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mit -em KreWlatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.-

ä* * ä Sonntagsbeilager Jllustrirtes Sonntagsblatt.

Js. 247

Inscrt 1 onsgebü^r^di^gespattem ZeU^oderderen Raum 10 Psz. S0NNUbeNd, 19. September 1903.

Vierteljährlicher Bezugspreis: bet der Expedition 2 Mk M bet allm Postämtern 2,25 Mk. (e$cL Bestellgeld). |;«3

:.V' Erscheint wöchentlich sieben mal. '

W Druck und Verlag' Joh. Ang. Koch, Unibersitäts-Buchdruckerei 'A, 38. Jllhrg« ' ' Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Marburg EW

Borbildung für den höheren Justiz- und Verwaltungsdienst.

Schon in den Verhandlungen des Abgeord- netenbauses über die Vorlagen, betreff enb die Vorbildung für den höheren Jussiz- und Verwalt- ungsdienst, ist mehrfach der Gedanke zum Aus­druck gelangt, daß es sich angesichts der Schwierig­keiten, welchen die Verlängerung des Studiums um ein Semester im Landtage begegnet ist, emp« fehlen würde, zunächst die Referendariatsprüfung so einzurichten, daß sie nur derjenige Kandidat der Rechtswissenschaften bestehen könne, welcher das volle Maß der mit der Verlängerung der Studien­zeit erstrebten juristischen Ausbildung sich ange­eignet hat, und zwar innerlich durch wirkliches Studium und nicht blos äußerlich durch Ein- paukerei.

Neuerdings sind int Hinblick darauf, daß dein- nächst die Entschließung darüber zu fassen sein wird, ob der in den vorigen Tagungen des Land­tages nicht zu einem positiven Ergebnis geführte gesetzgeberische Plan wieder aufzunehmen ist, in der Presse Erwägungen ähnlicher Art der Regier­ung entgegengetragen werden, insbesondere auch mit Rücksicht auf die staatswisienfchaftliche Aus­bildung der Anwärter des höheren Justiz- und Vcrivaltungsdienstes. Ohne Zweifel wäre eine solche Ausgestaltung des Reserendariatsexamens praktisch möglich: aber man wird doch nicht ver- kennen können, daß deut Gedanken überwiegende Bedenken entgegenstehen.

Die Staatsregicrung, insbesondere die Justiz­verwaltung, welche in erster Linie die Verant­wortung für die Gestaltung des Referendariats­examens trägt, ist der festen Ueberzeugung, daß das Maß juristischer Ausbildung, welches zum Be-, stehen eines in der geforderten Weife ausgestal­teten Referendariatseramens notwendig ist, sach­gemäß nur bei einem Studium von 7 Semestern erworben werden kann. Die Justizverwaltung würde daher mit sich selbst in einen kaum lösbaren Widerspruch geraten, wenn sie gleichwohl die An­forderungen bei der Referendariatspriifung so hoch spannen wollte, wie dies nur bei Verlänger­ung des Studiums auf 7 Semester angängig wäre, obwohl das Gesetz ein Universitätsstudium von 3 Jahren für ausreichend erklärt. Ja, es würde sogar mit dem Grundsatz loyaler Ausführ­ung der bestehenden Gesetze kaum zu vereinbaren sein, wenn die Justizverwaltung die Anforder­ungen bei der Referendariatsprüfung so steigern wollte, daß sie nach ihrer eigenen festen Ueber­zeugung mit der int Gesetz vorgeschriebeneit Stu­dienzeit von 6 Semestern nicht erfüllt werden können. Es hieße das tatsächlich nichts anderes, als, während das Gesetz ein Studium von 6 Seme­stern für ausreichend erklärt, indirekt eine Ver­längerung des Studiums aus mindestens 7 Se­mester herbeiführen wollen.

Abgesehen von diesen Bedenken grundsätzlicher Art, erbeben sich aber auch solche von unmittelbar praktischer Bedeutung. Man würde, indem man die Anforderungen für die Referendariatsprüfung so steigert, daß sie nur bei einem Süidium von 7 Semestern abzulegeu ist, während das Gesetz deren 6 für ausreichend erklärt, viele Studierende verleiten, nach einer Studienzeit von 6 Semestern

25 (Nachdruck verboten.)

Frau Lore.

Roman von I. I o b st.

lFcwtsetzung.l

Lügen, Lügen! Aber die Menschen wollen es so. Willkommen? Mir ist nichts mehr willkom- ntcit denn der Tod. Elendes, jammervolles Leben für ein Nichts, ohne Zweck und Ziel."

Wie eilt Aechzen verhallten die letzten Worte an der hohen Täfelung des Gemaches und es wurde wieder still, totenstill. Zum crstenmale seit Jahren graute dem Baron vor dieser Stille und seine Hand drückte auf den Knopf der elektrischen Klingel.

,Inspektor Erdmann soll kommen, wenn er zu finden ist," befahl er dem hereintretenden Diener, lind Erdmann kam. Der Baron stellte allerhand gleichgültige Fragen an den Mann, doch wie ein Echo klang aus allen Antworten das Lob des Ad­ministrators. Der Alte wurde ordentlich ge­sprächig und der Baron unterbrach ihn nicht wie sonst, es wuchs sein Interesse an dem Manne, der erst seit einem Monat in Hoffelde war und schon solche Wunder vollbracht batte .

Ja, Herr Baron, und so geht es mit allen. Respekt haben sie vor dem Herrn Leutnant und ge­stohlen wird nicht einmal mehr die Hälfte. Ist er jober erst länger hier, dann trauen die es sich auch nicht mehr."

Soll mir lieb sein, Erdmann." "

Und da ist kein Geschimpfe auf deut Hof. Er fagt, so falls fein und es gefchiebt so. Gerade wie bei meinem alten Rittmeister."

Der alte Herr mußte lachen über den Eifer ! Erdmanns und ermunterte ihn dadurch, fortzu­fahren.

Ja, Herr Baron, und die Frau erst. Die ist wie der gute Tag selber, sie besucht die Kpan-

iit die Prüfung zu gehen, um dann in der Regel durchzufallen. Aber nicht genug damit, man würde viele Studierende der Rechtswissenschaften geradezu induzieren, ihr Studium, obwohl zur vollständigen Aneignung des Wissensstoffes 7 Semester notwendig sind, auf 6 Semester einzu- richten. Dieser falsche Zuschnitt des Universitäts­studiums würde naturgemäß der juristischen Aus­bildung der künftigen Anwärter des Jussizdienstes dauernd anhaften, denn die Mängel dieses Zu­schnittes lassen sich durch Nachholung eines Seme­sters nach erstmal nicht bcstandenerReferendariatS- prüfung nicht annähernd ausgleichen. Man würde also sowohl den Süldierenden der Rechts­wissenschaften als dem Justizdienst selbst einen schlechten Dienst leisten, wenn man, bevor die ge­setzlichen Bestimmungen über die Mndeststndien- zeit anderweit geregelt sind, die Anforderungen der Referendariatsprüfung so hoch spannen wollte, daß ihnen nur bei einem Studium von 7 Seme­stern genügt werden kann.

Umschau.

Graf Bülow über Deutschlands Stellung zu Südamerika.

Wie man weiß, haben nord- und südameri­kanische Blätter wiederholt das Märchen aufge- tischt, Deutschland beabsichtige in Südamerika Gebietserwerbungen zur Schadloshaltung für ausstehende Forderungen zu machen. Die Un­richtigkeit dieser und ähnlicher Behauptungen war handgreiflich und ist auch zu wiederholten Malen dargetan worden; immerhin ist es von Interesse, daß auch der Reichskanzler Graf Bülow Gelegenheit genommen hat, sich eingehend zu dieser Frage zu äußern. Er tat dies dem Vertreter einer brasilianischen Zeitung gegen­über, indem er demL.-A." zufolge etwa das Nachstehende ausführte: Mit Hinweis aus seine im Reichstage gegebene Erklärung und die auf seine Veranlassung veröffentlichten amt­lichen Dementis der Annexionslegende betonte der Kanzler, daß Deutschland die Auswanderung nach keiner Gegend der Welt, auch nicht nach den südamerikanischen Republiken fördere. Es beständen aber speziell in Brasilien seit Jahr­zehnten starke deutsche Kolonien, die nicht durch die deutsche Negierung, sondern durch die Be­mühungen der früheren brasilianischen Macht­haber geschaffen worden seien. Da entspräche es nur dem Gesetze der Anziehungskraft, wenn Angehörige und Freunde von Kolonisten, die durch ihre Arbeit zu einem gewiffen Wohlstände gelangt seien, ihre Schritte auch dorthin lenkten. Dasselbe sei noch in viel stärkerem Maße bei der Auswanderung nach den Vereinigten Staaten der Fall. Die Deutschen wollen auch in Brafi- Hen keinen Staat im Staate bilden, die Re­gierung erwartet vielmehr, daß sie dort nützliche Glieder ihrer neuen Heimat werden. Diese Lehre hat der Bruder des deutschen Kaisers den Deutschen in Nordamerika gepredigt, und das gilt für die Deutschen der ganzen Welt. Politische

fen und schwatzt mit meiner Alten, für die gehen sie alle durchs Feuer und die Dorfkinder hat sie stets hinter sich. Sie kennt schon ein jedes beim Namen und will eine Flickschule einrichten, damit die Dirnen ihre Sachen ordentlich halten. Sie kocht auch Suppe für die Armen und

Die bekommen doch die Leute hier vom Schloß!"

Ja, natürlich, Herr Baron," sagte Erdmann, wenn sie bitten kommen, gibt ihnen Mamsell Hoppe ihr Teil, aber es ist nur der Herr Baron nehmen's wohl nicht übel, wenn ich's sage es ist nur, daß ihnen der Weg zur Frau Lore soviel leichter wird, denn da gibt es immer ein freundliches Wort oder einen guten Rat als Zugabe. Und dann ist der Bubi, wie sie ihn rufen, der Werner--"

Erschrocken brach Erdmann feine Rede ab, denn der Baron schob mit einem Rucke den Sessel zu­rück und erhob sich.

Also, es bleibt so, wie ich gesagt habe, Erd­mann. Christian fährt morgen um neun Uhr zur Stadt und meldet sich vorher bei mir."

Zu Befehl, Herr Baron!" stotterte Erdmann und ging.

Draußen vor der Türe aber schlug er sich auf den Mund und murmelte:Mußt' ich Esel von dem Jungen anfangen und ich weiß doch, daß er feit damals fein Kind ansieht."

Langsam schlug die Turmuhr vier Schläge; sie drangen mit erschütterndem Laut zu Frau Lores Ohren, die zwischen ihrem Manne und dem Forstmeister die breite Rampe zum Schlosse emporfchritt. Wie blaß das süße Gesichtchen aus- sah, das Herz schlug in flatternden Schlägen vor innerer Aufregung, Lore hatte keinen Ton hervor­bringen können, aber trotz der inneren Angst lag eine herbe Unnahbarkeit über dem stolz ge­hobenen Köpfchen.

Aspirationen haben wir in der neuen Welt überhaupt nicht; wirtschaftlich aber wollen wir als Staat mit einer sehr hoch entwickelten In­dustrie fibiel wie möglich am südamerikanischen Handel Anteil nehmen.

Vom sozialdemokratischen Parteitage in Dresden.

Nachdem der sozialdemokratische Parteitag in Dresden der sozialdemokratischen Reichstags­fraktion für ihre parlamentarische Tätigkeit sein Vertrauen ausgesprochen hatte, trat er in die Debatte über den Hauptgegenstand der Tages­ordnung, dieelende" Vizepräsidentenfrage ein. Bebel und Singer hatten hierzu eine Resolution beantragt, eS in der Frage der Besetzung des Vizepräsidenten- und Schriftführerposten im Reichstage bei der bisherigen Stellung Ab­lehnung aller nicht durch die Geschäftsordnung vorgeschriebenen Verpflichtungen, zu belassen. Gleichzeitig spricht die Resolution die entschie­denste Verurteilung aller reformerischen Be­strebungen aus, die auf eine Umwandlung der Sozialdemokratie in eine radikal - bürgerliche Partei hinauslaufen. Die Klaffengegensätze dürften nicht vertuscht werden, die sozialdemo­kratische Partei müßte eine revolutionäre Partei bleiben. Waren die Debatten bisher schon äußerst lebhaft, so kannte die Erregung bei den über die vorstehende Resolution geführten Ver­handlungen überhaupt keine Grenzen mehr. Ein Schlachten war's und keine Schlacht zu nennen.

Das Ergebnis des englischen Thronrates.

Nicht einmal, wie anfangs in Aussicht genom­men war, sondern zweimal mußte in London der Kronrat zusammentreten, um einen Ausweg aus der Sackgasse zu suchen und zu finden, in die Joß Chamberlain's imperialistische Pläne die Regier­ung getrieben haben, lieber die gefaßten Be­schlüsse war bisher nichts zu erfahren, selbst gut unterrichtete City-Blätter kamen über bloße Ver­mutungen nicht hinaus und allgemein wurde an­genommen, daß die Entscheidung über die Stell­ungnahme des Kabinets erst im Anschluß an die Wahlen fallen mürbe. Sie ist indessen rascher ge­kommen. Eine Londoner Depesche vom 17. d. M., abends 10 Uhr meldet uns:Chamberlain, Ritchie und der Staatssekretär von Indien Lord Hamilton bemiffionierten." Der Kronrat hat sich danach offenbar nicht entschließen können, fiir oder gegen Chamberlain Partei zu ergreifen und das Kabinet will vorläufig neutral bleiben, d. h. bis zu den Wahlen. Von dem Ausfall derselben wird es auch seine Stellung abhängig machen. Werden sie freihändlerisch ausfallen, dann ist Chamberlains Lebenswerk vernichtet, werden sie schntzzöllnerifch sein, so tritt mit ihnen ein völliger Wechsel in der englischen Politik ein, der für Eng­land unabsehbare Folgen haben kann. Diese außer­ordentliche Wichtigkeit der nächsten Wahlen nun, bei denen zwei entgegengesetzte wirtschaftspolitische Grundanschauungen endgiltig zum Austrag kom­men sollen, hat die Vorkämpfer derselben, Cham­berlain und Ritchie veranlaßt, ihre Demission

Auch die beiden Männer blieben stumm und als Walter mit ernstem Blick dem wappengeschmückten Portal entgegensah, drückte Wieblitz ihm heimlich hinter Lores Rücken warm die Hand, er wußte, wie schwer seinem Freunde dieser Schritt wurde.

In der großen Halle empfing der alte Diener die Eintretenden und führte sie gleich zu dem Turmzimmer, wo sie erwartet wurden. Aus einem Lehnstuhl am Fenster erhob sich mühsam eine schlanke Frauengestalt und trat ihnen einige Schritte entgegen, Lore die schmale, weiße Hand zur Begrüßung entgegenstreckend. In Lores war­men Herzen wallte es heiß empor von Milleid und Erbarmen. Weg waren der Trotz und der Stolz, sie beugte sich tief über die Hand, auf die sie einen Kuß drückte. Sie ahnte es selbst nicht, wie reizend ihr diese töchterliche Demut stand. Sie bemerkte es nicht, daß von dem Fenster da drüben der alte Herr wie verzaubert in das schöne grauen- antlitz blickte, auf dem der letzte Schein des Tages­lichtes ruhte. Aber Wieblitz sah es und er wußte es, das Spiel ivar gewonnen. Monde konnten noch vergehen, vielleicht auch Jahre, ehe sie am Ziele waren, aber um das glückliche Ende war ihm nicht bange. Diese Gewißheit gab ihm seine Sicher­hell wieder, er begrüßte die alte Dame mit lau­nigen Worten, stellte ihr den Asiessor vor, zog den Baron in das Gespräch und brachte ihn mit Frau Lore zusammen, bis sie sich alle in lebhafter Unter­haltung befanden.

Die Schloßherrin hatte sich wieder auf ihren Lehnstuhl niedergelassen, da das Stehen ihr bei ihren gichtischen Gliedern schwer fiel und Lores geschickte Hand ordnete die Kissen in ihrem Rücken, dann ließ sie sich an ihrer Seite nieder. Schwei­gend blickten die Frauen durch die große Scheibe des breiten Fensters in den winterlich-kahlen Park, die lebhaft geführte Unterhaltung der Herren, welche sich um, den xunden Tisch inmitten des

zu geben, um ungehindert von der Würde und Bürde des Amtes in den Wahlkampf eintreten und die Wählermassen in ihrem Sinne bearbeiten zu können. Dies geht deutlich aus einem Schrei­ben hervor, das Chamberlain am 9. d. M. an Balfour richtete und in dem er seinen Rücktritt be­gründet. Danach ist der Hauptgrund, daß, während die liberale Partei ihre ganze Partei-. Organisation gegen Chamberlain in Tätigkeit sehen konnte, Meinungsverschiedenheiten in der unio- nistischen Partei Herrschern, wodurch deren Partei- organisallon gelähmt war. Gleichzeitig sei von dem alten Geschrei wegen teuren Brotes ein etwas gewissenloser Gebrauch gemacht und ein ernstes Vorurteil erweckt worden. Aus diesem Grunde sei gegenwärtig wenigstens ein Vorzugs­tarif mit den Kolonien, der auch eine noch so kleine Steuer auf Nahrungsmittel mit sich bringe, u n - möglich. Doch sei eine Politik der Retorsions­zölle möglich, um dadurch eine größere Rezipro­zität zu erlangen, und da Balfour diese Ansicht teile, sei er berechtigt, diese als Politik seiner Re­gierung anzunehmen, obwohl dies einige Aender- ungen in der Zusammensetzung derselben nötig machen werde. Chamberlain schreibt ferner, er würde mit Recht getadelt werden, wen» er nach Ausschließung eines so wichtigen Teiles von feinem politischen Programm im Amte bliebe. Er glaube, er werde der Regierung absolut treu bleiben und ihr in keiner Weise Verlegenheiten bereiten. Er könne aber die Sache, die ihm am Herzen liege, besser von außen, in rein unabhängiger Stellung fördern. Balfour solle dem Könige Chamberlains Rücktritt anzeigen, während Chamberlain sich, der Aufgabe widmen werde, die Grundsätze des Reichs- zollvereins zu erklären und zn popularisieren. Chamberlain will also seine volle Persönlichkeit und seine ganze Vergangenheit für feine Idee ein­setzen und es ist mehr als. wahrscheinlich, daß feiner rücksichtslosen Energie der Sieg zufallen werden wird.

Vor der Entscheidung.

Krieg oder Frieden? Die Entscheidung, wie der Würfel fallen wird, muß stündlich erwartet werden. Bulgarien hat seine Truppen mobil ge­macht, und die Türkei hat das gleiche getan, sie hat auch noch zwei kleinasiatische Armeekorps zur Ver­stärkung ihrer bedeutenden europäischen Streit­kräfte herangezogen. Die Mächte haben es an eindringlichen Warnungen und Mahnungen nicht fehlen lassen, mit Waffengewalt wollten sie nicht eiligreifen. So mögen die beiden streitenden Par­teien selbst zusehen, wie sie miteinander fertig wer­den. Daß der Krieg auf den Balkan beschränkt wird, dafiir werden die Mächte hoffentlich sorgen können, so leicht auch internationale Reibungen aus einem türkisch- bulgarischen Konflikte entstehen können. Die Gefahr solcher Reibungen liegt des­halb nahe, weil jede der Großmächte im Falle eines Krieges die Interessen ihrer Angehörigen auf dem Balkan wird wahrnehmen wollen. Die Regierung der Vereinigten Staaten von Nord­amerika denkt angesichts der Lage der Dinge gar nicht an eine Zurückberufung ihrer Kriegsschiffe aus der Levante. Frankreichs Schiffe befinden sich auf dein Wege dorthin, England ist gleich­falls zur Entsendung von Kriegsschiffen ent« füiloffen, und auch Seitens der italienischen Re-

Zimmers niedergelassen hatten, schlug deutlich an ihr Ohr.

Dann müssen Sie neues Blut einführen, Herr Baron," horte Lore ihren Mann voll Eifer sagen,Fasanen und Hasen lassen wir uns aus Schlesien kommen. Sie sollen sehen, wie das hilft. Auch würde ich es mit dem Bronzeputer versuchen. Hier, wo der große Forst in den königlichen übergeht und sich meilenweit fortzieht, sind alle Chancen geboten, daß das schone Wild fortkommt."

Nun geriet der alte Herr auch in Eifer und Wieblitz blieb nicht zurück, die frischen Jägerherzen schlugen in demselben Takte, es galt kein Unter­schied des Alfers und des Ranges. Der Baron vergaß, daß es nur sein Administrator war, mit dem er sich in ein so eifriges Wortgefecht einlietz und Wieblitz schürte durch ein hie und da einge­worfenes Wort den Kampf der Meinungen. Ver­stohlen warf er dann und wann durch die nach und nach verdickteten Schatten des Zwielichtes einen Blick nach den beiden Frauen, er sah sie vertieft in leisem Zwiegespräch, aber verstehen konnte er nichts Und als er nach mehr denn einer Stunde 1 so lange hatte der Besuch gebauert die drei Menschen das Schloß verließen, sagte Wieblitz be-, beglich schmunzelnd:Die erste Bresche ist gelegt, das weitere bringt die Zukunft."

Walter faßte mit stürmischen Impuls nach der Hand des Forstmeisters:Das danken wir Ihnen. Wenn Sie nicht meinen trotzigen Sinn gebrochen hätten, wären wir noch nicht so weit." !

Ach, und die liebe Baronin," rief Lore fröh­lich,sie hat gebeten, ich solle recht oft zu ihr fom« men zu einem Plauderstündchen."

'(Fortsetzung folgt.)