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Sonntag, 27. September 1903

Marburg

Erscheint wöchentlich sieben mal. "|

Druck uttb Verlag- Joh. Aug. Koch, UnibcrsitLtZ-Vuchdnickerci 38, Marburg, Markt 21. Telephon 55. ö

WM MM mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.^

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Zweites Blatt.

Die Forderungen der Bauhandwerker.

Schon seit verschiedenen Jahren find im deutschen Reichstage aus den betreffenden ge­werblichen Kreisen unterstützte Wünsche laut geworden, welche auf einen besseren Schutz der Forderungen der Bauhandwerker und verwandter Berufsleute an das oft recht wenig rückfichts» volle Unternehmertum abzielen. Diese Wünsche haben sich zu bestimmten Forderungen verdichtet, seitdem handgreiflich nachgewiesen ist, welche kolossale Summen ehrlichen Arbeits-DerdiensteS alljährlich der skrupellosen Bauspekulation zum Opfer gefallen find. Die Reichsregierung hat ziemlich lange gezögert, bevor fie den an fie herangetretenen Gesuchen entsprach; verschiedene Male ward in der deutschen Volksvertretung betont, daß man sehr behutsam vorgehen müsse, um mit den Auswüchsen deS SpekulantentumS nicht die eigentliche Unternehmungslust zu treffen. Diese Schonung der Baulust hat gewiß manches für sich; aber ebenso wie für Aktiengesellschaften und andere Vereinigungen gemeßene gesetzgeberi­sche Bestimmungen bestehen, die tunlichst ver­hüten sollen, daß mit dem Gelde deS Publikums Mißbrauch getrieben werde, kann auch die Bau- spekulation nicht nach ihrem Ermeßen über Treu und Glauben verfügen. Wenn nun dem neuen Reichstage ein entsprechendes Gesetz unter­breitet werden soll, so können wir nur wünschen, daß eS ebenso den Forderungen von Treu und Glauben, wie praktischen Gesichtspunkten Rechnung trügt. Es kann eben im Baugewerbe nicht alles in einen Topf geworfen werden, ebensowenig, wie anderswo.

Wir haben beim Bau - Unternehmertum ziemlich scharf zu unterscheiden zwischen den­jenigen Gewerbtreibenden, die im Besitz voll­wichtiger Kapitalien für eigene oder fremde Rechnung Bau-Aufträge übernehmen, und zwischen den Elementen, die aus dem Bauen nur eine große Mausefalle für andere machen; die oft gar kein Vermögen haben, mitunter auch den Offenbarungseid leisteten, nach dem alten Berliner Witzwort recht wohl sieben Häuser besitzen können, ohne eine Schlafstelle ihr eigen nennen zu dürfen. In der modernen groß­städtischen Spekulation giebt eS ja ein geflügeltes Wort, daß dem kapitalistischen Hintermann, dem Geldgeber, derjenige Bauunternehmer am Liebsten sei, der überhaupt nichts mehr ver­lieren könne. Das sind traurige Verhältnisse, die sich aber meist mit einem solchen Raffinement verbinden, daß trotz großer Vorsicht wieder und wieder Bauhandwerker auf das Schmählichste betrogen wurden.

82 (Nachdruck verboten.!

Frau Lore.

Roman von I. I o b st.

lFvrtfetzung.'

Wirst Du auch nicht zu eitel werden, wenn ich Dirs verrate?" fragte sie dann leise.

Ich tvill mir Mühe geben, liebes Weib."

. "Jck^dachte, das; der Himmel es doch gut mit unr r mSinnc hatte, als er mir die schwere Leidens- zeit schickte, denn ohne diese wäre ich ein anderes Weib geworden und hätte nie erfahren, wie glück­lich mich die Liebe meines eifersüchtigen Herrn und Meisters machen kann."

Lore sieh mir ins Auge! Ist cs wirklich wahr? Flog heute bei dem Wiedersehen keine Regung des Bedauerns durch Deine Seele, auch kein Mitleid?"

Nein, Walter. Dir und Deiner Liebe habe ich inich verschrieben von nun an bis in Ewigkeit!" Feierlich klangen die leisen Worte an das Ohr des noch immer zweifelnden Mannes und mit schwerer Betonung fielen seine Worte: Auch nicht als Du sahst, daß er nicht vergessen hat?"

Glaubst Du das wirklich Walter?" fragte sie so voller Befriedigttng. daß er sie ganz erschrocken anbltckte, indessen sie eifrig fortfuhr:Dasselbe habe ich auch bemerkt. Er starrte inich immer an und und--"

Und das macht Dir Freude, Lore?" unter­brach er sie tadelnd.

Weil es eine gerechte Strafe für ihn märe." Wofür?"

Nun, da er sich mir gegenüber so unehrenhaft benommen hat."

Unehrenhaft ist wohl ein zu krasser Ausdruck."

Frau Lore vergaß in ihrer Empörung, daß sie es hatte verschweigen Ivollen und sprudelte los: So, nennst Du das vielleicht ehrenhaft, tvenn man sich um die Liebe eines jungen Mädchen bewirbt »nd sich dann schweigend, ohne ein Wort der Er-

Die Bauspekulation, die sich oft mit dem Erundstückswucher verbindet, ist ein Berliner Kind, wie eS denn selbstverständlich ist, daß in solchen Plätzen, in welchen die Bevölkerung durch Zuzug stark wächst, mit der Veräußerung von Baugrund ganz andere Geschäfte gemacht werden können, als in anderen Städten, wo nur ein mäßiges Anwachsen der Bevölkerung zu ver­zeichnen ist. Demgemäß verschwindet die» Krebs-Leiden des unreellen Bau-Unternehmer­tums um so mehr, je mehr sich die Bevölkerungs- Bewegung in normalen Bahnen hält; e« fällt ganz fort da, wo das Angebot von Häusern und Wohnungen größer ist, wie die Nachfrage. Hier, wie überall da, wo nur eine streng solide Bautätigkeit in Betracht kommt, wo die Bau­handwerker oft zugleich Bau-Unternehmer find, werden die betreffenden Gewerbtreibenden, wie die privaten Bau-Unternehmer nicht das Ge­ringste dagegen einzuwenden haben, daß dem ganzen Geschäft ein streng solider Charakter gegeben wird; aber fie müßen betonen, daß der wirklich vorhandenen Solidität dann auch Entgegenkommen gezeigt wird. Gerade daS Baugewerbe ist ein kein leichtes Metier; neben vielem Aerger, der leicht aus allerlei Streitig­keiten entstehen kann, kommt auch noch mancherlei Verdruß von einer anderen Seite, welche die­jenigen, die die Gesetze ausarbeiten, am Besten kennen,; nämlich vom grünen Tische her. Also im Prinzip: Bekämpfung des Bauschwindels, aber Schutz und Förderung dem soliden Bau­gewerbe, das in seiner Tätigkeit doch immer ein wichtiger Gradmeffer für den Stand unseres wirtschaftichen Wohlbehagens ist.

Zu umgehen ist der Schutz der Forderungen der Bauhandwerker, wenn er in der Hauptsache gleich zumeist große städtische Verhältnisse be­trifft, nicht. Würde an dieser Stelle nichts ge­schehen, so würde dieses Spekulanten - Unter­nehmertum der unerfreulichen Art immer weitere Kreise ziehen, denn man weiß ja: Böse Bei­spiele verderben gute Sitten! Und mit Ein­wendungen, bei genügender Vorsicht könnte kein Bauhandwerker geschädigt werden, ist auch nichts gesagt, denn die Schliche find so fein, daß ihnen selbst von juristischsr Seite nicht immer beizu­kommen ist. Darum muß Treu' und Glauben wieder hergestellt werden.

Umschau.

Die Kaiserinsel vor Gericht.

Die angebliche,Kaiserinsel" beschäftigte am Freitag die Berliner Strafkammer. Es handelt sich um den Artikel des sozialdemokratischen Vorwärts", der dem Kaiser nachsagte, er wolle sich bei Pichelswerder unweit B-rlin ein festes Schloß bauen lassen. Tie Anklagebehörde

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klärung jählings zurückzieht, weil der Vater ein Verbrecher ist?"

Er hat sich richtig uni Dich beworben, Lore?"

Erschrocken über ihre Unvorsichtigkeit, fühlte die junge Frau eine tiefe Röte in ihr Gesicht emporsteigen. Was hatte sie da ausgeplaudert!

Ich frage, ob er um Dich angehalten hat?"

Ja," sagte sie kleinlaut und blickte ängstlich zu Christian empor, ob er auch nichts höre von der halblauten Unterhaltung, aber der schien so vor sich hin zu duseln.

Wann denn?"

Am Abend vor dein Tode meines Onkels, Walter, aber nun bitte ich Dich, laß alles weitere ruhen," bat sie ganz verstört.

Nein, Lore, ich muß alles wissen," forderte Walter ernst. Sei nicht töricht, kleine Frau, Du mußt doch Vertrauen zu mir haben, ich bin kein heißblütiger Jüngling mehr."

Ach Walter, in dem Punkte seid ihr Männer unberechenbar", antwortete sie mit dolliger Alt­klugheit.Man kann Euch nicht über den Weg trauen. Eifersüchtig seid ihr alle."

Das ist doch ganz gleichgiltig, Lore." Der Assessor fing an, ungeduldig zu werden über dieses Hinhalten und er fragte ganz plötzlich: Hat er Dich vielleicht sogar geküßt.

Ta Ivar es ja, das Unheil. Lore nickte nur und dann flössen die Tränen, die sie sich heimlich abwischte. Walter sah es nicht, finster blickte er in das Waldesschweigeii und rang nach Ruhe. Er war wie Lore herausgefühlt hatte, eifersüchtig, richtig eifersüchtig. Er hätte es nie für möglich ge­halten. Aber den Teufel noch mal, da sollte einer nicht eifersüchtig werden, wenn er erfuhr, daß ein solcher bildhübscher, lebenslustiger Kavalier seine Frau geküßt habe.

Wie oft hat er Dich denn geküßt?" fragte er streng, glaubte er doch, die beiden hätten ber- sDedentlich als LiebeSpaarZusainmenkunft gehabt.

Das weiß ich nicht." Lore blickte ihn ver­blüfft au. ihre Tränen verfieaten vlötzlich und fie

erblickt in dem Artikel Majestätsbeleidigungen, weil eS die Absicht der angeklagten Redakteure Leid und Kaliski gewesen sei, den Kaiser selbst als denjenigen zu bezeichnen, der diehöchst sonderbaren Pläne" entworfen habe und be­treibe; beleidigend sei eS auch, daß dem Kaiser angedichtet werde, er sei aus Angst vor Auf­ruhr auf den Plan gekommen. Ferner sieht der Staatsanwalt in dem Artikel groben Unfug. Der Verteidiger der Angeklagten, Rechtsanwalt Liebknecht, beantragte Vertagung, da die An­klagebehörde den Angeklagten die Verteidigung beschränkt habe. Oberstaatsanwalt Dr. Jsenbiel wie» diesen Vorwurf zurück. Die Angeklagten hätten ja auch erklärt, Beweise zu besitzen. Nach längerer Auseinandersetzung zwischen Staatsanwalt und Verteidiger wurde in die Beweisaufnahme eingetreten. Die vernommenen Zeugen, darunter Hofmarschall v. Trotha, sagten au8, daß fie von dem Schloßplan nichts wüßten. Das Gericht beschloß, noch weitere Zeugen zu laden, und vertagte die Verhandlung.

Der Rücktritt des Reichsgerichts- Präsidenten Dr. von Oehlschläger.

Der Präsident des Reichsgerichts Dr.v. Oehl- schlager hat nunmehr seine Entlassung erbeten; er will zu Anfang November in den Ruhestand treten. DerKöln. Ztg." wird hierzu ans Berlin geschrieben: (Damit vollzieht sich ein schon lange angekündigtes Ereignis, das für die Entwicklung unseres höchsten Gerichtshofes von großer Be­deutung ist. Herr v. Oehlschläger steht in einem Lebensalter, in welchem auch unter den günstigsten Verhältnissen der Wunsch nach verantwortungs­freier Ruhe sich in der Brust des Menschen regt. Schon im vorigen Jahre mußten wir erwähnen, daß ein ernstes Leiden feine amtliche Tätigkeit be­drohte: unsere Hoffnung, daß er es völlig über­winden würde, ist leider nicht in Erfüllung ge­gangen, trotz unverminderter Geistesfrische hat das Leiden den verdienten Mann nunmehr ge­zwungen, von seiner langjährigen Arbeitsstätte Abschied zu nehmen. Möge ein freundlicher Lebens­abend ihm beschieden sein. An die Reichsverwalt­ung tritt nunmehr die verantwortungsvolle Auf­gabe heran, dem Reichsgericht eine neue Spitze zu geben. Die Berufung der Mitglieder des Ge­richtshof einschließlich des Präsidenten erfolgt auf Vorschlag des Bundesrats. Die Bundesregier­ungen sind also bei der Auswahl beteiligt, aber die Initiative liegt doch bei der Reichsverwaltung und wir wünschen, daß sie in der Auswahl eines hervorragenden Juristen und eines Mannes von Erfahrung, Festigkeit und Charakter eine glückliche Hand haben möge. Otto von Oehlschläger ist im Mai 1831 geboren und feierte vor wenigen Monaten sein 50sähriges Dienstjubiläum. An der Spitze des Reichsgerichts steht er feit 1891, nach­dem er Präsident des preußischen Kammergerichts unb. Staatssekretär des Reichsjustizamt ge- ivefen war. ____________

setzte hinzu:Aber Walter, so was zählt man doch nicht in solchem Augenblick.

Als der eifersüchtige Mann nun in das ver­störte, liebe Gesicht blickte, in die feuchten Augen, die in unschuldiger Reinheit zu dem geliebten Mann emporschauten, beugte er sich in heiß auf­wallender Liebe zu ihr hin und küßte ihr die sprühenden Augen, den zuckenden Mund, zärtlich flüsternd:Du bist mein."

Ich bin Dein," jubelte Lore, und schon stahl sich ein Lächeln in ihre Wehmut, ihr Gesicht mild verklärend, wie rings um sie her das silberne Mondeslicht den nächtlich schlafenden Wald.

Sie hatten Frieden geschlossen; Walter fragte nichts weiter. Es sollte ruhen, was vergangen war. Hand lag in Hand, fo fuhren fie heim durch die Nacht. * *

Das wäre ja wohl alles für heute, Erdmann," schloß der Administrator das Gespräch und wen­dete sich wieder dem Schreibtisch zu.

Der alte Inspektor blieb zögernd stehen, er hatte noch etwas auf dem Herzen. Walter wendete sich um:Na, noch was von Bedeutung, Erd­mann?"

Daß es gerade sehr wichtig ist, will ich nicht gesagt haben. Herr Leutnant, besonders nicht für Sie, der Sie ihn gar nickst gekannt haben. Aber doch, wenn man denkt, daß das Sprichwort sagt: Ehrlich währt am längsten, fo könnte man bei ihm sagen: Und Diebstahl nährt feinen Manu. Unser­eins plagt sich redlich und kommt dabei auf keinen grünen Zweig, und der da, der sitzt nun dick in der Wolle. Man muß ihn nun wohl Herr Ritter­gutsbesitzer nennen."

Von wem sprechen Sie denn," unterbrach Walter den Redestrom, er hatte bisher darauf ge­hofft, daß der Sinn der Rede ihm klar würde.

Vom früheren Oberinspektor Schäfer, Herr Leutnant. Haben Sie es denn noch nicht gehört? Der Christian brachte es aus der Stadt mit, der Sckäfer hat Lamiendorf gekauft."

Der Streik der Straßenbahner in Berlin.

An dem in Berlin ausgebrochenen Streik der Omnibusangestellten sind etwa 700 Mann, zu­meist Kutscher, beteiligt. Die Arbeitswilligen sind mehrfach belästigt worden, weShalb die Polizei Donnerstag Abend den Betrieb einstellen ließ. Freitag Morgen aber erfolgte die Wiederauf­nahme. Die Streikenden wollen das Gewerbe­gericht anrufen. Die Direktion der Omnibus- gesellschaft hat jede Verhandlung mit der Vorn Verband der Transportarbeiter gewählten Lohn- kommission abgelehnt und erfärt, die Forderungen nicht bewilligen zu können, da die Ueberschüsse in den letzten Jahren sehr gering gewesen feien. In einem Beschlußantrag bedauern die Streikenden daß das Polizeipräsidium es gestatte, daß Leute ohne Fahrscheine als Streikbrecher den Angestell­ten in den Rücken fallen dürfen. Hierauf wird auch in einem Aufruf an das Publikum hinge- wiesen, das aufgefordert wird, auf seine Gesunde 6eit zu achten und das um Unterstützung im In­teresse der Familien angegangen wird. Der Streik sei ausgebrochen, weil die Kutscher eine Verkürz­ung der 16- bis 17ftünbigen Arbeitszeit und eine Aufbesserung des Tagelohnes von 2,50 bis 3 M fordern.

Deutscher Außenhandel Januar bi» August 190 3.

Nach dem Vom Kaiserlichen Statistischen Amt herausgegebenen Augusthest der monatlichen Nachweise betrug der Außenhandel des deutschen Zollgebiets im Spezialhandel in den Monaten Januar,August 1903 in Tonnen zu 1000 k»;

In der Einfuhr 30197265 gegen 27 829917 und 29 354 879 in dem gleichen Zeitraum der beiden vorhergehenden Jahre, also mehr 2367348 und 842 386, Edelmetallverkehr 808 gegen 762 und 836. 29 von 43 Zolltarifnummern zeigen eint Zunnohme gegen das Vorjahr und zwar ins­besondere Erden, Erze, edle Metalle usw. (4* 903102) hervorgerusen hauptsächlich durch vermehrte Einfuhr von Eftenerzen (+ 756496), Holz und andere Schnitzstoffe (+ 440475), Steinkohlen, Braunkohlen usw. (4- 409475), Getreide usw. (4- 325 461) stärkere Einfuhr von Gerste und Hafer, dagegen verminderte Einfuhr von Weizenabfällen (+ 197475). Eine etwas größere Abnahme haben nur aufzuweisen Material-, Spezerei- und Konditorwaren ( 60475), Drogerie-, Apotheker- und Farbwaren ( 28 621) sowie Flachs usw. (28 620).

In der Ausfuhr 24 937 331 gegen 22 029 385 und 20 785476 in den 8 Monaten der Jahre 1902 und 1901, also mehr 2 907946 unb 4151855; Edelmetallverkehr 254 gegen 276 und 250; über 60 v. H. der Zunahme des Jahres 1903 entfallen auf Steinkohlen usw. und zwar 1 765 687. Bedeutend vermehrt hat sich die Ausfuhr von Erden, Erzen, edlen

Walter starrte den Sprecher an, als ob er nicht recht hörte, bann fiel es von feinen Lippen:Schä­fer, der früher hier in Hoffelde war?"

Erdmann nickte grimmig. Den Eindruck, der seine Neuigkeit machte, ging ja weit über feine Er­wartung hinaus und er legte noch mehr Nachdruck hinein, indem er hinzusetzte:Ja, Langendorf hat er gekauft, der beste Boden in der ganzen Gegend, Hoffelde ausgenommen. Eine Brennerei ist da und eine Holländerei, die ihresgleichen sucht, denn die besten Wiesen des ganzen Kreises liegen dort.

Walters Stirn rötete sich und seine Augen blitzten, als er an den ungetreuen Haus Halter dachte, der dem Onkel Tausende und aber Tausende gestohlen haben mußte, ehe er imstande war, ein solches Gut zu kaufen. Tas war ja weit mehr, als in den Büchern nackzuweisen war. Allerdings wuchsen unter seiner Verwaltung die Einnahmen zusehends, aber solche Summen? Nein da mußten doch noch andere Reserven im Hinter-, gründe fein.

Vielleicht hat der Mann plötzlich geerbt?" Nein, Herr Leutnant, das glaube ich nickst. Er ist ja immer in der Gegend geblieben, das hätte man gehört." Der aufgeregte Mann trat dicht an Walter heran und flüsterte:Gestohlen hat ers, Herr Leutnant. In zehn Jahren, nein, noch länger wars. da läppert sich so etwas zu­sammen. Der alte Herr wollte es ja nicht sehen und der Kerl war schlau, er machte sich unentbehr­lich, mit jedem Jahr mehr, unb bas Stehlen be­trieb er im großen. Aber als er erst im Forst an­fing, da muß es dem Herrn Baron doch wohl über geworden sein und der Herr Forstmeister tat auch seinen Mund auf. Mehr als einmal faßten, feine Beamten die Diebe ab und zeigten sie an, es war ja unter uns ein offenes Geheimnis, daß es im Alistrage vou Schäfer geschah, aber die Kerle schwiegen und bezahlten, saßen auch ihre Zeit ab? Doch was wollten die wenigen bedeuten gegenüber den vielen, denen es glückte, ihren Raub zu sichernd

(Fortsetumg folgt.) '