* Sonntagsbeilage: Jttustrirtes Sonntagsblatt.
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Vierteljährlicher Bezugspreis: btt der ExpedUio« 2 ML, ■:.
bet allen Postämtern 2,25 ML eejcl. Bestellgeld). jM ~
s''‘"‘l,'"£STäX“‘”''*' Donnerstag, 24. September 1903.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag' Ioh. Ang. Koch, Universitäts-BuchdruckerÄ Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
38. Jahrg/
Erstes Blatt.
Deutschland als Arbeitgeber.
Kaiser Wilhelm II. liebt es, in seinen Reden einen schwungvollen Ton anzuschlagen, dem ihm inne wohnenden Temperament gemäß. In der jüngsten Ansprache an die Arbeiter-Deputation in Danzig fehlt dieser Schwung, aber gerade in der klaren, tatsächlichen Feststellung liegt ein hoher Wert, dadurch gewinnen gerade bei dieser Gelegenheit die Worte an Wucht. Der Kaiser weist darauf hin, was da8 deutsche Reich der Industrie und ihren Arbeitern für einen hervorragen Verdienst gebracht habe, und daran knüpfen sich von selbst die Erwägungen, wie es wohl stehen würde, wenn das deutsche Reich nicht gekommen wäre, und wie es werden würde, wenn das Reich aufhörte. Tausende auch von denen, die bei der letzten Reichstagswahl sozialdemokratisch gewählt haben, werden beim Aufwerfen dieser Frage ausrufen: „An die Möglichkeit eines Verschwindens deS deutschen Reiches denken wir ja gar nicht!" aber wenn so nicht gedacht wird, dann muß auch darüber Klarheit werden, was das einfache flinke Mitlaufen mit der Sozialdemokratie für einen Zweck hat, mit derselben Sozialdemokratie, die nach den Beschlüssen des Dresdener Parteitages kein anderes letztes Ziel hat, als den Umsturz der bestehenden Ordnung. Damit müßte denn auch das deutsche Reich fallen. Zum Glück geht es damit nicht so schnell, wird es menschlicher Voraussicht nach nie dahin kommen. Aber was ist denn die graue Theorie des Sozialismus anderes, als ein Hirngespinst?
Ist die Sozialdemokratie in Deutschland so, wie sie heute dasteht, gewachsen durch die ihr inrewohnen.de Kraft? Ihre Führer behaupten es. Aber sie vergessen, daß eine so große Arbeiter-Partei niemals im deutschen Reiche existieren könnte, wenn nicht das genügende Rekruten-Material da wäre. Und ohne Arbeit keine Arbeiter. Hat aber die Sozialdemokratie diese Arbeit, die umfangreiche industrielle Betätigung, die gewaltigen Produktions- und Industrie-Verhältnisse geschaffen? Nein! Im Gegenteil, sie hat diese Entwickelung mehr als einmal zu stören, durch Streitigkeiten aller Art zu hemmen gesucht. Wenn wir so hoch gekommen sind, wenn so gewaltige Arbeiterscharen im deutschen Reiche entstanden sind, so ist das trotz der Sozialdemokratie geschehen. Wäre Deutschland vorwiegend ein Ackerbau treibendes Land geblieben, die Herren Bebel und Singer sollten wohl suchen, woher sie 80 und mehr Abgeordnete bekämen.
Unser Kaiser hat im vollen Maße recht, wen:: er die kolossale Entfaltung der gewerblichen deutschen Tätigkeit der Errichtung des Reiches auf dem Boden der deutschen Einheit
zuschreibt Wer genauer weiß, wie sich das wirtschaftliche Leben in Deutschland nach 1871 entfaltete, der kann konstatieren, wie alles mit einem Zauberschlage in die Höhe ging. Zu schnell sogar, und darum konnte der Rückschlag nicht ausbleiben, aber nach dessen Ueberwindung ist eS trotz erneuter Krisen immer weiter vorwärts gegangen. Damals hat niemand diesen enormen Aufschwung deutscher Friedensarbeit für möglich gehalten, auch nur geahnt, es kannte aber niemand den großen Einfluß, welchen der deutsche Gewerbefleiß mit der politischen Neugestaltung in seinem Vaterlande in die Wagschale werfen konnte, in vollem Umfange, bis sich dann die vollen, klaren Tatsachen ergaben. „Made in Germanh" (deutsches Fabrikat) ist Dank der Stellung des Reiches und dem Eifer der deutschen Produktion ein Ehrenname geworden.
So find wir im deutschen Reiche geworden; und nun überlege ein denkender Mensch ruhig und nüchtern, was werden würde, wenn es der Sozialdemokratie gelänge, das deutsche Reich „hinweg zu dekretieren?" Nicht nur würde die imposante Gesamtgestaltung unserer Arbeit erlöschen, die im Auslande eine so großartige Wirkung erzielt, der Schutz, welchen das Reich allen seinen Bürgern gewährt, würde schwinden, und vor allem auch das Vertrauen im Auslande. Glaubt denn irgend Jemand, daß mit einem, male die ganze Welt eine internationale „Tote Republik" werden könnte? Ganz gewiß ist daran nie zu denken, und so wäre es selbstverständlich, daß die Bürger des Landes, welches zuerst damit vorginge, an Verdienst, Wohlstand und Ansehen im Auslände verlieren würde, ganz abgesehen von der Erschwerung der Produktion durch den neuen Zwangsstaat. Wer die letzten Ziele der Sozialdemokratie und die heutigen tatsächlichen Verhältnisse neben einander stellt, der muß einsehen, wo er fich besser steht.
Umschau.
Der „Reichsanzeiger" und die Kaiserreden.
Es fällt auf, daß der deutsche Reichsanzeiger schon seit längerer Zeit auf die Wiedergabe kaiserlicher Reden verzichtet, während er die ungleich weniger wichtigen Ansprachen und Kundgebungen ausländischer Staatsmänner und Fürstlichkeiten nach den Berichten des halbamtlichen Telegraphenbureaus zur Mitteilung bringt. Die auffallende Erscheinung läßt sich nur durch die vom Grafen Ballestrem eingeführte Praxis im Reichstage erklären, wonach dort diejenigen kaiserlichen Reden und Trinksprüche, die im „Reichsanzeiger" veröffentlicht worden sind, zur Besprechung zugelassen werden, alle anderen nicht. Die Unterlassung der Veröffentlichung kaiserlicher Kundgebungen durch den „Reichsanzeiger" hat also den Zweck, zu verhindern, daß die Person des Kaisers in die
Debatten gezogen werde. Aus diesem Grunde ist auch darauf verzichtet worden, die herrliche Danziger Rede unseres Kaisers im „Reichs- anzeiger" zu veröffentlichen. — Im Anschluß hieran teilen wir noch mit, daß das Danziger Denkmal die Inschrift trägt „Kaiser Wilhelm der Große". Das vor einigen Wochen enthüllte Hamburger Kaiserdenkmal blieb, wie erinnerlich inschristenlos, weil sich die Hamburger nicht zu der Inschrift „Wilhelm der Große" entschließen mochten, „Wilhelm I." aber aus Rücksicht auf den kaiserlichen Enkel nicht schreiben konnten.
Koloniales. '
Unter der Ueberschrift „Kohlen am Tanga- nyika-See" veröffentlicht Herr Dr. Ernst Stromer in der „Kolonialzeitung" folgenden Aufsatz: In Nr. 32 Seite 329 der „Kolonialzeitung" ist einem im Kolonialblatt vom 1. August veröffentlichten Berichte des Stationschefs von Bismarckburg, Frhr. v. Ledebur, eine wichtige Notiz entnommen. Bei Karema, der alten katholischen Missionsstadt am Tanganyika, sollen nämlich Kohlen Vorkommen. Nun ist bemerkenswert, daß schon der Afrika-Reisende Cameron am Seeufer etwas nördlich von Karema, am Ruguwu- (wohl Ru- wuwu) Fluß Kohlen, roten Sandstein, Schiefer und Kalk gesehen haben wollte (Cameron: Across Afrjca, Leipzig 1877 I S. 228, II S. 245).
Bergassessor Dr. Danh, über dessen interessante .Reiseergebnisse der Schreiber dieser Zeilen kürzlich berichtete (Kolonialzeitung Nr. 31) kam von Udjidji aus auch nach Karema und dabei nahe am Seeufer über den Ruwuwu-Fluß, er fand aber hier wie bei Karema, abgesehen von jungen Bildungen, weit und breit nur alte kristallinische Gesteine und erwähnt nichts von Kohlenfunden (Mitteil. d. Schutzgeb. XV 1902 S. 46—54). Wohl abe r bestätigte er die Berichte früherer Reisender (Dr. Ernst Stromers: Die Geologie der detrtfchen Schutzgebiete in Afrika, München 1896, S. 44 und 89) über die weite Verbreitung roter Sandsteine in Gesellschaft von Tonschiefern und Kalk südlich und nördlich des Malagarasi- Unterlaufes. Leider fand er in diesen Schichten weder Kohlen noch Versteinerungen, so daß wir über ihr Alter und eventuelle Mineralführung nichtswissen.
Es ist nun doch sicher auffällig, daß Cameron bei seinem Kohlenvorkommen dieselben Gesteine erwähnt, die etwas weiter nördlich mit Sicherheit festgestellt sind. Sollte also nicht doch seine Angabe richtig sein und vielleicht eben nur ein ganz kleiner Rest der einst weiter nach Süden verbreiteten Sandstein-Formationen am Seeufer dort erhalten geblieben sein? Die Notiz des Frhrn. von Ledebur spricht doch auch dafür, daß bei Karema sich Kohlen finden. Allerdings muß man sich einstweilen noch skeptisch verhalten; denn schon öfters wurde von Reisenden, Stationsvorstehern und Missionaren das Vorkommen von Kohlen angezeigt, und es stellte sich dann heraus, daß die Nachricht nur auf einem Vorkommen von dunklem Eruptivgestein oder von Hornblende beruhte, obwohl doch Kohle durch die einfache Verbrennungs- Probe so leicht zu erkennen ist.
Jedenfalls wäre es von großer Bedeut'ung, vor allem in Hinblick auf die Zentralbahnprojekte, sicher zu wissen, ob ain Tanganyika eine kohlen
<.9 (Nachdruck verboten.)
Fra« Lorr.
Roman von I. Jobst. • '• . A >
(Fortsetzung.)
Lore blickte mit erschreckten Augen auf Walter, ifte las aus dem Ausdrucke seines Gesichts, daß sein Entschluß unabänderlich sei, da legte sie sich traurig zurück, ein paar große Tränen liefen die Wangen herab, während sie klagte: „Ich war so froh, und nun ist alle meine Freude dahin. Die alte Zeit kommt wieder und all das Schreckliche wacht auf."
„So sei dochvernünftig, kleine Frau. Ich will ihn doch nur besuchen und sehen, ob er gut versorgt ist. Er soll leidend sein, hat mir der Pfleger geschrieben, und die Mittel, die zu seinem Lebens- unterhalte angewiesen sind, sind nicht groß. Vielleicht können wir da helfend eingreifen."
„Aber ich will ihn nicht sehen, Walter, ich kann es nicht. Willst Du erleben, daß ich dem Vater mit Haß entgegentrete? Niemals vergesse ich die Zeit, wo ich unter dem Fluche seiner Schuld gelitten habe."
„Trägst Du noch Leid um ihn?" fragte Walter eindringlich und bog sich ganz nahe zu iLore heran.
„Um den Vater?" fragte Lore verblüfft.
„Um Schierstedt, Kind."
Das war zu viel, die kleine Frau wurde ganz rot vor Erregung: „Wie kannst Du so etwas glau- •beit, Walter! Wenn ich damit nicht ganz fertig gewesen wäre, hätte ich Dich doch nicht genommen."
Nun schwiegen beide und fuhren dahin im !Waldesfrieden mit unruhigen Gedanken im Kopfe. Walter war traurig, daß Lore in dem einen Punkte ganz unzugänglich blieb, und Lope dachte
heimlich, daß es doch recht gut gewesen sei, Walter die Werbung Schierstedts verheimlicht zu haben. Im Anfänge hatte sie geschwiegen aus mädchenhafter Scheu, und nachher war ihr die ganze Sache zu unbedeutend vorgekommen.
Die freudige Begrüßung, die ihnen im Forst- hause wurde, machte bis auf weiteres allen grübelnden Gedanken ein Ende, und man saß gar bald im frohen Vereine auf der geräumigen Veranda, die den Sitzplätzen im Garten vorläufig vorzuziehen war, da die Maiensonne dem Boden noch nicht die genügende Wärme gegeben batte. Lore war sehr gern in der Oberförsterei Rothentann. Hier erinnerte sie alles an ihre traute Heimat, wenn auch die Menschen ganz andere waren. Forstmeister von Wieblitz konnte zwar mit dem Onkel Forstmeister verglichen werden, aber da war Frau Grete, die in ihrer frischen, tatkräftigen Art gar nichts mit Fräulein Ursula gemein hakte. Frau von Wieblitz war das Bild einer Mutter und Hausfrau, ihre kräftige Gestalt neigte zu behaglicher Fülle, um den Mund spielt stets ein leises Lächeln, die braunen Augen blickten überaus gutmütig in die Welt. Jetzt trat die einzige Tochter Brigitte mit einer mächtigen Kaffeekanne bewaffnet an den Tisch. Sie war das verjüngte Ebenbild der Mutter, bis auf einen Zug um den Mund, diese energisch geschnittenen Lippen waren der Mutter fremd, dadurch wirkte das Gesicht Brittas — so rief man sie in der Familie — um vieles bedeutender wie das von Frau Grete. Das junge Mädchen war schlank und doch kräfig gebaut, es lag eine rosige Frische über der ganzen Erscheinung — sie zählte zwanzig Jahre.
Nach dem Kaffee ging die ganze Gesellschaft in den Garten, Werner war nicht mehr zu halten, er mußte zum Reh. Der Forstmeister ließ es sich nicht nehmen,. dqn Knaben, dem ex jM zugetan
war. die Wunderdinge seines Waldreiches selbst zu zeigen, so gingen die beiden ihre eigenen Wege. Frau Lore schritt mit Britta durch den Garten und hinter ihnen folgte in angelegentlichstem Gespräche Frau von Wieblitz mit dem Assessor. Sie blieben vor einem blühenden Baume stehen, während die anderen ruhig ihren Weg fortfetzten und um ein dichtes Tannengebüsch beruinbogen, dann ließ der Weg den Blick wieder frei über eine kleine Wiese schweifen, die in allen Farben prangte.
„Wie hübsch das aussieht," sagte Lore, ihre Schritte verhaltend, „diese lustigen Farben, das köstliche Grün und das Stimmen und Schwirren darüber."
„Ter diesjährige Frühling ist aber auch besonders schön, nicht Frau Lore?"
„Horch, was ist das?" rief die junge Frau.
Eine frische Männerstimme klang vom Walde her zu ihnen herüber. — Lore sah es nicht, daß Brittas Backen eine tiefere Färbung gewannen, und fuhr dann fort: „Wie hübsch das klingt, es paßt zu dem Frühlingsbild. Schade, nun hört er auf."
„Es wird der neue Assessor sein, der feit kurzem hier ist."
„Ist Schwarz denn fort?"
„Ach, längst schon," lachte Britta. „Da sieht man, liebste Lore, iuie lange Sie nicht hier ivaren. Vater und Mutter klagten auch schon darüber."
„Soll ich denn nicht wieder kommen. Jetzt wo die Welt so schön wird, wollen wir uns oft besuchen, aber wenn man kleine Kinder hat" — Frau Lore nahm dem jungen Mädchen gegenüber einen allerliebsten Ausdruck von wichtiger Mutterwürde an, was ihr herzig stand — „dann ist man so gebunden."
„Ich glanb's gern, lieber die Zeit, als meine
führende Formation vorhanden ist oder nicht. Den Brennwert der Kohlen können ja nur Sachverständige genau feststellen; deshalb wäre nötig, mindestens einige, Kilogramm, womöglich mit Proben der dabei vorkommenden Gesteine und vor allem der Versteinerungen (Pflanzenabdrücke, Fischreste, Muscheln) an ndie hiesige Bergakademie (Berlin N. 4, Jnvalidenstraße) zur Prüfung einzusenden. Dann erst müßte ein Fachmann hinaus- gesandt werden, um das Vorkommen auf feine Abbauwürdigkeit zu prüfen und die ganze Gegend nach Weiteren nutzbaren Mineralien zu untersuchen. Es ist ja dabei zu betonen, daß die Landschaften am Tanganyika-See größtenteils noch nicht geologisch untersucht sind, daß es also nicht zu verwundern ist, wenn wir über das Vorkommen nutzbarer Mineralien in diesem Gebiet so gut wie nichts wissen.
Deutsches Reich
Berlin, 23. Septbr.
— Der vom Kaiser ä la suite der deutsche» Marine gestellte österreichische Thronfolger hat allen Angehörigen der, wie er sagt, so hervorragenden kaiserlichen Marine seinen wärmsten kameradschaftlichen Gruß entboten.
— Die Kaiserin reist am heutigen Mittwoch von Potsdam zunächst nach Plön in Holftcin zum Besuch ihrer Söhne, der Prinzen Oskar und August Wilhelm. Ferner will die Kaiserin ihre Schweller, die Herzogin Friedrich Ferdinand, in Grünholz besuchen.
— Kronprinz Wilhelm, der in den jüngsten Tagen bei Cranz in Ostpreußen auf Elche jagte, besucht heute nachmittag sein Grenadierregiment in Königsberg. In den nächsten Tagen jagt der Kronprinz bei Aken a. d. Elbe und bei Thale im Harz.
— Reichskanzler Graf Bülow trifft am heutigen Mittwoch zum Besuch der deutschen Städteausstellung in Dresden ein. Er wird wahrscheinlich auch vnm König Georg empfangen werden.
— Der kleine Kreuzer „Berlin" lief am Dienstag in Danzig glücklich vom Stapel. In seiner Taufrede dankte der Berliner Oberbürgermeister Kirschner dem Kaiser, empfahl das Schiff dem Schutz des Allmächtige« und schloß mit den Worten: In dem stolzen Bewußtsein, daß Deine Besatzung überall, wo sie dazu berufen wird, an der heimatlichen Küste wie in de» fernsten Meeren, als ein würdiges Glied unserer tapferen, machtvollen Marine mutig kämpfen wird für Kaiser und Reich, für deutsche Ehre bis in den Tod, und in der frohen Hoffnung, daß Du Deine» Namen lange Jahre ruhmvoll tragen wirst, taufe ich dich aus Befehl des Kaisers .Berlin".
— Die aktive Schlachtflotte wurde am Dienstag in Kiel unter dem Befehl des Admirals v. Köster formiert. Sie besteht aus 23 Schiffen.
— Wie der.Post' aus Newyork geschrieben wird, erwarten weite Kreise der Deutschen in Amerika und auch der Anglo-Amerikaner mit Spannung die Entscheidung darüber, ob der in Frankfurt a. M. mit dem Kaiserpreise- geleönte Berliner Lehrer-Gesang-Berei» im St. Louiser Ausstellungsjahr den i» Aussicht gestellten Besuch in den Vereinigten Staaten machen wird.
— Zum Besten der Neberschwemmteu haben die deutschen Kriegervereine bisher 80009 Mk. aufgebracht. Schlesien allein erhielt davon 65000 Mk.
— Die Main-Kanalisierung zwischen Hanau und Aschaffenburg ist soeben in Nürnberg von Vertreter« der Regierungen Preußens, Bayerns und Hessens grundsätzlich beschlossen worden.
— Die Posener Schützengilde ist nach dem .Pos. Tagebl." aus dem Märlisch-Posener Schützenbuud ausgeschlossen worden, weil die meisten Mitglieder
vier Brüder nach klein waren, weiß die Mutter auch viel zu erzählen. Aber wo bleibt sie denn, wir haben sie ganz aus den Angen verloren. Ach, du meine Güte, da habe ich ganz vergessen, daß ich etwas in der Küche bestellen mußte. Verzeihen Sie, liebste Frau Lore, wenn ich Sie allein lasse, aber die anderen sind wohl gleich heran."
Britta eilte davon, als ob sie irgend einer Gefahr entwische, und so verhielt cs sich in der Tat; sie wollte nicht unter Frau Lores klugen Augen dem Assessor begegnen, der ihnen im nächsten Augenblicke begegnen mußte. Sie fühlte, daß das dumme Erröten wiederkehren und sie verraten würde. Lore schritt ruhig den eingeschlagenen Weg weiter, sie war gern ein wenig allein, auch wollte sie zu der dicken Buche herüber, die am Ende des Gartens stand, sie mutzte jetzt herrlich sein im hellgrünen Schmucke ihrer Blätter. Dort stand sie ja, ein Meisterwerk der Natur, leise rauschte der Maienwind in den Zweigen, die zitternden goldenen Lichter fielen über Frau Lores Gestalt, die Hände hatte sie leicht verschlungen, indessen die schönen braunen Augen emporsahen durch das schimmernde Blattwerk, hoch empor bis zum tiefblauen Himmel. Ein leises Klirren ließ sie den Blick senken — da kam wohl jemand durch das Pförtchen, das hier in den Wald führte. Rasche Schritte wurden hörbar, eine schlanke, hohe Männergestalt bog um den dicken Stamm, die Flinte hing über dem Rücken, der Jagdhund lief hinterher. 1
Ein leichter Aufschrei drang zwischen deit Lippen Frau Lores zu dein Forstmann herüber« der erstaunt aufblickte, dann schaute Hans von Schierstedt nach langen Jahren wieder in die ihm« ach, fo unvergeßlichen Augen Lores. /
(Fortsetzung folgt).