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iinPii npiitifiip, ^piTiiiin c/Uui yij^iyt ö>iiuHm mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.^
Sonntagsbeilage: Jllustrlrtes Lonntagsblatt.
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«. Vierteljährlicher Bezugspreis; der der Expedition 2 AL, bei allen Postämtern 2,25 M. <e$cL Bestellgeld).
JnsertionSgebühr: die gespaüene Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
Ncclamcn: die Zeile 25 Pfg.
Marburg
Smmabend, 3. Ottober 1903.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag: Joh. Ang. Koch, Universttäts-Buchdruckerci Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
38. Jahrg.
Bestellungen für daS vierte Quartal auf die
„Oberheffifche Zeit««-" nebst ihren Beilagen werden von unserer Expedition (Markt 21) unseren Ausgabestellen in Kirchhain und Neustadt, sowie von allen Post- anstalten und Landbriesträgern entgegengenommen.
Die Wichtigkeit der Getreideftage für Deutschland.
Wie auf politischem Gebiete, so wird auch bei Streitfragen wirtschaftlicher Natur gern auf England verwiesen, daS mit seinen Einrichtungen und Zuständen als Muster und Beweismittel angeführt zu werden pflegt. Bekanntlich besitzt England keine lebensfähige landwirtschaftliche Bevölkerung mehr; innerhalb der für das Leben eines Volkes kurzen Zeit von kaum hundert Jahren hat es sich zum reinen Industriestaat entwickelt, der schon jetzt 4/6 seines Brotkornes auS dem Auslände beziehen muß. Die großartige Entwicklung Englands auf allen Gebieten nationalen Lebens wird nun als Beweis angeführt, daß es in Deutschland auf diese Weise auch gehen könne, daß in der Verkümmerung der deutschen Landwirtschaft keine Gefahr liege, da sie auf die Wohflstrhrt des Volkes ohne Einfluß sei.
In der Tat liegen die Verhältnisse ganz anders. In England selbst kennt man nur zu gut die schlimme Lage, in welcher man sich durch diese Abhängigkeit in der Getreidefrage befindet; das Land kann keine ernsthafte Blokade im Kriegsfälle aushalten, die Absperrung der Getreidezufuhr bedeutet für England das sichere Ende, da es nicht im Stande ist, aus sich selbst heraus dieses notwendigste Nahrungsmittel zu erzeugen. Deshalb auch das Bestreben Englands, zu allen Zeiten seine Flotte mindestens so stark |u erhalten wie zwei Gegner zusammen, um so wenigstens die freie Zufuhr von Lebensmitteln aufrecht erhalten zu können.
In welcher Lage befindet sich Deutschland diesen Verhältnissen gegenüber? Obwohl Amerika und auch Rußland sich stets damit brüsten, die wirtschaftlich Stärkeren zu sein, weil sie die Nahrungsmittel und Rohstoffe besitzen, so ist die Gefahr in Friedenszeiten immerhin nicht so groß wie im Falle eines Krieges, besonders eines Seekrieges, der heutzutage am ehesten in Betracht zu ziehen ist. Im Frieden droht, wenn nicht die nötige Zollschranke errichtet ist, eine Ueberschwemmung Deutschlands mit aus-
£7 (Nachdruck verboten.!
Frau Lore.
Roman von I. Jobst.
lFortsehungl
. - Die Zuhörerin sah die Kinder ganz verstört an, so daß Werner erstaunt fortfnhr:
„Hat es Dir Dein Baron nicht erzählt?"
„Nein, nein, liebes .Kind, aber ich möchte gern alles wissen; Du erzählst es mir wohl: setzt Euch ein wenig zu mir her. und die Erdbeeren essen wir nachher zusammen, das wird uns schmecken, das herzige Tierchen aber legen wir hier in mein weiches Arbeitskörbchcn."
Die Kinder rückten sich eifrig ein paar Stühle heran und kletterten hinauf.
„Also der Baron erzählt Dir nicht immer alles?" fragte Werner verwundert, „dann weißt Tu wohl auch gar nicht, wie ich heiße?"
Die alte Dame schüttelte lächelnd den Kopf.
„Nein, so was giebts doch gar nicht," brach Knabe los und ichüttelte seinen Kopf wie ein Alter, ehe er berichtete: „Ich heiße Werner und mein Schwesterchen heißt Ursel!" Und dann blieb er am Reden, bis die Baronin alles wußte, was geschehen war, vom ersten Tage ihres Hierseins bis Zu dem gefahrvollen Gestern. Aber noch viel, viel mehr las sie aus den Worten, sie erfuhr, wie innig das Verhältnis des entzückenden Knaben zu ihrem Manne war, sie gewann Einblick in das traute Miick des Kavalierhauses und ihr einsames Herz tat sich weit ans, um der Liebe Raum zu geben, die sie schon jetzt für die Kinder Frau Lores empfand. Sie paßten so herrlich zu dem Bilde ler jungen Frau das sie vom ersten Besuche her unauslöschlich in ihrer Erinnerung trug.
Ein kurzes Lachen von der Schwelle her entriß sie jählings ihren Gedanken, sie sah den Knaben mit Jubel emporspringen: „Da ist mein Baron!" »nd ohne der abwehrenden Hand zu achten, flog
ländischem Getreide; wa8 dies für die einheimische Landwirtschaft bedeutet, bedarf keiner weiteren Auseinandersetzung mehr. Der Niedergang der Landwirtschaft ist die Ursache der vermehrten Einfuhr fremder Brotstoffs gewesen; wird der Landwirtschaft der gewünschte Schutz gewährt, so kann sie sich erholen, sich lebenskräftiger entwickeln und auch wieder mehr produzieren. Denn unter den jetzigen Verhältnissen befindet sich Deutschland in ebenfalls sehr bedenklicher Lage, wenn durch eine überlegene Seemacht die jetzt noch no! . .ndige Brotkornzufuhr gesperrt wird. Gegenüber dieser schweren politischen Gefahr allein sollte man schon den Grundsatz aufstellen, daß die deutsche Landwirtschaft im Notfälle fähig sein soll, daS deutsche Volk mit dem notwendigen Getreide für Brot zu versorgen.
Noch brennender erscheint die Frage im Hinblick auf die Zukunft, wenn die jetzt noch Getreide ausführenden Länder wegen der Zunahme ihrer eigenen Bevölkerung dies nicht mehr dürfen, wenn die Anbauflächen alle besetzt sind und und das ständige Anwachsen der Jndustriebevölkerung den Getreidebedarf erhöht. Dann wird nicht mehr eine Konkurrenz der Getreideausfuhrländer untereinander vorhanden fein, sondern eine erbitterte Konkurrenz um daS Getreide selbst, und der reine Industriestaat ohne landwirtschaftliche Bevölkerung ist dann auf den guten Willen der anderen angewiesen, wenn er sich nicht mit Gewalt seine Zufuhr erzwingt. Bis eS soweit kommt, dauert hoffentlich noch lange, jedenfalls ist aber auch in der Zwischenzeit während der verstärkten landwirtschaftlichen Konkurrenz die Erhaltung der deutschen Landwirtschaft von der höchsten Wichtigkeit. Eine einmal zu Grunde gerichtete landwirtschaftliche Bevölkerung läßt sich später nicht ohne weiteres äuS dem Boden stampfen.
WaS die Behauptung angeht, daß sowohl in technischer als wirtschaftlicher Beziehung eine Hebung der deutschen Getreide- und Brotkornprodukte bis zur fast völligen Deckung deS inländischen Gebrauches unmöglich sei, wie man von agrarfeindlicher Seite immer hervorhebt, so ist dies entweder ein völliges Verkennen der landwirtschaftlichen Verhältnisse oder ein absichtliches Verschweigen der Tatsache, daß bei geeigneten Maßnahmen (höherer Schutz der Landwirtschaft, Herabsetzung der für Industrie wie Landwirtschaft gleich wichtigen Rohstofffrachten u. a.) in verhältnismäßig kurzer Zeit sich sehr wohl eine derartige Steigerung der deutschen Getreideerzeugung herbeiführen läßt, daß der inländische Bedarf auch fast ganz von der deutschen Landwirtschaft geliefert werden kann.
Bei den Phrasen, die man gegen den „Brotwucher' In' ■ '•f, durch den den Industriearbeitern । rob verteuert werde, vergißt
er, wie er cs gewohnt war, an dessen Hals und drückte ihm einen Kuß auf die Lippen.
„Udo!" rief seine Frau bestürzt. „So liebst Du also den Kleinen?"
„Kann man denn anders?" klang seine kurze Erwiderung zurück, dann nahm er Werner bei der Hand und führte ihn zu seiner Frau. „Sieh ihn Dir an, Renate, fällt Dir nichts auf?"
Prüfend fuchten die Augen der alten Dame in den Zügen des Knaben, um ihn dann mit strömenden Tränen ans Herz zu schließen. Er gleicht unserem armen Werner, Udo," stammelte sie.
Der Knabe hielt gegen feine Gewohnheit ganz still, dann fügte er leise tröstend:
„Weine nicht Baronin, ich bete jeden Abend zum lieben Gott, er soll Dir ein neues Kindchen schicken."
„Mein Junge, Du mein goldenes Kind!" rief Frau Renate. Er schickte Dich uns zum Tröste und Du wirst uns recht lieb haben und Dein Schwesterchen auch."
„Wenn es der Baron erlaubt, will ich Dich grab so lieb haben wie ihn. Nicht wahr, Du erlaubst es mir?"
„Alles, was Du willst, Werner," sagte der alte Herr und seine Frau lauschte entzückt dem fremden, sausten Klang seiner Stimme, wie sie ihn seit so langer Zeit nicht vernommen hatte.
Doch nun ließ sich der Knabe nicht mehr halten, er überreichte seine Gaben, und das Schwesterchen, welches bis jetzt atemlos vor Staunen alles verfolgt batte, was um sie her geschah, wurde nun auch gesprächig. Werner mußte aushelfen, wenn ihr Jdom den beiden Alten unverständlich blieb. Es dauerte nur noch eine kleine Weile und Klein- Ursel saß behaglich auf dem Schoße der alten Dame und lauschte mit ihr den unzähligen Fragen, welche Werner seinem Baron zu stellen wußte, indessen er auf dessen Knieen ritt.
So fand sie Frau Lore, die bangen Herzens nach ihren kleinen Ausreißern gesucht hatte. Der
man auch ganz, daß heute noch ebensoviele Erwerbstätige in der Landwirtschaft beschäftigt find wie tn der Industrie, und daß auch diese ein Recht auf Schutz haben, daß bei Fortdauer der jetzigen Zustände die deutsche Landwirtschaft an einem immer empfindlicheren Arbeitermangel leiden muß, weil sie nicht in der Lage ist, sie ähnlich wie die Industrie zu lohnen. Man schaffe ihr bessere Existenzbedingungen, dann kommt sie leicht zu neuer Blüte, und mit ihre« Erstarken treten die schwerwiegenden Folgen, die sich au die jchige Lage knüpfen, wieder in den Hintergrund, die Getreideftage verliert dann ihre Gefahr als LebenSftage für Deutschland.
Umschau.
Von der konservativen Partei.
Am vorigen Mittwoch ist der geschäfts- führende (Zwölfer-) Ausschuß der Konservativen Partei mit den Landesdelegierten der preußischen Provinzen zu einer Beratung versammelt gewesen, die über vier Stunden in Anspruch genommen hat. Die Hauptgegenstände derselben betrafen: die politische Lage und die ReichStagS- wahlen; die Wahlen zum preußischen Abgeord- netenhause; die Agitation und die Kandidatenaufstellung. Die Beteiligung an den Debatten war eine lebhafte und allgemeine, es zeigte sich dabei in allen Fragen eine völlige Ueberein- stimmung bei allen Teilnehmern. Als eine sehr erfreuliche Tatsache kann hervorgehoben werden, daß von sämtlichen Vertretern über eine große Arbeitsfreudigkeit und Zuversicht im Lande berichtet worden ist.
Der Zarenbesuch in Oesterreich.
Die politischen Konferenzen in Mürzsteg zwischen den beiden Kaisern und ihren leitenden Ministern sind in vollem Gange. Am Donnerstag nach der Rückkehr von der Jagd hatte der russische Botschafter Kapnist mit Lamsdorff eine Zusammenkunft, die bis vor Beginn des HofdinerS währte. Nach dem Diner konferierten Goluchowöki und Lamsdorff bis spät abends und morgen sollen die Besprechungen schon morgens fortgesetzt werden, falls Goluchowöki an den Jagden nicht teilnimmt, andernfalls erst abends, eventuell unter Zuziehung der Botschafter Aehrenthal und Kapnist. Nach Besichtigung der Strecke zogen sich auch der Kaiser und der Zar in die Appartements zu einer längeren Besprechung zurück. Da nach den neuesten Nachrichten vom Balkan dort die kriegerischen Operationen gegen die Türkei in größerem Umfange wieder ausgenommen worden sind, wird eine Entschließung der beiden Monarchen nicht lange auf sich warten lassen dürfen, welche es der Pforte ermöglicht, die
alte würdige Auto» ließ sie anstandslos Eintreten, denn er sah es Wohl, die Grundpfeiler des strengen Prinzips, allen Fremden den Zutritt zu wehren, wackelten bedenklich, so wagte er es denn, halb lachend, halb gerührt zu sagen:
„Immer herein, gnädige Frau, das kleine Gesindel ist schon drinnen, und ich brauche es nicht zu bereuen, sie eingelassen zu haben. Der Herr Baron küßte den Kleinen und sagte sodann, daß er unserem verstorbenen Herrn Junker gliche."
„Und Sie, Anton?" fragte Frau Lore, aufgeregt von all dem Unerhörten.
„Ich. sage dasselbe. Frau Lore, Gott segne den Knaben."
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„Ei, Frau Lore, lockt Sie auch der wunder- volle Abend heraus?"
„Die junge Frau, welche in tiefes Sinnen verloren. ihren Weg verfolgte, schrak heftig zusammen bei dem Anruf und blickte bertoirrt in das lächelnde Gesicht des Pfarrers; sie hatte sichtliche Mühe, ihre Gedanken zu sammeln.
„Die Kleinen schlafen wohl, aber wo steckt denn der Mann?" fuhr der alte Herr fort.
„Er ging dem Walde zu, er hatte noch etwas Gcsck)äftliches abzuwickeln, und ich will ihm entgegen."
„Dars ich Sie. ein Stückchen begleiten?"
„Es wird mir sehr angenehm fein."
Was hätte sie anders antworten können und doch — wie gern wäre sie allein geblieben. Ihr Mann war zur Waldschenke hinüber, der arme Vater sollte heute dort ankommen. Siegfrieds hatten sich aus alter Anhänglichkeit sofort zu dessen Aufnahme bereit erklärt, und der alte Siegfried hatte mit einem Pfleger der Anstalt den Kranken geleitet. Nun wollte Walter sich überzeugen, tote alles abgelaufen sei, und ob der schwache Mann die Reise gut überstanden hätte. Morgen — ja morgen wollte sie selbst hinüber und es lag ihr auf der Seele tote ein schwerer Alp.
gewünschten Reformen einzuleiten und die Wiederherstellung der Ruhe auf dem Balkan zu schnellerem Abschluß zu bringen.
Die Wahlfreiheit bei den Sozialdemokraten.
Wie die „Vosfische Zeitung" mitteilt, hat in einer Magdeburger sozialdemokratischen Wählerversammlung ein „Genosse" erklärt: „Bei den Landtagswahlen gelte eS, namentlich die kleinen Geschäftsleute zur Beteiligung an der Wahl und zum Eintreten für den sozialdemo- krattschen Kandidaten zu zwingen. Dies müsse geschehen, wenn auch über den Terrorismus geschimpft werde, den die Sozialdemokratie auf die Wähler auSübe." Bekanntlich ist auch bisher schon die Sozialdemokratie in dieser terroristischen Weise verfahren. Hier aber wird einmal in der Oeffentlichkeit dieses Treiben empfohlen. Es wird Sache der bürgerlichen Parteien sein, die von dem sozialdemokratischen TerroriSmuS bedrohten kleinen Geschäftsleute zu schützen. Von der Freiheit der Wahlen aber, wie sie die Sozialdemokratie versteht, gibt dieser Vorgang ein neues beachtenswertes Beispiel.
MilitärischeDisziplin.
In Heidelberg ist es anläßlich eines kriegs. gerichtlichen Urteils zu Skandalfzenen gekommen. Es handelte sich um vier Grenadiere der 6. Kompagnie des in Heidelberg garnisonierenden Ba- taillons vom 2. badischen Grenadierregiment Kaiser Wilhelm I. Nr. 110, die während des Manövers in Zivilkleidertt Unteroffiziere überfallen und mißhandelt hatten. Sie wurden zu 10, 6 und 3 Jahren 9 Monaten verurteilt. Als das kriegsgerichtliche Urteil bekannt wurde, rottete sich eine starke Masse zusammen, die die Militärrichter mit Pfeifen, Johlen und Schreien empfing. Spöttische Hochrufe auf Hüssener wurden laut. Es kam zwar nicht zu Tätlichkeiten, aber der Skandal spottete jeder Beschreibung. Nur langsam und widerstrebend zerstreute sich die Menge. Die demokra- ttschen. Blätter suchen diese Ausschreitungen als berechtigt oder doch mindestens entschuldbar hinzustellen, weil das kriegsgerichtliche Urteil besonders im Vergleiche mit dem gegen den Fähnrich Hüs- jener streng, ja grausam gewesen sei. Daß das Urteil scharf und streng tatsächlich gewesen ist, wird jeder zugeben. Es würde vielleicht zr streng gewesen sein, wenn es sich nur um Taten des Leichtsinns gehandelt hätte. Das ist aber nicht der Fall; es lag vielmehr ein wohldurchdachtes, überlegtes und vorbereitetes Komplott gegen militärische Vorgesetzte vor. Das weiß jeder Soldat und sollte jeder Deutsche wissen, daß es im Heere kaum ein schwereres Verbrechen geben kann als solche Tätlichkeiten gegen einen Vorgesetzten. Wer zu einem Verbrechen dieser Art sich verleiten läßt, der muß damit rechnen, daß eine" ungemein harte Strafe ihn trifft Darüber werden die Soldaten regel-, mäßig instruiert. Das wird so oft in der Oeffentlichkeit besprochen, daß füglich ntemand darüber im Zweifel fein kann. Und es muß auch so blei-
Pastor Körner blickte sie prüfend von der Seite an, feine Gefährtin schien ihm bleich zu sein, so viel die sich ausbreitende Dämmerung zu erkennen erlaubte. Auch still war sie und ernst. Er hatte es in der letzten Zeit schon öfter bemerkt und schob es auf die Eindrücke des Tage?, der Lores Kindern so große Gefahr gebracht batte..
Die junge Frau fühlte sein Befremden und bemühte sich hastig, eine Unterhaltung zu beginnen. Sie griff zu dem Zunächstliegenden und erzählte von den Kindern. Sie berichtete, daß sie tägliche Gäste im Schlosse seien und daß auch ihre Anwesenheit sehr oft von der alten Dame gewünscht würde. Im Lause des Gesprächs wurde Lore immer lebendiger, der Pfarrer fühlte, wie stolz sie war auf das Errungene, und fragte freundlich:
„Und der alte Herr, Frau Lore, haben Sie den auch erobert?"
„Ach der, Herr Pfarrer, der hat nur Augen für unseren Jungen, mich nimmt er bloß mit in den Sauf. Er hat streng verboten, daß wir dem Knaben seine Unbefangenheit rauben, und das Kind spricht nach wie vor von feinem Baron. Wissen Sie Herr Pfarrer, daß mir oft die Augen feucht wurden, wenn ich den alten, strengen Herrn im Verkehr mit Werner beobachte? Und der alten Dame geht es gerade s» wie mir. Wenn die beiden zusammen sind, haben sie für niemanden mehr Augen und Ohren. Manchmal will mich eine Ar! Eifersucht fassen und ich klage es meinem Manne. Sie rnüßtxn nur sehen, welches Gesicht er dazu macht. Ich werde nicht klug daraus, er preß! meine Hand, daß ich aufschreien möchte, oder et ' umarmt mich stürmisch — meist begnügt er sich damit, Bubi jubelnd in die Höhe zu schwingen und ihn mit strahlenden Augen ans Herz z» drücken.
(Fortsetzung folgt.) ,