irw dem Kreismatt für -re Kreise Marburg und Krrchyaiu.
Sonntagsbeilage: Jllustrirtes Sonntagsblatt.
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J2 24a Donnerstag, 17. September 1903. *"**38.
Erstes Blatt
Der Grenzegang.
Der Gemarkungsumgang oder Grenzegang ist ein alter Brauch, der sich in einzelnen Ortschaften no(r’ I*1 seiner Eigentümlichkeit erhalten hat. o • , C™.VCI oder sechs Jahre zogen in früheren Zeiten Bürgermeister und Rat aus, um einen Gemarkungsunigang zn halten und nachzusehen, ob die Grenzen sich noch in gehöriger Ordnung befanden, «pater sind diese Uinzüge, woran sich , lsonze Gemeinde, alt und jung, mitunter beteiligte, von der Obrigkeit untersagt worden, da ue mehr in Saufgelage ausgeartet waren. Bei zedem Grenzstein wurde Halt gemacht und die durstigen Seelen mit einem frischen Trünke, den der Ortsdiener nachführte, gelabt. Tie Jugend, welche mitlief, bekam jedoch statt eines Labetrunkes an jedem Grenzstein, damit sie sich die Grenze mere, einen Backcnsireich. Nach der Rückkehr von des Tages Last und Mühe wurde gewöhnlich ein Zechgelage auf Regiments-Unkosten veranstaltet.
der eichen Hälfte des verflossenen Jahrhunderts hielt inatl in Marburg den letzten Grenzegang ab. Jin „kalten Frosch" fand der übliche Schmans statt. — Regierungsseitig wurden diese Geinarkungsunizüge mit ihren Zechgelageii, weil sie alljährlich stattfanden, verboten und diese Verbote in Erinnerung gebracht, so am 17. Mai 1799, wo die hessische Regierung in den Marburger Anzeigen folgendes bekannt machte:
Grenzegang.
Durch Verordnung vom 7. Februar 1764 ist besohlen, das;, um die Grenzen immer in Richtigkeit zu erhalten, längstens alle sechs Jahre erhalten würde. Da aber seither die Grenzbezich- llnqen dadurch, daß die ganze Gemeinde denen beuvohnte, häufig zu allerlei Exzessen Gelegenheit «egebeu haben, so wird befohlen, das; die Begleitung des ganzen Zuges von der ganzen Gemeinde
Wasserpolilik und Hochwasser.
In unserer letzten so betitelten Darlegung äußerten wir:
„Ein Kronrat hat sich jetzt mit der Beratung der zu dauernder Abhilfe geeigneten Maßregeln ^Orfchäftigt. Was da beschlossen wurde, ist im Augenblick, wo diese Zeilen in den Druck gehen, noch nicht bekannt. Aber es darf bezweifelt werden, das; die Herren Minister der Krone die Ur- . suchen der letzten Hochwasserschäden so dargelegt haben, wie sie hier den Tatsachetl entsprechend geschildert wurden. Deshalb ist kaum zu hoffen, daß die Beschlüsse des Kronrates über die Linderung der schwersten augenblicklichen Schäden weit hinausreichend eine fundamentale Aenderung der Wasserpolitik betreffen werden, in dem Sinne, daß, unter Verzicht auf die Ausgabe einiger Hundert Millionen für, den Mittellandkanal, statt defsen eine umfassende Verhütung der Schäden künftiger Gebirgshochwässer nidßt nur, sondern insbesondere auch die sofortige Abstellung aller der- lenigen, seit Jahren verschuldeten Mängel erfolgen werde, die durch die Preußische amtliche „Wasser- bautechmk". im einseitigen Schiffahrtsinteresse in den preußischen Flußniederungen geschaffen wurden. Wir wagen nicht mehr, so fundamentale Wandlungen zu erhoffen. Sollten sie dennoch eintreten, dann wird unsere Freude um so größer fein."
Auch heute ist Authentisches über die Beschlüsse beß..Kronrates noch nicht bekannt geworden. Die Offiziösen teilten nur mit, daß es nicht üblich sei, Kronratsbeschlüsse eher kundzumachen, als bis ihre Ergebnisse in den dem Landtage vorzulegenden Gesetzesvorschlägen formuliert seien. Nur das Eine ließ man durchblicken: die Beseitigung der Hochwassergefahren sei vom Kronrat als eine fedenfalls viel dringendere Aufgabe erachtet luor- öen, als die Ausführung des Mittellandkanal- Proiektes. Eine Bestätigung dieser nicht direkt beglaubigten Nachricht konnte man in dem Toben der liberalen Prefse erblicken, die zu gute Bezieh, «"gen zu manchen Stellen in der Regierung unterhalt, als daß man nicht vermuten dürfte, sie ser darüber.belehrt worden, daß ihr Steckenpferd vorläufig wenigstens, beiseit gepackt worden ist. Ob die offiziös verlautbare „sofortige Beseitigung künftiger Hochwassergefahren" sich auch auf die alten bestandigeii Schädigungen in den Flußniederungen erstrecken soll, werden wir also erst aus den Paragraphierten Gesetzesvorlagen ersah- reu. inzwischen wollen wir aber unserer jüngst ausgesprochenen Verpflichtitng innerhalb der heute bereits erkennbaren Fälligkeitsgrenzen gern genügen: Es erfüllt uns mit ehrlicher Freude, daß die fungsten Katastrophen jedenfalls in einigen wichtigen Punkten eine gute Wirkung nicht verfehlt zu haben scheinen.
. , ^hr zu sagen, wird Zeit fein, wenn die Ge- .fetzesvorschlage vorliegen. Inzwischen können wir nmw.ederholtbetonen: so arg, so tief bedauerlich die Menschen Katastrophen mich sind — möge die Regierung doch nicht die Beseitigung der beständigen. durch unzweckmäßige Wasserbauten hervor- geluienen «chäden dahinter zurückstellen! Uns
sind in den letzten Wochen noch die beweglichsten Beschwerden und Äbhilsernse aus deti interessierten Kreisen zugegangen. Wir hatten darauf geantwortet, daß es — nach dem über die Beschüsse des Kronrats bisher Verlautbarten — doch zweckmäßig erscheine, mit der Kritik nun etwas aü- zuhalten und nochmals zu „Harren und zu Hoffen". Darauf wird uns von einer Seite jetzt erwidert: „Sie wollen also in der Ueberschwemm- nngssache noch „Schonzeit" eintreten lasten. Sollte es aber nicht doch angebracht sein, auch während dieser Schonzeit wenigstens das Gewissen der Herren Wasserbautechniker ettvas mehr zu schärfen? Mir liegt hierbei am Herzen, daß zwei Punkte noch schärfer hervorgehoben werden:
1. Die Wasserbautechniker haben in technischer Beziehung ihre Pflicht nicht getan, denn sie mußten wissen, daß bei der Anlage von Buhnen hinter und vor der Buhne totes Wasser erzeugt wird. Anstatt also das Wasser so schnell als möglich in seiner Gesamtmasse fortzuschieben, wird ein Teil desselben fest gelegt. Also es wird an diesen Stellen das Gegenteil dessen erreicht, was man bezwecken wollte, dieser Teil des Flußbettes engt den Fluß ein, so hoch und so lang ivic die Buhne ist. Der Querschnitt des Flußes wird nm so viel enger. Dadurch entsteht in der Mitte naturgemäß eine stärkere Strömung, aber die Quantität Wasser, die durchzugehen vermag, ist imturgeinäß proportional dem Durchschnitt, also um so geringer, je länger die Buhne in den Fluß hineinreicht. Vor und hinter der Buhne muß aber das Wasser ruhen. ES tritt ein ähnlicher Fall ein, wie Büddenstedt ihn bei dem Druck des Windes auf ein Segel nachge- wiesen hat. Die Luft unmittelbar vor dem Segel ruht.
2. Die Wasserbautechniker sind sich der moralischen Verantwortung bei diesen Anlagen durchaus nicht bewußt gewesen, sie hielten sich für unfehlbar, statt sich zu frage»: „Wenn unsere Voraussetzungen irrig sind, welche Folgen wird oder kann dieses haben?" Diese Frage hat sich vermutlich keiner vorgelegt, sonst würde man vorsichtiger verfahren sein. Wenn wir heute darüber von den Offiziösen belehrt werden, daß: „Ueberschwemm- ungen eintreten, wenn größere Mengen Wasser auf einen kleinen Bezirk niederfallen", so mußten die Wasserbautechniker doch früher schon so schlau sein und fragen: Was wird aus den herandrängenden Wassermengen, wenn wir durch Buhnen den Ab- flußraum verengen? Und was wird dann mit den Anliegern werden? Mit Recht muß man hier die schwersten Vorwürfe erheben, denn, wenn auch der augenblickliche materielle Schaden ersetzt wird, wer ersetzt den Schaden an den Aeckern und an dem zerstörten Nahrungszustand? Wahrscheinlich niemand, da dieser Schaden sehr schwer festzustellen ist. Ein Acker, der höher verschlammt und versandet ist, wie der Pflug greift, bedarf von neuem eines Kulturmodus, den die meisten nicht in der Lage sind anwenden zu können. Es ist durch diese Versandung die Kulturarbeit von Gene- rationeu vernichtet, und eine ganze Reihe von Jahren werden vergehen, ehe die Aecker wieder ertragfähig werden, selbst dort, wo man noch mit dem Pflug den Mutterboden erreichen kann. Mehr oder weniger sind alle diese Unglücklichen zur Verarmung geführt. Es ist traurig, daß die Wasser- bautedmifer sich bei ihren tief in die Landeskultur eingreifenden Arbeiten so viele Jahre lang so wenig ihrer Veranttvortung bewußt gewesen sind.
oder der Bürgerschaft bei nachdrücklicher Strafe unterbleibe und die Grenz- und Flurbeziehungen nur von den Beamten mit Zuziehung der Stadt oder Dorfbewohner oder Forstbeamten gehalten werden soll.
Fürst!, hessische Regicung zu Marburg.
In einzelnen Ortschaften, z. B. Biedenkopf und Wetter, bat sich der gemeinschaftliche Grenze- gang bis auf den heutigen Tag erhalten. So batte ich Gelegenheit, am 21. August 1886 in Bieden- köpf einen solchen Grenzegang mit anzuschen. Morgens um 6 Uhr versammelten sich die dortigen Einwohner, Jung und Alt, auf dem Marktplätze um sich zu einem gemeinschaftlichen Znge zu ordnen, der nun mit Musik tzuin Tore hiiiausmar- schierte. Böllerschüsse vom Schloßberg herab und das Peiftchenknallen und Schellengeläute der mit weißen Hosen, roten Jacken, Samtbarret und Schnürschuhen bekleideten Harlekins verkündeten den baldigen Beginn des Grenzganges, überall erschallte der Weckruf der Tambouren durch die Stadt. Männer und Burschen kamen nun von den Versammlungsplätzen, von wo sic unter An- füßrung ihrer Führer zum Marktplatze marschier- ten- wo der Zug Aufstellung nahm. Auf einem Rosse erschien nun der Oberst mit seinem Adjutanten und gab ein Zeichen zum Abmarsch des Zuges. Tie Musik voran, setzte sich der Festzug durch die Straßen der Stadt nach der Ludwigs- Hütte zu in Bewegung., und von da ab ging es über die Berge der Stadtgrenze entlang. Auf dem Rastplätze angelangt, fand man die nötigen Vorrichtungen, um seinen Hunger und Durst zu stillen. Ganze Fässerreihen standen da mit Bier und in einem Kessel wurden die Würste gebraten und abgekocht. Es wurde nun gegessen und getrunken, jubiliert und gesungen. Die Haupt- respektsperson bei dem Grenzegang war aber ein
Man hatte den einzigen Zweck im Auge: dem Handel eine tiefere Fahrrinne zu schaffen — und kümmerte sich nicht darum, ob hundert Bauern dem Interesse eines Händlers geopfert wurden. Hoffentlich entscheiden die Landtagsabgeordneten über die ihnen seiner Zeit unterbreiteten Vorlagen nicht ohne gründlichste Prüfung der Vorfrage: ob in den, den Vorlagen zugrunde liegenden technischen Projekten die Buhnenbauten nun endlich als das erkannt tvurden, was sie in Wahrheit sind: nämlich Stauwerke, die alle wieder herausgerissen werden müssen, wenn man der Wassergefahren und Wasserschäden wirklich Herr werden will."
Umschau.
Zur Münzfrage in Deutsch-Ostafrika.
Das Organ der Deutschen Kolonialgesellschaft schreibt an leitender Stelle:
Von Kolonialfreunden wird schon seit Jahren die Einführung der Reichsmarkwährung im deutsch-ostafrikanischen Schutzgebiet gefordert. Die Rücksicht auf die wirtschaftliche Lage der Kolonie, ihre fühlbare kommerzielle Abhängigkeit von Sansibar und mittelbar von Indien waren dafür bestimmend, daß die Kolonialvertvaltung wie die Deutsche Kolonialgesellfchast in dieser Angelegenheit die nationalen Wünsche hinter die wirtschaftspolitischen Erwägungen zurücktreten ließen. Nun zeigen aber die Vorgänge der letzten Monate die Sachlage unter einem wesentlich anderen Gc- sichttswinkel und geben den berufenen Stellen begründete Veranlassung, ihr Verhalten zu ändern. Die empfindliche Storung des Handels des Schutzgebietes, die man durch das Festhalten an der Nupiewährung vermeiden wollte, ist ohnehin durch die Maßnahmen der britischen Behörden gegen den Umlauf der deutschen Rupien in Sansibar und Mombassa eingetreten.
Es ist bekannt.daß die Kolonialabteilung dem Gegenstände infolge des englischen Vorgehens ernste Aufmerksamkeit gewidmet hat. Wie schon vor mehreren Wochen mitgeteilt wurde, trat auf ihre Veranlassung eine Konferenz hiesiger Interessenten am ostafrikanischen Handel zur Beratung über eine etwaige Neuregelung der Münzverhält- uisse zusammen. Dem Vernehmen nach sollen sich in dieser Versammlung die gehörten Vertreter der Firmen gegen eine Aenderung der Währungsverhältnisse, insbesondere gegen einen Uebergang zur Reichsmarkrechnung ausgesprochen haben. Das war wohl auch kaum anders zu erwarten; denn die in Frage kommenden deutschen Firmen, vor allem die Deutich-Ostafrikanische Gesellschaft, Wm. O'Swald u. Co. und L. Hansing u. Co., die zwar au chin Deutsch-Ostafrika Handel treiben, haben seit alters ihren geschäftlichen Schwerpunkt in Sansibar. Ihre an sich berechtigten Interessen gehen ober auseinander mit den Wünschen der wenigen selbständigen Firmen, die in der Kolonie ihren Sitz haben.
Vor allem liegen indes die Beseitigung der Nupierechnung und der Uebergang zur Mark- Währung im Interesse der Verwaltung, die infolge des schwankenden Kurses der Rupie und des Umstandes, daß der Haushaltungsplan in Mark auf- zustellen ist, Einnahmen und Ausgaben aber in Rupien eingehen bezw. zu leisten sind, eine Fülle mühsamer und zeitraubender Arbeit zu bewältigen hat. Bei Einführung der Reichsmarkrechuung
in der Wolle gefärbter Moor, den man wirklich für ein Original halten konnte mit feinen getreuen Dienern, den Harlekins. Desien Hauptaufgabe es war, die nichtsahnenden Opfer sich auszusuchen, die dann unter Trommelschlag mit jedem Grenzstein bekannt gemacht wurden. Von dem Rast- Platze auS wurde noch ein Stück weiter die Grenze begangen und erst gegen 2 Uhr mittags gelangte dann der Zug glücklich in Biedenkopf auf dem Marktplätze an um feinen Umgang aufs neue wieder zu beginnen. Dieses Mal aber hatte es eine andere Bedeutung a!5 das; die Grenze begangen werden sollte. Festlich geschmückt hatte sich die Damenwelt jetzt dem Zuge angeschlojsen, denn dieses Mal ging es zur anderen Seite von Biedenkopf hinaus — nach dem Festplatze, der an der Straße nach Marburg dicht an der Lahn gelegen war. Mit katzcnälmlicher Geschwindigkeit sprangen immer die Harlekins dem Zuge auf und ab und machten ihre Nähe durch ihre Bratschen bemerkbar. Der Festplatz war mit Wirtschafts- buben, Wurstküchen, Jurbuden und Tanzplätzen reichlich versehen. Der Hauptgegenstand war aber ein Grenzstein. Am Ende des Platzes war dieser Grenzstein eingesetzt worden, und für einen besonderen Zweck an diesem Tage bestimmt. Genannter Mohr mit zwei Harlekins gingen nach der Ankunft auf die Suche, harmlose Festteilnehmer einzufangen, ähnlich wie bei dem Grenzegang. War ihnen dies gelungen, so nahmen sie ihr Opfer in die Mitte und der Deliquent wurde unter Trommelschlag über den Feitplatz nach dem genannten Grenzstein geführt, wo ihn die Harlekins an Armen und Beinen faßten und dreimal mit einem gewissen unaussprechlichen Teil auf den Grenzstein niederließen. Dann wurde er wieder auf die Beine gestellt und er mußte sich nun durch eine Gabe auslösen, die in eine große Büchse kam.
würde die Finanzverwaltung um mehrere Beamt« vereinfacht werden können.
Ein Bedenken gegen eine Aenderung des Münzstistems könnte daraus hergeleitet werden, das; damit dem Landesfiskus Deutsch-Ostafrikas der erhebliche Münzgcwinn entgehen würde, den der Uebergang des Prägungsrechtes auf ihn erhoffen läßt, lieber diese Schwierigkeit dürste aber Wohl dadurch hiiüvegzukommen sein, daß für Deutsch-Ostafrika NeichSmarkmünzen besonderer Prägung vorgesehen würden, so daß der zu erzielende Prägegewinn der Kolonie nicht verloren ging.
Bestimmend für die endgültige Entscheidung muß vor allem sein, daß der gegenwärtige Zeitpunkt für eine Aenderung des Münzwesens günstig ist. Für den hart bedrängten Handel der Kolonie, der .worauf am Eingänge dieses Ar- tikcls schon hingewiesen ist, durch die münzpoli- tischen Maßnahmen der Engländer in Sansibar und Mombassa neuerdings schwer geschädigt ist, kann durch den Uebergang zur Markwährung keine Gefährdung befürchtet, sondern nur eine Besserung seiner Lage erhofft werden. Noch sind ferner erst verhältnismäßig kleine Teile des großen Schutzgebietes an einen Geldumlauf überhaupt gewähnt. Der größte Teil der Kolonie würde daher durch die Einführung der Neichsniarkrech- nuug wirtschaftlich kaum berührt werden. Je länger man mit dieser Maßregel wartet, um so schwieriger gestaltet sich natürlich mit der fort- schreitenden Ausbreitung des Geldverkehrs die Durchführung.
Die neben einer Aenderung der Währung noch in Erwägung kommenden Maßnahmen, Einführung eines festen Kurses für die Rupie und Aufstellung deS Etats.für die Kolonie in Nnpierech- nung, wären nur ein Notbehelf. Die Entwicklung der Verhältnisse in den letzten Monaten drängt dazu, von der indischen Währung ohne weiteres Zandern zur deutschen überzugehen. Ein solcher Schritt der Kolonialverwaltung würde zugleich wirksam die Bestrebungen de? Gouvernements unterstützen, das Schutzgebiet mich in anderer Beziehung wirtschaftlich von Indien unabhängig zu machen. Es sei hier mir an die Notwendigkeit erinnert, der Reiseinfuhr aus Indien, mit der stets die Einschleppung der Pest droht, einen Riegel vorzuschieben und die Kolonie in den Stand zu setzen, dieses wichtige Nahrungsmittel in genügenden Mengen selbst hervorznbringen.
Der A n ß e n h a n d eI Kameruns i m I a ß r e 1 9 0 2.
Im „Deutschen Kolonialblatt" wird das Ergebnis einer vorläufigen Ausstellung des Handels Kameruns angegeben wie folgt:
in der Einfuhr 1902 13 367 000 Jl
1901 9 251 000 -«
mithin 1902 mehr 4 116 000 Jl
in der Ausfuhr 1902 6 264 000 Jl
1901 5 98-1 000 Jl
mithin 1902 mehr 280 000 Jl
Die Zunahme der Ausfuhr ist hauptsächlich auf die Steigerung der Ausfuhr von Pglmkernen zurückzufüßren, auch Kakao dürfte höhere Werte aufweifen. Die Ausfuhr von Kantstbnk und Elfenbein hat um etwa 450 000 Jl abgenommen.
die ihm der Mohr hinhielt. Bei den Stadtbehörden wurde mit dem Einfangen der Anfang gemacht und dann ging es dem Rang nach. Dieses Vergnügen dauerte den ganzen Nachmittag. Dec Mohr und die Harlekins, welche sich in die Einnahmen mit den Trommler teilten, waren sehr zufrieden damit und wünschten wohl jedes Jahr einen solchen Grenzegang. Auf dem Festplatze sorgte die Musik für die nötige Unterhaltung, sodaß jeder, der das Fest besucht hatte, befriedigt nach Haufe kam. Am anderen und dem darauf folgenden Tag fand der Grenzegang seine Fortsetzung wie Tag? vorher.
Auch in anderen kleinen Städten, wie Kirchhain und Wetter hat man den alten Brauch wieder zur Geltung gebracht und einen Grenzebegong, wenn auch nicht in origineller Weise wie in Biedenkopf, veranstaltet. In Kirchhain hatte man in diesem Jahre aus Anlaß eines Waldumtausches einen Antrag auf Veranstaltung eines Grenzeganges und Verwilligung eines Beitrages aus der Stadtkasse hierzu gestellt. Dieser Antrag wurde aber von der städtischen Behörde abgelehnt. Damit waren die Veranstalter nicht zufrieden und so machten sie einen Grenzebegang auf ihre Kosten. Morgens um ^9 Uhr zog inan mit einer Musikkapelle voran und beging nun die neue Grenze des Stadtwaldes, wo nach beendeter Arbeit am alten Tanzplatz die Einnahme eines Frühstücks und des Frühschoppen? stattfand. Auch der Bürgermeister hatte sich mit verschiedenen Ratsherren eingenmden und nahmen au der Feier Anteil. Mittags um 1 Uhr zog man in einem Zug heimwärts. Nachmittags von 4 Uhr ab sand die Feier ihre Fortsetzung in der neuen Festhalte und dauerte bis spät abends.
Ein alter anderer Brauch, der nur noch vers« einzclt sich erhalten bat war