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mH dem KeeiMatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

NN Sormtagsbeilager Jlluftrirtes Lonntagsblatt. gq.

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Vierteljährlicher Bezugspreis: bet der Expedition 2 Mk., bet allen Postämtern 2,25 Mk. (ercL Bestellgeld).

Jnsertionsgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Rcclamen: die Zeile 25 Pfg.

Marburg

Donnerstag, 17. September 1903.

M Erscheint wöchentlich sieben mal. 3-:.- - v.

Druck und Verlag- Joh. Ang. Koch, Universitäts-Buchdruckerei 38. Jührg. Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Zweites Blatt.

Graf Bülow in Wien.

Nach Beendigung seines Jagdaufenthaltes in Ungarn trifft der deutsche Kaiser bekanntlich in Wien ein, wo sich alsdann auch der Leiter der deutschen Reichs-Politik, der Reichskanzler Graf Külow, emfinden wird. Damit erhält dieser Besuch einen besonderen, politischen Charakter, während bei der ersten Ankündigung ange­nommen worden war, die Begrüßung deS Kaisers Franz Joseph in Wien durch unseren Kaiser sei nur ein Ausdruck der freundschaft­lichen Empfindungen, welche beide Monarchen mit einander verbinden. In der Zwischenzeit scheinen somit Ereignisse eingetreten zu sein, welche eine persönliche Aussprache der leitenden Staatsmänner erwünscht erscheinen laffen. Und Wei! der russische Zar mit seinem auswärtigen Minister ebenfalls die Kaiserstadt an der Donau besuchen wird, so glauben gescheidte Leute prophezeien zu dürfen, daß in Wien fich die Vorbereitung für die Entscheidung des Schicksals der Türkei abspielen wird. Deutschland hat, wie längst bekannt, an den Verhältnissen in Mazedonien, Serbien, Bulgarien rc. kein so großes Interesse, daß es an irgendwelche führende Rolle denken könnte. Der Aufenthalt des Reichskanzers in Wien dürfte daher in erster Linie kaum diesen Orient- Angelegenheiten, sondern Fragen der Wirt­schafts-Politik gelten, und zwar erfreulicher­weise solchen Fragen, die nicht in der Luft Schweben, sondern ihrem Abschluß nahe sind.

Gerade angesichts dieser Fürsten-Begegnungen und der mit ihnen verbundenen Staatsmänner- Konferenzen in Wien erscheint es angebracht, an ein bekanntes Wort des Fürsten Bismarck zu erinnern, welches derselbe nach der historischen Dreikaiserzusammenkunft von Skierniewice zum Beginn der Regierung des Zaren Alexander III., >des Vaters des heutigen russischen Kaisers sprach. ,5Der Fürst wurde gefragt, welche große Dinge chenn in diesen Tagen vereinbart worden seien, ;unb gab lächelnd zur Antwort, daß es sich bei .foldjen Zusammenkünften weniger um neue Be­schlüsse handele, für welche die Zeit auch viel zu kurz sei, als vielmehr um die Betätigung von schon gefaßten oder wenigstens weit vorbe­reiteten Beschlüssen. Wir denken, die Dinge liegen so ähnlich in der Gegenwart. Der deutsche Reichskanzler und der russische Minister beS Auswärtigen kommen nicht zu bem Zweck nach Wien, um ganz neue Anregungen zu be­sprechen, sondern um in der Zwischenzeit weit vorgeschrittene Verhandlungen abzuschließen oder um sich über Ausführungs-Ausnahmen zu ver­ständigen. Man hofft nicht erst, daß über wichtige Punkte in der Zukunft ein Einver-

23 (Nachdruck verboten.)

Frau Lore, .«s

Roman von I. Jobst.'

(Fortsetzung.)

r -Weiter wirds nicht sein," bestätigte Walter, und ein Friede ist hier und eine Stille, ich glaube Lore, hier kommen wir noch oft her."

Und trinken dann bei uns Kaffee!" platzte Fran Siegfried heraus, sah aber ganz erschrocken über ihre Keckheit zu dem Assessor hinüber, der nun in ein fröhliches Lachen ausbrach, wie nur er es verstand.

Und Frau Lore lachte mit. Werner sprang entzückt über den Jubel auch herzu, indessen die Hündin mit lautem Gebell den Tisch umkreiste, um auch an der allgemeinen Freude teilzunehmen. Dann streckte der Assessor der verblüfften Bitt­stellerin die^Hand entgegen:Schlagen Sie ein alle treue Seele, wenn es nach mir geht, sollen Sie die Konzession bekommen oder vielmehr Ihr alter Knasterbart. Möchte er mir noch manchen Korn aufs Pferd reichen. Gleich morgen reite ich zum Oberförster und Sie reifen nicht eher ab, als bis die Sache in Ordnung ist."

Fran Siegfried war strahlend, sie sah sich auf dein Höhepunkt ihres Lebens. Besseres konnte es gar nicht geben und int Uebermaße ihrer Gefühle hob sie Werner an ihre Brust und küßte ihn stür­misch. wogegen er sich aber tapfer wehrte. Er konnte nun mal das Küssen nicht leiden.

Das Erscheinen der betrübten Witwe dämpfte die hockachenden Wogen der Freude und nachdem man den Imbiß verzehrt und noch eine kurze Inspizierung des Besitztums vorgenommen hatte, bei welcher Fran Siegfried sich schon als Frau Wirtin sah, mit dem geschärften Auge der Haus­frau in den tiefsten Winkel spürend, kehrte man jeelenberniüiat nach Hoffelde zurück.

nehmen erzielt werden wirb, sonbern man be­kräftigt burch diese Anwesenheit, daß eS er­zielt ist.

Für Rußland und Oesterreich-Ungarn sind natürlich gemeinsame Anschauungen über den bunten Wirrwarr im benachbarten Orient eine Lebensfrage. Früher war man an der Newa auf Wien im allerhöchsten Grade eifersüchtig, und es ist noch unvergessen, wie schwer es dem Fürsten Bismarck gemacht wurde, sein Amt als ehrlicher Makler auszuüben. Heute denkt man anders; Rußland ist im fernsten Osten, wo es gewichtige Lebens-Jntereffen zu vertreten hat, so weit vorgeschritten, daß es ganz damit ein­verstanden ist, wenn eS in Oesterreich-Ungarn einen verläßlichen Nachbar hat, der mit auf Ordnung sieht. Auf der anderen Seite denkt Oesterreich-Ungarn nicht daran, den Völkertrubel in seinem Innern noch durch Zuwachs von bis­her türkischem oder serbischem Gebiete zu ver­mehren, das Experiment würde wahrscheinlich weniger gut gelingen, als es in Bosnien und der Herzegowina, die seit 25 Jahren das Reichs­land der habsburgischen Doppel-Monarchie bilden, gelungen ist. Man darf darum wohl sicher sein, daß in Wien, wie in Petersburg Einigkeit darüber besteht, unter allen Umständen zu verhindern, daß es in irgend einem Balkan­staat gar zu arg gemacht wird, so daß ein all­gemeiner Kriegsbrand entsteht.

Diese Erwägungen kommen, wie weiter oben schon betont ist, für uns in Deutschland nur in dem Maße in Betracht, als wir uns für die allgemeine politische Entwickelung interessieren. In den Weg treten wird die Reichsregierung im näheren Orient ganz bestimmt niemand. Aber wichtig für uns ist es, wie sich die allge­meinen Handels-Vertrags-Verhandlungen ent­wickeln, und wir glauben, sie haben sich besser entwickelt, als mancher Schwarzseher prophezeite. Aus leicht erklärlichen Gründen wird es bisher vermieden, den Schleier über den Gang der Verhandlungen zu lüften, aber das schließt keineswegs aus, daß dieselben flott von statten gehen. Für daS deutsche Reich ist in wirt­schaftlichen Fragen die Verständigung mit Ruß­land, Oesterreich-Ungarn und Italien am wichtigsten; mit England und den Vereinigten Staaten von Nordamerika wird sie nach allem am schwierigsten werden, was bisher verlaut­bart ist. Zwischen Deutschland und Frankreich sind die zollpolitischen Verhandlungen ein für alle Male durch den Friedens-Vertrag zu Frank­furt am Main vom 10. Mai 1871 festgestellt.

Umschau.

DerOberbürgermeistervonWorms!

In itnferen Tagen, in denen die öde liberale Phrase, wie der letzte Wahlkampf gezeigt hat, in mandjeu städtischen Kreisen wieder ihr Wesen treibt mutet es uns an wie ein Mährchen ans alter Zeit,

Das bittere Weh der bevorstehenden Trennung ging unter in fröhlicher Hoffnung und diese Hoffnung sollte nicht zu Schanden werden. Arn nächsten Tage hatte es Fran Siegfried verbrieft und versiegelt, daß Kutscher Siegfried, sofern er sich bewerben wollte, sich jederzeit in den Wirt des Waldfried" verwandeln konnte. Wer war froher als die gewesene Hummel! Sie hatte keine Ruhe mehr und fuhr den nächsten Morgen ab unter starker Beteiligung aller Angestellten des Hofes, denen sie ihre Aussichten nicht verheimlicht hatte. So klang es denn gar fröhlich in den goldenen Herbstmorgen:Ich komme wieder, bald bin ich wieder da!"

* * *

Administrators machten Besuch in der Pfarre. Mik brennender Neugier sah Frau Pastor oder Fru Pastern," wie sie bei alt und jung in Hof­felde genannt wurde, den Neuen entgegen. Man erlebte hier wenig in dem einsamen Gutsbezirk, über dem ein Hauch von Moder und köstlicher Stille tag. Auch fröhliche Kinder fehlten, sie wa­ren längst flügge geworden und ans dem beimat- lichen Nest in die weite Welt geflogen, Herr Pastor Kröner war schon ein alter Mann itnb über die sechzig hinaus. Auch sein Hannchen war nur wenige Jahre jünger. Aber rüstig waren beide noch und das freundliche Fraiiengesicht, welches jetzt durch die blitzblanken Fenster der Wohnstube auf das sich nähernde junge Paar blickte, hatte etwas ungemein Anziehendes. Hastig sprang Fran Hannchen auf, um ihrem Mann Bescheid zu sagen, und stand dann noch gerade zur Zeit im Hausflur, um den Besuch persönlich in Empfang zu nehmen.

Herr Assessor Schulz, nicht wahr?" sagte sie mit einfacher Herzlichkeit und ergriff seine Hand, und hier haben wir ihre junge Frau, die so köst­lich zu lachen versteht, wie mein Mann mir er­zählte."

Lore tat nach ihren Worten, sie konnte nicht

wenn ein Oberbürgermeister sich mutig lossagt von dem Wust liberaler Doktrin und sich einer re­alen Wirtschaftspolitik zuwendet. DieDarmst. Zeitung" schreibt: Ein nachahmenswertes Beispiel zur Beseitigung des Snbmissionsunwesens hat Herr Oberbürgermeister Köhler in Worms ge­geben. Nachdem die Kostenanschläge auf eine Sub­mission eingegangen waren, kam der Stadtbau­meister zu ihm und erklärte es für ganz unmöglich, daß man die einzelnenSchundpreise" annehme. Von einem Verdienste sei keine Rede mehr, die Auslagen seien kaum gedeckt. Der Oberbürger­meister brachte die Sache in einer Magistratssitzung zur Sprache und erhielt den Auftrag, sich derselben anzunehmen. Alle Handwerker der Stadt wurden ersucht, auf§ Rathaus zu kommen. In längerer energischer Rede setzte der Oberbürgermeister den im Saale gedrängt dastehenden (einige Hundert) Handwerkern klar auseinander, daß die jetzige Submissionswirtschaft nicht fo fortgehen könne, daß es ganz unmöglich sei, bei solchen Preisen zu arbeiten, denn es werde ein gesunder kräftiger Handwerkerstand, auf den Worms von jeher stolz war, bei diesen Zuständen nicht erhalten bleiben. Mit Angeboten, welche die eigenen Kosten nicht decken, müsse der Handwerker zugrunde gehen, und die Stadt habe statt eines gesunden Hand­werkerstandes, der gern seine Abgaben und Steuern bezahlt, arme Leute. Gehe dieses so unsinnnige Tun weiter, so falle später der Stadt die Familie zur Last. Der Magistrat wolle sich der Sache gründlich annehmen. Jedes Handwerk solle in den nächsten drei Tagen sich die Preise über­legen nnd richtig einsetzen, einen Obmann wählen, und dieser solle die Preisliste dem Stadtbanmeister übergeben.Wegzuwerfen hat die Stadt nichts meine Herrn," sagte der Oberbürgermeister in der Versammlung,es ist uns aber darum zu tun, unseren Handwerkerstand zu erhalte» ,zu erhalten einen zahlungsfähigen Mittelstand." Ebenso wurde von dem Oberbürgermeister dem Vorstand des Gaswerks der Auftrag, die Installateure (das städtische Gaswerk besorgte bis dahin die Jn- stallationsarbeiten in den Häusern selbst) beson­ders auf das Rathaus zu rufen; denselben wurde die angenehme Mitteilung gemacht, daß die Stadt für die Folge die Gasinstallation im Innern der Häuser den Installateuren überlasse, und daß das städtische Lager von Jnstallationsartikeln aufge­hoben, die einzelnen Artikel zum Selbstkosten­preis an die Installateure abgegeben werden. Es wurde dagegen verlangt, daß übere alle Ab- und Veränderungen Anzeige gemacht und die Pläne vorgelegt werden müssen. Mit Freuden gingen die Installateure hierauf ein..Was der Herr Oberbürgermeister von Worms hier vorgetragen und angeordnet hat, flind durchaus wirtschafts­politische Anschauungen und Forderungen, die wir Konservative als einen der wichtigsten Punkte unseres Programms immer und immer wieder mit allem Nachdrucke geltend gemacht haben. Aber statt der Unterstützung durch das Handwerk, dessen Interessen wir am schärfsten von allen Parteien vertreten, hat man uns im Stiche gelassen und ist jenen freisinnigen Schwätzern gefolgt, die für das Handwerk nichts als Worte haben. Ein Hand­werker, der liberal wählt,.verdient es nicht anders, als daß er durch auswärtige Submittenten ruinirt wird. Und so lang sich der Handwerkerstand nicht

anders, silbern verklang das Echo ihres Lachens in dem geräumigen Hausflur, während Frau Hannchens weißer Kopf nickte wie in aufsteigender Wehmut:Das klang wie in alten Zeiten, meine liebe kleine Frau, als wenn meine sechs Jungen hier herumtobten. Sind nun schon alle in der weiten Welt."

Sechs Söhne haben Sie Fran Pastor?" fragte Lore, indessen Sie das Wohnzimmer betraten, sie sah ehrfürchtig- auf zu der stolzen Mutter.Ich habe nur einen," setzte sie ganz verschiichtert hinzu, denn sie dachte daran, wie viel ihr dieser schon zu schaffen machte.

Und noch ein Töchterlein, nicht wahr?" fragte die Pastorin.

Wer weiß, welchen Segen Ihnen der Himmel noch vorgehalten hat," ertönte eine kräftige Stimme hinter Lore. Sich hastig umdrehend, sah sie sich einer gewaltigen Männergestalt gegenüber, deren Haupt einen förmlichen Wald von schnee­weiße!», lockigen Haar trug. Eine breite Hand streckte sich aus zu herzlichem Willkommen, ein paar liebevolle, treue Augen blickten sie an, und es war Lore, als ob sie Vertrauen haben könnte wie zu einem Vater. Sie legte ihre zarte, feine Frauenbund in die dargebotene und blickte zu dem Pfarrer empor mit ihrem strahlendsten Ausdruck, um dann zu ihrem lächelnden Mann hinüberzu­sehen, der ihr freundlich zunickte.

Fröhlich flog die Unterhaltung hin und her, man fand einsichtliches Gefallen aneinander.

Also Sie sind auch sozusagen ein Landwirt?" warf Walter ein.

Ja .Herr Assessor, ich finde, ein Pastor auf dem Lande muß auch Leid und Freud mit seinen Pfarrkindern teilen.

Wenn ich zum Beispiel bei Dürre oder Miß­ernte die Leute tröstend auf den Himmel weisen wollte, dann würden sie sagen:Ja ja, unser Pastor hat gut reden, dem schadet nicht naß und nickt trocken. Wenn ick dagegen selbst des Tages

selbst dazu aufrafft fein Heil zu erkennen nnd sich vor dem Untergang zu bewahren, werden ihm auch die goldenen Worte und der energische Wille eines Oberbürgermeisters von Worms nichts nützen.

Vom sozialdemokratischen Partei­tage in Dresden.

Auf dem sozialdemokraüschen Parteitage in Dresden beschimpfen sich die Genossen, daß es eine Art hat; selbst Singer und Bebel, dieses unzer­trennliche Freundespaar, sind bereits scharf an­einander gewesen, weil Singer sich als Vorsitzender der Versammlung fortgesetzt Zwischenrufe Bebels mit der Bemerkung verbat, man solle doch die Würde des Parteitages wahren und die Verhand­lungen nicht auf das Niveau eines Schulbuben­streifes herabdrücken. Die. Schimpferei zeitigte neue und noch duftigere Blüten als zuvor, abge­sehen davon wurden jedoch nurolle Kamellen" vorgebracht, für die kein Mensch außerhalb der sozialdemokratischen Partei Interesse gewinnen kann. Das eine nur mag noch festgestellt sein: Unfreier als in der sozialdemokratischen Partei­organisation kann ein Mensch nirgends fein; jeder Genosse, der überhaupt eine Meinung hat und sie öffentlich auszusprechen wagt, wird sofort in die Zwangsjacke gesteckt. Daß verhältnismäßig so wenig Gebrauch von der Anlegung des Maust korbes gemacht wird, liegt lediglich daran, daß 99 Prozent aller Genossen, gedankenlos den Führern nachlaufen, die es nicht versäumen, auf­hetzende Stichworte in die Masse zu schleudern und in dieser skrupellosen und marktschreierischen Weise für ihre Sache Propaganda zu machen. Die freisinnigeVoss. Ztg." erörtert in einem Artikel die Frage eines Wahlbündnisses zwischen Liberalen und Sozialdemokraten und kommt dabei zu folgen­dem Schluß: Daß die Sozialdemokratie mit der Zeit ihre Bestrebungen für einen Zukunftsstaat aufgiebt und sich in eine Partei stetiger Reformen verwandelt, ist auch unsere Hoffnung, aber ehe wir unser Verhalten einem solchen Ereignis ge­mäß einrichten, muß das Ereignis doch eingetreten fein. Wenn einmal der Angenbllck kommt,, wo die Sozialdemokratie das Bündnis der freisinnigen Partei sucht, wird es Zeit sein, zu erwägen, ob ihre Vorschläge angenommen werden können. Aber daß die freisinnige Partei der Sozialdemokratie ihr Bündnis anträgt, ehe sie weiß, ob diese es annehmen wird, wäre ein Ausfluß unverzeihlicher Schwäche. So dieVoss. Zeitung", die dem männlichen Freisinn angehört.. Der weib­liche Freisinn dagegen hat den Sozialdemokraten schon längst Wohnung und Bett zu beliebiger Be­nutzung angetragen.

Allpolnisches.

Eine außerordentlich starke Forderung findet die allpolnische Bewegung durch die Einigungs­bestrebungen im polnischen Lager. Das Ziel ist ein fester, unauflöslicher Zusammenschluß aller Bevölkerungsschichten und Berufsklassen polnischer Zunge. Neben zahlreichen Ver- einigungeu, die dieses Bestreben ins Leben ge­rufen haben, neben den polnischen Volksverernen,

zehnmal herauslaufe, um zu sehen, ob noch nicht alles vertrocknet ist bei Sonnenbrand, oder ob mein Heu auf den Wiesen unter dem anhaltenden Regenwetter nicht schon in schwarze Schlamm­haufen verwandelt ist, dann glauben sie mir. Nur was inan an der eigenen Haut erlebt, macht das Wort lebendig, und lebendiges Christentum, das tuts bei den Bauern, nicht das tote Wort."

Walter steckte im plötzlichen Impuls seine Hand dem Redenden entgegen mit den bittenden Worten: Nehmen Sie mich großen Menschen auch noch in die Schule, Herr Pastor. Der alte Baron sagte schon, ich solle mich nur in allen Nöten an sie wenden."

Kommen Sie nur mein lieber Assessor, fonu men Sie oft. Im Verkehr mit der Jugend ge- Winnen doch auch wir Alten, wir werden uns schon verstehen." . , , ..

Und darf ich meinen Mann begleiten und derweil bei Ihnen anklopfen, Frau Pastorin?" fragte Lore. Oder können Sie kein Schulmädchen gebrauchen? Sie müssen mir betraten, wie sie mit all den Buben fertig geworden sind, mir tanzt der eine schon auf der Nase herum."

Ach meine liebe junge Fran, lernen Sie nichts von meiner Alten, denn die war die schwächste, nachsichtigste Mutter der ganzen Welt."

Ja Pastor, wenn ich Dich nicht znr Hilfe ge­habt häätte", erwiderte Fran Hannchen mit einem anfleuchtenden Blick zu ihrem Manne hinüber. Aber Sie dürfen zu mir kommen ,so oft Sie Lust haben liebe Frau von Schulz, und das nächste Mal bringen 'sie Ihre Kinder mit."

Seien Sie auf der Hut, junge Frau, die alte Mutter will Ihnen nur von ihren Sechsen erzählen und wie wohl sie geraten sind. . Aber dann müssen' Sie es machen wie ich und sich die Ohren zuhalten,"' rief der Pastor, indessen ihm der .Vaterstolz aul den Augen leuchtete. Und als Assessors.gegangen waren, blickte sich das alte Paar fröhlich in pw Augen und nickte dazu. tFortfetzuna folgt.»