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Somrtagsbeilag»! Illnftrirtcs SonniagMatt.

JK 264

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Marburg

Freitag, 9. Oktober 1903. -

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag' Joh. Aug. Koch, Ilntvcrsttäts-Buchdruckeret 38« SGyip.

Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Die wirtschaftliche und soziale Be­deutung der deutschen Landwirtschaft.

Weit verbreitet und durchaus nicht nur von oerufsmäßigen Gegnern bei deutschen Land­wirtschaft vertreten ist noch immer die Ansicht, als stehe die deutsche Landwirtschaft heute in ihrer wirtschaftlichen und sozialen Bedeutung weit hinter Industrie und Handel zurück. Daran knüpft stch sodann ganz von selbst die Auf­fassung, als sei ein weiteres Zurückweichen der Landwirtschaft ein unumstößliches Naturgesetz, dem man sich, wenn auch vielleicht mit Be­dauern, zu fügen habe, da es Mittel zu einer Aenderung eben nicht gebe.

Diese Annahme wird in den meisten Fällen gestützt und als bewiesen erachtet durch den Hinweis auf die Ergebnisse der Berufs- und Betriebszählungen aus den Jahren 1882 und *1895, aus denen sich allerdings ein relativer und absoluter Rückgang der landwirtschaftlichen Bevölkerung gegenüber einer ebensolchen Zu­nahme der industriellen und handeltreibenden Bevölkerung herleiten läßt. Nach der Berufs­zählung von 1895 betrug die Bevölkerung des deutschen Reiches 513/« Millionen Menschen; davon entfielen 18h'z Millionen auf die Land­wirtschaft und ihr nahe verwandte Betriebs­zweige, 20V4 auf die Industrie und G Millionen auf den Handel. In Prozenten ausgedrückt entfielen auf die Landwirtschaft im Jahre 1895 853,4 pCt. gegen 421/, pCt. int Jahre 1882, auf die Industrie 39 pCt. gegen 351/2 pCt., aus den Handel IP/2 pCt. gegen 10 pbt. Die deutsche Landwirtschaft ist also seit 1882 von der ersten Stelle durch die Industrie verdrängt worden, die Größe der landwirtschaftlichen Be­völkerung ist nicht nur relativ, sondern absolut in diesen dreizehn Jahren zurückgegangen. Dieser Rückgang wurde durch die Auswanderung und hauptsächlich durch die starke Abwanderung der ländlichen Bevölkerung in die Städte und in die Jndustriebezirke hervorgerufen.

Diese an sich gewiß bedeutungsvollen Zahlen beweisen ohne Zweifel, daß sich unsere deutsche ^Landwirtschast in einer schweren Krisis befindet, und daß sich das Verhältnis zwischen ihr, der Industrie und dem Handel zu Ungunsten der Landwirtschaft nicht unwesentlich verschoben hat. Hieraus aber den Schluß ziehen zu wollen, daß die Landwirtschaft ihre Bedeutung für unsere Volkswirtschaft verloren habe, und daher ihre Interessen ohne Schaden für das Eesamtwohl unseres Staates zugunsten einer schrankenlosen Entwicklung der Industrie und des Handels ^vernachlässigt werden dürften, wäre die größte Absurdität. Denn bei der Bewertung der tonet» schriftlichen und sozialen Bedeutung eines Be­rufes für den Eesamtorganismus eines Volkes kommen nicht nur die Zahlen in Betracht, son-

(Nachdruck verboten.!

Frau Lore.

Roman von I. Jobst.

tFortsehung.)

Ach, diese Schwüle," stammelte sie, ihr Zögern vor sich selbst entschuldigend. Schwankend legte sic die wenigen Schritte bis zur Tür zurück', hinter der jetzt ein leises Lachen erklingt und dann wieder das Murmeln.

Mechanisch drückte Lore die Klinke, die Tür springt auf und sic tritt auf die Schwelle. Noch ruht der volle Soncnglanz in der Stube, soweit er nicht durch die Vorhänge abgehaltcu wird der Kranke muß die Wärme lieben. In seinem be- qucirnn Sessel sitzt er am Fenster und die glühen­den Strahlen spielen nm sein Knie, um die wachs» bleichen, mageren Hände, indessen das totenblasse Gesicht im Schatten ruht. Er bebt die Augen, sie treffen verwundert das schöne Frauenbild, welches mit traurig-mitleidigem Ausdruck zu ihm Hinsicht. Lore zieht die Tür ins Schloß und kommt lang- 'tni näher, nm die Lippen irrt ein schmerzliches Lächeln.

Wie sich besinnend, führte Herr v. Nordmann seine Hand an die Stirn, in seine dunklen Augen tritt der Ausdruck answachender Erinnerung und als Lore ihm die Hand cntgegcustreckt sie kann oor Bewegung kein Wort hervorbringen breitet der Kranke sehnsüchtig die Arme aus. ein rühren­der Ausdruck wehmütiger Freude legt sich über die cingefallcneit Züge Und die Lippen flüstern: Eleonore, bist Du endlich, endlich bei mir!' Wo bliebst Tu so lange?"

Vater, Vater, mein armer Vater," schluchzt sie und sinkt neben dem Kranken nieder, der ihren Kopf streichelte und weiter murmelt:Wo bliebst Du so lange?" Warum ließest Du mich allein, liebste Frau? Ich bin krank und schwach und Du bist stark und schön." - ~

dein viel mehr auch der Einfluß, den er auf die ganze gesellschaftliche und soziale Struktur, auf die moralische und physische Gesundheit der Be­völkerung geltend macht. Die Einwirkung nach der letzteren Richtung läßt sich natürlich nirgends zahlenmäßig beweisen; anders jedoch liegt die Sache bei der Frage der Einwirkung auf die gesellschaftliche und soziale Schichtung des Volkskörvers. In dieser Hinsicht erscheint die Bedeutung der Landwirt­schaft für unser Volksleben in einem viel gün­stigeren Lichte, als es der Fall ist, wenn man tein mechanisch die größere oder geringere Anzahl der Erwerbstätigen als Maßstab an­legen will. Untersucht man nämlich die soziale Stellung der in den drei Be­rufen tätigen Personen nach der Zahl der Selbständigen, Angestellten und Arbeiter, so ergibt sich das wichtige Ergebnis, daß die landwirtschaftliche Bevölkerung fortgesetzt die Tendenz zeigt, die Zahl der selbständigen Existe nzen und damit die Zahl der mittleren und kleineren Be­triebe zu erhalten und zu vermehren, während die Industrie und zum Teil auch der Handel sich dahin entwickelt haben, daß die kleineren und mittleren Betriebe zu Gunsten des Großbetriebes vernichtet worden find. Von den 51/2 Millionen selbständigen Erwerbstätigen nämlich, welche 1895 Landwirtschaft, Industrie und Handel auftoiesen, gehörten über 2% Millionen zur Industrie und 800 000 zum Handel. Die landwirtschaftliche Bevölkerung stellt also, trotzdem sie nach ihrer Gesamtzahl nur etwa ein Drittel der Gesamtbevölkerung im Deutschen Reiche beträgt, fast die Hälfte aller selbständigen Männer und Frauen im Erwerbs­leben, und da die absolute Vermehrung der selbständigen Ertoerbtätigkcit von 1892 bis 1895 in der Hauptsache durch bie landwirt­schaftliche Bevölkerung, mit gleichzeitiger Ab­nahme der Selbständigen in der Industrie erfolgt ist, so wird die landwirtschaftliche Be- vöklerung in Zukunft voraussichtlich noch einen höheren Prozentsatz von selbständigen Existenzen liefern.

Diese hohe sozialpolitische Bedeutung der Landwirtschaft in einer Zeit, die in allen übrigen Erwerbszweigen auf die Zerreibung und Vernichtung der kleinen und mittleren selbständigen Existenzen hinarbeitet, dürfte unter den heutigen Verhältnissen jedem Einsichtigen klar sein.

Umschau.

E r b s ch a f t s st c u c r.

Rcichseinkommen- und Ncichscrbjch.iftssicucr pflegen aus dein Programm des linken RadikaliS- imis obenan zu erscheinen. Wie Badern, der zwcit-

Jch bin Dein Kind, Vater, Deine kleine Eleonore." unterbricht ihn Lore und blickt unter Tränen lächelnd zu ihm auf.

Mein Kind, meine kleine Eleonore? Wo ist denn die andere, Kind? Sie sagen immer, sie sei tot. Aber Du bist doch auch da und Du sollst auch tot sein, ganz tot."

Mutter schläft im Grab, Vater, und mich nahm Onkel Röder zu sich," belehrte ihn Lore.

So, fo, Mutter schläft im Grab. Wenn ich doch auch schlafen könnte, immer schlafen. Ich bin so müde von allen Gedanken. Jetzt schlafen die auch, aber ivemt sie anfwachen und ich muß denken denken - denken Nein, ich will nicht denken," i!' reit Nordmann heftig los und seine geballte schlägt hart auf der Sesfellehne auf.

Du brauchst auch gar nicht zu denken, Vater," beginnt Lore wieder mit süßer Stimme sie merkt, wie beruhigend ihr Klang auf die Aufreg­ung de? Kranken 1 virffDu sollst nur zuhören, ich erzähle Dir von meinem lieben Mann"

Deinem lieben Mann", wiederholte Nordmann.

Hub meinen Kindern." . .

;Deinen Kindern."

Die sind Deine lieben Enkel, Vater, Du bist ihr Großvater."

Großvater Enkel," murmelte seine müde Stimme nach.

Mein Junge heißt Werner lind das kleine Mädchen Ursula und sie werden den Großvater besuchen und Du tvirst sie sehr lieb haben." .

Lieb haben." ertönte wieder das Echo.

Meinen Walter kennst Du schon, er hat Dich in Werbersdorf besucht und gestern war er auch bei Dir. Der große, blonde Mann, weißt Du, der gestern bei Dir war, als Du im Bette lagst,"

Ja. ja, der große, gute Manu, den mag ich leiden, Eleonore, kommt er bctzld wieder?"

Ein leises Klopfen an dec Tür unterbricht das Gespräch, Nordmann nickt freundlich der be­häbigen Frau Siegfried zll, bie ihm vertraulich

größte Einzelstaat, zur Frage der RcichSeinkom- menfteuer steht, daran ist neuerdings bei verschie­denen Gelegenheiten erinnert worden. Je voll­ständiger die Ausbildung des Einkommen- und Vermögenssteuersystems ist, uni so mehr wird auch die Erbschaftssteuer zurücktreten und vorzugsweise nur als Ergänzungssteuer auf Vermögen und Ein­kommen des Erblassres aufrecht erhalten werden. Besonders bestritten ist die Frage, ob auch Erb­fälle bei Eltern und Kindern als steuerpflichtig zu behandeln sind. Gerade bei mehreren Völkern germanischer Abstammung, wie Engländern, Hol­ländern und Skandinaviern, auch in den Hanse­städten nnd in Elsaß-Lothringen ist dies der Fall. Miquel hatte im Jal>re 1890 eine Besteuerung dieser Erbfälle mit % Prozent vorgeschlageu. Der Plan scheiterte hauptsächlich au dem Widerspruch der Konservativen und des Zentrums. In Preußen ist zur Zeit der Gedanke einer Erbschaftssteuer über die im Gesetze vom 30. Mai 1873 vorge­sehenen Erbfälle bei Seitenverwandten usw. hinaus, die bei entfernten Verwandten bis zu 8 Prozent gehen und alljährlich 8 bis 9 Millionen Mark an Einnahmen liefern, als beseitigt zn er­achten, da das neue Einkommensteuergesetz im ganzen eine sichere Einschätzung ermöglicht und die Vorausbestcucrung des Besitzes inzwischen in der Form der Vermögenssteuer durchgeführt ist.

Der Appell Theodor M 0 m m s e n § an die britische Nation hat in dcr Londoner Presse sicherlich nicht die Aufnahme gefunden, die der greife Professor erwartet hatte, und diejenigen werden auch schließlich hier recht behalten, die immer wieder betonen, daß man mit solchen Aus­einandersetzungen bei den Engländern nicht wei­ter kommen kann, wenigstens znr Zeit nicht. Dec größte Teil der britischen Presse hat den Brief ohne weiteres unbeachtet gelassen, und diejenigen von den größeren Blättern, die überhaupt von demselben Notiz genommen haben, haben ihn ein- fach mit der Bemerkung Abgetan, das sei ja alles ganz fchön und vielleicht auch gut gemeint, aber man werde mit solchen Argumenten bie Engländer heute nicht mehr überzeugen können. Andere wieder sehen die Aeußerungen Mommsens direkt als eilten Ausdruck der Schwäche oder gar der Furcht an. Professor Mommsen, sagt ein Blatt, spreche von einem Kriege ohne Kanonendonner. Was für ein Krieg soll denn das sein! Vermutlich ein Tarifkrieg, gegen den Mr. Balfour sich ge­rade jetzt die Waffen geben lassen wolle. Das sei auch der Grund, warum Mommsen, dcr feit dem Burenkricgc immer ein großer Feind alles eng­lischen gewesen sei, mit einem Mal so versöhnliche Töne anschlage. Man habe in Deutschland jetzt die Parole ansgcgebcn, England in Frieden zu lassen natürlich aus Furcht vor Retorsionszöllen. Da­raus ersieht man, daß der Brief Mommsens sogar ganz die entgegengesetzte Wirkung hatte. Es wäre vielleicht besser gewesen, wenn der greife Gelehrte, der in seinem Fache eine unbestrittene Größe ist, diese politische Kundgebung ans der Studicrstubc herans unterlassen hätte, zumal er mit derartigem schon früher kein Glück hatte. Man kann eine Leuchte der Wissenschaft sein, darf aber deshalb nicht glauben, auch in Wcltpolitik beachtenswert zu sein.

zuwinkt. Sie deckt geschäftig den Tisch und bringt Kaffee und frischen Kuchen, indessen sic denkt: Auf all' dic Aufregung wird ihr ein Bissen gut tun und ein Schluck kräftigen Kaffees." Sore läßt cs sich nicht nehmen, den Vater zu bedienen, der in ihr zwei Personen sicht, die geliebte Frau und fein Kind. Er wirft die beiden fortwährend durcheinander und mit dersetbett Geduld klärt Lore ihn über feinen Irrtum auf. Wie er glück­lich ist, der alte Mann! Wie er lacht!

Bei der jungen Frau weichen alte trüben Ge­spenster. Nur die Gegenwart tritt in ihr Recht. Sie sicht in dem Kranken den gebrechlichen Greis, den sic mit töchterlicher Liebe umsorgt. Vergessen ist. was er gesündigt hat! vergessen das nanienlöfe Leid, daß einstens durch des Vaters Schuld über ihre sonnige Jugend hereingebrochcn, Mitleid, Er- bariiicn mit seiner Hilflosigkeit erfüllt ihre Seele. Wo blieb ihr Haß?

Ein dumpfes Grollen unterbricht jäh ihr Plaudern. Das drohende Gewitter! Sie hatte ganz vergessen. Wie bleigranc Schatten huschte cs durch das soeben noch fonuige Zimmer. Er­schreckt hielt Lore Ausschau. So weit sie sehen kann, jagt es heran wie mit eilenden Rossen. Aus dem Westen, aus dem drohenden, dunklen Wolken- bogen wälzen sich die Massen, es quillt aus ihrem UnglückSschoß hervor, als ob das Meer seine Wogen anSschickt zu Zeiten der Flut, Wolke aus Wolke.' Mit gierigen Zungen eilen die Vorläufer einher, sie rasen über den Himmel, von der Winds­braut' getrieben. Andere stellen sich ihnen cut- gegeit, fie stoßen zusammen und einen sich in flammenden Blitzen, bevor ihre Regenströme sich auf die-lechzende Erde ergießen. Es ist, als ob die Wolken schlacht da droben sich dic Zeit dazu nicht gönnte, so wirbelte und tobt es durcheinander. Wieder leuchtete ein Blitz, dem der Donner mi- iiirttetbar folgte. Es ist ein Krachen, daß Lore voller Entsetzen vom Fenster, zurücktaumelk.

Um Gottes willen! Fran Lore," flüsterte

, Deutsche Ansiedler in den O st m a r k e n.

Als die Staatsregierung sich entschloß, bas Hauptgewicht der Ostmarkenpolitik auf eine ver­mehrte Ansiedlmigstiitigkeit zu legen, wurden in vaterländisch gesinnten Kreisen wie von gegneri­scher Seite Bedenken geäußert, daß cs der Ansied- lungskommission, wenn nicht an ausreichenden Mitteln, so doch an dem nötigen Menschr.imaterial fehlen könnte, um den Besiedelungsplon in vollem Umfange zur Ausführung zu billigen. Auch wurde behauptet, daß dieser Mangel an geeigneten deut­schen Siedlern dazu führen könnte, auf die Par­zellierung der angekauften Güter zu verzichten und diese Güter, soweit sie sich dazu eignen würden, in Domänen oder fiskalische Güter umzuwandelu. Angesichts der tatsächlichen Verhältnisse besteht tvedec die eine noch die andere Behauptung zu recht. Abgesehen davon, daß aus dem Gebiet der deutschen Bundesstaaten eine das Maß des Er­füllbaren weit übersteigende Zahl von Anträgen um Ucberlassung von Landsitz vorliegt, stellt auch die Zuwanderung deutscher Siedler aus dem AuS- lande, wobei in erster Linie Rußland und Oester­reich-Ungarn in betracht kommen, dcr AnsiedlungS- kommission deutsche Elemente im Ucbennaße zur Verfügung.

Galizien allein besitzt eine deutsche Bevölkerung, auf die die Ansiedlungskommissiou unter Um­ständen zurückgrcifen könnte, von erheblicher Stärke. Dic Anzahl dcr in dcn Dörfern und klei­nen Städten Galiziens ansässigen deutschen An­siedler wird auf 100 000 angegeben, unter denen nach dem Status vom Jalirc 1900 über 45 300 Protestanten waren. Ohne Ansehen dcr Kon- scssion scheint sich unter der deutschsprcchcnden Be­völkerung Galiziens in der letzten Zeit insofern ein Wandel vollzogen zu haben, als die Dcutfchen, besonders unter dem Eindruck der cnergischcn Ost­markenpolitik der preußischen Regierung, auf der Seitp sich mehr und mehr von den Polen zurück­ziehen und mit der rutheuischen Bevölkerung zn- sammengchen, andererseits aber auch vielfach sich zur Auswanderung nach Westpreußcn und Posen entschließen.

Wie sehr diese abwanderndc deutsche Bevöl­kerung und ihre zumeist landwirtschaftliche Tüch­tigkeit und Tätigkeit geschätzt wird, geht aus der Tatsache hervor, das; alle von dcn Deutschen ver­lassenen Besitzungen vonNnthcncn übernommen werden, eine Erscheinung, dcr gegenüber von polnischer Seite zur Gründung einer polnischen Landbank nach dem in Preußen bestehenden Mu­ster ausgcsordert wird. Danach erscheint cs anS- gcschlosscn, daß die preußische AnsiedliiiigS- kommissiou um das zur vollständigen Durchführ­ung der in Aussicht gcnommciien deutschen Besiedlung'erforderliche Meufchciimatcrial jemals in Verlegenheit kommen könnte.

Emanzipation der Arbeiter.'

In einer sozialdemokratischen Verfammlung ist dcr Gedanke zum Ausdruck gebracht worden, das; es sich empfehlen würde, einen eigenen Parteitag nur f ü r t» t e Arbeiter einzurichten, um positive Arbeit zu leisten. DieAkademiker" soll­ten dann für sich ebenfalls einen gesonderten

Frau Siegfried erschreckt neben ihr,er darf kein Feuer sebcn, sagt der Pfleger, dann bricht daS Toben bei ihm ans."

Rufen Sie Ihren Mann rasch," erwiderte Lore schnell gefaßt,damit er für alle Fälle zur Hand ist. Das wird ein grausiges Wetter."

Frau Siegfried eilte hinaus und Lore beob­achtete voller Unruhe den Vater, der stumm zum Fenster hiuausblickt in das Leuchten der Blitze, mir der Donner scheint ihn zu ängstigen.

Nocdmann preßt ängstlich die Hand der jungen Frau, die sich dickt zu ihm setzt. Sie bat versucht, den Sessel mehr in das Innere des Zimmers zu schieben, aber ihr fehlt die Kraft und sie will den .Krauten nicht noch beunruhigen.

Wie lange dauert es, bis Siegfrieds kommen! Rindergebrüll ertönte durch das Toben des Wet­ters. Siegfried ist wohl beim Vieh. Der Sturm rast weiter, die hohen Wipfel der Waldcsmassen wogen auf und ab wie ein brausendes Mccr, die ganze Lust ist lebendig geworden. Wie mit Tau­senden von Stimmen stöhnt und beult cS draußen, die Blitze fahren in den Grund, die Donner kra­chen. Kaltes Graulen packt die, junge Frau und doch verliert sie nicht ihre Kaltblütigkeit. Mit leiser Hand streichelt sic die zitternde Greiseuhaud. Immer von neuem flüstert sie ihm beruhigende Worte zu, er fühlt es mehr, als daß er cs versteht. Schon glaubt sie die Schrecknisse überwunden 8« haben, da züngelt es in glühendem Zickzack herab, das Haus erbebt bis auf den Grund, ein Krachen, als ob die Erde bersten wollte!und in lodernden Flammen,. gleich einer Feucrsäule, brennt 0W ' hohe, Tanne vor dem Hause lichterloh zum Him­mel empor. Sie sinken beide in halbe Bedeutung, Lore, und der Vater, Und als sie das Bewußtsein wieder gewinnen, scheu sie die Riesenfackel gierig das Mark des Baumrieseu verzehren. Schaurig- schön ist dec Anblick, auf den sich dic wcitgcöffuetea Augcn des Kranken mit stierem Ausdrucke richten.

- ~ .(Fortsetzung folgt.). /