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lädt im Kursblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Snnntagsbcilage- JllusirirtcS SonntagSblatt.__
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zusammen.
einen verbunden waren, über den Wahlkampf hinaus verstimmend nach und stören demzufolge auch das Zusammenwirken der betreffenden Richtungen in den Parlamenten. Vom Standpunkt wirklich staatserhaltender Politik und im Interesse gemeinsamer Abwehr gegen den allgemeinen Feind können gegenüber solchen politischen Nach- teilen etwaige Mandatsgüvinne für die eine oder andere der beteiligten Parteien nicht ernstlich ins Gewicht fallen, zumal wenn, wie es scheint, solche etwaigen Verschiebungen nicht von Einfluß auf die Zusammensetzung des Abgeordnetenhauses im Ganzen und auf die Mehrheitsbildung in demselben sein würden. Mau kann daher nur wünschen, daß der Appell, welchen der erwähnte Wahl- aufruf an die benachbarten Parteien links und rechts richtet, sich zu gemeinsamer patriotischer Arbeit im Dienste des Vaterlandes zu vereinigen, von Erfolg begleitet sein möge.
ren, die zu berechtigten Zweifeln Anlaß gaben, daß dieses Bündnis überhaupt noch bestehe. Die Zusammenkunft der Monarchen ist daher von großer Wichftgkeit als Beweis des Fortbestehens der freundschaftlichsten Beziehungen zwischen Oesterreich-Ungarn und Rußland.
Die Frage der Reformen hat die Oeffentlichkeit schon lange beschäftigt, und es wurden schon die wunderlichsten Vorschläge gemacht, sie zu lösen. Von der Autonomie Mazedonien unter einem christlichen Gouverneur bis zur Depossedierung der Türkei sind alle Möglichkeiten erörtert und erwogen worden. Mag die freiwillige Mftarbeit auch von recht zweifelhaftem Wert sein, so muß doch die Frage aufgeworfen werden: Was geschieht wenn das Reformprogramm sich endgiltig als undurchführbar erweist? Daß diese Frage aber auch früher oder später ben den Reformmächten erörtert werden nmß, liegt auf der Hand. Es darf nicht erwartet werden, daß die konservative und auf Erhaltung des Friedens gerichtete Politik, die sich in dem Reformprogramm ausspricht, auch dann nicht verlassen werden wird, wenn der Versuch einer Reformierung des Zustandes als gescheitert anzusehen ist. Sicher aber ist, daß sie nicht im Sinne der mazedonischen Komitees beantwortet werden wird. Daß der bisher eingeschlagene Weg der richttge war, dagegen wird auch durch die neuen Ausbrüche des mazedonischen Aufstandes nichts bewiesen. Dieser zeigt höchstens, daß es auf dem Balkan noch etwas schlimmeres gibt, als die Mißwirtschaft der türkischen Verwaltungen. Das effektive Ziel wird auch in Zukunft sein müssen, den christlichen Untertanen des Sultans ohne grundstürzende Umwälzungen eine menschenwürdige Existenz zu schaffen, vor allen: aber die interessanten Balkannationen wissen zu lassen, daß die abendländischen Mächte sich nicht mißbrauchen lassen werden. Sollte eine bewaffnete Intervention — gegen die Kaiser Nikolaus sich vorläufig noch ablehnend verhielt— unvermeidlich werden, so wird sie gewiß anders ausfallen, als die Aufstandsführer und die mit ihnen sympathisierenden Kreise in einzelnen Balkan- f tonten träumen. Denn um grobbulgarische Politik zu machen, kamen die beiden Kaiser sicher nicht
Was ist von Pius X. zu erwarten?
Diese Frage sucht im Oktobcrheft der „Deutschen Revue" der Kirchenhistoriker v. Schulte zu beantworten. Zur Beantwortung dieser Frage faßt dieser zunächst die Persönlichkeit des neuen
Marburg -
Mittwoch, 7. Oktober 1903.
Militärische-.
Die „Hamb. Nachrichten" machen folgenden Vorschlag zur Verbesserung de8 Avancements in der Armee und zur Vermeidung frühzeitiger Pensionierungen: „Die Erhaltung der Schlagfertigkeit der Armee ist das oberste Gesetz. Daher ist die Besetzung aller Dienststellen mit körperlich und geistig gleichmäßig leistungsfähigen Elementen die unabweisbare Pflicht der Heeresverwaltung. Um dieser Pflicht zu genügen, ist eS unvermeidlich, daß manche Härten unterlaufen; so vorzeitige Pensionierungen und kurzes Verbleiben der Offiziere in den höheren Stellungen der Armee, wobei sie in denselben kaum warm werden. Trotzdem stockt daS Avane- ment. Als Mütel zur Aufbesserung desselben wirb daS in Aussicht stehende neue Militär- pensionkgcsetz angesehen, und zwar in der Erwartung, daß es durch dasselbe möglich wird, noch frühzeitiger als bisher Pensionierungen eintreten zu lassen. Eine andere Maßregel zur Verbesierung deS Avancements, welche hiermit zum Vorschlag gebracht werden soll, wäre der Entschluß der Heeresverwaltung, in Zukunst sämtliche Stellen, welche bisher mit Offizieren zur Disposition besetzt wurden, in solche für aktive Offiziere umzuwandeln, welche ihren vollen Gehalt, ausschließlich der Pferdegelder, weiter bezögen und die Bewilligung der zur Durchführung dieser Maßregel erforderlichen Kosten seitens des Reichstags. Durch solche Maßregel würde eS ermöglicht, Offizieren, welche sich nicht mehr voll für den Frontdienst eignen, zeitiger als bisher in die in Frage stehenden Stellungen überzuführen, während sie heute um des PenfionSfatzeS wegen länger als wünschenswert bei den Regimentern verbleiben und so daS Avancement der übrigen hemmen. Sie würden nach Ausführung unseres Vorschlages mit ihren Kameraden weiter avancieren können, bi« sie sich eine zulängliche Pension verdient haben. So würde z. B. ein Hauptmann zweiter Klaffe, welcher in die Stellung eines Bezirkkoffiziers einrückt, in dieser zum Hauptmann erster Klasse und zum Major auf-
Viertkljährlichcr Bezugspreis; bti der Expedition 2 Ml, bei allen Postämtern 2,25 Mk. <rxct. Bestellgeld).
JnsertionSgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
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rücken können und bei seiner Verabschiedung di» Pension eines Stabsoffiziers erhalten, und auch ein Bataillonskommandeur, der die Stelle eines Bezirkskommandeurs übernähme, avancierte in dieser zum Oberstleutnant und Oberst und ginge mit der Pension des Regimentskommandeur? außer Dienst. Nicht allein da? Avancement aber würde durch solches Vorgehen aufgebeffert, sondern es könnte sich auch die Versorgung einer großen Anzahl Offiziere, welche bisher kümmerlich war, zufriedenstellender gestalten. _______
Neubauten für unsere Flotte.
Jetzt, zu Beginn deS Winterhalbjahres, befinden sich 18 Schiffe für unsere Flotte auf den Werften im Bau, so daß eS während der kommenden Monate an kriegsschiffbaulichen Arbeiten nicht fehlen wird. 6 Schiffe liegen noch auf den Hellingen, 12 befinden sich im Stadium deS Ausbaues; von diesen liefen allein 8 im Laufe dieses Jahres vom Stapel. DaS Hauptgewicht liegt feit Erlaß der Flottengefetze unstreitig beim Bau vollwertiger Linienschiffe. Von den 8 Neubauten dieser Klasse werden „Mecklenburg" und „Schwaben" schon in nächster Zeit fertig werden. „Braunschweig", „Elsaß" und „Heffen" erhalten die inneren Einrichtungen, während „K", „M" und „N" noch auf Stapel liegen. Von den 4 Panzerkreuzern gehen „Friedrich Karl", „Prinz Adalbert" und „Roon" ihrer Fertigstellung entgegen; „Ersatz Deutschland" liegt dagegen noch auf dem, Stapel. Weiter befinden sich noch 6 Kreuzer im Bau, und zwar „Undine", „Hamburg", „Bremen", „Berlin", die bereits den Stapel verlaffen haben, sowie „M* und „Ersatz Merkur" als Neubauten. Am Bau dieser 18 neuen Schiffe find außer den drei kaiserlichen Werften Kiel, Wilhelmshaven und Danzig sechs Privatwersten_ beteiligt. Es gereicht der Marineverwaltung zum Verdienst, daß sie auf eine fortgesetzte Zu- Weisung staatlicher Austräge an die Privatindustrie Bedacht genommen hat. Nur 1 Linienschiff, 2 Panzerkreuzer und 1 Kreuzer werden auf den fiskalischen Werften erbaut, alle übrigen Schiffe auf den Privatwerften. Die Germania- Werft in Kiel baut gegenwärtig drei, die Schichauwerft in Danzig zwei Linienschiffe, die Vulkanwerst bei Stettin zwei Linienschiffe und zwei Kreuzer, die Werft von Blohm & Voß in Hamburg zwei Panzerkreuzer, die Weserwerft bei Bremen zwei Kreuzer und HowaldtSwerke bei Kiel bauen einen Kreuzer. Alle zum Bau von Kriegsschiffen eingerichteten Schiffswerften werden zurzeit also für den Ausbau der Flotte in Anspruch genommen.
Umschau.
Zu den Landtags wählen.
Mit Recht hebt der Wahlaufruf der freifonfer- vativen Partei am Ende die Notwendigkeit des Zusammenschlusses aller staatserhaltenden und patriotischen Männer angesichts der Bedrohung unserer gesamten Staats- und Rechtsordnung und der Monarchie durch die Sozialdemokratie hervor. Es kann in der Tat im Hinblick auf den Fehdehandschuh, welchen die Sozialdemokratie auf dem Dresdener Parteitage allen bürgerlichen Parteien hingeworfen hat, nichts politisch Verkehrteres geben, als wenn gerade in dem Augenblicke, wo die Sozialdemokratie alle Minen springen läßt, um auch in den preußischen Landtag einzuziehcn, sich die einander nahe stehenden staatserhaltenden Richtungen besonders scharf bekämpfen wollten. Erfahrungsgemäß wirken gerade solche Wahlkämpfe zwischen einander nahe stehenden Parteien, namentlich wenn sie mit einem Frontwechsel der
Lothar Wende.
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für das vierte Quartal aiff die
„Oberheffifche Zeit»««" nebst ihren Beilagen werden von nuferer Expedition (Markt 21) unseren Ausgabestellen in Kirchhain und Neustadt, sowie von allen Post- anstalte» und Landbriesträgern entgegengenommen.
Die Bedeutung der Zwei-Kaiser-Zusammenkunft.
Man schreibt uns: Die Bedeutung der Zwei- kaiserzusammenkunst gerade im gegenwärtigen Augenblick, in dem der mazedonische Aufstand heftiger als je aufflammt, von den insurgierteu westlichen Wilajets von Monastir und Saloniki sich bis ins Wilajet Adrianopel ausgebreitet hat und von Tag zu Tag an Grausamkeit zunimmt, ist unmöglich zu verkennen. Die Lage der Türkei wird immer schwieriger. Es ist gar nicht zu bezweifeln, daß sie von dem besten Willen beseelt ist, das von den Mächten Oesterreich-Ungarn und Rußland ausgebreitete Reformprogramm durchzuführen, aber die Türkei besitzt nicht den Verwalt, ungsapparat, der notwendig ist, die unwissende und verhetzte Bevölkerung über die Segnungen der Reformbestrebungen aufzuklären und dafür zu sorgen, daß eine tatsächliche Besserung in der Lage der christlichen Bevölkerung eintritt. Auch ist es den revolutionierenden bulgarischen Ko-uites gar nicht um Resonuen und Verbesserungen zu tim, sondern nm die Herstellung eines großbul- 'garischen Reiches, um den Anschluß der mazcdoni- schenWilajets an Bulgarien, und es würde selbst einem besser organisierten Staatswesen sehr schwer fallen, wenn nicht gar unmöglich sein, bei einer derartig aufgeregten, von durch das Land ziehenden mordenden Banden erschreckten und erbitterten Bevölkerung Politische und wirtschaftliche Reformen einzusühren. Dazu waren der Türkei noch große Verlegenheiten bereitet worden durch die Ermordung der beiden russischen Konsuln in Milrowitza und in Monastir und die dadurch veranlaßten harten Kenugtuungssorderungen Rußlands und die Entsendung russischer Kriegsschiffe in demonstrativer Absicht in türkische Gewässer. Durch diese sind die Kühnheit und die Zuversicht der Komitatschis so gestiegen, daß auch der Westen Europas der weiteren Entwickelung auf der Balkanhalbinsel mit Besorgnis entgegensieht. In dieser Zeit ist es daher von sehr großer Bcuchig- ung zu wissen, daß das russisch-österreichisch-ungarische Bündnis zur Erhaltung des Friedens und des territorialen Besitzstandes noch besteht, und diese Zuversicht kann durch nichts so sehr befestigt werden wie durch die eben stattgefundene Zusammenkunft der Monarchen dec Bündnisstaaten in Mürzsteg. Die Bekundung, daß das Bündnis zur Reformaktion noch fortbestehe, ist um so erfreulicher und schwerwiegender, weil in der letzten Zeit Vorgänge und Ereignisse vorgekommen wa-
Erscheint wöchentlich sieben mal. ’ - oo g, „
Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, UrnverfitätS-Biichbruckerei 38«
"Av* Marburg, Markt 21. — Tckephon 55. * ■ <_
40 (Nachdruck verboten.)
Fra« Lore.
Rowan von I. I o b st. - ;
(Fortsetzung.) .
„Du weißt doch, daß im Herbst die Reichstags- Wahlen sind, Lore?"
Sie nickte.
„Nun, siehst Du, da kommt nun alles darauf an, daß der alte bewährte Vertreter unseres Krei« ses, Freiherr von Wietersheim, wieder aetvähft wird, wie er schon feit einer langen Reihe von Wahlperioden stets anstandslos mit großer Majorität aus der Wahlkampagne hervorging. Als man nun diesmal seine Fühlfäden im Kreise aus- streckte, begegnete mau überall beim kleinen Manu Achselzucken und immer deutlicher ertönte aus den verworrenen Reden ein anderer Name heraus —" _
„Und der ist Schäfer?" fiel Lore ein, die dem Bericht atemlos folgte.
„Nein, nicht Schäfer, Kind. Der weiß nur zu gut, daß er keine Aussicht hätte, aber ein bäuerlicher Grundbesitzer ist als Gegenkandidat aufge- stellt, ein Manu ohne Grundsätze, der jedoch gut zu reden versteht. Er hat mächtigen Anhang unter der Bevölkerung, bei den Bauern der größten Kir- chendörfer, und ist — das ist die Hauptsache — der Intimus von Schäfer, der mit allen Mitteln rück- fichtslos für seinen Kandidaten arbeitet oder viel- mehr gearbeitet hat. Die hohen Herren fühlen sich mal wieder zu sicher und stehen nun schon beim Beginn der Arbest fast einer festen Tatsache gegenüber. Nun hat heute der alte Herr einen Brief von Forstmeister Wieblitz bekominen, in welchem ihm dieser heftige Vorwürfe maclst. Du kennst ja die Art unseres Freundes, der nimmt kein Blatt vor den Mund. Na, der Baron ist teufelswild.
Es ist ja eine alte Geschichte, je mehr man sein Unrecht fühlt, desto wütender wird man. Ich soll nun vorsichtig hier Bei unseren Leuten Umfrage halten, ob auch in unserem Dorfe schon irgendwie eingewirkt ist."
„Aber den Schäfer kennt doch hier jedes Kind," sagte Lore. „Ganz offenkundig haben sie ihn des Diebstahls angeklagt. Denk' doch an Erdmann."
„Das tut nichts," erwiderte Walter. „In der Wahlschlacht trägt der den Sieg davon, der die Leute zu nehmen weiß. Schäfer soll doch nicht gewählt werden, sondern Schmidt, und ist nicht viel mehr als ein einfacher Bauer, steht ihnen also wett näher wie der hochgeborene Herr von und zu Wietersheim."
„Aber es wäre doch zu schändlich, wenn dieser Schäfer einen solchen Triumph feiern sollte."
„Es sieht bedenklich darnach aus und so haben die Herren Standesgenossen denn beschlossen, diesem Eindringling ihren Kreis zu öffnen und die vornehme Reserve aufzugeben. Sie wollen es mal wieder mit der alten Wahrheit verfuchen, daß der Emporkömmling stets nach oben stiebt und dann die Letter umzustoßen pflegt, die ihn empor getragen hat. Schäfer soll eine reizende Tochter haben und da diese als einziges Kind dermaleinst die Erbin des schönen Gutes wird, hat es ja nicht schwer gehalten, einen Träger uralten Namens ausfindig zu machen, der als Parlamentär in das feindtiche Lager ausgefendet wird. Im Herrenzimmer des Hotels Roland ist Schäfer schon im intimen Kreise empfangen worden; besagter vornehmer Freiersmann hat ihn eingeführt. Seit der Zeit trägt der frühere Inspektor den Nacken noch steifer und wenn er jetzt auf den Gütern herumfährt und seine Besuche macht mtt Frau und Tochter, wird er wohl oder übel empfangen werden. Ich bin wirklich begierig, wie weit die Farce getrieben wird, der leidigen Politik wegen. Es wäre
ja auch eine aufsehenerregende Niederlage, wenn der bisherige Neichstagsabgeordnete einem ungebildeten Emporkömmling weichen müßte, der in jeder Beziehung eine Null ist und nur dem Fluch des Lächerlichen von Anfang an verfallen wäre."
„Ach, liebster Mann, fo etwas ist doch ganz undenkbar, aber es ist schlimm genug, wenn sich die Herren einem solchen Menschen gegenüber auf solche Weise erniedrigen müssen."
Der Eintritt des Kindermädchens unterbrach das Gespräch. „Ein Herr wünscht Herrn Leutnant zu sprechen."
„Ach, ich weiß schon, führen Sie den Herrn herein. Es ist der Holzhändler, den ich erwarte."
„Ich gehe in mein Zimmer, Walter, und komme nachher wieder, denn ich habe Dich noch vieles zu fragen."
Lore verschwand im Nebnzimmer.
Walter suchte auf dem Schreibtich seine Notizen, die er sich auf den erwartenden Besuch des Käufers zurechtgelegt hatte, bis ihn ein ©offnen der Tür veranlaßte, sich umzudrehen.
Er sah ein rundes, breites Männergesicht, aus dem ein paar listige, blaue Augen prüfend an- blickten. Die Gestalt des Besuchers war nicht groß — Walter überragte ihn um ein Beträchtliches — aber, wie man zu sagen pflegt, tote mit Keulen zusammengeschlagen, die Schultern breit, die Hände wuchtig, die Füße groß und plump. Das Lächeln, das um die wulstigen Lippen spielte, hatte etwas Herausforderndes und rief, wie die ganze Persönlichkeit, bei dem Assessor ein Gefühl der Abneigung hervor. So blieb er den ruhig an dem Schreibtiche stehen, zu seiner ganzen Größe emporgereckt, und seine Augen erwiderten mit abwehrendem Stolz die Vertraulichkeit, die ans dem Benehmen des Besuchers sprach.
„Sie sind Holzhändler, der mir seinen Besuch ankündigte?" fragte er geschäststoäßig.
„Hahal Guter Witz, Herr Assessor oder Herr Leutitant, wie Sie hier ja meist genannt werden."
Walter blickte den Lacher mit eisiger Verwunderung an, denn ein plötzlicher Gedanke sprang in seinem Gehirn auf wie ein Blitz: „Das ist Schäferl" er sollte sich nicht geirrt haben.
„Holzhändler — selbst Holzhändler, Herr von Schulz. Nebrigens bemerkenswertes Zusammentreffen, daß Sie denselben Namen führen wie Ihr Brotherr. Vielleicht auch Baroit, wenn ich fragen darf?"
„Nur von Schulz, bitte," langsam schritt Walter auf den lachenden Herrn zu, der sich jetzt mit wuchtigen Schritten auf ibn zu bewegte, es sah aus, als ob Schulz den Eindringling zur Tür zurückdrängen wollte, und er erreichte wenigstens das eine, daß Schäfer stehen blieb.
„Dürfte ich nun endlich um Ihren Nanten bitten?" Das blitzende Ange Walters ruhte zwirn gend auf dem soviel kleineren Mann.
„Spaß, daß Sie danach noch fragen müssen. Bin doch lange genug in der Gegend, daß mich jeder kennen müßte, insbesondere mein Nachfolger."
„Sie find also der frühere Oberinspektor von Hoffelde?"
„Sie sagen es," betonte Plötzlich der Besucher, „und Sie sind der Nachiolger in meinem Amt---"
„Als.Administrator," ergänzte Walter^kalt und machte keine Miene, dem Besucher einen Stuhls auzu bieten. .
Eine dicke ZorneLader wölbte sich über Scha< fers Stirn, das Lächeln war ihm vergangen. Wessen erdreistete, sich der arme Schlucker da voy ihm, der in derselben Stelle war, wie er frühes ob er sich nun Administrator nannte oder Obep>