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daß Herr Naumann immer wieder als zu ihm ge­hörig genannt wird. Ein evangelischer Geist­licher, der auch Nationalsozialer gewesen ist."

Versicherung von Privatangestellten. In Sachen der Rcichsversicherung von Privatange­stellten fand am 30. August d. I. in Braunschweig eine Sitzung des Ausschusses der Vereinigten Ver- bände und Vereine statt. Bekanntlich ist dieser Ausschuß die Stelle, mit der die Reichsregierung in der Angelegenheit der Pensionsversicherung verkehrt, und so hatte sich denn derselbe auch mit den Aenderungen zu beschäftigen, die das Reichs­amt des Innern in der Befragung der Privatan­angestellten vorgenommen hat. Es handelte sich nur um unwesentliche Dinge. Es wird nun, früheren Beschlüssen gemäß, von den vereinigten Verbänden und Vereinen am 15. Oktober die Be­fragung ihrer Mitglieder in der vom Reichsamt 'des Innern gebilligten Weise vorgenommen wer­den und zu diesem Bebufe werden eingehende Fragebogen an die etwa 30 000 Mitglieder verab­folgt werden. Es ist dringend zu wünschen, daß jeder Privatangefteüte (Handlungsgehülfe, Tech­niker, Werkmeister, Landwirtschaftsbeamte, Lehrer an Privatanstalten usw.) einen solchen Fragebogen ausfüllt. Erhältlich sind sie auch für Nichtmit­glieder gegen Ende September von den ange- fchlossenen Verbänden und dem Vorsitzenden des Ausschusses, Th. vom Orde, Bochum, Dorstener Straße 96. Die Beantwortung der Fragebogen wird ohne Zweifel die Notwendigkeit einer staat­lichen Alters- und Witwenversicherung der Privat­angestellten ergeben. Durch diese vom Reichsamt des Innern vorgeschlagene und feit Frühjahr be­schlossene Befragung ist übrigens die jüngst vom Deutschen Privatbeamtenverein gewünschte staat­liche Erhebung, wie ihm bekannt, vorläufig er­ledigt.

Selbstmord. Freitag Abend gegen 8 Uhr kam ein Herr und eine Dame zu dem Schiffer Joseph Riedl in Starnberg und mieteten sich bei dem­selben einen Kahn zu einer Fahrt auf dem See. Die beiden jungen Leute fuhren gegen Nieder­pöcking; plötzlich hörten einige Fischer, die sich auf dem See aufhielten, Hilferufe einer Dame; sie konnten aber deren Rettung deshalb nicht voll­ziehen, weil schon die Nacht eingetreten und der Kahn, in dem die beiden Fremden saßen, nicht mehr zu erblicken war. Heute in früher Morgen- sülnde fand man den leeren Kahn, in dem nur Herrenmanschetten und ein Damenstrohhut lagen, in der Mitte des Sees vor. Die Leichen der beiden, die zweifellos den Tod in den Wellen des Starn­berger Sees suchten, konnten bis zu Sonnabend abends 6 Uhr noch nicht aufgefunden werden.

In selbniörderischer Absicht hat sich, der Blankenburg. Harz,zig." zufolge eine in Blanken­burg zu Besuch weilende Dame die Zunge mit einer Scheere abgeschnitten. Man fand die Dame blutüberströmt und holte sofort mehrere Aerzte zu Hilfe. Das Stück Zunge lag am Boden.

Ter reiche Leib-Garde-Husar so ward in Potsdam der Husar Walter Kroll von der 5. Schwadron genannt. Er ist der Sohn eines Rittergutsbesitzers, hat aber nicht das Zeugnis zum Einjährigendienst auf der Schule erhalten und mußte deshalb drei Jahre dienen. Von Hause erhielt er Geld irrt Ueberfluß und hatte stets gute Freunde, die aus seiner Tasche lebten. Häufig be­suchte er in Zivilkleidern Wirtschaften mit Damen­bedienung, überfchritt den Urlaub und machte andere Streiche, die ihm zahlreiche Strafen ein­trugen. Sogar mit Festung wurde er einmal be­straft, weil er gegen einen Unteroffizier eine In- subordination begangen hatte. Vor einiger Zeit war er in einer zuck Nachtzeit von Husaren ver­übten Schlägerei im Wirtshaus beteiligt. Zum Herbst wäre seine Dienstzeit beendigt gewesen, wenn er nicht die Zeit, die er auf der Festung zugebracht, nachzndicnen gehabt hätte. Dazu kamen noch 14 Tage strengen Arrest, die ihm die Wirtshausgeschichte eingetragen hatte. Nun ist der reiche Husar, der nicht mit ins Manöver aus­gerückt war, fahuenslüchtig geworden. Er soll nach Mazedonien abgcrcist sein, um sich den Auf- ständischen anzuschließen.

Lungenheilstätte Davos. Der vor zwei Jahren erfolgten Eröffnung der Deutschen Heilstätte für minderbemittelte Lungenkranke in Davos schließt sich am 1. November d. I. die des Sanatorium Schweizerhof in Davos-Platz an. Das Sana­torium Schweizerhof, dem die Gründer der Davo­ser Deutschen Heilstätte nahestehcn, erbietet sich in .erster Linie der deutschen bürgerlichen Gesellschaft, für welche an den Davoser Kurorten eine ärztlich geleitete nicht kostspielige Heilstätte bisher fehlte. Das Sanatorium Schweizcrhof enthält 120 Pa- stientenbettcn. Seine Erbauer sind die Architekten des Schatzalp-Sanatoriums. Für die ärztliche =......- = -

Marburger Schützenschule, die schon im 17. Jahr­hundert bestand, feierte dieses Sommerholen be­reits im Jahre 1612, wo in einem Protokoll vom 2. November erwähnt wird, daß die Stadt mit den von Ockershausen und Dr. Wolff nicht allein die Koppelhut,solchem auch die Schüler­knaben Sommers über die Mavenbirken und Ruthen" auch sonst die von der Bürgerschaft ihrer Gelegenheit nach so viel Gebunde zu Erbsen, Zäunen und anderen Nothdurf bedürftige und sie mit Lasten auf dem Haupte Hinwegtragen können, abzuhauen und zu bolen^ aus dem Rosengarten berechtigt sind." Die «chülerhecke hieß ehedem Rosengarten unb war ein heidnischer Begräbnis- chlatz nnb die Wehrshäuser Höhe war die Stätte, wo diese Feier abgehalten wurde. Noch im Mittel­alter stand da eine Kepelle, zu welcher auch alljähr­lich von Marburg große Bitt- und Betfahrten stattfanden. Schon am 7. Juni 1779 wurde dieser alte Brauch nicht mehr gerne gesehen, denn die fürstliche hessische Regierung erließ folgende Ver­ordnung gegen das Holen des Birken-Maies: Nachdem zur Abwendung der mit fchadhafter Ent­wendung des Birken-Maies und dessen Gebrauch seit einiger Zeit wieder so eingerisseuen übelen Ge- wohirheit Anordnung getroffen worden, daß sol­cher Jedermann ohne Unterschied in deren Thoren und Ortschaften weggcnomnren und die Verbrecher mit Gefängnis sofort bestraft werden sollen, so wird dieses Jeder manniglich zur Warnung be- kanut gemacht. Cassel, die Fürst!, Kriegs- und Domainenkannner."

Trotzdem solche Verbote erlassen und erneuert wurden, verschwand die Sitte des Maiholens nicht und hat sich bis auf den heutigen Tag noch auf der Ketzerbach, aber besonders in Weidenhausen

Leitung des Sanatoriums ist der fest 1880 in Davos ansässige Königlich Preußische Sanitätsrat Dr. Peters gewonnen. Die Krankenpflege wird von den im Sanatorium stationierten Schwestern der Diakonissenanstalt in Sch.-Hall ausgeübt werden.

Ei« ««dekanuter Menschenßa««. Der Regierungsverwalter von Britisch - Neuguinea hat, wie dem Dany Chronicle aus Melbourne telegraphiert wird, einen sensationellen Bericht über die Entdeckung eines bisher unbekannten Menschenstammes eingereicht, der im Marsch­landgebiet der Insel wohnt. Der Charakter der Gegend ist derartig, daß den Bewohnern der Gebrauch der Beine fast ausgeschlossen ist. Der Boden ist zu morastig, als daß man darauf gehen könnte und andererseits würden dietropischen Wasiergewächse in den weiten überschwemmten Strecken den Gebrauch von Canoes erschweren oder ganz verhindern. Der Beamte meldet weiter: Die Eingeborenen wohnen in Hütten, die sie über dem Master in Bäumen angelegt haben. Infolge dieser eigenartigen Lebensbe­dingungen haben die Eingeborenen vollständig verlernt, ihre unteren Gliedmaßen zu gebrauchen. Als man einige von ihnen auf harten Boden brachte', machte ihnen dies offenbar viele Schmerzen und ihre Füße fingen an zu bluten. Die Körpergestalt der Leute ist ganz außer­gewöhnlich. Der Rumpf ist enorm entwickelt, während Hüften, Beine und Füße zurückge­blieben sind. In Gestalt und Benehmen gleichen die Leute den Affen. Die Anthropologen sind über die neue Entdeckung in große Erregung geraten. Die Regierung hat zugesagt, die Bräuche und die körperlichen Eigenschaften des entdeckten Stammes wistenschaftlich erforschen zu lasten.

Ter Zustand Fa««h Zaitauschecks, der be­rühmten, in zwei Welten einst so gefeierten Tragödin, hat sich, wie derWeser-Ztg." aus New-Dyork geschrieben wird, in den letzten Tagen derart verschlimmert, daß eine Wieder­herstellung ausgeschlosten erscheint.Fanny Janauscheck stirbt langsam dahin", lautet der Ausspruch des behandelnden Arztes Dr. James E. Kelley. Die greise Künstlerin lebt seit Jahren in dem berühmten Badeorte Saratoga, aber ihr Lebensabend ist seit Jahren durch drückende Geldsorgen umdüstert, und e§, ist wahrscheinlich, daß auch die letzten Kostbarkeiten und Erinnerungszeichen, die sich die Tragödin aus ihrem wechselvollen Erdendasein gerettet hat, unter den Hammer des Auktionators in alle Welt zerstreut werden, wenn nicht wieder, wie vor drei Jahren, als die Künstlerin von einem Schlaganfall betroffen wurde, die Mit­glieder desÄcter Fund" ihr zur Hilfe kommen. Diese veranstalteten damals eine Wohltätig­keitsvorstellung für die greise Künstlerin, welche das hübsche Sümmchen von 5000 Dollars ein­brachte. Davon zahlte Fanny Janauscheck gleich eiren größeren Geldbetrag, den sie von früher schuldete, zurück, und der Rest genügte, ihr durch zwei Jahre einige Erleichterung und die Mög­lichkeit einer Kur zu gewähren. Viele der eigenartigen Kostbarkeiten, die die Künstlerin noch besaß, mußten unterdeffen zu Geld gemacht werden. Man hofft, daß durch die Bemühungen eines Hilfskomitees, das sich in Saratoga ge­bildet hat, der Verkauf der wenigen ihr noch verbliebenen Andenken verhindert werden wird. Fanny Janauscheck weilt seit 1867 in Amerika und genoß hier eine beneidenswerte Popularität. Die heutige Generation hat sie allerdings nur in Rollen zweiten Grades gesehen, zu denen die Künstlerin bis vor zehn Jahren aus NahrungS- sorgen gezwungen war.

Tie Nordseeinsel Helgoland wird von Jahr zu Jahr kleiner. Nach den Schätzungen Sach­verständiger wird bei einem gleichen Fortschreiten der Abbröckelungen wie in den letzten fünf Jahrzehnten in etwa 600 Jahren von der Insel nichts mehr übrig fein und an der schmälsten Stelle, bei dem Flaggenberge, würde sogar schon in 200 Jahren ein Durchbruch der Insel zu erwarten fein, der unabsehbare Zerstörungen nach sich ziehen könnte. Die Gemeinde Helgo­land ließ vor einigen Jahren einen gewaltigen Schutzbau an der Südostspitze der Insel auf­

erhalten, wo am Himmelfahrtstag und Pfingsten die Häuser mit Maien geschmückt werden. Ein weiteres Fest, das man zur Einholung des Som­mers noch im vorigen Jahrhundert in Oberhessen feierte, ist auch in Abgang gekommen. In Caldern blies man in der Walpurgis- und Pfingstnacht die sog. Psingst- oder Maihörner. Auf dieses Signal rannten alle Knechte nach Mitternacht mit den Pferden auf die Pfingstweide. Jeder wollte der erste am Platze sein, denn das Pferd und die Kuh, die zuerst da waren, wurden mit Blumen bekränzt und im Triumph durch das Dorf geführt. Die Magd dagegen, welche mit den Kühen zuletzt an­kam, nannte man das ganze Jahr hindurchdie Pfingsttäsche", während der Knecht, der zuletzt an­kam,Pfingstfuchs" genannt wurde. Auch in Marburg bestand bis zur Mitte des 18. Jahr­hunderts eine ähnliche Sitte, die die Freude über den erwachten Frühling zum Ausdruck bringen sollte. Die Stadt hatte darrrals noch eine ganz respektable Viehzucht an Rindvieh, die aus zwei Herden bestand, im ganzen 560 Stuck. Mit diesen Ochsen und Kühen fand ein Wettaustreiben aus die Pfingstweide statt, die sich auf dem Biegen befand, da wo jetzt die Oberrealschule erbaut wurde. Dort fanden damals diese Volksbelustigungen statt. In der Piingstwoche mußten die Bleicher den Biegen drei Tage zu diesem Zwecke räumen, und nun be­gann jeden Morgen in der Frühe das Rennen der Tiere nach dieser Pfingstweide unter dem Freuden­geschrei der Zuschauer. Tas Ziel des Laufes war die Lahn. In diese stürzten sich die Tiere und schwammen durch den Fluß zum anderen Ufer. Die besten Schwimmer, die zuerst ankamen, wur­den alsdann mitJ8Iumen bekränzt und im Triumph durch die Stadt heimgeführt.

führen, wodurch da- weitere Abbröckeln aut Ende der Kirchenstraße verhindert worden ist. Von der Reichsregierung werden nun, wie man demHannov. Kur." schreibt, ebenfalls an der Westfpitze, welche dem Angriff des Wetters und der Flut am meisten ausgesetzt ist und deshalb durch Unterwafch- ungen, Einstürze und Abstürze am meisten zu leiden hat, derartige Schutzbauten aufgeführt. Es ist bereits eine Mauer von 65 Meter Länge, 5 Meter Dicke und 6 Meter Höhe entstanden. Die Kosten dieser Anlage betragen 170 000 Mk. Man nimmt an, daß die von der Insel ab­bröckelnden Felsstücke jetzt diesseits der Mauer liegen bleiben, infolgedeffen nicht vom Waffer aufgelöst und fortgespült werden können und daß sich mit der Zeit auf diese Art von selbst eine schräge Böschung bildet. Die Mauer be­steht aus schweren Granitblöcken, während die inneren Lagen aus Beton hergestellt find. Die Wogen der Nordsee erreichen, da sie auf dem Klippengrunde der Insel schon gebrochen werden, die Mauer nur mit einem geringen Anprall. Bewährt sich diese Schutzmaßregel, so wird die Mauer im nächsten Jahre weiter geführt werden.

Ei« geschwänztes Kind. Die Darwinsche Theorie hat soeben erneutes Beweismaterial zugeführt bekommen. Wie dieTimes of Jndia" berichtet, ist in dem Gaya Distrikt in Bengal ein geschwänztes Kind geboren worden., Wie es heißt, find die Eltern des Kindes sowie die gesamten Einwohner des Ortes voll froher Hoffnung, daß das Kind einst zu, großer Be­rühmtheit gelangen könne. Ein indischer Militärarzt^ Oberst Chatterton schreibt über den Fall:Das Kind hat offenbar einen regel» rechten Schwanz. Als Ausläufer be8 Rückgrats befindet sich über dem Steiß eine längliche, Geschwulst, von der wiederum eine schwanz­artige Verlängerung ausgeht, die ungefähr drei Zoll lang und vollkommen mit Haut be­deckt ist. Der Schwanz ist bewegungsfähig und wackelt, wenn das Kind von der Mutter gesäugt wird. Knochen befinden sich nicht darin, sondern die ganze Maffe ist fest, aber elastisch. Ich schlug den Eltern vor, den Auswuchs durch eine Operation entfernen zu lassen, aber sie wollten nichts davon wissen, da sie vermuten, daß das Kind später eine Quelle des Reichtums für sie werden könne. Schon jetzt ist das Interesse der Bevölkerung ein außerordentlich starkes."

Auf deutschen Eisenbahnen, ausschließlich der baierischen, sind im Juli 30 Entgleisungen, davon 21 in Stationen, und 16 Zusammenstöße in Stationen vorgekommen. Dabei wurden 4 Reisende getötet, 13 Reisende und 13 Bahn­bedienstete verletzt.

Die deutsche Industrie hat neue Aufträge aus Nordamerika erhalten. Die Pennsylvania- bahn hat bei einer Berliner Firma mehrere Tausend Gasbeleuchtungs - Apparate bestellt. Ferner berichtet diePost", daß die Gesellschaft für drahtlose TelegraphieTelefunken" von, der nordamerikanischen Marineverwaltung einen neuen Auftrag auf weitere 25 Stationen er­hielt. Damit ist dieses deutsche System mit 50 Stationen bei der genannten Marine ver­treten.

Hochschulnachrichten.

Der o. Professor für Beschichte der Baukunst an der Technischen Hochschule in Dresden, Hosrat Dr. Cornelius Eurlitt, der namhafte Kunstschrift­steller. hat einen Ruf an die Stuttgarter Technische Hochschule als Nachfolger des in den Ruhestand ge­tretenen Professors v. Lemcke erhalten. Der a. o. Professor in der evangrlisch-theotogischen Fakultät der Universität Breslru, Dr. phil. Ille, t' eoh M. Löhr, der seit 1892 einen Lehrstuhl für alttestamcntliche Exegese inne hat, ist zur Uebernahme einer Stelle als Mitarbeiter an der Anstalt des deutsch-evangelischen Instituts für Altertumswissenschaft des Hl. Landes in Jerusalem bis Mitte Juni 1904 beurlaubt worden.

Landwirtschaftliches.

Tie nächstjährige Große landwirtschaftliche Woche."

Der Zeitpunkt für die nächstjährigeGroße landwirtschaftliche Woche", d. h. für die Tagung der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft und an­derer großer landwirtschaftlichen Körperschaften, ist auf die dritte Februarwoche, die Tage voin 15.20. Februar 1904, festgelegt.

Preisausschreiben für Kontrollvereine.

Die Bewegung für Errichtung von Rindvieh- Kontrollvereinen hat, von Dänemark ausgehend, in neuester Zeit weitere Verbreitung gesunden, und der Gedanke ist namentlich in den preußischen Provinzen, die sich besonders mit Viehzucht be­fassen, lebhaft erörtert worden. Auch die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft hat die Förderung der Kontrollvereine in den Kreis ihrer Aufgaben ge­zogen ; bereits in der Versammlung der Tierzucht- Abteilung im Februar wurde darüber verhandelt. Neuerdings hat nun die Gesellschaft - ein Preis­ausschreiben für Kontrollvereine erlassen, dessen Zweck ist, die Errichtung dieser Vereine zu unter­stützen und in richtige Bahnen zu lenken; zu Prei­sen sind 1000 M ausgesetzt. Die Anmeldung der Vereine hat bis zum 29. Februar 1904 zu er­folgen; es findet dann je nach Befinden eine Be­sichtigung an Ort und Stelle statt. Die Vereine sind ferner verpflichtet, auf der nächstjährigen Danziger Wanderausstellung eine Darstellung ihrer Tätigkeit in beliebiger Form zu geben. Nähere Angaben sind von der Deiltschen Landwirt- fchafts-Gesellschaft, Berlin SW 11, Dessauerstr. 14 zu beziehen. , ,

Saatbezug für dir Herbstzeit durch die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft.

Immer weitere Kreise der praktischen Land­wirte betätigen die Ansicht, daß die billigste und doch ost recht wirksame Ertragssteigerung durch

die Ersetzung unkefriediqender Sorten der land«' wirtschaftlichen Kulturpflanzen durch andere er- tragreichere zu erlangen ist. Da nun in wenigen Wochen mit der Herbstbestellung begonnen werden muß, sei schon jetzt, sofern die alten Sorten von Wintergetreide den gewünfchten Ertrag nicht mehr gewähren oder berechtigte Ansprüche an Winter­festigkeit oder Steifhalmigkeit als Schutz gegen Lagern nicht erfüllen, an die Beschaffung neuen Saatgute erinnert. Für diesen Bezug kann sich der Landwirt in sehr vorteilhafter Weise die Ein­richtungen der Saatstelle der Deutschen Lanbwirt- schafts-Gesellschast zunutze machen, denn, um die Sortenreinheit und den sachverständigen Anbau guten Saatguts zu fördern, hat die Deutsche Land­wirtschafts-Gesellschaft neben den durch die Aus­stellungen bekannten Preisbewerben für Saatzucht- Wirtschaften und für* Saatgut die Einrichtung der Saatenanerkennung aufgrund von Besichtig­ung von Saatfeldern durch Sachverständige ge­troffen, und besteht der Wert dieser Einrichtung darin, daß das Saatgetreide nicht allein aufgrund der Lieferungsprobe gekauft zu werden braucht, sondern auch die Felder, von welchen das Saatgut geliefert wird, einer Besichtigung auf möglichste Sortenreinheit und Freiheit von Unkraut sowie Pflanzenkrankheiten unterzogen sind. Durch ihre Saatstelle vermittelt die Deutsche Landwirtschafts- Gesellschaft den Verkehr mit diesen anerkannten Saaten zum Bezug aus erster Hand, und zwar unter bester Wahrung der Interessen des kaufen­den Landwirts. Tie seitens der Gesellschaft aner­kannten Saaten können als solche nur durch die Saatstelle der Deutschen Landwirtschafts-Gesell­schaft bezogen werden. Wenn man also neues Saatgut erwerben und hinsichtlich derSortenreiil- heit usw. möglichst sicher gehen will, wende man sich an die Saatstelle der Deutschen Landwirt­schafts-Gesellschaft, Berlin SW, Dessauerstr. 14, die in besonders herauszugebenden Saatlisten An­gebote von Saatgut macht.

Kali zu Kartoffeln.

Die drei Jahre lang durchgeführten ver­gleichenden Düngungsversnche der Deutschen Landwirtschafts- Gesellschaft mit hochprozentigen Kalifalzen und Kainit haben ergeben, daß die Kartoffel außerordentlich empfindlich gegen Chlor­verbindungen ist, die stets eine Verminderung des Stärkegehalts bewirken. So kommt es, daß man bei den vorliegenden Versuchen mit bau 40%igen Kalisalz, mit welchem man dem Boden bei gleichen Kaligaben weniger Nebensalze, insbesondere auch Chlor zuführt, als mit dem Kainit, bei Kartoffeln wesentlich bessere Erfolge erzielt hat als mit Kainit Zwar tritt auch bei dem 40%igen Salz eine Er­niedrigung des Stärkegehalts ein; aber trotz dieser Erniedrigung des Prozentischen Stärkegehalts wurden im Falle des Kalibedürfnisses nennens­werte absolute Mengen von Stärke bei den meisten Versuchen durch das 40%ige Salz mehr gewonnen und hierbei auch in vielen Fällen ein erheblicher -Gewinn erzielt. Die Prozentische Erniedrigung des Stärkegehalts muß mit in den Kauf genom­men werden, sobald durch die Kalidüngung höhere absolute Mengen von Stärken gewonnen werben. Man hat nun, um auch diese Stärkeerniebrignng zu vermeiden, empfohlen, die Kalisalze nicht im Frühjahr, sondern im Herbst auszustreuen, lieber die Zeit der Anwendung liegen nun Versuche von Herrn Professor Baumann auf Moorboden vor. Diese haben nun auch für den Kainit ergeben, daß es weit vorteilhafter ist, solchen im Herbst anstatt im Frühjahr anzuwenden. Ein Gleiches geht aber für .die hochprozentigen Kalisalze und ins­besondere für das 40%ige Salz ans diesen 23er- suchen noch nicht hervor. Zwar wird durch die Herbstdüngung die ©tnrfeerniebrigung aufge­hoben, aber bei derselben infolge der geringeren Ernte nicht immer eine so hohe absolute Menge von Stärke erzielt wie bei der Frühjahrsdüngung. Die Versuche über diesen Punkt werden bei den in Verbindung mit zahlreichen Versuchsstationen von der Dünger-Abteilung unternommenen Feld­versuchen neuerdings berücksichtigt und auch süc den praktischen Landwirt ist es wichtig, die bis­herigen Beobachtungen zur richtigen Ausführung der Kalidüngung zu Kartoffeln zu beachten.

Geschäftliche Mitteilungen.

Feuerfeste, fugenlose Luginov^and <D. R.-P). Man schreibt aus Dortmund: Die seit einem Jahre patentierten und von der Firma Kraenkel & Schallbruch in Dortmund allein herge­stellten feuerfesten fugenlosen Luginowände sind kürz­lich im Beisein des Herrn Brandmeister Schanker und einiger hervorragender dortiger Architekten der Feuer­probe unterzogen worden. Der Hergang, welcher weite Kreise interessieren dürfte, war folgender: Eine Versuchsplatte von einem Quadratmeter wurde auf der hiesigen Feuerwache einem Hitzegrade von 1400 Grad ausgesetzt, und schmolz schon nach 9 Minuten das zur Feststellung der Grade ans der Platte ange­brachte Küpser und Eisen. Nachdem die Wand bis auf 15 Minuten einem forcierten Feuer ausgesetzt wurde, konnte man auf die entgegengesetzte Seite der Elutftelle ruhig seine Hand auflegen, ohne auch nur etwas von der kolossalen Hitze, welcher die 6,5 Zenti­meter starke Wand einseitig ausgesetzt wurde, zu ver­spüren. Tie Platte wurde in voller Glut von der Esse genommen und aus nächster Nähe ein Wasser- strahl auf die weißglühende Stelle geleitet, welcher die Wand nicht im geringsten beeinstußte, solche blieb vielmehr stabil, und scheint hier ein Material ge­funden zu sein, was von epochemachender Bedeutung im Baufach sein wird.

Vor einigen Tagen feierte die unter dem hohen Patronat S. K. H. des Eroßherzogs Adolf stehende Acker- und Gartenbau-Gesellschaft von Luxemburg ihr 50jähriges Jubiläum, verbunden mit einer großen Ausstellung landwirtschaftlicher Erzeugnisse, Maschinen und Geräte. Auch hier wurde der Firma PH. May- farth & Co., Frankfurt a. M. die höchste Auszeich- nuna, 4 goldene Medaillen, zuerkannt. S. K. H. der Erbgroßherzog interessierte sich ganz besonders für die große Kollektion genannter Firma und unterhielt sich längere Zeit mit bereit Vertreter. Bei dieser Gelegenheit wollen wir noch erwähnen, daß die Firma PH. Moyfarth & Co. in Frankfurt a. M., mit Zweig­niederlassungen in Wien, Berlin, Paris, Posen, Bres­lau, Insterburg und Osnabrück, welche im Jahre 1872 mit 1 Arbeiter begonnen, heute die ansehnliche Zahl von 1003 Arbeitern und Beamten erreicht hat.'

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Frhr, v. Wanaenbeirr in Marburg