mit -em MeMlatt für die Kreise Marburg unb Kirchhain.
Sonntagsbeilager JUustrirtes Souutagsblatt. '
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Die wirtschaftliche Lage.
- Unser Wirtschaftsleben hat in der letzten Zeit eine Krisis durchgemacht, wie sie jeder Jugendentwicklung einer aufstrebenden Nation in inehr oder minder starkem Maste eigen ist. Forscht man nach den Ursachen dieser rückläufigen Bewegung, so wird man sich in erster Linie des vielfach ganz außer Acht gelassenen Grundgesetzes das „Auf und nieder" im wirtschaftlichen Leben erinnern müssen, bevor man auf die Suche nach anderen Faktoren geht, die für den Niedergang verantwortlich gemacht werden. Ebensowenig, wie es im wirtschaftlichen Leben einen Stillstand gibt, kann es ein gleichmäßiges unveränderliches Fortschreiten der Entwicklung nach einer bestimmten Richtung, sei sie aufsteigend oder absteigend, geben. Vielmehr folgt mit der Notwendigkeit eines Naturgesetzes auf eine Periode des Aufschwunges unvermeidlich eine Abschrägung, ein Niedergang, oft sogar schlechte Zeiten, und wieder umgekehrt.
Nur wenn man dieses wirtschaftliche Grundgesetz gebührend würdigt, kann man zu einer richtigen Abschätzung der übrigen Faktoren gelangen, die mitbeftimmend auf den zeitweiligen jetzigen Niedergang eingewirkt haben. Als besondere Ursachen kommen in Betracht die Ueberspekulation und die Ueberproduktion. Die allgemeine Regsamkeit des Marktes verleitete zahlreiche Betriebe zu einem so massenhaften HinauSwerfen industrieller Erzeugnisse aller Art, daß der Verbrauch nicht gleichen Schritt halten konnte. Infolgedessen entsprach schließlich der innere Wert vieler Jn- dustriepapiere bei weitem nicht mehr ihren hohen Kursen, und so konnte der Rückstoß nicht auS- bleiben. Die schwersten Verfehlungen, die sich die Ueberspekulation hat zu Schulden kommen lassen, sind die Krisen in dem Bankwesen und die Verteuerung der Preise der wichtigsten Lebensbedürfnissen durch den mammonisti- fchen Spekulationstrieb geldmächtiger und geldgieriger Großhändler.
Alles in Allem muß es aber als ein sehr gutes und erfreuliches Zeichen für unsere wirtschaftliche Widerstandskraft angesehen werden, daß die mannigfachen krisenhaften Erscheinungen auf einen verhältnismäßig erträglichen Umfang beschränkt geblieben und nicht einen allgemeinen Rückschlag zur Folge gehabt haben. Die Erscheinungen sind im großen und ganzen nur ans der Oberfläche unseres wirtschaftlichen Lebens fühlbar geworden und haben den Kern des nationalen Wohlstandes unberührt gelassen. Wir haben in der Tat keinen begründeten Anlaß, die stattgehabte rückläufige
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Frau Lore.
Roman von I. I o b st.
kFortfetznna.)
„Nun kann ich meinen Weg allein finden, Herr von Schierstedt," unterbrach sie freundlichen Tones das lange Schweigen.
„Sie werden mir doch gestatten, daß ich Ihnen bis zum Schlüsse das Geleit gebe, gnädige Frau? Wir haben immerhin noch ein Viertelstündchen Weges vor uns."
„Gern, Herr von Schierstedt!" lautete die Antwort, doch als sie von neuem weiterschrillen, ging sie zu seiner Seite und plauderte fröhlich von allerhand gleichgiltigen Dingen. Er sollte fühlen, daß sie vergessen wollte, daß die Vergangenheit tot für sie sei. Sie bemerkte nicht, wie ihre Nähe ihn berauschte — zwang sie der schmale Weg, Seite an Seite zu wandern — sie ahnte nicht, daß der Wohllaut ihrer Stimme, das helle Lachen, der freundliche Blick ihrer blauen Augen das heimliche Feuer schürten, welches sein Herz verzehrte. So schrak sie jählings zusammen, als die Hand des jungen Mannes sich Plötzlich mit leisem Druck auf ihren Arm legte, während die erstickten Laute: „Lore, ach Lore!" sie vor etwas Unerwartetem, Gefährlichen warnten. Sie hatten sich zu sicher gewähnt. Was wußte sie von der Glut verschmähter Liebe, die in wahnsinnigem Verlangen nach ihr dürstete! Daß Schierstedt Liebe begehrte, wo sie ihm Mitleid bot, verblüffte sie zuerst derart, daß sie ihn verwirrt anblickte, während er in hastender Rede sie beschwor: „Verzeihe mir, was ich an Dir ist. Du bist gerecht, Lore, denn ich liebe Dich heißer noch als in der Mondnacht, da Du an meinem Herzen lagst. Einmal noch last es mich Dir sagen, einmal noch sieh mir ins Auge, wenn auch
Bewegung zur Schreckensgestalt zu machen, sondern dürfen uns getrost die fachmännische Ansicht zu Nutze machen, daß eine Ruhepause dem wirtschaftlichen Gesamtorganismus heilsam ist, damit er neue Kräfte zum frischenAufslieg farmneln kann.
Dieser Aufstieg wird, um so gewisser und erfolgreicher sein, je günstiger sich die Neuregelung unserer Handelsbeziehungen zum Auslande in dem Sinne eines kräftigen Schuhes der nationalen Arbeit gestaltet. Wie tief die Handelsvertrags- frage das wirtschaftliche Leben berührt, läßt sich aus dem brennenden Interesse ermessen, das der Frage entgegengebracht wird und das noch mit jedem Tage zunimmt, obwohl der neue Reichstag von der Beratung über die bevorstehenden Verträge noch ziemlich entfernt ist. Weite Kreise unseres Volkes sind in ihrem Wohlstand zurückgegangen, und naturgemäß haben diejenigen Betriebe, welche auf einen kräftigen Abnehmer im Inlands zu sehen haben, unter dieser Notlage ihr Teil zu leiden. Der richtige Ausgleich zwischen Handel, Industrie und Landwirtschaft ist daher für alle Teile in ihrem Interesse und im Interesse des allgemeinen Nationalwohlstandes von höchster Wichtigkeit. Die Erledigung der neuen Handelsverträge auf der Grundlage eines den Verhältnissen entsprechenden Schutzes der nationalen Erzeugnisse wird das beste Msttel fein, um gegen den wirtschaftlichen Rücklauf ein Gegengewicht zu schaffen und alle Bedingungen eines baldigen Wiederaufschwunges herzustellen.
Umschau.
Keine Illusionen!
Der „Vorwärts" will die „Peinlichkeiten", welche die Sozialdemokratie augenblicklich behelligen, nur als „äußerliche Erscheinungen" gelten lasten, „die unbeschadet aller sachlichen und ersprießlichen Auseinandersetzungen vorübergehen werden", ohne das Innere der sozialdemokratischen Bewegung zu berühre,:. Auch die bereits erfolgten oder noch erfolgenden Mandatsniederlegungen ändern daran nichts. Aus die Mandatsniederlegung des sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten und vormaligen Pastors Goehre ist die des Stuttgarter sozialdemokratischen ReichLtagsabgeordneten Hildebrand gefolgt. Hildebrand bekannte sich öffentlich als Revifionisten und hatte damit zur Begründung seines Schrittes genug gesagt. In Süddeutschland denken noch mehrere sozialistische Reichstagsabgeordnete genau so wie Hildebrand. Es ist daher wahrscheinlich, daß in Kürze auch noch weitere Mandatsniederlegungenerfolgen werden. In Norddeutschland liegen die Dinge ähnlich. Zunächst wird der Abgeordnete Heine gezwungen w..den, sein.Mandat niederzulegen. Der Breslauer ReichktagS- abgeordnete Dr. Bernstein dürfte sich gleichfalls nicht mehr lange seines Mandates erfreuen. Er hat- es noch dieser Tage gewagt, den Löwen zu reizen, indem er öffentlich erklärte: In Sachen des Revisionismus werde ich nach wie vor betonen, daß dis Partei schrittweise von der abstrakten Derneinungspolitik zur Mitarbeit an
nicht in Liebe, so doch in Erbarmen mit meiner Qual. Du bist glücklich, Lore, und das. ist meine gerechte Strafe. Ich fühle es, ich lefe es in Deinen süßen Augen, Deine Liebe zu mir ist erstorben, nicht mehr ein Funke glüht mehr unter der Asche der Erinnerung. Oder irre ick " ck. sprechen Deine freundlichen Blicke noch v liebevollem Gedenken, hast Du den Mann Deiner ersten Liebe noch nicht ganz vergessen? Sprich Lore, um alter Zeiten willen--" Fester legte sich die kräftige
Männerhand auf den Arm des jungen, schonen Weibes.
Schweigend machte sich Lore los und schweigend blickte sie Schierstedt an, wie er jetzt vor ihr stand, ungeberdig, in den Augen ein heißes Leuchten, ein Bild trotziger Leidenschaft. Dann streckte sie ihm mutig ihre Hand hin mit der innigen Bitte: „Nicht so Hans, wenn Sie mich wirklich lieben, so stören Sie mir mein Glück nicht. Wir wollen Freunde fein, Hans. Versuchen Sie es nur, es wird schon gehen. Blicken Sie ufn sich und lesen sie in anderen Frauenaugen als in den meinen. In Nothentann kenne ich ein Paar, das eine nur au verständliche Sprache redet. Und nun gehen Sie, lieber Freund, es wird alles gut werden, wenn Sie nur ernstlich wollen."
Noch ein freundliches Nicken des schlanken Köpfchens, ein inniger Druck der zarten Frauenhand, und Frau Lore wanderte weiter, dem Gatten dem Heim entgegen. Und der verzweifelte Mann starrt ihr nach, die ihm wie eine Vision entschwebt, aufgesogen von Mondesglanz und Waldesweben, er fühlte es schmerzhaft klar, dort schwindet sein Glück und seine Jugend, das Beste aus seinem Leben hat er aus ewig verloren — durch seine Schuld.
Bei ihrer Heimkehr erwähnte Lore Walter gegenüber nur kurz, daß sie unter Schierstedts Geleit gegangen fei, weil sie sich verirrt habe: „Ich
politischen Dingen sich entwickelt habe und weiter entwickeln wüste. DaS wird eenügen, um auch ihm die seidene Schnur um den Hals zu legen. Wir glauben, der „Vorwärts" trifft, obwohl am direktesten beteiligt, objektiv das Richtigste mit feiner obigen Auffassung. Der . kennt die Organisation und rücksichtslose Disziplin der Sozialdemokratie nicht, der da glaubt, daß die Dresdener Vorgänge zu einer Spaltung wie 1869 im Allgemeinen deutschen Arbeiterverein führen könnten. Ob die Genosten in München oder anderwärts grollen, die Bebel und Singer würden nimmermehr auf dem Parteitage das Schauspiel veranstaltet und zugelaflen haben, wenn sie sich auch nur einen Augenblick ihrer unbedingten Herrschaft nicht sicher fühlen würden. Und war bedeutet schließlich dieser innere Zwiespalt der Sozialdemokratie gegenüber dem Zwiespalt der bürgerlichen Parteien, welche die Sozialdemokratie bekämpfen?! Ein Blick auf die Wahlbewegung für den preußischen Landtag zeigt deutlich genug, wie meilenweit gerade diejenigen Parteien in den politischen und wirtschaftlichen Anschauungen — bis zum Persönlichen auseinandergehen, die den Versuch machen wollen, der Sozialdemokratie beizukommen. Wenn man sich weniger um die Uneinigkeit der Sozialdemokratie und mehr um die Einigkeit im eigenen Lager der bürgerlichen Parteien kümmern würde, ließe sich Ersprießlicheres erhoffen für die Monarchie und den Staat.
Von der freikonservativen Partei.
Nunmehr ist auch der Wahlaufruf der Frei- konservativen für die preußischen Landtagswahlen erschienen. Er stellt den Kampf gegen die Sozialdemokratie voran. „Die Kraft und Enischloffenheit, mit der die Staatsregierung zum Schutz des Deutschtums in den Ostmarken gegen das vordringende Polentum vorgeht, findet unsere volle Anerkennung und Billigung. Wir fordern aber von der Regierung dieselbe Kraft und Energie in der Bekämpfung der Sozialdemokratie, welche offen die Beseitigung der Monarchie und unserer gesamten staatlichen Ordnung als ihr Ziel bezeichnet." Ferner wird eingetreten für die Hebung und kräftige Fortentwickelung der Volksschule. Die Neuregelung der SchulunterhaltungS- pflicht — die unverzügliche Einbringung eines entsprechenden Gesetzentwurf- wird bestimmt erwartet — dürfe nicht durch einen Bruch mit den bewährten Neberlieferungen der preußischen Schulpolitik erkauft werden. Bestrebungen dieser Art werde die Partei mit derselben Entschiedenheit entgegentreten wie 1892. Der M ittelstand bedürfe wirksamer Unterstützung und Hilfe. Der Bau von Kanälen sei weder eine politische noch eine Parteifrage, -----1
habe ihm verziehen, Walter, was er an mir gefehlt hat. Als Freunde sind wir geschieden."
Zärtlich zog der Gatte die liebliche Frau an sich und küßte sie, daun trat alles zurück vor der Persönlichkeit des Vaters, der ihneu.plötzlich körperlich nahe gerückt war und der von nun an einen Platz in ihrem Leben, in ihrem Denken und Fühlen einuehmen sollte. Walter mußte erzählen.
„Bei meiner Ankunft in Waldfried fand ich den Kranken schon von Frau Siegfried behaglich gebettet oben in einer der hübschen Giebelstuben. Er erkannte mich sofort wieder, streichelte zärtlich meine Hand, als ich mich neben ihn setzte und murmelte: „Hier ist es schön, hier will ich bleiben."
„Hast Du ihm von mir erzählt?"
„Ja, Kind, aber er erinnert sich Deiner scheinbar nicht. Von Deiner Mutter spricht er viel, und da Du ihr so ähnlich sehen sollst, wird das eine Annäherung erleichtern. Bei diesen Kranken ist es sehr wichtig, daß man ihnen sympathisch ist. Und wir können es als ein großes Glück betrachten, daß das Ehepaar Siegfried einen sehr wohltuenden Einfluß ausübt, namentlich Frau Siegfried. Den Pfleger sah er gar nicht mehr an, und morgen fährt diefer wieder fort."
.Morgen!" erwiderte Lore, ein leichtes Beben schüttelte ihren Körper.
„Wird es Dir so schwer, Lore, bann warte doch einige Tags mit Deinem Besuche. Noch vermißt er Dich nicht, da er Dich nicht kennt."
„Nein Walter, ich will diesem Skelett meines Hauses (ühu ins Auge sehen, ich will mich frei macken von dem Gedanken, daß es mein Vater ist, den ich besuche, und denken, ein armer schwachsinniger Greis bedarf meiner Fürsorge."
Walter betrachtete sie lächelnd, wie sie mit Kröten Backen zu ihm hinsah, in ihren Augen ende Energie., Er erwiderte nichts, sondern begnügte sich bannt, sie zärtlich in feine Arme au
sondern lediglich eine Frage wirtschaftlich» Zweckmäßigkeit. Darüber bestehe aber kein Zweifel, daß die Lösung der dringenden Aufgaben auf dem Gebiet be8 HochwasterschuheS nicht um strittiger Fragen der Wafferstraßen- politik willen weiter hlnausgeschoben werden darf. Die Einführung des geheimen und gleichen Wahlrechts in Staat und Gemeinden wird entschieden abgelehnt und zum Schluß das Zusammengehen aller staatserhaltenden Elemente befürwortet.
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.... Die Frauen und die Politik.^
Die 2. Generalversammlung des Verbandes fortschrittlicher Frauenvereine, die bekanntlich in Hamburg tagte, beschäftigte sich auch mit den „Mitteln und Wegen, das politische Interesse der Frauen zu erwecken." Es wurde gesagt, es sei -tu trauriges Zeichen der Zeit, daß die Erörterung eines solchen Themas überhaupt noch n^ - ndig sei, und daß die Frau immer noch ans die Tätigkeit am Kochtopfe und in der Kinderstube angewiesen bleibe. Von den Männern im allgemeinen' fei nicht zu erwarten, daß sie für die politisch« Gleichberechtigung der Frauen eintreten würden; es bestehe zwischen ihnen und den Frauen eine unüberbrückbare Kluft; deshalb fei es die Pflicht der Frau, selbst in den Kampf für politische Gleichberechtigung einzutreten; die Töchter müßten über politische Tagesfragen aufgeklärt werden, in den Mädchenschulen müsse Gesetzeskunde gelehrt werden. Eine kleine Besserung sei zu verzeichnen; während bisher alle politischen Parteien mit Ausnahme der Sozialdemokratie die Mitarbeit von Frauen abgelehnt hätten, seien jetzt fast sämtliche Parteien bereit, Frauen aufzunehmen (??); dis freisinnige Volkspartei sende bereits Frauen ans Agitationsreisen (?); es empfehle sich daher, daß die Frauen sich den verschiedensten politischen Par« *«en anschlössen, um dort für ihre Gleichberechtigung zu wirken; das A und O der politischen Forderungen müsse das allgemeine Stimmrecht sein, Kerner wurde behauptet, daß die Frauen, loenn sie in politischer Beziehung etwas radikales er, reichen wollten, eine eigene politische Frauenpartei bilden müßten und sogar erklärt, man werde auf die Dauer ohne weibliche Pastoren nicht auskom- men können. Der freisinnige Chefredakteur Plate« führte aus, die freisinnige Dolkspartei erkenne die Gleichberechtigung der Frauen vollkommen an; der Erlangung des Frauenstimmrechts. das seine volle Sympathie habe, siehe aber das allgemeine, gleiche, direkte Wahlrecht als Hindernis entgegen; (das ist uns nicht vollkommen klar) es fei jedoch die Pflicht aller fortschrittlich gesinnten Männer, die Frau zum Wahlkampfe heranzuziehen und für das Frauenstimmrecht einzutreten. — Es ist wohl überslüssig, daß wir uns zu diesen Hirngespinsten krittsch äußern. Eine volle Gleichstellung der Frauen mit den Männern in politischer Beziehung wird unserer festen Ueber- zeugnng nach erst dann möglich fein, wenn die Kinder auf den Bäumen wachsen oder in der Retorte destilliert werden. Bis dahin würde eine solche Gleichberechtigung höchstens Schein oder Farce sein und die schlimmsten Folgen haben.
ziehen, und da brach die kleine Frau in einest Strom von Tränen aus. Wo blieb alle Energie, wohin flog aller stolze Mut? Lore schmiegte sich an seine Brust und ließ sich herzen und tröstest wie ein zaghaftes Kind. Es war der Aufregung zu viel gewesen, und noch bis in ihre Träume hinein verfolgten sie Schierstedts heiße. Augen, während ein weißhaariger Mann ihr mit schaurigem Gelächter zu Hilfe kam.
Als sie am anderen Morgen erwachte, stand' die Sonne schon hoch am Himmel, aber eine sargende Hand hatte die Fenster so dicht verhüllt, daß die junge Frau hatte ruhig ausschlafen können- Hastig zog sie sich an. Zehn Uhr — nein, das war ihr doch noch nicht geschehen, in gesunden Tagen. Als sie in Walters Zimmer trat toar es leer, und Werner, der ihr munter entgegensprang/ bestellte, Vater habe schon zum zweitenmale ge< frühstückt und sei zum Baron gegangen.
Zärtlich hing sich der Kleine an sie: „Das ist gut, Mutti, daß Tu krank bist. Vater sagte, wir, dürften Dich nicht stören, und da glaubte ich, Du kämst heute gar nicht mehr zu mir, und habe Dir doch so vieles zu erzählen. Und die Guste wußte gar nicht was sie kochen sollte. Da sind noch \t schöne Erbsen im Garten, Guste, habe ich gesagt, und dann haben wir noch Schinken dazu und vost den vielen Eiern machen wir noch Rührei.",
Lore lachte: „Und Rührei ißt unser lieber Bubi so besonders gern."
„Darum nicht, Mutti, gewiß nicht, aber der Baron meinte auch, das schmeckt gut zusammen, i
„War der alte Baron denn auch schon hier < ! fragte Lore erschreckt.
„Ja, er kam, als Vater frühstückte und nahm ihn gleich mit. Sie waren ordentlich» bos mit ern- ander und ich tourbe herausgeschickt."
„Böse?" Die Mutter sah Werner ganz entsetzt an.