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(Nachdruck Verboten.)

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Von der konservativen Partei.

Bei der am 30. September in Berlin statt- gefurbenen Beratung des Ausschusses der deutsch» konservativen Eesamtpartei wurde u. a. be­schlossen. keinen besonderen Aufruf zu den Land­tagswahlen zu erlassen.

des Etats für 1903 geliefert, daß die Befürchtung eines Rechnungsdefizits von einigen dreißig Millionen Mark sich als unbegründet erwiesen, das Rechnungshalbjahr vielmehr mit einem kleinen Ueberschuß abgeschlossen hat.

Große neue Ausgaben dürften den Staats­haushalt für 1904 schwerlich belasten. Was davon in Sicht ist, wird sich für das nächste Jahr wohl noch nicht geltend machen. Es ist daher nicht aus­geschlossen, vielleicht selbst wahrscheinlich, daß es gelingen wird, dem Landtage für das nächste Jahr wieder einen balanzierenden Etat vorzulegen. Der für Preußen glücklicherweise seltene Ausnahme­zustand eines EtatSde'izits dürfte sich also vielleicht auf das laufende Jahr beschränken und vom nächsten Jahre sich der normale Zustand eines in sich balanzierenden Etats wieder Herstellen lassen.

zu verzeichnen hatte. Der Wahlaufruf de« Zentrums ist so gehalten, daß man vom konser­vativen Standpunkte kaum etwas gegen ihn einzuwenden haben dürfte. Allerdings ver­meidet er in seiner vorsichtigen Faffung auch jede Schärfe gegen die anderen Parteien. Was einzelne Punkte angeht, so zeigt die Besprechung der Landwirtschaft, der Warenhaussteuer, der Fürsorge für das Handwerk, der Reform de« Gemeindewahlrechts, der Kanalvorlage und der Schule, daß es zwischen Konservativen und Zentrum an Berührungspunkten nicht fehlt, was für die spätere legislative Behandlung dieser Fragen nur von Vorteil sein wird.

Vierteljährlicher Bezugspreis; bei der Expedition 2 Mk, der allen Postämtern 2,25 Mk. (exel. Bestellgeld).

Jnscrtionsgebühr: die gespalteneZeile oder deren Raum 10 Pfg.

Reclamcn: die Zeile 25 Pfg.

Garten, denn sie fürchtete, sie würden sich zu sehr als Hauptpersonen fühlen.

Da standen sie nun, und Werner fiel es heiß aufs Herz, daß er dem Baron gestern vor lauter Aufregung nicht ordentlich gedankt hatte. Aber mit leeren Händen durften sie nicht kommen; sie überlegten ein Weilchen -miteinander, dann füllte Ursel ihr Körbchen mit den ersten süßen Erdbeeren ihres kleinen Gärtchens, standhaft der Versuchung widerstehend, eine Beere in ein rotes Mündchen zu stecken, während Werner mit tiefem Seufzen eines der soeben erhaltenen Kaninchen bei den langen Ohren packte und kurz entschlossen sagte: Komm, wir gehen zu meinem Baron."

Tie Sonnensttahlen eilten ihnen voraus, muß­ten sie doch rasch spähen, ob der Herr auch wisse, wer zu ihnen auf Besuch käme. Verwundert und enttäuscht blickten die leuchtenden Himmelsbooten umher, er war ja noch nicht dort, aber die bleiche, stille Frau saß am Fenster und deren weiße, schlanke Hände lagen wie so oft untätig im Schoße. Was sie doch ft'ir stille, sanfte Augen hatte! Man mußte ihr gut fein.

Es waren Augen, die viel von heimlichen Thränen wußten. Äugen, die sich in hilfloser Angst vor dem herrischen Willen eines Mannes nieder­geschlagen hatten Jahr um Jahr, und die es nun wieder lernen sollten, den Glanz sonniger Lebens­freude wieder zuspiegeln, denn sie nahten wie Märchenkinder, um das verzauberte Schloß und die darin gefangenen trauernden Seelen zu er­lösen von Moder und Spinnweben längstver­gangener Zeiten mit deren Jammer und Herze­leid, zu erlösen kraft der Liebe ihrer reinen, un­schuldigen Kinderherzen.

Aufhorchend hob die alte, sinnende Dame den Kopf. Was für helle Stimmen drangen durch die Tür bis zu ihr hin, die sich jetzt öffnete, um dem alten Kammerdiener Einlaß zu geben, der entschuldigend sagte:

Halten zu Gnaden, Frau Baronin, aber sie ließen sich nicht abweisen."

Er ging und nahe der Schwelle stand das herzige Pärchen, etwas eingeschüchtert zwar durch die fremde düstere Umgebung, aber doch stetig ein Füßchen vor das andere setzend, bis sie mitten brinnen waren in dem goldenen Gewoge des- gött­lichen Himmelslichtes, welches breit und voll durch das hohe Fenster hineinfiel. Wie gebannt blickten die müden, alten Frauenaugen auf sie hin, ein warmes Leuchten erwachte in ihren Tiefen und ein Paar zitternder Frauenhände streckte sich den Kleinen zum Willkomm entgegen. Das machte ihnen Mut und sie durchmaßen ungleich rascher den großen Raum, bis sie dicht neben der gütigen Dame standen.

Bist Du meinem Baron seine Baromn? fragte Werner.

Ja, die bin ich." , ,

Wo ist denn der Baron?" fuhr Werner fort; er war sichtlich enttäuscht, seinen Freund nicht zu finden.

Er wird bald kommen," beschwichtigte die Schloßherrin den ungeduldigen Knaben; sie war äußerst belustigt über seine abgekürzten Titu- lationen; sie erriet, wer die Kleinen waren.

Werner wandte sich an Ursel, indem er sagte: Ra der Baronin können wir es ebensogut geben, sie ist doch die Frau von meinem Baron."

Gehorsam reichte das Schwesterchen ihr Körb­chen der alten Dame hin und Werner nahm sein Kaninchen an den Ohren und setzte das zappelnde Tierchen kurz entschlossen der Baronin m beit Schoß. Es blieb ganz behaglich liegen Ver- wundert blickte die Beschenkte ans die Gaben uno fragte: , ... ,9

Ist das für Deinen Baron bestimmt?

Ja, wir wollten ihm doch etwas recht rochoneS schenken, weil er das Schwesterchen und mich aus dem Wasser gezogen hat, sonst wären wir er» trunken." IFortietzung folgt.)

. Marburg

Freitag, 2. Oktober 1903.

Roman von I. Jobst.

i,Fortsetzung.)

Frau Lore wußte nicht, wen sie zuerst anS Herz drücken sollte, doch da der Baron den Buben nicht los ließ, so griff sie nach dem Töchterchen, welches totenblaß im Arm des Mädchens hing, das heulend rief:Ich wills nie mehr wieder tun, gnädige Fran! Ich hätte mir selbst ein Leid an­getan, wenn die süßen Kinder ertrunken wären."

Ter alte Herr sah, daß bei diesen Worten ein Zittern die bleiche junge Frau befiel und fuhr die heulende Dirne an:.,Mach, daß Du in die Küche kommst und sorge für warme Milch für die Kleine.

Es war gut, daß der Baron kam, Mutti," sagte Werner leise.Das Schwesterchen wollte und wollte die Augen nicht aufmachen, und ich Habs doch wirklich nicht länger halten können. Das Ertrinken ist schrecklich. Mutti/'

Der tapfere Knabe brach in ein bitterliches Weinen aus und auch aus Lores zugeschnürter Keble rang sich ein Laut wie ein kurzes Aechzen, indessen Träne auf Träne die blassen Wangen herunter rollten. Auch dem alten Herrn wurde wunderlich weich zu Sinn, er konnte den Tränen nicht wehren, die den zwinkernden Angell ent­fielen. Sie brachten gemeinsam die Kinder zu Bett und der treue Beschützer verließ nicht eher das Zimmer, bis sie eingeschlafen waren, doch hatte er vorder Werner fest versprechen müssen, daß er den Kranz aus das Grab tragen werde, und Lore ließ es sich nicht nehmen, ihm das Geleit zu geben. So stand der arme Mann an der Ruhestätte, wo sein Liebstes im Todesjchlafe lag, und tröstete die schluchzende Frau, die dort neben ihm kniete, um den schlichten Kranz ihres Knaben der Fülle der Blumen anzureihen, die die friedliche Stätte in einen blühenden Garten verwandelten.

Rußland und der Dreibund.

Der Besuch des Kaisers von Rußland beim Kaiser Franz Joseph wird sowohl in der russischen wie in. der österreichischen Presse als ein Beweis der friedlichen Lage verherrlicht. Das Organ der russischen Regierimg, dasJournal de St. Petersbourg" sagt in seinem Aitttcl u. a.: Dieser Gesuch ist ein neues Zeichen der traditionellen intimen Beziehungen, die zwischen den beiden er­habenen Souveränen zum Wohle ihrer Völker bestehen und so mächtig zur Erhaltung des all­gemeinen Friedens, dem beständigen Ziele ihrer Bemühungen, beitragen. In ganz ähnlichem Sinne.äußert sich das amtliche Organ in Wien. Für die Erhaltung des Weltfriedens darf man den Zarenbesuch beim Kaiser Franz Joseph unter offen Umständen als ein Ereignis allerersten Ranges begrüßen. Der Gebieter deS Jweibundes bekundet vor aller Welt, daß er mit den Herrschern des Dreibundes das gemeinsaine Ziel verfolge, dee.Welt d.en. Frieden zu erhalten. Dies beweisen wir' ihrer" Wichtigkeft" welche am Mittwoch wiedergeben. Kaiser Äe

Indem Euere Majestät der, Einladung Jagden in Steiermark, welche ich so glücklich war, an Sie zu richten, Folge leisten, haben Sie mir einen neuen Beweis Ihrer Freundschaft geliefert, die ich hoch anschlage und die bei mir. stets ein ebenso lebhaftes als aufrichtiges Echo findet. Die Herzlichkeit, welche sich daraus für unser Verhält­nis ergiebt, hat schon wiederholt ihre wohltätigen Wirkungen auf die politischen Beziehungen unserer Staaten ausgeübt und ich schmeichle mir mit der Hoffnung, daß die vollkommene Uebereinstimm- ung der Anschauungen und Auffassungen, welche zwischen uns angesichts der bedauerlichen Ereig­nisse, deren Schauplatz gegenwärtig die Balkan­halbinsel ist, besteht, zu dem Erfolge der Aktion, welche wir dort einverständlich im Interesse des europäischen Friedens durchführen, hervorragend beitragen werde. Von diesen Empfindungen er­füllt, trinke ich auf das Wohl meines lieben und treuen Freundes, Sr. Majestät Kaiser Nikolaus.

Kaiser Nikolaus erwiderte hierauf:

Die Worte, mit welchen mich Euere Majestät bewillkommnet haben, berühren mich lebhaft und danke ich Ihnen dafür aus vollem Herzen. Mit

Die neuen Etats.

Die im Gange befindliche Etatsaufstellung im Reiche wie in Preußen vollzieht sich unter etwas weniger ungünstigen Verhältnissen, als die des Vorjahres. Jrn Reiche weisen wenigstens die Zölle und die Erträge der Post und Eisenbahn eine kräftig aufsteigende Bewegung auf, während allerdings die Börsensteuer einen starken Rückgang Zeigt und wegen der besonderen, mit dem In­krafttreten der Brüsseler Konferenz zusammen­hängenden Verhältnisse aus der bisherigen Ent- Wickelung der Zuckersteuer ein sicheres Urteil über die Zukunft nicht zu gewinnen ist.

Was die Ausgaben des ordentlichen Etats an- langt, so fällt günstig ins Gewicht, daß das 1904 <3u deckende Defizit von 1902 um rund 17 Mill Mark niedriger ist, als das von 1901, dessen Deck- ung in dorn Reichshaushaltsplan des Jahres 1903 vorzusehen war. Andererseits wachsen über die regelmäßige Steigung der Ausgaben hinaus be­kanntlich einige Posten des Ausgabeetats von selbst infolge reichsgesetzlicher Bestimmungen. Das sind namentlich der Reichszuschuß zur Alters- und Jnvalidenversickeruna. der, . 93t-nfirmKinns m.hy- wenn keine Aenderung eintritt, eine dem Rück­gang der Zinseinnahme entsprechende Steigerung der für 1903 bereits auf rund 39 Millionen ver­anschlagten Aufzehrung des Kapitalsstocks des Reichsinvalidenfonds nicht zu umgehen fei. Alles in Allem genommen, wird sich demnach trotz der günstigen Gestaltung des Einnahmeetats eine außerordentliche Ergänzung der eignen Ein­nahmen des Reiches wiederum nicht ganz ver­meiden lassen, selbst wenn neue Äusgaben in größerem Betrage nicht in Frage kommen sollten.

Günstiger sind die Aussichten in Preußen. Auch hier fehlte es zwar bei den Einnahmen nicht an schwarzen Punkten. Für die Veranlagung des Ertrages der Einkommensteuer kommt in Be­tracht, daß der Einschätzung für 1904 neben 1903 die schlechten Jahre 1901 und 1902 zugrunde liegen. Ungleich stärker aber fällt die wieder stark auffteigende Entwicklung der Einnahmen undJ>e,§ lieberschusses der Eisenbahnen ins Gewicht. Seit dem Spätherbst vorigen Jahres sind die Verkehrs- einnahmen der Staatsbahnen rasch und ftetig ge­stiegen. Obwohl naturgemäß eine Vermehrung der Ausgaben damit Hand in Hand geht, haben die Staatsbahnen 1902 einen soviel höheren Ueberschuß gegenüber der Schätzung bei Vorlegung

Die Lage in Oesterreich-Ungarn.

Die neuen Verwickelungen, welche zwischen der ungarischen Regierung und dem Abgeord­netenhause entstanden sind, lasten die gegen­wärtige Lage in schlimmem Lichte erscheinen, und diese Tatsache ist um so schwerwiegender, weil sie nicht nur das Verhältnis beider Reichs­hälften ungünstig beeinflußt, sondern auch die politische Stellung der habsburgischen Monarchie nach außen gefährden kann. Man muß sich wirklich die Frage vorlegen, ob nicht der staats­rechtliche Zustand unhaltbar geworden ist und die beiden Reichsteile einer Trennung entgegen­gehen, auf die man anscheinend in Ungarn hin» arbeitet. Wenigstens deuten die immer weiter- gehenden Forderungen, wie sie gerade in der letzten Zeit gestellt worden find, daraufhin, daß man beabsichtigt, Ungarn wirtschaftlich, national und militärisch möglichst zu stärken, aus eigene Füße zu stellen und damit von Oesterreich un­abhängig zu machen. Daß mit der Zeit eine Loslösung von der deutschen Reichshälfte sich vollziehen soll, ist der langgehegte Wunsch der Magyaren. In dem Haste gegen die Deutschen übersieht man jedoch in den chauvinistischen Kreisen, welche Folgen eine Trennung von Oesterreich haben könnte. Eine Sonderexistenz Ungarns als selbständiger Staat ist unter den heutigen Verhältnissen kaum möglich, zumal das Land selbst innerlich keine nationale Ein­heit bildet und inmitten der slavischen Flut sehr bald von dieser mitgeriffeu und über­schwemmt werden würde.

Solange die antideutsche Stimmung in Un­garn nicht einen gewissen Umfang überschritt, konnte sie wohl als unangenehm nicht als gefährlich geiuü. Nun sie aber tn den letzten Jahren ganz erstaunlich angewachsen ist und keine Grenzen mehr kennt, mußte sie naturgemäß in Oesterreich eine antiungarische Stimmung erzeugen, die ebenfalls durch die Vorgänge der letzten Zeiten außerordentlich verschärft wurde. Da die Magyaren auf mili­tärischem Gebiet keinen Ausgleich wollen, so wollen die Oesterreicher keinen auf wirtschaft­lichem Gebiet und man denkt hier allen Ernstes daran, die handelspolitische Trennung je eher je lieber eintreten zu lasten und das Zollbündnis zwischen den Hälften der Monarchie zu be­seitigen.

Unter derartigen Umständen erscheint die militärische und wirtschaftliche Einheit Oester­reich-Ungarns stark gefährdet. Ein Zurückwirken auf die internationale Stellung der österreichi­schen Länder wäre unausbleiblich. Das deutsche Reich z. B. steht in einem dauernden Bündnis mit der habsburgischen Monarchie, d. h. Oester­reich und Ungarn, und hält an diesem Bunde auch treu fest. Jedoch würde sich die Lage er­heblich anders gestalten, wenn Oesterreich und

# Erscheint wöchentlich sieben mal. ;»£;< §

Druck und Verlag- Joh. Aug. Koch, UnivrftitSts-Buchbruckcrel ' 88. ^aklM

Marburg, Markt 21. - Telephon 55. 10 y u<

Zu den Landtagswahlen.

Bis jetzt sind drei Wahlaufrufe erschienen: von der nationalliberalen Partei, von den Freisinnigen und vom Zentrum. Die Wahlaufrufe der beiden ersten Parteien haben bestätigt, daß man gemeinsam die Konservativen, dieReaktionäre', bekämpfen will. Diese klare Sachlage ist für den Wahlkampf nur erwünscht, denn man weiß, wo der Gegner zu suchen ist und wie man sich zu verhalten hat. Die konser­vative Partei wird ohne Zagen, wie in den Jahren 1893 und 1898, den Kampf mit dem gesamten Liberalismus aufnehmen und im Ver­trauen auf ihre Stärke wohl auch mit demselben Erfolg durchzusühren vermögen, den sie bisher

Mit heißer Dankbarkeit zog sie die Hand des treuen Hüters an ihre Lippen, obgleich er ihr er­schrocken wehrte. Sie vermochte nicht zu sprechen, doch als sie ging, blickte sie noch einmal zurück zu der hohen Greisengestalt, die unbeweglich am Grabe stand. Ob sie es ahnte, daß sich zum ersten Male ein befreiendes, ergebenes Gebet feiner Seele entrang, ein Gebet, welches ihm Frieden brachte?

Frau Lore schritt sinnend heimwärts, um an stiller Stätte zwischen den beiden Bettchen ihrer schlafenden Kinder niederzuknieen um sich zu de­mütigen vor Gott, dem Allgütigen und Allerbar­mer. So traf sie der heimkehrende Mann und fand den Boden wohl vorbereitet für seine Bot- schäft von dem hinfälligen, schwachsinnigen Vater, der Verlangen tnug nach dem Wiedersehen mit seinem einzigen Kinde.

Laßt uns durch, laßt uns durch", baten die goldenen Sonnenstrahlen, die über den hohen Lindenkronen der Allee funkelten,wir miisien auch dabei sein, wenn unsere Kinder zum Schloß gehen." Ta tat der frische Morgenwind ihnen den Gefallen und ließ die dichtbelaubten Zweige auf- und niedergaukeln, und husch, waren die lichten Gesellen drinnen. Sie tanzten vor Werner und Ursel der, ihnen den Weg zu bereiten, sie ließen das goldene Gelock des Mädchens schimmern gleich gesponnenem Golde, und im dunklen, sinnigen Äuge des Knaben glomm ein Fünftem ihres warmen himmlischen Feuers. Viel Besuch war am frühen Morgen bei Assessors gewesen, um zu der Rettung der Kinder ihre Glückwünsche auszu­sprechen, die lieben Freunde aus dem Pfarrhause, Erdmann und seine Frau, der Schulze aus dem Dorfe, ja zuletzt kamen Siegfrieds gar angelau­fen, um ihrer Freude Ausdruck zu geben, und er schenkte im lieber maß des Dankes, daß alles gut abgelaufen war, Werner ein Paar schneeweiße Kaninchen. Frau Lore schickte die Kinder in den

Ungarn, sich trennen würden, und letzteres Land eine Politik beobachten wollte, die mit der von Oesterreich eingeschlagenen in Wider­spruch stände., Man darf zwar nicht verzeffen, daß eS auch in Deutschland unberufene Politiker gibt, welche eine Trennung Oesterreichs von Ungarn für wünschenswert halten und den An­schluß von Cisleithanien an das deutsche Reich, und damit einGroßdeutschland vom Belt bis zur Adria' erhoffen. Jede neue Krisis an der Donau gibt diesen imaginären Hoffnungen neue Nahrung, die selbstverständlich auf die Politik de» deutschen Reiches ohne jeden Einfluß sind und auch bleiben müffen.

Für den Kaiser Franz Josef handelt eS sich zur Zeit darum, in Ungarn einen geeigneten Staatsmann zu finden, der gegenüber der Ob­struktion die nötige Tatkraft besitzt, dieselbe niederzuzwingen und in Schranken zu halten. Glücklicherweise gibt eS ja auch noch gute Ele­mente, die einer Verständigung mit Oesterreich nicht abgeneigt sind und in richtiger Würdigung der Verhältnisse im Zusammengehen mit Oester­reich den einzig möglichen Weg für Ungarn er­blicken. Kommt in Ungarn eine neue Re­gierung zusammen, die der herrschenden Lage gewachsen ist, dann darf man wieder hoffen, daß eS trotz aller Schwierigkeiten gelingen wird, die Gemeinsamkeit des Heeres, sowie die handels­politische Gemeinschaft aufrecht zu erholten und die Möglichkeit des Weiterbestandes Oesterreich- Ungarns auf Grund der gegenwärtigen Ver- fassung auf eine Reihe von Jahren zu sichern, was nicht nur im Jutereffe des deutschen Reiches, sondern auch in dem von ganz Europa liegt.

Alt dem Krüsblatl für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Sonntagsbeilage; Jllnstrlrtes Sonntagsblatt.