Mi-em Kreisblatt für -re Kreise Marburg und Kirchhain.
Sonntagsbeilage: Jttustrirtes Sonntagsblatt.
M 265
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Marburg
Sonnabend, 10. Oktober 1903.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Umbersitäts-BuchdruckerÄ ' 38. yflljTu,
Marburg, Markt 21, — Telephon 55.
H? r-n
Der Etat für 1904.
Die erfte große Aufgabe des neuen Reichstages, der, wie inan bisher annahm, Ende November, nach einer anderen Meldung jedoch erst am 1. Dez. zusannnentreten soll, wird die Erledigung des Reichshaushaltsetats fein. Dazu werden noch die neuen Militärforderungen, die aus der vorigen Legislaturperiode zurückgebliebene Vorlage über die kaufmännischen Schiedsgerichte und einige kleinere Gesetzentwürfe kommen, während die neuen Handelsverträge die Volksvertretung keinesfalls früher als in der zweiten Hälfte der Session beschäftigen werden.
Der ReichshaushaltSetat wird, ebenso wie im vorigen Jahre, das Schmerzenskind des Reichstags bilden, ebenso wie er das der Finanzverwalt» ung ist. Schon jetzt sind Erhöhungen verschiedener Ausgabeposten angekündigt, die sich, wie bei der Verzinsung der Reichsschulden und beim Reichs- znschus; zur Invalidenversicherung, nicht abwenden lassen. Dazu kommt das chronisch gewordene Defizit, das heißt der Betrag, um welchen der Abschluß der Reichshauptkasse für 1902 hinter der Etatsanfstellung zurückgeblieben war, und der nunmehr als Fehlbetrag in den Etat für 1904 eingestellt wird. Die Zeiten ändern sich und der Etat mit ihnen. Bei der Etatsanfstellung werden die Ueberschüsse bezw. die Fehlbeträge der einzelnen Finanzjahre in die Etats- der übernächsten Jahre eingestellt. In früheren Jahren waren wir in der angenehmen Lage, nur mit Ueberschiissen zu rechnen. Jetzt hat sich das Bild gewaltig geändert; statt der, einstigen lleberschüsse prangen die Fehlbeträge in den Rubriken des Etats, und welche Fehlbeträge! Den Wendepunkt bildete das Jahr 1900, in dem der große wirtschaftliche Rückschlag einsetzte, welcher nicht nur aus die Reichs- und Staatsfinanzen, sondern auf unser ganzes Wirt- schaftsleben so verheerend gewirkt bat. Im Jahre 1899, ergab der Haushalt de§ Reiches bereits ein Defizit-Ueberschuß. Der Fehlbetrag aus dem Jahre 1900, der in den Etat für 1902 eingestellt wurde, betrug 1,8 Millionen Mark. Das Schlimme war aber, daß damit die Positionen der lleberschüsse radikal aus den Einnahme-Rubriken des Etats verschwand und statt dessen die Fehlbeträge einen ständigen Posten in den Aitsgaberubriken zu bilden begannen. Eine außerordentliche Höhe, welche hoffentlich _ den nunmehr überschrittenen Höhepunkt darstellt, erreichte dieser Fehlbetrag im Jahre 1901, der also als Defizit in den Etat für 1903 eingereiht wurde. Als die Etatsausftelluiig für 1901 gemacht worden war, da lebte man noch in dem Glauben an eine günstige wirtschaftliche Entwicklung. Aber der Rückschlag, der sich schon im Jahre 1900 angekündigt hatte» kam 1901 zur vollen Entfaltung, und seine Wirkungen machten sich auch in den Reichs- und Staatsfinanzen in verheerender Weise geltend. Die Reichshauptkaffe ergab einen Fehlbetrag von 48,5 Millionen Mark wozu noch ein Defizit von 15 Millionen Mark bei den den Bundesstaaten znsließenden Ueberweis- ungssienern kam. lind auch im Preußischen Staatshaushalt war ein Defizit von 47 Millionen Mark Zu verzeichnen. Als der Etat für 1902 aufgestellt wurde, dessen Defizit wir also in dem jetzt aufzustellenden Etat für 1904 zu tragen haben, da stand
43 (Nachdruck verboten.)
Frau Lore.
Roman von I. Jobst. ... j"'v. • (Fortsetzung.»
Lore sieht das Verhängnis nahen, sie kann ihm nicht wehren, in wildem Drängen entzieht sich der Vater ihrer ballenden Hand. Er springt auf mit gellendem Schrei und üse geballte Faust trifft das Fenster, daß das Glas in Scherben hinaus fliegt.
„Die Flammen, die Flammen!" stößt die keuchend arbeitende Brust hervor, „da sind sie wieder und der Ranch, der dicke Rauch!"
„Vater!" fleht Lores weiche Stimme, „komm', setze Dich her."
Aber der Irre hörte sie nicht, er rast immer im Kreise im Zimmer umher und tobt weiter. „Ich will seinen Kopf sehen, seinen Kopf. — Er hat das Geld genommen — das Geld genommen." — Einen Augenblick steht Nordmann vor dem altmodischen Schreibsekretär still, der die eine Wand des Zimmers entnimmt, und stiert auf denselben hin wie in tiefen Gedanken.
„Ta lag es- — das viele Geld," stöhnt er von ueiic-m. und er sucht, wie um Hilfe flehend, das Auge feiner Tochter, die ihm gefolgt ist und ihren Arm zärtlich nm ihn schlingt. Sie sehen es beide nicht, daß da draußen das wilde Flammenspiel zu Ende ist, denn der Himmel öffnet endlich feinen Schoß, um strömenden Regen hinabzufenden.
Da? Toben der Lüfte erstirbt in saust.m Wehen, nur das Rauschen der niederstürzenden Wasser klingt durch das zertrümmerte Fenster in das Munneln des Kranken, der vor den Augen der atemlos lauschenden Lore den Vorhang lüftet, welcher das grauenhafte Gespenst der Dergangen- beft verhüllt. Es ist nur ein schmaler Spalt, der sich vor ihr auftut, aber er genügt, um in ihrem
man zwar schon unter dem deprimierenden Eindruck des wirtschaftlichen Rückgangs, aber es zeigte sich in der Folge, daß inan die Tragweite dieses Rückgangs doch damals noch weit unterschätzt hatte. In Preußen allerdings war eine so erfreuliche Besserung der Eisenbahneinnahmen zu verzeichnen, daß das drohende Defizit nicht nur ausgeglichen werden konnte, sondern daß der preußische Staatshaushalt von 1902 sogar noch einen kleinen lieber- schuß verzeichnete.
Weit ungünstiger aber gestaltete sich im Gegensatz hierzu die Lage im Reiche, wo die Mindereinnahmen 21,7 Millionen Mark betrugen, zu denen noch Mehrausgaben von 9 Millionen Mark kamen. So ergab sich ein Defizit von 30,7 Mill. Mark, welches also als Fehlbetrag in den Etat für 1904 einzustelleii ist. Im Vergleich zum Vorjahre hat sich also das Defizft um 17,6 Millionen verringert. Vergleicht man aber den Etat für 1904 mit dem von 1899, so ergibt sich eine Verschlechterung von 66,3 Millionen Mark. So haben sich die Zeiten geändert! Der Etat für 1903 balanzierte, freilich mit Zuhilfenahme einer Zuschußanleihe von 72 Millionen Mark, in Einnahmen und Ausgaben mit 2 417 000 000 Mark, wobei allein schon die fortdauernden Ausgaben 1 997 220 000 Mark betrugen. Bei Ser diesmaligen Etatsaufstellung wird notwendigerweise die allergrößte Sparsamkeit obwalten müssen, wobei selbstverständlich das Wort beherzigt werden muß, daß weder die Kulturausgaben noch auch die Aufwendungen, welche die militärifche Sicherheft des Reiches erfordert, leiden bürfen.
Umschau.
12. Jahresversamml u n g des deutschen G y m n a s i a l v e r e i n s.
Ain 6. Oktober fand in Halle an der Saale die überaus stark aus den verschiedenen Teilen des Deutschen Reiches, auch von Oesterreich besuchte 12. Jahresversammlung des Deutschen Gymiia- sialvereins statt, der nm 15. Dezember 1890 zu Berlin gegründet wurde mit dem Zweck, die humanistische Schulbildung zu wahren sowohl durch Erwägungen von Besserungen,' deren die Gymnasien hinsichtlich ihrer Organisation oder des Hnterrichtsbetriebes etwa bedürfen. Die Verhandlungen wurden von dem derzeitigen ersten Vor- sitzenden des Vereins, Geheimrat O. I ä ge r von Bonn, geleitet, der in den eröffnenden Worten auf die neuesten Angriffe gegen die Gymnasialbildung von verschiedenen wenig kompetenten Seiten in teilweise Heiterkeit erregender Weise zu sprechen kam. Erster und Hauptgegenstand der Besprechung. waren zwanzig Thesen über Wahrung und Ausgestaltung der Eigenart des humanistischen Gymnasium, die vom Geh. Hofrat Prof. Uhlig von Heidelberg aufgestellt waren. Der Ausgangspunkt für diele lag in den Worten der preußischen Kabinettsordre vom November 1900, die erklärten, daß in Zukunft die Eigenart einer jeden Ser drei höheren Schulgattungen kräftiger zu betonen sei. In der ersten Reihe der Leitsätze wird die Auf- gäbe bezeichnet, die das Gymnasium nach wie vor zu erfüllen habe, feine Schüler zur Erfassung der verschiedenen ans den Hniversitäten gelehrten Wissenschaften zu befähigen, und es werden die
rastlos arbeitenden Hirn den Boden zu erschüttern, auf dem die Schuldfrage ihres Vaters so sicher aufgebaut war.
Abwehrend hebt Lore jetzt die Hand, als durch die vorsichtig geöffnete Tiir Siegfrieds weißer Kops hindurchlugt und die Tür schließt sich wieder ebenso lautlos als sie sich öffnete. Lore will allein bleiben mit dem Vater. Und der Kranke raunt weiter, ab und zu die erloschene Stimine zu gellendem Ton oder wilder Klage erhebend: „Siebst Du ihn, Eleonore? Da schleicht er toieScr, der Mann ohne Kopf. — Wenn ich nur das Gesicht sehest könnte — das Gesicht! Aber die Flammen — der Rauch rund um mich her! — Er hat es mir genommen und sie sagen, ich hätte es getan. Sieh doch, er will sich verstecken in dem Ranch. Was er für Füße hat, groß und plump, und die Hände so breit und rot! — Eleonore, wo bist Du? Hilf mir'doch nur, ihn zu fassen. Somit ich fein Gesicht sehe!"
„Hier bin ich, lieber Vater," flehte Lore, aber Nordmann hörte sie nicht, die Wahnideen halten ihn gefangen. Er starrt in die Ecke des Zimmers, der die Gebilde zu entschweben scheinen, welche das kranke Gehirn entfesselt haben:
„Das Feuer — hu! wie es brennt — die Vorhänge, der Boden — aber das Geld — rasch das Geld — sonst verbrennt es —„ Nordmann dreht den Schlüssel des Schreibtisches um., die Klappe sollt mit Krachen herab, ehe Lore noch zufassen Fann, der Vater merkt es nicht, seine Hände tasten in den Fächern umher, die keinerlei Gegenstände bergen.
„Leer! Alles leer!" schreit der Kranke auf. „Mein Geld, mein Geld, ich will mein Geld wieder haben!"
Gellend bringt ber Schrei burch bie Stube, bann packt Nordmann Lore feit am Arm und deutet in die Ecke: „Da ist er wieder, Eleonore. Nimm den Rauch fort, baß ich den Kopf sehe, den
Gründe genannt, warum bas Gymnasium als bas Gebiet, auf bem seine Zöglinge vorzugsweise zu arbeiten haben, bas ber klassischen Sprachen feftbalten müsse; aber es wird auch ber hohe Wert hervorgehoben, welchen mibere Lehrfächer neben biefent Hauptarbeitsgebiet für bie vom Gymnasium zu lösenbe Aufgaben haben. Anbere Thesen betreffen bann ben Betrieb des altklassischen Unterrichts und weisen auf ben Wiberspruch hin, ber barin liegen würbe, wenn man bie Eigenart bes Gymnasiums stärker betont zu sehen wünschte unb bas Unterrichtsfach, das einzig Sem Gymnasium eigentümlich ist unS ihm fein eigenartiges Gepräge gibt, das Griechische zu einem nur fakultativen Lehrgegenstande machen wollte. In der zweiten Reihe der Thesen wird ausgeftihrt, in welcher Weise die griechischen Kenntnisse der Schüler für andere Unterrichtsfächer verwandt werden können und sollen, insbesondere für ben Religions-, ben deutschen, lateinischen, geschichtlichen und philosophischen Unterricht. Die sehr anregenbe Diskussion biefer Sätze zeigte in Einzelheiten etwas abweichenbe Ansichten, aber stellte im allgemeinen bie entschiedene Zustimmung ber Versammelten fest. Eine Ergänzung zu ben Uhligschen Leitsätzen bot eine von Oberlehrer Dr. Branbt aufgestellte These über ben Wert bes griechischen Unterrichts, namentlich bes Homer, für bie künstlerische Erziehung. Seine Erörterung würbe mit Beifall aufgenommen, aber bei ber Kürze ber Zeit bie These nicht biskutiert. Enblich folgte ein Vortrag bes Rektor Seeliger von Ziftau, ber für eine von ber klassischen Lektüre unabhängige philosophische Propädeutik eintrat unb einen von ihm selbst befolgten Lehrgang in sehr onregeiiber Weise barlegte. Hiergn schloß sich eine lebhafte Diskussion, in bereu Verlabs von verschiedenen Seiten bei aller Anerkennung des Vorge'tragenen doch auch abweichende Meinungen geäußert wurden. Die Schlußworte des Vorsitzenden durften feftfteffen, baß ber Verlauf dieser Tagung an Anregung unS Verhandlnugsergebnissen hinter keiner dersrüheren zurückstand, sondern sogar bie meisten übertraf und ber Sache bes Gymnasiums zweifellos förber- lich fein werde.
Quertreibereien.
Die „guten Freunde" der Konservativen sind wieder eifrig an ber Arbeit unb Dank ihren großen feinen Spürnasen haben sie Witterung von einer Verschwörung ber bösen Reaktionäre gegen ben Reichskanzler bekommen. Mau lese und staune:
Der Sturz des Grafen Bülow soll von hochkon- servativer Seite mit Feuereifer betrieben werden. Das Verhalten der Regierung bei ben Reichstagswahlen, ganz besonders bie Abänderung des Wahlreglements, haben in einflußreichen Kreisen starken Unwillen erregt, ber noch verschärft worben ist burch bie Kaltblütigkeit, welche seitens ber Reichsregierung gegenüber ben Vorgängen auf bem sozialbemokratichen Parteitage befunbet toirS. Währenb bes Wahlkampfes für bie preußischen Landtagswahlen kominen nun noch bie immer bestimmter auftretenben Behauptungen von ber Wiebereinbringllng ber schon zweimal gefallenen Mittellaubkanalvorlage. Die „Nat. Ztg." meint, bie Treibereien, bie einen „starken Mann" an bie Spitze zu bringen bezwecken, werden so nachbrück-
Kops. Er hat's getan, ich bin kein Dieb, nein — nein, ich weiß es genau. — Brandstifter! Wer sogt, daß ich ein Brandstifter bin? Das ist nicht Ivahr, Eleonore, sie tilgen alle — alle. Glanb's nicht glanb's nicht, Frau, ich hab' bas Haus nicht angesteckt. Das Gelb will ich holen, nur Gelb — unb nun brennt es überall — überall — bas Zimmer, das Haus, ber ganze Hof — bie Menschen !---Ich tat's nicht, nein, nein! O, bie
Flammen, die Flammen, hu! —- geh' fort. Eleonore, Du sollst nicht verbrennen, fort, fort!"
„Fort, fort!" ruft Lore mit erstickter Stimme, auf bie Wahnidee des Kranken eingehend.^ Unb er läßt sich willig leiten, er gebt mit ins Schlafzimmer, welches nebenan liegt — halb ruht er erschöpft auf dem Bett in tiefem Schlaf. Siegfried sitzt neben ihm, denn Lore muß heim.
Sie schreitet durch das kühle Wehen des her- einbrechenden Abends, sie atmet wohlig durch bie feuchte Lust unb späht ungedulbig nach bem Gatten ans, ber ihr ein Stück Weges entgegenkommen will. Auch ba branßen ist Friebe eilige- kehrt nach wildem Toben. Die lähmende Schwüle der letzten Tage ist verschwunden, bie abendliche Welt leuchtet in frischen Farben^ verklärt durch die letzten Strahlen ber finkenben Sonne. In leisem, eintönigem Tropfenfall fenben bie auf- und nieder schwanken den Zweige einen feinen Regen auf ben dicken Moosgrund, der nickt müde wird, zu trinken und immer wieder zu trinken. Silberne Nebelschleier dampfen empor unb ziehen durch bie ragenden Stämme, goldene Lichter spielen hinein, es ist ein Farbenspiel ohnegleichen.
Und inmitten der schönheittrunkenen Welt fliegt Lores schlanke, wonnige Gestalt in die Anne des ihr entgegenstrebeuden Mannes, der sie stürmisch umfaßt, als sei sie iüm mit all ihrem Liebreiz, mit bem ganzen Zauber ihrer holdseligen Erscheinung erst jetzt zu eigen geworden. Lore
lich wie nur je besorgt. Gerade gegenwärtig herrsche wieder eine außerordentliche Tätigkeit und ein ebenso zielbewußtes wie geschicktes Vorgehen, um ben „starken Mann" auf ben Schild zu erbeben.
Wohl ans angeborener Bescheidenheit verschweigt man, wer denn dieser vielgenannte und gefürchtete „starke Mann" eigentlich ist und wo et Herkommen soll. Oder sollte das diesen llebcr- gescheibten, bie bas Gras wachsen Horen, etwa entgangen fein ? Die „Kreuzztg." gibt ben ber schiebenen liberalen und demokratischen „Scharfmachern" folgende Abferttgung:
„Hier wird allgemein den Konservativen „Ministerstürzerei" vorgeworfen. Es wider- spricht aber den konservativen Grundsätzen, direkt oder indirekt die Stellung eines Ministers zu untergraben. Die Ernennung und Verabschiedung von Ministern muß der Initiative Seinern Majestät des Königs Vorbehalten bleiben. Es gibt allerdings einige agrarische Kreise und auch leider vereinzelte Konservative, die aus verschiedenen Gründen auf Einsetzung eines anderen Ministerpräsidenten dringen. Konservativ ist dieses Verhalten nicht, und die Partei muß sich verbitten, für solche Wünsche verantwortlich gemacht zu werden."
Unseres Erachtens wird bannt biesen heimlichen Maulwürfen viel zu viel Bebeutung beigeschenkt, zumal biese Zeitungsente boch sofort als solche zu erkennen ist.
„M i l i t a r i S m u s."
In der Alster bei Hamburg kämpfte einmal ein Mädchen mit den Wellen. Sofort entledigte sich einer des Weges kommender Garbeleutnant seines Wasenrocks, sprang ins Wasser unb rettete bas bem Ertrinken nahe Mädchen. Hierauf entfernte sich ber Offizier schleunigst, sodaß es nicht gelang, seinen Namen sestzustellen. — Weni^künftig die linksstehende Presse mitsamt Herrn. Singer über Roheit unb Feigheit deutscher Offiziere bei Soldaterimißhanbluiigen bie gewohnten Verallgemeinerungen obwalten läßt und Beschimpfungen und Verleumdungen gegen ben ihr verhaßten Staub in bie Welt schlenbert, bie schon fo vielen Staub aufgewirbelt haben, dann sollte sie ber Wahrheit Sie Ehre geben unb solche Züge von echter Menschenliebe und schweigenbem Heldenmut auch nicht mit Stillschweigen, übergehen. Sie kommen weit öfter im Jahre vor, als Duelle zwischen Offizieren, unb wenn die heeresfeindliche Presse durchaus verallgemeinern will, so bieten ihr diese Beispiele dazu die beste Gelegenheit. Sie konnte mit vollem Rechte behaupten: Der deutsche Offizier ist selbstlos und tapfer, er würde sich nicht besinnen, zur Rettung nachzuspringen, auck wenn der ärgste Beschimpser der deutschen Wehrkraft, Herr Singer, ins Wasser gefallen wäre.
Münzprägung.
Wenn in einigen Blättern die Ausprägung größerer Silbermünzeu in Anregung gebracht wirS, so ist darauf zu verweisen, daß dazu eine Aenderung ke? Münzgesetzes nötig sein würbe. I n übrigen wirb man erst abwarten muffen, ob nicht die in letzter Zeit im größeren Umfange vorgeiwmmenen unb später roch vorzu- nehmenben Ausprägungen bet bisherigen größeren
aber schaut ihm selig ins Auge unb spricht jubelnd: „Freue Dich mit mir, Walter, ber Vater ich unschuldig an bem Verbrechen, bas er verbüßt hat, unb wir wollen nicht ruhen unb rasten, bis seine Unschuld so klar ist vor aller Welt wie Sie Abendsonne, die hort durch die Stämme funkelt. Komm beim, liebster Mann, dort will ich Dir altes erzählen. "
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Der Saffinier war vergangen, mit frischen Winden hielt der Herbst in goldener Klarheit feiere Einzug in die Lande.
Forstmeister von Wieblitz war in ber Kreisstadt gewesen in Geschäften unb zuletzt hatte er im Herrenstübcheu des Hotels Roland sich einen Schapen geleistet. Urfibel war bie Stimmung gewesen, Senn eine ganze Anzahl Gutsbesitzer ans Sem Kreise war anwesend. Die Wahl war gesichert, ber ärgste Gegner. Schäfer, war mit flie- genben Fahnen in bas Lager ber Großgriinbbe- sitzer übergegangen, man glaubte, bie Verlobung Ser Tochter nahe bevorstehend. So hatte man sich denn in feiner Menschenkenntnis wieder einmal nickt getäuscht und Wieblitz sagte soeben brat ftisch: „Wenn nur der Köder lockend genug ist, fällt auch ein Wolf in die Grube."
„Ha, ha! Wolf, gut gesagt!" — „Wahrhaftig daS Gebiß hat er." — „Gefräßig ist er auch." — „Davon kann der Hoffelder ein Liedchen singen, tönte es lachend durcheinander.
„Na, nehmt nur den Mund nicht zu voll. Was nun den Hoffelder betrifft, so frage idj, bat et: Euch schon mal was Unrechtes von dem Schäfer erzählt? Ihnen. Wittich? Oder vielleicht gölten,, Schlüter?" ries die laute Stimme des Herrn, von Brenken, der mit Vorliebe unangenehm^ Sachen sagte.
(Fortsetzung folgt.)