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Zweites Blatt

einzelnen Länder find tätig in den

marschiert erst an

Karl Schöppe.

füllen.

die letztere in diesem Kampfe bereits erreicht hat, haben sie mit den besten und wohlbegründÄen Siegeshoffnungen erfüllt, und der Stenographen­tag, deu fte demnächst in Frankfurt a. M. abhalten will, ist dazu bestimmt, ihre Reihen mit neuem Kampfmute und neuer Siegeszuversicht zu er-

LandwirtschaftlicheS auS der Schweiz.

Neber die Lage des DiehmarktS in der Ost­schweiz berichtet dieSchweizerische Landwirt­schaftliche Zeitschrift': Die altbekannten, von jeher zahlreich besuchten Herbstviehmärkte im St. Galler Oberland werden verhältnismäßig stark und mit befriedigender Ware befahren. Auch die Viehhändler auS allen Landesteilen find zahlreich vertreten. Man macht die Be­obachtung, daß die Händler vielfach auf die

Industrie und Handel: 63,7 Pro».

51,4 ,

59.9 ,

49,9 ,

48 ,

43 40,3 ,

dankenfluge des Selbstentwerfenden oder dem Diktate eines andern zu folgen vermag, ohne sich willkürlicher Auslassungen zu bedienen, deren Entzifferung und Ergänzung von der individu­ellen Kombinationsgabe des Lesenden abhängt; klare, übersichtliche Forinen und durchgreifende, überall feststehende Regeln müßten als Hauptstütz- punkte für die praktische Arbeit mit einer schul, gerechte» Stenographie sein.

Diejenigen Stenographenschulen, die der Neber- zeugung lebten, daß einer solchen Kurzschrift die Zukunft gehöre es waren vornehmlich die Schulen Stolze, Schrey, Velten und einige kleinere taten sich 1897 zusammen und stellten durch Beratung von Fachmännern auf Grund ihrer ge­meinsamen Anschauungen ein System fest, dem sie den NamenEinigungssystem" gaben, in der Ueberzeugung und Hoffnung, daß alle, die von der gleichen Auffassung vom Wesen einer Schulsteno- gravhie durchdrungen sind, sich auf dieses System einigen könnten, um damit die von diesem Stand­punkte abweichenden Stenograt'benkreise zu über­winden und dann, durch die Einigung zur Einheft gelangend, an die Unterrichtsverwaltung mit der gewiß unwiderstehlichen Forderung um Einlaß in die Schule erneut heranzutreten.

Die Anhängerschaft dieses EinigungssysteniS hat sich bereits in tausenden von Vereinen mit zehntausenden von Mitgliedern zusammen getan, sodaß sie bereits die zweite Stelle unter den steno­graphischen Organisationen einnimmt und nur noch von der gabelsbergerschen Schule an Zahl übertroffen wird, denn diese hat sich auf Grund getoifler geschichtlicher Ueberlieferungcn und Vor­teile im Laufe mehrerer Menschenalter eine Posi­tion erreicht, aus der die junge Einigungsschule sie erst noch verdrängen muß. Die Erfolge, die

sionen sind wieder einmal zu Schanden geworden, sie sollten doch endlich für immer aufgegeben wer­den. Wer daran denkt, daß die Sozialdemokratie jemals zu einer Reformpartei werden, ja daß sich aus ihr auch nur durch Spaltung eine solche ent­wickeln würde, ist im Irrtum. Die Splitter, die von ihr bestenfalls sich trennen könnten, sind viel zu unbedeutend, um eine Partei zu bilden, es sind Offiziere ohne Soldaten. Der jetzt von manchen Seiten viel verspottete Bebel berftebt sich auf die Instinkte der sozialdemokratischen Massen besser als andere. Was er als fein Bekenntnis äußerte, daß er, solange er lebe, an der Zerstörung der jetzigen Orckmung arbeiten werde, daß ist der Grundzug der Sfimmung in den sozialdemo- krafischen Massen, und wer das verkennte, triebe Jllufionspolftik und würde einstens dafür ge­straft werden.

zeichnung 122 Ausstände, bei denen 9 561 Arbeiter, 8828 männliche und 735 weibliche, beteiligt waren. Sie kosteten 464 990 Mk., und etwa 631320 Mk. gingen an Arbeitslohn ver­loren. Aber nur 43 Ausstände von 122 will die Gewerkschastskommisfion gewonnen haben, 22 sollen teilweise erfolgreich gewesen sein; 39 gingen verloren, hierunter befanden sich 7 Aussperrungen. Es ist also zu erwarten, daß bei einem festen Zusammenschluß dec sozial­demokratische Anprall auch diesmal abgeschlagen werden wird; zudem find die sozialdemokratischen Gewerkschaftskaffen recht schwach gefüllt, aus­genommen die der Buchdrucker. Mit 67 Mk. die Woche sind die Berliner Metallarbeiter wie die Crimmitschauer Weber nicht durchzuschleppen.

Viehpreise zu drücken suchten, aber gewöhnlich ohne Erfolg; das Vieh findet immer bei hohen greifen Absatz. Wenn auch diese Viehmärkte einen bedeutenden Verkehr und Umfang er- reichen, so bekommt man doch den Eindruck, daß sie die Bedeutung der früheren Jahre nicht mehr haben, und zwar hauptsächlich auS dem Grunde, weil sehr viel Viehware schon in den Ställen gekauft wird. Seit der vorzeitigen Ent­ladung der Alpen suchten nämlich die Händler fleißig die Dörfer ab und erwarben sich dabei die besten Tiere. Entsprechend der gegen­wärtigen, den Viehzüchtern günstigen Tendenz im Biehhandel gelten bessere Kühe und Rinder, die bald am Nutzen sind. 30 bis 35 Napoleons, für entsprechend schöne T'ere von nachweisbar guter Abstammung und schönem Körperbau werden bedeutend höhere Preise gezahlt. Die Nachzucht an Jungvieh ist weniger zahlreich als im Vorjahre, wohl wegen des Umstandes, daß die Milchpreise gestiegen sind. Im Kleinvieh- handel herrscht befriedigender Verkehr.

Großbritannien Schweiz Niederlande Belgien Deutschland Frankreich

Ver. Staat, v Amerika

Zur Arbeiterbewegung.

Ter Metallarbeiterverband, dessen Berliner Mitglieder gegenwärtig ausgesperrt find, ist die stärkste gewerkschaftliche Organisation in Deutsch­land. Er hat die stärkste Mitgliederzahl, näm­lich 128 845, daS find noch 46 000 mehr als die Organisation der Maurer, die 82 233 zählt; doch sind von den deutschen Metallarbeiter« nur 24,11 Proz. sozialdemokratisch-gewerkschaft­lich organisiert. Wenn die Streiksührer darauf Hinweisen, daß Hunderttausende von Berliner Arbeitern heute zu den Ausständischen ständen, so ist das eine der üblichen Phrasen. DaS ganze Gewerkschaftskartell in Berlin zählt 110122 Mann; alle Gewerkschaftskartelle in Deutschland haben 1902 für alle deutschen Aus­stände nur 74 762 Mark aufgebracht. Die Metallarbeiter führten im vorigen Jahre nach der sozialdemokratischen gewerkschaftlichen Auf-

Mittelstand und Sozialdemokratie.

In der Delegiertenversammlunz des Zentral­ausschusses Hamburg-Altonaer Detaillistenvereine wurde mitgeteilt, daß ein Berliner Komitee zur Bekämpfung der Sozialdemokratie wünsche, daß der erste Vorsitzende des Vereins seinen Namen unter einen Aufruf setze. Ter Vorstand hat dieses Ersuchen mit der Begründung abgelehnt, daß man keine Veranlassung habe, eine« Aufruf zur Bekämpfung der Sozialdemokratie zu unterschreiben, von der Regierung nichts getan würde, um den selbständigen Mittel­stand zu erhalten. So berechtigt auch die dieser Entschließung zugrunde liegende Miß­stimmung sein mag, so bedauern wir sie doch aufs tiefste. Die Unterlassung der Regierung darf den Mittelstand nicht hindern, den Kampf gegen die Sozialdemokratie mit aller Ent­

geltend. So z. B. in einempeau de bete* benannten tierfellartigen Muster. Außerdem imi- tiret man Astrachan in Sammet mit täuschender Naturtreue. Ganze Kostüme, die sehr elegant wirken, werden daraus gearbeitet. Ebenso solche aus maulwurssfarbenem Sammet oder Velveteen. Für Paletots, Kragen und Umhänge verarbeitet man vorzugsweiseVelour du Nord".

Was die Machart der Kleider anbetrisft, so bemerkt man in allen Teilen der weiblichen Gar­derobe eine Wiederaufnahme der Moden der dreißiger Jahre. Am deutlichsten tritt dieses in der Faeon der Aermel zu Tage. Das chike Aus­sehen eines Kleidungsstückes, sei es nun Hauskleid, Visiten-, Abend- oder Bolltoilette, Mantel oder Jäckel, hängt zum großen Teil von der Facon und Bearbeitung des Aermels ab. Am beliebtesten sind sogenannteBischossäniwl" und1830 Aer­mel". Bei ersteren sind am Außenarm meist in halber Länge Fältchen abgenäht, und die daraus entstehende Stoffiille wird in vollem Bausch in eine sehr breite Manschette gefaßt. Der 1830er Aermel eignet sich besonders siir Mäntel, Paletots und Jackets. Er ist ost dreiteilig geschnitten, mit abgesteppten Nähten und schließt um das Hand­gelenk mit einer am Anßenarm pattenartig aus- laufenden Manschette.

Sehr beliebt ist in dieser Saison eine, Schot­terung grau in grau, die manGrisaille" nennt und die in Wolle, sowie in Seide vorhanden ist. Als Gesellschafts- oder Diner-Toiletten. für altere Damen eignen sich Grisaille-Damaste nntBlumen-, Blatt- und Kugelmusterung oder auch mit durch­brochenen Effekten auf Loouisine und Faillegruud in silbergrau mit schwarz. Die Jugend wird wie- der viel'duftige Chiffons und chinierte Musselin- seiden tragen. Als Besatzmaterial bat mmt

Ist Deutschland tatsächlich Industrie-Staat?"

Marburg

Dounerstag, 8. Oktober 1903

__ Die Erkenntnis, daß der Gebildete unserer Tage für seine schriftlichen Arbeiten der Kurzschrift nicht entbehren könne, bricht sich mehr und mehr Bahn, und ebenso ungeteilt ist die Ueberzeugung, daß diese nützliche, Ferfigkeit erst dann die zur vollen Ausbeutung ihrer Vorteile notwendige Ver­breitung erlangen kann, wenn sie schon in der Scknle gelehrt wird. Auch anmaßgebender" Stelle verhehlt man sich diese Einsicht nicht, aber wenn man trotzdem der Stenographie noch die Pforten der Schule verschließt, so ist das in dem Bedenken gegründet, unter der Vielheit der Ein­laß begebrenben Systeme eine Wahl zu treffen: Ihr streitet Euch um den Ruhm, das beste System zu fein: werdet doch erst einig darüber, wem die Palme gebührt!"

In stenographfichen Kreisen pflichtete man diesen Erwägungen bei und war daher darauf be- adcht, die Hindernisse einer Einigung aus dem Wog zu räumen, man Prüfte die Unterscheidungen der einzelnen Snsteme und ihr Verhältnis zu den Ersor der nisf en einer Schnlstenographie. Nam ent- lich in letzter Beziehung sah man ein, daß es nicht Sache der Schule sein könne, ihre Zög- finge für den Svezialberus eines Kammer- und Tebattenstonographen heranzubilden, sondern man sagte sich: eine Schulstenographie muß, formal be­trachtet, sich den Grundsätzen des Schreib- und Sprachunterrichts anpassen, sie muß also Hand- gerecht geläufig und formenbildend sein und in ihren Wortbildern den Regeln der Wortbildungs­lehre entsprechen; praktisch betrachtet muß sie rasches und durchaus zuverlässiges Wiederlese» verbürgen und in ihrer Schnelligkeit so leistungs- fähia iein. da» der Schreibende mft ihr dem Se-

Licrtcljährlichcr Bezugspreis, bn der Expedition 2 Mch bei allen Postänitern 2,26 Mk. <exct. BeycUgeld).

JnsertionSgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Psg.

Reclamen: die Zette 25 Psg.

Umschau.

Veröffentlichungen deS Königlich preußischen Statistischen BureauS.

Das Königliche Statistische Bureau hat in der jüngsten Zeit der statistischen Literatur wieder einige wichtige Beiträge zukommen lassen. In erster Linie sind diejenigen Veröffentlichungen zu erwähnen, welche die Kenntnis der ursprünglichen Erhebungsergebnisse vermitteln. Hierher gehören die Hefte 176II und 177II derPreußischen Statisfik", welch letzteres den Band 177 zum Ab­schluß bringt, nachdem der dritte Teil von beiden Bänden schon vorher ausgegeben worden ist. Das Heft 177II der Preußischen Statistik enthält An­gaben über die Volkszählung von 1900, und zwar über die Gebürtigkeit der Bevölkerung, die Blin­den und Taubstummen sowie über Arbeits- und Wohnort der in den Großstädten usw. arbeitenden oder wohnenden Personen, deren Zählort und Wohnort am 1. Dezember 1900 derselbe, deren Arbeitsort aber ein anderer war. Im Heft 176 II welche die Statistik des gesamten niederen Schul­wesens im preußischen Staate für das Jahr 1901 behandelt, finden sich die Nachrichten über die öffentlichen und privaten Volks-, Mittel- und höheren Mädchenschulen sowie über die sonsfigen niederen Unterrichtsanstalten im Staate, in den Provinzen und Regierungsbezirken.

M dem KreiMatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

SermLassl-eUager Jlluftrrrtes Ssnrrtagsblatt.

Der deutschsoziale Parteitag.

In Hamburg fand der Parteftag der deutsch­sozialen Partei unter dem Vorsitze des Reichstags- Abgeordneten Liebermann v. Sonnenberg statt. Als erster Redner berichtete Herr Raab über die Tätigkeit der Abgeordneten im Reichstage. Der­selbe Redner sprach auch über die Stellung­nahme der Partei zum Zolltarif. Es folgte der Bericht über die Tätigkeit der Landtagsabgeord- netem Abg. v. Liebermann berichtete dann über die letzten Reichstagswahlen. Neun Wahlkreise, sagte er, seien mit Kandidaturen besetzt worden. Die bearbeiteten Wahlkreise hätten, obgleich die Arbeit außerordentlich schwierig gewesen sei, eine Zunahme der Stimmenzahl aufgewiesen. Aus den Wahlen zur Parteileitung gingen hervor: Abg. Liebermann v. Sonnenberg, Abg. Graf Reventlow, Abg. Amtsrichter Lattmann, Fr. Raab-Hamburg, Dr. Winterstein-Kassel, Rechts- anwalt K. Fischer-Braunschweig, Rechtsanwalt Jacobsen-Hamburg. Zum ersten Vorsitzenden wurde der Abg. Liebermann v. Sonnenberg ge­wählt. Zum PunktParteipresse" wird der fol­gende Antrag einstimmig angenommen: Der Parteitag ersucht den Vofttand, in Erwägungen darüber einzutreten, ob und wie eine Zusammen­fassung der verschiedenen Parteizeitungen erfolgen könne, um auf diesem Wege der Parieipresse eine größere Leistungsfähigkeit zu ermöglichen und ihren Ausbau zu fördern. Angenommen wurden bann fünf dem Parteitag vorgeschlagene Ent­schließungen: 1. über die unbedingte Festhaltung am gleichen, geheimen und direkten Reichstags- Wahlrecht, 2. über die Ausdehnung und Sicherung des Koalifionsrechts aller Arbeiter, 3. über den Ausbau der Invaliden- und Altersversicherung, besonders auch der Mittlern, selbständigen Ge­werbetreibenden, 4. über eine Reform des Schank- wirtschaftsgewerbes und 5. über die Errichtung von Kaufmannsgerichten.

Landwirtschaft:

15 Proz.

37,4 ,

30,7 .

22,9 .

87,5 ,

44,3 ,

. 36,9 ,

s Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag- Joh. Aug. Koch, UmveftitLtS-Buchdrucker-i H 38. Jühkg« Marburg, Markt 2L Telephon 55.

Von der Mode.

Für die Wintcrsaison hat die Mode ein so reich afJorticrteS Lager in Bereitschaft, daß es schwer hält in knappem Rahmen einen Ueberblid über das Ganze zu geben.

Auf dem Gebiete der Stoffe für Straßen- und Hauskleider herrschen elegante, weichwollige Hi- malayastoffe vor, die alle das Haarige zur Schau tragen, das in diesem Winter Trumpf ist. Klei- berftoffe, Hüte, Mäntel, alles ist fellartig. Eine Neuheit nennt sichZibeline-Wellins" und besteht in einem ganz fellähnlich gewebten Cachemire- imb Mokmirtuchgewebe in allen neuen Saison­farbe«. Die Pelzmode ist in ihren Kombinationen so großartig und mannigfaltig, daß man ihr ein besonderes Kapitel widmen müßte. Zum beson­deren Liebling der diesjährigen Wintermode hat man m Paris den Maulwurf erkoren. Zu Tau- senden wird den lichtscheuen, weichpelzigen kleinen Mineuarbeitern der Garaus gemacht, u. zum Trost dafür kleidet man sich in ihre Farben. Die grau­braune Maulwurfsfarbe ist dernier cn der Saison. Das winzige, sonst fast wertlose Fell ist plötzlich zu einem gesuchten .Handelsartikel ge­worden und steigt rapid im Preise.

Auch bei der für den Winter verkündeten , ©ammetmobe macht sich bas genre animal

Eine Antwort hierauf gibt die Deutsche Agrar-Korresp. durch folgende internationale Ueberficht. Von sämtlichen Erwerbstätigen der Gruppen:

Man sieht: Deutschland fünfter Stelle in derindustriellen Sntroidelung* und wird in den Prozentzahlen der landwirt­schaftlichen Bevölkerung nur von Frankreich etwas übertroffen. Eine, ausgesprochen in­dustrielle Erwerbstendenz zeigen von allen oben genannten Ländern nur England und Belgien.

Bestellungen

für daS vierte Quartal auf die

Oberhefsifche Zett««-" nebst ihren Beilagen werden von unserer Expedition (Markt 21) unseren Ausgabestellen in Kirch­hain und Neustadt, sowie von allen Post­anstalten und Landbriefträgern entgegen­genommen.

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Illusion und Wirklichkeit.

Es gibt gewisse politische Kreise, die den Reali­täten wenig Bedeutung beimessen, ihr ganzes,Ver­halten vielmehr von der Illusion abhängig machen. Sie hatte» sich in die Einbildung hinein­gelebt, daß der letzte sozialdemokratische Parteitag eine Spaltung mit sich bringen, daß eine Sdjeib- ung zwischen Revisionisten und Revolutionären erfolgen würde. Ihre Illusion wurde zerstört, der sozialdemokratische Parteitag bot schließlich, was auch an Beschimpfungen der einzelnen Genossen unter einander geleistet wurde, das Bild größter Einigkeit, die sogenannten Revisionisten hatten sich Revolutionären untergeordnet, well sie wußten, daß sie unmöglich sein würden in dem Augenblicke, in dem sie dem Machtgebote Bebels trotzen woll­ten. Die Jllusionspolitiker waren durch den Aus­fall des sozialdemokratischen Parteitages über­rascht, sie erkannten an, daß sie sich früher geirrt hätten und verlangten Bekämpfung der Partei auf allen Gebieten. Diese Anschauung hielt aber nicht lange vor. Nach dem Dresdener Parteitage erfolgt ein Zeitungskampf zwischen denAka- bemifern" ber sozialdemokratischen Partei unter einander und mit außerhalb ber Partei stehenden Personen, der einerseits viele derFührer" in einem durchaus nicht rosigen Lichte erscheinen ließ, andererseits an Gehässigkeit und Schimpssreudig- keit seines gleichen suchte. Der Streit erregte den Anschein, als ob einzelne Führer die gegenseftige Vernichtung im Auge hatten. Einer der sozial-, demokratischen Abgeordneten hat denn auch sein Mandat schon niebergelcgt, vielleicht wird dieser und jener noch dazu gezwungen werden. Kaum war dieser Kampf entbrannt, so wurde die Jllu- sionspolitik wieder von Neuem betrieben. Die genannten politischen Kreise hatten vergessen, daß der Dresdener Parteitag ihnen ganz andere Leh­ren gegeben hatte, sie schwelgten wieder in der Hoffnung auf eine Zersetzung der sozialdemo­kratischen Partei und rieten, die Partei nur sich selbst zu überlassen, sie würde schon von allein aus­einanderfallen. lind jetzt? Der litterarische Kampf ist ebenso wie die Nedesehde von Dresden zu Ende. Die Sozialdemokratie be­steht in voller Einmütigkeit, ja es ist anzmwhmen, daß sie die revisionistischen Ele­mente, die in ganz geringer Anzahl in ihr sitzen, allmählich abstößt und so noch schärfer als früher der revolutionären Idee huldigen wird. Die Jllu-