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Wremja" und der panslavistische „Swjet" für deutschfeindliche Meldungen. Das Bemühen dieser Klique ist darauf gerichtet, zwischen England und Deutschland, sowie zwischen Deutschland und den übrigen Dreibundmächten Zwietracht zu säen unb in Rußland das Gefühl zu erzeugen, als wühle Deutschland im Geheimen gegen Rußland. Gleichzeitig will man die Engländer glauben machen, man verfolge ihnen schädliche Zwecke, denen sie nur durch den engeren Anschluß an Rußland und Frankreich entgehen könnten. In Amerika schließlich arbeiteten die sogenannten Jingo-Blätter,, die „gelbe Presse", au der Herstellung deutfchfeind- licher Nachrichten. Namentlich die südamerikant- scheu Staaten werden scharf gemacht, und unter ihnen in erster Linie Brasilien, wo ja eine starke deutsche Bevölkerung ist, die natürlich genau ausgerechnet nach und nach „auf höheren Befehl" dorthin eingewandert ist, um im gegebenen Augenblick das ganze Land oder ein Teil dem deutschen Reich in die Hande zu spielen. Auch die während des Konfliktes mit Venezuela der deutschen Politik angedichteten finsteren Pläne, des China» Feldzuges gar nicht zu gedenken, sind noch in aller Erinnerung.
Trotz ihres meist reinen Unsinnes, finden die Lügen und Hetzereien vielfach gläubige Ohren, sodaß es schon ost nötig war, angesichts dieser deutschfeindlichen Treibereien, die Ziele unserer Politik darzulegen.
Nur so kann die von unseren Feinden geübte Vrunnenvergistung ihre Wirkung einbüßen und die Ehrlichkeit der deutschen Polstik schließlich die ihr gebührende Anerkennung finden. In Europa hat Deutschland keinen anderen Ehrgeiz, als auf der Grundlage seines gegenwärtigen Besitzstandes sich den Frieden so lange zu sichern, wie irgend möglich ist. In allen Verwickelungen der, letzten Jahre hat es, wie jetzt b/t den Wirren in den Balkan-Ländern, seinen Einfluß zur Erhaltung des Weltfriedens geltend gemacht.
An keiner Stelle ist versucht worden, in das innere Parteileben der Nachbarn einzugreifen. Wir sind in unseren Grenzpfählen geblieben und haben nach außen hin nur ein doppeltes Ziel zu verfolgen: den Ausbau unserer Kolonien und die Behauptung des Grundsatzes der offenen Tür, d. h. des Wettbewerbs zu gleichem Recht, wo immer neue Gebiete sich dem Handel der Kulturvölker erschließen. Dieses poliüsche Programm aber ist mit den berechtigten Interessen aller Mächte vereinbar.
Lin Vorschlag zur Lösung der sogenannten römischen Frage.
Der frühere Präsident des Reichsversicherungsamtes, Dr. Bödiker, bespricht im Oktoberheft der Preußischen Jahrbücher die wirtschaftliche und Po- littsche Lage Italiens und berührt dabei zum Schluß auch die sogenannte römische Frage. Eine Wiederherstellung des Kirchenstaates hält er nicht für möglich, wohl aber eine Aussöhnung desPapst- tums mit dem Königreiche Italien. Diese denkt er sich auf der Grundlage, „daß der Papst am rechten Tibernfer ein kleines, mit Trastevere beginnendes, also insbesondere die Peterskirche und
kraten, sondern auf den Anfang einer der Sozial- demokrasie gefährlichen Gegenbewegung unter der Bevölkerung schließen zu sollen. Er stützt diese seine Auffassung auf die Tatsache, daß. während bei den letzten Wahlen die Zunahme der sozialdemokratischen Stimmen auf Kosten der bürgerlichen Parteien sich vollzogen «habe, diesmal dem Anwachsen der sozialdemokratischen Stimmen um 900 000 eine Zunahme der Stimmen für die bürgerlichen Parteien von mehr als 800 000 gegenüberstehe. Er erblickt in dieser Tatsache das charakteristischste Merkmal der letzten Wahlbeweg- ung und erklärt sie, wie bereits erwähnt, aus einer im Volke immer mehr erstarkenden Gegenbewegung gegen die Sozialdemokratie. Diese letzte Schlußfolgermrg entspricht aber den Tatsachen durchaus nicht. Hier hat dem genannten Abgeordneten seine überaus optimistische Veranlagung wiederum einen Streich gespielt.
Zunächst ist es an sich nicht richtig, daß fest den Septennatswahlen von 1887 der Zuwachs der Sozialdemokratie sich stets auf Kosten der bürgerlichen Parteien vollzogen hat. Auch im Jahre 1893 ist mit der Zunahme der sozialdemo- krafischen Wahlsümmen eine Vermehrung der Stimmen der bürgerlichen Parteien Hand in Hand gegangen. Nur bei den Wahlen von 1890 und 1898 kann man daher von einer Verstärkung auf Kosten der bürgerlichen Parteien reden. Wenn man ferner die Ursachen der Vermehrung der bürgerlichen Sttmmen bei den letzten Wahlen sich ansieht, so wird man erkennen, daß diese Vermehrung in erster Linie der besseren Organisation und der stärkeren Tättgkeit dieser Parteien bei den Wahlen zu verdanken ist. Während die Sozialdemokratie vermöge ihrer straffen Organisatton regelmäßig alle ihre Anhänger an die Wahlurne heranbringt, ist es bekannllich früher bei den bürgerlichen Parteien nicht entfernt der Fall gewesen. Die große Zahl von Wählern, welche sich von der Wahl fernhält, gehört ausschließlich den bürgerlichen Parteien an. Bei den letzten Wahlen ist es dank der Verbesserung der Organisation und dem größeren Aufwande an Arbeit und materiellen Mitteln den bürgerlichen Par-, teien gelungen, einen größeren Teil dieser ihrer Reserve für die Wahlen zu mobilisieren und aus ihnen nicht nur den Verlust an die Sozialdemo- kratte zu ersetzen, sondern darüber hinaus noch ihre Reihen zu verstärken. Während der Zuwachs der sozialdemokratischen Stimmen um 900 000 bei den letzten Wahlen Reingewinn für diese Partei ist, und, fowest es ihr gelingt, die Wähler fest in ihre Reihen einzuordnen, auch eine entsprechende Vermehrung der Partei selbst bedeutet, hat die Zunahme der Sttmmen der bürgerlichen Parteien lediglich den Wert, daß man aus der großen Zahl der lässigen Angehörigen dieser Partei einen Teil zur Wahlbeteiligung hat bewegen können.
Ferner rüht die Zunahme der Sttmmen für die bürgerlichen Parteien bei den letzten Reichs- tagswablen noch davon her, daß, während früher die meisten bürgerlichen Parteien von der Aufstellung reiner Zählkandidaturen absahen, man diesmal im Parteiinteresse, um die Stärke der Partei nicht geringer erscheinen zu lassen, als sie in Wirklichkeit ist, vielfach auch Zählkandidaturen in solchen Greifen ausgestellt hat, wo nicht die mindeste Aussicht auf einen Wahlerfolg vorhanden
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einsttmmte. Sie hatten sich verstanden. Nach einer Stunde erschien der Assesior zu Tisch, er scherzte mit den Kindern und war so guter Laune, daß Lore ihn verwundert ansah. Sie fühlte sich so beklommen, denn die Stunde rückte immer näher, die sie für ihren Besuch beim Vater bestimmt hatte. Sie hatte Walter gebeten, sie ganz allein gehen zu lassen. Sie fühlte es,' bei der Begegnung war jeder Zeuge überflüssig, ja, er hätte sie unfreudig gemacht.
Als sie gegen 4 Uhr aus dem Hause trat, um ihren schweren Gang anzutreten, schlug eine drückende Schwüle ihr entgegen. Wie ein Alp legte es sich auf ihre Brust, in der das Herz ohnehin so unruhig klopfte. Noch ein wehmütiger Gruß ihrer ernsten Augen — und sie schritt der Allee entlang dem Walde zu.
Sie hatte so viel zu denken, daß ihr der Weg ungewöhnlich kurz däuchte, und war sehr verwundert, als sie sich in der Nähe der Wald'chenke sah, deren roteS Dach freundlich durch die Bäume schimmerte. Da stand auch Fran Siegfried auf der Schwelle; sie hieü die Augen gegen Himmel gerichtet, als ob sie dort etwas, wahrnehme, doch jetzt bemerkte sie die junge Frau und schritt ihr so rasch entgegen, als es die Fülle ihrer Gestalt nur zuließ. „Ach, solch ein lieber, guter Herr, Frau Lore!" rief sie schon von weitem.
Lore legte lächelnd den Finger auf den Mund und sah sich besorgt ringsum.
„Hier ist fein Lauscher," fuhr Frau Siegfried fort und schüttelte Lores Hand, „Gäste sind keine da. Sie brauchen keine Bange zu haben. Auch vor ihm nicht —" Frau Siegfried sah jetzt erft, daß Lore sehr bleich aussah und ein Zittern durch ihren Körper flog. „Wie ein Kind ist er. Heute morgens ist er schon unter der Linde gewesen, wir haben ihm den bequemen Stuhl hingetragen und da hat er eine Stunde lang gesessen. Der Hund kennt ihn auch schon. „Hektor," sagte ich, „hier fetz' dich her." Und wahrhaftig das kluge Tier
Deutschfeindliche Treibereien.
Die Fortschritte, die das deutsche Reich durch die Ueberlegenheit seiner Kultur und durch seine von aufrichtiger Friedensliebe getragene Polstik gemacht hat, erregen in steigendem Maße den Neid unserer Feinde. Die Folge ist, daß sich die deutschfeindlichen Treibereien in ausfälliger Weise vermehren. Schon seit längerem arbeitet gegen Deutschland eine wohlorganisierte internationale Gesellschaft, die von London über Paris, Brüssel, Prag bis Petersburg reicht und neuerdings ihre Verbindungen bis nach New-Zork und Washington ausgedehnt hat, wo sogar ein Hauptsitz ist. Auf diese Gesellschaft sind fast alle in der Presse auftauchenden deutschfeindlichen Nachrichten zurückzuführen. Der Mittelpunkt, die Zentrale, ist London, während die anderen Orte mehr oder minder große Filialen sind. Es sind namentlich die „Times" und die „National Review", die sich in der deutschfeindlichen Bewegung hervortun und in der Erfindung der unwahrscheinlichsten deutschen Erobernngsas- siiste und Kriegsabsichten geradezu Unglaubliches leisten. Je nach Bedarf tun es aber auch andere große englische Zeitungen. Bald wird an die Adresse Belgiens oder der Niederlande eine „selbstlose Warnung" gerichtet vor der „deutschen Raubgier", die namentlich Appetit nach den reichen Niederlanden habe. Als eine zeitlang einmal die Frage einer Postnnion zwischen letzterem St rate und dem deutschen Reiche erörtert wurde, wie tobten da einzelne deutschfeindlichen Zeitungen, die darin nur den Vorläfer einer baldigen Annexion sehen wollten.
Dann wieder beißt es, das deutsche Reich gedenke seinen Besitz durch Landerwerbungen im Orient und in Kleinasien „abzurunden", und was der Fabeln für politischeKinder mehr sind. Im Zu- sannnenhange hiermit wird dann weiter mit Vorliebe behauptet, die deutsche Politik habe es sich zum Ziele gesetzt, die staatliche Auflösung Oesterreich-Ungarns nach Kräften zu fördern, um sich dadurch den Weg nach dem Mittelmeer und dem Orient zu ebnen. In diesen Vermutungen haben die Franzosen sehr viel geleistet, die Kaiser Wilhelm II. abenteuerliche Pläne nahelegten, die Eroberung Salonikis sogar, um einen Stützpunkt auf dem Balkan zu haben. Roch in den letzten Tagen ging überdies das hierzu passende Märchen durch die Zeitungen, das offiziell dementiert, werden mußte, daß der zweit- und drittälteste Sohn des Kaisers bereits die ungarische Sprache erlernten, um einst diesen Staat als deutsches „Nebenland" zu beherrschen. Obwohl gerade die deutschfeindliche Legende über Oesterreich eine ungewöhnliche Verständnislosigkeit für das wirkliche Verhältnis Deutschlands zu der habsburgischen Monarchie voraussetzt, findet sie doch im Auslande nur zu bereitwillig Glauben. In Prag sind es die tschechischen Deutschenhasser, die an dieser internationalen Lügenfabrik beteiligt sind. In Petersburg sorgen die „Nowoje
Erscheint wöchentlich fiebert mal, Druck unb Verlag- Joh. Aug. Koch, UmversttAS-Buchbruckerck Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
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13 und mit auf 304 art.
K-.lt rem Krelsblatt sür die Kreise Marburg und Kirchtzmit.
SonntagsbeUager Jllustrirtes Smmtagsblatt. _____________________________
Umschau.
DaS Anwachsen der Sozialdemokratie.
Unter der Zahl derjenigen, die bemüht sind, den Eindruck des starken Anwachsens der sozial- demokratischen Sttmmen bei den letzten Reichstagswahlen abzuschwächen, findet sich merkwürdigerweise neuerdings auch ein scharfer Gegner der Sozialdemokratie, der sie oft wirksam in Wort und Schrift bekämpft hat. Der freikonservative Abg. Dr. Arendt glaubt, wie er in der Presse aus- führt, aus dem Stimmenverhältnis des 16. Juni nicht auf einen starken Erfolg der Sozialdemo-
~ Roman von I. Jobst.
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Walter runzelte die Stirn über diese Störung und wollte seine Frau kurz abfertigen, als sei« Bück zufällig auf Schäfer fiel, der kreidebleich, dre Augen weit aufgerissen, mit entsetztem Ans- drucke auf die liebliche Frau blickte, als sei sie ein G.sckpenst. Seine Burst holte keuchend Atem, wahrend sich die Hände ballten vor innerer Erregung. Er stotterte etwas Unzusammenhän- gendes von: „Wohl Ihre werte Frau — will nicht stören — ein andermal die Ehre —" und schob sich rücklings zur Tür hinaus, als könnte er bis Zum letzen Augenblicke seine Augen nicht ab- lvcnden von dem Furchtbaren, was er schaute.
$ie beiden Gatten sahen sich verblüfft an, bann sagte Lore neugierig: "Was hatte der Mann?"
Walter blickte Lore eine Weile nachdenklich an, dann sagte er mit schwerer Betonung: „Woher kannte Dich dieser Schäfer?"
„Schäfer? Das war Schäfer?" ^-^"^a, Kind, und nun besinne Dich einmal, ob dieser Mann Dir schon einmal begegnet ist?"
„Mir? Nein, Walter, den sah ich heute zum erstenmale.
„Bist Du ganz sicher?"
„Ganz sicher, liebster Mann."
. »Und doch verbindet er mit Deinem Anblicke irgend etwas Furchtbares, für ihn Bedrohliches
D^er Lchäfer muß noch etwas Schlimmeres auf dem Gewissen haben als die Veruntreuungen, die er sich hier in Hoffelde hat zu schulden kommen lassen. Die bedrücken ihn gar nicht weiter, sonst wäre er doch nicht hierher gekommen.
„Aber was hat denn der Mann mit mir zu schaffen?" sagte Lore ärgerlich. Ich will nichts mit ihm zu tun haben. Er ist auch kein Umgang
für Dich, denn nur Deine lauten Worte haben mich hierher gebracht, ich hatte Angst um Dich."
„Angst? Ach, Kind, welche unnötige Sorge!" entgegnete Walter.
„So? Meinst Du, daß dieser Schäfer nicht ein gefährlicher Mann ist für den, welchen er haßt? Und ich habe wohl den Blick gesehen, mst dem er Dich ansah, eher er mich bemerkte."
„Besser ehrlich Feind, als falsch Freund," sagte der Assessor.
„Dieser ist aber ein feiger heimtückischer, feiger Feind, Walter, und fein Benehmen vorhin läßt auf allerhand Schlimmes schließen. Der Mann ist eine Gefahr für uns."
„Kindchen, Du siehst Gespenster", beruhigte sie Walter jetzt, als er ihre Aufregung gewahrte. „Er wird sich schön hüten, sich an mich heran zu wagen, er weiß seit heute daß ich um seine Veruntreuungen weiß."
„Um so schlimmer für Dich. Der offenen Feindschaft läßt sich begegnen, derjenigen aber, die im Finstern schleicht, nicht."
Laute Kinderstimmen schallten von draußen ins Zimmer und lockten Lore hinaus, hatte sie doch das Töchterchen heute noch gar nicht gesehen. Sinnend blickte Walter ihr nach und sagte dann laut vor sich hin: „Warum erschrack der Kerl so sichtliche als er Lore erblickte? Ich muß doch mal nachfragen, ob Schäfer auch im Schloß war."
Der Assessor nahm seinen Hut und verließ das Hans. Er erfuhr von Erdmann, den er auf dem Hofe traf, daß Schäfer sofort zum Krug gegangen war, wo fein Wagen wartete, und auf und davon sei.
„Er hatte eS gewaltig eilig, Herr Leutnant, und sah ganz anders aus, als wie er kam. Der Empfang bei Ihnen muß ihm wohl nicht behagt haben." Der Inspektor sah Schulz pfiffig von der Sette an. „Einen Stuhl haben Sie ihm wohl angeboten?" Waller mußte lachen, als er in das verschmitzte Gesicht Erdmanns btiite, der kräftig mit
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setzt sich neben den Herrn und er sprach mit ihm allerlei, wobei ihn dann der Hektor so klug an« sah, wie nur so ein Hundevieh gucken kann. Der Siegfried sagt immer, der Hektor hat Menschenverstand. So haben sich die beiden ganz gut unterhalten und ich konnte meiner Arbeit nachgehen. Nachher hat er gegessen, recht mit Appetit, und dann hat er geschlafen bis nach drei Uhr. Er fitzt oben in seinem Zimmer am Fenster, wir dachten, es wäre Ihnen lieber, daß Sie ihn drinnen sähen, und haben ihn noch nicht hernnter- gebracht. Es ist auch sehr schwül und da oben braut sich was zusammen; gut, daß Sie noch trocken Herkommen. Es wäre nicht zu verwundern, wenn ein Wetter käme nach der Hitze."
Lore hörte der redseligen Alten zu, ohne sie zu unterbrechen, warf sie bei den letzten Worten einen besorgtenBlick nach oben. Sie schritten schon auf der Wiese dahin und Lore sah jetzt die Spitzen mächtiger Wolkengcbilde im Westen über den Baumkronen emporsteigen. Sinnen kurzem konnte das Wetter da fein, der dichte Wald hatte bisher der Aussicht gewehrt.
Tief aufatmend folgte sie dem Weg, der auf das Haus mündete. Es war eine entsetzlich« Schwüle, die wie ein Bann auf ihr lag, ober die Furch vor der Begegnung mit ihrem Vater? Energisch raffte sic sich auf und wies, als sie in die Haustüre trat, stumm jede weitere Begleitung ab. Allein stieg sie die schmale Treppe hinauf, die zu den Giebelstuben führte. Nun, stand sie oben auf dem niedrigen Flur und hielt sich einen Augenblick an dem Geländer fest, die Knie wollten ihr versagen. Lauschend bog sie den Kops vor, anS der Zimmertür dort vor ihr scholl leises Gemurmel. Ist er das? Ist es die Stimme des Vater«, die an ihr Ohr schlägt? Ein schmerzliches ^acheln über ihre namenlose Feigheit fliegt über tbre bleichen Züge und sie streicht sich, wie um sias zu beruhigen, mit der schlanken Hand über die Stirn.
.(Forffetzung folgt.)
Vierteljährlicher Bezugspreis: ba der Expedition 2 Mk„ äßdtbtttü
01*9 •/ .. bei allen Postämtern 2,25 Mk. <exct. Bestellgeld). ”
Jl=. äÖO JnsertionSgebühr: die gespaltene Zelle oder deren Raum 10 Psg. Donnerstag, 8. Oktober 1903. Reclamen: die Zelle 25 Psg. _______________________________
war. Es ist auf diese Weise, ohne daß in der Stärke der Parteien eine Aendening eingetreten wäre, den bürgerlichen Parteien eine ganze Anzahl von Wahlstimmen mehr zugeführt worden. Es unterliegt ja keinem Zweifel, daß die bürgerlichen Parteien, wenn sie ihre Kräfte voll entfalten, und wenn sie geschlossen gegen die Sozial- demokrasie austreten wollten, es heute noch tn der Hand haben, die letztere bei den Wahlen völlig unschädlich zu machen, aber es ist unrichtig und rrre- sührend, wenn man die aus anderen Ursachen her- rührende Zunahme der Stimmen für die bürgerlichen Parteien bei den lebten Reichstagswahle« als die Frucht einer gegen die Sozialdemokratir gerichteten Gegenbewegung im Volke darstrllt. Und eS ist taktisch verkehrt, so zu verfahren, weil man dadurch der ohnehin so beklagenswerten Läsfigkett innerhalb der bürgerlichen Patteirn aufs neue Vorschub leistet, während es doch gerade darauf ankommt, die bürgerlichen Patteieu aufzurüttelu und sie zu einer energischen Bekämpfung der Sozialdemokratie aufzurufen, solange es dazu noch Zett ist.
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Feuersicherheit der Warenhäuser.
Die vielfachen Brände großer Warenhäuser, wie sie im letzten Jahre in Berlin, Braunschweig, Frankfurt a. M., Hannover, Hildesheim, Karlsruhe, Luckenwalde, Nürnberg, Rixdors, WormS u. a. Städten, und zuletzt noch in Budapest und Christiania zu verzeichnen waren, haben mit erschreckender Deutlichkeit gezeigt, welche Gefahren die Warenhäuser sowohl für die darin tätigen Angestellten, als auch für die Warenhausbesucher in sich bergen. An- ichtS dieser Vorgänge erheischt eS die öffentliche Sicherheit gebieterisch, daß Untersuchungen darüber angestellt werden, ob die Vorschriften, die in bau- und feuerpolizeilicher Hinsicht für die Warenhäuser u. s. f. erlassen worden find, einen ausreichenden Schutz vor Feuersgefahr verbürgen. Die Ortsgruppen deS Deutsch- nationalen Handlungsgehilfen-Verbandes haben sich deshalb in Anknüpfung an die Vorfälle der letzten Zeit an ihre Oltspolizeibehörden mit dem Gesuch gewandt, in die Vorschriften eine Reihe detaillierter Bestimmungen aufzunehmen, die die Folgen der Feuersgefahr zu vermindern geeignet sind. Es wäre zu wünschen, daß diesen Vorschlägen seitens der zuständigen Behörden volle Ausmerksamkett geschenkt wird.
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