Zweites Blatt.
Der Kampf
gegen die Sozialdemokratie.
Daß die Sozialdemokratie darauf auSgeht, Thron und Altar zu stiirzen und alle menschliche Ordnung umzustoßen, kann nur noch leugnen, wer nicht sehen will. Sie bekennt sich offen als Revolutionspartei. Und da der Staat sie in ihrem verhetzendem Klassenkampf und. ihrem vaterlandslosen und gottlosen Treiben seit lange so gut wir gar nicht gestört hat, so hat sie die große Masse in den Städten schon ganz und gar hinter sich, die ihr blindlings folgt und von einem furchtbaren Haß gegen Staat und Kirche und die bürgerliche Gesellschaft erfüllt ist. Rur die Landbevölkerung ist dem Ansturm der Sozialdemokratie noch nicht erlegen. Aber wer auf dem Lande lebt, kann täglich sehen, wieviel auch da schon abgebröckelt ist und wie der Geist der Unzufriedenheit, der Auflehnung gegen Goft und Menschen seine Kreise, besonders unter den kleinen Leuten und unter der Jugend, immer wefter zieht. Nach menschlichem Ermessen kann man wohl sagen: wenn die Sozialdemokratie noch ein Jahrzehnt so ungestört weiter arbeiten kann, wie bisher, dann ist das ganze Volk soweit unterwühlt, auch das Heer nicht ausgenommen, daß auch die stärksten Dämme, die stärksten Abwehr- maßrcgeln den Umsturz nicht mehr aufhalten können. So ist ein entschiedener, rücksichtsloser Kampf gegen die Sozialdemokrafte eine ernste Pflicht aller, die unser Volk und Vaterland lieb haben. —
Mit diesen Worten beginnt Pastor Dienemanu einen kräftigen Aufruf gegen die Umsturzpartet in der „Kreuzzeitung", in welchem er dann wefter für die Abänderung des gegenwärtigen Wahlrechts eintritt. Seine Vorschläge in dieser Hinsicht sind nicht neu, und am wenigsten kann das abgestufte Stimmrecht, indem er je nach Seßhaftigkeit, Steucrleistung und Bildung bis zu vier Stimmen auf einen Wähler vereinigen will, als glückliche Lösung bezeichnet werden. Doch das sind staatA- rechtliche Streitfragen, die besonders jetzt, toeil praktisch unausführbar, ohne Bedeutung sind und auch hier keine weitere Erörterung finden sollen. Wohl aber verdient der Mahnruf an sich einige Aufmerksamkeit, denn er enthüll viele beachtenswerte Punkte, daneben geht er allerdings in manchem auch über das erreichbare ZiA hinaus. Es heißt dann weiter:
In erster Linie ist dieser Kampf Pfücht bet Regierung. Daß eine Partei, die den bestehenden Staat stürzen will, von diesem Staate gcbulbei wird und sogar ganz offen ihr Werk treiben und bis in die gesetzgebenden Körperschaften hinein ihren Einfluß ausiiben darf, das will dem einfachen, gesunden Menschenverstände nicht in den Kopf, und man meint oft, gar nicht mehr in unserem alten Preußen zu leben. Mft geistigen Mitteln allein ist hier nicht zu helfen. Wir
88 (Nachdruck verboten.)
Frau Lore.
Roman von I. I o b st. - /
.... . , Mortfetzuna)
Gestern sagte der alte Herr Baron seufzend "zu Walter, der uns von der Terasse abholle, wo ich mit den Kindern bei den Herrschaften saß: Könnten wir nicht einen Kontrakt auf Lebenszeft fchließen, Herr Assessor? Werden Sie nicht stolz tocrden, mein lieber Schulz, es ist nur wegen dem da. Damft schloß er Werner zum Abschiedskuß in seine Arme. Und wissen Sie, was Walter antwortete: „Ich wills nicht verschwören Herr Baron!" und schüttelte ihm dann kräftig die Hand. Es war wohl nur ein Scherz von ihm/denn wenn er auch schon an diesem Stückchen Erde hängt, als sei es sein Eigen, er wird doch nicht immer Ad- . miniftrafor bleiben wollen."
' „Besonders nicht unter einem neuen Herrn, Wenn der Baron einmal zu feinen Vätern versammelt wird."
„Wer ist denn eigentlich der Erbe dieses schönen Besitzes?" fragte Lore ans tiefen Gedanken heraus „Man hört nie etwas von ihm."
„Baron Udo von Schulz, Sohn des jüngsten verstorbenen Bruders unseres Barons," antwortete der Pfarrer.
„Und wo lebt der Glückliche?"
"84 Weiß es nicht. Der alte Herr war ganz zerfallen mit seinem Bruder und durch das furcht- bare Unglück verbittert. Niemand darf an diesen Punkt rühren. Er haßt den Erben, der nicht fein Sohn ist."
„Wie traurig!" sagte Lore wehmütig. „So War der junge Mann nie hier?"
„Nein, und mir wurde einmal durch Umwege die Kunde, daß er sich sehr darüber grämen sollt"
„Der Aerrnste."
„Ach, Frau Sore, er ist nicht der am meiste» zu Beklagende, viel mehr Mitleid müssen wir mit tem alten Herrn haben, der sich durch seine Härt?
brauchen ein Gesetz, daS dem Volke, vor allem der unerfahrenen Jugend, sagt: Die Sozialdemokratie ist auf verbotenen Wegen, der Beitritt ist verboten, ihre Schriften sind verboten, und wer irgendwie als sozialdemokratischer Agitator auf- tritt, wird bestraft. Damft wäre für viele Tausende eine Klarheft geschaffen, die sie aus rechtem Wege bewahrte. Wir erwarten von der Regierung ein solches Gesetz.
Es wäre ein unsäglicher Schaden, wenn die Regierung noch immer stumm bliebe. Aber bliebe sie es, so muffen umsomehr die andern Faktoren auf den Platz treten, die bürgerlichen Parteien. Wie well geht hier schon daS Liebäugeln mft der Sozialdemokratie. Gegen die geschlossene Sozial* demokratir muß auch daS Bürgertum geschloffen auftreteu. Gewiß, die Unterschiede unter den bürgerlichen Parteien sind groß, und ein Zusammengehen derselben kostet große Selbswerleug- nung von rechts und links. Aber wo es den gemeinsamen Feind der Staats- und Gesellschaftsordnung zu bekämpfen gftt, da müssen alle anderen Gegensätze hintenanstehen. Hier sollte vor allem die Presse mit gutem Beispiel vorangehen, und dann auch bei den Wahlen die Partefteftungen rechtzeittg das ihre tun durch gegenseitige Ueberetnkunst und Aufftellung tüchtiger, aussichtsvoller Kandidaten, wobei doch über die allgemeine Regel: die jedesmalige stärkste Partei stellt den Kandidaten, eine Verständigung möglich sein sollte Bringen die bürgerlichen Parteien solchen Zusammenschluß nicht fertig, so graben sie mit an ihrem eigenen Grab. —
Ein neues Sozialistengesetz solle von der Regierung im Reichstag eingebracht werden oder von einer der rechtsstehenden Parteien. Allerdings wolle keine dieses Odium auf sich laden, aber das sei eine schwächliche Kriegführung, kein mutiges Handeln, wie es verlangt wird und zu welchem alle ohne Ausnahme aufgefordert werden:
Nur auf zum Kampfe gegen die Sozialdemokratie auf jede Weise! Kein Vaterlandsfreund soll hier dahintenbleiben, und jeder kann hier in seinem Greife fern Teil tun mit Wort und Vorbild gegen die Presse, gegen die Verbände, gegen den Geist, gegen das Wesen der Sozialdemokrafte. Wie viele, die gar nicht zur Arbeiterklasse gehören, verkriechen sich furchtsam und wagen sich mit ihrer besseren Meinung gar nicht heraus. Diesen Mut zu machen, daß sie sich ermannen und mft in die Reihen der Kämpfer treten gegen den Umsturz, das ist auch eine Aufgabe. Ja, Arbeit genug. Darum nur vorwärts an die Arbeit mit Mut und Gottvertrauen, daß wir unser altes liebes Preußen und uas-r herrliches Deutsches Reich vor einem schreckliche» JcrfaH bewahren. —
In der gesamten linksliberalen Presse hat dieser Aufruf zum Kampfe gegen die Sozialdemokratie, wie nicht anders zu erwarten, durchweg eine Verurteilung erfahren. Trotzdem scheint eS gerade jetzt vor den Wahlen der Mühe wert, diesen Appell an die Ordnungsparteien zu beherzigen, und vor allem vor Unterschätzung des Gegners und vor Gleichgülfta/eft zu warnen, die leider überall vorhanden ist. . .
um die Liebe seines einzigen Verwandten brachte. Seine beiden Brüder sind nämlich auch schon lange gestorben, ohne männliche Nachkommen zu hinterlassen. Doch es ist noch nicht aller Tage Abend, der alte Herr ist ein anderer geworden, der alte Haß und die Verbitterung weichen. In letzter Zeit beginne ich manche Hoffnung zu hegen, wenn ich an Ihren und der Ihrigen guten Einfluß denke. Gott segne Ihren Knaben!" i
„Zum zweiten Male hörte Fran Lore dieses Wort aus dem Munde eines Greises. Tief ergriffen von Glück und Wehmut beugte sie ch demütig herab und zog die Hand des ©eiftii.. en an ihre Lippen. Dann schieden sie.
„Gott segne meinen Knaben!" Leise flüsterten es ihre Lippen, das Herz wurde ihr weit. Ihre Augen suchten den Himmel, der in nächtliches Dunkel tauchte, doch im'Osten schimmerte es silberhell, in kurzem würde sich des Mondes mildes Licht ergießen über die schweigende Welt.
Wie einsam es hier war! Lore schrftt rasch auf dem breiten Waldwege hin, der zur Waldschenke führte. Walter mußte sich verspätet haben. Ob dem Vater etwas zugestoßen war? Eine heiße Angst sfteg in ihr auf und sie flehte zu Gott: „Laß mir noch Zeit, ihm nahe zu treten, damit das Furchtbarste meines Lebens in Versöhnung ende. Schenke mir die Kraft, damft ich seine Seele zur Ruhe bekehre und sie dem ewigen Leben gewinne."
Es kam über sie mit dem Drang, ihn gleichzeitig zu sehen, ihr Werk noch heute zu beginnen. Ihre Schritte wurden immer rascher, sie lief zuletzt mit glühenden Wangen dahin. Ihr Herz bebte vor innerer Aufregung, und ihre Augen suchten nach dem Wege, der sich doch hier abzweigen mufete, um sie in zehn Minuten an das Ziel zu bringen. Sie wollte die Schenke erreichen, noch bevor ihr Mann sie verließ — zur Umkehr würde sie ihn doch nicht bewegen. Der Mond schwebte langsam empor und sandte sein Licht in breitem Strahl auf dem schnurgerade verlaufenden Weg.
Umschau.
Zu den Landtagswahlen.
In den Erörterungen über die Landtags- Wahlbewegung wird wiederum die Frage der Doppelmandate lebhaft besprochen und der Gedanke diskutiert, ob es geboten sei, dem Abgeordnetenhause möglichst viel frisches Blut zuzuführen. Wir möchten in beiden Beziehungen keinen extremen Standpunkt einnehmen. Doppel- Mandate werden in der RegÄ zu vermeiden sein, weil ee über die normale menschliche Arbeitskraft hinauSgeht, sowohl im Reichstage als auch im Abgeordnetenhause eine kraftvolle Tätigkeit zu entwickeln. Trotzdem wird man auf solche Doppelmsndate nicht ganz und nicht allenthalben verzichten können. Es ist notwendig, daß gewisse polftische Führer beiden Häusern angehören. Bei manchen andern Abgeordneten walten äußerliche Rücksichten ob, die nicht außer acht gelaffen werden dürfen. Einige, die mit ungewöhnlicher Arbeitskraft gesegnet find, werden die übernommenen Doppelpflichten auch genügend erfüllen können. Immerhin möchten wir dringend raten, mit der Verleihung von Doppelmandaten nicht zu verschwenderisch zu sein, sondern sie, falls es irgend möglich sein sollte, zu vermeiden. Was nun weiter daS „frische Blut' anlangt, so wird man diese Forderung nicht allgemein begründen können. Es wird vielmehr in vielen Fällen rätlich sein, einen Mann wiederzuwählen, der die Verhältnisse kennt, der im parlamentarischen Leben kein Neuling ist, und dessen bisherige Tätigkeit hoffen läßt, daß er auch künftig den Kreis nach Wunsch vertreten werde. Andererseits darf nicht übersehen werden, daß das parlamentarische Leben leicht einer gewissen Verknöcherung verfällt, wenn ihm nicht frisches Blut zugeführt wird. Das günstigste Verhältnis dürfte immer das sein, wenn l eben einer Mehrzahl erprobter und bewahrter alter Parlamentarier eine Minderheit von Neulingen sitzt, die mit frischer Initiative in das Haus eingetreten find. Dadurch bekommt die parlamentarische Arbeit einen frischeren Schwung. Das und nicht mehr läßt sich über diese Fragen im allgemeinen sagen. Wie fie in den einzelnen Kreisen zu lösen seien, daS wird immer besonderer Erwägung Vorbehalten bleiben müflen.
Von der konservativen Partei.
Ein besonderer Wahlaufruf der konservativen Partei für die preußischen LaudtagSwahlen erscheint nicht, wie bereits gemeldet worden ist. Dieser Umstand regt nun die gegnerischen Blätter zu bett tiefsinnigsten Untersuchungen über die Gründe an und fie ergehen fich in
Seltsame Schatten warfen die im Nachtwinde rauschenden Baumkronen auf die Umgebung, sie tauchte im Gegensatz zu der stetig sich steigernden Helle in rabenschwarze Nacht. Lores Blicke flogen scheu in das Dickicht zur Rechten und zur Linken. Einen Augenblick war es ihr, als bedrohe sie etwas und sie wandte sich zur Flucht. Dann aber flog ihr Köpfchen in den Nacken, sie schalt sich ob ihrer Feigheit und eilte vorwärts; gleich mußte der Weg kommen, der sie direkt in die schützende Nähe ihres Mannes brachte. Datzder rechte Weg schon wett hinter ihr lag und sie bei dem trügerischen Spiel der wankenden Schatten vorüber gelaufen war, ahnte sie nicht.
Ein plötzliches Knacken ganz in der Nähe fieß sie jäh emporfahren, sie war zu Tode erschrocken. Dem unvorsichtigen Lauscher, der dort wohl verborgen zwischen den Stämmen des Waldes stand, klopfte das Herz vor wahnsinnigem Verlangen. Hans von Schierstedt blickte wie verzückt auf die liebliche, helle Frauengestalt, die dort vor ihm stand, von Mondesstrahlen umwoben wie ein Feenmärchen. Es dünkte ihm wieder dieselbe Lore zu sein, die er fern von hier im Forstgarten in einer Mondnacht in seine Arme hatte ziehen dürfen.
„Ist da jemand?" fragte Lore jetzt so mutig, wie es ihr Herzklopfen zuließ.
„Ich bin es, gnädige Frau. Habe ich Sie erschreckt?"
Lore war nur zu froh, daß das Gespenst gleich Fleffch und Blut gewann, ob es nun zu einem Assessor von Schierstedt wurde ober zu einem anderen. Sie war nicht mehr allein. Der junge Mann sprang über den Graben und stand im nächsten Augenblicke neben der jungen Frau, deren Hand er ehrerbietig an die Lippen zog. Er hiett sie länger als nötig, so daß sie ihm unsanft entzogen wurde, indeflen Frau Lore sagte: „Ich gehe mänem Manne entgegen und begreife nicht, daß er noch nicht kommt. Haben Sie ihn vielleicht gesehen?"
Marburg
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—, , . < -.rxrxct Druck intb Verlag- Joh. Ang. Koch, UniversttätS-Buchdruckerti Ä 88« Eflchra«
Sonntag, 4. Oktober 1903. M Marburg, Markt 21. — Tckephon 55,
allerlei, zum Teil hämischen Betrachtungen, wie man es ja nicht anders gewohnt ist. Daß bet seinerzeit für die Reichstagswahlen erlaflene Aufruf zugleich auch auf die Landtagswahlen Bezug nahm scheint trotz des reich entwickelten ScharsfinneS den Herren entgangen zu sein. ES hieß nämlich dort: -
Auch in den Einzellandtagen muß die fortschreitende Förderung der produttiven Arbeit in Landwirtschaft, Handwerk und Gewerbe, Wie dies in der abgelaufenen Legislaturperiode mit Erfolg von der konservativen Partei vertreten worden ist, so auch in Zukunft unausgesetzt im Auge behalten werden. Eine Neuordnung der gesetzlichen Bestimmungen über die Bolksschulunterhaltung auf gerechter und billiger Grundlage unter voller Wahrung deS bestehenden christlichen konfessionellen Charakters der Volksschule ist, soweit solche — wie in Preußen — notwendig, eine dringende Aufgabe der Gesetzgebung, an welcher unsere Partei mitzu- arbeiten hat.
Sehr richtig äußert sich auch die »Kreuzztg/ über das mangelnde Erinnerungsvermögen, in dem sie unter Wiedergabe der angeführten Stelle sagt: Man wird zugeben müssen, daß diese besonders hervorgehobenen Punkte neben den im Wahlaufrufe enthaltenen allgemeinen Forderungen vollauf genügen, um den Standpunkt der Partei zu kennzeichnen, zumal auch in dem Passus, in dem von der pfleglichen Behandlung der Einnahmequellen wie der Finanzen gesprochen Wird, auf die Lage der Einzelstaaten ausdrücklich Bezug genommen ist. Was die Stellungnahme zu den Parteien anlangt, so ist daran seit den Reichstagöwahlen nicht viel geändert. In dem Wahlaufrufe heißt es hierüber, der Kamps gegen die sozialdemokratische Partei sei eine wichtige Aufgabe der Konservativen, fie Würden deshalb ihre Haltung anderen Parteien gegenüber wesentlich auch nach deren Verhalten gegenüber der Sozialdemokratie einzurichten haben. Nach dieser Richtschnur Wirb also auch bei den bevorstehenden Landtagswahlen zu verfahren sein, und deshalb War eS in keiner Hinsicht erforderlich, daß der Parteivorstand fich noch einmal besonders mit einem Wahlaufrufe für die LaudtagSwahlen beschäftigte.
sie rührte.
tFortsetzung folgt);
„Ich komme ans dem tiefen Walde, gnädige Frau, und betrete soeben erst diesen Weg," log der junge Mann, obgleich er schon lange neben Frau Lore int Dunkeln einhergeschlichen war.
Lore blickte unruhig umher: „Hier muß doch bald der Weg nach Waldfried abbiegen."
„Nach der Schänke wollen Sie?" fragte Schier- [lebt erstaunt, „aber die liegt doch weit hinter Ihnen. Sie haben den Weg verfehlt." :
„Mein Gott, wie wird sich mein Mann ängstigen! Er ist sicher längst auf dem Heimwege und findet mich weder aus dem Wege noch zu Haufe."
„Beruhigen Sie fich, gnädige Frau, tn meiner Begleitung kommen Sie rasch beim. Ich kenne einen Richtweg, der die Entfernung bedeutend abkürzt." 1
In dem Bestreben, so schnell als möglich nach Hause zu kommen, folgte Lore ohne Besinnen dem Vorausschreifenden, der in eine schmale Schneise zur Linken einbog. Das Mondlicht war jetzt hell genug geworden um den Pfad zu erkennen und bald eilte, wie eine leichte Elfe, Lore dem jungen Manne voran, der sie mit leidenschaftlichen Blicken umfing. Nun gehörte sie für eine kurze Zeit ihm,, ihm ganz allein.
Dichtes, weiches Moos bedeckte den Boden, die dahineilendenFüße weckten keinen Laut, schweigender Zauber der Mondnacht umfing traumhaft die Sinne. Wie die Gedanken kamen und gingen. Aus alten Zeiten tauchten Erinnerungen auf gleich dem Springquell aus den Tiefen der Erde." Lauschte Frau Lore dem murmelnden Sang? Sie hielt ihr Köpfchen nicht mehr so stolz auf den Schultern, in den Augen saß es wie süßes Dammern, ihr ganzes Sein atmete seliges Gluck.
Ein liebliches Lächeln huschte über Frau Lores Züge, als sie jetzt ihre Schritte verhielt, um sich voll echt weiblichen Mitleids dem armen Sunde» zuzuneigen, dessen zartes, ehrerbietiges Schweige»
Deutsches Reich
Berlin, 3. Oktober.
— ®e. Majestät der Kaiser hat feinen Jagd- aufenthalt in Roininten bis Montag verlängert und Wird dann wohflchunlich Kabinen besuchen.
— Der Kronprinz ist am Freitag mit_ dem Prinzen Eitel Friedrich von Preußen tn München zusammengetroffen, von wo beide Prinzen die Reise nach Tegernsee zum Jagdbesuch bei dem Herzog Karl Theodor in Baiern fortsetzten.