß jeder Versuch, der länd« litten Bevölkerung des heutigen Staates zu helfen, gegen ihr eigenes Prinzip und Progmmm verstoße." Schönlank: „Wir haben die Pflicht, jetzt hier einzugreifen und nicht die Bauern der Verelendung und Verhungerung zu überlassen." Bock-Gotha: „Glicht- den Grundbesitzer, nicht den Großbauer, den Kleinbauer hat die Agrarkom- uüssion im Auge gehabt, der mit seine Familien- angehörigen die Scholle baut und viel elender lebt als Hunderttaufende von Industriearbeitern. Oertel-Nürnnberg endlich sagte: „Vorallem wollen die Bauern höhere Preise für ihre Produkte; denn ohne Preiserhöhung kann der Bauernstand nicht existieren." Das sind nur einige Proben; sie dürften aber genügen, um darzutun, daß die Sozialdemokratie — wie übrigens auch der Freisinnigen — den landwirtschaftlichen Notstand kennt, trotzdem aber nicht nur Hilfe verweigert, sondern noch überdies die Bauern wegen angeblicher Begehrlichkeit schmäht.
Und da kann die Sozialdemokratie noch hoffen, auf dem Laude Anhänger zu finden, das Laud-
Trüber Herbst.
Nun tollt der Wind, ein übermüt'ger Junge, Durch Tal und Höh'u und pfeift ein lustig Lied; Er saust durch's Stoppelfeld mit wildem Sprunge, Zerzaust das dünne Haar dem Gras im Ried.
Die Blätter kauern todkrank an den Bäumen Voll banger Ahnung, seit der Sommer schied. Rauh rüttelt sie der Wind aus Fieberträumen, — Erschauernd seufzen sie ihr Sterbelied. — Die Mutter Sonne sieht mit trübem Sinne Dem schweren Siechtum ihrer Kinder zu;
Durch Wolkeilschlcier läßt sie Tränen rinnen, Und rotgeweinten Aug's geht sie zur R:.h.---
Mir aber zieht geheimnisvolles Ahnen
Vwu Aüvergang durch meine Seele hin: Der Blätter Schicksal will mich leise mahnen, Daß ich ein Blatt am Meuschheitsbaume bin.
Heinrich Winter.
iRachbruck verboten.)
Rote Rosen.
Novellelte von Marie Prigge-Brook.
~ Seit Wochen hielt das Gastspiel der berühmten Sängerin Thea Mattoni die Einwohner der Residenzstadt in Aufregung. Als neuer Stern glänzte sie am Himmel der Kunst, und nicht nur die mächtige und umfangreiche Stimme gewann der Sängerin zahlreiche Verehrer, nein, auch das jugend- schöne Weib zog alle Blicke auf sich. Kein Wunder, daß die Jugend von W. ihr huldigend zu Füßen lag.
An jedem Abend ihres Auftretens harrte die begeisterte Verehrerschar mt der kleinen Pforte des Theaters, die für Mitglieder bestimmt war. Man wollte die schöne Maroni aussteigen sehen, um
Volk zu gewinnen? Nein, die ländliche Bevölkerung weiß ganz gut, daß die sozialdemokratische Führung die Not der Landwirtschaft genau kennt, ihr aber nicht nur absolut nicht abhelfen will, sondern gerade auf sie ihre einzige Hoffnung setzt. Sie sagt: nur wenn der Bauernstand ruiniert ist, wird er zu uns kommen; darum je bälder er ruiniert ist, um so besser. „Genosse" Fischer erklärte 1895 in Breslau: „Die Sozialdemokratie kann den Bauer erst gewinnen, wenn er von seinem Eigentum losgelöst ist und Bankerott gemacht hat;" die „Sächsische Arbeiterzeitung" schrieb: „Wir erklären nicht nur den großen Gutshöfen, sondern auch dem kleinen Bauernhaus den Krieg." Ende August 1895 sagte ein hervorragender „Genosse" in Köln: „Von dem Augenblicke an, wo wir dem Bauern helfen (z. B. durch höhere Zölle), wird er regierungsfreundlich. . . . Wie industrielle Arbeiter, die durch einen Glücksumstand zu irgend einem Besitz gelangt sind, sich von uns abwenden» wie viel mehr der Bauer, der ein richtiger Eigentumsteufel ist, wenn wir ihn in feinem Besitze befestigen." Wie Marx, der Vater der Sozialdemokratie, als überzeugter Schutzzöllner für den Freihandel eintrat, damit der Wagen noch rascher den Abhang hinabrolle, so bekämpfen die Sozialdemokraten alle Maßnahmen zur Kräftigung der Landwirtschaft mit leidenschaftlicher Heftigkeit, weil ihren Umsturzbestrebungei! nichts nachteiliger und hinderlicher, ihnen also nichts ärgerlicher und verhaßter sein kann, als wenn der Stand der Landwirte ivieder gekräftigt würde, und alsdann ein nnübersteigliches Bollwerk gegen dieUmsturzbestrebungen bilden würde und weil andererseits den letzteren keine bessere Gelegenheit zum Wachstum gegeben werden kann, als durch den Ruin der Landwirte. Diesen Ruin herbeizuführen, ist daher ihr ernsthaftestes Bestreben.
Umschau.
Das preußische und baherische Wahlrecht.
Bei den Vergleichungen, welche in letzter Zeit linksliberale Blätter mit Vorliebe zwischen der Ordnung des Wahlrechtes in Preußen und der Wahlrechtsvorlage der bayerischen Regierung an- stellen, wird regelmäßig der wesentliche Unterschied übersehen ober verschwiegen, der zwischen der preußischen Ordnung der Dinge und jenem Entwürfe besteht, der aber so beträchtlich ist, daß beide bis zu einem gewissen Grade unvergleichbar sind. Der bayerische Wahlrechtsentwurf bringt zwar das direkte, gleiche und geheime Wahlrecht, aber er steht nicht, wie das preußische Wahlgesetz auf dem Boden des allgemeinen Wahlrechts, sondern beschränkt das aktive Wahlrecht aus diejenigen Personen, welche seit einem Jahre direkte Steuern bezahlt haben. Wollte man diese grundlegende Bestimmung des bayerischen Wahlgesetzentwurfes in Preußen einführeu, so würden mehr als 60 Prozent der jetzigen Wahlberechftgten aus der Reihe der Wähler ausscheiden und demzufolge nur eine Minderheit der z. Zt. Wahlberechtigten die Volksvertretung zu wählen haben. Daß die auf diese Weise ihres Wahlrechts verlustig gehende Mehrheit ausschließlich den minder wohlhabende»
einen Gruß oder doch wenigsteiis einen Blick von ihr zu erhaschen.
Und Thea Mattoni zeigte sich liebenswürdig.
Geduldig nahm sie die Anbetung der niedlichen Backfische, der halbwüchsigen Gymnasiasten, zu denen sich auch wohl ab und zu ein Erwachsener gesellte, in Empfang und litt es, daß man die Blumenspenden ihr in den Wagen warf. Bescheidene, kleine Sträuße, wie sie die schmale Börse der jungen Enthusiasten zu erschwingen vermag, Veilchen, Manglöckche», zu dreien und vieren zum Sträußchen gereiht, aber doch duftig und rührend zugleich.
Unter denen, die allabendlich die Seitenpforte des Kunsttempels bewachten, befand sich auch ein hochgewachfener, junger Mann, der sich in jeder Hinsicht von seinen Gefährten unterschied. Er war bedeutend älter als sie, Sorgen aller Art hatten ihre Spuren in sein Gesicht eingegraben, die Augen blickten traurig und ernst, und um den Mund zogen sich liefe Linien.
Abend für Abend harrte er der Sängerin, und jedesmal fiel ein großer Strauß purpurroter Rosen aus seiner Hand zu ihren Füßen nieder. Thea Mattoni nickte dem Spender zuweilen dankend zu, ein kühler, gleichgültiger Blick traf ihn, öfter aber noch fielen die roten Rose» unbeachtet zu Boden und welkten unter den Hufen der Pferde.
Seufzend wandte der Manu sich hinweg, nachdem die Pforte sich hinter Thea Mattoni geschlossen hatte.
Er kannte die Sängerin seit langem. Mit ihr zugleich hatte er in B. der Kunst gelebt, sie blidete ihre Stimme aus, und er war ein Geiger.
Gleich ihr träumte Hans Larsen von künftigem Ruhm, aber indes der Weg des Mädchens es emporführte bis auf die höchsten Stufen der
breiten Massen der Bevölkerung angehören würde, ist selbstverständlich, und es liegt auf der Hand, daß für die Beurteilung der jetzt bei den Vergleichen zwischen dem bayerischen und preußischen Wahlrechte in beit Vorbergrunb gedrängten Frage, wie es mit dem Wahlrechte der breiten Massen bei den verschiedenen Wahlsystemen bestellt sei, der Umstand, ob das Wahlrecht allgemein oder an einen Zensus gebunden ist, von entscheidender Bedeutung erscheint. Der bayerische Wahlgesetzentwurf führt aber nicht nur int Vergleich mit den preußischen Bestimmungen eine beträchtliche Beschränkung der Zahl der Wähler ein, sondern verfolgt sogar die Tendenz, auch gegenüber dem jetzt in Bayern geltenden Wahlrecht die Zahl der Wahlberechtigten nicht unbeträchtlich zu vermindern. Dahin wirkt in erster Linie der Vorschlag, bas Alter ber aktiven Wahlfähigkeit von bem 21. auf bas 25. Lebensjahr hinaufzurücken, beim daburch werben vier volle Jahre, zur Zeit wahlberechtigter Jahrgänge von ber Wahlberechtigung ausgeschlosfen. In ber gleichen Richtung wirkt die Verlängerung der Zeit, in welcher behufs Ausübung des Wahlrechtes Steuern gezahlt werden müssen, von einem halben Jahre aus ein Jahr und ebenso die Verlängerung des Zeitraums, in welchem die bayerische Staatsangehörigkeit besessett sein ntuß, um das Wahlrecht auszuüben, von einem halben auf ein Jahr. Es ist klar, daß die Wirkungen des direkten und gleichen Stimmrechts sehr verschieden sind, je nachdem die Wahlen allgemein ober durch Zensus oder andere dahin wirkende Einrichtungen mehr ober weniger auf eine geringe Anzahl von Wählern beschränkt sind. Dieser Gesichtspunkt darf natürlich, wenn man unbefangen das preußische Wahlgesetz und den bayerischen Wahlrechtsentwurf vergleichen will, nicht außer Betracht bleiben.
Die S ch a u in w e i n e r z e u g u n g des deutschen Zollgebiets stellte sich in der Zeit vom 1. Juli 1902 bis 31. März 1903 auf 7 680 023 ganze Flaschen, wovon nur 2 pCt. auf Schaumwein, aus Fruchtwein ohne Zuchtsatz von Traubcuwein entfallen. Hebet1 die Hälfte des ganzen Schaumweins wurde in den beiden Direktivbezirken Hessen-Nassau (32,4 pCt.) und Grotzherzogtum Hessen (24,5 pCt.) hergestellt. Weitaus der meiste Schaumwein wird im Zollgebiet abgesetzt. Ausgeführt wurden in dem genannten Zeiträume 756 526 ganze Flaschen. Die Hauptabsatzgebietc waren Großbritannien, Belgien, die Vereinigten Staaten von Amerika und die Niederlande, die 45,3, 11,6, 8,7 und 6,0, zu- fanimeit 71,6 pCt. der ganzen Ausfuhr erhielten. Etwas höher als die Ausfuhr war die Einfuhr von Schaumwein. Sic belief sich auf 798 474 Flaschen, von denen 794 053 auf Frankreich, ber Nest auf Belgien, Italien, Oesterreich-Ungarn und andere Länder kamen. Die gesamte Einnahme an Schauniweinzoll, Schaumweinsteuer und Nachsteuer in der angegebenen Zeit belief sich auf 7 Millionen Mark.
D i e internationale Sanitäts- Konferenz.
Am 10. d. M. tritt in Paris die internationale Sanitätskolonne zusammen, welche berufen
Kunst, blieb ihr Gefährte am Boden, verzweifelt, flügellahm.
Sein Können reichte nicht an das Wollen hinan, und nach jahrelangem Ringen mußte er einsehen, daß er kein Meister geworden sei. Wie hart ihn das traf! Liebte er doch Thea Mattoni, die weltberühmte Sängerin, liebte sie seit jener Zeit, da sie mit ihm zusammen in dem bescheidenen Heim einer braven Kantorswitwe hoch oben im Norden gewohnt. Ein lustiges Leben führten sie dort, die beiden, im Verein mit fröhlichen Kollegen und Kolleginnen, und es währte nicht lange, fo eiitwickelte sich zwischen ben beiben jungen Leuten eine jener Freundschaften, die ihre« Ursprung in den gleichartigen Lebensverhältnissen zu haben Pflegen. Für Thea war Hans Larfen unentbehrlich.
Er begleitete sie, lernte mit ihr unb würbe nie müde, sie aufzurichten unb zu tröste« in ben Stunben der Entmutigung. Dafür hing Thea an ihm, unb er liebte sie, liebte sie mit ber Begeisterung ber Jugend. Ob sie seine Gefühle erwiderte, darnach fragte er nicht, sie war bei ihm, litt, daß er um sie sorgte, unb das war ihm genug.
Da kam Thea eines Tages atemlos nach Haus.
„Denk' nur, Klaus, ich darf fingen auf einer Wohltätigkeitsvorstellung im Opernhaus. Die Fürstin ist krank und ich soll ihre Partie übernehmen. Freust Du Dich nicht?"
Er freute sich wohl, aber ein dumpfes Angstgefühl erfaßte ihn zugleich unb ließ ihn nicht mehr los.
Thea war fieberhaft erregt. Nur acht Tage trennten sie noch von bem großen Augenblick, den sie fürchtete und dennoch heiß ersehnte. Fast jede Stunde des Tages rief sie nach Klaus. Er mußte begleiten, sei« Urteil abgeben, im Innern zagte sie bang.
sein wird, die auf der Konferenz von Venedig l-e- fchlosfenen Maßnahmen zur Bekämpfung der Pcm- epidcmie weiter auszubauen. Die in Dresden ab- gehaltene internationale Sanitätskcmfercnz von 1893 hatte sich in erster Reihe mit Maßnahmen zur Bekämpfung der Choleraepidemie befaßt. Die internationale Konferer<y zu Paris von 1894 ergänzte die Abmachungen von 1893 durch Vorschriften über die Gesundheitspolizei in ben Abfahrtshäfen ber Pilger aus Jnbien usw., durch gesunbheitliche Maßnamen auf ben Pilgerschiffen, sowie burch Verordnungen der Schiffahrt im Persischen Golf unb im Roten Meere. Im Jahre 1897 wurden bann auf ber Konferenz zu Venebig gemeinsame Maßregeln zur Bekämpfung der Pest beschlossen, die noch heute in Kraft sind.
Der Inhalt dieser internationalen Iteberein- funft vom 19. März 1897 zur Bekämpfung der Pestgefahr ist kurz zusammengefaßt folgenber: Es ist den Vertragsstaaten überlassen, für die Regelung unb Ueberwachnng des Fliißschiffahrts- verkehrs eigene Bestimmungen zu treffen. Land- qiiarantänen finb nicht zulässig, unb es dürfen nur solche Personen ziirückgehalten werden, welche Kranrheitszeichen der Pest bafi’ieten. Eine ärztliche Ueberwachnng bat sich auf eine Besichtigung der Reisenden unb auf bic Versorgung ber Kranken zu beschränken. Reisende aus pestverseuchten Orten können jedoch einer zehntägigen Ueberwach- uug unterstellt werden. Durch alle diese Bestimmungen wirb das Recht eines jeden Staates, einen Teil seiner Grenze überhaupt zu sperren, nicht berührt.
Sehr wesentlich ist ferner eine weitere Bestimmung der Konferenz von Venedig, die auf der jetzt in Paris zusammeittreteiiden Konferenz eine bringend notwendige Erweiterung erfahren foll unb hoffentlich auch erfahren wirb. Wir meinen jene Bestimmung, welche bic Regierung des pestver- seuchten Landes verpflichtet, den übrigen Regierungen von jedem vorkoiuniendeuPestsalle Nachricht zu geben. Zur Durchführung dieser Benachrichtigung bat die Konferenz von Venedig den Regierungen dringend die Einführung ber Anzeige- Pflicht für die Aerzie bei Pestfällen empfohlen. Wie sehr es aber damit hapert, hat sich auch in diesem Jahre wieder des öfteren in Konstantinopel und unlängst auch in Marseille gezeigt, wo die Aerzte längere Zeit hindurch darüber im Unklaren waren, ob es sich überhaupt um Pestfälle handelt. Diesem gefährlichen Hebelftanb könnte nur abgehoben werden, wenn die Mächte einen Zusatz zur Hebcreinfimft von Venedig beschließen würden, durch den die Mächte verpflichtet würde«, dafür zu sorgen, daß unter den mit dem Sanitätsdienst betrauten Aorzien hinreichend solche vorhanden finb, die in der bakteriologischen Pestdiagnose sicher Bescheid wisse«, was heute leider vielfach nicht ber Fall ist. .
Es steht zu hoffen, daß auf ber Pariser Konferenz eine solche Erweiterung der Abmachung von 1897 beschlossen werden wird.
Deutsches Reich
Berlin. 10 Oktober.
— Auf Befehl des Kaisers wirb die Enthüllung ber Denkmäler des Kaisers unb ber Kaiserin Friedrich
Und bann kam ber große Tag. Eine Droschke hielt vor dem bescheidenen Hauic der Kantorin, die Kinder um flau ben in Scharen bas Gefährt unb sahen das fremde Fräulein einfteigen, von oben schaute Klans Larsen hinab. Er wollte Thea noch einmal sehen, ihr ein ermutigendes Wort zurufen, allein sie sah nicht mehr hinauf. Die Pferde zogen an, unb Larsen schloß das Fenster.
Jenes erste Auftreten des schöllen Mädchens bedeutete einen großen Erfolg. Gin anwesender Theaterdirektor engagierte Thea, die junge, kaum 20jährige Sängerin, und von da ab war ihre Laufbahn ein einziger SiegeSweg.
Haus Larsen verging fast vor Weh. Thea nahm feine glühende Liebeserklärung mit schallenden! Gelachter auf, als er ernst wurde, schalt sie, und schließlich trennten sie sich in Unfriede«.
Was frommte auch der gestrandete Geiger ber aufftrebenben Künstlerin!
Jahre gingen hin. Thea Mattoni sang bald hier, halb dort, immer mit wachsender Anerkennung, schließlich fesselte die hniftliebeiibe Stadt W. bic Sängerin an sich.
Ihrem Gefährten war es unterbeffen schlecht unb schlechter ergangen, er hatte jeden Versuch eigenen Schassens längst aufgegeben. Zuletzt nahm er eine untergeordnete Geigerstelle an einem Theater an, mied seine ehemaligen Freunde und geriet in Vergessenheit.
Er selber aber vergaß nie! Die Liebe zu Thea Mattoni saß fest im Kopf unb Herzen, und als unlängft die Blätter meldeten, baß sie nach W. engagiert' fei, litt es ihn in ber preußischen Metropole nicht mehr. . c "
Er machte sich auf, um Thea wiederzusehen.
Unschwer fand er ihre Wohnung, klingelte an unb gab dem öffnenden Mädchen seine Karte. Man führte ihn in ein vornehm ausgestattelerj Gemach. Eine ältliche Dame empfing ihn, nannte